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DUNKELHEIT
 

© 2004 Svoon

Ralph schloss das Buch und ließ es auf den Boden neben dem Bett fallen. Er konnte vor Müdigkeit kaum noch die Augen offen halten, als er nach dem Glas auf dem Nachttisch griff, um noch einen letzten Schluck Wasser vor dem Schlafengehen zu trinken. Es war ein harter Tag gewesen. Er hatte eine nervenaufreibende neun Stunden-Schicht hinter sich und nach dem Feierabend war er noch zu Sabine in ihre gemeinsame Wohnung gefahren um noch ein paar Sachen abzuholen, was wie immer in einen handfesten Streit ausgeartet war. Und dann, als er wütend und aufgewühlt die Tür zu seinem kleinen zwei Zimmer-Appartement aufgeschlossen hatte, hatte er sein neues Zuhause in einem chaosnahen Zustand vorgefunden, eigentlich ein Dauerzustand seit der Trennung und dem Auszug aus der alten Wohnung. Später, als er endlich zur Ruhe gekommen war, hatte er selbst nicht mehr gewusst, warum er sich ausgerechnet an diesem Tag dazu aufgerafft hatte, aufzuräumen. Aber warum auch immer, nun erwartete Ralph der wohl verdiente Schlaf.

Er schaltete die Nachttischlampe aus und vergrub sich unter der Bettdecke. Ganz über den Kopf zog er sie sich und rollte sich darin ein wie eine Mumie, eine alte Angewohnheit aus der Kindheit, die er sich als Erwachsener wieder angewöhnt hatte. Als Kind hatte er es getan, um sich vor Gespenstern und Ungeheuern zu verbergen, die in der Dunkelheit lauern konnten, in diesen Tagen tat er es weil er so einfach bequemer Schlafen konnte und es entspannend für seinen von der Arbeit strapazierten Rücken war. Als das Licht erlosch flutete Finsternis den Raum. Ein paar letzte Gedanken gingen ihm noch durch den Kopf, dann schlief er ein.

Ralph schlief mehrere Stunden lang tief und traumlos. Mitten in der Nacht erwachte er und sah nach dem Digital-Wecker auf der anderen Seite des Zimmers. Die rot leuchtende Anzeige zeigte ihm das es kurz nach Zwei Uhr war. Gut, dachte Ralph, noch volle fünf Stunden bevor das Ding ihn mit seinem aufdringlichen Weckton zum Aufstehen nötigen würde.

Ralph wollte gerade wieder die Augen schließen und sich auf die andere Seite rollen, als er aus dem Augenwinkel heraus etwas in dem dunklen Raum bemerkte. Am anderen Ende des Zimmers, in der Nähe der Tür und des Kleiderschrankes, standen zwei Gestalten zwischen den Schatten. Er spähte vorsichtig über den Rand der Bettdecke und der Schreck fuhr ihm in die Glieder. Panisch, aber unfähig sich zu bewegen, versuchte er in der Finsternis zu erkennen, ob da wirklich zwei Gestalten standen oder ob seine Sinne ihm nach einem anstrengenden Tag einen Streich spielten. Ein Teil seines Selbst, derjenige der ihn jeden Morgen zur Arbeit drängte und alles glaubte, was in den Nachrichten gesendet wurde, bestand darauf, das da nichts in der Dunkelheit war, bloß das Produkt seiner blühenden Phantasie und den nächtlichen Schatten. Aber dann war da noch ein andere Teil seines Selbst, der, der sich niemals bei Nacht auf einen Friedhof trauen würde, der nicht abgeneigt war, an die Existenz von Geistern und Ähnlichen Dingen zu glauben, und der darauf behaarte, das dort tatsächlich zwei finstere Gestalten zwischen den Schatten standen. In den Sekunden in denen Vernunft und Angst um die Oberhand rangen, blieb ihm nichts anderes übrig, als in die dunkle Ecke zu starren. Es wurde ihm bewusst, das es ja nicht nur so war, das er glaubte, dort zwei Gestalten zu sehen, nein, er glaubte auch, das er fühlen konnte, das er in der finsteren Wohnung nicht mehr allein war. Und dieses Gefühl nährte die wachsende Panik. Er glaubte zu spüren, das sich in dem Zimmer etwas Böses befand, etwas was ihm ganz und gar nicht wohl gesonnen war…

Das war genug. Ralph hatte nicht den Mut, sich einfach umzudrehen und weiterzuschlafen, er brauchte jetzt die Gewissheit, das da nichts war. Er streckte den Arm aus dem Bett und tastete nach dem Schalter der kleinen Lampe auf dem Nachttisch. Trotz der Dunkelheit fand er ihn mit Leichtigkeit, doch als er ihn betätigte, geschah nicht das erhoffte. Kein Licht das den Raum erhellen und die unheimlichen Schatten vertreiben würde. Es blieb Dunkel. Nervös drückte er den Schalter mehrere Male aber nichts tat sich. Nun begann er sich ernsthaft zu fürchten, er wollte, brauchte nun Licht. Ralph richtete sich auf und tastete nach dem Schalter an der Wand neben dem Bett, der das große Deckenlicht einschalten würde. Sein Herz begann laut und schnell zu schlagen. Er blickte kurz zu den Gestalten die noch immer stumm und reglos in der Ecke standen und er glaubte ihren kalten Blick zu spüren. Die nur noch schwache Stimme der Vernunft in seinem Kopf ermahnte ihn ruhig zu bleiben und sich nicht zum Narren zu machen, doch sie verstummte ganz schnell wieder, als auch der Schalter am Fußende des Bettes den Dienst verweigerte. Angst und Panik drohten ihn zu übermannen, er ahnte das keines der Lichter in seiner Wohnung funktionieren würde. Was war geschehen? War die Sicherung rausgeflogen? Ein Stromausfall? Einerlei, er war der Dunkelheit und seinen bösartigen Besuchern hilflos ausgeliefert, das rettende Licht würde ihm verweigert bleiben, der Alptraum, der gar keiner war, würde weitergehen.

Ein Geräusch ließ ihn zusammenzucken. Etwas war vom Wohnzimmertisch in der Mitte des Raumes gefallen. Für einen Moment hatte Ralph nicht auf die Gestalten geachtet, nun musste er voller Entsetzen feststellen, das diese nun direkt neben der Couch standen. Nun war es nicht mehr zu leugnen. Dort standen wahrhaftig zwei düstere Gestalten. Renn Weg, Kämpfe…Das sind bloß Einbrecher…hörte er die Stimme der Vernunft in seinem Kopf schreien. Ralph vergrub sich unter der Bettdecke, an Flucht oder Kampf war nicht zu denken, Furcht und Entsetzen lähmten ihn, verurteilten ihn zum zusehen.

Vorsichtig sah er über die Decke, die Gestalten kamen nun langsam aber zielstrebig auf sein Bett zu. Es sind die Geister der Verstorbenen…Verlorene Seelen, zwischen den Welten gefangen, schoss es ihm durch den Kopf. Die Panik wurde zur Todesangst. Da sich seine Besucher nun außerhalb der tiefen Schatten befanden und seine Augen sich allmählich an die Finsternis des Raumes gewöhnt hatten, konnte er sie nun deutlich erkennen. In seiner Todesangst sahen seine Augen so scharf wie noch nie zuvor, nahmen jedes Detail war. Er sah die bleichen, toten Gesichter, die zu einer Maske der Qual verzogen waren. Die Kleidung, zerlumpt und zerrissen, erinnerte ihn an alte Soldatenuniformen aus den großen Weltkriegen, was gleichzeitig einer seiner letzten zusammenhängenden Gedanken war.

Die Toten waren am Bett angekommen und streckten ihre verwesten Arme nach Ralph aus, doch da hatte er gnädiger Weise vor lauter Angst schon den Verstand verloren. Als die bleichen, kalten Hände ihn berührten, da hörte sein Herz auf zu schlagen und die Dunkelheit des Zimmers wurde von einer allumfassenden, ewigen Finsternis abgelöst…

Schon seit einigen Tagen wunderte sich Else Klein, eine rüstige Rentnerin die auf derselben Etage wie Ralf wohnte, über den Gestank im Hausflur. Sie ging zum Hausmeister und erzählte ihm das wahrscheinlich irgendwo im Lüftungsschacht ein Vogel verendet wäre. Noch am selben Tag nahm sich der Hausmeister des Problems an und es dauerte nicht lange, bis er feststellte, das der unangenehme Geruch aus der Wohnung des neuen Mieters kam. Ein überfüllter, seit langer Zeit nicht geleerter Briefkasten bestätigte die schlimme Vermutung. Mit einem Ersatzschlüssel öffnete er die Wohnungstür und fand Ralphs bereits stark verwesten Leichnam in dessen Bett. Die von Familienmitgliedern beantragte gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche ergab das Ralph eines natürlichen Todes gestorben war, Plötzliches Herzversagen wurde als Todesursache auf den Sterbeschein eingetragen. Aber das Ralph vor lauter Angst gestorben war, das hätte keiner der untersuchenden Ärzte auch nur vermutet…

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