Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten, um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.
Header1.jpg

Die Autoren von BookOla.de erstellen Rezensionen von Romanen, Kurzgeschichten
und allem was von bekannten und unbekannten Autoren zu Papier gebracht wird.
Die Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links.
Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich
von Amazon eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht, aber dieser kleine
Betrag hilft mir, die Unkosten der Seite zu bestreiten.

und nun findet man auch unsere ersten Gehversuche auf Mastodon

Die Spieluhr


© 2004 by Schaufelradbagger

Prolog:

So klein.

So klein.

Sie wird aufgezogen.

Die Räder (klein)

drehen

sich und sie (klein)

drehen

sich.

Gebaut von Teufels Hand,

gebaut im verheerten Land,

aufgezogen,

die Melodie erklingt,

den schnellen Tod sie bringt!

Teil 1: Die Versteigerung

Es ist am frühen morgen eines schönen Tages. Der Himmel ist noch dunkelgrau und der Mond zeigt sein Gesicht. Bald wird es hell und die Vögel beginnen zu zwitschern. Ich gehe auf das marmorne Gebäude zu. Der Saal ist groß, ich trete ein. Vorne steht ein Pult, zu dem drei Treppenstufen führen. Alles aus Marmor. Der Saal füllt sich. Ich kann ein Platz in der ersten Reihe ergattern. Neben mir Sitz eine Frau im Pelzmantel, die ihre Handtasche an sich presst, als hinge ihr Leben davon ab. Sie zittert ein bisschen. Im Saal wird es stiller. Die letzten Leute kommen und eilen zu den übrigen Plätzen.

Die Versteigerung kann beginnen.

(…und sie drehen sich und drehen….)

Die Tür geht auf. Einige Leute drehen sich um. Der Mann im schwarzen Anzug läuft auf das Pult zu. Er schreitet die Stufen hoch und ergreift den Hammer.

Leute werden glücklich. Leute bleiben unglücklich.

Eine Versteigerung ist wie das Leben selbst.

Fast zwei Stunden sind vergangen.

Ich trete aus dem Saal. Die Tür schließt sich. Das Pult ist leer. Leblos liegt der Hammer da.

Ich bin glücklich.

Ich habe ein Buch ersteigert. Es ist gefüllt mit sauberer Handschrift. Voll mit Erinnerungen. Nur was für Erinnerungen? Ich werde es herausfinden.

Ich gehe nach Hause.

(drehen)

Und beginne zu lesen.

 

Teil 2: Das Tagebuch

Hier beginne Ich zu lesen.

(Die Räder beginnen sich zu drehen.)

4.2.1921

Ich habe sie heute bekommen. Eine wunderschöne Spieluhr! Das war in einem Geschäft, das ein gewisser Mr. Ganut führt. Ein wirklich toller Laden. Er heißt "All things you need".

Doch nun wieder zu der Spieluhr. Sie ist wunderbar verziert. Ich habe sie noch nicht aufgezogen. Bin sehr im Stress. Der Frühjahrsputz steht ins Haus.

5.2.1921

Heute habe ich wieder Stress mit meiner Nachbarin gehabt. Sie ist wirklich unausstehlich. Sie behauptet, ich hätte alles Laub aus meinem Garten gesammelt und in ihren gekippt! So etwas Unverschämtes. So, jetzt sollte ich wirklich mit dem Abwasch anfangen.

Die Spieluhr hat jetzt einen Ehrenplatz auf dem Kaminsims. Dort steht sie gut.

6.2.1921

Wieder Ärger mit Frau Kraus gehabt. So heißt diese blöde Ziege. Ich weiß nicht was ich tun soll. Jeden morgen schnauzt sie mich an, ich hätte Blätter in ihren Garten geworfen! Die ist komplett verrückt!

Aber mein Trost ist die Spieluhr, die mir Mr. Ganut verkauft hat. Sie spielt eine wunderschöne Melodie, die ich noch nie zuvor gehört habe. Sie ist bestimmt sehr Wertvoll, obwohl ich sie zu einem Spottpreis bekommen habe. Und sie wirkt so beruhigend!

Zwischenspiel:

Er ist zufrieden. Er wird seine Seelen bekommen. Diabolisch lächelnd rückt er sein schwarzes Jackett zurück. Im Saal wird es ruhig. Viele Leute sehen zu ihm auf. Er ergreift den Hammer.

"Die Versteigerung kann beginnen!"

Seine Stimme verhallt im Marmorsaal.

Wahrlich. Mit der Spieluhr hat er sich selbst übertroffen.

Er spielt mit ihr.

Und er spielt mit ihr.

"Sie hat das Tagebuch", denkt er, während er den hölzernen Hammer in seiner Hand dreht, deren Zeige und Mittelfinger fast gleich sind.

"Sie, nein, wie heißt sie? Jane hat das Tagebuch. Schlimme Dinge stehen darin. Doch sie wird nicht erschrecken."

Die Spieluhr wirkt ja so beruhigend!

Ja, die Versteigerung hatte begonnen.

 

 

Ende des Zwischenspiels, zurück zum Tagebuch

7.2.1921

Ich habe die Spieluhr mit in mein Schlafzimmer genommen. Dort steht sie einfach besser. Heute war es einigermaßen still. Zum Glück war Frau Kraus nicht da. Die hätte mich bestimmt wieder belästigt. Ich hatte also Zeit den lang vorbereiteten Frühjahrsputz zu vollenden. Ich bin schon sehr müde, während ich das schreibe. War außerdem in der Stadt, einkaufen.

Jetzt werde ich mir noch einen Tee machen und dann zu Bett gehen.

Und vorher höre ich mir noch einmal die schöne Melodie der Spieluhr an.

8.2.1921

Habe einen schrecklichen Albtraum gehabt. Von einem Mann, der eine tote Ratte in der Hand hatte, sie mit seinem Fingernagel aufschlitzte und dann gierig verschlang. Ich erwachte schreiend in meinem Bett und hörte noch das schreckliche Lachen des Mannes verhallen. Gleich habe ich die Spieluhr aufgezogen. Ich bin so dankbar.

Dann geschah etwas Eigenartiges. Ich kann mich erinnern, nach dem Traum aus dem Bett gestiegen zu sein, aber danach an nichts mehr. Ich habe vorhin festgestellt, dass meine Halbschuhe voller Erde sind. Weiß gar nicht wovon das kommt. Frau Kraus ist immer noch weg. Ich habe sie bis jetzt noch nicht gesehen.

9.2.1921

Ich schreibe dies mit zittrigen Händen. Bin total erschöpft. Heute hat sich etwas Schreckliches zugetragen. Heute Nachmittag war ich in meinem Garten um neue Blumen zu setzen. Ich habe bemerkt, dass der Garten von Frau Kraus mit Laub bedeckt ist. Frau Kraus schoss plötzlich aus ihrem Haus und begann mich mit faulen Eiern zu bewerfen! Das passt zu ihr. Keine Ahnung was in sie gefahren ist. Außerdem hat sie einen Zettel über den Zaun geworfen und behauptete ICH hätte ihn geschrieben. Auf dem Zettel stand:

Friss dein Laub selber, du Schlampe!

Und wage es nicht noch einmal, mich deswegen anzuquatschen!

In Hochachtung,

deine FREUNDLICHE Nachbarin.

Ich habe das aber nicht geschrieben! Ich weiß nicht was ich tun soll.

Mit diesen verzweifelten Gedanken im Kopf muss ich heute zu Bett gehen. Morgen werde ich mit Frau Kraus über alles reden. Über alles.

10.2.1921

Ich habe sie gerade wieder aufgezogen. Völlig Recht hat sie. Ich weiß genau was ich tun muss. Alles ist vorbereitet. Muss nur auf den richtigen Moment warten.

 

In der Ferne konzentriert sich der Mann im schwarzen Anzug auf Jane. Das Schicksal, ja. Die Spieluhr ist ein Ebenbild des Schicksals

Einmal aufgezogen, ist sie nicht mehr aufzuhalten.

Doch er hat die Macht, die Versteigerung zu beenden, wenn ER es will.

(und die Räder drehen, drehen, drehen……)

Jane wird aufschreien, das Tagebuch wegwerfen.

Nein, denkt der Mann in schwarz.

Die Versteigerung hat doch erst begonnen.

Jane schreit nicht auf. Sie hält es plötzlich für sehr vernünftig weiter zu lesen. Sie lächelt sogar ein bisschen dabei

 

Wieder beim Tagebuch.

11.2.1921

Ich habe das Messer geschliffen. Alle Vorhänge sind geschlossen. Ich sitze im Wohnzimmer. Alles ist dunkel im Raum. Und ich halte die Spieluhr an mich geklammert. Sie hat ja so Recht. Ich werde alles tun was sie sagt.

Muss nur auf den richtigen Moment warten.

Die wichtigste Vorbereitung ist getroffen. Heute Morgen stand er an der Tür und hat mir eine große Stofftasche gegeben. Die Spieluhr sagte mir, dass es ein guter Mann ist. Sie sagt mir, dass es eine gute Sache ist. Für einen noch besseren Zweck.

Kurze Einblendung:

Am morgen des 12 Februars des Jahres 1921 traute Gerda Kraus ihren Augen nicht. Sie trat vor die Tür und war überrascht. Am Anfang überrascht, dann verärgert und überrascht zugleich, doch dann verspürte sie nur noch blinde Wut.

Der Garten war voller Laub, das nur von der Birke ihrer FREUNDLICHEN NACHBERIN (wie se sich auf dem Zettel von neulich nannte) , die ihr dauernd ihren Abfall in den Garten kippt und sie obendrein noch beschimpfte.

Doch was sie dann sah ließ sie erschauern. Auf ihrem Fußabtreter lag ein Zettel.

Darauf stand.

Du wirst bezahlen!

 

Es war eine krakelige Schrift.

Sie griff den Zettel Wutentbrannt, so dass er sich in ihrer Hand schräg faltete. Dann ging sie mit schnellen Schritten in den Vorgarten ihrer FREUNDLICHEN NACHBERIN. Vor der Haustür blieb sie stehen. Gerade wollte sie klingeln, aber es war schon geschehen.

(Der Mann im schwarzen Anzug lacht, und schwingt den Hammer)

Was geschieht:

Die Tür geht auf. Gerda sieht die blanke Klinge eines Messers, die die Mittagssonne reflektiert.

DIE FREUNDLICHE NACHBERIN ruft: "Ich habe auf dich gewartet!" Sie stößt zu. Und Gerda ist tot.

Das blutige Messer fällt zu Boden und sein Besitzer lacht.

(Der Hammer fällt zu Boden und der Mann im schwarzen Anzug lacht.)

Der Leichnam von Wilma wird in eine Stofftasche gesteckt. Der Leichnam löst sich auf. Der Sack schließt sich. Und in seinem Inneren scheint ein Wirbelsturm zu toben.

Gerade jetzt liest Jane begierig weiter, als handelte es sich um einen Liebesroman.

Der letzte Eintrag.

Welches Datum ist heute. Alles voller Blut. Das Messer. Die Tasche steht neben mir.

Was hab ich getan? Ich kann nicht ich muß es tun es wird geschehen. Ich muß er befiehlt es mir ich tue es das messer

Der Rest der Seiten ist weiß.

Jane sieht die Blutflecke auf der letzten beschriebenen Seite. Sie wundert sich nicht. Sie lacht nicht. Sie hält nur noch mit glasigem Blick die Spieluhr umklammert.

Jane lächelt ein bisschen.

(Der Mann im schwarzen Anzug lächelt auch ein bisschen.)

Und die Melodie erklingt.

Der Mann im schwarzen Anzug verspürt diebische Freude.

Copyright 2022 by www.BookOla.de
Joomla templates by a4joomla