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Dreimannzelt

© 2003 Konz

Jason, Carol und William saßen im Zelt. 23:34 Uhr. Draußen sangen die Grillen ihr Lied, die letzten Vögel zwitscherten. Dann plötzlich Stille. Unheimliche Stille. Sie hatten sich diese Lichtung inmitten des großen Waldes ausgewählt, weil sie hier niemand stören würde. Aber das auf einmal Totenstille einkehren würde, damit hatte keiner gerechnet.

Jason hatte seinen 17. Geburtstag gerade hinter sich, William und Carol waren noch 16.

Jason war groß, kräftig, machte viel Sport und sah gut aus. Das mochte Carol an ihm. Doch er konnte furchtbar oberflächlich, schadenfroh und arrogant sein, wenn er wollte.

William, oder Will, wie ihn alle nannten, war das genaue Gegenteil. Zurückhaltend, schüchtern, unscheinbar. Aber er hatte immer ein offenes Ohr für Carols Probleme. Diese Eigenschaft, genau wie seine Intelligenz und die Ehrlichkeit, suchte sie bei Jason vergeblich.

Sie hatte dieses Zelt – Wochenende organisiert, obwohl sie wusste, dass die beiden sich nur oberflächlich gut verstehen, um endlich eine Entscheidung zu treffen. Sie konnte ihre Gefühle nicht kontrollieren und ständig befand sich ihr Herz im Zwiespalt mit ihrem Kopf, wenn es darum ging, sich für einen der Jungs zu entscheiden. William mit seinen ungeheuer treuen, blauen Augen und den schwarzen, gelockten Haaren die im Kontrast standen zu seiner blassen Haut. Oder doch lieber Jason, kurzes blondes Stoppelhaar und gebräunte Haut?

Sie selbst war sich ihren Reizen durchaus bewusst. Ihr rot schimmerndes, bis über die Schulterblätter reichendes Haar, ihre grünen Augen und die spitze kleine Nase, das alles fanden die Jungs sexy an ihr. Sie wusste, dass beide Interesse für sie hegten: Jason wahrscheinlich nur, um sie ins Bett zu kriegen und um hinterher mit einer neuen Eroberung zu prahlen. Ob sie damit wirklich glücklich werden würde, bezweifelte sie.

William meinte es ernst. Davon war sie fest überzeugt. Sie hatte sein Verhalten ihr gegenüber genauestens beobachtet. Er war so vorsichtig und unsicher, dass er Carol nur noch Leid tat.

Carol hatte vorgeschlagen, das gute alte "Wahrheit oder Tat" – Spiel zu spielen. Sie entschieden durch das Drehen einer großen, bauchigen Weinflasche, die sie vorher geleert hatten, wer an der Reihe war. Für die beiden Jungen war es natürlich nur ein Spaß, aber sie erhoffte sich dadurch, beide noch besser kennenlernen und einschätzen zu können, was ihre Wahl erleichtern sollte.

So musste Jason beispielsweise das Zelt verlassen und 100 Schritte in die Dunkelheit des Waldes wagen, während Carol William auf den Mund küssen sollte.(Dieser Vorgang wurde durch kindisches Feixen von Jason begleitet). William selbst hatte es bis jetzt vielleicht am schlimmsten erwischt. Er brachte es tatsächlich fertig, eine Fliege, die durchs Licht der Taschenlampen angelockt wurde, zu töten und anschließend zu verspeisen. Natürlich kam diese Idee von Jason, der auch heraufbeschworen hatte, das Carol und Will sich küssten.

Jasons Waldlauf, der von Heulen seitens William begleitet wurde, war auf Carols Mist gewachsen.

Niedergeschlagen musste Carol feststellen, dass dies ihre Wahl nur noch erschweren würde.

William bestätigte nur seine Schüchternheit, die Carol manchmal Angst machte, als er bei ihrem Kuss keine Miene verzog. Und Jason präsentierte sich mit dem coolen Gehabe während seines Ausflugs in den Wald und dem albernen Verhalten während des gesamten Spiels von der Seite, die ihr überhaupt nicht zusagte. Doch beide hatten Mut bewiesen. Wie sollte das nur enden? Diese Idee brachte nur noch zusätzliche Sticheleien zwischen William und Jason.

Die Stille, welche anhielt, gab Carol noch einmal die Chance, die beiden Kandidaten intensiv zu beobachten, ohne das sie es nur ahnten.

William saß aufrecht in seinen Schlafsack und blickte nervös durch seine Brillengläser. Er trug ein schwarzes T - Shirt und graue Stoffhosen.

Jason lag, auf die Ellbogen gestützt, auf seinem Schlafsack und präsentierte Carol so ungewollt seinen Körper, den er nur in einem ärmellosen weinroten Hemd mit gelben Rändern und einer blauen ¾ Jeans verbarg.

Carol hatte ein weißes Spaghettiträger –Top an und dazu einen schwarzen Minirock, der fünf cm über ihren Knien endete.

William wälzte sich aus seinem Schlafsack und stand auf, um das Zelt zu verlassen.

"Oh Mann, Will, sag bloß, du musst schon wieder ne Stange Wasser abstellen."

William grinste nur und nickte. Solche Kommentare war er gewöhnt. Normalerweise konterte er mit ein paar schlagkräftigen Weißheiten, die Jason verstummen ließen, doch jetzt machte er sich dazu nicht die Mühe.

Carols Blick wanderte vom leeren Schlafsack links neben sich hinüber zu Jason. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, wie seine Hände über ihre Haut strichen. Sie war ungeheuer neugierig. Aber andererseits verspürte sie auch Angst. Sie hatte mit Ex –Freundinnen von Jason gesprochen. Von denen hatte sie erfahren, das der gut aussehende junge Mann ziemlich brutal werden konnte, wenn man nicht nach seiner Pfeife tanzte.

Steckte hinter diesem schnuckeligen Boy wirklich das Ekelpaket, welches seine Charakterzüge manchmal vermuten ließ?

Das schürte ihr Misstrauen gegenüber Zärtlichkeiten mit ihm.

Bei William war das anders. Er war noch Jungfrau. Carol selbst hatte schon einige Erfahrungen gesammelt. Sie hatte zwar erst einen Partner und daher nicht annähernd soviel Sicherheit wie Jason, doch sie glaubte, dem schüchternen Will vieles zeigen und erleichtern zu können. Wäre da nicht seine unerträgliche Schüchternheit. Bei Jason bereitete ihr der Gedanke, den ersten Schritt zu gehen, Kopfschmerzen. Bei William wäre sie ihn schon längst gegangen, doch sie hatte Angst davor, keine Antwortsignale zu bekommen. Jason könnte sie ausnutzen. Bei Will hatte sie in dieser Hinsicht nichts zu befürchten.

William kam wieder herein. Carol betrachtete seine hageren, weißen Arme, die schlaff von seinem Oberkörper herabhingen. Sie stellte sich vor, wie eine Auseinandersetzung zwischen den beiden "Konkurrenten" ablaufen würde. Ein sehr groteskes Bild entstand. Beide waren sie verknallt in Carol, jeder auf seine Weise, doch keiner würde es vor dem Anderen zugeben.

Sie musste etwas zur Seite rücken, damit Will seinen Platz einnehmen konnte. Es war wirklich sehr eng im Zelt. Sie zitterte, als sie in Jasons Nähe rückte.

Alle 3 hatten sich in ihren Schlafsäcken verkrochen. Schließlich fragte Carol: "Sagt mal, Jungs, findet ihr nicht auch, das ist eine tolle Nacht?"

Die beiden schienen nicht ganz zu verstehen. Sie schaute in fragende Gesichter.

"Wenn wir uns jetzt raus setzen, können wir bestimmt die Sterne beobachten. Was haltet ihr davon? Wie sammeln Holz für ein Feuer. Das wird sicher wunderbar."

Auch wieder nur so ein Test. Wie vertragen die beiden Romantik?

"Gute Idee", warf Jason ein, "Ich gehe und hole das Holz und ihr bereitet eine Feuerstelle vor!" Mit diesen Worten war er verschwunden. Seine Ansichten waren somit zumindest für Carol offensichtlich. Die beiden folgten ihm. Als sie aus dem Zelt kamen, blickten beide wie ferngesteuert in den Himmel. Tatsächlich. Klarer Himmel. Freie Sicht auf die Sterne. Sie wurden auf Geraschel und knackendes Holz hinter ihnen aufmerksam. Jason sammelte fleißig.

Der Wind wehte leicht durch die Bäume und erzeugte ein leises Summen. Staub und Dreck der Lichtung wurden aufgewirbelt. Obwohl es Sommer war und im Zelt eine verhältnismäßig hohe Temperatur herrschte, bekamen Carol und William plötzlich eine Gänsehaut. Das Rascheln und Knacken verstummte. Jason konnte unmöglich schon fertig sein. Carol erflehte im Stillen eine Berührung von Seiten Williams.

Sie hielt es nicht mehr aus. Ergriff die Hand von Will. Instinktiv. Sicherheitshalber. Er schien zu verstehen und erwiderte zaghaft ihren Händedruck.

Diese Stille machte sie unruhig. Noch fester presste sie Williams Hand.

Plötzlich wieder ein Rascheln. Etwas bewegte sich zwischen den Bäumen. Ein großer, schwarzer, schattenhafter Umriss. Er war genau so schnell verschwunden, wie er erschienen war.

Das dichte Blattwerk bewegte sich, Äste wurden zur Seite gedrängt, jemand (oder etwas) sprang heraus auf die Lichtung, direkt vor Carol, die sich in die Arme von William fallen ließ. Dieser reagierte gerade rechtzeitig, stützte sie und torkelte einen Schritt zurück.

Die schwarze Gestalt verwandelte sich.

"Gebt mir eine Axt!" forderte der Schatten sie auf. Beide erschraken beim tiefen Klang der Stimme. Doch im nächsten Moment grinste Carol.

Der geheimnisvolle Fremde trug ein dunkelrotes Oberteil, das erkannte sie jetzt, da er näherkam.

Es war Jason.

"Du hast uns vielleicht einen Schrecken eingejagt!" rief Will leicht verärgert.

"Euch?...Also...Carol hat gelacht, der Einzige, der hier Angst hatte warst du, Vierauge."

Na toll, 100 Punkte für Jason, dachte Carol. Sie betete darum, dass William jetzt etwas krasses entgegenbringen würde, doch vergebens. Er blieb ruhig und sagte nur still: "Du sollst mich nicht so nennen."

Nach einigen Sekunden des Schweigens hielt Carol es für das beste, Jason zur Rede zu stellen.

"Wozu brauchst du eine Axt? Wir haben eine mit, doch aber nur für Notfälle." "Ich schätze, dies ist ein Notfall. Das Holz, was dahinten rumliegt ist kaum oder gar nicht zu gebrauchen. Wir müssen uns frisches besorgen. Es stehen überall kleine Bäume, von denen können wir uns problemlos einige Scheite schlagen, wenn ihr mir das richtige Werkzeug gebt."

Sie liefen alle 3 zum Zelt. In einer Extratasche, die im Vorzelt stand, hatten sie einige Utensilien verstaut, darunter auch eine fast nagelneue Feuerwehrmanns – Axt. Das unterste Drittel des Holzgriffs war rot lackiert. Jason nahm sie an sich.

Sie gingen wieder zurück. Erst Jason mit der Axt in beiden Händen, danach Carol und William bildete das Schlusslicht.

Sie kämpften sich durch niedrige Sträucher und Geäst, stellenweise war der Boden sehr weich.

Nach einigen Minuten hatten sie einen Baum gefunden, den Jason ganz fällte und ihn danach zu kleineren, fürs Lagerfeuer gerechte Teile verarbeitete. Diese Arbeit überließ Will liebend gerne dem Möchtegern – Rambo Jason. Er hatte für solche Dinge kein Geschick. Überhaupt war er handwerklich eine Niete.

Als sie genug Holz zusammen hatten, marschierten sie in Richtung Lichtung. Diesmal anders herum. William ging, mit einem großen Haufen Holz auf den schmächtigen Armen, vornweg. Das Tragen strengte ihn sichtbar an.

Carol lief hinter ihm her, sie hielt die Axt in der rechten Hand. Als Letzter stakste Jason durchs Dickicht, ebenfalls mit einer Ladung Holz vorm Körper, die er auf den Armen trug.

Durch ein heftiges Krachen wurde die Luft zerissen. Donner. Will erschrak natürlich und stolperte. Er fiel nach vorn, das Holz glitt ihm aus den Händen und verteilte sich während seines Sturzes einen knappen Meter vor ihm. Carol hielt inne, schaffte es allerdings nicht mehr, den Füßen des am Boden liegenden William auszuweichen. Sie fiel zur Seite. Direkt in einen Busch hinein. Sie verlor die Axt. Jason konnte sich auf den Füßen halten, lief aber Gefahr, in die Klinge der Axt zu treten, die im Herunterfallen nach oben zeigte.

Als er das Holz wegwarf, um Carol zu helfen, fielen bereits die ersten Regentropfen.

"Alles in Ordnung?" fragte er das Mädchen. "Ja, ich denke schon. Mein Fuß schmerzt. Ich bin umgeknickt, glaube ich." Jason griff ihr unter den Arm, zog sie hoch und stützte sie ab.

Auch William kam auf die Beine. Es begann stärker zu regnen.

Jason tobte plötzlich und schleuderte todbringende Blicke in Will’s Richtung.

"He du verfluchter Penner, kannst du nicht besser aufpassen, wegen dir ist Carol verletzt..."

"Es ist schon ok Jason, lass ihn in Ruhe, er ist gestolpert, er kann nichts dafür..." "Von wegen, das hat er doch extra getan in der Hoffnung, das er sich dann um dich kümmern kann, aber nein, da denkst du verkehrt, Kleiner."

Carol wurde mulmig im Magen. Jetzt spielte Jason sich auf und schnitt auch noch wie aus heiterem Himmel das Thema an, was alle bis jetzt elegant verschwiegen hatten. Sollte Will jetzt kontern und mitziehen, könnte es sehr ungemütlich werden.

Jason brüllte weiter in den immer stärker werdenden Regen.: "Gib doch endlich zu, das du total verknallt in Carol bist. Das sieht ja sogar ein Kleinkind, wie du dich ihr gegenüber gibst. Aber bilde dir nichts darauf ein. So einen Looser wie dich nimmt sie nie im Leben."

William war zurückgewichen, er stand jetzt fast auf der Lichtung. Wieder Donner. Ein Gewitter zog auf.

"Jason, hör auf damit, du machst alles nur noch schlimmer." "Aufhören soll ich? Auf keinen Fall. Jetzt fange ich erstmal richtig an. Na warte!" Er brachte Carol zu einem Baum, an dem sie sich abstützen konnte. Dann rannte er auf William zu. Dieser trat auf die Lichtung, wo jetzt die ersten Blitze am Himmel zu erkennen waren. Er warf sich auf ihn, sie prügelten sich. Der Regen peitschte über ihre sich windenden Körper.

Carol humpelte aus dem Wald.

Als sie auf der Lichtung angekommen war, die jetzt, verbunden mit den Blitzen und Donnergeräuschen sowie dem strömenden Regen wie eine Kampfarena für die beiden Jungs wirkte, hatte Jason William gerade zu Boden gedrückt und versucht mit allen Mitteln, ihn auch dort zu halten.

Will selbst war mittlerweile auch wütend: "Du egoistisches, gefühlskaltes Schwein, denkst du etwa, du bist besser für Carol? Du wirst sie 4 Wochen lang jeden zweiten Tag ficken ,damit du deine Freude hast und hinterher bei deinen sogenannten "Freunden" angeben kannst.

Dann suchst du dir die Nächste. Aber ihre Gefühle interessieren dich keine Minute!"

"Na warte!!!" Jasons Augen waren die eines Wahnsinnigen. Er schlug Will mit voller Wucht in den Bauch. Dessen Gesicht verzerrte sich, sein Körper verkrampfte sich in der Embryo – Haltung. Jason sprintete in Richtung Wald. Er raste an Carol vorbei, die sich langsam auf den am Boden liegenden William zu bewegte. Vorsichtig kniete sie sich hin, strich Will übers nasse Haar und betrachtete sein Gesicht. Undeutlich erkannte sie in der Dunkelheit, das er blutete. Als ein Blitz die Nacht erhellte, sah sie ,wie das viele Blut, das aus seiner Nase und den Mundwinkeln floss, vom Regen weggespült wurde. Um seine linkes Auge, das angeschwollen war, bildete sich ein bläulicher Kranz.

Das Unwetter tobte immer heftiger. Der Regen durchweichte Carols Kleidung, Blitze erfüllten beinahe im Sekundentakt den Himmel, so dass man meinen könnte, es sei hellichter Tag.

Schrammen, Kratzer und Blutergüsse sprenkelten William auf den Armen. Jason hatte ihn wirklich übel zugerichtet.

Sie half ihm aufzustehen. Sie stützen sich gegenseitig und wollten Sicherheit im Zelt suchen.

Ein schriller, monströser Schrei ertönte. Sie hörten schnelle Schritte. Wieder ein Blitz. Beide schauten, humpelnd und aufeinander gestützt in die Richtung, aus der die Schritte kamen.

Jason kam auf sie zu gerannt, den Mund aufgerissen, die Axt über den Kopf erhoben. Er wollte William. Das stand fest. Doch er und Carol taten das Richtige. Sie warfen sich nach rechts auf den Boden, in Richtung Zelt. Jason rannte weiter und fiel auf den nassen Boden, wo sich durch den fallenden Regen bereits Pfützen gebildet hatten.

Will schob Carol ins Zelt und sagte: "Bleib drin, hier bist du in Sicherheit." Ihre Augen waren nass, aber nicht nur vom Regen. "Und was willst du tun?" Er blickte sich im Zelt um. Er erspähte die leere Weinflasche, hob sie auf und sagte: "Ich kümmere mich um Jason!" Die Augen hinter seinen Brillengläsern funkelten.

"Nein!" Carol war verzweifelt. Sie klammerte sich an William. "Bleib hier, bitte!" flehte sie ihn an.

"Wenn ich hierbleibe, wird er uns beide töten. Ich gehe jetzt hinaus und schaffe ihn beiseite, dann steht unserem Glück nichts mehr im Weg."

Carol schluchzte: "Aber genau das Gleiche hat er mit dir vor. Und außerdem: Womit willst du ihm entgegentreten? Er hat unsere Axt!"

William deutete auf die Weinflasche und sprang auf. In diesem Moment wurde die linke Seitenwand des Zeltes von der Axtklinge aufgerissen. Carol wollte Will zurückhalten, doch es war zu spät. Er schmetterte die Flasche gegen das Metall der Axt. Es rieselte Scherben, doch keiner wurde verletzt. Die Axt wurde zurück gezogen. William riss die Wand weiter auseinander, die abgebrochene Weinflasche als Waffe immer vor sich gehalten. Er war draußen und stand Jason gegenüber. Unaufhörlich regnete es, begleitet von ohrenbetäubendem Donner und grellen Blitzen. Die unzähligen Pfützen auf der Lichtung waren zu wenigen kleinen Seen geworden. William stürmte nach vorne und stieß immer wieder die zerstörte Flasche nach vorn, wo das Glas lange, dünne, aber auch kleinere Spitzen bildete. Schließlich verharrte er direkt vor Jason und rammte ihm die Flasche in den Bauch. Sein Gesicht drückte Schmerz und Entsetzen aus. Es sank leicht nach vorn, doch Will dachte nicht ans aufhören. Er verpasste ihm weitere Stöße in den Brustkorb und die Schultern.

Blut rann an seiner Kleidung hinab, der Regen spülte es fort und verwandelte die Seen rund herum langsam in kleine rötlich schimmernde Tümpel.

Jason war stark. Er richtete sich auf und schlug mit der Axt nach vorn. Sie grub sich über dem Ellbogen in Will’s dürren Oberarm. Er schrie. Jason lachte.

Carol beobachtete all das vom Zelt aus. Sie hatte den Insektenschutz geöffnet und steckte den Kopf hinaus. Sie würde hinaus rennen und die beiden abhalten von dem gefährlichen Spiel, das sie spielten, doch ihre Angst war viel zu groß. Sie beobachtete, wie William sich den Arm hielt. Obwohl die Axt den Arm fast durchtrennt hatte, war er noch im Stande dazu, die Flasche weiter zu halten. Jetzt versetzte er Jason einen Stoß damit direkt zwischen seine Beine. Ein Jaulen, welches sogar den Donner übertönte, hallte durch den Wald.

Jason sackte zusammen und schleuderte die Axt nach vorn. Sie riss William den Oberschenkel auf einer Länge von 30 cm auf. Jason landete in Schlamm, der von der Lichtung noch übrig war. Auch Will konnte nicht mehr stehen. Teils, weil er nun eine große Wunde am Bein hatte und zum Anderen, weil der Boden rutschig von aufgeschwemmter Erde war. Seine Arme sackten zu erst nach unten. Er hielt seine Waffe mit beiden Händen krampfhaft fest. Und so kam es, das sich die Zacken aus Glas ungewollt tief in Jasons Rücken bohrten.

Er bemühte sich, aufzustehen, somit wälzte sich Wills Körper von seinem herunter.

Blitze erhellten das Szenario, Carol sah mehr als sie eigentlich sehen wollte.

Ein schmatzendes Geräusch ertönte. Die Flasche steckte noch immer in seinem Rücken, als Jason aufstand, wurde sie heraus gedrückt. Er konnte nicht mehr aufrecht gehen, seine Wirbelsäule war sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Er griff in den Schlamm und suchte nach dem Axtstiel. Nach einigen Versuchen fand er ihn. Er watete umher wie ein Mensch ohne Orientierungssinn.

William zuckte am Boden. Er wollte aufstehen, schaffte es aber nicht. Mit seinem zerstörten Arm konnte er sich nicht aufstützen und das Bein schmerzte so sehr, dass er nicht fähig war, aufzustehen.

Jason sah seine Chance. Er hob die Axt mit der noch verbliebenen Kraft. Sein Körper schmerzte an den verschiedensten Stellen, doch er bemerkte es kaum.

Was Carol sah, ließ nur eine Vermutung zu. Jasons Gehirn hatte seine Motorik nicht mehr unter Kontrolle. Er wusste ganz einfach nicht mehr, was er mit seinen Armen und Beinen anstellte. Während seine Beine durch wahlloses Zucken einen makaberen Tanz im Regen aufführten, zu dem der Donner die musikalische Untermalung zu sein schien, trieben seine Arme die Axt durch zuckende, heftige, nicht gezielte Schläge in Williams Körper.

Mehrmals klaffte sie blutige rissartige Löcher in seinen Rücken. Auch sein Hinterteil war ein gutes Ziel, da er auf dem Bauch lag.

Carol wandte den Blick ab. Es war zu grausam. Was als nächstes geschah, bemerkte sie nur am Geräusch, das ertönte.

Jasons Hände trieben die Axt in Richtung des Kopfes von Will.

Ein Knirschen. Ein knackendes Krachen. Williams Schädel brach.

Triumphal hob Jason die Axt in die Höhe. Carol blickte wieder in seine Richtung.

Die Blitze zuckten immer intensiver über den Himmel.

Plötzlich wurde es noch heller. Ein Blitz schlug in einen Baum nahe der Lichtung ein.

An der Klinge des Werkzeugs, mit dem Jason Will getötet hatte, klebte Gehirnmasse.

Jason trat einige Schritte zurück und lachte laut los.

"Ich habe ihn besiegt, ich habe es geschafft, der Streber ist tot! HA – HA – HA !"

Der Regen peitschte plötzlich doppelt so stark als zuvor vom Himmel. Die Blitze wurden größer.

Jason stand jetzt in einem der Seen aus Regenwasser, die die Lichtung beherrschten.

Ein riesiger Blitz zeriss den Nachthimmel in zwei Hälften entlud sich direkt über der Lichtung, schlug in die Pfütze ein, in welcher Jason stand.

Sein Körper vollführte einen noch viel groteskeren Tanz auf als zuvor. Seine Haare sträubten sich, die Augen wurden aufgerissen. Rote Striemen bildeten sich auf seiner Haut. Es roch verbrannt. Haare schmorten, Rauch stieg von seinem Körper auf. Krachend zerbarst der Axtstiel. Seine Splitter trieben sich in das Fleisch seiner Hand. Die Klinge flog durch die Luft und landete mit einem ekligen Patsch im Schlamm. Der Stoff seiner Jeanshose fraß sich ins Fleisch seiner Schienbeine. Er gab jede Menge unmenschlicher Laute von sich, die Carol nicht einordnen konnte.

Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg ihr in die Nase. Sie torkelte nach draußen und übergab sich.

Jason fiel ins Wasser. Dieses war noch voller Elektrizität und grillte ihn unaufhörlich weiter.

Das ganze Spektakel dauerte noch an die 30 Sekunden.

Als sein Körper nicht mehr zuckte, näherte sich Carol langsam der Stelle, wo ihre beiden Verehrer, kaum 5 Meter voneinander entfernt lagen. Sie war noch unsicher, ob die Wirkung des Blitzes schon völlig verloren gegangen war. Auf Hände und Knie gestützt, watete sie durch den Schlamm. Sie kam zu William oder besser gesagt zu dem, was von ihm übrig war. Es sah aus, als wäre sein Körper eins geworden mit dem Boden. Nur seine Sachen waren noch erkennbar und einige Locken seines schwarzen Haares. Um ihn herum schwamm ein dünnes rotes Gemisch aus Wasser und Blut. Die Bügel seiner Brille waren weg gebrochen. Sie lagen links und rechts von dem, was einmal sein Kopf gewesen war.

Sie kroch weiter, auf Jason zu. Seine Haut war überall grau bis schwarz verkohlt. Seine Augen waren nicht mehr da. Rauch stieg um ihn in den Himmel. Der Regen weichte langsam seinen Körper auf. Fetzten seines Shirts und Fasern seiner Hose lagen um ihn verteilt.

Am schlimmsten war jedoch der stechende Gestank.

Langsam ließ der Donner nach und auch die Blitze zuckten nur noch selten über den Himmel. Doch Regen gab es nach wie vor mehr als genug.

Carol war am ganzen Körper schmutzig. Sie stand auf, zog ihr weißes Oberteil aus, streifte ihren Rock ab. Darunter trug sie nur noch einen Slip. Auch diesen zog sie aus. Nackt legte sie sich zwischen die Leichen ihrer beiden Freunde und schlief ein.

 

E N D E

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