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Überlebenskampf

©2003 by Stephan Möller (theMöllerman)

Als Mark aufwachte, war das erste, was er dachte: Ich habe verschlafen! Er machte die Augen auf und sah sich um. Moment mal!, dachte er. Mark war gar nicht zu Hause. Er richtete sich auf.

Er befand sich in einem nahezu leeren Raum, leer bis auf die Matratze, auf der er lag und ... einem kleinem Gummiball, der sich regungslos in einer Ecke befand. Er hatte ungefähr den Durchmesser eines Fußballs und war mit Kindermotiven bunt bemalt.

Die Matratze war weiß, sonst nichts. Durchgehendes, dreckiges, in der Dunkelheit des Raumes aber dennoch strahlendes Weiß. Die Matratze lag mitten im Raum und wirkte in dessen Dreck total fehl am Platz.

Wie bin ich hier her gekommen?, fragte sich Mark. Er stand auf. Jetzt erst bemerkte er, dass er vollkommen nackt war. Verdammte Scheiße, was ist passiert?

Mark sah sich um, aber auch im Stehen gab es für ihn nicht viel mehr zu sehen als im Sitzen. Das einzige, was er an Neuem bemerkte, war ein kleines Fenster. Er ging hin.

Das Fenster war schwarz angestrichen, aber an einigen Stellen war die Farbe weggekratzt, sodass etwas Licht hindurch fiel. Mark richtete sich auf die Zehenspitzen, um durch die Löcher hindurchsehen zu können, doch vergeblich; das einzige, was er sah, waren Gitterstäbe. Er befand sich also entweder im Gefängnis oder in einem Kellerraum. Nur: warum sollte ein Gefängnis seine Fenster schwarz anstreichen? Mark kam zu dem Entschluss, dass er das Gefängnis ausschließen konnte. Fazit: Er befand sich in einem Kellerraum!

Moment mal! Was war das? Marks Herz schlug ihm bis zum Hals. Er stellte sich erneut auf die Zehenspitzen und beugte sich zum Fenster vor. Seltsam!, dachte er.

Die Farbe war nicht einfach abgeblättert, sie war ... abgekratzt! Von ... Fingernägeln! Man konnte die Kratzspuren ganz deutlich im Glas erkennen.

Mark war also nicht der erste, der in diesem Raum gefangen war. Aber halt!, kam es Mark in den Sinn. Woher willst du so genau wissen, dass du gefangen bist?!

Das war einmal ein guter Gedanke! Er sah sich noch einmal um und bemerkte eine schwere Eisentür, die sich schräg gegenüber des Fensters befand. Komisch! Wieso hatte er die nicht vorher gesehen?

Du hast sie sehr wohl gesehen!, sagte eine Stimme in Marks Kopf. Du hast sie nur nicht wahrgenommen!

Das konnte stimmen, es musste sogar stimmen. Er ging zur Tür und drückte die Klinke herunter, jedoch umsonst! Es tat sich nichts. Die Tür war abgeschlossen.

"Verdammte Schisse!", fluchte er.

Mark drehte sich um und ging zurück zur Matratze, um sich wieder hinzusetzten.

Trübselig ließ er sich fallen und machte sich lang. Komisch!, dachte er. Es waren überhaupt keine Geräusche zu hören: kein Straßenlärm, kein Kindergekreische, keine Turmuhren, die jede volle Stunde ankündigten. Er musste sehr abgelegen sein, vielleicht auf irgendeinem verlassenem Bauernhof.

Aber warum? Das war eine berechtigte Frage; Mark wusste es nicht ... er wusste rein gar nichts, außer dass er Mark Parmann hieß und vollkommen nackt in einem verdunkelten Raum gefangen war, der sehr weit von einer Stadt oder einer Straße abliegen musste.

Mark sah an sich herab. Vom Körperbau her zu schließen musste er zwischen 30 und 40 Jahren alt sein. Er war ungefähr 1,90 Meter groß und – haha, unschwer zu erkennen – ein Mann.

Er war nahe am Verzweifeln. Keine Anhaltspunkte, woher er kam, gut, an seiner Hautfarbe konnte er erkennen, dass er aus Mitteleuropa stammen musste, aber viel half ihm das auch nicht.

Er legte sich auf den Bauch, vergrub sein Gesicht in seinen Armen und begann zu heulen.

Er heulte über zwei Stunden, bis er schließlich einschlief.

 

Als er aufwachte, war es Nacht. Mark sah das nicht sofort, doch nach einigen Sekunden merkte er, dass kein Licht durch die aufgekratzten Löcher in der Farbe des Fensters fiel.

Er gähnte und setzte sich auf. Kurz darauf bemerkte er, wie er dringend pinkeln musste, also stand er auf und erledigte sein Geschäft in eine Ecke. Gerade, als er sich wieder hinsetzten wollte, verspürte er Durst.

Er lag noch viele Stunden wach und dürstete, heulte und dürstete wieder.

Womit habe ich das bitte verdient?, fragte er sich. Dann erinnerte er sich an den Ball, der einsam in der Ecke lag. Er nahm ihn zu sich und begann, ihn hin- und hertrumpfen zu lassen.

Irgendwann schlief er ein.

 

Er träumte.

In seinem Traum lief er über eine Wiese, dessen Farbe das schönste Grün war, das Mark kannte und sie war übersäht mit Löwenzahn. Sie war wunderschön!

Dann, auf einmal, wurde alles dunkel. Er sah einen Mann in einem beigefarbenen Mantel, der schnurstracks auf ihn zu kam. Je näher der Mann kam, desto dunkler wurde es um ihn herum.

Der Kerl war jetzt nur noch wenige Meter von ihm entfernt, er kam immer näher, er würde ihn umrennen. Reflexartig machte sich Mark auf den Zusammenstoß gefasst, aber ... es passierte nichts. Mark öffnete die Augen, die er im Reflex geschlossen hatte, aber er sah nur schwarz. Es war alles schwarz, bis auf ... einem kleinen bunten Punkt, der sich schnell auf ihn zu bewegte.

Es war der Ball. Das erste Mal sah Mark jetzt, wie wundervoll frei die Motive auf dem Ball waren und er bemerkte noch etwas: die bunte Wiese, die auf dem Ball abgebildet war, war haargenau dieselbe, wie die, auf der er eben noch herumgewandert war.

Auch der Ball kam immer näher und näher, und auch hier machte sich Mark auf den Aufprall bereit, doch es geschah wieder nichts (auf jeden Fall nichts spürbares). Als er jedoch die geschlossenen Augen öffnete, befand er sich wieder auf der Wiese.

Dann wachte er auf.

 

Was zum Teufel hat dieser Schwachsinn denn zu bedeuten?, fragte sich Mark, kurz nachdem er aufgewacht war. Es hatte garantiert etwas zu bedeuten, das spürte Mark, das wusste er! Nur was?

Mark war vollkommen fertig. Er musste dringenst auf Toilette, nur dieses Mal verspürte er nicht nur den Drang zu urinieren, nein, er musste auch – auf Gutdeutsch ausgedrückt – tierisch kacken. Hätte er nur pinkeln müssen, wäre das kein Problem gewesen, nein, aber davor, in den Raum, in dem er allein war, und, der Gedanke war ihm gerade gekommen, wahrscheinlich auch sterben würde, wenn er nicht bald etwas zu trinken bekam, zu scheißen, schreckte Mark doch zurück.

Er entschloss sich, den Dreck noch so lange wie möglich zurückzuhalten, nahm sich, zum Zeitvertreib, den Ball und kickte ihn gegen die Wand.

 

Er spielte etwa zwei Stunden Fußball gegen die Wände, dann setzte er sich, denn sein Hintern schrie förmlich und auch seine Blase sang Opernarien. Doch das war nicht das Schlimmste, das Schlimmste war sein Durst!

Da kam ihm eine Idee, zugegeben, eine scheußliche, eine verabscheuungswürdige Idee, aber es war immerhin eine Idee. Sollte er? Sollte er nicht?

Fakt war auf jeden Fall, dass er beim Fußballspielen einen dreckigen alten Lappen in einer Ecke gefunden hatte, der ihm merkwürdigerweise bisher verborgen geblieben war. Fakt war, dass er wie verrückt pinkeln musste. Und Fakt war, dass er etwas trinken musste, um wenigsten noch eine Zeit lang überleben zu können.

Sollte er nun? Oder sollte er lieber doch nicht?

Er entschied sich, es zu tun, wenn es zu ekelig wurde, konnte er ja immer noch aufhören.

Er kniete sich hin, legte den alten Lappen, den er gefunden hatte, vor sich auf den Fußboden und pinkelte drauf.

Mark pinkelte und pinkelte, er wunderte sich, wie er so viel Wasser lassen konnte, obwohl er so lange Zeit nichts mehr getrunken hatte.

Insgesamt urinierte er eine halbe Minute, dann nahm er den Lappen vom Boden auf, legte den Kopf in den Nacken und presste den Lappen in seinen Mund aus. Zum einen schmeckte es scheußlich, aber zum anderen auch wunderbar, wobei das letztere überwog. Der Geschmack an sich war natürlich verabscheuungswürdig, aber die Freude darüber, wieder etwas Flüssiges im Mund zu haben, war so wunderbar, dass es den schlechten Geschmack übertönte. Und außerdem hatte der Urin den Geschmack nach etwas ganz anderem: dem Geschmack nah Leben.

Nun machte es ihm auch nichts mehr aus, sein anderes Bedürfnis zu erfüllen, was er in eine Ecke tat.

Dann schlief er ein.

 

Epilog

 

Zeitungsausschnitt vom 26.09.2003:

Gestern Nachmittag fand die örtliche Polizei den als vermisst gemeldeten 35-jährigen Mark Parmann im Keller eines Bauernhauses. Parmann leidet unter akutem Gedächtnisschwund und konnte der Staatsanwaltschaft nichts über sein verschwinden oder den/die Entführer berichten. [...]

 

Zeitungsausschnitt vom 30.09.2003:

Heute Nacht wurde der Entführer des 35-jährigen Mark Parmann von der Polizei gefasst und verhört. Er gestand, sein Opfer k.o. geschlagen und während seines Überlebenskampfes gefilmt zu haben, um diesen über das Internet zu vertreiben. Er gestand auch, schon weitere "Filme" dieser Art gemacht zu haben.

Parmann selbst hat sein Gedächtnis wiedererlangt und befindet sich auf dem Wege der Besserung.

 

E-N-D-E

 

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