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Hässlichkeit

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Langsam neigt sich der Tag seinem Ende zu. Du hast noch eine volle Stunde. Liebevoll streichelst du das Samtgewebe, kuschelst dich noch einmal ein wenig tiefer hinein und dein Verstand bemerkt, dass es langsam Zeit wird. Doch du willst nicht aufstehen. Dieses Spiel dauert nur noch wenige Minuten, bis das Licht erlischt, bis die Sonne hinter dem hohen Berg verschwindet. Du erkennst, dass sich der Spalt in deiner Türe verdunkelt hat. Es beginnen nun die aufregendsten Stunden. Wenn im Zimmer die brennenden Kerzen dem menschlichen Auge nicht mehr ausreichen und vor den Türen sich ein schwarzes Laken über all das Grün gelegt hat, setzt du dich vor den Spiegel, der dir erneut eine lange Zeit abverlangen wird. Erschrocken senkst du für einen kurzen Augenblick dein Haupt und erkennst erneut, dass alles real ist. Viel Farbe und andere Mittelchen legen sich Schicht für Schicht auf deine Haut. Dein gläsernes Bild lacht dich aus und dich erbost, was du da zu hören bekommst. Du verweigerst deinen Drang nach vorübergehender Blindheit und schließt deine Augen nicht. Deine hässliche Fratze in der Öffentlichkeit zu zeigen widerstrebt dir mehr, als alles andere. Du brauchst sehr oft einen neuen Spiegel, denn deine Wut über seine Arbeit zerstörte schon oft deren Dasein. Aber jetzt ist es wieder Nacht und dich drängt dieser innere Schrei hinaus. Du musst dich ihm ergeben. Folge ihm! Höre nicht auf deinen Spiegel, befriedige sein Flehen mit Farbe und wende dich ab. Blind wirst du heute auch nicht mehr. Unmengen an weißer Farbe, deine Augen pechschwarz und deine Lippen purpurrot. Die Schreie aus deinem tiefsten Inneren reißen dich aus deinem Sitz und nur wenig später beginnt der Kampf gegen dein verfluchtes Leben. Diese Schlacht eröffnet deinen Hass gegen all diese Heuchler da draußen, die dich auslachten, verspotteten oder sich von dir abwendeten, wenn sie erkannten, was sie am liebsten nie gesehen. Deine hässliche Fratze. Abschreckend, ekelerregend und doch auch menschlich, irgendwie. Die schwere Tür rastet hinter dir ein und du marschierst über das verdunkelte Treppenhaus hinaus auf eine ruhige Straße. Nur wenige deiner kurzen Schritte später überquerst du den schönen alten Judenfriedhof, den du so magst und wo man dich nur selten verletzte. Ein erholsamer Platz für deine Seele und doch hörst du die Schreie. So laut wie nie, fordern sie dich auf, weiter zu jagen. Alle zu jagen. Einen jeden der sich verdächtig macht. Es ist dir längst gleichgültig geworden, wer dich an deinen Anblick erinnert und auf welche Art dies geschieht. Du unterscheidest schon seit langer Zeit nicht mehr. Eine tödliche Solidarität. Rassenhass kennst du nicht. Du kennst ihn nicht, wie Gnade oder Erbarmen unaussprechliche Fremdwörter für dich sind. Es ist dir gleich, ob es Männer, Frauen oder Kinder sind. Mittlerweile gehören sie alle zu denen, die dem Tod nahe sind, wenn sie dir gegenüberstehen. Die Macht, die diese Schreie über dich haben überwiegt. Ein Heer an Regenwolken zieht übers Land und dich erfreut dies nur zu sehr. Erhoffst du dir doch einen unauffälligen Marsch. Erhoffst du dir doch, keinem Todgeweihten zu begegnen, wie es die letzten Male leider nicht der Fall war. Denn du willst nicht als Instrument dieser schreienden Übermacht tätig werden. Es ist keine Menschenseele auf deinem Lieblingsplatz. Das beruhigt. Nicht ein Lebender unter den Toten. Doch du kannst nicht die ganze Nacht hier draußen auf dem Feld der Verlebten umherirren. Schließlich musst du noch den Schreien aus deinem Innern dienen. Dein Weg führt dich zum großen Tor hinaus und du riechst, dass der Regen kommt. Von weitem vernimmst du Stimmen. Dein Pulsschlag hämmert durch deine Adern, wie ein Hufschmied auf sein glühendes Eisen drischt. Du spürst einen kurzen Stich an deinen Schläfen und ein kleiner Rinnsal läuft dir aus deiner Nase. Die Anspannung zerreist wie so oft die Äderchen. An das Blut und an dieses Gefühl hat sich dein Körper längst gewöhnt. Heute sieht es wieder teuflisch aus, wenn die dünnen Blutspuren auf dem künstlich weißen Untergrund hinabgleiten. Wenig Licht erfüllt deinen Weg und dann bemerkst du die Schritte eines Todgeweihten. Das Hämmern verstärkt sich mehr und mehr. Es ist ein Mann mittleren Alters. Du spürst seine schnellen, starken Schritte über den Asphalt vibrieren. Er ist auf der anderen Straßenseite und wohl noch hundert Meter weit weg. Schneller und schneller werden seine Bewegungen, denn der Regen setzt ein. Im schwachen Schein einer Laterne erkennst du in dem kurzen Augenblick, dass du recht hattest. Der Mann wird wohl seinen vierzigsten Geburtstag nicht mehr erleben. Sein lederner Schuh setzt in eine Pfütze, was ein kurzes und lautes Fluchen gebärt. Seinem eleganten Aussehen nach, wird er wohl gerade auf dem Weg zu einem wichtigen Treffen sein. Er überquert die Straße, er kommt auf deine Straßenseite. Die Stimme schreit dir zu, dass er kommt. Er kommt zu dir, und die Schreie überschlagen sich. Lauter und immer lauter. Er kommt! Er kommt! Er kommt! Sein Kopf hebt sich, als er deine Nähe spürt und dann erstarrt sein Blick, weil er dein zerlaufenes, widerliches Gesicht bemerkt. Sein Blick weicht für eine ganze Sekunde nicht von diesem entsetzlichen verklumpten irgendwas. Nur noch zwei Meter. Die Schreie verwirbeln sich zu einem explosionsartigen Kreischen. Dein Kopf lässt keinen Widerstand zu und du trittst mit voller Wucht in den Unterleib des Mannes. Die Stahlkappe deines Stiefels zertrümmert seine Beckenknochen und noch bevor dir so etwas bewusst werden kann, rammst du ein japanisches Kurzschwert in seinen Nacken. Bis hinab zur Schulter reißt du ihm ein großes Loch in den Körper. All sein warmes Blut strömt auf den gepflasterten Weg und das Regenwasser vermischt sich damit, wie zwei frisch verliebte Menschen beim Liebesspiel miteinander verschmelzen. Sein Lebenssaft befindet sich längst in der Kanalisation als du zu dir kommst und nach der Dusche wieder an deinem Platz vor dem Tisch sitzt, auf welchem noch vor wenigen Stunden dein Spiegel stand.
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