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Blutende Glückseligkeit

© 2003 Erinnye

"Joshua würdest du bitte den Anstand haben und deinen Hintern sofort hier runter zu bewegen?" Für wenige Sekunden verkrampfte sich die rechte Hand des Jungens um seinen Kugelschreiber als er die Stimme seiner Mutter hörte. Joshua ... wie sehr er diesen Namen verabscheute. Wahrscheinlich tat er dies gerade deshalb weil er ihn von seinen Eltern gegeben bekommen hatte. Er verdrehte die Augen, atmete tief durch, ließ den Stift los woraufhin dieser unkontrolliert losrollte und erst wieder liegen blieb als er schließlich an das Handy des 15-jährigen Jungen stieß. Obwohl er viel lieber weiterhin an seinem Schreibtisch sitzen bleiben und Tagebuch schreiben würde, stand er widerwillig auf und öffnete seine Zimmertür. Es gab einen Grund warum sie ihn ausgerechnet heute beim Essen dabei haben wollten. Ein Geschäftskollege seines Vaters war zu Besuch und ihm sollten sie die heile Familie vorspielen. Normalerweise interessierte sich keiner dafür ob das "schwarze Schaf" Joshua mit ihnen gemeinsam am Wohnzimmertisch saß. Wahrscheinlich wäre es ihnen sogar lieber wenn er den ganzen Tag in seinem Zimmer verbringen würde. Doch diesen Abend musste er wohl oder übel überstehen. Er trat aus seinem Zimmer, stieg die Treppe hinab und schlurfte unwillig und mit gesenktem Kopf ins Wohnzimmer wo seine Eltern, der Geschäftsfreund und Joshuas 17-jährige Schwester Kiara bereits am Tisch saßen. Vier Augenpaare schienen ihn regelrecht zu durchbohren. Der kurze Weg zu seinem Platz kam ihm vor wie ein Spießrutenlauf. Von seinem Vater musste er sich anhören wie unhöflich es wäre einen Gast warten zu lassen. Seine Mutter warf ihm vor, dass er schrecklich aussehe und doch gefälligst mal wieder zum Friseur gehen könnte. Regelrecht geschont wurde er von seiner Schwester, die sich damit begnügte ihm einen abälligen Blick zu zuwerfen. Mit halbgeschlossenen Augen um nicht allzu viel von seiner Umgebung mitzubekommen, setzte er sich und begann stillschweigend zu essen. Eine Strähne seiner halblangen blonden Haare fiel ihm in die Stirn und er schob sie seelenruhig wieder hinter sein Ohr. Nach einem Kommentar seiner Mutter wie unmöglich es wäre vor dem Gast mit dem essen anzufangen, durfte er endlich seine Suppe weiterlöffeln. Während er seinen Blick in seinem Teller versenkte, begannen seine Eltern vor dem Gast damit anzugeben wie toll Kiara doch in der Schule wäre, wie schön sie ist, wie hilfsbereit, und überhaupt. an Joshua hingegen ließen sie kein gutes Haar. Er versuchte sich verbissen aufs Essen zu konzentrieren um nicht alle Beleidigungen mit anzuhören die seine Eltern gegen ihn abschossen. Er ließ es über sich ergehen, dass sie herumposaunten wie schlecht er doch in der Schule wäre. Denn das stimmte ja auch. Doch als seine Mutter wieder mit der alten Leier anfing, dass er mit seinen Haaren und den geschminkten Augen wie ein Mädchen aussehe, reichte es ihm. Mit einem Ruck stand er vom Tisch auf wobei sein Stuhl gefährlich zu wackeln begann. Die Blicke seiner Eltern, die ihm vorwarfen wie kindisch sein Verhalten wäre, registrierte er kaum. Mit wütenden Schritten und auf den Boden gesenkten Blick eilte er zurück in sein Zimmer und schmiss die Türe hinter sich zu. Seine Schläfen pochten und er spürte eine ungeheure Wut in seinem Bauch als er sich schwungvoll in seinen Schreibtischstuhl fallen ließ. Wie sehr er seine Familie hasste. Dafür wie sie sich für etwas besseres hielten. Nur weil er in der Schule mehr gelangweilt war als interessiert. Weil ihm sein Aussehen so gefiel wie es jetzt war. Er schminkte sich nun mal gerne, betonte seine feminine Seite. Außerdem fand er, dass das schwarze Make-up seine Augen tiefgründig und irgendwie geheimnisvoll wirken ließ. Er sah damit alles andere aus als wie eine kleine Schlampe. So hatte ihn sein Vater mal bezeichnet als er es doch tatsächlich gewagt hatte einen langen schwarzen Rock anzuziehen. Doch da ließ er sich nichts sagen. Seine Klamotten und sein Make-up waren für ihn ein Heiligtum. Seine einzige Möglichkeit gegen seine Eltern und Kiara zu rebellieren. Anders traute er sich nicht ihnen zu widersprechen. Wie auch, sie waren ohnehin schon alle gegen ihn. Es machte ihn so wütend, dass er nicht sein konnte wie er es nun mal wollte. Er hatte keine Chance. Seine Eltern würden niemals akzeptieren dass er anders war. Er hatte es sich angewöhnt all die gemeinen Kommentare und Anschuldigungen einfach runterzuschlucken, sie zu unterdrücken, zu vergessen. Seit er ein kleines Kind war und aus Versehen die teuere Chinaporzellanvase seiner Mutter zerstört hatte war er das "schlimme" Kind. In all diesen Jahren hatte sich große Wut in ihm aufgestaut. Wut gegen seine Familie und auch gegen sich selbst. Weil er sich nicht wehrte. Joshuas Blut begann regelrecht zu kochen. In einer plötzlichen Sehnsucht nach physischen Schmerz fing er an die Fingernägel der rechten Hand in seinen linken Unterarm zu verkrallen. So fest er auch zudrückte, mehr als ein paar Hautfetzen resultierten aus diesem Vorgehen nicht. Er hatte das Bedürfnis sein eigens Blut fließen zu sehen, doch irgendwie wollte es ihm nicht gelingen. Als sich schließlich seine Hand verkrampfte und er immer noch nicht an sein Ziel gekommen war hörte er deprimiert auf. So würde er nicht weiterkommen, er musste es irgendwie anders anstellen. Er öffnete eine seiner Schreibtischschubladen und holte das kleine grüne Stanleymesser heraus und ließ die Klinge nach ungefähr einem cm einrasten. Mit diesem Werkzeug in seiner überraschend ruhigen Hand begann er, indem er das Messer leicht schräg hielt, sich die Hautpartie unter seinem Ellenbogen aufzuritzen. Endlich floss Blut. Es war eine ungemein befriedigendes Gefühl den warmen Lebenssaft über die Haut rinnen zu spüren. Er spürte wie sein ganzer seelischer Ballast langsam von ihm abfiel, unter diesen Umständen, jetzt und hier, war das alles egal. Er vergas seine Eltern, seine Schwester und all die anderen Menschen die ihn jemals wegen seines Aussehens oder Benehmens schief angesehen hatten. In diesem Moment zählte nur er. Er und die pulsierende Flüssigkeit die aus den kleinen Schnitten in die Freiheit drang. Langsam wurden die Schnitte immer größer und er wanderte mit dem Messer seinen Unterarm abwärts. Sein Blick fiel auf seine bläulich schimmernde Pulsader. Er konnte regelrecht sehen wie sie mit seinem Herzschlag im Einklang pulsierte. Einen Moment dachte er darüber nach wie es wäre wenn er mit einem gekonnten Schnitt und mit genügend Druck quer über diese blaue Linie fahren würde. Wie schön es wäre wenn all das wunderbare Blut aus ihm herausspritzen würde. Das kribbelnde Gefühl der vorangegangen Schnitte forderte ihn dazu auf mehr zu machen. Schluss zu machen. Doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Der Gedanke, dass er seinen Eltern damit einen Gefallen tun würde, dass sie sich freuen würden wenn er endlich weg war. Die Tatsache, dass er als Toter auch nicht mehr so sein konnte wie er es wollte, ließ ihn das blutige Messer sanft auf den Tisch gleiten. Viel angenehmer war da doch die Vorstellung sich an den Leuten zu rächen, die ihn daran hinderten seine Persönlichkeit auszuleben. Sich von all diesen schrecklichen Menschen zu befreien. Sich zu befreien und all jene die so waren wie er. Denn er war nicht allein, das wusste er jetzt. Doch wie sollte er sich seiner Familie entledigen? Er hatte keine Ahnung von Giften oder Waffen. Und nur mit einem Messer bewaffnet hätte er gegen sie keine Chance. Er war noch nie sonderlich kräftig gewesen. ...Das Haus anzünden.... Nein, das hatte auch keinen Sinn, dann würden ja auch alle seine Sachen verbrennen. Mit einem Mal kam ihm der entscheidende Gedanke. "Das alles einfach hinter mir lassen" schoss es ihm durch den Kopf. Das war doch die Lösung! Er stand mit einem freudigen Grinsen auf, nahm seine Reisetasche aus dem Schrank und begann Kleidung, sein Make-up und seine wichtigsten persönlichen Dinge einzupacken. Er würde hier abhauen und nie wieder zurückkehren. Seine Eltern würden ihn nicht polizeilich suchen lassen, das wusste er, also musste er keine Angst haben. Nachdem er auch seine gesamten Ersparnisse in ein Seitenfach der Tasche gepackt und sich seinen langen schwarzen Stoffmantel angezogen hatte, ging er in Richtung Tür. Als er im Rahmen stand warf er noch einen letzten Blick in sein Zimmer. Dieser fiel genau auf das blutbefleckte Messer auf dem Schreibtisch. Nach kurzem Zögern ging er noch mal schnell zurück und steckte das Messer in seine Manteltasche. Wer wusste schon ob er es nicht doch noch mal brauchen würde....  
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