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Berg der Engel

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Seit nunmehr zwei Jahren sitzt Mario E. freiwillig in seiner Zelle einer staatlichen Irrenanstalt. Kurz zuvor zerbrach die Beziehung mit seiner Frau, weil diese ihm mit einem Bekannten betrogen hatte. Er erfuhr per Zufall davon und zerbrach an den Lügen, die sich um ihn herum aufgebaut hatten. Die folgenden Zeilen sind ein Auszug aus einem seiner Briefe die keinen Adressaten haben.

Aufgestauter Hass, der mich durch mein fortlaufendes Schicksal begleitet, schwappt hier und da über. Manchmal ist es erträglich und an anderen Tagen ist es vergessen. Ich konnte es bereits oft nach außen hin verdrängen und gerade heute ist es wieder soweit, dass ich davon überwältigt werde. Wie eine zierliche junge Frau, die in eine finstere Seitengasse gedrängt wird und dort unbegreifliche Qualen einer Vergewaltigung erleiden muss, durchdringen mich meine Erinnerungen. Ich verweigere nicht den Glauben an die Liebe. Nein, ich habe sie erleben dürfen. Allerdings muss ich mich den vielen Menschen widersetzen, die mir glauben machen wollen, dass man mehr als einmal lieben kann. Wahre Liebe gibt es nur ein einziges mal im Leben und jedem, der gegenteiliges behauptet, begegne ich aus dessen Sicht stur und unbelehrbar. Vor Jahren habe ich dem Deutschen Volke meinen Dienst an der Waffe verweigert, weil ich mich auf den netten Paragraphen im Grundgesetz berufen konnte. Heute wäre ich bereiter denn je, eine Schusswaffe zu benutzen. Ich hasse einige Menschen, denen ich nur wünschen kann, dass sie mir an einem guten Tag unter die Augen kommen. An einem hellen Tag, an einem übersichtlichen Platz mit vielen anderen Menschen. Zurück in meiner Zuflucht erträume ich mir die fehlende Macht. Ich mache mich auf meinen Weg, hinauf zu einem Berg im Norden. Dort oben arbeiteten zu Gottes Zeiten noch tüchtige Engel. Heute kriechen dort sehr viele Menschen umher, deren Worte so falsch wie Weihnachten sind. Nach Einbruch der Dunkelheit suche ich den Grund für meinen abgrundtiefen Hass. Kurz, nachdem ich ihn gefunden habe, stehe ich vor dem Menschen. Der Abschaum liegt winselt im Dreck der nassen Straße und ich lächle beim Anblick seines blutigen Gesichts. In seinen Augen sehe ich das pure Entsetzen wieder und mit seinen zerschürften Händen winkt er um Gnade. Vergebens. Ich genieße sein Leid und wünschte mir, dass es ein ähnliche zerfressendes Gefühl ist, wie dass, welches er in mir damals verursachte. Ich kann dieses Gefühl nicht wirklich gut umschreiben und doch will ich, dass er dort unten auch die tausend unbarmherzigen Kreaturen in seinem Körper spürt, die sich von Innen nach Außen hindurchfressen. Sie reißen kleine Stücke deines Körpers heraus und schaffen es für einige Zeit davon abzulassen, damit man sich wieder erholt und nicht sofort stirbt. Je länger man am Leben bleibt, desto länger können es sich diese Kreaturen richtig gut gehen lassen. Sie haben diese Kriegsführung vortrefflichst perfektioniert. Der Regen peitscht meinem Gegner ins Gesicht und irgendetwas sagt mir, dass seine Pein noch nicht annähernd so stark ist, wie die meinige. Auf eine andere Art auch sehr schmerzlich und unmenschlich aber noch nicht genug. Ich trete ihm in seine Seite und dieses Gefühl ist so wundervoll und bestärkend. Es erweckt ein beglückendes Kribbeln und so trete ich immer und immer wieder zu, bis ich vor Begeisterung nicht mehr weiter kann. Ich stelle mir vor, dass sich genau so Satan gefühlt haben muss, als er vom Tod Gottes erfuhr. Erhaben und mächtig wie nichts anderes. Ein ohrenbetäubendes Gelächter erfüllt die Nacht. Zu meinen Füßen liegt ein Todgeweihter, er spuckt Blut und ersehnt nichts mehr als ein Ende der Qualen. Ich besinne mich auf meine bissigen Kreaturen und nehme den halbtoten Körper mit zu mir, um ihn noch ein wenig mehr von seinem neuen Leben erhalten zu können. Ich hatte bereits Begegnungen mit diesem Menschen, der sich einst als mein Freund ausgab. Ich hatte schon damals einen teuflischen Hass in mir. Leider fehlte mir auch hier die Kraft meinem wirklichen Ich genüge zu tun. Genau wie an den Tagen an denen ich versuchte, ins weiße Licht auf der anderen Seite dieser Welt aus zu brechen. Ich schaffe es einfach nicht. Eine Blockade des guten Menschenverstands möchte man meinen. Ein schizophrener Selbsterhaltungstrieb, der mich davon abhält durch zu drehen. Ich bin nicht dumm und weiß um die Folgen nur all zu gut bescheid. In dieser Welt ist gesunde Blutrache nicht gestattet und trotzdem schreit es in mir, da ich doch nichts zu verlieren habe. Die Rache kann vielleicht die Kreaturen in mir vertreiben. Ich wünschte es gäbe einen Ausweg und doch bleibt mir nur der Gang durch das Tor zur Hölle oder die Tür hinter der mich ewiger Schmerz erwartet. So liege ich nun kraftlos auf dem kalten Boden vor diesen beiden Möglichkeiten und verlebe meine Zeit. Die Flucht zurück bleibt mir verwehrt, wie der Wunsch der Wissenschaft nach einer Zeitmaschine.

...............................................Für immer.

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