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Die Leiche in meinem Haus

 

©2002 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Ich bin ein mittelmäßiger Schriftsteller, mit einem schlechten Gehalt und einem ungenügenden Schulabschluß um einen anderen Beruf auszuüben. Meine Kindheit war nicht besonders rosig, da meine Mutter schon seit .jeher an der Flasche hing. Meinen Vater lernte ich nie kennen und mein bester Freund schnitt sich an seinem zehnten Geburtstag aus "Spaß" mit einem Küchenmesser die Pulsadern auf. Diese Geschichte habe ich sogar zu Papier gebracht. Mit zwei Millionen Auflagen und einer oskarnominierten Verfilmung machte ich immerhin einen Gewinn von knapp 15 Millionen. Nicht schlecht für einen Jungautor aus Wien. Für den Rest meiner Werke, wie etwa "Der Wehrwolf der aus dem Dschungel kam", "Killer unter uns" oder ",Manche mögen´s gruselig" bekam ich oft nur einen warmen Händedruck und ein "Hervorragendes Buch Franz". Aber mir liegt im Gefühl, daß mein nächstes, letztes Werk, bevor ich aus dieser Welt gehen muß, einschlagen wird wie eine Bombe.

Ich war nie verheiratet Ich hätte auch nie Zeit für eine Frau gehabt, geschweige denn für Kinder. Meine Geburtstage feierte ich mit Nachbarn, zu Weihnachten flog ich meistens nach LA zu meinem Couseng Stephan. Er war verheiratet und ich möchte auch nicht verschweigen, dass seine Frau, Clara sehr freizügig lebte. Er hatte zwei nette, gestörte Kinder, ein millionenschweres Haus mit Grundstück, Pool, Butler und Meerblick. Ihm gehörten sogar knapp 18.000 m² Strand. Wenn ich an die Zeit in LA zurückdenke, kann ich mich eigentlich nur an die kleinen lächerlichen Affären mit seiner Frau erinnern Wahrscheinlich erfährt er von uns durch mein neues Buch, das eine Art Autobiografie der extra-Horror-Klasse werden soll, erfahren wird. Dazu kann ich nur sagen, dass es mir leid tut.

Mein 10-jähriges Jubiläum in der Agentur stand an und ich wollte es dann doch mit meinen Kollegen feiern, wissen Sie, als so eine Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen. Und damit begann der Horror.

Doch zuvor, am 31 Januar, traf ich meinen alten Studienkollegen Harry Wall in einem Supermarkt an der 75sten wieder. Ich erinnere mich genau, es war der kälteste Tag des Jahres gewesen und mein Auto würgte sich jede zweite Ecke aus Protest von selbst ab Wir hatten uns schon etwa fünf Jahre nicht mehr gesehen, New York ist schon eine große Stadt, so groß, dass man in einen Supermarkt gehen muß um alte Freunde wieder zu treffen. Ich erkannte ihn nicht gleich. Er klopfte mir auf die Schulter und sagte: "Na wenn das nicht unser Klassenstreber Franz Buchholz ist dann fress` ich einen Besen und die Putzfrau gleich dazu".

Es beeindruckte mich nicht, dass dieser Mensch mich kannte denn schließlich kannte mich fast jeder in dieser Stadt, dank meines Films.

"Dein Kassenknüller war echt der Hit, aber ich hätte die Alte vielleicht nicht an einer Trinkerleber sterben lassen. Weißt du die meisten wollen Dramatik sehen, so zum Beispiel eine zerflossene Liebe, für die sie sich umbringt. Oder der kleine Junge mit dem Küchenmesser, Franz, der Film war ab dem siebten Lebensalter freigegeben. Ich meine, wir machen ständig Werbung für >keine Gewalt im Kinderfernsehen< und so einen Scheiß. Aber du wußtest schon immer was Geld bringt. Anfangs dachte ich, du hättest das Schreiben an den Nagel gehängt, bis ich dein Buch >Mörder unter uns< gelesen habe .Wow, da ging´s mir echt kalt über den Rücken runter. Was macht eigentlich dein Couseng - hieß er nicht Stephan?"

Sie an, sieh an, meinen Couseng kannte er also auch schon.

"Also weißt du, nach dem Studium habe ich ja geheiratet, und wie stehts mit deinem Liebesleben? Also, du kannst dich doch noch an die kleine Alice Schettler erinnern, oder?"

Alice: Schettler war mir ein Begriff. Ein kleiner, schüchterner, Zahnspangen-Teenie. Aber... wer hatte mit der nicht schon mal was gehabt?

"Also nach dem Studium haben wir uns auf Mallorca wieder getroffen; und weißt du was? Noch im gleichen Urlaub haben wir geheiratet. Habe ich dir eigentlich schon von meinen zwei kleinen Kindern erzählt?"

Nein, aber er würde es mir gleich erzählen. Er könnte fast eine Frau sein, redet zu viel. Nun ergriff ich das Wort: "Sir, entschuldigen Sie mich, aber ich glaube nicht dass ich Sie kenne".

"Aber Franz, Ich bin es, Harry Wall! Wir waren zusammen auf der Uni!".

"Tut mir leid, aber ich kenne keinen Harry Wall" mit diesen Worten ließ ich ihn stehen und verschwand hinter dem nächsten Regal Als ich auf die Obsttheke zu ging laß Ich das Schild Unbehandelte Orangen aus Florida. In Florida war ich auch schon einmal gewesen. Damals hatte ich mit einem Studienkumpel dort Urlaub gemacht. Ich ging noch mal zurück zu diesem Mann.

"Harry Wall?"

"Ja, Mann !"

"Harry Wall aus Oregon ? Der Harry Wall der einen Mercedes fuhr um ihn bei Hochwasser in der Tiefgarage zu ertränken?"

"Ja, Mann !"

Oh, Mann, war das eine schwere Geburt ! Na klar, Harry Wall! Wie hatte ich Ihn vergessen Können? Natürlich lud ich ihn und seine Familie auf meine Jubiläumsfeier ein, das war das mindeste, was ich als Entschuldigung tun konnte.

Letzt endlich waren nun doch mehr Leute gekommen, als ich eingeladen hatte. Das ist nun mal so, sie laden jemanden ein, und der kennt dann jemanden, der jemanden kennt, den sie unbedingt kennen sollten. Nun gut, der einzige Gast auf den ich mich freute, war an diesem Abend, es war der 15 Februar, noch nicht aufgetaucht. Harry Wall und seinen Anhang. Ich überlegte, ob ich ihm auch die richtige Adresse gegeben hatte und ob er mein Haus auch finden würde. Im vorbeigehen grüßte ich hier ein paar Ehefrauen und da ein paar Kollegen. Da kam mein Bürogenosse Stephen Green auf mich zu. Im Schlepptau hatte er einen wohlbeleibten Manschettenträger. Ich beurteile Menschen immer nach ihrem Aussehen. Das soll man bekanntlich nicht, aber wissen Sie, in meiner Branche ist das wichtig. Sie würden nie einem Verleger der mit zerrissenen Jeans und einem T-Sirt in seinem Büro sitzt Ihr Manuskript überlassen. Oder irre ich mich da? Andererseits würden Sie aber auch nie Ihre Unterlagen einer Person mit einem maßgeschneiderten noname Smoking, einem Siegelring mit Diamanten, perfekt polierten zweitausend Dollar Lederstiefeln und einer Frisur wie aus dem Bilderbuch anvertrauen, der keinen Bodyguard hat anvertrauen. Der Smoking ist höchstwahrscheinlich noch von seiner Hochzeit, der Ring geliehen (heutzutage kann man das in noblen, unbezahlbaren Schmuckläden), die Marke der Schuhe nur zweitklassig imitiert, und die Frisur meist nur ein Toupet. Und das zeugt nicht gerade von Popularität und Reichtum!

"Franz, darf Ich dir vorstellen, das ist Afall Baseel" Dieser Mann sah mir gar nicht nach einem ",Afall" aus, eher nach einem Affen Ich schüttelte dem Manschettenträger die Hand - komischer Kauz.

"Ich habe viel über Ihren Film gelesen" sagte er.

"Oh, ich habe schon mehr als ein Dutzend Filme gedreht, welchen meinen Sie ?", fragte ich ganz bescheiden. Ich hasse solche Leute, die so tun, als hätten sie von allem eine Ahnung und sich doch eigentlich nur für die Titelblätter diverser Klatschzeitungen interessieren.

Der Manschettenträger lächelte, dann antwortete er vollkommen gelassen "Ich meine ihre Oskar-Verfilmung! Wie hieß er gleich noch mal?"

Aha, der Mann hatte keine Ahnung. Den Film den er meinte, hieß >Jugend unter Sternen< und war nur für das beste Drehbuch nominiert worden, aber ich bekam keinen Oskar dafür.

"Ich glaube er hieß >Jugend unter Sternen<, nicht wahr?"

"Das ist richtig!" Der Mann hatte wohl doch etwas mehr Ahnung, als ich dachte. Immerhin kannte er noch den Titel fast aus dem Stehgreif. Gespannt war ich auf seine Kritik, die er mir auch prompt an den Kopf warf.

"Ich fand Ihr Konzept ganz in Ordnung. Aber die Frau hätte einen würdevolleren Tot verdient gehabt - geschweige von dem Jungen, also das fand ich etwas übertrieben."

Ich weiß es nicht, aber können sich manche Leute einfach nicht vorstellen, dass es solche verpfuschten Kindheiten wirklich gibt?

"Mr Baseel ist der Leiter der Interaction Clarc and Wright Fondation" meldete sich nun Stephen zu Wort.

>Interaction< eines dieser Wörter, die für mich keinen Sinn ergeben. Aber die Firma war gut. Ich war schon lange auf eine Stelle dort aus. Diese Organisation agierte hauptsächlich mit Auslandkorrespondenz in den dritten Ländern und Kriegsgebieten. Ein bequemer Bürojob im Vergleich zu den Schicksalen, über die man schreiben musste. Vielleicht konnte Stephen mich vermitteln.

Harry war immer noch nicht aufgetaucht, also unterhielt ich mich mit diesem Manschettenmenschen. Ich schleimte schon etwa eine Stunde, da kam Harry panisch sich umschauend, völlig außer Atem und Schweißgebadet auf mich zu. Er sah schrecklich aus.

"Ich muß mit dir reden - alleine" sagte er mit einem Blick auf Mr. Baseel.

Der Manschettenmench erkannte mit einer beleidigten Miene, dass er hier nun unerwünscht war und verzog sich mit der Begründung er würde sich für einen Moment an das Buffett begeben. Wir gingen in meine große Küche und ich schickte das Personal einen Moment für eine Zigarettenpause nach draußen.

"Was um Gottes willen ist los? Du siehst aus, als hätte dich eben jemand durch einen Fleischwolf gedreht. Hast du Schwierigkeiten?"

"Das kann man wohl sagen!"

"Komm, setz dich," ich bot ihm einen Stuhl an. "Hol erst mal Luft, es muss ja halb New York hinter dir her sein...."

"Franz, es ist wichtig, dass ich das was ich weiß noch irgend jemandem erzählen kann, bevor sie mich erwischen.... Du musst das ans Licht bringen.... Du musst einen Artikel mit der Wahrheit schreiben..."

"Ruhig, Harry, ruhig. Erzähl ganz von vorne!"

"Ich arbeite seit einiger Zeit in einer Zeitungsagentur in Downtown. Ich bin an einer ganz heißen Story dran. Jemand plant ein Attentat auf den Präsidenten."

"Um Himmels Willen, woher weißt du denn das und was gibt dir den anlass das zu glauben? Der amerikanische Präsident ist der meistgeschütze Mann auf der ganzen Welt, wer ist so verrückt und plant einen Anschlag?"

"Ich kenne diesen Jemand nicht, aber er kennt mich! Franz, in meinem Apartment habe ich im Feuermelder eine Kamera gefunden und in einigen Steckdosen waren Wanzen versteckt. Ich hin vorerst in ein Hotel umgezogen, aber dort haben die mich wahrscheinlich auch schon aufgespürt! Egal, wer das ist, es scheint ein wahnsinnig großes Ding zu sein, das die da planen und die gehen über Leichen um das durchzusetzen was sie wollen!"

"Geh zur Polizei!"

"Ich habe keine Beweise für meine Vermutungen. Verdammt in mein Apartment ist eingebrochen worden, meine ganzen Unterlagen sind verschwunden. Aber es waren nur die Unterlagen, alles stand auf seinem Platz, so wie ich die Wohnung verlasen habe, es fehlte nur die Mappe mit den Unterlagen! So bin ich erst darauf gekommen dass ich ausspioniert werde. Irgend einer meiner Informanten hat ausgepackt, oder war vielleicht sogar selbst einer von denen!"

"Aber du kannst wegen der Kamera und der Wanzen anzeige erstatten!"

"Nein, als ich den Tag darauf vom Hotel noch einmal in die Wohnung gegangen bin, war alles wieder weg! Franz, ich denke mir das nicht aus! Und ich bin wahrlich nicht verrückt, die sind gerissen, das sind Profis!" Mit diesen Worten ging er. Ich ahnte nicht, dass es das letzte mal war, dass ich ihn lebend zu Gesicht bekommen würde

Die letzen Gäste gingen Morgens um vier. Der Manschettenmensch wollte mich in den nächsten Tragen noch einmal anrufen Eine Woche später, am 22 Februar kündigte ich meinen Job in meiner Agentur. Ich hatte ein festes Angebot von Interaction Clarc and Wright Fondation bekommen. Ich sollte zu Beginn des neuen Monats dort anfangen. Mein Aufgabengebiet sollte es vorerst sein, Artikel über Verhandlungsschritte und Aktionen der Firma zu schreiben und sie an andere Agenturen weiter zu verkaufen. Das sollte mich aber nicht abhalten, den Artikel zu schreiben, den Harry mir empfohlen hatte. Ich hatte bereits meine Kontaktleute mit einer anderen Hintergrundgeschichte, nennen Sie es eine Notlüge, auf diese Sache angesetzt.

Kurz darauf erfuhr ich das der Präsident einen Vertrag über 50 Mio $ bei uns im Haus unterschreiben wollte. Dieses Geld sollte in die dritte Welt investiert werden, und sollte insgeheim auch das angekratztes Firmenimage aufbauen. Doch die Welt sollte bald erfahren, wie einfach es ist, den Staatsmann Nummer eins um die Ecke zu bringen. Daran scheiterte die Vertragsunterzeichnung. Von Seiten der Regierung hieß es, die Firma sollte die Neuwahlen abwarten, vielleicht würde dann noch mehr Geld herausspringen. Wie bekannt wurde stand die Interaction Clarc and Wright Fondation schon vor dem Vertrag bereits tief in den roten Zahlen. Zwei Tage nach dem Attentat meldete die Firma Konkurs an; und ich war Arbeitslos, noch bevor ich den Job hatte. Ich bekam dann ein Angebot von meiner alten Agentur, doch erstens nehme ich keine Allmosen und zweitens war das eine gute Gelegenheit, mein aktuelles Buch >Niemand stirbt gern allein< fertig zu stellen. Zu meinem Geburtstag im März besuchte mich dieses Jahr auch Harrys Frau - Alice Schettler, jetzige Alice Wall. Sie erzählte mir, dass Harry nach dem Abend bei mir nicht nach Hause gekommen wäre. Sie vermutete dass er mit der Nachbarstochter abgehauen war. Sie wurde auch seither vermisst Das konnte ich mir bei ihm gar nicht vorstellen, aber in fünf Jahren konnte ein Mensch sich gewaltig ändern.

Sie sprach mich auf den süßen fauligen Geruch in meinem Haus an, der von einer Schachtel verfaulter Eier stammte. Ich hatte sie auf die Ablage neben den Kühlschrank gestellt und bin darauf zwei Wochen in den Urlaub gefahren. Männer und Haushalt. Ich hatte zwar das ganze Haus gut durchgelüftet, aber der Geruch hing noch in den Gardinen und den Möbeln. Die Gardinen werde ich bald in die Reinigung bringen müssen. Ich ahnte nicht, dass eine vermeindliche Schachtel mit verfaulten Eiern mich ins Gefängnis bringen würde. Ich mußte Mrs Wall versprechen, mich zu melden, wenn ich irgend etwas von Harry hören sollte. Die Nächsten Tage brachte ich damit zu, die Gardinen tonnenweise in die Reinigung zu schleppen und sie wieder abzuholen. Die Fenster standen bei mir den ganzen Tag offen. Auf dem Weg zur Reinigung kam ich immer an einem Möbelgeschäft vorbei. Einmal hielt ich an einer roten Ampel. Dabei hatte ich die Gelegenheit in das Schaufenster zu sehen. Ein netter Wandschrank für meine unzähligen Akten und Manuskripte, die auf meinem Arbeitstisch und noch Meter drum herum lagerten, war eigentlich genau das Richtige. Ich war zwar arbeitslos und hatte bereits einen sehr teuren Urlaub hinter mir, aber man gönnt sich .ja sonst nichts. Für dieses allzu kostspielige Stück mußte dann ein kleiner Aktenschrank weichen. Den wollte ich auf den Speicher verbannen. Ich kaufte also kurzerhand diesen Schrank. Ich hätte gut daran getan, ihn nicht zu kaufen, sondern das Haus und die Stadt zu verlassen um mich in einem einsamen, verlassenen Land in dem niemand den anderen kennt niederzulassen.

Die Handwerker kamen am Morgen des 25. März zu mir ins Haus. Sie schoben erst den Aktenschrank zur Seite und dann bauten sie den Wandschrank auf. Gegen Mittag war die Arbeit getan. Es war warm für März, sehr warm. Ich bat die Handwerker den Schrank noch auf den Speicher zu bringen, er war dann doch etwas schwer für mich, denn er ließ sich nicht zerlegen. Trotz dass die Fenster offen standen, lag immer noch dieser faulige Geruch im Haus. Ich ahnte, dass die Temperatur auf dem Dachboden mindestens 29 Grad betragen müsste, aber dort würde es nicht so arg riechen. Die Tür auf dem Dachboden ist nämlich isoliert, alles andere als das Dach. Im Sommer war es unerträglich heiß und im Winter konnte ich dort oben Eiswürfel in einer Massenproduktion herstellen. Beim Bau des Hauses wurde in dieser Hinsicht etwas nachlässig gehandelt, aber ich will nicht verschweigen, dass dies auch zu einem gewissen Teil mir zuzuschreiben war. Ich ging also voran um die Tür zu öffnen und die Handwerker keuchten mir mit dem Schrank hinterher. Als wir die Tür zum Dachhoden erreichten und ich sie öffnen wollte, bemerkte ich, dass diese abgeschlossen war. Ich schloss eigentlich meine Türen nie ab. Trotzdem ging ich und versprach den protestierenden Handwerkern bald mit einem Schlüssel wieder zu kommen Ich fand nur leider keinen Schlüssel. So sehr ich auch suchte ich fand ihn nicht. Also ordnete ich an, den Schrank erst einmal in den Flur zu stellen. Ich rief den Schlüsseldienst an, der dann auch prompt nach drei Stunden bei mir eintraf. In der Zeit hatte ich mit den Handwerkern bereits auf das >Du< angestoßen und wir waren bereits in der achten Runde Poker. Es klingelte also. Doch statt dessen stand ein Reporter vor der Tür. Meinen Termin mit Mike Redford hatte ich total vergessen. Ich versprach ihm, ihn im Laufe der Woche zum Essen einzuladen um das Interview nach zu holen. Dann lud ich ihn auf eine neunte Runde Poker ein. Als es das zweite mal klingelte war es endlich der Schlüsselmensch Wir gingen also auf den Dachboden und er begann an dem Schloß herum zu hantieren. Die Handwerker mußte ich erst noch mit einer menge Flaschen Bier bestechen, damit sie mit dem Schank wieder abrufbereit auf der Treppe standen. Der Schlüsselmensch machte seine Arbeit als hätte er so etwas noch nie gemacht, ich glaube, wenn ich die Tür eingetreten hätte, hätte mich eine neue Tür weniger gekostet, als die Arbeitszeit dieses Menschen. Das Schloß sprang auf, die Handwerker ließen vor singen und johlen den Schrank die Treppe hinunter knattern und in diesem Moment begriff ich, dass mein Leben, genauso wie dieser Schrank, den Bach hinuter rannte.

Der Schlüsselmensch öffnete also die Tür. In diesem Moment fiel er ohnmächtig in meine Arme. Ein grausam verfaulter, verwester Geruch strömte aus dem Raum. Die Handwerker übergaben sich auf meinen teuren Angorateppich Er hatte mich 18000 $ gekostet; Schade um das Bier, welches sie vorher getrunken hatten. Vor ein paar Jahren war eine Katze auf dem Dachboden eingesperrt gewesen und auch gestorben. Aber das musste ein ganzes Katzenrudel sein. Ich hielt mir die Hand vor Mund und Nase, doch das half nicht sonderlich. Mittlerweile war Mike Redford hinaufgekommen. Da hing an einem Balken ein Geschöpf. Fliegen flogen um es herum aber an den meisten Stellen fraßen sich schon Maden durch das Fleisch. Die Polizei war schnell informiert, die war wenigstens schneller da als der Schlüsselmensch. Ein Sanitäter kümmerte sich schon um ihn. Mike Redford hatte von dem "Tatort" bereits Fotos gemacht und stellte sie der Polizei zur Verfügung. Später stellte sich dann heraus, dass die Leiche in meinem Haus Harry Wall war. Ich wurde als Hauptverdächtiger festgenommen. Aber ich war es nicht. Doch das sagen viele die zum Tod verurteilt sind.

 

Mike Redford hat mir versprochen den Fall zu recherchieren. Er fand heraus, dass Harry neben einer führenden Drogenbande auch hinter dem Attentäter des Präsidenten her war. Doch daß wußte ich bereits. Die ersten drei Jahre die ich im Gefängnis auf meine Hinrichtung wartete, kam er mich auch regelmäßig besuchen. Doch dann kam er nicht mehr. Ich brachte in Erfahrung, dass er sich von einem Hochhaus gestürzt haben soll, von ganz oben. Das konnte ich nicht glauben. Es war Mord. In den Jahren, in denen er für mich recherchierte, erfuhr ich einiges über Spitzenhäupter unserer Politik und ihren kleinen miesen geschäftchen. Ich war eingesperrt, und ohne Kontaktpersonen war ich ruhiggestellt, sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten. Mike aber war eine wandelnde Zeitbombe, die jeden Moment explodieren konnte, und musste beseitigt werden. Doch in einer Welt wie meiner gibt es keine Angela Landsbury, keinen Columbo oder Matlock, die diese Fälle in nur füntudvierzig Minuten lösen. Leider. Ich sitze nun fünf Jahre in diesem Loch. Mein ganzes Vermögen habe ich diesem Manschettenmenschen Afal Baseel überschrieben, genauso meine ganzen Buch- und Filmrechte. Er hat mit dem Geld eine neue Stiftung gegründet um anderen Menschen zu helfen. Ich hrauche das alles nicht mehr, denn lebend werde ich dieses Gefängnis nicht mehr verlassen können. Morgen werde ich durch eine Spritze hingerichtet und niemand wird je erfahren, wer der wahre Mörder von Henry Wall und Mike Redford ist. Dabei habe ich noch Glück im Unglück, denn die meisten die hier drinnen sitzen warten 15, 20 Jahre und mehr auf ihre Hinrichtung, und ich will nicht länger auf dieser Welt mir ihren Vorschriften und Verbrechen weilen, als nötig ist. Was mich aber beruhigt ist, dass in meiner Nachbarzelle der Mann sitzt, der zwei Wochen nach meiner Verhaftung unseren neuen Präsidenten ermordet hat, Gott sei seiner Seele gnädig. Doch er ist nur ein Handlanger, ein kleiner Wurm unter vielen großen Fischen. So wie ich ein kleiner Schriftsteller unter vielen war. Mein Übel war nur, dass jemand versucht hat, mir einem Mord anzuhängen. Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, dass nicht nur zwei trauernde Witwen und deren Kind er, nämlich die von Harry und Mike zurückbleiben, sondern auch ein, mein, trauernder Sohn und eine zerstörte Ehe. Entschuldige Clara.

 

Franz Bucholz wurde am 20 März, seinem 30 Geburtstag hingerichtet Sein neues Buch >Niemand stirbt gern allein< wurde dank Afal Baseel und der Mitarbeit von Stephen Green der beste Film des Jahres Er brachte noch mehr Gewinn als >Jugend unter den Stemen< und wurde nicht nur nominiert, sondern bekam auch fünf Oskars für das beste Buch, den Besten Regisseur und die beste Kamera. Franz Buchholz wurde auch :zum besten Schriftsteller des Jahres gewählt. Der Preis und dessen Versteigerung ging in die Organisation von Afal Baseel ein. Damit wurden drei Schulen und ein Waisenheim in Afrika gebaut, die nach ihrem Stifter, Franz Buchholz benannt wurden Sein "Mörder", derjenige, der ihm die Leiche ins Haus gesetzt hatte, wurde bei einer nicht selbst beteiligten Schießerei getötet. Er hinterläßt fünf Kinder und eine Krebskranke Frau mit 2 Millionen Dollar Spielschulden. Das ist alles.

 
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