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Ungewissenheit

© 2004 Sven Schwanke


Sie kamen mitten in der Nacht und sie gaben kaum Geraeusche von sich. Ich selbst wurde ueberrascht, als ich kaltes Metall von Waffen in meinem Gesicht spuerte und ebensolches Metall an meinen Haenden. Das klickende Geraeusch, welches ich vernahm, gab mir die Gewissheit: Sie wuerden mich mitnehmen. Sie gaben mir eine Spritze, die mir Brutal in den Unterarm gejagt wurde; ich konnte noch Tage danach die Stelle erkennen. Sie verfaerbte sich von Dunkelrot zu Gruen und Gelb.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf einer kalten Pritsche und es roch muffig, feucht. Mein Gefaengnis war gerademal fuenf Meter mal drei Meter und das Moebiliar bestand aus einer Pritsche und einem Loch, in das ich hinein machen konnte.

Es gab keinerlei Gerichtsverhandlung, keinerlei Anschuldigungen. Ich konnte mich nicht wehren und wusste nicht einmal, aus welchem Grund ich dort Gefangener war. Ich wusste nicht einmal, wo dieses Gefaengnis war. Erst nach, wie mir schien, wochen, kam endlich eine Gesichtslose Gestallt zu mir und erklaerte mir, was ich bis dahin nur vermutete.
Anhand der Stimme erkannte ich, das es ein Mann war, der mir die Mitteilung ueberbrachte. Seine Stimme war leise, fast Fluesternd und dennoch Kraftvoll genug, um mir Todesangst einzufloessen. Aber am Ende waren es nur die Worte, die mir meine Zukunft raubten.

"Deine Schuld ist, das du gemordet hast. Ein Gremium hat entschieden, das wir dich finden und dich hinrichten sollen. Deine Hinrichtung wird durch Stromschlag stattfinden. Noch etwas solltest du wissen: Es kann sein, das deine Hinrichtung morgen stattfindet. Aber ebenso kann es sein, das es nicht morgen sein wird. Es wird keiner kommen und die eine Henkersmahlzeit anbieten, so das du eine Gewissheit hast. Wir arbeiten anders als die Regierung, wir haben keine speziellen Zeiten fuer unsere Hinrichtung. Wenn es Mitternacht ist, dann ist es Mitternacht. Es kann aber auch kurz vor dem Fruehstueck sein."

Ohne weiteres zu sagen oder auf meine Reaktion abwartend, stand der Fremde auf und ging hinaus. Von da an Plagten mich schiere Alptraeume.

In Ungewissenheit zu Leben wann der Tag des dahinscheidens stattfinden wuerde, aber mit der Sicherheit, das es vielleicht morgen sein wuerde ist Grauenvoll. Sicher, das Leben findet auf diese Weise statt. Man kann jederzeit auf offener Strasse erschossen werden oder man siecht einfach an Krebs dahin oder bekommt einen Tumor von der Groesse eines Tennisballes im Schaedel. Man muss jeden Tag mit dem Tod rechnen, der Unterschied hierzu ist jedoch, man Kuemmert sich normalerweise nicht darum. Aber hier, wo ich mit meinem Tod rechnen musste, musste ich darueber nachdenken, mir Gedanken machen.

Am Anfang dachte darueber nach, wie es sich anfuehlen wuerde, wenn eine starker Stromschlag durch mein Gehirn fliessen wuerde. Wuerde es schmerzen? Waere ich schnell von meinen Qualen erloesst? Tagelang schien es, das ich darueber nachdachte. Und jedesmal hoerte ich im schlimmstem Moment meiner Alptraueme, wie jemand vor meiner Zellentuer stehenblieb, mit Schluessel klapperte und dann den passenden Schluessel in die Tuer steckte. Bislang wurde mir lediglich das Essen gebracht, aber man konnte sich nicht darauf verlassen, das es immer dieselbe Uhrzeit war. Und so war mir jedesmal Uebel, weil ich dachte, nun ist es Zeit zu sterben. Sie sind Sadisten. Und ich weiss nicht einmal wer Sie sind.

Aber ich lebte und das war wichtig. Auch wenn ich nicht wissen konnte, wann mir dieses Vergnuegen genommen wuerde. An einem normalen Tag wurde mir mit dem Essen ein stapel Papier gereicht und dazu ein Wachsstift. ich sollte mir nicht das Leben nehmen. Auf dem ersten Blatt Papier stand: Kommission fuer Begnadigungen. War das ein Hoffnungsschimmer oder ein perverses Spiel?
Ich sass Stundenlang vor dem Papierstapel. Ich betrachtete es. Ich schrie den Stapel sogar einmal an. Ich wollte nichts Schreiben, aber ich spuerte, wie in mir der Wunsch anstieg zu Erklaeren. Vielleicht, schimmerte in mir die Hoffnung, gab es eine Kommission fuer Begnadigungen und wenn ich Erklaerte, was geschehen war, wuerde ich vielleicht eine Begnadigung bekommen. Und began ich mich an Alles zu Erinnern.

Meine Mutter starb, als ich etwa drei Jahre alt war. Ich kann mich nicht an sie erinnern oder an den Tag, als sie starb. Alles was ich ueber meine Mutter weiss, hatte mir mein Vater erklaert. Mein Vater kuemmerte sich um mich, wie ein guter Vater sich um seinen Sohn zu kuemmern hat. Aber das Verging im Laufe der Zeit. Je Aelter ich wurde, desto mehr ignorierte er mich. An meinem zwoelften Geburtstag zaehlte ich auf meiner Torte elf Kerzen. Wenn ich Schularbeiten mit nach Hause brachte, half er mir niemals und wenn ich es schaffte eine besonders gute Note nach Hause zu bringen grunzte er nur. Abends, wenn er dann zu mir kam und sich ueber mich beugte um mir wenigstens einen Gute-Nacht-Kuss zu geben (zumindest als ich 8 Jahre alt war, gab er mir diesen) konnte ich den schweren Gestank von Alkohol riechen, der von ihm kam. Aber er hat mich niemals geschlagen. Er hat mich nur Ignoriert.

Ich brauchte seine Aufmerksamkeit und mir war jedes mittel Recht, diese zu bekommen. Ich begann zu stehlen, ich begann mich oft zu schlagen. Und meine Hoffnung lag darin, das so oft ich einen Brief von der Schule bekam, wuerde ich ein bisschen mehr Aufmerksamkeit von ihm bekommen. Aber selbst dass half nichts. Er gab seine volle Aufmerksamkeit seinen Flaschen und seinen Frauen. Nachts, wenn ich zur Toilette musste und auf dem Weg dorthin an der Kueche vorbei kam, stand manchmal eine Nackte Frau dort. Sie blickte mich waechsern an. Es war immer eine andere Frau. Eine von den Damen schenkte mir Aufmerksamkeit. Sie war mein erstes Abenteuer im Bett. Ich durfte alles machen.

Je Aelter ich wurde, desto in mich gekehrt wurde ich. Ich lernte den Umgang mit Heroin und das war mein Fehler. In einer Nacht gab es eine grosse Party am Stadtrand und da droehnte ich mich zu. Als ich aus meinem halben Koma erwachte, lagen im ganzen Raum Leichen. Das Blut war noch nicht ganz getrocknet und ich fing an zu schreien und zu schreien. Ich bin mir nicht sicher, das ich diese Menschen auf dem Gewissen habe. Aber genau das ist der Grund, weswegen ich hier bin. Zumindest hatte mir das der Fremde in meiner Zelle mitgeteilt.

Es gab noch vieles in meinem Leben, aber ich kann mich kaum auf etwas konzentrieren. Die Angst ist schleichend.

Sagte ich, das meine Waerter Sadistisch sind? Nun, ich denke das war einfach nur dahin gesagt. Sie sind Teuflisch. Sie kamen am Nachmittag und gaben mir mit einer Handbewegung zu erkennen, das ich ihnen folgen sollte. Sie waren zu zweit. Auf dem Ruecken wurden meine Haende mit Handschellen gefesselt und dann schupsten sie mich vor sich her. Mein Herz droehnte in meiner Brust. War dies das Ende? Ich flehte um Erklaerung. Aber sie ruehrten sich nicht. Sie gaben kaum etwas von sich, ausser schweres Atmen. Sie fuehrten mich in eine Kammer, die gerade gross genug war, das wir drei hinein passten. Der eine nahm eine Rolle Klebeband und nahm zwei Streifen davon um mir die Augenlider festzukleben, so dass ich meine Augen nicht schliessen konnte. Der Zweite nahm einen Stuhl und stellte diesen direkt vor einer Wand, wie mir schien. Er gab mir ein Zeichen, dass ich mich darauf setzen sollte und ich setzte mich. Beide stellten sich hinter mich und hielten mich fest. Dann oeffnete sich die Wand und ich sah einen Mann, der auf einem Stuhl geschnallt war. Er sah mich und ich sah, wie Draehte auf seinem Kopf angeschlossen waren. Schlagartig wusste ich, dies sollte eine Hinrichtung werden und ich sollte sehen wie das geschah. Ich versuchte meine Augen zu schliessen, aber das Klebeband war zu stark und meine Waerter hielten meinen Kopf in die Richtung, damit ich auch ja nichts verpasse.

"IHR SCHWEINE!" schrie ich, so laut ich konnte und der Mann auf dem elektrischen Stuhl begann zu wie wild an den Gurten zu zerren, die ihn hielten.

"Du wirst Zeuge einer Hinrichtung, die deine sein wird. Moeglicherweise Morgen."

Und ich sah alles. Ich sah, wie die Augen des Mannes platzten. Ich sah, wie Erbrochenes aus Mund und Nase spritzte und seine Zunge dick hervorquoll und zu Kochen begann. Sie liessen den Strom lange an und anschliessend schossen sie dem Mann in den Kopf, um sicher zu sein, das er Tot war. Ich kotzte bis ich dachte, mir wuerde mein Magen zerreissen. Wann war meine Zeit? Wie wuerde ich sterben? Ich wuenschte sie wuerden mich einfach nur erschiessen. Schnell und mit Sicherheit nicht so Schmerzhaft. Aber sie waren Teuflisch und sie liessen mich noch laenger schmoren.

Heute ist heute. Ich habe keine Ahnung welcher Tag heute ist. Schritte auf dem Flur. Mittag? Fruehstueck? Tot?
Alles ist moeglich.
Die Tuer geht auf und sie richten eine Waffe auf mich.

"Dein Tag!" sagte der mit der Waffe.

Auf Wiedersehen Welt. Ich werde um meine Seele beten.

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