Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten, um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.
Header5.jpg

Die Autoren von BookOla.de erstellen Rezensionen von Romanen, Kurzgeschichten
und allem was von bekannten und unbekannten Autoren zu Papier gebracht wird.
Die Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links.
Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich
von Amazon eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht, aber dieser kleine
Betrag hilft mir, die Unkosten der Seite zu bestreiten.

und nun findet man auch unsere ersten Gehversuche auf Mastodon

Schlaflose Nächte 

©2003 by Stephan Möller (theMöllerman)

 
Es war beinahe 2 Uhr in der Nacht, als ich durch ein komisches Geräusch geweckt wurde. Ich richtete mich auf und sah auf die Uhr. Geht denn das schon wieder los?, dachte ich aufgebracht. Seit Monaten hatte ich keine Nacht mehr durchgeschlafen.
Im März hatte es angefangen: Ich wurde während ich schlief von einem seltsamen Geräusch gestört. Es klang so, als würde man mit den Fingernägeln auf einer Schiefertafel entlang fahren; es quietschte unangenehm, ja beinahe nervtötend in den Ohren. Sobald ich wach war, begannen sich plötzlich Dinge um das Haus zu bewegen. Ich hörte Schritte, hörte wie das Brennholz, das draußen fein säuberlich aufgestapelt war, umkippte, und noch viele andere selt- same Geräusche. Doch als ich dann am nächsten Morgen nachsah, fand ich nichts, keine Fußspuren, das Brennholz lag aufgestapelt hinter dem Haus, es deutete überhaupt nichts auf einen nächtlichen Besucher hin.
Vielleicht, das wäre die plausibelste Erklärung, vertrug ich meinen Job nicht mehr. Ich war Friedhofsgärtner. Tagsüber machte mir mein Job zwar Spaß (ich habe schon als Kind gern im Garten geholfen), das Problem aber war, dass ich auch auf dem Friedhof wohnen und übernachten musste. Das hätte den meisten Menschen nicht viel ausgemacht, aber ich war schon seit meiner Kindheit abergläubisch. Anfangs stellte das für mich ein Problem dar, aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an die düstere Friedhofsatmosphäre und bald schlief ich wieder ganz normal.
Doch vor 3 Monaten waren erstmals diese Geräusche aufgetreten und kamen seitdem jede Nacht wieder. Ich fürchtete mich vor ihnen. Ich fürchtete mich so sehr, dass ich seit März keine einzige Nacht länger als 4-5 Stunden geschlafen habe.


Nun lag ich wieder einmal zusammengekauert in meinem Bett und wartete. Wartete, dass die Geräusche wieder verschwanden; wartete auf den Tagesan- bruch; wartete, dass die Nacht endlich vorbei sei.
So geht das nicht weiter!, dachte ich, während mir vor Angst beinahe die Trä- nen kamen. Vor 3 Monaten war noch ich ein großer, muskulöser, wenn auch schon etwas älterer Mann gewesen. Jetzt war ich ein kleines Häufchen Elend. Meine Falten waren tiefer als die Niagarafälle und ich hatte Tränensäcke, so dick wie eine Zwiebel.
Als ich so in meinem Bett lag, wurde mir auf einmal klar, dass ich etwas unter- nehmen musste. Einfach versuchen zu schlafen brachte nichts, dass wusste ich, denn das probierte ich jede Nacht von neuem aus, und jede Nacht blieb ich er- folglos.
Also blieb mir nur eine einzige Chance: ich musste mich der Gefahr stellen. Ich konnte zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, ob mich draußen wirklich eine Gefahr erwartete, aber trotzdem hielt ich es für am sinnvollsten, dieses Etwas, dass da draußen war, als Gefahr zu bezeichnen; denn etwas, irgendetwas, war da. Ich konnte nicht sagen was, aber ich war mir vollkommen sicher, dass da draußen etwas war.
Nun lag ich aber immer noch in meinem Bett und klapperte vor Angst mit den Zähnen. Ich wusste, dass ich nach draußen gehen und nachsehen musste, um dieses Etwas zu verscheuchen, aber ich war mir nicht sicher, ob ich genügend Mumm in den Knochen hatte. Vielleicht würde ich es schaffen, die Haustür aufzuschließen, vielleicht würde ich es auch schaffen, ein paar Schritte vor die Haustür zu machen, aber wahrscheinlich würde ich spätestens dann schlapp machen.
Ich hatte die Qual der Wahl: entweder blieb ich sicher in meinem Bett liegen und wartete, bis die Nacht vorbei war, aber dann würde ich weiterhin schlaflose Nächte haben; oder ich ging nun endlich hinaus und stellte mich der Gefahr, wenn es denn eine war. Ich konnte mir zwar nicht sicher sein, dass dieses Etwas dann auch wirklich verschwand, aber eine gewisse Chance war halt da. Ich entschied mich schließlich, mich der Gefahr zu stellen. Ich knipste das Licht an, zog meinen Bademantel über und ging zur Haustür. Jetzt überkamen mich plötzlich Zweifel. Wollte ich das wirklich tun? Was war, wenn dieses Etwas wirklich gefährlich war und auf mich los ging? Doch ich drückte die Zweifel beiseite.
Ich schloss also auf, drückte die Klinke hinunter und öffnete die Tür. Aber die Geräusche waren noch da. In diesem Moment fiel hinten der Brennholzstapel um. Ich trat vor die Tür. Ich machte einen Schritt, 2 Schritte, 3 Schritte, und - die Geräusche verschwanden. Ich hatte es geschafft.


Die Geräusche kamen in jener Nacht auch nicht wieder. Ich schlief und schlief und schlief, und als ich am nächsten Morgen pünktlich um halb 7 aufstand, fühl-te ich mich wie neugeboren.
Noch am selben Tag reichte ich meine Kündigung ein. Ich suchte mir ein schönes Haus in der Stadt, das mir sehr gefiel, und beschloss, bis an mein Le- bensende hier wohnen zu bleiben.
Heute bin ich 81 Jahre alt und ich weiß bis jetzt noch nicht, was das Etwas war, das mir damals den Schlaf raubte - und wenn ich ehrlich bin: ich will es gar nicht wissen.


Ende

 

 

 

 

 

 

Copyright 2022 by www.BookOla.de
Joomla templates by a4joomla