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Distanziert

© 2003 Erinnye

<>Es war dunkel und ein eisiger Windstoß zischte ihm um die Ohren als William mit schnellen Schritten durch die Straße ging. Obwohl seine Finger schon vor Kälte kribbelten und feuerrot waren und er jeden Windstoß durch seine dünne Jack hindurch bis ins Rückenmark spürte, hatte er nicht vor nach Hause zu gehen. Seit seine Mutter vor einiger Zeit verstorben war unterzog er sich dieser Prozedur des öfteren. Er ging abends wenn nicht mehr so viele Leute unterwegs waren, leicht bekleidet durch die Straßen und genoss regelrecht den eisigen Schmerz der Kälte. Vielleicht um sich selbst zu bestrafen, wofür auch immer. Möglicherweise tat er es auch um alles um sich herum vergessen zu können. Wenn sein Körper durch annähernden Erfrierungen schon fast brannte, machte er sich keine Gedanken über sein Leben. Und auch nicht über seine Mutter. Sie war eine Heldin, das hatte er schon als kleines Kind gewusst als von er seine Großeltern, bei denen er aufgewachsen war, erfahren hatte, dass sie in Afrika als Ärztin arbeiten würde um den Menschen dort zu helfen. Damals hatten sie ihm aber nicht gesagt, dass seine Mutter schon krank gewesen war, dass sie sich schon lange vor seiner Geburt angesteckt hatte.

Die damalige Situation in ihrem Arbeitsgebiet war katastrophal und die Lage schien aussichtslos. Trotzdem war sie engagiert und vorsichtig gewesen. Bis zu dem einen Tag als es zu einem Aufstand junger Männer kam, der die Krankenstation in Panik stürzte. Auch seine Mutter war damals unvorsichtig geworden und hatte sich an einem Skalpell geschnitten, das sie bis gerade eben noch dafür verwendet hatte um einer schwarzen Frau einen Tumor vom Bein zu entfernen. Damals hatte sie sich noch keine Gedanken gemacht. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch nicht gewusst, dass diese schwarze Frau wie viele Menschen in Afrika an Aids erkrankt war. Die hätte es besser wissen müssen, sie hätte einfach nicht schwanger werden dürfen.

Wütend ging der Junge weiterhin durch die Nacht. Es begann zu schneien und die Flocken blieben in seinen kurzen schwarzen Haaren hängen und glitzerten mit den Sternen um die Wette. Er stampfte durch den immer höher liegenden Schnee die Straße entlang. Er hatte seinen Kopf zum Boden gesenkt, weshalb er das rothaarige Mädchen erst wahrnahm als er gegen es stieß. Der Junge rechnete damit, dass es sich empört umdrehen und ihn anschreien würde, doch damit hatte er sich getäuscht. Sie sah ihn aus ihren ungewöhnlichen grünen Katzenaugen an und grinste. Sie grinste einfach. Der Junge wusste nicht wie er darauf reagieren sollte und nuschelte ein leises "Tschuldigung!". Jetzt verwandelte sich das Grinsen des Mädchens in ein freundliches Lächeln. Sie streckte ihm ihre rechte Hand, die in einem knallpinken Handschuh steckte, entgegen und stellte sich ihm vor: "Ach das macht doch nichts. Ich heiße übrigens Shelly!" Als er ihre Hand ergriff sah sie seine roten Finger und fragte sich das erste aber nicht das letzte Mal was es mit diesem seltsamen Jungen auf sich hatte. "William." sagte er. "Mein Name ist William." "Hi William" lächelte sie ihn liebevoll an und meinte mit einem erneuten Blick auf seine frierende Erscheinung: "Du siehst schon fast aus wie ein Eiszapfen. Willst du nicht vielleicht irgendwo einen heißen Tee trinken gehen um dich ein bisschen aufzuwärmen?" Der junge wehrte gleich ab, er hatte keine Lust mit irgendeinem fremden Mädchen etwas zu trinken. Er wollte keine Gesellschaft und er brauchte sie auch nicht. "Tut mir leid, aber ich habe kein Geld mit." ließ er Shelly abblitzen und wollte sich schon wieder auf den Weg machen als sie ihn mit einem überheblichen Grinsen am Arm packte und zurückhielt. "Ich lade dich ein." Mit diesen Worten zog sie den verdutzten William hinter sich her. Er war zu sehr überrascht als dass er sich dagegen wehren könnte also stolperte er hinter dem Mädchen mit den grellrot gefärbten Haaren her. Er hatte vor einen Tee zu trinken und dann einfach abzuhauen. Er wollte ihr nichtmal "auf Wiedersehen" sagen, wozu auch. Shelly zog den Jungen in ein kleines Cafehaus, das trotz der späten Abendstunde noch offen hatte und führte ihn in das obere Stockwerk. Sie ließ sich mit einem zufriedenen Seufzen auf einem der gepolsterten Sessel nieder und meinte zu William, der sich auch gerade setzte: "hach, das hier ist meine Lieblingsecke. Einfach uneeeendlich gemütlich!" Obwohl William sich nicht sonderlich wohlfühlte, besonders bei dem Gedanken, dass sich dieses wildfremde Mädchen mit ihm unterhalten wollen würde, musste er sich wohl oder übel eingestehen, dass die Atmosphäre wirklich unglaublich beruhigend und friedlich war. "Du heißt also William." begann Shelly das Gespräch und der Junge nickte zustimmend. Der Kellner kam und nahm ihre Bestellung auf. Als er wieder weg war fragte Shelly mit einem Grinsen: "Du? Darf ich dich vielleicht Liam nennen? Das passt nämlich viiiel besser zu dir!" Insgeheim fühlte sich der Junge geschmeichelt, dennoch war es ihm irgendwie unangenehm. Er wollte dieser Shelly auf keinen Fall irgendwie das Gefühl geben, dass sich vielleicht eine tiefere Verbindung zwischen ihnen beiden entstehen könnte. Er hatte keine Lust dazu sich mit ihr anzufreunden, er brauchte keine Freunde, er konnte auch so ganz gut leben. "Nenn mich wie du willst." entgegnete er ihr abweisend und blickte zu dem Kellner, der mit einem Tablett auf dem zwei Tassen standen an ihren Tisch kam. "Grüner Tee?" fragte der Mann die beiden und Shelly hob ihren Zeigefinger woraufhin die Tasse vor sie gestellt wurde. Auch "Liam" bekam seinen Früchtetee. Am liebsten hätte er ja eigentlich einen Kaffee gehabt, das Koffein könnte er wirklich brauchen, aber er hatte das billigste Heißgetränk bestellt um seine Schuld bei Shelly möglichst gering zu halten. Während er sich Zucker in den Tee gab sah das Mädchen ihn verwirrt an und fragte: "Warum bist du so unfreundlich? Soweit ich weiß habe ich dir nichts getan!" William verdrehte seine Augen und begann mit einer leicht verächtlichen Stimme zu sprechen: "Hör mal zu, ich möchte echt nicht beleidigend werden, aber ich bin nur mit dir mitgegangen damit ich etwas zu trinken bekomme. Ich habe keinen Nerv dafür mich mit dir zu unterhalten!" Einen Moment lang war die rothaarige Shelly sprachlos vor Erstaunen. Sie hatte eigentlich geglaubt, dass er zwar ein wenig verrückt aber alles in allem ein lieber Kerl wäre. Das war auch der Grund warum sie ihn nicht so schnell aufgeben würde. Ihr altbekanntes Grinsen kam zurück und sie begann zu plaudern: "Naja, ich habe ja auch nicht gesagt, dass ich mich mit dir unterhalten möchte. Also mir persönlich würde es schon reichen wenn du mir zuhörst!" Liam lehnte sich in seinem Sessel zurück und hörte ihr zu. Es würde schon nicht schaden wenn er ein wenig hier blieb. Er wollte einen Schluck seines Tees trinken, doch als er sich beim Ansetzen der Tasse die Lippe verbrannte, beschloss er doch erst in ein paar Minuten von dem Getränk zu kosten. Ihm gegenüber redete Shelly weiterhin munter drauf los, regelrecht wie ein Wasserfall. Liam ließ es einfach so an sich vorbeirauschen, doch bei einem Satz wurde er hellhörig. "Hey, es tut wirklich gut mir dir zu reden. Du bist echt ein Freund!" machte ihm das Mädchen ein Kompliment. William stutzte bei diesem Satz. Hatte sie ihn gerade wirklich als Freund bezeichnet? Was bildete sich die eigentlich ein? Er sprang von seinem Stuhl auf und stürmte ohne auf das verdutzte Mädchen zu achten aus dem Cafe. Als er wieder in der kalten Nachtluft stand und ihm die Schneeflocken um die Ohren wehten, war er stolz auf sich. Er hatte das einzig richtige getan, wenn er sich länger mit ihr unterhalten hätte, dann wäre seine Ablehnung für sie nur noch schmerzhafter geworden. sie schien ein nettes Mädchen zu sein, er wollte sie nicht unbedingt verletzten. Doch er hatte ihr klar machen müssen, dass er niemand war, mit dem man Smalltalk führen konnte und sich schnell anfreundete. Er scheute menschliche Beziehungen. Er hatte seine Gründe. Angst, dass er zurückgestoßen werden würde. Er könnte natürlich lügen und sich selbst als einen anderen Mensch darstellen als er eigentlich war. Doch er wollte nicht schauspielern und verstellen. Und das hatte sich damit auch erledigt. Er würde diese Shelly nie wieder sehen, also bestand diesbezüglich keine Gefahr mehr, dass sie ihm zu nahe kommen könnte. Mittlerweile war es wirklich schon spät geworden und er beschloss langsam nach Hause zu gehen. Wie schon vorher zischte der Wind durch seine Kleidung aber seltsamerweise kam es ihm jetzt bedeutend unangenehmer vor. Die letzten Meter zu seiner Wohnung schüttelte es ihn schon vor Kälte und er hatte Angst mit seinen klammen Fingern die Tür überhaupt nicht mehr aufschließen zu können. Und tatsächlich musste er ein paar Mal seinen heißen Atem auf seine Hände hauchen um schließlich die Tür doch aufzubekommen. In seiner Wohnung drehte er erstmals das Licht auf und legte sich dann auf sein Bett. Irgendwie ging ihm Shelly nicht aus dem Kopf. Sie war seit langer Zeit der erste Mensch gewesen, der wirklich offen auf ihn zugegangen war. Doch was sollte er machen, wenn sie nur annähernd so viel wüsste wie er nach ihrem Rederausch über sie, dann würde das Mädchen mit absoluter Sicherheit nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. William merkte wie er langsam auftaute und kuschelte sich in seine Steppdecke um es sich so gemütlicher zu machen. Er schlief ein und wachte am nächsten Morgen erst dadurch auf aufgeweckt als auf der Straße vor seiner Wohnung ein Motorrad in ein ausparkendes Auto fuhr und daraufhin von beiden Fahren großes Gekreische losbrach. Normalerweise schlief er um diese Zeit noch. Er war arbeitslos und lebte von dem Geld, das ihm seine Großeltern vermacht hatten als sie von ihm gegangen waren. Sie hatten ihn alleine gelassen und außer ihm wusste jetzt niemand mehr von der Last die auf seinen Schultern ruhte. Sein Tagesablauf bestand meist darin, dass er bis Mittags schlief, dann einkaufen ging und sich die Zeit bis zum Abend mit lesen oder fernsehen vertrieb. Am Abend war dann "seine" Zeit. Die Zeit der Spaziergänge während denen er alles vergessen konnte. Auch heute war es nicht anders, alles lief so ab wie immer. Wie immer sah er sich im Fernseher Serien an bis er durch das Fenster beobachten konnte, dass es langsam dunkel wurde. Als es soweit war schnappte er sich seine Jacke, schaltete den Fernseher ab, verließ die Wohnung und startete wieder eine seiner ziellosen Reisen. Seit dem vergangenen Abend hatte es viel geschneit und der Schnee, der fast schon kniehoch auf den Straßen lag, schluckte jegliches Geräusch. Nur das Knirschen des Schnees selbst war zu hören. Ohne es zu bemerken ging er die selbe Strecke wie am Vortag und wie der Zufall oder möglicherweise auch das Schicksal es wollte, sah er plötzlich durch das Schneegestöber etwas rotes. Das konnte doch nicht... Er kam immer näher und wurde sich zusehends sicherer, trotzdem drehte er sich nicht um und rannte weg. "ich habe gehofft, dass ich dich wiedersehe!" begrüßte ihn Shelly und als sie einen Blick auf seine wiederum verfrorenen Finger warf, kramte sie in der Tasche ihre Daunenjacke und hielt ihm mit einem Grinsen ein paar schwarze Handschuhe hin, die er nach kurzem Zaudern entgegennahm und anzog. Es war ein seltsames Gefühl. irgendwie vertraut. "Ich war ganz schön überrascht und traurig als du gestern einfach abgehauen bist." ergriff wiederum das Mädchen das Wort. "Tja, was soll man da machen" erwiderte William emotionslos konnte sich aber selbst nicht verbergen, dass er sich darüber freute das Mädchen wiederzusehen. Als Shelly ihn fragte ob sie sich nicht unterhalten könnten, ein Gespräch an dem sich beide beteiligen führen könnten, antwortete William ihr überraschenderweise, dass das wohl in Ordnung gehen würde. Warum wusste er selbst nicht. Er lud das Mädchen zu sich ein und sie ging ohne zu zögern mit, ein Wunder, dass ihr noch nie etwas passiert war. Die beiden setzten sich nebeneinander auf Liams Bett und tranken den Orangensaft den er ihr als perfekter Gastgeber angeboten hatte. Sie schwiegen sich an, zumindest so lange bis die lebhafte Shelly sich nicht mehr zurückhalten konnte und das Eis einfach brechen musste: "Warum bist du so abweisend? Liegt es an mir oder stimmt mit dir irgendwas nicht?" Der Junge zuckte augenblicklich zusammen. Er wollte nicht, dass sie es erfuhr. Doch wie sollte er es verhindern? Er war hier in seiner eigenen Wohnung, von hier konnte er nicht einfach weglaufen. Doch Weglaufen war für ihn immer die ultimative Lösung gewesen. "Das ist eine lange Geschichte." versuchte er sie davon abzulenken und ihr weis zu machen wie uninteressant sein Leben doch wäre. Shelly hingegen lehnte sich zurück bis sie sich auf ihre Ellbogen stützte und sah ihn lächelnd an: "ich habe Zeit genug. Es gibt niemanden der mich vermissen wird." William begann, warum wusste er selbst nicht, ihr zu erzählen was damals mit seiner Mutter geschehen war, wie sie sich mit dieser unheilbaren Krankheit angesteckt hatte. "und?" fragte Shelly leicht verwirrt. "Ich meine, klar dass du wegen deiner Mum traurig bist, aber was hat das mit dir und deiner seltsamen Art anderen Menschen gegenüber zu tun?" William fasste sich an die Stirn, seine Schläfen pochten. Passierte das alles wirklich? Er fasste sich ein Herz und gestand ihr, dass er ein Geheimnis hätte. Shelly blickte ihn mit einem umwerfenden Augenaufschlag an und meinte, dass er ihr alles sagen könnte, dass sie sich von nichts abschrecken lassen würde. "Aber... nein, das geht einfach nicht, ich muss es für mich behalten, niemand kann diese Last mit mir gemeinsam tragen, obwohl, dass natürlich wunderschön wäre jemanden zu haben mit dem man darüber reden kann. jemanden der einen versteht, der einem in den schwierigsten Situationen trotzdem zur Seite steht." Shelly setzte einen etwas aggressiveren Tonfall ein als sie ihm jetzt schon fast befahl ihr zu sagen was sein Geheimnis wäre. "Shelly, die...die Krankheit meiner Mutter, weißt du, die ist .... erblich." stotterte er und Tränen stiegen ihm in die Augen. lange hatte er sich danach gesehnt diesen schwarzen Fleck in seinem Leben auszusprechen. Während er gesprochen hatte, war es von ihm vorgezogen worden auf die gegenüberliegende Wand zu sehen, doch als er jetzt verzweifelt auf ihre Reaktion wartete, drehte er sich nun doch zu ihr. Es war für ihn schon überraschend, dass sie nach diesem Geständnis nicht gleich schockiert rausgestürmt war. Doch der Blick den sie ihm jetzt entgegenwarf, ließ ihm den Atem stocken. Er wollte sie fragen was sie davon hielt, doch ihre einzige Antwort war, dass sie ihn küsste und langsam zu sich aufs Bett zog. "Geteiltes Leid ist halbes Leid" flüsterte sie.

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