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Klassentreffen

© 2004 Arthur

 

Stephen erinnert sich heute gerne an die alten Zeiten zurück, als er gemeinsam mit seinen Freunden Mike und Andy eine Menge Blödsinn angestellt hatte, zum Beispiel als sie an vielen heißen Juli Tagen, die Äpfel von Miss Spencer’s Bäumen geklaut und diese dann in ihrem kleinen Baumhaus gegessen hatten. Sie hatten das Baumhaus, mit der Hilfe von Mike’s Vater, am Waldrand gebaut, der ihnen den größten Teil des Holzes besorgt hatte. Dort haben sie viele Stunden ihrer Kindheit verbracht und deshalb konnte sich Stephen noch sehr genau daran erinnern. Er wusste noch, dass vor dem Fenster ein Vorhang aus alten Tischdecken hing und das das kleine Fenster zur Straße zeigte, damit sie andere Leute mit dem Fernglas beobachten, aber auch den Sonnenuntergang sehen konnten. Sie hatten kleine Holzkeile an den Baumstamm genagelt, die als Treppe fungierten und an einigen Stellen der Hütte ragten noch rostige Nägel hervor, an denen sich aber zum Glück nie jemand verletzt hatte.

Stephen wurde durch lauten Donner aus seinen Erinnerungen gerissen und bog zur nächsten Raststätte ab, um eine kurze Verschnaufpause einzulegen. Nach sieben Stunden Autofahrt taten seine Füße verdammt weh, ganz zu schweigen von dem Druck auf seiner Blase, der nicht besser wurde indem er auf den strömenden Regen schaute, der laut auf seine Windschutzscheibe trommelte. Er rannte mit einer alten Zeitung, die seinen Kopf wenigstens ansatzweise trocken hielt, auf eine kleine Bar zu, die sich Popp’s Coffee Shop nannte und aus dessen inneren beruhigendes Licht nach draußen in die dunkle, regnerische Nacht drang. Im Inneren dudelte aus einem alten Radio Countrymusic und an der Theke saß ein korpulenter Typ mit einer grünen Schirmmütze, wie sie in jener Zeit gerne von Truckern getragen wurde. Er konnte hinter der Theke einen schmächtigen Mann erkennen, der auch nicht mehr in der Blüte seines Lebens stand. Er ging langsam auf diesen Mann zu, der offensichtlich der Chef dieses Ladens war und fragte ihn nach der Toilette und einem Telefon. Der Mann hinter der Theke drückte ihm nur einen Schlüssel in die Hand und zeigte mit seinem knochigen Finger in die rechte hintere Ecke der Bar. Stephen konnte neben der Toilettentür auch ein altes, schwarzes Münztelefon sehen, wie es damals in den 80-er Jahren einmal modern gewesen war. Er bedankte sich bei dem Alten, der aber schon wieder in das Kartenspiel mit dem Trucker vertieft war. Langsam ging er in Richtung Tür und sah dann zu seinem bedauern einen Zettel am Telefon kleben, auf dem mit großen, schwarzen Buchstaben das unmissverständliche Wort DEFEKT geschrieben war. Nur alleine der Druck seiner Blase erinnerte ihn jetzt daran, dass im Augenblick nur eines wichtiger als das kaputte Telefon war und er nicht mehr allzu lange Stand halten konnte. Er schloss in Windeseile die Tür auf und schaffte es gerade noch rechtzeitig, um der natürlichen Funktion des Körpers freien lauf zu lassen, wie es sein alter Freund Andy immer ausgedrückt hatte. Jetzt war er endlich in der Lage, sich dem anderen Problem zu widmen und ging wieder auf die zwei Männer zu, deren einziger Lebensinhalt das Kartenspielen zu sein schien und legte den Schlüssel auf die Theke zurück. >>Ich muss dringend telefonieren und das Telefon dort drüben ist defekt. Haben sie zufällig ein anderes?<< fragte Stephen den Alten hinter der Theke, der aber, anstatt Stephen zu antworten, ein Karte auf den Tisch legte und weiter spielte. Stephen, der in ca. zehn Stunden bei seinem Klassentreffen eine Rede halten sollte, wo natürlich auch seine alten Freunde Mike und Andy anwesend sein würden, wurde langsam ungeduldig, da er durch das Gewitter schon um einiges im Verzug war. Er fragte ihn nochmal, jetzt eindringlicher und bekam aber nur wieder Unaufmerksamkeit zurück. Stephen hatte genug von diesem Kinderkram und verließ, sichtlich verärgert, die Bar. Als er draußen war, fauchte ihn sogleich eine Regenböe an, die ihn zum Großteil durchnässte, was seinen Gemütszustand nicht unbedingt verbesserte. Er stapfte zu seinem Auto zurück und Entsetzen durchfuhr ihn, als er die zerstochenen Räder sah, die ihn zu verspotten schienen. Nun stand er da im Regen, schaute auf die Reifen und wusste nicht mehr weiter. In ein paar Stunden würde das Klassentreffen beginnen und er hatte noch nicht einmal die halbe Strecke zurückgelegt und saß durchnässt, in irgendeiner gottlosen Bar, am Ende der Welt fest. Er ging wieder in die kleine Bar, wo sich nicht viel verändert hatte, seit er sie vor ein paar Minuten verlassen hatte und steuerte wieder auf die Theke zu. Er setzte sich neben den Typen mit der Truckermütze, der wahrscheinlich gerade die Runde gewonnen hatte, da sich der Alte sichtlich aufregte. Stephen sah den Trucker an, dem eine frische Rasur auch nicht schaden könnte, wie Stephen fand und fragte ihn, ob er ihn vielleicht bis zur nächst größeren Stadt mitnehmen könnte. Der Trucker lachte nur und sah in Richtung Fenster. >>Bei dem Wetter fahre ich nirgendwo hin, Bursche<<, entgegnete er Stephen. >>Du kannst ja per Anhalter fahren<<, krächzte der Alte hinter der Theke und fügte lachend hinzu >>Würde ich dir bei dem Wetter aber nicht raten<<. Stephen dachte, dass es vielleicht wirklich am besten währe auf der Straße jemanden anzuhalten und sich ein Stück mitnehmen zu lassen. Das währe auf jeden Fall besser, als mit diesen zwei Verrückten hier rumzusitzen, aber er würde noch warten müssen, bis sich das Wetter etwas beruhigte. >>Spielst du Skat?<< fragte der Alte und Stephen musste wieder an seine Kindheit denken, wo er mit Mike und Andy oft im Baumhaus gesessen und diverse Kartenspiele gespielt hatte. >>Ja, ist aber schon eine Weile her und ich...<<, >>Das reicht uns schon Bursche, du spielst mit<<, unterbrach ihn der Trucker forsch und teilte die Karten aus. Stephen sah beim Austeilen auf die Hände des Truckers und bemerkte, dass unter seinen Fingernägeln eine rötliche Kruste war, >>Wie von Blut<<, dachte sich Stephen und verdrängte den Gedanken aber schnell wieder. Er würde nur etwas überanstrengt sein und das ist unter den gegebenen Umständen auch verständlich, beruhigte er sich und nahm die Karten auf. Stephen sah drei Ässer, vier Buben und noch ein paar andere Karten, die nicht unbedingt schlecht waren. Er würde das Spiel mit Sicherheit machen und auch gewinnen, feierte er sich, nun etwas entspannter und sah zufällig, auf dem Boden hinter der Theke, einen kleinen Blutfleck. Es erschien Stephen so, als ob ihn jemand schnell und flüchtig wegzuwischen versucht hätte, wurde aber wieder vom Alten ermahnt, dass er mit dem Legen dran sei. Stephen fühlte sich merklich unangenehmer und wollte eigentlich nichts als raus hier. Er spielte seine Trümpfe aus und machte so dem Spiel ein schnelles Ende. Was im darauf folgenden Augenblick geschah, überraschte ihn so dermaßen, dass er fast rückwärts vom Barhocker gefallen währe. Der Alte zog ein Messer hinter der Theke hervor und rammte es, genau auf Stephen’s letzte Karte, in den Tisch. Das war genug. Stephen sprang vom Hocker und rannte aus der Bar. Er rannte so schnell er konnte. Stephen konnte sich später nicht mehr genau erinnern wie lange er in dieser Nacht gerannt war und er wollte es auch nicht wissen. Er wurde von einem Typen namens Charlie im Auto bis zur nächsten Stadt mitgenommen, wo er sich ein Hotelzimmer mietete und die Nacht durchschlief. An eine Sache wird er sich aber mit Gewissheit noch sehr lange erinnern, die ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. Es war die Schlagzeile, die ihm am nächsten Morgen, von einer Lokalzeitung, ins Auge stach:

>>Gesuchte Serienmörder in Bar namens Poop’s Coffee Shop gefasst, als eine durchreisende Familie nur hundert Meter entfernt, den toten Ladeninhaber hinter einem Busch entdeckt und daraufhin die Polizei verständigt hat!<<

 

- Ende -

 

 
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