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Die Staffelei


© 2003 by Jake

"Malen sie nur ein Bild pro Tag!"

Die Worte des alten Mannes rissen mich aus meinen Gedanken. Ich war immer noch darüber fasziniert, wie seltsam er war. Oh, Verzeihung, ich vergaß mich vorzustellen, mein Name ist Diana Ann Drykowski und bin leidenschaftliche Malerin. Ich habe niemals etwas großartiges verkauft, ich male nur, weil es mir Freude bereitet. Nun stand ich auf einem Flohmarkt. Ich sah diese Staffelei und wollte sie haben, denn meine Alte ist mir gestern zusammen gebrochen. Nur, der Mann der sie verkaufte schien mir etwas verwirrt. Er verlangte nur einen Dollar. Als ich ihn fragte, wo denn der Haken wäre, lachte er, fast hysterisch, und sagte mir, die Staffelei hätte ihn im Leben schon soviel Gutes getan, nun sei es an der Zeit, das dies jemandem anderes wiederfährt. Ich betrachtete die Staffelei, sie schien in Ordnung.

"Haben sie mich verstanden?", fragte der alte Mann. Ihm schien viel daran zu liegen. "Hören sie, guter Mann.", sagte ich, "wenn ich ein Bild male, brauche ich länger als einen Tag, also machen sie sich mal keine sorgen. Ich weiß zwar nicht, wieso sie möchten, dass ich nur ein Bild pro Tag male, aber mein Rekord liegt bei drei Tage für ein Bild.... und es war noch nicht mal ein Schönes." Verwundert sah er mich an. Jetzt erhellte sein Gesicht und fing wieder an zu lachen, wieder fast hysterisch. Er verstummte wie auf Kommando.

"Gute Frau!", sagte er ruhig, "Diese Staffelei ist keine gewöhnliche. Es ist fast so, als würde die Zeit still stehen wenn sie malen. Sie werden mir das sicherlich jetzt nicht glauben und mich für einen verrückten, alten Mann halten, aber es ist so, wie ich es ihnen sage, sie werden es erleben. Ihr Rekord liegt bei drei Tagen? Mein Rekord liegt bei vier Minuten!"

Ich sah ihn an und runzelte die Stirn. Er sprach immer noch ruhig weiter: "Sie fragten eben nach einen Haken? Nun, so sehr es sie auch verlockt, versprechen sie mir, nur ein Bild pro Tag zu malen."

"Ich verspreche es ihnen.", hörte ich mich sagen und wusste nicht, wieso ich das tat, denn das klang alles so verrückt.

"Gut!", rief der alte Mann fröhlich, "Dann sind wir uns ja einig!"

Und so machte ich den größten Fehler meines Leben und gab ihm einen Dollar.

Das Ganze ist jetzt einen Monat her. Ich erinnre mich, als ich an diesen einen Sonntag vom Flohmarkt nach Hause kam, stellte ich die Staffelei sofort auf . Ich wollte ein Stilleben malen, eine Schale mit Obst, die auf meinen Tisch stand. Es waren kurz nach fünf Uhr am Nachmittag als ich begann, und musste erschrocken an die Worte des alten Mannes denken, als ich abends auf die Uhr schaute. Es war viertel vor acht und das Bild war bereits fertig. Mit weit offenem Mund starrte ich auf das Bild. Ich hatte fünf Tage dafür eingeplant und ich habe nicht mal drei Stunden gebraucht. Aber das war noch nicht mal das Unheimlichste daran, es war die Qualität des Bildes. Es sah mehr wie ein Foto aus, als ein gemaltes Bild. Ich ging näher ran und jetzt konnte man sehen, das dem doch nicht so war, aber es viel kaum auf, so gut hab ich es gemalt. Ich betrachtete die Staffelei und dachte mir, das mir eine prima Kariere als Malerin bevorstehen könnte. Von diesem Zeitpunkt an glaubte ich dem alten Mann jedes Wort, dass er sagte.

Am nächsten morgen klingelte der Wecker um sieben Uhr morgens. Ein erneuter Montag morgen, die Arbeit rief. Ich arbeitete als Kassiererin im Wal-Markt bei mir um die Ecke. Diesen Job gab ich vor drei Wochen auf, aber dazu später. Der Wecker hatte mich aus einen merkwürdigen Traum gerissen. In diesem Traum schlenderte ich wieder über den Flohmarkt und kam an den Stand des alten Mannes vorbei. Die Staffelei war nicht an seinem Stand. An dessen Stelle erblickte ich das Bild, das ich gemalt hatte. Daran war ein gelbes Schild angebracht. In roten Buchstaben, so grell, dass es mir in den Augen brannte, stand groß und breit "UNVERKÄUFLICH!!!" Ich sah den alten Mann an der sagte: "Ich habe nie eines meiner Bilder verkauft, ich konnte es nicht. Sie werden noch sehen wieso. Und vergessen sie nicht, was sie mir versprochen haben."

"Wieso?", fragte ich, "Wieso soll ich nicht mehr als ein Bild pro Tag malen? Was passiert dann?"

Der alte Mann sah mich finster an und sprach, "Ich habe keine Antworten auf diese Fragen, da bin ich so schlau wie sie. Ich habe die Staffelei seit ich fünfunddreißig bin. Ich weiß, die sie sieht bei Weitem noch nicht so alt aus, aber ich denke sie ist wesendlich Älter, als wir beide zusammen. Auch ich habe sie von einem Flohmarkt. Ich kaufte sie von einer alten Dame, so wie sie gestern von mir, für einen Dollar. Auch ihr musste ich das Versprechen geben, nur ein Bild pro Tag zu malen."

Dann klingelte ein Wecker, der zum Verkauf auf seinem Tisch stand. Das Klingeln wurde immer lauter, bis ich bemerkte, das es mein eigener Wecker war, der auf meinem Nachttisch stand und mich zurück in die Realität holte. Ich stand auf und setzte Kaffe auf. Als ich ins Bad wollte, klingelte es an der Tür. Ich fragte mich, wer das sein konnte, denn so früh klingelte es nie bei mir morgens. Meine Familie wohnt in Astoria, Oregon und ich bin mit meinen siebenundzwanzig Jahren immer noch Single, was mich ganz schön nervt. Ich zog mir meinen Morgenmantel über und öffnete die Tür. Niemand war da. Ich ging einen Schritt nach draußen um nach zu sehen, ob ich Jemanden sah und stieß mit meinem Fuß gegen etwas. Als ich keine Menschenseele erblickte, schaute ich nach unten, um zu sehen, wo ich gegen getreten war. Es war eine Schale mit Obst, genau mit der identisch, die auf meinem Tisch stand, und die ich gestern gemalt hatte. Verwundert nahm ich sie vom Boden und ging ins Haus zurück. Ich sah auf den Tisch und da stand noch meine eigene Schüssel mit Obst. Ich verglich die beiden Schüsseln. Alles identisch. Die gleiche Schüssel, in jeder drei Äpfel, zwei Birnen, fünf Pflaumen und vier Pfirsiche. Ich nahm eine der Birnen von der Schale, die vor meiner Haustür stand und roch daran. Ganz normal, wie eine Birne eben. Mir fiel auf, das an dieser Birne der Stiel abgebrochen war. Ich erinnerte mich, als ich am Tag zuvor das Bild malte, das auch einer der Birnen in meiner Schüssel stiellos war. Ich überprüfte es und tatsächlich, es stimmte. Ich verglich die beiden Schüsseln und deren Inhalt. Alles war bis auf das kleinste Detail identisch. Eine Druckstelle eines Apfels, das kleine Schild auf der Unterseite der Schüssel "Made in China", Die Farbe der Früchte, einfach alles. Mein Blick fiel auf die Staffelei. Mir klappte der Unterkiefer runter als mir bewusst wurde, was ich da sah. Auf dem Bild fehlte die Obstschüssel. Alles andere war noch vorhanden aber an der Stelle, an der die Obstschüssel sein sollte, war nur noch ein kahler, weißer Fleck. Ich glitt mit meinem Zeigefinger vorsichtig über das Bild. Ich spürte die Unregelmäßigkeiten der Farbe. Als ich zu der Stelle kam, an der jetzt nur noch ein weißes Etwas in Form einer Obstschüssel war, fühlte ich die nackte Leinwand. Jetzt wurde mir natürlich auch bewusst, wieso ich die Bilder nicht verkaufen könnte. Erstaunt sah ich zu den beiden Schüsseln.

Nachdem ich mich wieder etwas gesammelt hatte, rief ich im Wal-Markt an und meldete mich krank. Ich hätte an diesem Tag sowieso keinen klaren Gedanken fassen können. Ich nahm einen Apfel aus der Schüssel, die vor meiner Tür stand und betrachtete ihn. Ohne zu wissen, was ich da tat, biss ich hinein.

´Was ist, wenn er giftig ist, wie die Farbe, mit dem ich ihn gemalt habe?´ Bei diesem Gedanken hätte ich fast das abgebissene Stück ausgespuckt, aber der Apfel schmeckte hervorragend und verdrückte ihn komplett bis auf den Stiel und das Kerngehäuse. Dann ging ich zur Staffelei und fing wieder an zu malen. Ich malte ein Kleid, dass ich eine Woche zuvor in einem Versandhauskatalog entdeckte. Ich hatte mich so sehr in das Kleid verliebt, aber es war zu teuer, ich konnte es mir nicht leisten. Es war ein schickes, blaues Kleid mit Spitzen. Dann fing ich an die noch jungfräuliche Leinwand mit Farbe Leben einzuhauchen. Anderthalb Stunden später war das Bild fertig. Es war genauso wie mit der Obstschüssel. Auf dem ersten Blick konnte der Betrachter glauben, es würde sich um eine Fotographie handeln. Aber beim näheren Hinsehen konnte man die Pinselstriche erkennen. Dann fiel mir etwas ein. Beim Malen der Schüssel hatte ich einen Hintergrund. Der Tisch, auf dem sie stand war zu erkennen und auch mein Bett. ´Wieso standen diese Gegenstände nicht auch vor meiner Tür?´, fragte ich mich, aber ich kannte die Antwort bereits. Dies waren alles Gegenstände, die nicht wichtig waren. Das Hauptobjekt war die Obstschüssel. Trotzdem wollte ich experimentieren. Das Bild mit dem Kleid hatte keinen Hintergrund, ich malte das Bild und ließ den Rest weiß. Neben dem Bild war noch etwas Platz und ich malte meinen Wecker dorthin. Aber etwas war anders. Der Wecker wirkte nicht so echt wie das Kleid. Man merkte sofort, das er gemalt war. Und dazu sogar noch ziemlich schlecht. Mir wurde klar, was mich am nächsten Morgen erwarten würde. Es würde an meiner Tür klingeln. Ich würde die Tür öffnen und ein blaues Kleid erhalten. Aber keinen Wecker.

Und genauso geschah es. Am nächsten morgen klingelte es tatsächlich. Ich öffnete und es war keine Menschenseele zu sehen. Aber auf dem Verandatisch lag das Kleid. Ein Wecker war nirgends zu sehen. Es verwunderte mich nicht was ich sah, als ich wieder ins Haus ging und das Bild betrachtete. Es war nur noch ein schlecht gemalter Wecker darauf zu erkennen. Kein Kleid.

Als nächstes versuchte ich das, was wohl jeder an meiner Stelle ausprobiert hätte. Ich malte Geld. Der Zwanzig-Dollar-Schein, der vor mir auf dem Tisch lag, wollte sich allerdings nicht so gut malen lassen. Er wirkte wie der Wecker. Ich drehte den Schein um und versuchte es mit der Rückseite, die ich unter meinen ersten Versuch malte. Das Ergebnis war genauso schlecht. Dann nahm ich eine 50-Cent-Münze und malte diese zweimal, von jeder Seite einmal, unter die Geldscheine. Aber auch das gelang nicht so gut. Sie schienen etwas besser getroffen als die Zwanzig-Dollar-Noten, aber sie hatten immer noch nicht das fotoähnliche Aussehen.

In der Nacht träumte ich wieder vom Flohmarkt. Als ich an den Stand des alten Mannes kam fing dieser am mich auszulachen.

"Ja, meine Teuerste, Geld, das hab ich anfangs auch ausprobiert, ich denke darauf fällt jeder anfangs herein! Aber das funktioniert nicht. Genauso wie Aktien, Wertpapiere oder Kreditkarten. Ich habe keine Ahnung wieso. Aber was spielt das für eine Rolle? Geld ist etwas, was sie nie wieder brauchen werden, denn sie haben die Staffelei. Sie können sich alles malen, was sie brauchen"

"Wieso haben sie sie denn dann verkauft? Sie brauchen jetzt wieder Geld."

"Oh nein, das werde ich nicht. Ich werde nie wieder etwas brauchen, denn einen Tag, nachdem sie mir die Staffelei abgekauft haben, habe ich diese Welt verlassen. Auch sie werden eines Tages wissen, wann ihre Zeit kommt. Dann werden auch sie die Staffelei weitergeben. Aber denken sie dran, nur ein Bild pro Tag."

Dann klingelte mein Wecker. Es überraschte mich nicht, dass das Geld nicht von der Leinwand verschwand, ebenso wenig, dass es an diesen Tag auch nicht an der Tür klingelte.

Am selben Tag malte ich mir genug Lebensmittel, die bis zum Ende des Monats reichen sollten. Ich achtete darauf, dass alles im Hauptaugenmerk des Bildes lag, damit auch nichts fehlte. Als es am darauffolgenden Tag klingelte, lagen die Lebensmittel schön säuberlich aufgestapelt vor meiner Tür. Aber das war noch nicht alles. Er standen dort auch neue Farbe und Leinwände.

´Wow, Gratis-Service!´, dachte ich. Darüber hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Was wäre, wenn ich kein Material mehr gehabt hätte? Wie malt man Farbe oder Leinwände? Aber das Thema schien damit auch erledigt zu sein. Ich brachte die Sachen rein. Dabei fiel mir auf, das sogar neue Pinsel dabei waren. Als alles verstaut war ging ich zum Wal-Markt und kündigte meinen Job.

Meine Experimente gingen weiter. Klappt das auch mit lebenden Wesen? Ich malte mir ein Goldfischglas indem ein kleiner Goldfisch schwamm. Am nächsten Tag stand das Glas vor meiner Tür, aber der Goldfisch war tot. Ich malte einen Hamster im Käfig, Das Ergebnis war ein Käfig mit einem toter Hamster als Inhalt am nächsten Morgen vor meiner Haustür.

´Okay, das hat der Alte mir aber nicht erzählt.´, dachte ich. Vielleicht hatte er es noch nie ausprobiert? Ich weiß es bis heute nicht.

Ich fragte mich so langsam, wer mir die Sachen brachte, und woher sie stammten. Also entschloss ich mich dafür, mal das Ganze zu beobachten. Es gab keine feste Zeiten für diese "Lieferungen.", sie kamen mal vormittags, mal Mittags, aber nie später als nachmittags. Ich versteckte mich hinter den Baum, der in meinem Garten stand und wartete. Doch ich wartete vergebens. Niemand kam und brachte mir den Computer, den ich am Tag zuvor malte und eigentlich bekommen sollte. So ging ich abends wieder ins Haus zurück. Zehn Minuten später klingelte es an meiner Haustür.

Gestern aber dann, machte ich den entscheidenden Fehler. Ich malte zwei Bilder an einem Tag. Als erstes malte ich mir neue Schuhe, die ich bei einem Schaufensterbummel entdeckte. Als ich mir das Mittagessen machen wollte fiel mir auf, dass ich die letzte Tiefkühlpizza nahm, dann war mein Kühlschrank leer.

´Wie kann man nur so blöd sein. Was sollst du jetzt morgen essen?´, dachte ich mir. Ich starrte auf das Bild mit den Schuhen. Es war kein Platz mehr für neue Lebensmittel. Wenn ich neue haben wollte, müsste ich ein neues Bild anfangen. Geld war auch keins mehr da, ich hatte alles in einer Spielhalle verprasst.

´Hättest dir mal lieber was aufsparen sollen für so was.´, tadelte ich mich selbst im Gedanken. ´Na ja, vielleicht kann ich mir bei Alfredos Pizza was anschreiben lassen.´

Aber dann überkam mich die Neugier. Was würde denn passieren, wenn ich ein zweites Bild male? Verliert die Staffelei seine Kraft? Ich stellte eine leere Leinwand auf. Eine halbe Stunde starrte ich sie gebannt an. ´Sie wird nicht mehr funktionieren.´, dachte ich und war drauf und dran wieder zur Vernunft zu kommen.

Ich setzte mich in mein Sessel und grübelte.

´Was machst du hier eigentlich? Was geschieht hier?´ Ich dachte an das Gesicht des alten Mannes. Er wirkte verwirrt und verrückt. Ich dachte mir, das müsse der Preis dafür sein, der eigentliche Haken und es wäre vernünftig dem ein Ende zu machen.

´Wenn nicht, wirst du auch am Ende so verrückt sein. Und du wirst deinen eigenen Todestag kennen lernen, weil du wissen sollst, wann das Ding zu verscherbeln ist.´

Ich starrte auf die Staffelei. Zum ersten Mal, seit ich sie besaß machte sie mir angst.

´Sie macht mich verrückt, sie macht mich verrückt, sie macht mich verrückt, sie macht... Schluss! Ich mache dem ein Ende!´

Tatsächlich malte ich Lebensmittel. Ich dachte mir, vielleicht bekäme ich ja doch noch morgen eine "Lieferung" und bräuchte mir dann keine Gedanken darüber zu machen, was ich in der nächsten Zeit essen sollte, bis ich einen neuen Job fand. Als ich zum ersten Pinselstrich ansetzte schrie eine Stimme in meinem Kopf. ´NEIN! SIE HABEN ES MIR VERSPROCHEN! UM GOTTES WILLEN AUFHÖREN! AUFHÖÖÖREN! NICHT MALEN! NEIN! NIIIIICHT!´ Es war die Stimme des alten Mannes, aber der war verrückt und so malte ich weiter.

Diese Nacht hatte ich einen Traum. Ich träumte, das ich aus meinen Schlaf erwachte, als die Tür aufsprang. Der alte Mann trat herein. Er sah mich nicht an, murmelte aber andauernd monoton den einen Satz: "Sie haben ihr versprechen gebrochen! Sie haben ihr versprechen gebrochen! Sie haben ihr versprechen gebrochen! Sie..."

Er ging zu der Staffelei und malte ein Bild. Regungslos lag ich im Bett und sah, wie der alte Mann malte. Er malte in der Dunkelheit, hätte eigentlich nichts sehen dürfen, aber was soll’s? Es war schließlich nur ein Traum. "Sie haben ihr versprechen gebrochen! Sie haben ihr versprechen gebrochen! Sie haben ihr versprechen..."

Als er fertig war, nahm er die Staffelei und die zwei Bilder, die ich gestern malte unter seinen Armen. Das Bild, das er gemalt hatte, stellte er gegen die Wand. Dann verließ er mit samt der Staffelei und den Bildern mein Haus. Ich erwachte.

Nun sitze ich hier an meinen Tisch und schreibe dies alles nieder. Aber war es wirklich nur ein Traum, den ich vergangene Nacht hatte? Wenn ich mich im Zimmer so umschaue denke ich, dass es mehr war, als das. Die Staffelei ist weg. Die Bilder, die ich gestern malte auch. An der Wand lehnt ein Bild, das ich nicht gemalt habe. Es zeigt mein Haus von der Vorderfront. Vor meiner Tür steht eine Gestalt in schwarzem Gewand und einer Kapuze über dem Kopf. Er kehrt dem Betrachter den Rücken zu, deshalb sieht man sein Gesicht nicht. In der einen Hand trägt er eine große Sense, die andere klingelt an meiner Haustür. Sie ist skelettiert. Auf dem ersten Blick sieht das Bild aus wie eine Fotographie, aber ich weiß, wenn ich näher ran gehen würde, dass ich Pinselstriche sehen könnte. So, ich muss jetzt Schluss machen, es hat geklingelt.

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