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Rufus und die schwarze Wolke

© 2005 by Lukas Seepe


Es war der Sommer Neunzehnhundertachtundneunzig, als der neunjährige Elias Koch seinen Hund, Rufus, im Berthold-Wald Gassi führte. Er war noch nie alleine hier gewesen. Immer waren seine Eltern, oder Großeltern, oder sein großer Bruder dabei gewesen. Aber ihm konnte ja nichts passieren – er hatte ja Rufus dabei. Und Rufus war wirklich kein schwacher Hund. Er war ein ausgewachsener, reinrassiger Schäferhund. Er würde ihn beschützen. So ein treuer Freund musste ihn beschützen.

Er schaute sich um. Hier war er noch niemals gewesen. Die Bäume hier waren groß – unglaublich groß. Man hätte wahrscheinlich drei ausgewachsene Männer gebraucht, um mit ausgestreckten Armen um einen der Baumstämme herumzugreifen. Es sah insgesamt ziemlich ungewohnt aus, überhaupt nicht gepflegt. Die umgestürzten Bäume blieben einfach liegen und wurden von Moos bedeckt.

"Ich will zurück, Rufus. Komm mit." sagte er.

Rufus gehorchte und sie gingen. Elias war sich langsam nicht mehr sicher, ob sie wirklich diesen Weg gegangen waren. Alles war so groß.

Etwas raschelte im Gebüsch und Rufus stellte seine Ohren auf. Elias bekam angst.

"Komm, Rufus, lass uns verschwinden."

Doch er gehorchte nicht.

Ein Kaninchen kam aus dem Gebüsch geschossen und fegte an ihnen vorbei. Rufus riss sich von der Leine los und rannte hinterher.

"Rufus!" schrie Elias, doch er hörte nicht. Schließlich rannte er hinterher; so groß seine angst auch sein mochte, seine Liebe zu Rufus war noch stärker.

Er rannte durchs Gebüsch, immer Rufus lautem Bellen hinterher. Zweige schlugen ihm ins Gesicht und Dornen zerkratzten seine Arme und Beine. Das Bellen von Rufus entfernte sich immer mehr, bis es ganz verschwand. Elias rannte noch bis zu einer kleinen Lichtung und... nichts. Rufus war weg. Elias fiel auf die Knie und fing an zu weinen. Rufus war weg. Er hatte Rufus verloren und würde ihn nie wieder sehen.

Doch dann... Ein Bellen. Rufus kam hechelnd, mit verklebtem Fell aus dem Gebüsch.

"Rufus!" Elias Trauer war wie weggeblasen. Jetzt freute er sich nur noch seinen treuen Freund wieder zu haben.

Rufus kam zu ihm getrottet und er nahm ihn in den Arm.

"Rufus, mach so was nie wieder, hörst du? Nie wieder."

Dann entdeckte er ein verfallenes, kleines Steinhäuschen, das am Rande der Lichtung lag. Es war mit Moos und Schlingpflanzen zugewachsen, weswegen man es kaum erkennen konnte.

"Rufus komm mit! Das will ich mir ansehen."

Doch Rufus weigerte sich. Elias zog an der Leine, so fest er konnte, doch er schaffte es nicht, Rufus vom Fleck zu bewegen.

"Nagut, dann geh ich eben alleine, Feigling." Er sah Rufus vorwurfsvoll an. Dann ging er zu dem Steinhäuschen. In der alten, verwitterten Holztür war ein Spalt, der gerade groß genug für einen neunjährigen Jungen wie ihn war. Er kletterte hindurch.

In dem Häuschen war es ziemlich dunkel. Durch die Löcher in der Mauer fiel gerade genug Licht hinein, um zu erkennen dass in der Mitte ein Steinaltar, oder etwas ähnliches, stand. Auf ihm lag ein seltsamer, schwarzer, großer sechseckiger Stein. Elias wollte versuchen, ob er ihn hochheben konnte. Er war ganz leicht.

Auf einmal kam ein lautes Bellen von Draußen. Elias erschreckte sich und ließ den Stein fallen; er zerbrach. Eine dichte, schwarze Wolke schoss heraus und nahm ihren Weg durch den Spalt in der Tür. Aus den Splittern kam immer mehr, von dieser Wolke. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Sie zischte wie kaltes Wasser, das auf eine heiße Herdplatte tropft, und heulte wie der Wind; Es war Wind. Seine Topffrisur wurde durcheinandergewirbelt. Dann war alles vorbei. Kein Zischen, kein Heulen mehr, kein Wind mehr. Die Scherben des Steins waren jetzt durchsichtig – es waren Glasscherben.

Auch kein Bellen von Rufus mehr. Elias zwängte sich schnell durch das Loch um nach ihm zu sehen. Er lag da. Ein paar schwarze Rauchschleier um ihn herum verschwanden gerade.

Elias rannte zu ihm und schüttelte den leblosen Körper in seinen Armen. Rufus bewegte sich nicht.

"Rufus! Rufus, wach bitte wieder auf! Rufus!"

Dann war ein leises Wimmern zu hören.

"Rufus?"

Der Hund sprang auf und bellte freudig.

Als Elias und Rufus wieder nachhause kamen, war es bereits halb acht Uhr abends. Er hatte große Mühe gehabt, den Heimweg zu finden. Auf dem Weg musste Rufus Unbedingt noch mit dem Bernhardiner von Herr Maso spielen, was wieder Zeit gekostet hatte. Seine Eltern hielten ihm eine kräftige Standpauke.

"Du warst über sechs Stunden Weg. Wo warst du? Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht! Und warum ist Rufus so dreckig und woher hast du diese Kratzer?" meckerte seine Mutter ihn an.

"Ich war mit Rufus im Wald. Ganz tief drin! Wir haben ein Häuschen gefunden und..."

"Du warst im Wald?" unterbrach sie ihn "Du sollst doch nicht alleine da hinein gehen! Geh ins Bett. Samuel kann Rufus waschen, du müsstest schon längst schlafen." Sie schien wirklich wütend zu sein.

Elias tat wie ihm geheißen und ging schlafen. Sein großer Bruder würde ihn auch noch dafür anmeckern, dass er Rufus waschen musste, aber das ließ sich jetzt nicht mehr ändern.

 

"Elias! Elias, wach auf. Ich glaube mit Rufus stimmt etwas nicht!" sagte Samuel, als er ihn weckte.

"Was ist denn mit ihm?" fragte Elias verschlafen.

"Komm mit!"

Sie gingen die Treppe runter und die Diele. Rufus lag in seiner Ecke und jaulte ganz leise.

"Rufus? Was ist mit dir?" Elias ging langsam zu ihm.

Rufus schien ihn gar nicht wahrzunehmen.

"Komm, wir gehen zu Mutti und Vati." sagte Samuel und zog ihm von dem Hund weg.

Sie gingen in die Küche.

"Komisch, heute sollte es doch sonnig werden." sagte seine Mutter zu seinem Vater "Und dann so was. Gewitterwolken und starker Regen."

"Ja, lässt sich nicht ändern." meinte sein Vater.

"Mutti, Vati, was ist mit Rufus?" fragte Elias leise.

Seine Mutter drehte sich zu ihm um. "Rufus geht es nicht gut. Wahrscheinlich hat er etwas falsches gegessen. Dr. Schulze kommt gleich vorbei und sieht mal nach ihm. Vati bleibt hier um ihm aufzumachen. Wir müssen jetzt zum Sonntagsgottesdienst, zieh dich an." sagte sie ruhig.

Vier Tage später wurde Rufus eingeschläfert, da die Qualen zu groß geworden wären. Was er hatte, konnte niemand sagen. Elias zog sich Tagelang auf sein Zimmer zurück und starrte nur aus dem Fenster. Der Regen dauerte insgesamt sechs Tage an. Es war, als würde das Wetter mit Elias trauern. Doch auch nachdem der Regen aufgehört hatte, starrte er immer weiter aus dem Fenster. Einestages sah er Pastor Lengede hastig in Richtung Wald eilen. Wieso, das wusste er nicht. Kurze Zeit später hatte er es auch schon wieder vergessen. Nachdem er zwei Wochen getrauert hatte, ging er wieder in die Schule. Und er versuchte einige male das Steinhäuschen im Wald wieder zu finden, doch es gelang ihm nicht. Vielleicht war es ja alles nur ein Traum.

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