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Das Haus am See


© 2004 by Schaufelradbagger

Ich möchte es ihnen erzählen. Alles. Mein Name ist George Stark und ich bin Schriftsteller. Nein, halt, das ist falsch, ich war Schriftsteller. Zu der Zeit als sich folgende Geschichte zugetragen hat, war ich Mitglied in einer Internetgruppe, die den Namen"NetStories" trägt. Das Prinzip ist einfach, jeder der freiwilligen Mitglieder verbrachte eine Woche in einem Haus oder an einem Ort, an dem es angeblich spuken soll. Manchmal waren es auch Hotelzimmer, in denen Leute Selbstmord begangen haben. Sachen dieser Art eben. Bis jetzt wurde noch niemand von einem Geist erschreckt geschweige denn gefressen. Das wesentliche bei der Sache war, dass man mit einem Laptop in das Haus geschickt wurde. Dieser Laptop besaß einen Internet-Zugang, so dass man abends immer die Geschehnisse des Tages an andere Mitglieder per Mail senden konnte. Außerdem wurde man an besagtem Ort festgehalten, um es spannender zu machen. (Alle warten immer noch auf eine Mail der Art: "Hilfe, rettet ich, da ist ein Geist!!!!") Das hätte mir zum Verhängnis werden können. Ich weiß immer noch nicht ob sich die Geschichte wirklich zugetragen hat, oder ob ich phantasiert habe. Ich träume manchmal immer noch davon.

Ich sollte die besagten sieben Tage in einem alten Waldhaus nahe Castle Rock verbringen. Das übliche. Den Erzählungen zufolge, wurde das Haus als Feriendomizil für einen reichen Stoffhändler erbaut. Das war 1843. Er verbrachte seinen Urlaub mit seiner Frau dort. Die Frau stürzte die Kellertreppe und brach sich das Genick. Der Mann beging Selbstmord mit einer Schrotflinte. Nun spuken beide durch die alten Gemäuer. Das Haus zog mit seiner Geschichte mehrere Leute an, die allesamt tot sind. Die meisten brachten sich um und einer von ihnen wurde von einem Ziegel erschlagen, der bei seiner Ankunft aus dem Dach brach. Das alles sollte ich aber erst später erfahren.

Am Tag meiner Ankunft begleiteten mich ein paar Freunde aus unserer Internetgruppe. Ich trug meinen silbernen Laptop Arm. Das war im Sommer 1998. Es schwirrte Insekten um uns herum und Vögel zwitscherten. Im Unterholz des Waldes knackte es. Das Haus erhob sich monströs über den kleinen See, der vor ihm lag. Die Farbe blätterte ab und das Dach war an manchen Stellen eingesunken. Im Großen und Ganzen jedoch, sah das Haus recht stabil aus, alle Fensterläden waren in tadellosem Zustand, wenn man sich die abblätternde weiße Farbe wegdachte. Das Haus bot nicht einmal einen unheimlichen Anblick. Noch nicht. Außer dem Laptop bekam ich noch mehrere Konserven und einen Campingkocher in die Hand gedrückt. Außerdem mehrere Liter Wasser. Strom und fließendes Wasser waren vor meiner Ankunft sichergestellt, doch keiner wußte ob es einen Herd gab, geschweige denn, ob er funktionierte. Doch der auffälligste Gegenstand, den wir mit uns führten, war ein großes Vorhängeschloß. Ich verabschiedete mich von meinen Freunden, trat ein, knipste das Licht an (dessen Funktionieren mich überraschte) und lauschte dem Klimpern mit dem meine Freunde Die Tür abschlossen. Nachdem ich alle Lichter angemacht hatte und mich geduscht hatte, sah ich mich im Haus um. ES hatte sehr viele Räume. Der größte von allen war das Wohnzimmer, das sich im Erdgeschoß befand. Es war, wie der Großteil aller Räume vollkommen leer. Das innere des Hauses war mit einer weißen, glatten Tapete ausgekleidet, die kein Muster aufwies. Sie war an manchen Stellen braun und feucht aber nicht geschimmelt. Die einzigen Möbel im Haus waren ein Bett, das man besser als Pritsche bezeichnete und einen Kleiderschrank der für mich bereitstellt wurde. Es gab in jedem der drei Geschosse ein Bad. Ich pachte meine Kleidung in den Schrank, stellte den Campingkocher auf den Boden, legte eine blaue Gaskartusche ein und erhitzte mir eine Dose Bohnen. Nach diesem spärlichen Mahl nahm ich den Laptop, stöpselte das zugehörige Ladegerät in eine Steckdose und verband dieses wiederum mit dem Laptop. Ich aktivierte ihn, und ging ins Internet. In dem Laptop war ein Kreatix 56k Modem integriert. Eine wirklich feine Sache. Meine erste Mail lautete folgendermaßen:

Hallo Freunde,

ich habe es mir in dem Haus bereits gemütlich gemacht, Wasser und Strom sind in Ordnung. Keine Geister bis jetzt ;).

Mit freundlichen Grüßen

George

7.8.98

Das war es dann auch schon. Ich ging zu Bett.

Von diesem Punkt der Geschichte, möchte ich den weiteren Verlauf mit den E-Mails deutlich machen, die ich jeden Abend Verschickte.

 

Erster Tag:

Hallo,

ich hatte einen eigenartigen Traum, gestern Nacht. Ich war auf einem Flur des Hauses und hörte grässliche Schreie und plötzlich verschlang mich schwarzer Nebel. Ich bin schweißgebadet aufgewacht. Es hat geregnet. Ansonsten alles normal, keine Geister. Das einzige was mir Angst macht sind die komischen Geräusche die ich manchmal aus anderen Räumen komme. Eindeutig Ratten. Ziemlich große wahrscheinlich, aber ich werde wohl damit fertig. Ich habe den dritten Stock des Hauses erkundet. Alles Räume leer, bis auf ein kleiner. Scheint mal ein Büro gewesen zu sein, es steht eine kleine Kommode darin. Sie ist aus dunkelbraunem Eichenholz. Ein Antiquitätenhändler würde mir ein kleines Vermögen dafür zahlen. Sie hat zwei Schubladen und eine kleine Klappe, die leider abgeschlossen ist. In einer der Schubladen liegt ein in Leder gebundenes Buch. Es ist verschlossen mit einem kleinen Vorhängeschloss. So wie das manchmal bei Tagebüchern ist. Ansonsten nichts Besonderes. Ich komme gut zu Recht mit den Konservendosen.

George

8.8.98

 

Zweiter Tag:

Hallo,

ich hatte heute schon wieder den gleichen Traum, mit dem Unterschied, dass statt Schreien ein Lachen zu hören war. Komisch. Kommt wahrscheinlich von der ganzen Aufregung. Es gab einige Sommergewitter, ich habe festgestellt, dass das Haus noch einen Speicher hat. Ist aber vollkommen leer und an manchen Stellen ist das Dach undicht. Macht aber nichts. Du wirst es nicht glauben, aber ich habe das alte Buch aus der Kommode aufbekommen! Ich nahm es noch einmal in die Hand und plötzlich sprang das kleine Schloss einfach auf! Ohne das ich was daran gemacht habe. Ich habe das Buch schnell durchgeblättert, alle Seiten sind leer. Die Ratten sind lauter geworden und manchmal glaube ich ein Stöhnen hinter mir zu hören. Aber du weißt ja wie das ist. Kaum ist man an so einem Ort, bildet man sich alle möglichen Dinge ein. Ach noch etwas: Ich habe gestern Abend Klaviermusik aus dem Nebenzimmer gehört. Aber das habe ich wahrscheinlich nur geträumt.

George

9.8.98

 

Dritter Tag:

Hallo,

ihr werdet es nicht glauben was heute alles passiert ist. Ich habe wieder geträumt. Von Leichen, die in ihr Leichentuch verknotet waren und mich durch das Haus jagten. Ich rannte den Flur entlang, gejagt, bis ich merkte, dass das ganze Haus lebendig war. An den Rest kann und will ich mich nicht erinnern. In dem Zimmer mit der Kommode habe ich ein Bild entdeckt, auf dem eine alte Frau abgebildet ist. Sie ist in mottenzerfressene Laken gewickelt und steht auf einer Wiese. Das Gras auf dieser Wiese ist verbrannt und jedes Mal wenn ich das Bild betrachte, habe ich das Gefühl das verbrannte Gras zu riechen. Der Himmel ist schwarz und scheint alles zu verschlingen. Doch das schlimmste ist: Die Frau hat keine Augen und keine Nase. An stelle dieser Sinnesorgane ist nur graue, vergilbte Haut. Ihr Mund ist zu einem schrecklichen Schrei verzerrt. Eine grässliche Version von Edvard Munchs "Der Schrei". Ich hätte schwören können, dass das Bild noch nicht da war, als ich das Buch gefunden habe. Heute morgen habe ich das Buch noch einmal genau angeschaut. Ungefähr in der Mitte stehen ein paar Buchstaben:

ezthwnrggejkt dmniääe txponbtgfejhn

Vollkommen widersinnig. Irgendwie glaube ich wirklich, dass mit diesem Haus etwas nicht stimmt. Aber es ist bis jetzt ja alles erklärbar: Die Geräusche kommen von Ratten, Das Buch sollte ein Tagebuch sein, in das irgendjemand etwas gekritzelt hat, das Bild habe ich beim ersten mal übersehen und die Klaviermusik habe ich geträumt.

George

10.8.98

Vierter Tag:

Hallo,

ich habe gestern Nacht das gleiche geträumt wie in der vorherigen Nacht. Ich habe mich lange mit dem Buch beschäftigt. Die Buchstabenfolge ist nicht willkürlich, ich habe sie entschlüsselt: Ehret die Toten! Man muß immer zwei Buchstaben neben einander wegstreichen. Langsam aber sicher wird das ganze immer gruseliger. Das ist mein voller Ernst. Ich glaube nicht, dass es Ratten sind die diese Geräusche verursachen. Es hört sich wie schlurfen an. Außerdem konnte ich das Rasseln von schweren Ketten vernehmen. Ich habe heute, in eindeutig wachem Zustand, mehrere male diese unheimliche Klaviermusik gehört. Habe verzweifelt gesucht, konnte aber im ganzen Haus kein Klavier finden. Ich höre regelmäßig Schreie, die sich anhören, als würde jemand qualvoll sterben. Das Buch ist verschwunden. In vielen Zimmern stehen nun Stühle, die vorher eindeutig nicht dort waren. Ich glaube ich werde verrückt. Zum Glück sind es nur noch drei Tage.

George

11.8.98

Fünfter Tag:

Es ist etwas Furchtbares passiert, wo soll ich nur anfangen? Heute Morgen wurde ich von Klaviermusik geweckt! Was soll ich nur tun! Ich bin der Musik nachgegangen und habe festgestellt, dass sie aus dem Zimmer mit dem Schreibtisch stammt. Just in dem Moment, als ich durch die Tür treten wollte, verstummte sie. Ich trat trotzdem ein. Es stand kein Klavier in dem Zimmer. Die Kommode war weg! Nur noch das schreckliche Bild hing zentrisch an der Wand vor mir. Ich stellte mich davor. Was nun folgt, ist so furchtbar, das ich mich sträube, es zu erzählen.

Ich stellte mich wie gesagt vor das Bild, und bemerkte, dass die Frau (Frau ist nicht das richtige Wort, Monster trifft es eher) größer erschien wie bei der letzten Betrachtung. Ich schaute auf ihren Mund. Er war geschlossen! Kurz nach dem ich das bemerkte, wurde sie lebendig; das Bild wölbte sich mit dem Gesicht, der Mund stand aus dem Bild heraus. Er öffnete sich und stieß einen schrecklichen Schrei aus! Es hörte sich nicht menschlich an. Dann fiel ich in Ohnmacht. Ich wachte in meinem Schlafzimmer auf. Während ich dies schreibe, ertönt die Klaviermusik. Ich weiß nicht was ich machen soll. Mit mir stimmt was nicht, ich kann mich nicht mehr an meinen Namen erinnern, ich weiß nicht, wer sich hinter der Adresse verbirgt, an die ich diese Mail sende.

43.10.78

PS: Ich weiß nicht, ob das Datum stimmt...

Sechster Tag:

Holt mich hier raus! Hier spukt’s! Es kommen Gesichter aus den Wänden. Sie jagen mich. Alle! Ich muß sie töten. Weiß nicht wie ich das machen soll. Ich bin heute morgen aufgewacht. Das eklige Bild hängt in meinem Zimmer. Nachts, wenn ich schlafe, kommen Hände aus dem Boden um mich zu erwürgen. Ich muß ständig wachsam sein. Ich weiß nicht mehr wer ich bin. Wieso bin ich hier? Holt mich raus. Ich sehe ständig Blutflecken an den Wänden. Ich muss hier weg. Sofort. Ich höre schon wieder diese Klaviermusik......

Siebter Tag:

Dieses Haus lebt. Es scheint unendlich viele Zimmer zu geben. Sie wollen mich alle umbringen! Aber jetzt habe ich sie! Heute morgen ist eine Kiste Sprengstoff und eine Kiste mit Zündern erschienen. Ich habe schon viele im Haus verteilt. Ich muß nur warten bis sie wieder kommen. Die Frau kommt aus dem Bild und jagt mich. Sie hat mich vorhin verfolgt. Bin durch das ganze Haus gerannt. Überall so viel Blut! Kommt das von mir? Ich habe versucht herauszukommen. Die Tür ist zu. Der erste Stock hat keine Fenster. Ich komme nicht heraus. Ich muß das ganze Haus in die Luft jagen. Ich werde sterben. Ich höre wieder Klaviermusik. Hinter mir sind stimmen. Vor mir kommen jetzt Hände aus der Wand. Was ist das? Sie packen mich!

 

Das war es. Ende der Geschichte. Nein, ich bin doch noch nicht ganz fertig. Nach dieser siebten E-Mail bin ich in Ohnmacht gefallen. Noch am Abend dieses Tagen holten mich meine Freunde ab. Davon bekam ich nichts mit. Ich wachte, übersät mit Platzwunden und Prellungen, in einem Krankenhaus auf. In dem Haus wurden weder Sprengladungen noch die von mir beschriebenen Möbel gefunden. Auch von dem Bild war keine Spur. Ich weiß heute noch nicht was Wirklich passiert ist. Das Haus nimmt einem in seinen eigenen Ängsten gefangen, nehme ich an. Ich bin aus dieser Internetgruppe ausgetreten. Zu viele fragen. Die E-Mails habe ich noch. Ausgedruckt. Gut verstaut in einem Schrank in meinem Haus. Ich sehe jetzt keine Gespenster mehr, aber ich träume mehrmals im Monat von meinem Aufenthalt in dem Haus. Es wird wohl immer seine Opfer finden. Für mich ist hier die Geschichte zu ende, aber für andere fängt sie erst an.

George Stark

2.9.2003

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