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Dorians Geburt

Ein Geschichte aus
"Dorians Welt"

© 2005 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ein aufdringliches nervendes Summen drang in sein Bewusstsein.

Er wollte Es verscheuchen, wie eine Fliege mit der Hand abwehren, um wieder Ruhe zu haben. Das Summen jedoch wurde eher stärker, schwoll an und riss ihn letztendlich aus dem Schlaf.

Wütend, wie jeden Morgen, schlug er auf die Taste des Weckers und der quälende Ton erstarb. Nicht auf Dauer, nach wenigen Minuten des Dahindösens, begann ihn der Wecker erneut zu martern und wieder fand seine Hand zielsicher den Schalter.

Mühsam öffnete Dorian seine schweren Augenlider und betrachtete die wenigen Sonnenstrahlen, die es geschafft hatten, sich zwischen den schweren Vorhängen hindurch zu mogeln. Das Schlafzimmer war in ein angenehmes Halbdunkel getaucht, so, wie er es mochte. Wie jeden Tag, so auch heute, brauchte er etliche Minuten um seine alten Glieder aus dem Bett zu bekommen. Leise fluchend fand er endlich seine Hausschuhe, die er mit den Zehen ertastete, zurecht schob, um schließlich hinein zu schlüpfen. Ächzend erhob er sich vom Bett, zog die Decke lustlos glatt und ließ seine Augen durch das Zimmer schweifen. Sein Blick verweilte voller Wehmut auf der Bettseite, die ordentlich gemacht und unbenutzt war. Vor Jahren noch lugte da Helens ergrauter Wuschelkopf hervor. Trotz ihrer geschlossenen Augen las er ihre Gedanken und in seinem Kopf hörte er ihre Stimme.

Nun beweg´ dich endlich und wecke mich wenn das Frühstück fertig ist.

Helen war von ihm gegangen, dahin, wo die Straße des Lebens letztendlich hinführt.

Abrupt, um aufkommenden Erinnerungen zu entgehen, wand er sich ab und verließ das Zimmer in Richtung Küche. Er hatte es sich angewöhnt, vor seinem Gang ins Bad, die Kaffeemaschine zu füllen und einzuschalten, so dass der Kaffee, wenn er zurück kam, fertig war. Es kam ihn wie eine Ewigkeit vor bis die Maschine mit Wasser gefüllt war und das braune krümelige Pulver schien in der Luft zu schweben, als es vom Löffel in den Filter fiel.

Etwas seltsam, dachte Dorian und lauschte in sich. Doch selbst sein verborgener Sinn konnte nichts ungewöhnliches entdecken. So schlug er den Weg ins Bad ein und bemerkte noch, das die Zeiger der Küchenuhr auf 6.30 Uhr standen. Der Spiegel zeigte wie jeden Morgen sein übliches von den Jahren gefaltetes Gesicht. Die Stoppeln des Morgenbartes schienen von Nacht zu Nacht länger zu werden. Sein Blick glitt über die Ablage, seinen Rasierer suchend. Er fand ihn nicht. Dafür blieben seine Augen an einen kleinen linsenförmigen knopfgroßen Stück Glas hängen. Dorian nahm es nachdenklich in die Hand und ließ die schwarze Linse, die einst das Auge eines Plüschteddys war, auf seine Handfläche rutschen.

Der kleine schwarze Punkt, der ehemals die Pupille darstellte, war in den Jahren größer geworden und hatte fast den Rand der Linse erreicht. Ein nur noch schmaler hellbrauner Ring schloss ihn ein. Dorian wusste dies zu deuten. Es war sein Schicksal - unabwendbar.

Trotz seiner Fähigkeiten konnte er die Vergrößerung der Pupille nicht aufhalten. Irgendwann, nicht mehr lange, würde sie den kleinen hellbraunen Ring überwinden, die gesamte Linse mit Nacht füllen und somit auch ihn auf den letzten Weg schicken. Missmutig ließ er das Glasauge von Oscar, seinem Kinderspielzeug, in die Tasche seiner Shorts verschwinden und wand sich erneut seiner Morgentoilette zu. Mit bedächtiger Routine vollzog er die allmorgendliche Prozedur und sah sich bald erfrischt und optimistischer im Spiegel. Um dies zu unterstreichen lachte er sein Spiegelbild aus und kniff ein Auge zu. Was soviel sagen sollte wie : "Kopf hoch alter Junge, take it easy."

Das Gesicht im Spiegel erwiderte seine mimische Entgleisung. Wie erwartet, doch glaubte Dorian einen zeitlichen Unterschied zu bemerken. Unmöglich, normalerweise, dachte er. Aber er hatte schon so viele Unmöglichkeiten im Leben kennengelernt, das ihn fast nichts mehr verwunderte. Also wiederholte er das Ganze noch einmal, stellte fest dass der Spiegel nicht mit den Gesetzen der Physik auf Kriegsfuß stand und verließ zufrieden das Bad.

Was er nicht sah, als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, war ein dunkler Fleck auf dem Spiegelglas, der zusehends an Größe gewann und schließlich wie ein schwere Tropfen Öl sich aus diesem löste, um im Fußboden des Bades zu versickern.

Die Kaffeemaschine hatte, wie erwartet, das klare Wasser so weit gebracht, dass es sich erhitzt über die braunen Körnchen im Filter, zu dem verwandelt hatte, was ein Durchschnittseuropäer als Kaffee bezeichnete. Dorian vernichtete die gesunde Kaffeebräune sofort mit einen gewaltigen Schuss Milch und machte sich ans Werk um einen Hörnchen den Garaus zu machen. Zusammen mit Butter und Salz mochte er es am liebsten. So saß er nun da am Küchentisch und genoss, wie jeden Morgen sein Frühstück. Im Radio dudelte ein Oldie von Elektra : "Tritt ein in den Dom." Er liebte das Musikstück und konnte den Text mittlerweile auswendig. Dorian lauschte zufrieden. Der Tag sollte schön werden. Die Sonnenstrahlen stoben durch die Gardinen und zauberten abstrakte Lichter auf die Tapete. Er beobachtete sie während er am Hörnchen kaute. Seine Fantasie, die ihn seit Kindheit an nicht verlassen hatte, formte Bilder, daraus. Bilder die nur er sah und verstand, die Vergangenheit mit Gegenwart verschmolzen, um wie in einem Zeitsturm alles längst verloren geglaubte, in seine Erinnerung zu holen.

Und sein Leben zog an seinem geistigen Auge vorbei, wie ein Film. Die schönen aber auch die unschönen Stunden. Vieles hätte er anders gemacht und über vieles musste er heute schmunzeln. Doch bereuen wollte er nichts. Es gehörte zu seinem Leben, auch wenn es manchmal nicht einfach war mit seiner seltsamen Gabe umzugehen und diese erfolgreich zu verbergen. Einzig Helen hatte ihn durchschaut und nur ihr vertraute und offenbarte er sich.

Dorian erwachte aus seinem Tagtraum. Das Radio dudelte immer noch das gleiche Stück : "Tritt ein in den Dom, den Schritten das Schreiten zu lehren ..." Irgendwie schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Sein Blick fiel auf die Küchenuhr, die permanent 6.30 Uhr anzeigte. Sein Kauzyklus verlangsamte sich und schließlich legte er den Rest des Hörnchens auf den Teller zurück. In seinem Inneren hatte etwas "PING" gemacht. Sein verborgener Sinn hatte sich gemeldet. Fassungslos starrte er auf die Uhr. 6.30 Uhr, so spät war es, als er ins Bad ging und das war mit Sicherheit schon vor einer Stunde gewesen. Langsam rutschte er vom Hocker und begab sich zur Uhr. Er glaubte nicht das sie falsch ging oder stehengeblieben war. Trotz seines Alters konnte er schon wenige Schritte davor ihr gleichmäßiges Ticken hören. "Tick, tack – tick, tack, ich bin auf Zack," flüsterte Dorian vor sich hin. Doch der Sekundenzeiger bewegte sich nicht. Sein Herz hämmerte wie wild. Er ahnte etwas. Die Zeit ist gekommen, dachte er. Die lang verloren geglaubte Gabe meldete sich wieder. Er spürte wie jede Zelle seines Körpers vibrierte und sich seine Sinne schärften. Jeder Muskel seines Körpers schien in Aufruhr. Seine gebeugte Haltung verschwand und er musste sogar die Brille abnehmen, um wieder klar zu sehen. Dorians Hand glitt in die Tasche seiner Shorts und holte Oscars Auge hervor. Der kleine hellbraune Ring war verschwunden und die ganze Linse war mit Schwarz erfüllt. Er ließ sie wieder in die Tasche zurückgleiten und sah sich sorgfältig in der Küche um. Da, zwischen den Dielen an der Tür zum Flur hatte sich ein dunkler Fleck gebildet, der zusehends an Größe gewann. Im Nu war er dort und ein unbeteiligter hätte sich sehr über die plötzliche Gewandtheit des alten Mannes gewundert. Doch er war nicht schnell genug. Ehe er etwas tun konnte, hatte sich der Fleck aufgelöst und schwebte nun wie ein flatternder dunkler Mantel über ihn, um im nächsten Moment herabzustürzen. Dorian rang nach Luft. Der Schatten hatte ihn fast vollständig eingehüllt, drückte und zerrte mit gewaltigen Kräften an ihm. In seiner Not sammelte er all seine Kräfte. Er erinnerte sich an einen Trick, den er schon mal in früheren Jahren angewandt hatte. Voll Hoffnung, noch genügend Kraft aufbieten zu können, ging er in sich und begann jede seiner Zellen zu steuern. Und es klappte. Sein Körper wand sich, wurde biegsam und floss letztendlich unter dem Mantel hervor. Kaum wieder existent, packte er das flatternde Ding und schleuderte es zum Fenster, ins helle Licht.

Ein dämonisches Kreischen erklang, der flatternde Schatten löste sich auf und verschwand. Dorian atmete auf, wusste jedoch, dass es noch nicht vorbei war. Wie zur Bestätigung flogen rings ums Haus die Fensterläden zu und hüllten alle Räume in ein gespenstisches Dunkel. Ein leises kratzendes Geräusch ließ ihn aufhorchen. Er verließ die Küche und folgte dem aufdringlichen Ton. Im Flur konnte er nichts entdecken. Es kam aus dem Wohnzimmer. Und wirklich, in seinem Fernsehsessel saß eine dunkle schemenhafte Gestalt. Was er sah, war mehr oder weniger eine Art schwarzer Mantel mit Kapuze, in der gesichtslos zwei Augen glühten. Der linke Ärmel hing schlaff herab, während der rechte auf der Lehne ruhte und eine Krallenhand, die daraus hervor lugte, kratzte gelangweilt am Stoff seines Sessels. Dorian riss allen Mut zusammen. "Wer bist du", rief er ihm zu ? Dabei bemerkte er, wie ruhig und sicher seine Stimme war."Zeig mir dein Gesicht Dämon, oder was du auch immer sein magst." Ein heiseres krächzendes Lachen ertönte. Dorian sah, wie sich in der Kapuze ein waberndes Nebelgesicht bildete.

"Wie willst du mich denn sehen, Dorian"? Schauriges Lachen tönte aus der Kapuze. Das neblige Waberbild veränderte ständig seine Form und er konnte unzählige Menschen aus seiner Vergangenheit erkennen.

Als schließlich Helens Gesicht aus dem wabernden Rauch entstand wurde Dorian wütend.

"Schweinehund verdammter, laß Helen aus dem Spiel. Dazu hast du kein Recht."

Ein höhnisches Lachen ertönte. Es klang, als würde jemand Säcke mit Pflastersteinen auskippen.

"Aber Dorian, ich habe alle Rechte der Welt". Das Wabern hatte sich in Napoleon verwandelt.

"Ich bin dein Schicksal, dein Gestern, Heute und Morgen. Mir kannst du nicht entrinnen. Es wird Zeit für dich, Dorian, den Weg aller Menschen zu gehen. Ich werde dich führen." Gaggerndes Lachen folgte und Dorian sah in die Fratze eines Scheusals, dass ihm die Haare zu Berge standen.

"Lass das jetzt endlich," rief er erbost. "Vor mir brauchst du keine Monstershow abzuziehen. Ich weiß, wer du bist."

"Sooo," das Monster hatte sich nun in griechische Gewänder gehüllt und sah Nero, dem ehemaligen Diktator Roms, nicht unähnlich.

"Ja", entgegnete Dorian. "In all den Jahren bist du mir zu oft über den Weg gelaufen. Du bist der Schatten meiner Kindheit. Ich habe dich im Hintergrund gespürt, wenn Großmutter ihre Geschichten erzählte. Ich habe als einziger dein schreckliches Lachen vernommen, wenn Menschen starben. Ich habe dich gesehen, wie du Helen in dein dunkles Reich verschleppt hast. Ich weiß sehr wohl, wer du bist. In all den Jahrhunderten wolltest du mir habhaft werden, dunkler Mann. Du konntest es einfach nicht fassen das ein einfacher Mensch sich dir widersetzt. Doch die Uhren laufen heute anders. Der Schmerz, der mein Herz zusammenpresst, macht mich stark. All die Leiden der Welt, die du verursachst, fließen in meine Seele und machen mich stark. Du weißt nicht, wie leidvoll es sein kann, wenn du das Sterben spürst. Wenn sich eine fremde Seele in dir aufbäumt, mit all ihren Träumen und Wünschen. Wie sie kämpft und schließlich ihre Ohnmacht erkennen muss. Wenn die Flut der Gedanken kleiner wird und nur noch ein zaghaftes Aufblitzen wie ein letztes Wimmern erscheint, dann, dunkler Mann, ist man dem Wahnsinn nahe und du weinst tausend Tränen. Dann verfluchst du all die Gabe, die du hast, und verfluchst den, der sie dir gab. Dann willst auch du sterben. Doch es hat mich stark gemacht. Nun will ich nicht mehr sterben. Dir zum Trotz werde ich all die Leiden der Welt aufnehmen, denn was mich nicht tötet macht mich stark."

"Papperlapapp", krächzte der dunkle Mann und wieder war er gesichtslos, die Augen glühenden Kohlen gleich. "Ich gab dir diese Macht und ich nehme sie dir auch wieder. Es ist Zeit für dich."

Damit machte er eine weit ausladende Geste und ehe sich Dorian versah war er von seinem Mantel eingehüllt. Eine gewaltige Kraft presste seine Lungen zusammen, umgab ihn mit Dunkelheit und zwang ihn zur Bewegungslosigkeit. Alles was Dorian jetzt noch fühlte, war unsäglicher Schmerz und Hilflosigkeit. Seine Gedanken waren voller Ohnmacht und so nahm er resignierend wahr, wie er, vom dunklen Mann in eine seltsame Welt geführt wurde.

Als der Druck von seinen Lungen wich, seine Gedanken sich mit Klarheit füllten, befand er sich an einem Ort voller Licht und Dunkelheit. Ein unablässiges Flimmern blendete ihn, so dass er gezwungen war, schützend die Arme vor sein Gesicht zu heben.

Wieder erscholl das Lachen des dunklen Mannes. Diesmal von überall her. "Jetzt bist du mein, Dorian. Du bist in mir."

Dorian verspürte wieder einen pressenden Schmerz im Brustbereich.

Es war als wolle jemand sein Herz auf die Größe einer Erbse pressen.

"Wo bin ich? Das Licht blendet mich, ich kann nichts erkennen."

Der Schmerz ließ nach und auch das Flimmern wechselte in ein gleichmäßiges Pulsieren.

Dorian konnte endlich die Arme von den Augen nehmen und sah in eine gewaltige Lichtkugel.

"Das ist die Halle der Seelen", erklang es von überall her. Die Stimme gehörte nicht mehr dem dunklen Mann. Sie war voller Liebreiz und schien engelsgleich.

Dorian lauschte erstaunt.

"Wenn du auch mit Engelszungen sprichst, so musst du noch keiner sein."

"So ist es ,Dorian. Wir sind alle keine Engel. Das ist wider der Realität.

Wir sind die Seelen die aufleuchten, um bald darauf zu verlöschen."

Dorian begriff. "Wo ist mein Licht", rief er. "Es geht alles zu schnell."

Stille umgab ihn und er ahnte, dass dieser Moment in Wirklichkeit Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte ausmachte. Seine Gabe war dahin, aber sein Gefühl für das Ungewöhnliche war stärker denn je. Jetzt und Hier war die Zeit ohne Bedeutung. Er befand sich außerhalb der einst für ihn realen Welt.

Der dunkle Mann hatte gewonnen. So schien es. Sicher war es nur noch ein kleiner Schritt für ihn, und das Licht würde ihn vereinnahmen.

Er würde aufleuchten um zu verlöschen. Ein Hauch in der Unendlichkeit. So lang sein Leben war, für ihn, würde es in den Äonen der Zeit verschwindend gering sein. Nicht mal ein Lichtblitz in der Ewigkeit. Er dachte an Helen und fühlte statt des erwartenden aufkommenden Schmerzes Freude in seiner Brust. Im Innern hörte er ihre Stimme. Verwirrt ging er in sich und versuchte seiner Gefühle Herr zu werden.

Das ist unmöglich, dachte er. Aber Helen sprach mit ihm.

Dorian rasselte der Kopf voller Glocken. "Oh, Helen. Wie ist das möglich", flüsterte er verwirrt?

Dann sah er, wie das Flimmern der Kugel in ein beständiges Leuchten überging. Die Stimme des dunklen Mannes erklang.

"Dein Licht Dorian, schau es dir an. Nicht mehr lange und es wird verblassen. Siehst du wie sein Leuchten nachlässt? Fühlst du nicht aufkommende Schwäche?"

Und wirklich, der gewaltige leuchtende Ball verlor seinen gleißenden Schein und verfärbte sich ins gelbliche. Fast zeitgleich meldete sich sein Rheuma zurück und er suchte irgendwo Halt, um seine müden schmerzenden Glieder auszuruhen. Taumelnd wankte er durch die unermesslich große Halle und sank schließlich auf einen Stein nieder, der ihn schlechthin an einen Opferaltar erinnerte. Das Licht seiner Lebenssonne veränderte sich weiter und nahm nun den zarten Ton einer Orange an. Dorian verschwamm alles vor den Augen und er suchte seine Taschen nach der Brille ab. Was er fand, war aber nur Oskars Auge. Seine Hand umklammerte es und so sank er auf den Altar nieder. Blutrot, einer erlöschenden Sonne gleich schwebte der Feuerball über ihn. Sein Leben, sollte es nun vergehen? Musik erklang. Gewaltige Tonfolgen die in dieser unendlichen Halle zu tausendfachem Echo verschmolzen. Dorian glaubte den Text zu kennen.

"Tritt ein in den Dom, kleiner Mensch tritt ein.

...tritt ein in deinen staubigen Schuhen ..."

Dorian lauschte und sah verschwommen wie sich ihm ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen näherte. Als es schließlich heran war und sich über ihn beugte, sah er in Helens faltiges Gesicht.

"Helen", flüsterte er fast ohne Atem. Er wollte ihren Kopf zwischen seine Hände nehmen, doch es war unmöglich. Tonnenschwere Fesseln schienen ihn an den Altar zu klammern. Helen schüttelte den Kopf schien etwas zu sagen. Doch seine Ohren waren taub vom tausendfachem Klang seiner Lieblingsmusik.

"Tritt ein in den Dom, hier umfängt dich die Stille,

jede Pupille wird weiter."

Dorian sah, wie Helen ihm aufgeregt zunickte und mit dem Mund ein Wort formte. Immer wieder. Er verstand nicht. Sah nur ihren aufkommenden Schmerz und wie sie dieses Wort fast schrie, das er nicht verstand. Schließlich wand sie sich unter Tränen ab wurde wieder dieses kleine Mädchen mit den Zöpfen und verschwand im Dunkel.

Ohnmächtig sah er den dunkelroten Ball über sich, sein endendes Leben, gleich einer überdimensionalen Pupille. Da jagte, wie ein Feuersturm, ein freudiger Schmerz durch seine müden Knochen. Jetzt war ihm klar, was Helen ihm zurief. Was sie ihm mit der Musik sagen wollte. Er fühlte das Auge Oskars in seiner noch geballten Faust. Das Auge, nur noch Pupille, schien in seiner Hand zu vibrieren. Einmal noch, dachte Dorian, einmal noch brauch´ ich all meine Kraft. Er riss sich vom Altar empor und glaubte all seine Knochen bersten zu spüren. Tausendfach schienen seine Arme hoch zu wirbeln und schemenhaft sah er, fast in Trance vor Schmerz, wie sich seine geballte Faust öffnete um eine kleine Glaslinse freizulassen, die in die Höhe strebte um mit einem schwarzroten Stern zu verschmelzen. Er sah noch, wie sie hineinschoss einen kleinen Lichtblitz hinterließ, der sich unentwegt ausbreitete um letztendlich in der ersterbenden roten Glut ein neues gleißendes Licht zu entfachen.

Dann sank Dorians sterbliche Hülle auf den kalten Stein zurück.

Als man Dorians leblosen Körper fand und der Arzt nach Feststellung der Todesursache endlich das Radio abstellte aus dem ständig ein und der selbe Oldie dudelte, wurde unweit in einer Klinik ein Junge geboren.

Seine Eltern nannten ihn Dorian.

Am Abend der Geburt, als das Kind schlafend in seinem Kinderbett liegt, löst sich ein Schatten aus der Wand. Scheinbar schwerelos gleitet er im Halbdunkel des Zimmers auf das kleine Menschlein zu und wirft seinen dunklen Mantel über ihn. Unter der dunklen Kapuze leuchten Augen, glühenden Kohlen gleich. Das Kind schläft und selbst die Mutter nebenan merkt von all dem nichts.

So sieht keiner, wie der Schatten, sich windend, kleiner wird, unter die Decke des Kindes schlüpft um schließlich als kleiner lustiger Teddy mit frechen Knopfaugen den neuen Morgen zu erwarten.

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