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R U N ! ! !

© 2003 Konz

Es war Freitagmittag. Chris Carter saß an seinem PC. In der rechten unteren Ecke des Monitors klebte ein Bild von Vanessa. Seit knapp einer Woche. Sie waren zwar schon viel länger zusammen, aber wie das in der Liebe so ist, manches ging schnell und anderes dauerte eben seine Zeit. 12.30 Uhr. In einer Stunde würde er Vanessa abholen. Sie wollten ein Stück gehen und dann sehen, was der Tag brachte.

Vielleicht würden sie die Millers besuchen, wo Vanessa ab und zu Babysitten war. Oder ein Eis essen. Oder ins Schwimmbad. Seit einigen Tagen herrschten jeden Tag Temperaturen von über 30 Grad Celsius. Eigentlich nicht besonders für Mitte Juli, aber die Hitze war drückender und schwüler als die Jahre zuvor.

Er betrachtete wieder das Bild. Vanessa war wunderschön. Ein reizendes Lächeln, makellose Haut und langes blondes Haar.

"Chris!". Seine Mutter rief. Er schaltete den Computer aus, stand auf, und während er sein Zimmer verließ, fragte er sich, was es nun schon wieder zu tun gab.

"Geh bitte einkaufen". Er hatte es schon erwartet. Die Einkaufsliste war schon geschrieben, er bekam noch Geld von seiner Mutter und lief dann los, in Richtung Supermarkt. So würde wenigstens die Zeit vergehen.

 

Als er auf das Gelände des Supermarktes einbog, musste er einsehen, dass ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt zum Einkaufen war. Die Parkplätze waren voll. Das störte ihn zwar nicht, aber er wusste, was das zu bedeuten hatte: Der Einkauf würde einige Zeit dauern.

Er warf noch einen Blick auf den Zettel. Das Übliche. Bevor er wieder aufblicken konnte, durchfuhr ein leichter Schmerz seinen Körper. Er prallte auf etwas. Er schaute auf und erkannte seine Freundin.

"Hallo Vanessa!" "Hi Chris!" Sie küssten sich kurz. "Sag bloß, du musst auch einkaufen?" fragte Chris. "Ein paar Kleinigkeiten, dies und das.

Aber dich scheint ja deine Mum geschickt zu haben." Sie deutete auf den Zettel in seiner Hand. Gemeinsam gingen sie in die Markthalle.

Drinnen war es angenehm kühl. Menschen drängten sich durch die Gänge, es tönten Kindergeschrei und Gespräche Erwachsener.

Vanessa und Chris bahnten sich ihren Weg und unterhielten sich ebenfalls miteinander. Sie sahen viele bekannte Gesichter, darunter die Sondersons, welche direkt neben Chris wohnten und Mrs. Miller mit ihren 3 Kindern, die Vanessa nur allzu gut kannte: Der 6 Jahre alte David, seine 2 Jahre jüngere Schwester Ellen und der kleine Ralphie, noch nicht mal ein Jahr alt.

"Der Nachmittag gehört uns, wenn ich den Einkauf erledigt habe. Hast du eine Idee, was wir anstellen könnten?" "Lass uns zu Norman und Mary gehen, vielleicht kommen sie mit ins Schwimmbad." Das hatte er befürchtet. Eigentlich wollte er dieses Wochenende allein mit Vanessa verbringen.

"Weißt du, ich glaube, die beiden kommen auch ganz gut ohne uns zurecht." Damit hatte er mehr Recht als er je zugeben würde. Wenn jemand frisch verliebt war, dann die beiden. Sie kannten sich jetzt gerade mal 2 Wochen und in so einer Phase ist es besser, wenn man sich nicht einmischt und die Dinge ihre Entwicklung nehmen lässt. Er sprach da schließlich aus Erfahrung.

"Ok, dann gehen wir allein, das heißt, wenn wir heute noch aus diesem Supermarkt herauskommen." Sie hatten gerade die Hälfte ihrer Einkäufe erledigt und es war noch immer alles voll drängelnder, schubsender und lärmender Menschen.

Um so seltsamer erschien es, dass das Gebäude fast leer gefegt war, als sie nach über 2 Stunden endlich zur Kasse kamen. Mrs. Gardener, die Kassiererin, grüßte freundlich. Chris kannte sie. Sie wohnte in der gleichen Straße wie er.

"Na Chris, schaffst du die Versorgung fürs Wochenende heran?" Sie lachte. "Ja Mrs. Gardener, so siehts wohl aus." Auch Vanessa zahlte. "Ist es nicht komisch.", sagte sie, "Vor 5 Minuten konnte man hier kaum treten und jetzt sind wir die einzigen, die noch da sind." "Mich darfst du nicht fragen, Vani, ich bin nur eine Kassiererin und fertige unsere Kundschaft ab. Dabei achte ich nie darauf, wer nun gerade noch da war und wer nicht."

Sie sprachen noch ein paar Augenblicke mit Mrs. Gardener, niemand anderes kam an die Kasse.

"So jetzt aber auf zum Schwimmen!", verkündete Chris schließlich. "Schönes Wochenende wünsche ich Ihnen". "Danke, ebenfalls, junger Mann."

Sie traten ins Freie und blieben beim Anblick des Parkplatzes wie angewurzelt stehen. Kein einziges Auto mehr zu sehen. Und keine Menschenseele. Nichts. Gar Nichts. Es sah aus wie an einem Sonntagnachmittag, wenn geschlossen war. Auch der Getränkemarkt gegenüber war verlassen.

Aber nicht nur das. Das ganze Gelände war plötzlich merkwürdig sauber. Als wäre die Stadtreinigung zum Ende der Woche vorbeigekommen und hätte jeden einzelnen Krümel, jeden Papierfetzen und jedes Sandkorn entfernt.

Der Wind fegte über den Beton, aber es gab nichts, was er hätte mitwirbeln können.

"Chris, was ist passiert?" Vanessa hatte die Augen weit aufgerissen und starrte nach vorne. "Ich weiß es auch nicht." Die nächsten 30 Sekunden sprach keiner von beiden. Chris brach schließlich das Schweigen. "Wir verschwinden von hier. Das ist ja unheimlich. Wir schaffen das Zeug zu mir. Unterwegs treffen wir vielleicht jemanden." Sie gingen quer über den riesigen Parkplatz. Gegen ihren Willen, so schien es, liefen sie. Sie mussten sich vergewissern, dass wirklich niemand da war.

Sie traten auf die Straße, Hand in Hand.

Es war niemand zu sehen. "HALLO?!?!?" rief Vanessa lautstark. Chris schrie mit. Sie taten es mehrmals. Nach 2 Minuten gaben sie auf.

Vanessa entriß sich plötzlich Chris‘ Griff und rannte davon. "Wo willst du hin?" "Zurück zum Parkplatz. Dort muss irgend jemand sein..." Ihre Stimme brach. Er rannte hinterher.

Als sie den Parkplatz erreicht hatten, war nichts passiert. Stille. Leere.

"Verdammt, wieso sind wir die einzigen hier? Wo sind die anderen?" schluchzte Vanessa. Chris nahm sie in den Arm. Sie hatte Tränen in den Augen.

Er strich ihr übers Haar. "He...Ist schon in Ordnung, bleib ganz ruhig. Wir gehen jetzt zu mir und reden mit meiner Mutter darüber. Ok?...Sei unbesorgt, es gibt für all das sicher eine logische Erklär..." "AAAAAHHH!"

Vanessa trat zurück. Sie war kreidebleich, ihre Augen traten beinahe aus den Höhlen. Sie erhob die Hand und zeigte nach vorn. Auf die Seitenmauer des Supermarktes. "Oh Gott, sieh dir das an Chris. Das war vorhin noch nicht hier." Chris drehte sich um. Jetzt sah sein Gesicht genau so aus, wie das von Vanessa. An der Mauer stand etwas in riesigen, krakeligen roten Buchstaben:

VERSCHWINDET SOFORT VON HIER !

LAUFT UM EUER LEBEN !

RENNT SO SCHNELL IHR KÖNNT !

Was soll das?, fragte sich Chris. Ehe er es aussprechen konnte, wurde die Stille von einen Quietschen zerrissen.

Es kam von hinten. Ruckartig drehten sich beide um. Da stand ein Auto. Ein großer schwarzer Wagen. Ein Kombi. Das war Chris´ erster Eindruck.

Aber es kein normaler Kombi. Es war ein Leichenwagen. Vanessa blickte auf die Uhr. Was zum Teufel hat ein Leichenwagen um viertel vor 3 nachmittags auf einem Supermarktgelände verloren?

Vanessa wusste es. Ihr schoss ein Gedanke durch den Kopf. Ganz schnell. Und einfach. Makaber, aber einfach.

Dieser Wagen hat sie alle geholt. Die Menschen, die mit ihnen einkaufen waren. Sie sind alle tot und er hat sie geholt. Doch er ist noch nicht fertig. Er soll noch die letzten 2 Besucher holen.

Auf schreckliche Weise wurde ihr Gedanke bestätigt, als sich das Fenster der Vordertür des Wagens öffnete. Dahinter lag völlige Schwärze. Der Lauf eines Gewehrs erschien.

"Kopf runter!" kreischte Chris keinen Moment zu spät. Ein Schuss war zu hören. Der Junge warf sich zur Seite, umfasste seine Freundin und zog sie mit zu sich auf den Boden. Die Patrone bohrte sich mit einem knirschenden Geräusch in die große Glasscheibe der Markthalle, wo sie steckenblieb und ein groteskes Netz aus Rissen hinterließ.

Chris verweilte, über Vanessa gebeugt, auf dem Boden.

Sein rechter Arm und das Knie bluteten. Vanessa war unverletzt. Ihre Hosen waren sauber und unversehrt geblieben. Noch immer war nirgends Schmutz, Abfall oder ähnliches zu sehen. Sie blieben auf dem Boden liegen. Der Leichenwagen hatte sich nicht bewegt.

"Was hat das alles zu bedeuten, Chris?" Vanessas Stimme klang ängstlich und verwirrt.

"Ich weiß auch nicht. Lass uns so schnell wie möglich verschwinden, bei mir zu Hause sind wir in Sicherheit." Das hoffte er zumindest.

"Wir haben nur eine Chance. Wenn ich es sage, stehen wir auf und befolgen den Rat, der hinter uns an die Wand geschmiert ist, ok?" Ein Nicken, gefolgt von weiteren Schluchzern. Chris schaute nach vorn. Die Fensterscheibe des Autos war geschlossen, das Gewehr verschwunden.

Er hatte Angst, etwas zu sagen, wusste nicht, wann der Zeitpunkt zur Flucht sein sollte. Er sortierte seine Gedanken (sofern das möglich war), schaute Vanessa in die Augen, richtete seinen Blick wieder auf den pechschwarzen Leichenwagen, der wie ein König den leeren Parkplatz zu beherrschen schien. Dann sagte er leise, so dass es nur Vanessa hören könnte, wenn noch andere Menschen hier wären: "Jetzt".

Beide richteten sich auf und rannten in Richtung Straße. Erst nach einigen Metern registrierten sie, dass der Wagen ihnen folgte.

Er hatte sie schon beinahe erreicht und war kurz davor, sie zu überfahren, als sie auf die Straße gelangten und weiter nach rechts liefen, mitten auf der Straße, mit dem Haus der Carters als Ziel vor ihren Augen.

Sehr geräuschvoll bremste das Gefährt hinter ihnen ab und kam kurz bevor es auf die Straße gerast wäre, zum Stehen. All das war für Vanessa und Chris natürlich von geringem Interesse. Sie rannten immer weiter die Straße entlang und nachdem sie zweimal links abgebogen waren, erreichten sie das Viertel, in dem beide wohnten.

Schließlich erreichten sie die Witcham Street. Sie passierten Vanessas Haus, dann das Gardeneranwesen, das der Sondersons, daran schloß sich Chris‘ Haus an. Dahinter wohnten Millers.

Die Einfahrt war leer. Seine Mutter war also nicht da. Er ging ins Haus, Vanessa wartete draußen. "Geh vor und frag deine Mum, ob sie weiß, was im Supermarkt passiert ist. Ich seh mich in der Zwischenzeit in unserem Haus um." Vanessa rannte wieder die Straße hinab.

Chris betrat den Flur, ging in die Küche und stellte die Einkäufe ab.

Keine Zettel.

Seine Mutter hatte ihm keine Nachricht hinterlassen. Merkwürdig. Das tat sie immer.

Er ging ins Wohnzimmer. Als er eintrat, wehte ihm kalte Luft entgegen. Er blickte sich um. Die Gardinen des großen Fensters wehten nach innen, obwohl alles geschlossen war.

Er tat einen Schritt nach vorn und hörte ein Knirschen unter seinem Schuh. Glas. Die Gardine wehte weit nach innen und gab den Blick auf das Fenster frei. Zersplittert. Die Scheibe war zertrümmert wurden und Splitter waren auf dem Teppich verteilt.

Er suchte das Zimmer nach dem Objekt ab, was die Scheibe zerstört hatte. Ein Stein. Oder Ähnliches. Nichts zu finden.

"Mum? Bist du im Haus? Melde dich bitte, wenn du mich hörst! Hallo?"

Nachdem er das Haus durchstreift und vergeblich nach seiner Mutter gesucht hatte, ging er zurück ins Wohnzimmer und griff zum Telefonhörer. Wählte. Und stöhnte.

Die Leitung war tot. Warum ist die Leitung tot?

Er lief hinaus, die Einfahrt entlang und aufs Nachbargrundstück. Eine kleine Treppe führte zur Eingangstür. Über dem Klingelknopf war ein goldenes Schild mit schwarzen eingravierten Buchstaben angebracht.

Sonderson P. & M.

Er klingelte. Nach kurzem Warten öffnete Mr. Sonderson. Peter war sein Vorname.

"Hi Mr. Sonderson, entschuldigen Sie die Störung, aber ich würde gern wissen ob Sie mir sagen können wo, meine Mutter ist." "Nein, Chris, das weiß ich nicht. Ich kann dir nur sagen, dass sie sicher nicht einkaufen ist, denn das hast du ja schon getan." Er lächelte. Das brachte ihm die Ereignisse von vor knapp 10 Minuten wieder ins Gedächtnis. Sollte er Mr. Sonderson darauf ansprechen? Er rang sich durch und formulierte es so, das keine Probleme aufkommen dürften: "Sie waren mit Ihrer Frau auch im Supermarkt. Ist Ihnen irgend etwas Sonderbares aufgefallen, bevor Sie zurückgefahren sind?" "Nein, wieso?" "Vergessen Sies, ist nicht wichtig. Könnte ich kurz ihr Telefon benutzen?" "Natürlich."

Doch dazu kam es nicht. Im Flur trafen beide auf Mrs. Sonderson. Sie verkündete, dass ihr Telefon ebenfalls defekt sei. "Aber Marie, bevor wir einkaufen waren, funktionierte es doch noch." "Keine Ahnung, Liebling."

Chris warf alle Zweifel ab. "Wissen Sie", sagte er, "Unser Apparat ist auch kaputt und ich würde gern wissen wo meine Mum ist, aber da jetzt wahrscheinlich niemand erreichbar ist, kann ich ja mit Ihnen darüber sprechen. Als ich und Vanessa heute aus dem Markt kamen, da war dort alles still. Stimmung wie auf dem Friedhof. Und dann tauchte auch noch ein schwarzer Wagen auf und er.."

"CCCHHHHRRRRRRRIIIIIISSSS ! ! !"

Vanessas Schrei durchschnitt ihre Unterhaltung. Er drehte sich nach rechts. Sie kam weinend die Straße hoch gelaufen, am ganzen Körper rot beschmiert.

"Was ist?"

"SCHLIEßEN SIE DIE TÜR, BEVOR ES ZU SPÄT IST!", kreischte sie.

"Warum?" fragten Mr. Sonderson und Chris zugleich. Als Antwort ertönten Schüsse.

"Duck dich!" Es war Peters Stimme. Er gehorchte sofort. Nur schien es Mr. Sonderson selbst nicht mehr zu schaffen. Er wurde nach hinten geworfen, schrie und taumelte in den Flur seines Hauses zurück. Blut spritzte an die Tür. Marie Sonderson warf sich auf den Boden, genau wie Vanessa. Chris Augen starrten auf die Straße.

Der schwarze Leichenwagen war wieder da. Und derjenige der am Steuer saß, hatte soeben Chris‘ Nachbar erschossen.

Der Wagen rollte langsam vorwärts. Unmittelbar auf Vanessa zu, die auf der Straße lag. Geistesgegenwärtig sprang sie auf, lief die Treppe empor und fiel Chris in die Arme.

"Kommt sofort rein!" stammelte Mrs. Sonderson.

Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Sie krochen über den Leichnam von Maries Mann ins Haus. Chris schaute zurück. Ein großes Loch klaffte in Mr. Sondersons Brust. Linke Seite. Es blutete stark. Zu spät. Er war tot.

In der Küche saßen sie jetzt zu dritt: Ein geschockter, verwirrter Chris, eine heulende Marie Sonderson, gerade zur Witwe geworden und Vanessa, ruhig, schluchzend, völlig am Boden zerstört und an Hosen, T – Shirt und Händen mit Blut beschmiert.

Chris fand seine Stimme wieder. "Vanessa, wo um Himmels Willen kommt das Blut her?" Sie sackte zusammen. Er nahm sie in den Arm.

"V-v-von meiner Mum. Sie ist t-tot, Chris. Als ich in unsere Küche kam, l-l-a-ag sie am Boden, daneben ein großes Fleischmesser."

"Oh mein Gott." Chris rannte in Richtung Toilette. Ein Würgen. Darauf folgte die Spülung.

Er kam zurück. Vanessa erzählte weiter. "Jemand hat sie einfach abgestochen."

Er kam sich blöd vor, als er diese Frage stellte, aber er konnte nicht anders. "Funktioniert euer Telefon?" Sie schüttelte mit dem Kopf. Nein. Welche Überraschung.

Er sprach sich kurz mit Vanessa ab. Marie blickte fragend auf. Dann entschlossen sie sich, ihr zu erzählen ,was sie am Supermarkt erlebt hatten. Das verbesserte nicht ihren Zustand, aber in Anbetracht der Situation, hielten sie es für richtig, sie einzuweihen.

Als sie ihr alles erzählt hatten, machte sie noch immer einen sehr passiven Eindruck. Sie wiederholte nur ständig die Worte: "Und was sollen wir jetzt tun? Was machen wir jetzt? Wir müssen doch was unternehmen!"

Chris überlegte. "Was auch weiter passieren wird, wir müssen um jeden Preis zusammen bleiben. Und wir sollten die Nachbarn informieren. Vielleicht erfahren wir dann mehr. Fühlt ihr euch in der Lage dazu, hinaus zu gehen?" Beide nickten. Also verließen sie das Haus. Zuerst Chris, dann Vanessa und Marie Sonderson als Letzte. Sie verweilte noch einmal bei ihrem Mann. "Wir dürfen ihn hier nicht so liegen lassen". "Wir kümmern uns darum, versprochen", antwortete Chris, obwohl er momentan nicht wusste, was sie mit Peters Leiche tun sollten.

Zuerst klingelten sie bei Gardeners, nachdem sie sichergestellt hatten, dass keine Gefahr mehr durch den schwarzen Leichenwagen oder ähnliches drohte. Niemand öffnete. Sie wird doch nicht wirklich noch im Supermarkt sein?

Als sie weitere 5 Minuten Sturm geklingelt hatten, sagte Vanessa: "Sollen wir uns Eintritt verschaffen? Das ist strafbar, ich weiß, aber unter diesen Umständen..."

"Wir gehen rüber zu Mrs. Miller. Sie wird da sein, ganz sicher. Hier können wir später noch nachsehen." Beide Frauen nickten.

Sie wollten kehrtmachen, als Mrs. Gardeners Sohn Jimmy mit dem Rad kam. Er war so alt wie Chris und Vanessa, ging allerdings in eine andere Schule.

"He, was ist denn hier los?" fragte er, stieg ab und parkte sein Rad an der Hauswand.

"Wo ist deine Mutter?" fragte Marie sehr gereizt. "Die ist arbeiten, müsste aber jeden Moment da sein. Im Einkaufszentrum ist sowieso kein Mensch mehr."

"Das wissen wir selbst", herrschte Vanessa ihn an. Auf die Frage warum sie so grob sei, ließ sie gleich eine Entschuldigung folgen und erzählte ihm noch einmal alles, was bis jetzt geschehen war.

"Heilige Scheiße!...Oh...Verzeihung. Mein Beileid, Mrs. Sonderson." "Das kannst du dir sonstwo hinstecken."

Chris beruhigte sie und konnte sie überzeugen, das Streit jetzt fehl am Platz sei. "Wir gehen jetzt zu Millers. Und zwar alle."

Sie standen in folgender Reihenfolge im Vorgarten der Millers: Chris, der klingelte, danach Vanessa, welche sich nervös in ihrem Haar herumspielte, Mrs. Sonderson und zum Schluss Jimmy Gardener.

Nachdem er zweimal geläutet hatte, tat sich vor Chris die Tür auf und der älteste Sohn, David, stand vor ihnen.

"Hallo Dave, können wir bitte deine Mutter sprechen?" Davids Augen schauten neugierig auf die kleine Gruppe von Menschen. Sein schwarzes Haar hing ihm ins Gesicht.

In der linken Hand hielt er eine Fernbedienung. "Sie schläft. Soll ich sie wecken?" "Ja tu das bitte, es ist äußerst wichtig" flüsterte Vanessa.

Der Kleine drehte sich um, lief eine Treppe hinauf und man hörte wie eine Tür geöffnet wurde.

Ruhe.

Nach 2 oder mehr Minuten (Zeit spielte keine Rolle mehr und außerdem hatten die 4 Menschen vor der Tür inzwischen jedes Zeitgefühl verloren) kam Kirsten Miller die Treppe herunter. Sie rieb sich die Augen. Sie war bekleidet mit einer verwaschenen Jeans und einem gelben einfachen Shirt, auf das ein schwarzes Smiley gedruckt war.

"Was gibt’s?" Diesmal sprach Marie Sonderson: Kirstie, mein Mann ist tot, genau wie Vanessas Mutter. Und die Mutter von Chris ist verschwunden, genau wie Helen Gardener."

"Aber Helen war doch vorhin noch an der Kasse, als ich einkaufen war." Sie schien nicht registriert zu haben, dass 2 Menschen getötet wurden. Erst als sie Vanessa sah und das Blut auf ihrer Kleidung bemerkte, stotterte sie: "W-W-W-Wer ist tot?"

Marie wiederholte die Namen und erzählte außerdem den Rest der Ereignisse.

"Sie haben die Schüsse nicht gehört? Und meine Mutter hat auch nicht geschrien?" fragte Vanessa. "Ich habe mit den beiden Kleinen oben geschlafen und David hat fern gesehen. Er dreht den Apparat immer so laut. Man stelle sich vor...Ich habe 3 Kinder im Haus und hier kommt so ein Verrückter....und...." Sie brach fast in Tränen aus.

Sie konnte ihnen also nicht weiterhelfen.

Sie rief ihren ältesten Sohn. Als er an die Tür kam ,fragte sie, ob er mitbekommen hätte, ob etwas Besonderes geschehen sei, während sie geschlafen hat. Sie rang sichtlich nach Fassung. "Nein, Mommy." "Ist gut, Danke, geh wieder fernsehen."

"Mein Gott, der Junge sieht viel zu viel fern, aber was soll ich jetzt mit ihm tun, es ist doch falsch ihn einzuweihen.".

Chris unterbrach sie. "Könnten wir vielleicht alle zu Ihnen ins Haus? Hier sind wir sicher, glaube ich."

"Natürlich, kommen sie nur herein."

Sie suchten sich alle einen Platz im Wohnzimmer, wo der Fernseher lief.

Chris nahm Vanessa in den Arm. Kirsten kümmerte sich um Marie und Jimmy erklärte sich dazu bereit, David abzulenken.

"Was schaust du denn gerade?", fragte er ihn. Die Antwort kam prompt. "Die Power Rangers auf SDV – TV."

Die schniefende Mrs. Sonderson sagte plötzlich: "Dieser Sender??? Ich will Ihnen ja nicht in die Erziehung Ihrer Kinder reinreden, aber ist das das Richtige für David? Es weiß zwar niemand, was SDV heißt, aber wenn ich mir das Programm ansehe was dort gesendet wird, kann ich es Ihnen sagen: SEX, DRUGS and VIOLENCE."

Chris wollte gerade fragen, ob das Telefon der Millers in Ordnung wäre, als dieses läutete. Kirsten hob den Hörer ab. "Ja bitte?" Ihre Hand verkrampfte sich um den Hörer. Sie wurde blaß und ihre Augen weiteten sich. Alle schauten zu ihr hinüber. Sie wollte schreien, brachte aber kein Wort hinaus.

Die Gesichter der anderen schauten fragend zu ihr. Mit der freien Hand drückte sie den Knopf für den Lautsprecher. Eine tiefe, männliche, anschwellende Stimme sprach:

"RENNT WEG.VERSCHWINDET VON HIER.LAUFT, WENN EUCH EUER LEBEN LIEB IST."

Marie wurde von neuen Weinkrämpfen gepackt. Vanessa rannte ins Badezimmer der Millers. Chris folgte ihr. Er flüsterte Jimmy zu: "Schaff den Jungen weg von hier. In sein Zimmer oder was weiß ich. Frag seine Mutter. Und beruhige Marie. Schaffst du das? Ich muss mich um Vani kümmern." Der Junge nickte unsicher.

Chris wandte sich ab und ging hinter Vanessa ins Badezimmer und schloß die Tür.

Sie stand am Waschbecken und versuchte, das Blut ihrer Mutter von Händen und Sachen zu spülen. Es war stellenweise getrocknet und hinterließ häßliche braune Flecken. Er umarmte ihre Taille von hinten. "He, wie geht es dir?" Sie drehte sich um, warf sich an seinen Hals und ließ Tränen laufen.

"Scheiße, verdammt, meine Mutter ist tot. Du bist hier der Einzige, den ich noch habe!".

"Dein Dad?" fragte Chris zaghaft.

"Dieser Idiot wird sich hier garantiert nicht blicken lassen. Er wird weiter monatlich Geld an mich überweisen, wie er es die letzten 8 Jahre getan hat, aber das wird Mum auch nicht wieder lebendig machen."

"Bist du dir da sicher...Ich meine...diese Situation ist nicht gerade so wie in den letzten 8 Jahren."

Sie schlug ihn mit der geballten Faust. "Was weißt du schon".

"Entschuldige." Er küsste sie auf die Stirn. Umarmte sie ganz fest. "Es tut mir ja leid, dir das sagen zu müssen, aber im Moment können wir nur warten. Am besten auf Helen Gardener."

"Du meinst die Frau, die wir heute zuletzt gesehen haben, bevor dieser Horror begann?"

"Ja, genau. Sie wird uns mehr sagen. Ich kann den Gedanken nicht verwerfen, dass das alles mit dem Supermarkt zu tun hat. Dort hatte es seinen Anfang und vielleicht müssen wir nur dorthin zurück, um es herauszufinden."

"Nein Chris. Alles, nur das nicht."

"Bist du Ok? Können wir wieder zu den Anderen gehen?" "Ja. Ich glaube schon."

Als sie zurückkamen, lag Marie Sonderson auf der Couch der Millers und schlief. Kirsten hatte ihr eine Schlaftablette gegeben. Jimmy saß mit David vor dem Fernseher und Kirsten in einem Sessel, Ralph auf dem Arm, die kleine Ellen krabbelte auf dem Fußboden um ihre Füße herum.

Chris schaute auf die Uhr im Wohnzimmer der Millers. 15:38 Uhr.

Vor einer Stunde hatte er noch an der Kasse gestanden und mit Jimmys Mutter gescherzt.

"Wann kommt ihr Mann nach Hause?" Chris bohrte seine Augen in die von Kirsten.

"Meist um kurz nach 6, spätestens halb sieben. Oft nur einige Minuten nach Helen, wenn sie Nachmittagsschicht hat."

Er schlug mit der Faust auf den Tisch. "Dann kommen hier also in frühestens zweieinhalb Stunden die nächsten Menschen her. Ich nehme an, ihr Telefon ist defekt, Kirsten?" Sie nickte zustimmend.

"Aber im Supermarkt ist kein Mensch mehr, wo bleibt dann Jimmys Mutter?" fragte Vanessa.

Keiner konnte ihr eine Antwort geben. Der Raum war plötzlich still. Schweigen.

Diesmal wurde es von Ellen unterbrochen: "Mami, warum schläft Mrs. Sonderson? Ist sie krank? Und warum sind so viele Nachbarn da? Und warum ist die Hose von V-V-V-Vanessa so dreckig?"

"Ist gut Liebling. Mrs. Sonderson ist nur müde. Vanessa ist hingefallen. Und die Anderen wollten uns nur besuchen und sehen, was du schon für ein hübsches Mädchen geworden bist."

Es war noch nicht genug. Jetzt fing Ralph auch noch an zu schreien. Kirsten brachte ihn weg.

Meine Mutter schoß es Chris durch den Kopf. Wo blieb seine Mutter und wohin war sie überhaupt verschwunden? Sie war verschwunden genau wie Helen und alle anderen Leute, die im Supermarkt waren.

Draußen ertönte das Geräusch eines Automotors. Ein Hupen ertönte. Die Augen von Ellen Miller strahlten. "Daddy".

In Windeseile war sie aus dem Wohnzimmer verschwunden. "Ich dachte, ihr Mann kommt erst gegen 6?" Chris wurde stutzig.

"Das ist nicht Mr. Miller", entgegnete Jimmy, der nahe am Fenster saß, "es sei denn er fährt seit neuestem einen schwarzen Kombi...".

"STOP!" schrien Vanessa und Chris im gleichen Augenblick.

Ellen war inzwischen auf dem Bürgersteig angelangt. Der schwarze Leichenwagen näherte sich.

Chris riss die Tür auf. "Komm zurück, Ellen, das ist nicht dein Daddy!"

Doch sie schien nicht zu verstehen oder hörte ihn nicht. Langsam drehte sie ihren Kopf weg von der Straße in Richtung Haus. Ihre blonden Locken wehten im Wind.

"Komm zu mir, Ellen, Tante Vanessa hat ein Geschenk für dich". Das würde sie zurückbringen. Aber war sie auch schnell genug? Inzwischen waren auch die restlichen neuen Bewohner des Hauses nach draußen gestürmt. Jetzt befanden sich alle auf einer Höhe.

Der schwarze Wagen, Ellen, Vanessa und Chris, dahinter die restlichen Bewohner der Witcham Street.

Die Scheibe glitt hinab. Wieder der Gewehrlauf. Alle bis auf Ellen standen steif in der Einfahrt und konnten sich nicht bewegen. Sie blickte unentschlossen hin und her, drehte sich und wollte zurück rennen, als ein Schuss ertönte. Ein Pfeifen ging durch die Luft.

Ellen strauchelte. Sie war über ihre eigenen Füße gefallen und stolperte. Langsam fiel sie nach vorn. Noch bevor sie auf dem Asphalt landete, fegte das Geschoss über den Punkt, wo sich eben noch ihr Kopf befand und bohrte sich in eine Zaunslatte des Nachbargrundstücks.

Holz splitterte. Überreste des Pfahls erhoben sich in den blauen Nachmittagshimmel.

Kirsten drängte sich vor und griff das Mädchen. Mit dem Kind auf dem Arm rannte sie ins Haus zurück und erklärte David, dass er ebenfalls mitkommen sollte. Dieser erkannte, dass es draußen zu gefährlich für ihn wurde und befolgte die Weisung seiner Mutter.

Jetzt waren nur noch die 3 Jugendlichen draußen und sahen zu, wie der Gewehrlauf zurückgezogen wurde. Sie atmeten auf. Der Wagen fuhr einige Meter und hielt erneut.

Dann wurde eine andere Waffe herausgestreckt. Eine Pistole, so schien es, mit einem kurzen Lauf von ungefähr 7 –8 cm Durchmesser.

Jimmy Gardener erkannte zuerst, dass es sich um eine Leuchtpistole handelte und entkam aus seiner Starre. "Alle aus dem Haus raus, schnell!"

Kaum hatte er das gerufen, ertönte ein FLOPP und eine leuchtende Feuerkugel stürmte aus dem Lauf direkt auf das Wohnzimmerfenster des Millerhauses zu. Sie zerfetzte die Scheibe und setzte die Gardinen in Brand. Es regnete Glassplitter. Drinnen vermischte sich das Brüllen von Ralphie, Ellen und David mit den Rufen einer hysterischen Mutter, die versuchte, Marie Sonderson zu wecken.

Eine zweite Kugel wurde abgefeuert. Die gleiche Richtung. Sie flog durch das zerstörte Fenster ins Haus. Es roch nach verbranntem Stoff.

"Kommt rein und helft mir, wir müssen Marie raus tragen."

Jimmy, Vanessa und Chris rannten zurück. Rauch schlug ihnen im Flur entgegen. Inzwischen feuerte der Verrückte von draußen Munition auch in die Räume des zweiten Stocks und in andere Bereiche des ersten.

Vanessa nahm Ralph, Jimmy schnappte sich David, während Kirsten ihre Tochter noch immer im Arm hielt. Chris lief zum Sofa und versuchte vergeblich, Mrs. Sonderson hoch zu hieven. Jimmy reagierte blitzschnell. Er zog David zu Vanessa, blickte sie fragend an, deutete auf ihn und sie verstand. Sie nahm Davids Hand und folgte mit dem Kleinsten auf dem anderen Arm Kirsten nach draußen.

Chris schaffte es, Marie im Schlaf aufzusetzen und schlang sich ihren linken Arm um seine Schulter. Jimmy stützte sie rechts. Sie verließen mit der immer noch dösenden Frau das Wohnzimmer, schafften es bis zum Flur und mussten verschnaufen. Sie hörten Glas bersten und Holz knacken. Überall breiteten sich Schwelgeruch und Rauch aus. Es ertönten immer wieder FLOPP’s, als der Fahrer draußen neue Leuchtkugeln abfeuerte. Krachend fielen sie ins Haus und verwandelten es in eine Flammenhölle.

Sie waren draußen angelangt, der Fahrer des Leichenwagens feuerte noch immer unablässig.

"Alle rüber zu mir" schrie Chris. Die Gruppe setzte sich in Bewegung. Noch ehe alle sicher im Haus waren, krachten die ersten Balken. Es explodierte Glas. Und es wurde immer heißer.

Das Haus der Millers brannte lichterloh, als Chris und Jimmy die Tür erreichten. Marie stöhnte leise auf. Sie schien zu erwachen. Langsam drehte sich ihr Kopf zwischen den beiden Gesichtern hin und her. Sie begriff nicht. Noch nicht. Mit letzter Kraft schleppten die 2 Jungs die schlaftrunkene Frau in den Flur. Jimmy griff hinter sich, wollte die Tür zuschlagen. Er verfehlte sie, musste den Kopf drehen, um zu überblicken was er tat. Jetzt gelang es. Bevor die Tür zufiel, sah Jimmy, wie die Scheibe des Wagens zuging und dieser davonraste.

Wieder waren alle versammelt. Diesmal in der Küche der Carters. Das hieß, in der Küche von Chris und seiner Mutter, denn der Vater von Chris war tot. Er starb kurz bevor Chris geboren wurde an den Folgen eines sehr frühen Schlaganfalls.

Marie blickte sehr schläfrig in die Runde. Mit blutunterlaufenen Augen musterte sie jeden. "Ich hoffe in diesem Haus (es folgte ein ausgiebiges Gähnen) sind wir endlich sicher."

"Das brennende Haus wird schon bemerkt werden. Es kommt sicher in den nächsten Minuten Hilfe." Chris versuchte, Beruhigung unter die Leute zu bringen.

Kirsten Miller keifte: "Achja und wie sieht die aus? Denkst du etwa unser Freund im schwarzen Friedhofskombi hält dann einen Wasserschlauch zur Tür raus?" Sie war völlig durch den Wind. Jetzt musste sie von Marie getröstet werden.

Chris dachte an die eingeschlagene Fensterscheibe in ihrem Wohnzimmer. Was ging hier vor?

Plötzlich klingelte es. Chris rannte zur Tür. Davor stand Helen Gardener. Ihr Blick machte Chris Angst. "Kommen Sie rein, Jimmy und die anderen sind auch da."

Drinnen wurde Helen eingeweiht. Jedoch war es ein lückenhafter Bericht, da alle so aufgeregt waren.

"Ich bin vom Boss heimgeschickt wurden, weil niemand mehr kam. Der Parkplatz war ihm unheimlich. Da hat er den Laden vorzeitig geschlossen. Es war aber auch zum Gruseln. Völlig leer. Das ganze Gelände." Chris und Vanessa hörten nichts neues. "Sagen Sie, Mrs. Gardener, Ihr Mann ist unterwegs, nicht wahr?", fragte Vanessa. "Ja. Geschäftlich".

"Haben Sie auf dem Weg Polizei oder so gesehen?" "Nein." Damit war alles gesagt.

"Ich war schockiert, weil Kirstens Haus brannte und da habe ich mich weiter umgesehen und erblickte das eure Fenster kaputt sind und außerdem das viele Blut auf der Treppe von Peter und Marie. Wo ist eigentlich Peter?" Ihr Blick ging zu Marie. Diese begann zu schluchzen. Ihr Sohn klärte sie auf: "Wurde getötet. Genau wie Vanessas Mum. Und Mrs. Carter ist verschwunden." Helen warf Vanessa einen Blick zu, der Trauer ausdrücken sollte.

"Aber wenn Peter tot ist, wo ist dann seine Leiche? Die Treppe war leer."

Marie brach zusammen. Sie sackte nach vorn auf den Tisch und fiel ohnmächtig vom Stuhl. "Soll das etwa heißen, man hat Mr. Sonderson verschleppt?" warf Jimmy ein. "Sieht wohl ganz danach aus."

Jimmy und Chris trugen Marie erneut. Ins Schlafzimmer. Sie legten sie auf das noch immer vorhandene Ehebett. Ellen und Ralphie, die, genau wie David, für einen Nachmittag schon viel zu viel erlebt hatten, fanden beide im Chris‘ Bett Platz. David wollte nur Fernsehen. Ablenkung. Jetzt ist sowieso alles egal, dachte Kirsten. Sie wollte nur, das ihr Mann endlich kam. Er würde sie beruhigen, da war sie sich absolut sicher. Brandon war die Ruhe in Person.

David rannte ins Wohnzimmer, Chris hinterher. "He pass auf, hier ist überall Glas verstreut." Er fegte die gröbsten Glasreste mit der Hand weg. Es aufzusaugen wäre sinnlos. Chris schaltete für Dave den Fernseher ein. Er wollte gerade fragen, welchen Kanal er einstellen solle, als ihm auffiel, dass der Fernseher nicht zu laufen schien. Der Bildschirm blieb schwarz. Dann ein leises Summen, welches stetig anschwoll. Es brummte immer lauter. Das Schwarz wurde für den Bruchteil einer Sekunde zu einem grellen Weiß. Es folgte Schwärze.

Dann sprach die gleiche Stimme, welche am Telefon der Millers zu hören war. Gleichzeitig wurde der Text in riesigen weißen Bustaben auf dem schwarzen Hintergrund des Monitors gezeigt.:

"GEHEN SIE AUS DEM HAUS.RAUS ZUR STRAßE.SOFORT.WENN SIE ES NICHT TUN, KÖNNTE ES SEHR UNGEMÜTLICH WERDEN.WIR ERWARTEN SIE."

Er rief die anderen aus der Küche und forderte sie auf, ins Wohnzimmer zu kommen.

Die Botschaft wurde, genau wie am Telefon, ständig wiederholt. Die Worte waren noch immer auf dem Bildschirm zu lesen. Alle starrten fasziniert hin.

Keiner bewegte sich. Jimmy meldete sich zu Wort: "Ihr habt gehört, was er gesagt hat. Sollen wir tun, was er befiehlt?"

"Ja!" antwortete Chris. Aber vorerst gehen nur Jimmy und ich. Ihr wartet hier." "Aber Chris...Wenn du da rausläufst, wirst du vielleicht getötet. Bleib bitte hier bei mir." Vanessa. Konnte er das tun? Sollte er sie wirklich hier allein lassen? Schließlich fand er eine Antwort: "Ich will wissen ,was hier vor sich geht und da draußen wartet eventuell die Lösung . Lass uns nachsehen ok? Wenn alles in Ordnung ist, rufen wir euch. Sollte Gefahr drohen, sind wir sofort wieder hier." Er küsste Vanessa. Beide schienen sich bewusst zu sein, dass es ihr letzter Kuss sein könnte. Beide wollten nicht vom anderen los. Nach einer reichlichen halben Minute trennten sich ihre Lippen. Chris verließ den Raum und wieß Jimmy an, mitzukommen. Jimmy zögerte, gab seiner Mutter ebenfalls einen flüchtigen Kuss und folgte Chris.

Draußen stand der schwarze Leichenwagen. Die Hitze des noch immer brennenden Nachbarhauses schlug ihnen entgegen. Aus einem Megaphon ertönte wieder die Stimme von vorhin, diesmal sehr sanft, geradezu gelassen: "Bleiben Sie ruhig. Es droht keine Gefahr mehr. Lassen Sie uns ausreden. Kommen Sie nur näher. Und rufen Sie die anderen Mitbewohner. Die Kinder dürfen weiter schlafen. Wir werden Ihnen alles erklären und Ihre Fragen gern beantworten."

Die Tür wurde geöffnet und heraus stiegen ein Mann Mitte 50 mit schwarzen Haaren, in denen sich graue Strähnen breitmachten, mit schwarzem Anzug, weiß – rot gestreifter Krawatte und einem Aktenkoffer und ein etwas jüngerer Mann, ähnlich gekleidet, nur ohne Aktenkoffer, dafür mit Broschüren und anderen Zetteln und Blättern in der Hand.

Chris rief nacheinander die Namen der anderen und dass sie heraus kommen sollten.

Kirsten, Helen und Vanessa tauchten auf. Marie schlief noch. Sie bildeten einen Halbkreis, auf den die beiden Männer zuliefen. Der Ältere streckte ihnen nacheinander die Hand entgegen und stellte sich vor. "Ich bin John Smith, Programmleiter und Hauptinhaber des Fernsehsenders SDV – TV. Dürfte Ihnen ein Begriff sein. Und das ist mein Kollege Harry Stone." Während Smith die ganze Zeit über lachte, bemühte sich sein Begleiter um ein Lächeln und scheiterte damit.

"Es tut mir leid wegen der Unannehmlichkeiten, die Ihnen allen bereitet wurden...."

"UNANNEHMLICHKEITEN???", kreischte Kirsten wie eine Furie, "Mein Haus wurde angebrannt und wenn nicht bald etwas passiert, wird es niederbrennen. Meine Tochter wurde beinahe erschossen und wie ich hörte sind zwei meiner Nachbarn tot und eine verschwunden!!! Das nennen Sie UNANNEHMLICHKEITEN?!?!?!?!".

"Beruhigen Sie sich, ich werde alles erklären können. Erinnern Sie sich noch an heute Nachmittag, als Sie im Supermarkt waren? Alle waren Sie zur selben Zeit da, so wie Sie jetzt hier stehen." In dieser Zeit haben wir alle Kunden unter verschiedenen Vorwänden nach Hause geschickt. Gleichzeitig haben wir all Ihre Telefonleitungen unterbrochen. Als nächstes..." Vanessa sprach für ihn weiter, doch war ihr Ton wesentlich agressiver: "....Haben Sie meine Mutter umgebracht, Sie verdammtes Schwein." Sie rannte auf ihn zu, mit erhobenen Händen. Er stieß sie zurück. Chris fing sie auf.

"Was haben Sie mit meiner Mutter angestellt?", fragte er anschließend.

"Oh Ja genau. Hätte ich beinahe vergessen. Harry, öffne die Hintertür. Harry rannte zur Hecktür des Wagens und schloss sie auf. Er zerrte jemanden heraus, eine Frau, an den Händen gefesselt, Packetklebeband war ihr über den Mund gedrückt worden. Es war Veronica Carter, die Mutter von Chris. Harry zog ein Messer aus der Tasche und löste ihre Fesseln. Sie riss sich mit den nun freien Händen das Band vom Mund und rannte zu ihrem Sohn, umarmte ihn, bedeckte ihn mit Küssen. Vanessa kam zu ihnen, alle 3 fassten sich an den Händen. Ebenfalls Hand in Hand standen Helen und Jimmy Gardener da. Nur Kirsten Miller war allein. Stand zwischen ihnen. Weinte.

"Den Schaden für das Haus werden wir Ihnen selbstverständlich ersetzen. Und was Mrs. Sonderson betrifft: Sie wird einen Neuen finden. Es gibt noch mehr Männer auf der Welt."

Schließlich explodierte Helen vor Wut: "Warum haben Sie das alles getan? Wahrscheinlich haben Sie auch mit meinem Chef gesprochen. Er hat mich erst zappeln lassen und dann weggeschickt, damit ich hier mitten ins Geschehen reinplatze, was?"

"Aber nicht doch, Mrs. Gardener. Das war reiner Zufall." Er grinste immer noch. "Und den Zuschauern gefällt es, wenn der Zufall zuschlägt, wie im richtigen Leben. Der Tod deiner Mutter", sagte er mit Blick zu Vanessa, "war das einzige was wir von vornherein festgelegt hatten. Achja und der Wagen natürlich. Aber bis 2 Tage vor Sendestart wusste auch noch keiner, welche Marke, geschweige denn von der Auswahl der Waffen. Unsere pfiffigen Autoren haben sich umgehört, was Zuschauern gefällt und dann spontan entschieden.

"Zuschauer?" fragten alle anwesenden Einwohner der Witcham Street mit Ausnahme von Veronica Carter.

Und stellvertretend für alle trat Chris vor: "Genau. Was meinen sie mit Zuschauern?"

Smith fuhr fort: "Sie alle hier sind sozusagen Versuchskaninchen. Für ein Experiment unseres Senders. Wir stellten uns die Frage: Wie reagieren Menschen auf völlig realistische, nicht gestellte extreme Situationen wie z.B. Gewalt, Mord, Verlust usw. Sie wissen schon. Wer hält in welcher Situation das Meiste aus und und und. Verhaltensforschung könnte man sagen. Und für den Zuschauer bringt es Unterhaltung und später aktives Eingreifen in die Show. Und dem Sender bringt es natürlich Geld. Hier in diesem Koffer sind die ersten Einnahmen durch das neue Konzept. In bar. Die Show erhält den Titel "RUN!!!". Und in Zukunft, das heißt, wenn Sie sich entscheiden weiter zu machen, darf das Publikum mitentscheiden und bestimmen was passieren soll. Alle Häuser und Bereiche der Straße wurden mit versteckten Kameras ausgestattet. Sollte es anders kommen als geplant, nennen wir das Zufall. Und genau solch einen Zufall haben wir heute schon in der Premierenfolge erlebt."

"Wie meinen Sie das?" fragte Vanessa. "Nun", erzählte Smith weiter, "Wer konnte den ahnen, das die kleine Ellen stolpert?"

Fassungslose Gesichter. Smith grinste nur ununterbrochen weiter. Kirsten rannte nach vorn, doch auch sie wurde aufgehalten. Harry war immer zur Stelle, wenn jemand Mr. Smith ans Leder wollte.

"Moment", rief Jimmy, "Sie erwähnten gerade etwas davon, das wir uns entscheiden, weiter zu machen. Was soll das heißen?"

"Also", holte Smith zum dritten Mal aus, "Harry hat Verträge in der Hand. Für alle von Ihnen, außer Ihren Kindern, Mrs. Miller. Und wenn Sie diese unterzeichnen, erklären Sie sich bereit, weiterhin an unserem Projekt teilzunehmen."

Alle schüttelten mit dem Kopf. "Sie sind ja reif für das Irrenhaus", fauchte Vanessa.

Chris hatte noch eine Frage. "Sie sagten, Sie hätten bereits Geld mit uns verdient." "JA, es befindet sich hier in diesem Koffer". Er hielt ihn hoch. Darauf hatte Chris gewartet. "Dann würde ich sagen, dass dieses Geld auch uns gehört." Er sprang auf Smith zu, packte den Aktenkoffer und riss ihn ihm aus den Händen. Er rannte zum Haus der Millers, das noch immer in hohen, lodernden Flammen stand. Er warf den Koffer durch das zerschossene Fenster mitten in die Hitze von Glut und Feuer.

"NEIN!!" Smith warf sich auf den Boden und begann zu heulen.

"Das ist für den Tod von Vanessas Mutter." Er packte ihn am Anzug, zog solange daran, bis ein Reißen zu hören war und zog dann seine Hände auseinander. Immer weiter. Er riss den Anzug in Fetzen. "Und das für Mr. Sondersons Tod." Er zerrte ihn aufrecht. Neben ihm kämpfte Jimmy gegen den Bodyguard Harry. Dann zog Chris John Smith den Gürtel aus der Hose und öffnete sie. Nun stand er nur noch in Hemd und Unterhosen vor ihm.

"Und zu guter Letzt: Das hier kriegst du Arschgesicht dafür, dass du meine Mutter entführt und unser Fenster eingeschlagen hast. Er entfernte die Knöpfe seines Hemdes sorgfältig einen nach dem anderen und warf auch das noch mit seinen anderen Sachen ins Feuer. Dann spuckte er ihm ins Gesicht. John Smith kroch mit hochrotem Gesicht ins Auto zurück.

Harry Stone folgte ihm. Er hatte ein paar Haare lassen müssen, ein Veilchen zierte sein rechtes Auge. An einigen Stellen blutete sein Gesicht.

"Fahren Sie, Stone Sie elender Trottel."

Der Wagen, welcher ihnen soviel Angst bereitet hatte, verließ die Witcham Street.

In einer Hand hielt Jimmy, der von oben bis unten mit Schmutz bedeckt war, die Verträge.

Er spazierte in Richtung des brennenden Hauses und machte alle Kopien zu Nahrung für das Feuer. Die Originale behielt er. Schließlich stellten sich alle in eine Gruppe.

Sie vereinbarten, was als nächstes zu tun sei. Kirsten ging zusammen mit Veronica ins Haus der Carters und kümmerte sich um die Kinder und Marie Sonderson. Helen und ihr Sohn fuhren zum Supermarkt. Sie hatten beschlossen, sich alle bei Gardeners zu treffen und erstmal eine große Mahlzeit einzunehmen. Chris und Vanessa machten sich zu Fuß auf den Weg zur nächsten Telefonzelle und alarmierten die Feuerwehr und die Polizei.

Außerdem informierten sie Verwandte von Vanessa. Später an diesem Nachmittag begab sich Kirsten Miller ebenfalls zu dieser Telefonzelle, um ihre Versicherung anzurufen.

Als die Polizei eingetroffen war, legten die Bewohner den Beamten die Verträge vor. Sie wurden die Ermittlungsgrundlage gegen SDV –TV. Außerdem machte das FBI später den Leichenwagen ausfindig. In ihm befand sich, sogar in einen Sarg gelegt, die Leiche von Peter Sonderson. Wenige Tage später fand man Harry Stone tot in seinem Haus. Er hatte sich an der Deckenlampe seines Wohnzimmers erhängt. Der Fernseher war an. Es lief eine Videokassette mit der ersten Folge von RUN !!!. Fernsehmenschen sind so verrückte Leute.

Die Millers wohnten vorübergehend im Haus von Vanessa. Mrs. Sonderson wollte Vanessa adoptieren. Ihre beiden Söhne waren lange erwachsen und sie bekäme die Tochter, welche sie sich immer gewünscht, aber nie bekommen hatte.

Doch daraus wurde nichts. Vanessa musste zu ihrer Tante und ihrem Onkel ziehen. Das bedeutete Abschied nehmen. Nicht nur von dieser Stadt. Sondern auch von Chris. Er würde sie zwar regelmäßig versuchen, zu besuchen, aber es würde einfach nichts so wie vorher sein. Dafür war die Distanz zu groß. Marie Sonderson verließ die Stadt. Sie wollte einfach nur weg.

Die Millers zogen in ihr ehemaliges Haus ein.

Die Ruine des Hauses indem einst Brandon und Kirsten mir David, Ellen und Ralph lebten, wurde weggerissen. Platz schaffen für Neues.

Und so trat langsam aber sich wieder Normalität ein für die Bewohner der Witcham Street.

 

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