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Pizza-Express

©2003 by Stephan Möller (theMöllerman) 

 

für Yuliya aus dem Chat

Liebe Mama,

ich weiß, es ist lange her, dass ich dir das letzte Mal geschrieben habe und es gibt so viel, das ich dir erzählen möchte.

Es tut mir leid, dass wir damals in Streit auseinander gegangen sind, aber ich kann eure Metzgerei nicht übernehmen, da mir bereits schlecht wird, wenn ich rohes Fleisch nur sehe und außerdem hätte es mir keinen Spaß gemacht. Das war der Grund, warum ich nach Hamburg studieren ging.

Mann, du kannst froh sein, dass ich dir diesen Brief schreiben kann, denn vor kurzem ist mir etwas wiederfahren, dass ich, und du wahrscheinlich auch, nie wieder vergessen werde.

Dies ist die Geschichte:

Um mein Studium finanzieren zu können, habe ich einige Jobs angenommen, die ich in meiner Freizeit erledige. Unter anderem arbeite ich für den "Pizza-Express", einem der beliebtesten Pizza-Services in ganz Hamburg.

Vor 2 Wochen musste ich zwei Familienpizzen auf das Schloss Harkenbruck liefern, das etwa eine halbe Autostunde nördlich von Hamburg in einem mehr oder weniger großem Waldstück liegt.

Das Schloss wird von einem alten Adligen namens Harkenbruck bewohnt, daher auch der Name des Schlosses. Dieser Mann gilt als einer der wenigen noch echten Gentlemen Deutschlands. Er lebt relativ zurückgezogen, ich glaube, er bekommt so gut wie nie Besuch, wenn man einmal von den Feiern absieht, Harkenbruck gibt nämlich jedes erste Wochenende im Monat ein mehr oder weniger großes Fest für einige ausgewählte Leute.

Noch während ich an jenem Abend die Pizzas in meinen alten Renault lud, fiel mir ein, dass heute einer dieser Festabende war und ich wunderte mich, denn es hieß, dass Harkenbruck auf seinen Partys nur die edelsten Speisen servierte.

Aber das konnte mir egal sein, für mich war es leicht verdientes Geld ... dachte ich. Der weitere Verlauf mag für dich vielleicht – oder wahrscheinlich – absurd klingen, Mama, doch ich schwöre dir, dass jedes einzelne Wort wahr ist.

Ich fuhr also mit den Pizzen auf dem Beifahrersitz zum Schloss. Die Fahrt dauerte 45 Minuten und ich wurde unruhig, denn wenn eine Pizza kalt abgeliefert wird, so ist das beim Pizza-Express ein Kündigungsgrund.

Doch als ich ankam wurde ich von mehr beunruhigt als von zwei kalten Pizzas. Das Schloss wurde von einer seltsamen, gruseligen Aura umgeben, das merkte ich schon, als ich mit dem Renault die lange Auffahrt hinauffuhr. Sie war mindestens zwei km lang und führte durch einen scheinbar riesigen Wald.

Das Schloss selbst lag an einem schönen, normalerweise idyllischem See inmitten des Waldes, der heute jedoch alles andere als idyllisch war. Weder das Schloss, noch der Wald mit allem was sich in ihm befand, hatte an jenem Abend etwas idyllisches an sich, es war, als spürte die ganze Umgebung, dass heute etwas grausiges geschehen würde.

Einen wirklichen Schrecken bekam ich jedoch erst, als ich aus dem Wagen stieg. Ich kann nicht genau beschreiben, was es war, es war einfach ... schaurig. Wie ich bereits schrieb, die ganze Umgebung schien das Böse, das an jenem Abend stattfinden sollte, zu spüren. Der Verdacht erhärtete sich mir gegenüber jetzt, wo ich aus dem Wagen gestiegen war, erst recht. Der ganze Wald war ruhig. Keine Grille zirpte, kein Tier war zu vernehmen, kurzum: man hörte gar nichts.

Ich kenne ähnliche Szenen aus Gruselfilmen, es ähnelte zum Beispiel sehr der Atmosphäre aus "Der Kuss des Vampirs" mit Rene Grusso. Vielleicht kennst du den Film, wenn ja, dann wirst du wissen, was ich meine.

Erst musste ich schlucken, doch dann riss ich mich zusammen und erinnerte mich, weshalb ich gekommen war. Schluss mit dem Scheiß!, befahl ich mir. Du lieferst jetzt einfach die Pizzas ab, kassierst dein Geld und machst dich so schnell wie möglich aus dem Staub!

Das klang einleuchtend, also nahm ich die Pizzen vom Beifahrersitz, joggte zur Eingangstür des Schlosses und betätigte die Klingel.

Ich wartete einige Sekunden, dann öffnete mir ein älterer Mann, der Harkenbruck sein musste.

"Ja bitte?", sagte er.

"Ich bringe ihre Pizzen."

"Ah!" Seine Miene hellte sich auf. "Kommen Sie rein!"

Ich zögerte. Sollte ich wirklich da reingehen? Jetzt erst merkte ich, dass mein Herz so hart gegen meine Rippen hämmerte, dass ich befürchten musste, diese würden brechen.

"Junger Mann?" Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen. "Ist alles in Ordnung?"

"Ja", erwiderte ich dem alten Mann und trat, entgegen allen Gefühlen, die große Eingangshalle.

"Ich muss mein Geld holen", erklärte er mir, "gehen Sie solange dort hinein!" Er schob mich in einen dunklen, fensterlosen Raum.

Ich drehte mich um, um zu fragen, was das sollte, doch da knallte schon die Tür zu und ich hörte, wie ein Schlüssel umgedreht wurde. Während sich Harkenbruck entfernte, vernahm ich, wie er irre kicherte.

Ich sah mich um, konnte aber nichts erkennen, da völlige Finsternis herrschte.

"Haben sie dich auch erwischt, Kumpel?", sagte eine Stimme.

Ich erschrak. "Wer ist da?", fragte ich.

"Gestatten, mein Name ich Michael Dechand." Plötzlich stand ein Mann vor mir und hielt mir seine Hand hin.

Ich ergriff sie und stellte mich ebenfalls vor. "Jan Karrak."

"Sehr angenehm." Der Mann war ein wahrlicher Kleiderschrank. Er war ca. 2 m groß und wog locker 130 kg. Der Aufschrift seines T-Shirts konnte ich entnehmen, dass er bei "Pizza Papa" arbeitete, unserem größten Konkurrenten unter den Pizza-Services.

"Was haben die mit uns vor?", fragte ich ihn.

"Ich habe nicht die geringste Ahnung. Seit 2 Stunden hält der mich hier gefangen."

Dann, ganz plötzlich, wurde der Schlüssel wieder herumgedreht und eine Frau betrat den Raum, gefolgt von Harkenbruck. Nach einer Weile erkannte ich die Frau. Es war Hamburgs stellvertretende Bürgermeisterin. Sie musterte mich, dann sah sie Michael an.

Was wollen die von uns?, dachte ich.

"Wir nehmen den da", sagte sie und zeigte auf Michael. "Der andere ist zu mager!" Während sie das sagte, deutete sie auf mich.

Sie brachten uns beide aus dem Raum. Michael wurde von einigen Männern und Frauen in einen anderen Raum geschleppt, während ich mit Harkenbruck allein im Eingangsportal stehen blieb.

"Jetzt hör mir mal genau zu, mein Junge", sagte er. "Wenn du auch nur ein Wort über uns verlierst, wirst du grausam sterben!" Er zog ein riesengroßes Fleischermesser hinter seinem Rücken hervor. "Und jetzt verschwinde!"

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und stolperte hinaus. Noch während ich zu meinem Renault rannte, hörte ich, wie Michael in Todesangst schrie.

Ich setze mich hinter das Lenkrad meines Wagens und machte mich aus dem Staub.

Nun, Mama, schwöre ich dir erneut, dass jedes einzelne Wort, das ich eben schrieb, wahr ist.

Ich weiß, dass ich eigentlich kein einziges Wort über das, was in jeder Nacht geschah, verlieren sollte, aber ich schreibe es dir trotzdem, da ich möchte, dass du weißt, dass ich nur knapp dem Tod entronnen bin. Außerdem denke ich, dass die Typen diesen Brief nie lesen werden.

Es grüßt dich dein Sohn

Jan

 

Dieser Brief erreichte mich heute Morgen von meinem Sohn Jan. Ich bin zutiefst enttäuscht von ihm. Ich werde mich wohl oder übel mit meinem alten Freund Harkenbruck kontaktieren müssen ... .

E-N-D-E

 

 

Anmerkung: Nur für den Fall, dass die Hamburger stellvertretende Bürgermeisterin dies lesen sollte: die Hamburger stellvertretende Bürgermeisterin in dieser Geschichte ist rein fiktiv, genauso wie die beiden Pizza-Services, die genannt werden, sowie das Schloss Harkenbruck und sein Besitzer.

 

 

 

 

 

 

 


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