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Die Fliegerjacke (La Cazadora)

© 2005 Sven Schwanke

"Diese Geschichte habe ich schon einmal geschrieben. Da war ich etwa Dreizehn. Als ich nach Mexiko zog, habe ich sie in Deutschland vergessen. Nun habe ich sie noch einmal neu geschrieben und ich hoffe, sie ist gut. Dass es die Geschichte ein zweites Mal gibt, habe ich meiner Frau Laura zu verdanken."

Sven Schwanke, Leon, Mexiko, 05.10.2005

 

Das Zimmer von Helge war Typisch für ein kleines Apartment in Hamburg. Es war nicht sehr groß, hatte lediglich drei Zimmer und eine kleine Küche, sowie eine Toilette. Vom Wohnzimmer hatte er einen wunderbaren Blick auf die Haltestelle der U1, die in Richtung Zentrum führte. Eigentlich ein wenig Paradox, wo die U1 eine Untergrundbahn ist. Aber hier, an der Trabrennbahn verlief sie eben oberirdisch.

Von seiner kleinen Küche aus hatte er einen ebenso wunderbaren Blick auf die Straße vor dem Haus, wie von seinem Büro auch. Auf der anderen Straßenseite gab es das kleine Lokal, an der Rennbahn, welches er nur ein oder zwei mal aufgesucht hatte, seit er nach Hamburg gezogen war. Und das war nun beinahe ein Jahr her.

Helge lag unter dem Schreibtisch aus imitierter Eiche und versuchte die Kabel an seinem PC zu lösen. Er funktionierte mal wieder nicht. Aber dieses mal schien es etwas ernsthafteres zu sein. Der PC wollte einfach nicht starten und wenn er es doch tat, dann bekam er nur ein Flimmern und die Fehlermeldung: Operating System not found. Schlechte Sache.

Als die Kabel gelöst waren, schob er den Tower weiter nach vorne und zog ihn danach weiter hervor. Er öffnete den Computer und betrachtete das Gewirr aus Kabel und Staub. "Kein Wunder, das er nicht mehr geht" dachte er. Er zog das Strohmkabel ebenfalls hervor und brachte den ganzen Aparat zu einer anderen Steckdose. Dann überprüfte er die Kabel, die zur Festplatte und zum Motherboard führten. Sah eigentlich alles normal aus.

Dann drückte er den Power-Knopf auf der Vorderseite der Maschine drei, vier mal. Er hatte einmal gelesen, daß diese Aktion Power Drain hieß und manchmal half. Anschließend steckte er das Strohmkabel wieder ein und startete den Computer. Und da war es. Ein lautes knirschendes Geräusch. "Das ist wohl hin", dachte er.

"Scheiße!" sagte er laut. Schweißperlen standen auf seiner Stirn.

Vor einigen Tagen hatte er angefangen seine Daten auf Disketten zu Speichern, aber er hatte nur die Hälfte geschaft. Die andere Hälfte war wohl futsch.

"Wo krieg ich denn jetzt eine neue Festplatte her?" fragte er laut.

Sein Blick viel auf die Gelben Seiten und schon stand er darüber und suchte nach Computerzubehör. Er fand etwa fünfzig Einträge und alle waren dort, wo er noch nicht gewesen ist. Bis auf einer. Der war eigentlich recht nah. Lediglich fünf Stationen entfernt und nur zweimal Umsteigen.

Helge schnappte sich sein Telefon und wählte die Telefonnummer. Es klingelte zweimal und eine tiefe Stimme dröhnte aus dem Hörer.

"Mikkis Computerladen."

"Ah, ja, hi. Ich hab ein Problem mit meinem PC."

"So?"

"Nun, ich denke, die Festplatte ist im Arsch."

"So?"

"Und ich glaub, ich brauch eine neue."

"Aha."

"Haben sie welche da?"

"Neu oder Gebraucht?"

"Was ist günstiger?"

"Die Gebrauchten. Hab eine für 150 Mark auf Lager. Mit Einbau kommt sie auf 200 Mark."

"Wie groß?"

"Zwanzig Gigabyte."

Helge überlegte. Seine eigene umfasste lediglich 2GB. Klang interessant.

"Was würde eine neue kosten?"

"Etwa 400 Mark."

Der Taschenrechner in Helge's Kopf sprang an und ratterte. Er hatte keine Vierhundert im Moment.

"Ne. Lieber die Gebrauchte."

"Okay."

"Sie haben Ihren Laden im Borgweg?"

"Aha."

"Wenn ich von der Station aus losginge, wie käme ich dann zu Ihnen."

"Zu Fuß oder mit dem Taxi?"

"Zu Fuß."

"Aus welcher Richtung kommst du?"

"Aus Richtung Barmbek"

"Raus aus der Station, links halten und gut fünfhundert Meter weiter, da bin ich. Der Laden ist etwas klein. Wie ist dein Name?"

"Helge. Helge Winter."

"Gut Helge. Bring das Geld mit und du kriegst was du willst."

"Bis gleich dann."

Es war einer der wenigen Tage, an denen die Sonne schien und nur wenige Wolken am Himmel waren. Dennoch hatte Helge den PC in seinem großen Reiserucksack gesteckt. Den Leuten kümmerte es einen Dreck, als er mit dem sperrigen Rucksack in die U-Bahn einstieg. Jeder kümmerte sich um seine eigene Sache.

Die Fahrt dauerte etwa fünfzehn Minuten. In Barmbek bekam er gerade so die Linie 3 und nach zwei Sationen musste er wieder aussteigen.

Der Borgweg wirkte sehr ruhig. Es war eigentlich eine Allee, die rechts und links von Eichen bestanden war. Hinter den Eichen befanden sich große, rote Gebäude, die irgendwie Zeitlos aussahen. Von der Station aus sah der Weg nach beiden Seiten gleich aus. Ihm gefiel die Gegend gleich auf Anhieb. Er kam aus der Station heraus und entschied sich für eine Richtung. Im Erdgeschoss der großen Gebäude gab es abwechselnd Geschäfte und einfache Wohnungen. In dem einen konnte man frische Backwaren kaufen und Kaffee für unterwegs. Ein anderes Geschäft war eine Apotheke.

Aus den Gelben Seite hatte Helge eine sehr wichtige Information bekommen. Die Hausnummer. Er entfaltete das handgeschriebene Papier und studierte erneut die Hausnummer. 307-A. Er war jetzt bei 290-A angelangt. Er warf einen Blick auf die andere Straßenseite. Dort bei 292-B gab es einen kleinen Laden. Antique stand über dem Laden und die Waren die Helge ausmachen konnte, wirkten auch sehr Antique. Es gab alte Waffen und es gab alte Möbel und es gab Jacken.

"Später" sagte er halblaut zu sich und marschierte weiter.

305-A und dann kam schon 307-A. Mikkis Computerladen stand darüber und Helge warf einen Blick durch das Schaufenster. Gerümpel. Dieser Laden hatte Ähnlichkeit mit dem Antique-Laden. "Was soll's" dachte er und öffnete die Tür.

Im innern herrschte ein totales Chaos. Überall standen Tower und Einzelteile herum. In Kisten und auf dem Boden. Der Raum war unterteilt, Helge stand im vorderen Teil. Aus dem hinteren Teil des Laden drang ein Rumpeln und dann erschien ein absolut fetter Mann. Er musste beinahe zwei Meter gross sein und etwa ebenso breit. Seine Haare waren schulterlang und fettig. In seinem Gesicht prankte ein Bart, der nicht anders war. Seine Augen, klein und irgendwie stechend, wurden von einer John-Lennon-Brille umrandet. In seinem Mundwinkel hing eine Zigarette.

"Was willst du?" fragte er ruhig, dennoch war seine Stimme so brummig, wie am Telefon.

"Ich bin Helge Winters. Ich hatte angerufen."

"Oh, ja. Die defekte Festplatte" sagte er. Die Zigarette bewegte sich auf und ab, beim Sprechen und Asche viel zu Boden. Er lächelte ein wenig.

"Entschuldige die Unordnung" sagte er mit einem Wink auf die Berge aus Ersatzteile.

"Kein Problem"

"Komm mit nach hinten und zeig mal den Kranken"

Helge folgte ihm und er entdeckte, das der vordere Teil des Ladens tatsächlich noch ordentlich aufgeräumt aussah. Der hintere Teil war Katastrophal. Zahlreiche Regale, vollgestopft mit alten Monitoren, Druckern und anderen Kleinteilen, Kisten, aufgestapelt zu kleinen Türmen, mit Ersatzteilen oder einfach nur Müll. Und irgendwo dazwischen stand ein Schreibtisch, mit haufenweise Kabel und drei oder vier Lötkolben.

"Stell den Computer auf den Tisch, ich hohl eben die Festplatte"

Während Helge den PC auf den Tisch stellte, hörte er ein leises Poltern und drehte sich um. Mikki suchte in einem der Regale und fand die alte neue Festplatte. Er nahm seine Zigarette aus dem Mund und pustete den Staub ab.

"Wusste ich's doch"

Dann schloss er den Computer an und startete diesen. Er hörte das leise knirschende Geräusch. Er fing an zu lachen.

"Sagte ich "der Kranke"? Mein Gott, der ist Tot!"

Der PC wurde ausgeschaltet und mit einer beinahe unfassbaren Vorsichtigkeit und einer ebensolchen unfassbaren Geschwindigkeit wurde der PC von seiner alten Festplatte erlöst und die Neue eingebaut. Das ganze dauerte viel drei Minuten.

Dann schloss er den PC an Strohm, Tastatur, Maus und Monitor an und startete den PC. Helge schaute neugierig über die Schulter des Mannes. Obwohl Mikki saß, ein schwieriges Unterfangen.

In schneller Reihenfolge huschten weiße Schriftzeichen über den schwarzen Hintergrund.

"Das ist das DOS" erklärte er. "Hier werden wir gleich sehen ob..." er unterbrach sich, "Ah ja. Wie ich mir dachte. Dein BIOS aktzeptiert nur 2.1 GB von der Festplatte"

"Aber ist das nicht eine größere Festplatte?"

"Darauf kannst du wetten. Laß mal sehen" In schneller Reihenfolge drückte er einige

Tasten und schon veränderte sich das Bild von Schwarz zu Grün.

"Phoenix" sagte er.

"Häh?"

"Das ist dein BIOS. Es heißt Phoenix. Laß mal gucken"

Er suchte nach einigen Disketten, die er dann auch fand. Die, die er nicht brauchte, warf er achtlos beiseite. Als er die Richtige gefunden hatte, steckte er diese in das Laufwerk und startete den Computer neu.

"Dauert jetzt vielleicht vier Minuten."

Tatsächlich dauerte es nur zwei Minuten. Danach gluckste der fette Mann zufrieden auf.

"Na bitte!" sagte er und zeigte auf eine Nummer. "19.2 GB"

"Wow" sagte Helge lediglich.

"Wenn du wieder zu Hause bist, musst du deine Startdiskette nehmen und die Festplatte Formatieren. Ich denke du hast das schon gemacht, oder?"

"Natürlich"

"Gut. Danach kannst du dann dein Operating System installieren. Und das wars. Willst du die alte Platte behalten oder soll ich die entsorgen?"

"Ich brauch sie nicht mehr" meinte Helge und Mikki warf die Festplatte quer durch den Raum in einen Karton mit der Aufschrift: Alt-Metall.

"Das macht dann hundertfünfzig Mark" sagte Mikki.

"Moment. Hab ich sowas wie eine Garantie, das die Platte auch wirklich funktioniert?"

"Es ist zwar nicht meine Art. Aber wenn irgendwas sein sollte in den nächsten 30 Tagen, ruf mich an. Ich geb dir ne Quittung, die du nicht beim Finanzamt einreichen wirst. Verstanden?"

"Keine Panik."

"Gut. Nur ein kleiner Handel unter Freunden."

Helge gab das Geld und bekam die Quittung, mit Datum. Nachdem der Computer wieder im Rucksack war, machte sich Helge auf den Weg und blieb vor dem Schaufenster des Antiquitätengeschäfts stehen.

Es machte sehr leise Ping, als Helge den Laden betrat. Es war halbdunkel. Einige Deckenleuchter erhellten Objekte, die auf kleinen Tischen standen. Aber das war unwichtig. Im Laden ging er direkt zum Schaufenster zurück und betrachtete diese herrliche Jacke, die er von außen bemerkt hatte. Sie sah wunderbar aus. Dunkelbraunes Leder, ein zwei Sticker auf der Vorderseite. Zwei kleine Taschen. Und ein weißer Baumwollkragen. Die hielt mit Sicherheit warm. Er suchte nach dem Preisshild, konnte diesen aber nicht finden.

"Sie kostet hundertneunzig Mark"

Helge stieß einen leisen Schrei aus.

"Himmel, haben sie mich erschreckt."

Helge drehte sich nach dem Mann um. Er musste um die sechzig Jahre alt sein. Sein Gesicht war voller Falten und sein graues Haar nach hinten zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Helge viel auf, das etwas nicht ganz richtig war und dann sah er es. Ein Arm fehlte.

"Was ist, Junge. Hast du einen Geist gesehen?"

"N-Nein. Ich war nur... verblüfft wegen des Preises. Sagten Sie hundertneunzig Mark?"

"Das sagte ich, ja."

"Darf ich sie mal anfassen?"

Das Gesicht des alten Mannes verfinsterte sich. "Ich hab es eigentlich nicht sehr gerne. Aber na gut. Aber vorsichtig."

Helge berührte das Leder. Es fühlte sich weich und Speckig an, genau wie er sich dachte. Wahnsinn. Diese Jacke war wunderbar.

"Wie alt ist die Jacke?" fragte er.

"Nicht sehr alt" kam die Antwort recht knapp.

Helge betrachtete sie erneut. Und ihm viel auf, das an der Schulter etwas zu fehlen schien.

"Was war da?"

"Nichts."

"Ach kommen sie. Natürlich war da was."

"Da war nichts."

"Ich bin daran interessiert diese Jacke zu kaufen. Also, was war da."

"Ich will erst das Geld sehen"

Ohne nachzudenken hohlte Helge seine Geldtasche hervor und zählte das darin befindliche Geld. zweihundertdreißig Mark hatte er noch. Er überlegte. Ja, das wäre eigentlich kein Problem. Es würde dann zwar sehr Knapp werden mit dem Geld, aber er wollte diese Jacke haben. Er hatte das Gefühl, als bräuchte er sie.

"Hier."

Das Gesicht das alten Mannes erhellte sich ein wenig.

"Also gut. Die Jacke ist etwa fünfzig Jahre alt" erklärte der Mann, als er die Jacke von der Austellungspuppe hohlte. Er brachte die Jacke zum Tresen und faltete sie mit seinem verbliebenem Arm auseinander. Er zeigte die Stelle die Helge aufgefallen war.

"Hier war damals ein Zeichen aufgenäht. Ich musste es abnehmen, weil es verboten wurde."

Helge runzelte die Stirn.

"Das war eine Fliegerjacke aus dem zweiten Weltkrieg und hier war das berühmte Zeichen mit den Flügeln und dem Hakenkreuz darin."

"Eine Nazi-Fliegerjacke?"

"Sehr richtig."

"Wem hat sie gehört?"

"Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch nicht. Ich habe sie ehrlich von jemanden gekauft" rechtfertigte sich der Mann. "Was ist, willst du sie oder nicht?"

"Ich will sie."

"Hier hast du eine Tasche. Wäre nett, wenn du sie einpacken könntest."

Helge tat es, während der alte Mann das Geld in seine Kasse zählte.

"Danke."

"Keine Ursache."

Etwa eine halbe Stunde später war Helge wieder zu Hause. Mit mühe musste er sich dazu bringen, sich erst um seinen Computer zu kümmern. Aber während er sein Windows Programm installierte, nahm er die Lederjacke und probierte sie an. Im Badezimmer betrachtete er sich in dem kleinen Spiegel. Sie war eine Wucht. Doch dann war ihm, als würde die ganze Welt vibrieren. Es war nur kurz, aber es war intensiv. Erschreckt zog er die Jacke wieder aus und hielt sie mit zwei Fingern vor sich.

"Gott, was war das denn?" fragte er leise. Dann hörte er ein leises Piepen, der Computer rief ihn. Er ging zu ihm und tippte einige Befehle ein. Dann drehte er sich zu seiner Anlage und spielte eine CD der sechziger Jahre.

Das Vibrieren hatte er vergessen.

Mitten in der Nacht schreckte Helge aus einem Alptraum hoch. Seine Stirn war Nass vor Schweiß. Er stand auf und machte Licht an. Irgendwas stimmte nicht und in seinem Körper machte sich eine Angst breit.

Er ging zu seinem Kleiderschrank und öffnete ihn. Er mußte sich vergewissern, das die Jacke noch da war. Sie war es. Erleichtert atmete er tief ein. In seinem Traum hatte er geglaubt, jemand hätte ihm seine Jacke gestohlen. Gott, das war ein grauenhafter Gedanke.

Helge nahm die Jacke aus dem Schrank und legte sie neben sich auf das Bett. Dann legte er sich dazu und umarmte liebevoll die Jacke. Niemand sollte auf die Idee kommen, sein Ein und Alles zu stehlen.

Der Computer funktionierte wirklich wunderbar. Die neue Festplatte war einfach super, auch wenn sie vielleicht gebraucht war. Auch die Arbeit auf dem Bau war spitze. Das Wetter war Warm und alles andere Stimmte auch. Helge bekam davon jedoch nichts mit. Die Fliegerjacke hatte ihn in seinem Bann gezogen. Immer wieder betrachtete er sie. Manchmal stundenlang. Das Muster war einfach gut, die zwei Aufnäher, auf der Vorderseite, sahen Klasse aus. Er wußte zwar nicht, was sie bedeuteten, aber es war egal. Sicherlich Auszeichnungen des ehemaligen Besitzers. Was ihm jedoch stöhrte, war das fehlende Symbol auf der Schulter. Er hatte es zwar akzeptiert, das es fehlte, aber es stöhrte ihn. Es machte die Jacke irgendwie Fehlerhaft.

Das Telefon klingelte und Helge konnte sich nur Mühsam dazu aufraffen, das Gespräch anzunehmen.

"Hallo?" sagte er leise. Seine Stimme klang seltsam. Flach.

"Guten Tag. Ich wollte gerne mit Helge sprechen."

"Das bin ich."

"Meister. Karl Meister. Helge, ist irgendwas mit dir nicht in Ordnung?"

"Oh Herr Meister. Mir geht es nicht sehr gut."

"So? Was fehlt dir denn?"

"Ich bin Krank. Ich habe Fieber und muss mich übergeben."

"Jesses. Nicht das es was ernsthaftes ist. Ich vermisse dich bei der Arbeit. Wir alle vermissen dich. Sieh zu, das du Gesund wirst, hörst du?"

"Ich werds versuchen."

"Besser ist das. Ach, ich hoffe du hast den Krankenschein?"

"Ich bin noch nicht beim Arzt gewesen."

"Bist du verrückt? Seh zu, das du den Schein bekommst. Mir solls ja egal sein, aber der Bauherr könnte schon etwas ärgerlich werden."

"Ich werd ihn heute bekommen."

"Gut. Soll ich ihn dann morgen bei dir abholen?"

"Ja bitte."

"Also, bis morgen dann."

Klick und die Leitung war still. Helge raffte sich noch weiter auf und bekam einen halbwegs klaren Verstand. Er hatte Gestern bei der Arbeit gefehlt und brauchte unbedingt einen Krankenschein. Er wusste, dass drei Straßen weiter ein ausländischer Arzt ansässig war. Den konnte er doch bitten...

Am nächsten Morgen klingelte es an Helge's Tür und er öffnete. Er hatte seinen Trainingsanzug an.

"Herr Meister. Kommen Sie doch rein."

"Du siehst Gott-Verdammt Scheiße aus, Junge. Was ist es?"

"Magen Grippe" sagte Helge. Er ging in die Wohnung hinein, leicht vorgebeugt, als wäre er nicht neunzehn Jahre alt, sondern achtzig oder neunzig Jahre alt. Herr Meister folgte ihm.

Im Wohnzimmer lag der Krankenschein auf dem Tisch und auf dem Sessel lag die Fliegerjacke. Helge nahm den Schein und reichte ihn seinem Vorarbeiter. Dieser jedoch hatte nur Augen für die Jacke.

"Na das ist doch mal ein Prachtstück." sagte er und ging zu der Jacke auf dem Sessel. Es war ihm anzusehen, das er sie gerne mal anfassen wollte. Er traute sich jedoch nicht.

Helge beobachtete den Mann mit gerunzelter Stirn.

"Wo haste die denn her?" fragte Meister und drehte sich zu Helge herum. Dieser hatte einige Schweißperlen auf der Stirn.

"Gekauft. Hier ist der Schein. Mir geht es nicht so gut."

"Jaja. Gleich." Der Blick des Vorarbeiters ging wieder zu der Jacke. Und dann berührte er sie.

Etwas geschah. Helge war sich nicht sicher, was es war, aber es kam ihm so vor, als würde in seiner Stirn ein Blitz einschlagen. Es schmerzte zu sehen, wie jemand Fremdes Hand an seine Fliegerjack anlegte. Wut machte sich in seiner Brust breit und in seinen Ohren fing es an zu summen.

'Töte ihn!' flüsterte eine Stimme plötzlich in seinem Ohr. 'Töte ihn! Er darf sie nicht berühren!' sagte die Stimme lauter.

Helge tat einen Schritt auf Meister zu, der die Jacke liebevoll streichelte. Dann ließ Herr Meister von der Jacke ab und drehte sich zu Helge herum. Das Gesicht von Helge war Kreidebleich und Schweiß perlte an seinem Gesicht herab. Die Hände waren zu Fäusten geballt.

"Junge, du solltest dich wieder hinlegen. Du siehst echt Scheiße aus."

Helge sah, wie sich der Mund von seinem Vorarbeiter bewegte. Aber er hörte, wie der Mann sagte: Töte mich. Ich bin Wertlos und ich habe deine Fliegerjacke berührt, also Töte mich!

"Ja, das sollte ich" flüsterte Helge.

Herr Meister nahm den Krankenschein vom Tisch und ging zur Tür.

"Ich finde den Weg schon. Leg dich besser hin."

Helge konnte sich nicht bewegen. Das Adrenalin hatte sein Muskeln steif werden lassen. Erst nach zehn Minuten war er wieder ruhig. Er dachte nicht darüber nach, was gerade vorgefallen war.

Helge hatte sich die Fliegerjacke übergezogen und lag auf seinem Bett. Er hatte sich die Jacke angezogen und sonst nichts. Nicht einmal eine Unterhose.

Die Jacke fühlte sich auf seiner nackten Haut besonders gut an. Fast erregend. Er berührte die Außenhaut der Lederjacke und streichelte sie sanft, während er seine Augen geschlossen hielt. Ein ekstatisches Kribbeln ging durch seinen Körper und er stöhnte leise, bei jeder Berührung. Es war einfach zu intensiv und er spürte, wie sein Glied sich versteifte. Er berührte weiterhin seine Jacke, während seine Welt um ihn herum immer tiefer in Ekstase versank.

Das Kribbeln in seinem Körper konzentrierte sich in seinem Penis und dann kam er und spührte den heißen Orgasmus auf seinem Bauch. Er hatte sein Glied nicht einmal berührt.

Dennoch konnte er nicht aufhören die Jacke zu berühren. Für ihn war der Orgasmus unwichtig. Das Gefühl der Jacke auf seiner Haut war es, was er brauchte. Dann plötzlich versteifte sich sein ganzer Körper. Ein heftiger Schlag, ähnlich einem Strohmschlag, jagte durch ihn. Sein Gesicht verzog sich schmerzhaft zu einer Grimasse. Die Augenlider zitterten unkontrolliert. Dann schlug Helge die Augen auf, aber nur das Weiße der Augen war zu sehen. Sein Körper entspannte sich, sein steifes Glied schrumpfte in Sekundenschnelle. In der nächsten Sekunde began Helge hektisch zu zucken, immer schneller. Helge war nicht mehr Herr seines eigenen Körpers. Irgend etwas oder irgendwer hatte Besitz von ihm genommen und Helge spürte, wie ES ihn nach oben zog. An die Decke. Helge schwebte erst zehn Zentimeter, dann einen halben Meter über seinem Bett. Bei einem Meter stoppte ES und Helge hing mitten in der Luft. Die Jacke knisterte leise, wie von statischer Elektrizität geladen. Aus dem Nichts, über Helge, erschien ein kleines Licht. Ein wenig Rauch wirbelte um dieses Licht herum und wie in einem Strudel vergrößerte sich Rauch und Licht. Ein gelblicher Blitz zuckte aus dem Zentrum dieses Strudels und jagte mitten in das Herz von Helge und wieder zuckte Helge unkontrolliert.

Nach drei Minuten war es vorbei und Helge viel schlaff auf das Bett zurück. So blieb er beinahe drei Stunden liegen. In diesen drei Stunden Träumte er. Oder vielleicht war es doch kein Traum? Er konnte sich nicht so recht erinnern, was eigentlich geschehen war. Er wusste nur, das er sich in seinem Traum in einem Flugzeug wiederfand. Er spürte das Brummen unter sich. Er warf einen Blick aus der Kanzel und erkannte unter sich nur Wolken. Seine Sicht war leicht verschwommen. Er berührte sein Gesicht und spürte eine Maske.

Langsam drückte er den Steuerhebel, ohne es zu merken, nach vorne. Die Mashine gehorchte ihm und das Flugzeug kippte nach vorne. Die Spitze brach durch die Wolken und er konnte Land unter sich erkennen. Welches Land?

Ein stetiges Piepen ertöhnte in seiner Maske und er sah, das ein rotes Licht aufleuchete. Er geriet in Panik, hatte keine Ahnung, was es bedeutete. Dann sah er zwei leuchtende Kugel auf sich zu kommen und versuchte schnell mit dem Steuerhebel eine andere Richtung einzunehmen. Aber die Geschosse waren zu schnell. Zuerst hörte Helge ein dumpfes Poltern unter sich und dann wurde es um ihn herum Hell und Heiß. Er war getroffen.

Als er die Augen aufschlug wußte Helge nicht, wo er sich befand. Die Jacke lag neben ihm und das Sperma auf seinem Bauch war getrocknet.

"Gott! Was war das denn?" keuchte er und schwankte dann zur Toilette, wo er sich schmerzhaft übergeben mußte.

Nach einer Weile hörte der Brechreiz in seinem Bauch auf, aber ein Pochen in seinem Kopf stellte sich ein. Dann stoppte das Pochen und es Klingelte an der Tür.

Helge zog sich schnell seine Trainingshose an und machte die Tür auf. Eva aus dem Baubüro stand davor. Ihr langes blondes Haar lag sanft auf ihren Schultern. Sie lächelte.

"Hi du. Ich wollte gucken, wie es dir geht."

"Oder hat dich der Bauherr geschickt?"

"Nein. Ich komme von alleine. Wir machen uns ein wenig Sorgen. Herr Meister meinte, du würdest richtig schlecht aussehen."

"Komm rein."

Sie setzten sich ins Wohnzimmer und schwiegen eine weile. Helge mochte Eva und er war so schüchtern.

"Willst du etwas trinken?"

"Hast du Wasser?"

"Klar. Warte."

Nach drei Minuten kam Helge mit zwei Glas Wasser zurück. Eva nahm ihr Glas dankend an.

"Was dagegen wenn ich Rauche?" fragte sie dann.

"Tuh dir keinen zwang an. Krieg ich eine? Hab keine mehr."

"Klar doch. Hier"

Sie betrachteten sich durch den blauen Dunst, der das Wohnzimmer füllte. Nach einer weiteren Minute des Schweigens kam dann die Frage.

"Wie geht es dir?"

"Mir geht es miserabel. Ich muss mich übergeben und ich denke, ich habe auch sowas wie Fieber"

"Oh, du armer Kerl. Du tust mir richtig leid."

Eva drückte ihre Zigarette im Aschenbecher aus und stand auf.

"Kann ich mal eben auf deine Toilette?"

"Klar doch."

Eva verschwand. Nach etwa sieben Minuten kam sie zurück, die Fliegerjacke in der Hand.

"Wow. Die ist ja irre!"

"Leg sie hin" fauchte Helge. "Bitte leg sie hin" wiederholte er etwas ruhiger. Er zwang sich zu laächeln. Eva bemerkte nicht die Art, auf die Helge mit ihr sprach. Der Bann der Jacke hatte sich auf sie gelegt.

"Nein. Ich will sie anprobieren." sagte sie.

In Helges Kopf schmerzte es wieder. 'Sie will sie stehlen. Töte sie. Hindere sie daran'

"Bitte leg sie wieder hin"

Eva hörte nicht auf ihn. Sie warf sich die Jacke über und streichelte sie zärtlich. Ihre Augen geschlossen.

'Töte sie oder sie verschwindet mit der Jacke. Sie ist deins. Nur deins!'

"Ja. Nur meins" flüsterte Helge.

Das Tageslicht ströhmte durch das offene Fenster im Schlafzimmer und streichelte Helge sanft im Gesicht. Er öffnete die Augen langsam. Er fühlte sich wunderbar, regelrecht wohl. Langsam streckte er seine Arme und Beine. Helge spürte ein leichtes stechen in seinem rechten Arm. Stirnrunzelnd sah er eine Kratzwunde, die noch sehr Frisch war. Er konnte sich gar nicht daran erinnern, wann er sich diese zugefügt hatte.

Er warf einen Blick neben sich und griff unter die Decke. Er erstarrte. Sie war nicht da. Sie war nicht im Bett. Wo war seine Fliegerjacke? Helge schreckte hoch und mit ein zwei schnellen Schritten war er im Wohnzimmer. Er öffnete die Tür und in der nächsten Sekunde verlor er jeden Halt.

Das einst weiß gehaltene Zimmer war nun Blutrot und mitten auf dem Fußboden lag die grauenvoll verstümmelte Leiche von Eva. Die Fliegerjacke lag nach wie vor auf dem Sessel. Dort, wo er sie gestern Abend selbst abgelegt hatte. Nachdem er es getan hatte. Nachdem er sie beschützt hatte.

Helge's Augen füllten sich mit Tränen. Aber das war besser als gar nichts. Er stand langsam auf und ging zu der Leiche hinüber und warf einen Blick auf sie. Die obere hälfte des Schädels war eingeschlagen. Knochensplitter und Hirnmasse hatten sich vermischt. Die Augen waren halb geöffnet, der Mund verkrampft geschlossen. Die Zunge lag auf ihrem Kinn, abgebissen.

Das Hemd, welches sie anhatte, war bis unterhalb ihrer Brüste zerfetzt. Rohes Fleisch glänzte durch einige Löcher des Hemdes und dahinter sah Helge den Dickdarm oder den Dünndarm. Das linke Bein war nach hinten verdreht. Er ging an Eva vorbei und schnappte sich seine Fliegerjacke. Er ging aus das Wohnzimmer heraus und begab zurück ins Schlafzimmer. Dort zog er sich schnell an, kämmte sich, zog auch die Fliegerjacke an und ging hinaus.

Während er sich in die U1 setzte, um einfach irgendwo hin zu fahren, verlor er für kurze Zeit jeglichen Zusammenhang. Es war nicht so, das er anfing vor sich her zu brabbeln. Nein, er starrte einfach nur zum Fenster hinaus, ohne seine Augenlider zu bewegen.

Nach einer weile Zuckte es in seinem Körper und fast wie eine Maschine stand er auf und ging zum Ausgang. Als die U-Bahn hielt, stieg er aus und marschierte langsam, als habe er sehr viel Zeit, durch die dunklen Gänge. Er ging zu einem anderen Bahnsteig und stieg wieder in eine andere U-Bahn ein. Nach kurzer Zeit stand er wieder aus und ging zum nächsten Ausgang.

Der Treppenaufzug schien unendlich lang zu sein. Beinahe hundertfünfzig Meter. Aber auch das bemerkte Helge nicht. Auch nicht, als er wie verloren durch die Straßen ging.

Er achtete nicht auf den Straßenverkehr. Er brauchte es nicht. In seinen Ohren hörte er immer wieder die gleiche Stimme, die ihm sagte, was er machen mußte. Er wurde gelenkt.

'Geh hinein' sagte die Stimme und er tat es. Er kaufte sich ein Tickett und niemand merkte den leeren Blick Helge's. Dann ging er zum nächsten Fahrstuhl, ging hinein und fuhr bis in zum höchsten Punkt. Langsam stieg er aus und kalter Wind schlug ihm um die Ohren. Helge marschierte einmal im Kreis und warf immer wieder einen Blick auf Hamburg, so wie jeder andere Tourist auf dem Fernsehturm auch. Aber er sah die Stadt nicht.

'Hier' flüsterte die Fliegerjacke in seinem Ohr. 'Jetzt'

Behende stieg Helge an dem Sicherheitsgitter hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter.

Der Steg unter seinen Füßen war sehr schmal. Vielleicht dreißig, vielleicht vierzig Zentimeter breit. Irgendwo hörte er jemanden "Halt" rufen. Er rührte sich nicht. Zwei Sicherheitsleute kamen herbeigerannt.

"Junge, komm da runter. Keinen Schritt weiter!"

Eine Traube von vielleicht fünfzehn Menschen hatte sich angesammelt. Die Sicherheitsleute redeten immer lauter auf Helge ein, aber er hörte sie nicht. Was er hörte, war die Jacke.

'Spring' sagte sie, 'Spring und lass dir deine Schuld vergeben' Dann ließ die Jacke von ihm ab. Helge wurde wach und als er entdeckte, wo er war, klammerte er sich sofort an dem Gitter fest.

"Scheiße! Was ist hier los, wie komme ich hier her, wo bin ich?"

"Junge, halt dich fest. Wir werden dir helfen!" sagte der eine Sicherheitsmann.

Sie versuchten eine kleine Tür zu öffnen, die zu einem Sprungbrett für die verrückten Bungee-Springer war. Der Schlüssel brach jedoch ab.

Mit voller Wucht schrie die Jacke 'Spring, du Mörder' und Helge sah in seinen Gedanken, was er getan hatte.

Er sah, wie er den nächstbesten Gegenstand genommen hatte und ihn von hinten auf Eva's Schädel niedersausen ließ. Er sah, wie die Schädeldecke sofort zerbrach und Hirnmasse herausquoll. Er sah, wie sie ohne ein Wort zu sagen zusammensackte. Er sah, wie sie sich die Zunge abbiss, als sie mit dem Kopf aufschlug. Danach sah er sich selbst, wie er in der Küche ein Messer aus der Schublade nahm. Er hatte Zeit. Er kam zurück, kniete sich neben Eva, die seltsamerweise wieder bei Bewustsein war. Blut sickerte aus ihrem Kopf und färbte ihre blonden Haare und den Teppich Rot. Er sah, wie er seine Lippen bewegte und etwas sagte. Nur konnte er nicht verstehen was es war. Er sah ihren Blick, sie flehte. Doch er kannte keine Gnade. Er setzte das Messer über ihren Bauch an und drückte es langsam herunter. Bis zum Schafft. Vor Schmerz schloß sie ihre Augen, zwang sich dann sie wieder zu öffnen und Tränen sickerten aus ihren Augenwinkeln. Sie flehte und flehte. Aber er kannte keine Gnade. Er sah sich, wie er etwa zwanzig mal zustach. Eva starb beim dritten Messerstich. Aber Helge sah sich selbst, wie er immer wieder vor Wut zustach.

Dann war es vorbei. Er war wieder zurück auf dem Fernsehturm. Die Jacke hatte wieder von ihm abgelassen. Er drehte sich langsam herum, mit Tränen in den Augen.

"Ich habe sie ermordet" flüsterte er.

"Junge, was immer es auch ist. Bleib stehen. Wir kommen gleich. Alles geht in Ordnung"

Helge bewegte sein Kopf leicht nach rechts und dann nach links. "Nein. Nichts kommt in Ordnung"

Dann kam die Jacke wieder. 'SPRING!' schrie sie und Helge ließ los. Helge sah wie die Welt sich überschlug. Dann spürte er, wie er seine Jacke verlor. Er schrie laut auf. Nicht vor lauter Angst, sondern weil er seine Jacke verloren hatte. Und dann spürte er gar nichts mehr.

Der 48 Jährige Richard Wilhelm stand vor dem Antiquitätenladen und betrachtete mit offenem Mund die Fliegerjacke, die im Schaufenster aushing. Der Laden war noch geschlossen, aber in zehn Minuten würde er geöffnet werden. Die Zeit hatte er noch. Die Jacke war zu Interessant um einfach weiter zu gehen.

Er warf einen Blick durch das Schaufenster und sah eine Bewegung. Ein alter Mann mit nur einem Arm schlurfte langsam in Richtung Tür. Richard sah, wie er kurz stehenblieb.

Der alte Mann sah Richard vor der Tür stehen. Dann viel sein Blick auf das Schaufenster und die Fliegerjacke, die darin hing.

"Mein Prachtstück" sagte er leise "Ich habe dich vermisst. Aber ich wußte, dass du wiederkommen würdest. Das tust du immer..."

Ende

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