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Die Bombe

© 2003 Alexander Supertramp
Prolog

Als am 11. September 2001 zwei Passagierflugzeuge von Terroristen in die Türme des World Trade Center gesteuert wurden, befand sich der überwiegende Teil der Menschheit im Schock.

Nur diejenigen, die das Attentat geplant und durchgeführt hatten jubilierten. Einige Tage später begannen die Diskussionen darüber ob dieser Anschlag hätte verhindert werden können.

Geheimdienstkreise waren wiesen immer darauf hin, daß ein Anschlag dieser Größe nicht für möglich gehalten wurde. Ein naiver wie katastrophaler Irrtum.

Wenn man die Vergangenheit jedoch näher betrachtet, findet man Hinweise auf die verheerenden Anschläge vom 11.September.

Nostradamus, einer der größten Seher, gab in seinen Visionen schon den Hinweis, daß mit einem solchen Anschlag zu rechnen ist. Wenn man seine Schriften liest findet man unter anderem folgenden Hinweis:" Die Zwillinge, die auseinander gerissen werden, die Festung die standhält, und wenn die große Stadt in Flammen liegt, beginnt der dritte große Krieg."

Natürlich werden jetzt wieder einige den Finger heben und antworten, daß dies sehr weit hergeholt sei. Jedoch ist ein gewisser Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen.

Die USA übten und üben Vergeltung an den Schuldigen. Aber eine Zerstörung des Netzwerk des Terrors konnten auch dies Vergeltungsmaßnahmen nicht bewirken. Ganz im Gegenteil. Auf der ganzen Welt gibt es noch Zellen die Anschläge vorbereiten und auch durchführen....

1

"Ist alles vorbereitet?"

"Natürlich".

"Wann wird es passieren?"

"Wenn es soweit ist".

"Wer wird den Auftrag ausführen?"

"Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, daß der Auftrag ausgeführt wird".

"Es darf nicht mißlingen".

"Es wird nicht mißlingen".

"Wir vertrauen Ihnen".

"Gut."

2

Betty Carlson verließ die Redaktion des Tageskurier durch den Haupteingang. Sie wandte sich nach links und ging Richtung Innenstadt. Betty schaute auf die Uhr. Zehn Minuten vor drei. Sie würde es ohne Probleme zu ihrem drei Uhr Termin schaffen.

In Gedanken ging sie noch einmal die Fragen durch, die sie dem Spitzenkandidaten der städtischen Partei stellen wollte. In zwei Wochen waren schließlich Wahlen und es kristallisierte sich ein Kopf an Kopf rennen mit dem Kandidaten der Gegenpartei heraus.

An einer Ampel blieb sie und zuckte vor Schmerz kurz zusammen. Ein heftiges ziehen über dem rechten Beckenknochen nahm ihr fast den Atem. Beinahe hätte sie die Aktentasche, die sie mit der rechten Hand festhielt, zu Boden fallen lassen.

Betty verharrte eine kurzen Moment leicht vorgebeugt, die linke Hand auf die Stelle gepreßt, wo der Schmerz am stärksten war. Sie horchte auf das Pochen und richtete sich dann wieder langsam auf. Der Schmerz war so schnell wieder gegangen, wie er über sie her gefallen war.

Das war nun das dritte mal, daß sie von einem plötzlichen Stechen überrascht worden war, und dabei fast zu Boden gegangen wäre. Sie würde nach dem Termin heute nachmittag, noch schnell bei Ihrem Hausarzt, Dr. Alevi vorbei schauen und sich ein Mittel gegen diese Schmerzen geben lassen.

Die Ampel zeigte mittlerweile zum zweiten mal Grün und die junge Frau überquerte etwas unsicher die Straße. Den Vorfall vergaß sie fürs erste. Betty Carlson Gedanken wanderten wieder zu dem bevor stehenden Interview und damit zu dem vorläufigen Höhepunkt ihrer noch jungen Journalisten Tätigkeit.

3

Komissar Alexander von Stein saß an seinem Schreibtisch und studierte den Sportteil des Tageskurier. Er konnte es nicht glauben. Fünfhundert Euro auf Sieg von Runners Point und der alte gaul ließ sich mittelbar vor dem Ziel noch abfangen.

"Scheiße", sagte er und faltete dann die Zeitung zusammen. Mit einer flüssigen Bewegung ließ er den Sportteil in den Papierkorb fallen.

Von Stein stand auf und ging zu der Kaffeemaschine und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. Schwarz wie die Nacht mußte er sein. Alles andere war, als ob man sich selbst belügen würde. Außerdem hatte er in letzter Zeit ein paar Pfunde zu gelegt, die er wieder abnehmen wollte. Schließlich hatte er eine kräftige Statur bei einer Größe von fast zwei Metern. Das Kräftige sollte nicht unbedingt durch ein paar Rundungen ergänzt werden. Man hatte ja auch noch die eine oder andere Verpflichtung.

Der Kommissar führte die Tasse gerade an seine Lippen, als das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte. Schnell ging er zu dem Telefon und nahm mit der linken Hand den Hörer ab. "Von Stein", meldete er sich. " Ja, hallo", meldete sich ein fröhliche Stimme, " Stefes von der Zentrale. Ich habe hier einen Herrn in der Leitung der mit ihnen sprechen möchte".

" Und wie heißt der Anrufer"?

" Das wollte er nicht sagen. Der Mann meinte nur, daß es sehr wichtig sei und er mit ihnen sprechen möchte".

" Dann sagen sie ihm, wenn er seine Namen nicht nennt, kann er auch nicht mit mir sprechen".

"Das habe ich ihm schon gesagt", antwortete die Telefonistin," aber er meinte nur, er hätte eine Information, die sehr brisant sei".

" Das ist mit erst einmal egal. Das letzte Mal, als ich jemanden ohne Namen mit einer brisanten Information empfangen habe, hat mit sechs Wochen Krankenhaus eingebracht, weil der Informant ein durch geknallter Junkie war, der mir mit seinem Butterfly seine Initialen einritzen wollte. Also vergessen sie es. Kein Name. Kein durchstellen".

Dann legte er den Hörer auf.

Seine Gedanken gingen zu dem verregneten Novembertag zurück als das Telefon geklingelt hatte und eine Stimme sagte, daß unten am Empfang jemand auf ihn wartete, der eine wichtige Information in einem Fall hatte, den er damals gerade bearbeitete. Von Stein war in die Empfangshalle gegangen. Dort saß nur dieser völlig zu gekiffte Junkie. Doch das wußte er in diesem Moment noch nicht. Als von Stein nahe genug heran gekommen war, zog der Junkie ein Messer und stach ohne Warnung auf ihn ein. Nur seine guten Reflexe verhinderten schlimmeres. Mit zwei gezielten Tritten gewann er schnell die Oberhand und hatte den Angreifer rasch bezwungen.

Erst einige Zeit spürte er die Feuchtigkeit, die an seinem rechten Bein bis zu den Knöcheln reichte. Augenblicklich wurde ihm schwarz vor Augen.

Im Krankenhaus stellte sich dann heraus, daß er bei der Messerstecherei zwei ziemlich tiefe Stichwunden davon getragen hatte, die aus irgendwelchen Gründen von ihm oder von den anwesenden Kollegen bemerkt worden war.

Durch den hohen Blutverlust war er stark geschwächt und sollte ein paar Tage im Krankenhaus bleiben. Zu allem Überfluß entzündeten sich die Wunden und aus ein paar Tagen wurden sechs Wochen.

Das Telefon klingelte erneut. Alexander von Stein schaute auf den Apparat. Ihm war klar, wenn er jetzt den Hörer abnahm, gab es kein zurück mehr. Woher er das wußte und wovor es kein zurück mehr gab, hätte er nicht sagen können.

Er wußte es einfach.

" Scheiße", entfuhr es ihm.

Dann nahm er den Hörer von der Gabel.

4

"Wie laufen die Vorbereitungen"?

"Bestens. Wir haben jetzt drei Versuche gestartet und jedesmal war es ein voller Erfolg. Wenn sie möchten, kann ich ihnen ein Video vorspielen auf dem jeder Schritt festgehalten ist. Von der Erfassung der Versuchsperson bis zum Abschluß".

"Nein danke. Ich werde es so halten wie so schon gesagt haben. Je weniger ich weiß, um so besser".

"Gut".

"Haben sie schon eine Zielperson für unseren Auftrag"?

"Ich glaube nicht, daß sie das wissen müssen".

"Sie haben recht".

"Ich weiß".

"Dann auf ein gutes Gelingen".

"Ja".

5

Betty Carlson hatte die Parteizentrale vor einigen Minuten betreten und sich an der Information für das Interview mit dem Vorsitzenden Paul Hagen anmelden lassen. Sie war auf die Toilette gegangen um ihr Make-up zu überprüfen.

Der große Spiegel zeigte ihr Gesicht und sie erschrak ein wenig. Sie sah ein wenig blaß um die Nase aus. Aber mit ein bißchen Puder würde die Blässe rasch verschwinden.

Das flaue Gefühl in ihrer Magengegend hingegen würde sie einfach ignorieren müssen.

Diese Übelkeit hatte sie nun schon seit Anfang der Woche. Zuerst hatte sie gedacht, sie hätte sich den Magen bei ihrem Lieblingsitaliener verdorben. Doch ihre Begleitung, ein Freund aus alten Tagen, hatte das gleiche gegessen wie sie, und der war gestern bester Gesundheit gewesen, als sie ihn auf der Straße getroffen hatte.

Betty beschloß, direkt im Anschluß an das Interview ihren Hausarzt auf zu suchen und sich etwas gegen ihre Übelkeit verschreiben zu lassen.

Sie packte ihr Make-up in ihre Handtasche und verließ die Toilette.

Die Dame an der Information teilte ihr mit, daß Herr Hagen sie jetzt empfangen würde. Die Journalistin bedankte sich und ging zu einem der drei Aufzüge.

6

Wie die Person es geschafft hatte, eine direkte Leitung in sein Büro zu bekommen, war für den Kommissar ein Rätsel. Aber was die geheimnisvolle Anrufer ihm am Telefon angedeutet hatte, hatte seine kriminalistischen Instinkt fürs erste geweckt.

Alexander von Stein konnte ihm zwar nicht entlocken, was denn so eminent brisant wäre, aber er hatte mit dem unbekannten vereinbart, sich im Alt Berlin zu treffen.

Von Stein hatte sich an den Tresen gegenüber der Tür gesetzt, um so jeden neuen Gast betrachten zu können.

Die anderen Gäste waren ein junges Paar, deren Münder irgendwie zusammen gewachsen sein mußten.

Der andere Gast war anscheinend schon längere Zeit im Alt Berlin, da er augenscheinlich Probleme hatte, sich auf einem der Barhocker in ruhiger Position zu halten.

Der Kriminalbeamte bestellte sich ein Bier und wartete. Er hatte gerade einen großen Schluck genommen, als die Tür auf gestoßen wurde und ein Mann die Kneipe betrat. Er hatte südländische Aussehen und war ungefähr einen Meter achtzig groß. Sein äußeres war sehr gepflegt und ließ darauf schließen, daß die Person etwas auf sich hielt. Als der Unbekannte den Kommissar am Tresen erblickte, huschte ein kurzes Lächeln über sein Gesicht.

Schnell ging er um den Tressen herum und sprach Alexander von Stein an:" Wie ich sehe, sind sie pünktlich".

"Aber auch nur, weil ich Moment keinen Fall zu bearbeiten habe. Sonst wäre ich zu so einem treffen nicht bereit gewesen".

Der andere lächelte jetzt. "Dann hätten sie meine Informationen aus der Tagespresse entnommen. Und glauben sie mir. Es würde in jeder Zeitung stehen".

"Dann erzählen sie mir doch einmal, was so interessant ist, daß es mich gleich hier vom Hocker haut".

Der Informant sah den Kommissar von der Seite her an und antwortete dann:" Warten sie noch eine Moment. Zuerst muß ich wissen, ob sie meine Informationen diskret behandeln, mich also aus allem heraus halten. Denn wenn sie mir dies nicht zu sichern, werde ich sofort wieder gehen. Zweitens: ich werde ihnen gleich eine Cassette geben, die meine Aussage unterstützt. Also kommt unser Handel zustande"?

Von Stein antwortete nicht sofort. Er brauchte einen Moment um seine Gedanken zu ordnen. Dann kam er zu einem Entschluß.

Er würde sich alles anhören, und dann entscheiden ob er es mit einem harmlosen Spinner zu tun hatte, oder ob der Informant als glaubwürdig ein zu stufen war. Und harmlos sah sein gegenüber nicht unbedingt aus. Er hatte gestochen scharfe Gesichtszügen die ihn an einen Pharao erinnerten. Die obligatorische Hakennase fehlte jedoch. Die dunkle Hautfarbe gab seinem Gesicht etwas geheimnisvolles, von dem sich viele Frauen wahrscheinlich angezogen fühlten. Seine braunen Augen waren klar und nicht von einer einzigen kleinen roten Ader durchlaufen.

Der Südländer schaute Alexander von Stein offen ins Gesicht.

Der Kriminalbeamte nahm noch einen Schluck aus seinem Glas und antwortete dann:" Also gut. Ich glaube nicht, daß sie zu der Sorte Wichtigtuer gehören, die die Zeit anderer Leute in Anspruch nehmen um irgend einen unwichtigen Scheiß als wichtig einstufen zu lassen. Sollte das jedoch der Fall sein, dann werde ich ihnen Arsch so weit aufreißen, daß sie im Kreis scheißen können. Ich hoffe wir haben uns verstanden".

Der Unbekannte lächelte immer noch, was von Stein so langsam auf die Palme brachte.

"Natürlich haben wir uns verstanden. Aber deshalb müssen sie nicht gleich so vulgär werden. Und sie können versichert sein, daß ich ihre wertvolle Zeit nicht sinnlos in Anspruch nehmen werde. Da mein Leben nach unserem Treffen nichts mehr wert sein wird, werde ich Deutschland auf dem mir am sichersten scheinenden Weg verlassen. Aber das soll sie nicht belasten".

Beide schauten sich wie zwei Boxer vor Kampfbeginn an.

Dann begann der Südländer:" Mein Name ist nicht wichtig.

Nur soviel: Meine Freunde nennen mich den Professor. Ich verfüge über Informationen, die einen in der Planung bestehenden Bombenanschlag betreffen. Woher ich das weiß werden sie sich fragen. Ich habe zweimal an einer Einsatzbesprechung teil genommen. Zuerst war ich mit vollem Einsatz und meiner ganzen Überzeugung dabei. Als ich jedoch erfuhr, daß das Ziel ihr Land ist, war für mich klar, daß ich dieses Attentat verhindern muß. Warum werden sie jetzt fragen. Aber meine ganze Familie lebt seit Jahren in Deutschland und fühlt sich sehr wohl.

Und seit dem 11. September haben wir Moslems überall mit Mißtrauen zu kämpfen.

Wo und wann das Attentat ausgeführt werden soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich weiß nur so viel, daß hochrangige Politiker das Ziel sein sollen. Da bei ihnen in Kürze wieder eine Wahl ansteht, sollten sie die zuständigen am besten noch heute informieren".

Der Informant hielt inne und schaute sein Gegenüber an.

Alexander von Stein antwortete nicht sofort. Das gehörte mußte er erst einmal verarbeiten. Ein Bombenattentat auf deutschem Boden. Das hatte es wahrlich schon lange nicht mehr gegeben.

Aber er war für solch eine Sache nicht zuständig. Er war schließlich beim Morddezernat. Doch die Opfer eines solchen Attentats wurden ja auch ermordet. Und dann war er wieder zuständig. Aber die Zuständigkeit für Politiker lag beim BKA oder nicht. Er kannte jemanden beim BKA, dem er das eben gehörte erzählen konnte und die konnten dann entscheiden ob diese Information als wichtig eingestuft wurde oder nicht.

"Das ist ziemlich starker Tobak, den sie da aufgefahren haben. Nur mal angenommen, ich setze mich mit den zuständigen Stellen in Verbindung, wie soll ich unser Gespräch als glaubwürdig einstufen lassen, wenn sie sich gleich auf nimmer wiedersehen verabschieden"?

Der Südländer griff in seine Jackentasche uns legte einen weißen Umschlag auf den Tresen und verließ dann ohne ein weiteres Wort das Lokal und ließ den Kriminalkommissar allein zurück.

7

"Geht es ihnen nicht gut", fragte Gerhard Hagen, der Spitzenkandidat der Regierungspartei, seine Interviewpartnerin.

Betty wollte etwas erwidern, doch aus ihrem Mund kam nur ein ersticktes röcheln. Der stechende Schmerz in ihrer rechten Körperhälfte war mit einer Heftigkeit zurückgekehrt, daß sie ihre Notizen und den Kugelschreiber hatte fallen lassen.

"Ich glaube mein Blinddarm spielt ein wenig verrückt. Nichts wirklich schlimmes".

"Das sehe ich aber völlig anders. Sie sind ja weiß wie die Wand hinter ihnen. Wir sollten eine Arzt für sie kommen lassen.

Es stimmte. Betty`s sonst so gesunde Gesichtsfarbe war seit dem erneuten Ausbruch fast ins Graue gewechselt. Die Schmerzen wurden immer schlimmer.

Ihr wurde Schwarz vor den Augen. Dann überkam sie eine dankbare Schwärze.

Gerhard Hagen sprang erschrocken auf und lief zur Tür.

"Frau Meinert, rufen sie drüben in der Klinik an. Frau Carlson ist ohnmächtig geworden".

"Sollten wir nicht einen Krankenwagen aus der Stadt kommen lassen? Schließlich ist die Klinik eine Privatklinik, in der fast nur ausländische Patienten behandelt werden".

"Für eine Ambulanz aus der Stadt ist keine Zeit, fürchte ich. Und übrigens. Dr. Bahrami schuldet mit noch einen Gefallen. Schließlich konnte er seine Klinik nur aufgrund meiner Beziehungen eröffnen. Erinnern sie ihn ruhig daran". Dann schloß er die Türe wieder und wandte sich der immer noch bewußtlosen Journalistin zu. Behutsam legte er sie auf das Sofa auf dem sie während des Interview Platz genommen hatte. Das lange blonde Haar hing ihr jetzt wirr im Gesicht. Abgesehen von der im Moment teigigen Haut war sie recht hübsch an zu schauen.

Die Tür wurde geöffnet und Gerd Hagens Sekretärin trat ein.

"Dr. Bahrami wird persönlich herüber kommen. Es kann sich nur um ein paar Minuten handeln".

"Na hoffentlich", murmelte Hagen und beugte sich dann wieder besorgt über die bewusstlose Frau.

Als Dr. Bahrami ein paar Minuten später das Zimmer betrat, und sich von Gerd Hagen das geschehene erzählen lies, rief er sofort in der Klinik an und veranlasste alles für eine sofortige Operation. Der Zustand von Betty Carlson ließ keinen Aufschub mehr zu.

"Hallo. Können sie mich hören? Frau Carlson".

Langsam drehte Betty ihren Kopf in die Richtung aus der sie die Stimme vernahm. Die Lider lagen wie Blei auf ihren Augen. Mit reiner Willenskraft öffnete sie die Augen und schaute einem dunkelfarbigen Mann in die Augen.

Der Mann fing an zu grinsen und sagte: "Schön, dass sie wieder bei uns sind. Ihr Blinddarm hätte ihrem Leben fast ein Ende gemacht.Aber das schlimmste ist jetzt überstanden. In ein paar Tagen können sie die Klinik wieder verlassen.

Betty nickte nur. Sie war noch nicht in der Lage zu antworten.

Dr. Bahrami hatte sich schon halb abgewandt, als er sich noch einmal an Betty wandte:" Ich soll ihnen einen schöne Gruß von Herrn Hagen ausrichten und sie sind recht herzlich zu dem Rededuell eingeladen".

Dann griff er in seine linke Tasche des Ärztekittels und holte einen Presseausweis heraus. Er gab ihn Betty und ließ sie dann allein.

Die junge Frau schaute sich den Ausweis an. Da Stand, dass sie einen Platz in der erste reihe zu gesprochen bekommen hatte. Das war sonst nur renommierten Journalisten vorbehalten. Es ging ihr jetzt schon etwas besser.

"Und haben sie Fortschritte in ihrer Planung gemacht"?

"Ja".

"Was soll das heißen? Wie sind die Planungen? Wird unsere Sache ein Erfolg werden"?

"Sie fragen immer so viel. Die Bombe wird erstklassig platziert sein. Niemand wird sie finden. Auch wenn hundert Sicherheitsstufen für die Gäste eingerichtet werden. Der Sprengsatz wird zu dem vorgegebenen Zeitpunkt detonieren und vermutlich niemand überleben.

Haben sie mein Ticket dabei? Ich werde morgen meinen verdienten Urlaub antreten".

"Von dem sie nicht mehr zurück kehren werden".

"Warum auch. Meine Mission ist beendet".

"Ihr Ticket ist am Schalter hinterlegt. Sie brauchen es sich in fünf Tagen nur ab zu holen".

"Gut".

Betty verbrachte noch drei erholsame Tage in der Klinik von Dr.Bahrami und dann wurde sie mit den besten Wünschen entlassen.

Zuhause angekommen hörte sie den Anrufbeantworter ab, auf den ungefähr hundert mal ihr Chefradakteur gesprochen hatte und sie um Rückruf bat.

Also tat sie ihm den gefallen und verabredete mit ihm, dass sie sich morgen noch schonte und dann nur den einen Termin, nämlich das Rededuell zu besuchen, wahrnahm und den Bericht per email in die Redaktion schickte.

Nach dem Telefonat fühlte sie sich ein wenig schlapp und legte sich auf die Couch wo sie fast augenblicklich einschlief. So brauchte sie sich auch keine Gedanken mehr über das Zwicken ihrer operierten Seite zu machen.

Dr. Bahrami saß an einem kleinen Tisch in der Flughafen halle und rührte gedankenverloren seinen Kaffee um. So schien es jedenfalls. Wer den Doktor jedoch näher betrachtet hätte, der hätte gemerkt, dass dieser konzentriert der Sendung im Fernsehen folgte.

Ein Schwenk der Kamera hatte ihm gezeigt, dass seine kleine Patientin Betty Carlson ihren Platz eingenommen hatte. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen.

Die junge Frau war tatsächlich durch alle Kontrollen gelangt, ohne dass der Sprengsatz in ihrem Körper gefunden wurde. Die Techniker in der Heimat hatten wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet.

Sein Flug nach Amsterdam wurde aufgerufen. Er schaute auf die Uhr. In zwanzig Minuten würde das erste europäische Land ins Chaos gestürzt. Aber da wäre er schon auf dem Weg zu seinem nächsten Auftrag.

 

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