Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten, um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.
Header4.jpg

Die Autoren von BookOla.de erstellen Rezensionen von Romanen, Kurzgeschichten
und allem was von bekannten und unbekannten Autoren zu Papier gebracht wird.
Die Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links.
Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich
von Amazon eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht, aber dieser kleine
Betrag hilft mir, die Unkosten der Seite zu bestreiten.

und nun findet man auch unsere ersten Gehversuche auf Mastodon

Der Spiegel


© 2004 by Schaufelradbagger

Alles begann mit dem Spiegel.

Alles endete mit dem Spiegel.

Der Tag, an dem ich ihn fand, war verregnet. Wolken zogen über den titangrauen Himmel. Kein Mensch war auf der Straße zu sehen. Die Langweile überkam mich. Ich beschloss zu fernsehen, jedoch konnte dies auch nicht meine Langweile vertreiben. Ich schaltete den Fernseher ab. Etwas sinnvolles, sagte ich mir. Das wäre keine schlechte Idee. Ich beschloss also, etwas Sinnvolles zu tun. Da bot sich einiges an: Ich hätte das Wohnzimmer saugen können, oder die Schränke abstauben. Doch keines der Möglichkeiten etwas ausgesprochen Sinnvolles zu tun überzeugte mich.

Dann kam Sie. Die Idee, den Speicher auszuräumen. Das hört sich jetzt sehr aufregend an, was? Aber ohne diese Idee gäbe es diese Geschichte nicht. Ich dachte, den Speicher auszuräumen, wäre sogar etwas äußerst Sinnvolles. Also zog ich mir ein altes Hemd an, holte die Arbeitshandschuhe aus dem Kleiderschrank und machte mich auf den Weg zum obersten Geschoss des Hauses. Zum Speicher.

Für die meisten Leser ist klar was jetzt passiert. Auf dem Speicher sind Geister, die BUH! Schreien. Oder Geheimtüren…

Doch das alles trifft nicht zu.

In meinem Schlafzimmer, das im Obergeschoss lag, gab es eine Luke in der Decke. Durch diese konnte man zum Speicher gelangen. Mithilfe eines langen Stabs, der am Ende einen Haken hatte, konnte man diese Luke öffnen. Dann eine Leiter drunter stellen, hochklettern und fertig. Das tat ich auch.

Ich war noch nie zuvor auf dem Speicher, da der eben beschriebene Vorgang mir zuviel Mühe bereitete. Als ich dann trotzdem auf den Speicher ging, sich mir ein konfuser Eindruck bot: Möbel, die den früheren Besitzern des Hauses gehört haben mussten, standen überall herum. Staub, fast Zentimeterdick, stand auf dem Boden und auf den Möbeln. Mit dem Gerümpel hätte ich einen ganzen Flohmarkt bestücken können. Am auffälligsten war ein alter Schrank, der mit Intarsien verziert war. Ein Antiquitätenhändler hätte sicher ein kleines Vermögen dafür gezahlt. Es standen Kartons herum, in denen in Leder gebundene Bücher gestapelt waren. Auch normale Bücher gab es zusehen. Eines davon trug den Titel "ES" und ein hässlicher Clownskopf war darauf zu sehen. Sofort erkannte ich, dass es sich dabei um einen der typischen "Schundromane-für-zwischendurch" handelte. Als ich am anderen Ende des Speichers angekommen war, sah ich ihn. Den Spiegel.

Er war sehr groß, ungefähr 1,50 Meter, hatte einen Holzrahmen und Krallenfüße, die ihn fest am Boden hielten. Komischerweise war kein einziges Körnchen Staub darauf zu sehen. Rundherum lagen tote Fliegen. Ich stellte mich davor.

Alles ganz normal. Der Spiegel zeigte mich, wie jeder andere auch. Ich hob den rechten Arm und mein Spiegelbild tat es mir gleich. Der Spiegel gefiel mir wirklich sehr gut, da er sehr aufwendig gemacht war. Ich beschloss ihn mit nach unten zu nehmen.

Aber wie konnte das nur gehen? Wie habe ich diesen riesigen, schweren Spiegel die Leiter herunterbekommen?

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht.

Meine nächste Erinnerung ist, dass er im Flur meines Hauses steht. Es sah aus als wäre er schon immer dort gewesen. Ich erinnere mich genau. Ich stand vor dem Spiegel und schaute mein Spiegelbild an. Dann kam "DAS OBJEKT" ins Spiel. Sie können es auch Buch nennen. Oder Brunnen. Von mir aus können sie das besagte Objekt auch "Omas Gebiss" nennen. Ich kann ihnen nicht sagen was es war. Kann nicht sagen was es ist. Keiner würde es verstehen. Stellen sie sich den geheimnisvollen Monolith aus "Jahr 2010: Das Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen" vor. Nur eben kleiner und gleichzeitig größer. Rund und eckig. Wie gesagt: Es entzieht sich jeder Beschreibung. Ich kann nur eines mit Sicherheit sagen: Es kam aus dem Spiegel

Ich stand also vor dem Spiegel und starrte mein Spiegelbild an. Mein Spiegelbild lächelte. Ich nicht. Ich lächelte und mein Spiegelbild zog eine angewiderte Grimasse. Logisch. Logisch? Ja. In diesem Moment war es für mich das Normalste von der Welt. Ich sah mich im Spiegel, wie ich auf einem Mülleimer saß und mit einem Musikinstrument spielte, dass offenbar komplett aus Butter zu bestehen schien. Das hört sich jetzt bestimmt witzig an. Aber für mich war es weder witzig noch beängstigend. Es war einfach normal. Ich beobachtete gelangweilt wie mein Spiegelbild sich erhob, den Mülleimer gierig verschlang und dann mit einem eindrucksvollen Geräusch zerplatze. Dann fing ich an zu Kichern. Ich wendete mich vom Spiegel ab, nahm einen Stift aus einer Schublade und Schrieb auf den Telefonblock:

20.1.66/5; ich versuchte vergeblich, die Futtergrippe durch das Schlüsselloch zu verlassen.

Ich könnte meine Unsinnigen Tätigkeiten, die, soweit ich mich erinnerte, noch mehrere Tage dauerten, noch fortführen. Das währe jedoch langweilig. Meine nächste entscheidende Erinnerung besteht darin, dass ich vor dem Spiegel stand. Was mein Spiegelbild tat, entzieht sich jeder Formulierung. Plötzlich zeigte mir der Spiegel Galaxien. Sterne. Andere Welten. Er zeigte mir mehr, wie alle Menschen der Welt je gesehen hatten. Dann wurde ich vor eine Wahl gestellt.

Ich konnte durch den Spiegel gehen oder nicht. Aber, wenn ich ehrlich bin, war es keine Wahl. Wer ein Spiegelbild besitzt, das fröhlich mit Butterinstrumenten musiziert, hat eben keine Wahl. Wer mich vor diese Wahl gestellt hat, kann ich auch nicht sagen. Ich wusste es einfach. Mein Entschluss stand fest: Ich würde durch den Spiegel gehen. Also tat ich es. Alle wurden in ein gleißend weißes Licht gehüllt. Wie lange dieses Licht mich umhüllte, kann ich nicht sagen. Es war ein wunderbares. Dann fand ich mich in einem großen, weißen Raum wieder. Er war komplett weiß. Besaß weder Fenster noch Türen. Also ging ich hindurch. Auf der Treppe drehte ich mich um. Alles weiß. Alles normal. Nachdem ich dem Viereck einen Besuch abgestattet hatte, beschloss ich zu schlafen. Ich träumte davon, morgen aufzustehen und ein paar Stücke Butter mit Schnitzereien zu verzieren. So glücklich und tief schlief ich nie zuvor.

Kurzum: Ich hatte das Paradies entdeckt. Der Ort an dem ich mich befand, war durch und durch normal. Und so weiß!

Wenn sie jetzt vor ihren Spiegel treten, würden sie mir übrigens einen großen Gefallen tun. Einen durch und durch normalenweißen Gefallen. und

Copyright 2022 by www.BookOla.de
Joomla templates by a4joomla