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und nun findet man auch unsere ersten Gehversuche auf Mastodon

Akki 


© 2004 by Jake


 All my friends live on the floor
tiny legs and tiny eyes
They’re free to crawl under the door
and, and someday soon so will I
Alice Cooper, "Wind-Up Toy"

-


I live my dolls
You must belive me
It´s plain to see, they realy love me
I live my dolls
they´ll never leave me happily
Ace Frehley, "Dolls"

-


 

"Sie werden mit ihr zufrieden sein, sie ist so ein braves Mädchen." ,sagt Peggy Dreyfuss.
"Sag Hallo zu deinen neuen Eltern, Valery.", fügt Dennis Thompson hinzu.
Das kleine, sechsjährige Mädchen mit dem blonden Haar und den roten Wangen strahlt. Dabei entblößt sie eine Zahnlücke. Die blauen Augen sehen glücklich aus. Ihre rechte Hand umfasst einen kleinen, roten Koffer. In ihm befindet sich das gesamte Hab und Gut des kleinen Mädchens. Ein Aufkleber mit dem Kopf von "Kermit dem Frosch" ist in der Mitte des Koffers aufgeklebt. In ihrer linken Hand hält sie einen alten Stoffaffen. Er sieht ziemlich mitgenommen aus. Sein Gesicht wurde schon oft geflickt. Er trägt ein kleines, weißes Mini-T-Shirt mit dem Emblem der Chicago Blackhawks. Das war nicht immer so, der Affe hat schon zahlreiche Kleidungsstücke verschlissen. Schaumstoff quillt aus einigen Löchern, die sich am ganzen Körper der Stoffpuppe befinden. Seine Augen hat er schon längst verloren. Dort befinden sich nur noch zwei schwarze Knöpfe, die anstelle dessen angenäht wurden. Ein brauner, gestickter Strich deutet einen Mund an. Das Mädchen, dass zukünftig Valery Parker heißen soll, bei ihrer Geburt aber Valery Mitchum hieß, trägt ein süßes, rot-weiß-kariertes Kleidchen mit weißen Knöpfen, weiße Strümpfe und schwarze Schuhe. Über dem Kleid trägt sie eine scharlachrote Baumwolljacke mit großen, schwarzen Knöpfen. Auf ihrem Kopf sitzt keck eine Baskenmütze in der gleichen Farbe der Jacke.
"Hallo!", flötet die Kleine fröhlich, "Ich bin Valery!" Dann macht sie einen Knicks.
Elisabeth Parker, die zukünftig die Mutter dieses Mädchen sein soll, fängt vor Entzücken an zu lachen.
"Du bist ja richtig wohlerzogen.", stellt Kevin Parker, ihr Ehemann und Valerys zukünftiger Vater fest.
Das Mädchen nickt und meint ernst: "Aber Hallo!"
Daraufhin müssen alle Personen im Raum lachen.
"Dann verabschiede dich mal von Peggy und Dennis.", sagt Kevin Parker.
"Okay.", sagt Valery. Und dann zu den beiden Heimleitern: "Bis dann."
"Nein.", sagt Elisabeth, "Du wirst sie nicht mehr sehen. Sag also Lebewohl zu ihnen."
Dann sagt das Mädchen an ihre neuen Eltern gerichtet: "Und ihr werdet nicht weggehen?"
"Nein, auf gar keinen Fall!", versichert Kevin ihr. "Wir werden immer für dich sorgen, versprochen."
"Dann ist ja gut. Leb wohl Peggy. Und du auch Dennis.", sagt sie etwas wehmütig. Dann geht sie zu ihren neuen Eltern.
"Mach deinen neuen Eltern keinen Kummer.", sagt Dennis zu ihr.
Dann Peggy: "Und hör immer schön auf das, was man dir sagt."
Valery winkt noch mal mit ihrer kleinen Hand. Peggy und Dennis lächeln und winken zurück. Dann verabschieden sie sich auch von den Parkers, die das Büro verlassen.
Peggy sagt: "Dennis, dies ist schon der dritte Versuch sie unter zu bekommen,..."

Aber lassen wir das, springen wir doch mal in die Zeit eine Stunde vor und besuchen Valerys neues zu Hause. Was denn, ihr wollt das Gespräch noch zuende hören? Warum? Was ist denn da noch wichtig? Na gut. Wir kommen noch einmal hierher zurück, zur selben Zeit, aber nicht jetzt. Also, wir sind in einem Haus in Dawsonville, im südlichen Teil Chicagos, wie gesagt eine Stunde später. Die Einrichtung verrät uns, dass die Parkers reich sind. Das Haus hat einen großen Garten und einen Swimmingpool. Betritt man das Haus, ist man sofort im Wohnzimmer, ein riesiger, heller Raum mit schwarz-weiß-karierten Fliesen. Eine Treppe führt nach oben. Dort befinden sich im Obergeschoss das elterliche Schlafzimmer und das Kinderzimmer, dass nun Valery gehört. Aber bleiben wir im Erdgeschoss. Links und rechts der Treppe befinden sich zwei Türen. Die Linke führt in die Küche, die Rechte in eines der beiden Badezimmer des Hauses. Das zweite Badezimmer befindet sich im Obergeschoss. Unter der Treppe befindet sich noch eine weitere Tür, die in den Keller des Hauses führt. An der linken Wand des riesigen Wohnzimmers befindet sich ein Kamin. Im Moment brennt kein Feuer darin, aber schon bald werden die Tage kälter und die Holzscheite, die dort sauber gestapelt sind, werden dann entzündet. Aber widmen wir uns nun den drei Personen, die das Haus gerade betreten. Es sind selbstverständlich die Parkers.
"Und dies ist dein neues zu Hause.", sagt Kevin Parker. Valery bekommt große Augen. Bisher hat sie noch nie so ein großes Haus gesehen.
"Gefällt es dir?", will Elisabeth Parker wissen.
"Boah, ist das groß!", staunt Valery. "Ja, es ist wunderschön."
"Komm!", sagt Kevin, "Wir zeigen dir dein neues Zimmer. Wir müssen dafür die Treppe hoch."
"Werde ich auf dem Speicher wohnen?", fragt Valery, die immer noch von der Größe beeindruckt ist und dort oben schon den Dachboden vermutet.
"Aber nein.", sagt Elisabeth und schmunzelt, "Dort ist das Obergeschoss. Das Haus hat zwei Etagen."
Betreten wir nun gemeinsam mit den Parkers Valerys neues Zimmer. Ihre blauen Augen strahlen, sie ist begeistert.
"Oh, so viele Spielsachen! Wem gehören die?", will Valery wissen.
"Das gehört alles dir.", sagt Kevin.
"Echt?" Valerys Aufregung scheint langsam ihren Höhepunkt zu erreichen.
"Ja. Das haben wir alles für dich gekauft.", versichert Elisabeth.
"Auch das Puppenhaus dort?"
"Auch das.", fügt Kevin hinzu.
Verlegen schaut sie von Kevin zu Elisabeth.
"Ihr seid die liebsten Eltern von der Welt."
Jetzt kann Elisabeth ein paar Tränen nicht zurückhalten.
"Möchtest du nicht auspacken?", sagt Kevin. "Du kannst deine Sachen dort in den Kleiderschrank hängen. Die Schubladen sind alle leer, du kannst dir das Zimmer so einrichten, wie du möchtest."
Daraufhin setzt Valery als erstes ihren Stoffaffen auf das Bett neben dem Kissen.
"Der ist aber schon alt.", sagt Elisabeth.
"Das ist Akki. Er ist mein bester Freund."
Elisabeth lacht kurz und sagt: "Dein bester Freund fällt ja schon auseinander. Möchtest du nicht einen neuen haben?"
Darauf schüttelt die Kleine energisch den Kopf. "Oh nein! Ich will meinen Akki und keinen anderen."
"Aber er ist doch schon alt.", wiederholt Elisabeth.
"Trotzdem." Valery ist jetzt den Tränen nahe. "Ich will meinen Akki."
"Ist ja schon gut." Elisabeth beruhigt die Kleine. "Ich habe ja auch nur einen Vorschlag gemacht."

Wollen wir uns mal Akki widmen. Ich habe ihn euch ja eben schon einmal beschrieben. Daraus lässt sich schließen, das er in der Tat ein sehr altes Stofftier ist. Nun denkt ihr sicher, so wie der Affe aussieht muss er schon viel älter als Valery selbst sein, und damit habt ihr vollkommen recht. Akki ist ursprünglich ein Geschenk von Valerys Großmutter an ihre Tochter, also Valerys Mutter, gewesen. Valerys Mutter, Susannah Chambers, später Susannah Mitchum, war erst vier Jahre alt, als sie Akki bekam. Sie gab ihm auch den Namen. Akki trug damals eine blaue Latzhose, hatte noch Augen und war unversehrt. Es viel ihr schwer sich von ihm zu trennen. Schließlich konnte sie es nie ganz und Suze war Sage und Schreibe fünfzehn Jahre alt, als sie ihn auf dem Dachboden einmottete. Später als Valery geboren wurde, gab sie ihn an ihr weiter. Sie mußte ihn vorher flicken und waschen, eines der beiden Augen schon jetzt ersetzen. Dennoch, Akki ist das einzige, was Valery von ihrer Mutter zurückbehalten hat und ihr könnt euch sicherlich denken, wie sehr das kleine Mädchen an Akki hängt. Das ist Elisabeth natürlich nicht bewusst und wird noch fatale Folgen für sie haben.

Wir springen nun mal wieder in der Zeit. Das ist das gute an Geschichten. Es ist der Menschheit Traum irgendwann mal eine Zeitmaschine zu erfinden. Dabei müsste es ihnen doch klar sein, dass es schon Zeitmaschinen gibt. Jede Geschichte ist eine. Der Erzähler bedient sie und kann zusammen mit dem Leser sich in der Zeit nach Belieben vor und zurück bewegen. Er landet dann mit ihm nicht nur zum Zeitpunkt seiner Wahl, sondern auch, und das ist das wie ich finde interessanteste dabei, an den Ort, an dem er sein möchte. Nun gehen wir wieder auf solch eine Reise und landen eine Woche später am Pool der Parkers. Valery spielt mit Akki am Rande des Pools, obwohl Kevin ihr gesagt hat, sie solle nicht so nahe ans Wasser gehen. Aber kleine Kinder vergessen solche Verbote nun mal schnell, besonders dann, wenn sie interessante Spiele entwickeln. In Valerys Fall ist es "Akki, der Rettungsschwimmer von Malibu." Sie hatte Tags zuvor im Fernsehen eine Serie gesehen, die sich "Baywatch" nannte. Dort gab es nicht nur einen Helden, sondern gleich mehrere. Sie passten auf die Leute auf, die im Meer schwimmen wollten. Wenn jemand mal in Gefahr geriet zu ertrinken, war einer der Rettungsschwimmer, so hießen sie, da und retteten die Person. Nun ist Akki ein solcher Rettungsschwimmer und passt auf die kleinen Puppen aus dem Puppenhaus auf, die hier am Meer von "Parkerbu" schwimmen wollen. Ab und zu droht eine der Puppen zu ertrinken, aber Akki ist dann da und holt sie aus dem Wasser. Akki wird dabei etwas nass, aber das ist ja nur Wasser und Akki ist schon öfter mal nass geworden. Valery legt ihn dann zum trocknen einfach in die Sonne. Gerade droht das Puppenkind, das nicht schwimmen kann, aber dennoch dumm genug ist, sich so weit hinaus ins Wasser zu begeben, dass es dort nicht mehr stehen kann, zu ertrinken.
"Hilfe! Hilfe!", ruft Valery anstelle des Puppenkindes. "Ich ertrinke!"
Nun kommt Kevin, der nicht weiß, dass Valery nur spielt, aus dem Haus gestürmt.
"Valery? Was ist passiert?", schreit er.
"Nichts, Daddy, Akki hat es gerettet.", ruft Valery ihm zu und zeigt Kevin voller Stolz das unversehrte Puppenkind, das zwar nass geworden ist, aber auch in der Sonne trocknen kann.
"Valery! Ich habe dir doch gesagt du sollst nicht so nahe an den Swimmingpool gehen."
"Ja, Daddy!", flötet Valery, "Aber ich habe Akki dabei, der passt auf mich auf."
"Dennoch, geh nicht zu nahe ans Wasser.", sagt Kevin und verschwindet wieder ins Wohnzimmer. Folgen wir ihn mal. Er geht zur Stereoanlage und legt seine Mozartplatte auf. Er hält nichts von CDs. Er findet, dass es nichts schöneres gibt als den Klang einer alten Schallplatte. Dann setzt er sich in seinen Sessel und nimmt sich sein Buch. Er ließt "Schlaflos" von Stephen King. Dann hört er Valery wieder: "Hilfe, Hilfe! Akki, rette mich!" Elisabeth stürmt aus der Küche: "Kevin! Das Mädchen!"
"Mach dir keine sorgen, sie spielt Rettungsschwimmer. Aber könntest du ihr diesmal sagen, sie soll nicht so nahe an den Swimmingpool? Auf mich scheint sie ja nicht zu hören."
"Liebling, geh nicht so nahe ans Wasser!", ruft Elisabeth.
"Na, so hätte ich das auch gekonnt.", sagt Kevin.
Elisabeth geht durch den Raum in Richtung Swimmingpool.
Dabei ruft sie: "Schätzchen, bist du okay?"
Sie kommt an die Tür und schaut in Richtung Wasser. Dann erschreckt sie.
"Kevin!", ruft sie, der sofort an die Tür eilt. Neben dem Pool steht Valery, klitschnass. Sie hält Akki, ebenfalls durchnässt, in ihrer rechten Hand, aber irgendetwas ist daran seltsam, das sehen sowohl Kevin als auch Elisabeth. Es sieht so aus, als würde Valery nicht Akkis kleine Stoffpfote in der Hand halten, sondern... umgekehrt. Aber das kann nicht, das ist eine optische Täuschung. Diesen Gedanken haben beide, selbstverständlich ohne es gegenseitig voneinander zu wissen.
"Entschuldigung!", sagt Valery, "Ich wollte wirklich gerade vom Pool weg. Ehrlich! Aber dann bin ich da in der kleinen Pfütze ausgerutscht und ins Wasser gefallen.
Und dann fügt sie strahlend hinzu: "Aber Akki hat mich gerettet. Er ist ein toller Rettungsschwimmer. Noch viiiiiiel besser als Mitch aus Paywatch." Sie kann ´Baywatch´ nicht gut aussprechen. Dann drückt sie Akki an sich. Elisabeth und Kevin schauen sich verdutzt an. Kevin geht zu dem Mädchen hin und kniet sich zu ihr hinunter.
"Und deswegen habe ich dir gesagt, du sollst nicht zu nahe ans Wasser. Bist du verletzt?" Valery schüttelt den Kopf und bespritzt Kevin so etwas mit Wasser, aber das ist ihm egal.
"Nein. Alles heile."
"Tut dir irgendetwas weh?"
"Nein, auch nicht."
"Gut, dann komm rein, du musst aus den nassen Sachen raus."

Eine halbe Stunde später können wir eine Unterhaltung zwischen Kevin und Elisabeth belauschen. Sie sind im Wohnzimmer während Valery oben in ihrem Zimmer eines ihrer neuen Spielsachen ausprobiert. Akki liegt im Garten auf einem Liegestuhl und trocknet, ebenso, wie die Puppen des Puppenhauses.
"Ich mache mir solche Vorwürfe, dass ich sie nicht sofort vom Pool weggeholt habe. Ich weiß nicht, ob ich ein guter Vater sein kann.", sagt Kevin. Er ist zeugungsunfähig, aber die Parkers haben sich so sehr Nachwuchs gewünscht, dass sie sich zu einer Adoption entschlossen haben.
"Oh, Kevin! Sag so etwas nicht. Nun, vielleicht müssen wir noch ein wenig lernen, aber ich glaube, wir werden klar kommen. Und es ist ja auch nicht passiert."
"Ja, da hast du Recht, und ich bin auch froh darüber. Aber wie kam es dazu? Haben die Leute im Weisenhaus uns nicht gesagt, Valery könne noch nicht schwimmen? Und sie hat an der tiefen Seite des Pools gespielt."
"Es wird sich wohl um eine Fehlinformation gehandelt haben müssen.", meint Elisabeth.
"In solchen Dingen? Das wäre aber ein dicker Hund! Und dann behauptet sie, dieser Affe hätte sie gerettet."
Elisabeth schmunzelt: "Oh ja, der Kindermund."
"Nein, ich glaube, sie meint das ernst. Das ist für sie kein Spiel. Hast du gesehen, wie sie dieses Ding an sich gedrückt hat?"
"Psst, nicht so laut."
"Warum?", fragt Kevin, aber er weiß, was Elisabeth meint und er zuckt zusammen, denn jetzt wird ihm bewusst, dass Akki im Garten liegt. Der Gedanke daran, er könne sie hören ist lächerlich, schließlich ist Akki genau das, was Kevin gesagt hat, er ist nur ein ´Ding´, aber er bekommt eine Gänsehaut.
"Ist dir Akki nicht auch unheimlich?", fragt Elisabeth in einem Flüsterton. Es ist eigentlich unsinnig, so leise zu sprechen. Wenn sie Gefahrlaufen würden, dass Valery es hört, wäre das eine Sache, aber bei Akki...
"Ja.", gibt Kevin zu. "Und irgendetwas war mit seiner Pfote. Hast du es auch gesehen?"
Elisabeth nickte. "Als wenn er sie an der Hand gehabt und demnach wirklich aus dem Wasser gezogen hätte."
Kevin ging in die Küche, Elisabeth hinterher. Ich weiß, ich wiederhole mich da, aber sie haben beide das Gefühl, es ist sicherer, wenn der Affe sie nicht hört.
Dann sagt Kevin: "Ich glaube, wir sollten ihn loswerden. Es würde Valery das Herz brechen, aber sie wird drüber hinwegkommen. Wir könnten ihr einen neuen Akki kaufen, so, wie du es ihr einmal vorgeschlagen hattest. Akki verschwindet einfach, wir haben nichts damit zu tun. Er ist sowieso schon alt und zerzaust. Er liegt im Garten. Ich schnappe ihn mir und fahre ihn dann zur Mülldeponie. Weit weg. Weißt du Schatz, auch wenn es dumm klingt, ich fürchte mich vor dem Ding."
Elisabeth überlegte kurz, dann sagte sie: "Okay! Du hast Recht. Sie wird uns eine ganze Zeit lang die Ohren vollheulen, aber das nehme ich gerne in Kauf. Hast du eigentlich mal bemerkt wie er riecht?"
In der Tat verströmt Akki einen eigenartig, modrigen Geruch.
Kevin nickt. "Und ob. Ich bekomme jedes Mal einen Brechreiz, wenn ich ihn rieche. Okay, dann werde ich mal." Er verlässt die Küche und geht auf den Garten zu. Er tritt hinaus und ihm stockt der Atem. Akki ist nicht mehr da. Die Liege ist leer.
´Hat er uns gehört?´, denkt er, auch wenn Kevin sich der Sache bewusst ist, wie absurd dieser Gedanke ist. Er geht – nein er läuft fast – wieder ins Haus. Elisabeth kommt ihm entgegen.
"Er ist fort! Er ist nicht mehr..."
"Psst!", unterbricht ihn Elisabeth. Dann fällt Kevin ein Summen auf, dass vom Obergeschoss zu ihnen hinunterdringt. Er kennt dieses Geräusch, kann es aber im ersten Moment nicht unterordnen. Sie steigen beide die Treppe hinauf und unterwegs fällt ihm ein, was dieses Geräusch erzeugt. Sie betreten das obere Badezimmer und Kevin ist sich bewusst, was passiert.
"Hallo!", flötet Valery die beiden an. In der rechten Hand hält sie einen Haartrockner, in der linken Hand Akki.
"Er hat mich gefragt, ob ich ihn trocknen kann. Ihm ist kalt."

Drei Tage später sitzt Kevin auf seinem Sessel im Wohnzimmer und überlegt, wie er an Akki herankommen kann. Valery trägt ihn ständig bei sich, selbst in den Kindergarten nimmt sie ihn mit. Und wenn sie ihn mal kurz aus den Augen lässt, reicht die Zeit nicht, sich ihn zu schnappen. Sekundenschnell ist sie wieder bei ihm. Außerdem weiß sie dann noch genau, wo sie ihn abgelegt hat, und das darf nicht sein. Akki soll verlegt worden sein. Plötzlich schnellt Akkis Gesicht vor sein eigenes hervor. Kevin bekommt solch einen Schreck, dass er fast aus seinem Sessel fällt.
"Akki möchte, dass du ihn kraulst.", sagt Valery.
"Liebling, ich habe da keine Zeit für."
"Aber du sitzt doch bloß im Sessel, da kannst du ihn doch kraulen." Kevin graut es vor dem Gedanken, das verfilzte Fell des Affen mit seinen Fingern zu berühren. Das wird er auch tun müssen, wenn er ihn ihr wegnimmt, aber dies hier ist etwas anderes. Er soll ihn Liebkosen und das will er nicht. Kevin verspürt nicht die geringste Sympathie. Akki ist eigentlich nur ein Gegenstand, aber er wirkt... ´Lebendig. Und wenn er lebendig wäre, dann ist er ein übler Zeitgenosse. Und dieser Geruch.´ Akki ist jetzt so nahe an seinem Gesicht, dass er ihn so intensiv wie nie zuvor wahrnimmt. Kevin muss einen Brechreiz unterdrücken.
"Schatz, ich will mich noch etwas entspannen, ich muss gleich in mein Büro fahren."
"Akki wird aber Böse, wenn du es nicht tust." Bei diesem Satz setzt bei Kevin ein Herzschlag aus. Dann drückt Valery Akkis Gesicht zusammen, damit sein Gesicht wütend aussieht. Und das tut es. Es wird dadurch zu einer grässlichen Fratze.
"Grrr, Krauli-Krauli!", sagt Valery für Akki und lacht dabei fröhlich. Kevins Mund wird trocken. Ihm kommt diese Situation irreal vor. Eigentlich albern und die Situation sollte eigentlich komisch, ja sogar niedlich wirken. Für einen neutralen Beobachter täte sie das auch, aber Kevin empfand nichts der Gleichen, nur blankes Entsetzen.
"Valery! Nimm ihn weg!", krächzte Kevin.
Jetzt verstummt Valerys Lachen und sie schaut ihren neuen Vater entgeistert an. Sie lässt Akki sinken.
Kevin sieht es und ist erleichtert, dass der Affe nicht mehr vor seinem Gesicht rumgeistert, aber er sieht auch Valerys Gesichtsausdruck.
"Tut mir leid, Kleines, aber Daddy geht es nicht besonders gut. Komm, mach dich fertig, du musst in den Kindergarten."
Der Kindergarten. Kevin fiel schlagartig etwas ein. Vor Kurzem ist dort ein Junge, Timmy Petrie, aus ihrer Gruppe spurlos verschwunden. Die Kinder machten einen Ausflug nach Dawson-End. Dies war ein kleines Erholungsgebiet westlich des Dorfes. Der Kleine kam nie wieder davon zurück. Als sie sich auf die Rückfahrt machen wollten, fehlte er einfach. Der Dawson River floss dort und man hoffte, dass der kleine Timmy nicht in den Fluss hineingefallen war, denn wer dies an dieser Stelle tat, war der Strömung, die dort gnadenlos war, hoffnungslos ausgeliefert.
Akki.
Valery hatte ihn dabei und hatte sie nicht schon einmal behauptet, dass einer der Kinder sie andauernd wegen des Affen hänselte? Kevin erinnerte sich, dass sie ihm nach ihrem ersten Tag im Kindergarten sagte, ein Junge würde behaupten, dass Akki stinkt (wie Recht er damit hatte). Seitdem hänselt er sie ständig.
"Sag mal Valery, lässt der Junge dich inzwischen in Ruhe?"
Und dann sagt Valery etwas, das Kevin vermutet, aber nicht gehofft hat: "Timmy ist doch verschwunden."

Zwei Tage später ist dann die Gelegenheit da. Valery ist in ihrem Zimmer und hat Akki im Wohnzimmer liegen lassen. Es ist Elisabeth, die es entdeckt. Leider ist Kevin nicht zu Hause, sondern in seinem Büro und Elisabeth kann die Kleine nicht alleine lassen. Sie schnappt sich Akki. Sein Fell fühlt sich, so findet sie, wie das einer toten Ratte an. Ekel steigt in ihr auf. Sie rennt zur Kellertür unter der Treppe und will sie öffnen, aber sie hat vergessen, dass sie verschlossen ist. Die Kellertreppe ist steil und seit Valery im Haus ist, halten sie diese Tür stets verriegelt. Der Schlüssel ist in einem Glaspokal in der Vitrine, die an der gegenüberliegenden Wand steht. Es sind nur ein paar Meter, aber mit Akki in der Hand sind es tausende von Meilen. Sie geht zur Vitrine und packt mit der freien Hand in den Pokal und sie bekommt einen Riesenschreck, als sie den Schlüssel nicht ertasten kann.
´Hat Kevin ihn dort herausgenommen? Musste er in den Keller und hat dann vergessen den Schlüssel zurückzulegen? Hat er ihn noch in seiner Hosentasche?´ Panik steigt in Elisabeth auf, dann bekommt sie etwas metallisches zu fassen und zieht es raus. Es ist der Schlüssel. Sie rennt förmlich zur Kellertür. Oben öffnet sich eine Tür.
"Mommy?" Es ist Valery. Sie muss sich beeilen. Vor lauter Panik lässt sie den Schlüssel fallen.
"Hast du Akki gesehen?"
Sie bückt sich nach dem Schlüssel. Sie hat das Gefühl, als wenn die Affenpfote in ihrer Hand sich selbstständig machen möchte. Das ist unmöglich. Sie schaut runter. Der Affe sieht wütend aus.
´Nein, das bildest du dir nur ein.´ Wieder versucht sie den Schlüssel ins Schlüsselloch zu stecken und diesmal gelingt es ihr.
"Mommy, bist du da?"
Hat der Affe sich gerade bewegt?
´Er will auf sich Aufmerksam machen.´ Die Tür öffnet sich und Elisabeth ermahnt sich, nicht so Absurd zu denken. Sie bekommt ja schon Halluzinationen. Aber sie muss sich so langsam beeilen, denn sie hört über sich Valerys Schritte die Treppe hinunterkommen. Sie schmeißt den Affen die Treppe runter. Im ersten Moment denkt sie, dass es nicht gelingen wird und sich Akki an ihr festhalten kann. Aber dem ist nicht so. Schnell schließt sie die Tür und schließt sie ab. Sie dreht sich um und Valery steht hinter ihr. Elisabeth erschreckt sich.
"Huch! Jetzt hast du Mommy aber erschreckt! Hast du gerufen? Ich war im Keller und meinte dich gehört zu haben." Sie hofft, das Valery sie nicht gesehen hat.
´Oh bitte, lieber Gott, lass Valery nicht gesehen haben, wie ich Akki in den Keller geschmissen habe.´
"Hast du Akki gesehen? Ich kann ihn nicht finden."
Elisabeth schaut in das traurige Gesicht des Mädchens und nun kommt sie sich ein wenig gemein vor und Gewissensbisse steigen in ihr auf. Aber Akki ist weg und das ist gut so. Es ist besser für das Mädchen. Wer weiß, warum er so stinkt. Vielleicht wird Valery krank, wenn sie weiter mit ihm spielt.
"Nein Schatz, wo hast du ihn denn zu letzt gehabt?"
´Oh Elisabeth, du Heuchlerin!´ Sie kämpft mit ihrem Gewissen.
´Aber das gehört wohl zum Mutter sein dazu.´
"Ich... ich weiß nicht mehr." Jetzt kullert eine Träne Valerys Gesicht runter.
"Kleines, nicht weinen, ich bin sicher, er taucht wieder auf."
´Nein, das wird er mit Sicherheit nicht. Wenn Kevin nach Hause kommt, fährt er das Vieh zur Müllhalde.´
"Ich hab´ ihn doch so lieb!", schluchzt Valery. Elisabeth ist hin und her gerissen zwischen dem Bedauern Valerys und der Erleichterung, dass der Affe bald aus dem Haus ist.
"Komm Liebes, suchen wir ihn. Wir fangen mal oben in deinem Zimmer an. Bei der Gelegenheit kannst du es ja auch mal aufräumen. Ich habe gesehen, wie es aussieht. Und Valery, wenn ein Zimmer so aussieht, dann findet man einige Sachen nicht wieder."
Und so gehen die beiden auf Valerys Zimmer. Natürlich ist Akki dort nirgends. Auch im gesamten Obergeschoss wird er nicht gefunden. Das hin und her gerissen sein hält bei Elisabeth die gesamte Suche an. Jetzt nur noch das Untergeschoss und dann wird es raus sein, dass Akki verschwunden ist. Es wird einige Zeit der Trauer bei Valery andauern. Ende der Woche werden Kevin und sie dann bei ihr mit einem neuen Stoffaffen auftauchen. Es wird ein neuer, schöner Affe sein. Valery wird ihn anfangs nicht so sehr beachten und ihren alten Akki fordern. Aber dann wird sie sich langsam an Akki II gewöhnen und das alte Ding vergessen. Sie gehen die Treppe wieder runter in das Untergeschoss.
"Hast du ihn im Kindergarten vergessen?", fragt Elisabeth. Das ist eine Möglichkeit das Verschwinden des Affen zu erklären, aber dann sieht sie etwas, das ihr das Blut in den Adern gefrieren lässt. Akki. Er sitzt auf Kevins Lieblingssessel (wenn er das wüsste, würde er im Dreieck springen).
"Akki.", ruft Valery vor Erleichterung auf, stürmt zum Sessel, nimmt ihn in den Arm und drückt ihn fest an sich. Elisabeth steht mit weit aufgerissenen Augen da und starrt Akki an. Sie kann den Blick nicht von ihm Abwenden. Sie spürt, wie sich sämtliche Nackenhaare bei ihr aufrichten. Elisabeth kann das Gesicht des Affen sehen. Es scheint sagen zu wollen: "Wolltest mich wohl loswerden, aber das kannst du nicht." Und diesmal weiß Elisabeth, dass es sich nicht um eine Halluzination handelt. Es ist real. Akki lebt.

Nun, wahrscheinlich habt ihr Recht gehabt, als ihr noch eine weile zuhören wolltet, was sich Peggy und Dennis zu sagen hatten. Ihr erinnert euch? Wollen wir also nochmals in unsere Zeitmaschine steigen und bewegen uns diesmal rückwärts in der Zeit. Es wird deutlich machen, in welchen Schwierigkeiten die Parkers stecken.

"Dennis, dies ist schon der dritte Versuch sie unter zu bekommen, glaubst du, die Parkers werden es überleben?"
"Peggy, sei nicht so sarkastisch."
"Wundert dich es nicht, dass sie alle tot sind? Die Bensons? Die Deans?"
"Glaub mir, es ist Zufall. Wie soll ein sechs Jahre altes Mädchen an den Tod von vier Menschen schuld sein? Dazu kommt noch, dass sie so ein braves Kind ist."

Die beiden kalkulieren dabei aber Akki nicht ein. Und wieso sollten sie auch? Es handelt sich ja schließlich nur um ein Stofftier.

Um Elisabeth und Kevins Situation noch weiter zu verdeutlichen, soll noch erwähnt sein, dass zur selben Zeit, als Elisabeth Akki in den Keller warf, eine Kinderleiche aus dem Dawson River gezogen wurde. Es handelt sich hierbei selbstverständlich um den kleinen Timmy Petrie. Bei dem Jungen wurde Tod durch Ertrinken festgestellt. Im Mund des Jungen wurde ein Stück Schaumstoff gefunden. Es wird vermutet, dass es in Wasser schwamm, bevor der Junge es in den Mund bekam.

In dem Moment, als Valery mit Akki nach oben geht, stürzt Elisabeth zur Vitrine ohne zu merken, dass sie den Schlüssel hat stecken lassen. Beim hektischen Wühlen im Pokal fällt dieser runter und geht zu Bruch. Oben scheint Valery wieder munter und fröhlich zu sein. Sie spielt mit Akki.
"Akki! Wo willst du denn hin?", ruft sie.
´Was zum Teufel spielt sie jetzt wieder?´ Elisabeth macht sich große Sorgen um Valery. Sie hat auch guten Grund dazu, wie sie eben festgestellt hat. Sie durchsucht die Scherben des Pokals nach dem Schlüssel. Dabei überlegt sie, was sie gegen Akki unternehmen kann. Aber jetzt hat sie keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Sie muss unbedingt herausfinden, wie Akki aus dem Keller entkommen konnte. Sie wird es nachher mit Kevin besprechen müssen. Erst jetzt fällt ihr wieder ein, wo sich der Schlüssel befindet. Sie geht zur Kellertür, schließt sie auf, öffnet sie und betätigt den Lichtschalter. Vorsichtig bewegt sie sich die steile Treppe hinunter. Elisabeth hasst diese Treppe. Plötzlich spürt sie, wie etwas sie von hinten anspringt.
Dann flüstert eine unmenschliche Stimme ihr etwas ins Ohr: "Du wirst dich nie wieder zwischen mir und Valery stellen! Sie gehört mir! Mir allein!"
Der Gestank, der ihr dabei in die Nase stiegt, verrät ihr, dass es sich um Akki handeln muss. Als sie ihren Kopf nach rechts dreht sieht sie, dass es stimmt. Sie sieht Akkis Gesicht, dass sich zu einer grotesken Fratze verzerrt hat. Elisabeth erschreckt sich dermaßen, dass sie den halt verliert, die Stufen herunterfällt und sich das Genick bricht. Dann liegt sie tot am Fuß der Treppe. Ihr Kopf steht in einem grotesken Winkel ab.

Kevin weiß, das Akki sie getötet hat. Warum, kann er nicht sagen, er weiß es einfach. Am Abend nach ihrer Beerdigung sitzt er in seinem Lieblingssessel und überlegt, was er gegen Akki unternehmen kann. Er spricht es nicht aus, denn er weiß, dass Akki es hören würde. Er dreht seinen Kopf zum Kamin und starrt ihn an. Kevin steht auf, und obwohl es draußen noch angenehm warm ist, wird er ihn entzünden. Aber noch nicht, denn er braucht noch einen ganz besonderen Zündstoff. Er weiß, was er tun muss. Akki wird einen feurigen Tod finden. Er geht hoch in Valerys Zimmer. Leise öffnet er ihre Tür denn sie schläft und er möchte sie nicht wecken. Es war ein harter Tag für das Kind. Er nähert sich Valerys Bett und sucht nach Akki. Aber Akki ist nicht da. Valerys Armbeuge, in der er sich immer befindet, ist leer. Er durchsucht ihr Zimmer. Das ist nicht einfach, denn das Zimmer ist dunkel. Das Licht, dass aus dem Flur einströmt, reicht nicht aus. Er wird sich eine Taschenlampe besorgen müssen, denn wenn er das Licht einschaltet riskiert er, dass er Valery weckt. Aber er muss vorsichtig sein. Wenn Akki wirklich Elisabeth getötet hat, so absurd es sich auch anhört, ist er gefährlich. Immer wieder muss er an den Film denken, "Chucky, die Mörderpuppe." Er verlässt Valerys Zimmer und geht die Treppe hinunter ins Wohnzimmer. Plötzlich geht das Licht aus. Kevin schlottern die Knie, denn ihm ist bewusst, wer für diesen Stromausfall verantwortlich ist.
´Aber gleich geht´s dir an den Kragen. Jetzt weiß ich schließlich, wo du dich befindest.´ Wenn Kevin wüsste, was sich am Tag von Elisabeths Tod ereignet hat, würde er jetzt anders darüber denken. Er tastet sich zum Fernsehschrank, in dem sich die Taschenlampe befindet. Er öffnet die Schublade und findet sie. Kevin schaltet sie ein und bemerkt, dass das Licht sehr schwach ist, die Batterien werden bald den Geist aufgeben.
´Mist! Nicht jetzt!´, denkt er und dreht sich um. Im schwachen Schein sieht er das Emblem der Chicago Blackhawks. Er hebt die Taschenlampe etwas an und erblickt eine Fratze, die er nur allzu gut kennt. "Grrr, Krauli-Krauli" schießt es ihm durch den Kopf und er musste daran denken, wie Valery ihn aufforderte den Affen zu kraulen. Sie drückte den Kopf des Affen zusammen um ein grimmiges Gesicht herzustellen. Das Gesicht, in das er nun Blickte ist noch grimmiger, aber diesmal drückt es keine Valery zusammen. Es bewegt sich von alleine. Nun sieht Kevin noch etwas. Der Affe hält etwas über seinen Kopf. Sofort schrillen die Alarmglocken in seinem Verstand auf. Er erhebt den Lichtkegel der Taschenlampe noch einmal und sieht gerade noch, dass es der Schürhaken des Kamins ist, als die Batterien den Geist ganz aufgeben und das Licht erlöscht. Wenige Sekunden spürt er einen Schlag auf seinen Kopf. Und noch einen, und noch einen, es sind insgesamt zehn Schläge.
Jeder Schlag wird von einen Wort des Affen begleitet: "NIEMAND - STELLT - SICH ZWISCHEN - MIR - UND - VALERY - SIE - GEHÖRT - MIR"
Aber schon nach dem vierten Schlag erlöscht auch Kevin Parkers Licht.



Aus der Chicago Post vom 24. Juli 2004:

MÄDCHEN VERLIERT INNERHALB VON NUR WENIGER TAGEN ADOPTIVELTERN

Erst stürzt ihre Mutter auf der Kellertreppe, dann wird ihr Vater getötet. Ein sechsjähriges Mädchen aus Dawsonville verlor von innerhalb nur kürzester Zeit ihre Adoptiveltern. Sie selbst war noch nicht lange in der Familie. Nachdem Elisabeth P. (32) vor vier Tagen tödlich verunglückte, als sie die Kellertreppe hinabgehen wollte, ausrutschte und sich das Genick brach, wurde gestern auch noch ihr Ehemann Kevin P. brutal ermordet. Er hatte einen Einbrecher überrascht, von dessen Verbleiben jede Spur fehlt. Kevin P. (34) wurde mit einem Schürhaken mehrere Male auf den Kopf geschlagen, bis er tot zusammenbrach. Es wurden keine Fingerabdrücke gefunden. Vermutlich wurden keine Gegenstände mitgenommen, was darauf schließt, das der Einbrecher Panik bekam und das Haus verließ. Bei Hinweise auf den möglichen Täter bitten wir sie bei der Polizei...



Aus der Chicago Post vom 20. Juli 2004

KINDERLEICHE AUS DEM DAWSON RIVER GEFISCHT

Gestern machte Jerry H. (23) beim Spaziergang mit seinem Hund einen grausigen Fund. Am Ufer des Dawson River entdeckte er die Leiche eines kleinen Jungen. Es soll sich hierbei um den kleinen Timmy P. (6) handeln, der vor einiger Zeit bei einem Ausflug seiner Kindergartengruppe spurlos verschwand...



Aus der Chicago Post vom 26. August 2003

MÄDCHEN BEI WOHNUNGSBRANNT GERETTET – ABER ELTERN TOT!

Gestern Nacht brannte ein Einfamilienhaus an der Sacramento Lane bis auf die Grundmauern nieder. Dabei wurden Herold B. (29) und seine Frau Sarah (28) getötet. Nur die Kleine Adoptivtochter Valery (5) konnte aus den Flammen gerettet werden...



Aus der Chicago Post vom 17. Februar 2002

SCHLIMMER AUTOUNFALL – WAR ES MORD?

Sam D. (33) und seine Frau Diana (31) wurden gestern bei einem Autounfall getötet. Sie fuhren auf der Garrison Street um ihre Adoptivtochter (3) aus dem Kinderhort abzuholen, als die Bremsen versagten. Die Polizei teilte uns mit, das die Bremsleitung durchtrennt waren. Ob sie nur porös waren oder absichtlich zerschnitten wurde, muss noch überprüft werden...




"Sie werden ihre reinste Freude an dem Mädchen haben, sie ist einfach eine Wonne.", sagt Dennis zu den Jeffersons und Peggy fügt hinzu: "Los Valery, sag Hallo zu deinen neuen Eltern."
Das Mädchen im rot-weiß-karierten Kleid strahlt. In der linken Hand hält sie einen roten Koffer mit einem Aufkleber von "Kermit dem Frosch" in der Mitte. Aus ihrer rechten Hand baumelt ein alter, zerzauster Stoffaffe.


In Memory:
Akki,
dem Begleiter durch meine Kindheit.
Auch wenn es (im wahrsten Sinne des Wortes) affig klingt: Ab und zu vermisse ich ihn.


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