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Töte ihn!

© 2007 Torsten Hefenbrock

Töte ihn!

Diese unheimliche, lispelnde Stimme quält ihn inzwischen schon über zwei Stunden.

Los, töte ihn!

Nein!

Nimm die Knarre und knall den Hurensohn ab!

Nein!

Er will ihn nicht töten, aber diese teuflische Stimme lässt ihm keine andere Wahl.

Am Leben darf er nicht bleiben.

Das ist mir klar, aber vielleicht …

Vielleicht? Damit fangen wir jetzt gar nicht erst an! Vielleicht darf in deinem Wortschatz nicht existieren!

Doch. Ich will nicht. Nicht …

Nicht was?

Alex kauert in der Ecke des abgedunkelten, unmöbelierten Zimmers. Die Gardinen hat er abgenommen und sie durch Holzplatten ersetzt. Zum Schluss hat er keine mehr gefunden und stattdessen seine Einrichtung benutzt.

Er sitzt mit herangezogenen Knien in der Ecke und drückt seinen Kopf zwischen die Beine.

Nicht mehr töten.

Tränen rollen seine Wangen hinunter, die der Stoff seiner Jeans aufsaugt.

Und wieso nicht?

In der Mitte des Raums steht ein silbernglänzender Tisch. Alex hebt kurz den Kopf und sieht sich mit roten, geschwollenen Augen um.

Weil es genug ist.

Genug? Es ist genug, wenn ich es sage, nicht wenn du es sagst!

Die Stimme lacht. Es hört sich an, als würde jemand Eiswürfel in einem Mixer zerkleinern. Ein kalter Schauder läuft Alex den Rücken runter. Gänsehaut breitet sich auf ihm aus.

Nein, ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich ... Du …

Wir kommen so oder so in die Hölle, Alex, mein Freund.

Freund? Freund? Du denkst du wärst mein Freund?

Natürlich denke ich das! Geht ja-

Du bist NICHT mein Freund! Nein, du Hurensohn bist mein verfickter Feind!

Feind? Feinde bekämpfen sich, hassen sich. Ich hasse dich nicht.

Aber ich DICH!

Alex beginnt zu zittern, als hätte jemand einen Motor in ihm in Gang gesetzt.

Hey, hey! Sei doch nicht so. Ich will dir nur helfen. Wenn du ihn nicht tötest, wird er dich verraten und dann bist du der Gefickte.

Wieder dieses eiswürfelzermalmende Lachen. Er steht auf, geht zu dem Tisch hinüber und schaut dem Jungen in die Augen. Der Junge ist nackt, blauäugig, etwa vierzehn. Sein Brustkorb hebt und senkt sich mit jedem Atemzug. In seinem Mund steckt ein mit Klebeband befestigter Apfel. Quiekende Geräusche gibt er von sich.

„Wirst du schreien?“, fragt Alex ihn. Der Junge schüttelt hastig, fast hysterisch den Kopf. „Gut.“ Er nimmt ihm das Klebeband und den Apfel ab. Alex’ Hände zittern immer noch.

So oft hast du es schon gemacht und du bist immer noch nervös, Weichei.

Oh, gefährlich, ich bin ein Weichei. Halt’s Maul!

Der Junge versucht seine Hände zu befreien, schafft es aber nicht, sie sind zu fest an Metallringe an den Ecken des Tischs gebunden.

„Ich soll dich töten“, sagt Alex ruhig.

Ja! Los, töte ihn!

„Aber ich will nicht“, fährt er fort. „Wenn ich es tue, dann komme ich nicht mehr klar, aber ich muss sicher sein, dass du der Polizei nichts verrätst.“

Bist du blöd? Natürlich wird er den Bullen alles erzählen! Ich hab keinen Bock auf Knast!

„Dur…st“, murmelt der Junge und sieht ihn müde und erschöpft an. „Bit…te.“

„Ich habe nichts“, antwortet Alex.

„Bitte“, flüstert er und rollt seinen Kopf auf die Seite. Ein wenig Blut sickert aus seinem Ohr. „Wie … Wie … la…?“

„Wie lang?“

Er nickt leicht.

„Zwei Monate“, entgegnet Alex und sieht ihn träumerisch an. „Ich habe dir aber erst etwas gegeben.“

Wann? Vor vier Tagen? Okay, vielleicht vor drei, sonst würde er wahrscheinlich nicht mehr leben. Vollidiot!

Es ist eine andere Stimme, die spricht.

Gib ihm doch was. Nur ein bisschen Wasser.

Nein, gib ihm Pisse.

Ich will nicht!

Töte ihn!

Gib ihm Wasser!

Lasst mich!

Für kurze Zeit herrscht Ruhe in seinen Gedanken.

„Ich gebe dir etwas“, sagt er, „aber nur wenn du nicht zur Polizei gehst, wenn ich dich am Leben lasse.“

Der Junge nickt. Diesmal wieder hastig und nicht erschöpft.

Alex verlässt kurz das Zimmer.

Als er wiederkommt, sieht der Junge ihn erwartungsvoll, mit großen Augen an.

In der Hand hält Alex ein Glas Wasser. Er macht die Schellen an den Füßen und Händen los und lässt ihn hin sitzen.

„Ist das ein Deal?“, fragt er kurz darauf.

„Ja“, antwortet der Junge, nachdem er einen Schluck genommen hat. „Ja, ich geh … nicht zu den blöden Bullen.“

Lass ihn am Leben! Es scheint ihm, als wäre diese neue Stimme in ihm sein Gewissen.

Nein, auf keinen Fall, das darfst du nicht tun!

Doch! Ich werde.

„Geh!“, sagt er und zeigt auf die Tür, die noch einen Spalt offen steht und helles Tageslicht in den Raum dringt und die Dunkelheit wie ein Messer durchschneidet.

Er hört nur noch das hohle Donnern, bevor er zu Boden geht und nicht mehr aufstehen kann.

„Was …?“ Das Glas hat ihn erwischt, die Splitter liegen auf dem Boden verteilt um ihn herum.

Ich hab’s dir gesagt, Vollidiot. Am Leben lassen, pah!

Das hättest du ihm glauben müssen.

Der Junge sieht ihn mit müden Augen an, nicht mehr mit großen und erwartungssüchtigen wie zuvor. Seine Gestalt kann Alex nur noch schemenhaft und verschwommen erkennen.

„Vertrau mir nicht“, sagt er mit fester Stimme und schlägt dem Mann am Boden mit der Faust an die Schläfe. Wieder ein hohles Plock!

„Nenn mich Andy“, sagt der Junge und nimmt Alex’ Kopf in die Hände. „Adieu.“

Ruckartig dreht er ihn herum. Mit einem kurzen, erstickten Knacksen bleibt Alex reglos liegen.

Der Junge hat Alex’ Kleider an. Etwas zu groß, aber nackt will er nicht auf die Straße.

„Du warst echt irre, Junge“, sagt er und geht zur Tür hinüber. „Aber gegen meine telekinetischen Fähigkeiten, kommt nicht mal ein so schizophrenes Arschloch wie du ran.“

Du lebst, gut gemacht.

Ich weiß.

Ich dachte schon, dieser andere in ihm würde mich verdrängen.

Ach was.

Er geht hinaus und schließt die Tür. Dunkelheit.

Zweiundzwanzig Leichen im Keller.
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