Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten, um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.
Header6.jpg

Die Autoren von BookOla.de erstellen Rezensionen von Romanen, Kurzgeschichten
und allem was von bekannten und unbekannten Autoren zu Papier gebracht wird.
Die Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links.
Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich
von Amazon eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht, aber dieser kleine
Betrag hilft mir, die Unkosten der Seite zu bestreiten.

und nun findet man auch unsere ersten Gehversuche auf Mastodon

Verlorene Seelen

 

©2002 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
"Allein ist das Schlüsselwort. "Mörder" kann ihm nicht das Wasser reichen und "Hölle" ist nur ein armseliges Synonym. - Stephen King

 

 

Passiert das euch auch manchmal... Dass ihr etwas schlimmes träumt, schweißgebadet wieder aufwacht, und nicht wisst warum? Und dieser Traum in ähnlicher Form immer wieder kehrt? Dass euch dieser Traum langsam in den Wahnsinn treibt, weil ihr abends Angst habt, ins Bett zu gehen, einzuschlafen und wieder den gleichen Horror im Traum zu erleben?

Das erste Mal, es war vor etwa zwei Jahren, war ich mit einem Schiff unterwegs. Ich verspürte Panik, so verdammt reell und so intensiv als hätte ich vor irgend etwas, irgend jemandem, Angst. Ich rannte über das Deck ohne mich umzudrehen, so als wüsste ich, dass sich hinter mir ein rieseiger Höllenschlund öffnen würde, um mich zu verschlingen. Heute weiß ich, dass ich in diesem Traum wahrscheinlich um mein Leben gerannt bin... Ich lief bis zum Ende des Schiffes. Dann stellte ich mich auf die Reling und sprang. Noch im freien Fall kam mir der Gedanke, dass da mit aller höchster Wahrscheinlichkeit eine Schiffsschraube war, die mich in tausend Stücke zerreist. Als ich ins Wasser fiel, passierte nichts. Ich tauchte nur. Ich tauchte bis mir die Luft weg blieb und ich mit aller Gewalt, meiner möglichen Kraft und einer mittlerweile höllischen Panik versuchte, wieder an die Oberfläche zu kommen. Als ich schon glaubte ertrinken zu müssen, war plötzlich Luft. Am Horizont sah ich das Schiff und ich dachte mir, wenigstens hat "er" mich nicht erwischt. Dann bin ich aufgewacht. Ich hielt diesen Traum für einen gewöhnlichen Alptraum, der geträumt und vergessen war. Doch ich sollte bald feststellen, dass ich mich irrte.

Der nächste Alptraum kam ein oder zwei Monate später. Ich war mit dem Motorrad in den Bergen unterwegs, oder besser gesagt, auf der Flucht, auf der panischen Flucht. Ich habe kein Motorrad geschweige denn einen Führerschein dafür. Ich mag motorradfahren nicht besonders, das ist mir irgendwie zu unsicher, aber in diesem Traum, machte es mir glaube ich Spass, bis ich merkte, dass ich flüchte..... Letztendlich bin ich mit dem Fahrzeug auch gestürzt, ich spürte meine Beine nicht mehr, aber das war mir scheinbar egal, denn ich schaute sofort voller Greul in die Richtung aus der ich gekommen war. Dann wachte ich wieder auf - schweißgebadet, mit einem bombastischen Herzrasen.

Ich war schon auf die verschiedensten Arten und an den verschiedensten Orten "auf der Flucht". So nenne ich es, denn für diese Panik, dieses Gefühl, gibt es keinen Ausdruck. Ich weiß nicht, vor wem ich davonlaufe, was ich getan habe, oder was "er" mir antun will. Sicher ist nur, ich habe Angst. Vielleicht vor Folter, Verhör, der Hölle, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass das was mich in diesen Träumen erwarten würde, würde ich nicht davonlaufen, schlimmer als der Tot ist. Ich kann mich erinnern wie ich als Kind schon einmal, aber nur dieses eine Mal, einen solchen Traum hatte. Ich befand mich im Wohnzimmer unserer alten Wohnung, die wir früher hatten. Alles um mich war schwarz, nur die Luft, die Luft war rot und doch finster (Wenn jemand durch einen dunklen Raum mit einem tiefen Loch in der Mitte geht, und er es um Zentimeter verfehlt, muss er nicht unbedingt wissen, dass er fast hinein gefallen wäre. Er muss keine Angst haben. Nicht wenn es dunkel ist*). Es flogen Fledermäuse über meinem Kopf herum, so als würde gleich Dracula persönlich erscheinen. Ein Mann, "er", rannte hinter mir her und brüllte mit schallender, tiefer Stimme immer nur ein Wort: "Such`... Such`... Such`.....!" Ich hatte damals Angst, dass der Mann wieder kommen würde. Doch es dauerte sehr lange, bis das geschah...

Die Träume kamen immer öfter, aber in unregelmäßigen Abständen. Manchmal sogar drei, vier Nächte hintereinander. Und dann mal eine Woche wieder nicht. Ich habe mich nie getraut mit irgend jemandem darüber zu reden. Heutzutage wird man leicht für verrückt erklärt (manche Menschen werden in aller Stille verrückt. Sie werden innerlich verrückt*). Und diese Träume machten mich wirklich wahnsinnig. Wenn du immer wieder die gleichen Gefühle verspürst, immer wieder die gleiche Todesangst, und nicht weißt, wovor, macht dich das Verrückt. Aber du schluckst es, und du versuchst es zu vergessen, in der Hoffnung, dass es eines Tages ein Ende haben wird, egal wie. Du redest dir ein, das ist der Stress im Büro, der Plagerei mit den psychopatischen Methoden der Ausbilder, es ist der Ärger mit den Eltern, es ist der kläffende Hund der Nachbarn, sind deine Geldschulden. Das macht dich schlaflos, und das macht dich noch wahnsinniger als diese Träume. Du beziehst irgendwann deine Träume in dein Leben ein. Sei es im Dunkeln auf dem Weg vom Parkplatz zu deiner Haustür, ein unbekanntes Gesicht das dich mustert oder die Geräusche aus der Nacht, wenn du mit offenem Fenster im Bett liegst. Du siehst in allem eine Gefahr, denn deine Träume sind auch niemals gleich, auch nicht ähnlich. Es ist jedes Mal eine andere Art von Flucht und Panik. Und du bist immer allein. Und das lässt dich deine Angst spüren.

Irgendwann kam ich auf die Idee mich über Traumdeutung zu informieren. Ich kaufte mir Bücher, las sie, und verwarf sie wieder. Denn sie sagten mir nur, was meine Träume vielleicht bedeuten konnten. Dass meine Flucht das Bedürfnis nach spiritueller Freiheit signalisiert. Dass ich mit meiner Seele nicht im Einklang wäre, dass ich vor bestimmten Gefühlen davon laufen wolle... Ja, das war richtig, davonlaufen, vor den Panik-Gefühlen! Dass ich mit gewissen Situationen überfordert wäre, wie zum Beispiel im Job, oder in der Beziehung. Welche Beziehung...? An diesen Gefühlen zerschellen deine Beziehungen. Aber die Bücher sagten mir nicht, wie ich sie abstellen konnte. Also träumte ich weiter, und erlebte immer noch schrecklichere Dinge. Dann bekam ich von einer Tante durch Zufall einen indianischen Traumfänger geschenkt. Er wäre auch geweiht, oder so ähnlich, sagte sie. Ich hängte ihn über meine Schlafzimmertüre damit kein böser Traum mehr in mein Zimmer kommen konnte. Aber wenn die Träume schon bei dir sind, lassen sie sich nicht mehr vertreiben. Sie werden nur noch stärker, weil sie dich für deine Gegenwehr bestrafen wollen. Dann entwickelst du psychopatische Gedanken, du versuchst mit deinen Gefühlen und deinem Geist ins Reine zu kommen. Du versuchst, deine Gefühle, dein Sein, auf Papier zu bringen. Und wenn du später liest, was du geschrieben hast, dann macht es dich traurig. Das führt irgendwann so weit, dass du regelrechte Nervenzusammenbrüche bekommst, unfähig bist auch nur irgend etwas zu tun, den ganzen Tag im Bett liegst, und... wieder mal... träumst. Dein Angst-Leben, deine Panik-Träume und deine Psycho-Gedanken machen dich seelisch kaputt. Du lachst nicht wenn du lachen willst, du weinst nicht wenn dir danach ist, sondern du verstellst dich. Du verbirgst deine Gefühle, weil du denkst, irgend jemand könnte es dir anmerken, dass du träumst und du dich für deine Gefühle schämst.

Eines Tages war ich in einem Esoterik Laden. Aus reiner Neugirde. Der Laden befand sich einfach auf meinem Einkaufsweg. Dort gab es Dinge von Woodo-Puppen bis stink normalen Kräutertee zu kaufen. An einem Ständer mit Traumfängern blieb ich stehen, in meinen Gedanken versunken dachte ich an den meinigen, und was er mir bis jetzt gebracht hatte - nichts. Und meine Träume schlichen sich in meine Gedanken ein und begannen wieder von mir Besitz zu ergreifen. Da kam die Verkäuferin auf mich zu und fragte ob ich diese Traumfänger auch so schön fände wie sie. Ich sagte nur, dass sie zwar nett anzuschauen wären, aber wirkliche Alpträume nicht abhalten konnten. Die Dame meinte, dass Traumfänger auch nur für die guten Träume wären. Sie würden sie festhalten und nicht mehr los lassen. In diesem Moment fragte ich mich, wann ich das letzte mal einen schönen Traum gehabt hatte. Ich konnte mich nicht erinnern. Entweder hat sie es gespürt, oder die Enttäuschung auf meinem Gesicht gesehen, auf jeden Fall begann sie zu erzählen. Von den verlorenen Seelen, die in dieser Welt leben würden und die von bösen Träumen geplagt wären. Und dass diese Träume mit der Vergangenheit oder dem letzten Leben der Seele zu tun hätten. Sie wäre einmal bei einem Hypnotiseur gewesen, und er hätte ihr offengelegt, dass in gewissen Bereichen ihres Unterbewusstseins gewisse Blockaden wären. Später hätte ihr irgend ein "Experte" erklärt, dass sie in ihrem letzten Leben mit großer Wahrscheinlichkeit von ihrem Mann aus Eifersucht ermordet worden wäre. Ich dachte mir nur genervt, super, noch eine Verrückte. Aber sie hielt mich mit ihren Worten fest, und für die Zeit, die ich bei ihr stand vergaß ich meine eigenen schlimmen Träume vollkommen. Sie sagte, dass verlorene Seelen sich nur gegenseitig helfen konnten.

Ich rutschte Gefühlsmäßig immer tiefer in den Abgrund (ich floh vor dem Wahnsinn, den das Wissen in sich birgt*). Ich lief langsam auf dem schmalen Grad des Wahnsinns, immer mit der Angst, jeden Moment abstürzen und verloren sein zu können. Irgendwie glaubte ich das mit den verlorenen Seelen. Und das drückte mich tiefer und tiefer, denn wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass man in seinem Leben auf eine weitere dieser verlorenen Seelen trifft? Aber Leute, glaubt mir, es sind weitaus mehr, als ihr euch vorstellen könnt. Sie laufen nur mit ihrer leichtsinnigen Arroganz und ihrem seelenzerreißenden Selbstmitleid alle aneinander vorbei. Jede Seele ist auf ihre eigene Art verloren, keine hat das gleiche Problem, aber doch sind sie alle verloren. Doch gibt es noch eine weitere Lösung, die die Wenigsten kennen. Es gibt sie, die Traumfänger die deine schlimmen Träume und deine Panik verklingen lassen können. Deine Angst verschwindet, und die Träume werden weniger und hören vielleicht sogar am Ende irgendwann ganz auf wenn die Traumfänger genug "Macht" auf dich ausüben. Ich habe meinen Traumfänger gefunden. Vor sieben Monaten. Seither ist er, Tag und Nacht, mein ständiger Begleiter und derjenige, der meine Angst besänftigt und die Träume verschwinden lässt. Es ist mir nie so richtig bewußt geworden, aber seit dem Tag als ich ihn kennen und lieben lernte sind meine psychopatischen Gedanken verschwunden.

Vorgestern habe ich, denke ich, es endlich geschafft meine Träume ganz zu vertreiben. Ich hoffe, dass sie zum Ende gekommen sind. Ich habe geträumt, wie ich gestorben bin, aber doch weiter gelebt habe. Ich stand wie aus einem Nebel heraus auf einem Balkon. Ich hatte keine Angst. Es sind die Leute, welche keine Angst haben, die jung sterben. Alles war ruhig. Dort standen alte Stühle, solche aus Metall, solche, wie sie meine Eltern früher auf dem Balkon stehen hatten. Darauf lagen gelb, orange, rot und braun gestreifte Sitzkissen. Ich sah in ein Gesicht, ein Gesicht, das ich nicht beschreiben kann, denn eigentlich habe ich es nicht gesehen. Ich sah mich nur selbst in eine Richtung schauen und im Traum wusste ich, dass es ein Gesicht war, dass es "er" war. Ich sah an meinem Bauch ein Einschussloch mit schwarzem Rand. Ich legte die Hand darauf, aber es blutete nicht. Ich war ruhig und hatte immer noch keine Angst. Ich weiß nicht, ob "ihn" dass provoziert hat, aber ich spürte deutlich zwei Mal einen kurzen, energischen Druck an der Stirn. Dann sah ich mir selbst ins Gesicht (ich habe mich selbst in den Augen meiner Feinde gesehen), und saht zwei kleine Löcher in meinem Kopf, doch auch das blutete nicht, und es tat nicht weh. Mich überfiel ein wenig Angst, aber keine Panik, nur Angst, dass ich jetzt sterben müsste und mich von niemandem verabschieden konnte. Doch ich starb nicht. Ich lag nur mit dem Bauch auf dem kalten Boden, atmete flach und hoffte, dass "er" bald weg gehen würde. Ich wurde ermordet, aber ich bin nicht gestorben, ich habe gelebt. Denn Tot ist nicht wer gestorben ist, tot ist wer verlassen wird. Die Gefühle, die Angst und die Panik waren verschwunden, denn ich lebte, als ich wach wurde.

Träumen wir selbst getötet zu werden so deutet das an, dass bestimmte Faktoren mit denen wir zu tun haben, unser tägliches leben ganz oder teilweise unmöglich machen. Ein bestimmter Teil unseres Lebens ist völlig aus dem Gleichgewicht geraten und wir werden durch andere äußere Umstände zerstört werden.

Ich wachte auf, ohne Schweiß, ohne Herzrasen, nur ganz ruhig und gelassen. Ich wusste, die Träume sind vorbei. Es war vorbei - und es tat nicht weh. Nicht mal ein bißchen.

 

*Zitate von Stephen King

 
Copyright 2022 by www.BookOla.de
Joomla templates by a4joomla