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Schulhof


© 2003 by Lars Brozinski (Brunzo)

Er legte seine Karten auf den Tisch.

"21. Tja Jungs, da hab ich wohl schon wieder gewonnen."

"Glück oder Betrug, dass ist hier die Frage." kommentiert Eikes Stimme vom anderen Ende des Tisches die Situation.

Alex, Julia, Eike, Tim und Marten sitzen in ihrer Stammkneipe und spielen Karten. Eigentlich ist es keine richtige Kneipe. Es ist mehr ein Lokal mit Kneipenflair. Im Erdgeschoss gibt es Tische mit weißen Tischdecken und viel Dekoration an den Wänden. Die Bedienung ist mir weißen Schürzen bekleidet. Gegenüber der Eingangstür befindet sich eine Treppe die in den Keller führt. Hat man diese Stufen bezwungen, landet man in einer anderen Welt. Alte dunkle Holztische, Tropfkerzen darauf, rauchige Luft und Rock Musik. In diesem kleinen Keller befinden sich 2 Tische, 3 Bar-Tische und natürlich eine richtige Bar.

Am Tisch hinten rechts in der Ecke sitzen die 5 Freunde. Jeder hat schon mehr als 2 Bier getrunken und die Stimmung ist gut.

"Eike, wie geht’s deinem Bruder auf der KGS?" fragt Alex.

"Er ist bei Tobi in der Klasse, aber sie sehen sich kaum, da er gymnasial-Kurse hat und Tobi stattdessen realschul-Kurse."

"Und was ist mit den Lehrern?"

"Tja, die sind wohl nicht schlimmer als unsere. Aber sein Deutschlehrer scheint ihn nicht zu mögen."

"Warum das? Wie kann man einen Schüler nach einer Schulstunde denn schon nicht mögen?", schrillt Julia empört in das Gespräch.

"Hanno meint, dass der Lehrer ihn wegen seiner langen Haare nicht mag."

"Was ist denn das für ein Nazi?" brüllt Marten in halbbetrunkenem Ton, sodass jeder im Keller es hören kann.

"Tja, muss man halt mit leben. Wird bestimmt gar nicht so schlimm wie es auf den ersten Blick scheint."

Diese schlauen Worte, wie auch schon so manch andere schlaue Worte, kamen aus Tims Mund.

Tim ist ein 16 jähriger Junge mit fast schulterlangen, blondgefärbten Haaren. Durch seine Objektivität wurde schon so mancher Streit geklärt.

Ganz wie Tim, trägt auch Marten fast schulterlanges Haar, das aber in hellbraunem Glanz erstrahlt.

Dazu eine Brille auf der Nase und geht wie der Rest der Clique auf das Gymnasium, 40 Meter entfernt von dieser Kneipe. Wie jede Schule, so hat auch diese ihren Musikstil, der schon über Jahre unter den Schülern verbreitet ist. Die Schüler hören zum größten Teil Rock und Alternative. Ein paar stehen auf Punk und ein anderer, größerer Teil ist Metal fanatisch. Eigentlich hört jeder alles. Hauptsache hart. Durch diesen Musikzusammenhalt und die Infizierung der immer wieder neuen Schüler mit diesem, gibt es einen menschlichen Zusammenhalt, der so auf den meisten anderen Schulen nicht mehr existiert.

"Kommt Leute, wir gehen.", sagte Alex mitleicht genervtem Unterton und schmeißt sein 15 Punkte Blatt auf den klobigen Eichentisch.

"Und was willst du machen?", antwortete Eike, der Junge mit den strubbeligen, schwarzen Haaren und der Brille.

"Kein Plan. Ich bin spontan und ihr soweit ich weiß auch. Uns wird schon was einfallen."

Die fünf erheben sich und gehen mit ihren Gläsern zur Bar um zu bezahlen. Ronny, der Wirt kennt die fünf gut, sie sind Stammkunden mit viel Durst. Nachdem sie sich von Ronny verabschiedet haben, gehen sie ohne große Umschweife hinaus.

Die Nacht ist kalt und der Himmel von dunklen Blautönen erfüllt. Darauf schweben tiefschwarze, wie zerrissene Schäfchen geformte Wolken dahin. Die Bäume rauschen und vereinzelt fahren Autos auf der Hauptstraße vorbei.

Die Hauptstraße verläuft hinter dem von Bäumen eingekreisten, großen Parkplatz, den man betritt wenn man das Lokal verlässt.

"So, wohin jetzt?", fragt Marten, während er geistesabwesend in den Himmel schaut.

"Lasst uns erstmal auf den Schulhof gehen. Ein bisschen rumhängen und labern kann nicht schaden.", sagt Tim nach kurzem zögern.

"Einverstanden", kommt nacheinander von allen Beteiligten. Ihr Weg führt sie eine nur spärlich beleuchtete Straße entlang.

Auf halbem Weg zum Schulhof des Gymnasiums bricht Tim zusammen, die Anderen helfen ihm wieder auf.

"Kommt halt vom vielen Saufen Tim", lächelt Alex.

Der Schulhof wird an dieser Seite mit einem Eisentor verschlossen, es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem eisernen Tor der Psychiatrie aus Batman, in der alle Schwerverbrecher eingeliefert werden. Glücklicherweise steht das das Tor außer in den Ferien immer offen.

Geht man die leichte Neigung hinter dem Tor entlang, kommt man nach ca. 30 Metern an eine Art Bühne. Es sind eigentlich 2 Stufen aus Pflastersteinen mit Holzbalken umrahmt. Diese Stufen sind wie ein riesiges, halbiertes Stoppschild aufgebaut. Alles in Allem bestimmt 25 Quadratmeter. Die Rückseite dieser Formation grenzt direkt an eine Außenwand des Schulgebäudes. Tim, Julia und Alex setzten sich auf die Treppenformation, während Eike und Marten hinter der nächsten Ecke verschwinden um das getrunkene Bier noch einmal zu betrachten. Die anderen drei haben es sich derweil so gemütlich wie möglich gemacht und liegen auf ihren Jacken, in den hypnotisch wirkenden Himmel schauend.

"Ist dir kalt Julia", fragt Tim mit der sanftesten Stimme die sie je gehört hat.

"Ein wenig. Wärmst du mich?"

"Natürlich."

Tim rückt näher an Julia und legt seine Arme um sie. Er spürt die Erregung die sie ausstrahlt wie Feuer auf seiner Haut.

Mit neidischem Blick setzt Alex sich in Bewegung und sagt seinen Standart Spruch für solche Gelegenheiten: "Ich muss mir mal die Beine vertreten." Er geht, wie schon zwei vor ihm, um die Ecke und entleert sich. Er dreht sich um und sieht Eike und Marten auf einer Tischtennisplatte sitzen. Eike ist gerade dabei sich eine Zigarette zu drehen. Daneben trinkt Marten mit Genuss einen selbstgemixten Charlie, den er in seinem Rucksack mitgebracht hat. Alex setzt sich zu ihnen.

"Kann ich was abhaben?", fragt er Marten.

Ohne Worte drückt Marten ihm die Plastikflasche in die Hand.

Tim rückt noch ein Stück näher an Julia. Er streichelt ihr langsam mit der Hand über das Bein. Julias Herz schlägt schneller. Sie wollte Tim schon immer und jetzt scheint der Augenblick gekommen zu sein. Sie dreht ihren Kopf in seine Richtung. Er streichelt ihr sanft durchs Haar und sagt, schön wie ein Sonnenuntergang: "Ich liebe dich Julia. Ich habe dich schon immer geliebt."

Ihre Augen werden groß und ein Freudenschimmer spiegelt sich auf ihrem Gesicht wider.

Sie öffnet den Mund und mit der Geschwindigkeit einer Pistolenkugel rast ein spitzer Felskeil aus dem Boden, dringt in Julias Hinterkopf ein und zerschmettert ihren Kopf explosionsartig in tausend Teile. Blut und Gehirnmasse klatschen auf dem Boden auf. Da wo vor nicht einmal einer Sekunde das wunderschöne Gesicht war, ragt jetzt ein spitzer Felskeil hervor. Tim spürt den Schmerz in seiner, vom Felsen zerschnittenen Hand, nicht. Er liegt immer noch geschockt mit weiten Augen und offenem Mund am Boden und starrt auf den leblosen Körper, den er liebte. Er wischt sich ein Stück ihrer fleischernen Materie aus dem Gesicht. Endlich kehrt sein Verstand in seinem Körper zurück und er beginnt aus Liebesschmerz und Fassungslosigkeit zu schreien. Er schreit wie man es noch nie auf dieser Welt gehört hat. So durchdringend wie Kopfschmerzen nach zu schnellem Eis essen und so herzzerreißend wie das Jaulen eines Welpen der brutal gequält wird.

Alex nahm gerade einen langen Schluck aus der Flasche, als Tims Schrei die Luft zerschnitt. Er prustet das hochprozentige Gemisch vor Schreck wieder aus. Ohne auch nur einen Gedanken an Irgendwas zu verschwenden, rennen die Drei dem Schrei entgegen. Zuerst sehen sie in ihrer Hektik nicht was passiert ist, als sie aber näher kommen werden die Spuren sichtbar. Julias Körper liegt neben Tim, aber statt eines Kopfes ragt ein grauer, spitzer Steinzacke aus dem Boden und überall liegt Blut.

Eike dreht sich um und übergibt sich mit heiserem Stöhnen.

Marten und Alex stehen fassungslos und wie angewurzelt da, schauen auf Tim der weint und schluchzt. So hatten ihn die Freunde noch nie gesehen. Aber bisher waren sie auch noch nie in so einer abstrusen Situation.

"Komm, helft mir ihn von hier weg zu bringen.", ruft Marten.

Sie laufen auf ihn zu, packen ihn an den Armen und ziehen ihn hoch.

"Sie,…sie ist tot…oh mein Gott, was ist passiert?", stammelt er unter Tränen vor sich hin.

"Komm wir bringen ihn zu den Tischtennisplatten.", ruft Alex.

Eikes Beine konnten ihn nicht mehr tragen und er fällt hin. Marten stolpert fast über ihn und zieht ihn wieder hoch.

"Geh du mit Tim vor, ich helfe Eike."

"Okay."

Alex schleift mit Tim und Marten mit Eike in Richtung Tischtennisplatten. Hier ist alles mit Bäumen geschützt. Hauptsächlich Eichen mit großen Kronen. Sie setzten sich gegen die Bäume und versuchen sich zu beruhigen. Eike schaut auf seine Schuhe. Er hat sich darauf übergeben und die grün braunen Flecken beginnen auf dem Wildleder zu trocknen.

Teilnahmslos sagt er: "Was ist da nur passiert? Es kommt doch nicht aus heiterem Himmel ein Stück Felsgestein aus dem Boden geschossen und bringt Menschen um."

"Ich weiß es nicht.", sagt Marten, dem inzwischen alles richtig bewusst geworden ist.

"Fest steht, wir müssen hier weg."

"Gute Idee und was dann? Zur Polizei? Die denken doch wir haben Julia das angetan.", keift Alex. "Die werden den spitzen Felsen sehen. So was kann kein Mensch. Die Polizei wird uns nicht einsperren, dafür garantiere ich.", sagt Tim in zuversichtlichem und noch immer geschocktem Ton.

"Hey Tim, wie geht’s dir? Alles okay?"

"Nein verdammt! Das Mädchen das ich geliebt habe ist eben vor meinen Augen gestorben. Wie soll’s mir da gut gehen?"

"Ist ja gut. Kommt jetzt, weg von hier.", meldet sich Marten zu Wort.

Die Wolken verdichten sich, der Himmel wird ein grau-schwarzes Gemisch. Einige Raben krächzen auf den Bäumen und der Wind weht mit gespenstischem Pfeifen über den Schulhof.

Blätter werden aufgewirbelt, in scheinbar willkürlichen Formen.

Obwohl die Freunde die neue Kulisse nicht direkt bemerken, läuft allen ein Schauer des Grauens über den Rücken und die Seele.

"Diese Atmosphäre hat etwas von einem Totengeleit.", denkt Alex.

Nachdem alle einen großen Schluck aus Martens Charlieflasche genommen haben, machen sie sich auf den Weg zum Tor durch das sie gekommen sind. Die Neonlichter des Fahrradunterstandes rechts von ihnen beginnen zu flackern. Julias Leiche wird wie von einem Licht, wie man es sich in Leichenkammern und Obduktionssälen vorstellt, beleuchtet.

"Wo…wo verdammt noch mal ist der Fels?", fragt Eike in panischem Ton.

Alle anderen hatten weggesehen, sie konnten den Anblick ihrer verlorenen Freundin nicht ertragen. Jetzt wenden sie trotz Abscheu ihre Blicke auf sie. Sie sehen die Leiche, trockenes Blut, das auf ihren Fingern wie Nagellack aussieht, aber keinen Felsen der aus dem Boden ragt. Nichts. Auch der Boden selbst ist normal und wie immer.

"Wo ist der verdammte Felsen?", brüllt Eike jetzt. "Die Polizei wird uns für immer einsperren, hört ihr. Wir sind verloren!"

"Beruhig dich Eike.", schreit Tim und knallt ihm mit der Handfläche ins Gesicht.

"Beruhig dich.", echote er seinen Satz nach. "Ich weiß auch nicht was hier gespielt wird, aber wir müssen trotzdem weiter. Oh Julia…nein…das kann doch nicht wahr sein." Und er begann wieder zu weinen.

Jetzt viel ihnen das schwache flackern des Lichtes auf. Sie drehen sich langsam um. Was sie in diesem Moment sehen, lässt ihnen das Blut in den Gefäßen erschaudern.

In dem immer wieder aufflackernden, weißen Licht sehen sie riesige, schuppige Wesen mit wilden langen Haaren und Klauen so groß wie Klodeckel. Sie sind überall im Fahrradstand, mindestens 10 Stück. Und wie es aussieht sind diese Kreaturen nicht freundlich gestimmt. Sie reißen ihre Mäuler auf und entblößen lange, dicke Zähne mit denen man Autoreifen würde zerfetzen können. Sie stoßen ein Geräusch aus, das klingt wie eine Stichflamme die unter einer Glaskuppel entfacht wird.

"Rennt!", schreit Tim aus heiserer Kehle.

Die Vier rennen so schnell sie können, ihre Haare wehen im Wind, Blätter rauschen an ihnen vorbei. Die Welt um sie herum scheint nicht mehr real zu sein, aus den Schulmauern werden Festungsmauern gebrannt aus großen dunklen Steinen. Diese kranke Vorstellung der Realität rennt neben ihnen her und verwandelt alles in groteske Bildnisse. Sie laufen so schnell sie können, doch die neue Welt ist schneller. An der Stelle wo das eiserne Tor war, schießt eine gewaltige Mauer mit Statuen von geflügelten Dämonen aus dem Boden und versperrt ihnen den Weg. Aufgewirbelte Steinsplitter fliegen umher. Sie schlagen in ihrer Verzweiflung mit den Händen auf die Mauer ein und versuchen darüber zu klettern. Ohne Erfolg.

Es ist still…sie blicken zurück und sehen ihren Schulhof, wie er immer war. Ein paar Vögel fliegen, der Mond kommt gleißend hell hinter einer vorbeiziehenden Wolkenwand zum Vorschein.

"War das real? Ist das wirklich passiert?", fragt Alex ängstlich die Anderen.

"Ich weiß es nicht, aber jetzt sollten wir doch lieber gehen.", antwortet Tim. Sie drehen sich um und was sie da sehen lässt sie an ihrem Verstand zweifeln. Die Mauer, die Mauer, die aus dem Boden geschossen kam. Sie ist nicht wie die anderen Dinge einfach wieder verschwunden. Sie ist da. Sie ist real. "Nein, Neeeeeeiiiin, das kann nicht sein.", schreit Eike und beginnt zu schluchzen. Er sackt auf die Knie und vergräbt sein Gesicht in seinen Händen. "Was wird hier gespielt?", fragt Marten.

"Egal…wir müssen hier raus. Das ist alles was im Moment wichtig ist.", sagt Alex mit trockener Stimme. "Der einzige Weg, der uns jetzt noch hier raus helfen kann ist die Mauer neben den Fahrradständern. Daneben ist ein Gesteinshaufen. Auf den müssen wir steigen, dann kommen wir ohne Probleme über die Mauer und raus aus diesem Alptraum."

"Bist du von allen guten Geistern verlassen? Ich geh doch nicht zurück zu diesen Monstern.", brüllt Marten. "Alex hat recht, es ist unsere einzige Chance und vielleicht sind die Monster auch verschwunden wie der Rest.", sagte Tim in ruhigem Ton.

"Scheiße man, was geht hier ab?", Marten schaut auf den Boden und atmet tief durch. "Okay ihr habt ja Recht, also los zur Mauer. Aber bitte seid leise."

Langsam schleichen sie den Weg zurück. Sie stehen 10 Meter vor der großen Bühne (Treppe). Links von ihnen ist ungefähr 40 Meter entfernt am anderen Ende des Schulhofes der Fahrradunterstand. Die Neonröhren sind aus und keine Monster weit und breit.

"Kommt weiter.", flüstert Tim. "Gleich haben wir es geschafft."

Die Wolken am Himmel lösen sich allmählich auf. Nebel steigt auf. So dichter Nebel, das man nur 5 Meter weit sehen kann. So dichter Nebel, das man ihn fast schmecken kann.

"Wo kommt den auf einmal der Nebel her?", fragt Marten. Sofort nachdem er die Worte ausgesprochen hatte fängt es um die Freunde herum an zu knacken und zu knirschen. Das Rascheln der Blätter hat im Nebel den Geräuscheffekt von Untoten die versuchen sich aus ihrem Grab zu schaben. "Es kommt näher.", bemerkt Eike.

"Die Bäume…es sind die Bäu…", doch bevor Marten den Satz zu Ende sprechen konnte, packen zwei klauenartige Äste. Durch den dichten Nebel dringt das Geräusch das ein Zapfhahn macht, wenn er in ein Bierfass eingeschlagen wird. Ein gedämpfter Schmerzensschrei dringt durch den Nebel zu den Freunden, die sich noch nach ihrem Freund umschauen. Voller Panik rennen sie auf die Mauer zu. Ein höhnisches, dämonisches Lachen erschallt aus dem Nebel. Nebelfetzen fliegen auseinander und auch Eike wird mit brutaler Kraft fortgerissen.

"Ahh, Tim, Alex helft mir!"

"Neeiin…Eike…EIIKKKKEEEE…NEEEEIIIIN", schreit Tim mit so gewaltiger Lautstärke das man meint es würde den Nebel hinwegfegen. Alex hält ihn am Arm fest und versucht ihn zurückzuhalten.

Der Nebel löst sich langsam auf und die Silhouetten von zwei schiefen, gewaltigen Kreuzen werden sichtbar. Der restliche Nebel umgibt sie. Der Mond scheint genau darauf und hüllt sie in ein geisterhaftes Laken. Sie scheinen wie Dinge aus einer anderen Dimension, die man zwar sehen aber nicht berühren kann. An dem linken Kreuz, dass aus den gesplitterten Sitzlatten einer Holzbank besteht, hängt Marten und am rechten hängt Eike. Beide sind von ca. 30cm langen Eisenstangen, die wahrscheinlich aus den Fahrradständern gerissen wurden, in beiden Armen durchbohrt worden. Die Köpfe hängen leblos auf die Brust herunter. Blut sickert in kleinen Rinnsalen aus den Augen und aus dem Mund. Die Kleidung ist zerrissen und blutgetränkt.

Ein Anblick wie auf einem mittelalterlichem Friedhof. Gerade noch am Leben, Sekunden später vom Leben getrennt. Wie eine Marionette die von seinem Herrn nicht mehr gespielt wird. Tim kniet nieder, reckt seinen Kopf gen Himmel und schreit.

"Warum? Warum reißt du alle meine Freunde aus dem Leben? Was haben sie getan?"

"Komm Tim, wir können hier nichts mehr tun. Aber wir können immer noch unser Leben retten. Sie hätten bestimmt nicht gewollt, dass wir hier sitzen bleiben und auf den Tod warten."

"Nein, wir haben keine Chance, wir werden hier sterben wie alle anderen."

"Nein, das werden wir nicht. Wo ist der Tim den ich kenne? Der Tim der nie aufgibt. Los komm wir werden es schaffen."

"Vielleicht hast du Recht.", sagt Tim und wischt sich die Tränen aus den Augen.

Ein Surren erfüllt plötzlich die Luft. Die Vögel schrecken auf und fliegen in Richtung Hafen davon. Kalter Wind zieht vorbei. Alex stellt sich hin und gibt Tim die Hand um ihm auf zu helfen. Sie schauen sich tief in die Augen und Tim wird sich ihrer Freundschaft wieder bewusst. Er fühlt Vertrauen und weiß, dass sie es schaffen können. Ihre Hände fassen ineinander und beide spüren eine neue Kraft in sich, neuen Ansporn. Das Surren wird lauter. Viel lauter. In diesem Augenblick rasen tausende von Fliegen in Alexs Rücken und reißen sich den Weg durch den Brustkorb frei. Knochen knacken, Gedärme werden aus dem Loch in seiner Brust herausgeschleudert. Tim kniet noch immer unter ihm und sieht wie sein Freund ein immer größeres Loch in den Leib gerissen wird. Wie Fliegen sich auf seine Augäpfel setzen und sie fressen. Er sieht wie Alexs Herz in seiner offenen Brust schlägt. Ein Mal…zwei Mal…kein Mal. Alex sackt zusammen und kippt vornüber. Eine Blutlache bildet sich um ihn herum. Vom Ekel getrieben, rafft er sich auf.

Tim rennt. Rennt dem Teufel davon. Rennt allem davon. Der Wind peitscht ihm ins Gesicht und er weint. Die Nacht wird zum Tag. Helle, bunte Blitze zucken vor seinen Augen. Immer wieder. Stechender Schmerz breitet sich in seinem Kopf aus. Mit jedem Blitz schlimmer. Er stolpert und landet ausgestreckt auf dem harten Steinboden. Er presst beide Hände fest an seine Stirn und spürt wie ihn der Schmerz innerlich zerquetscht. Er sieht einen Schatten über ihn kommen. Alles ist schwarz. Alle Geräusche verebben. Dann…Licht…er sieht seine Freunde über sich gebeugt. Julia, die Enthauptete, Marten und Eike, die Gekreuzigten und rechts außen Alex, den Zerfressenen.

"Alles okay Tim, wir sind ja da. Nur keine Panik", ruft Julia wie aus großer Entfernung. Sein Blick wird klarer. "Es sind meine Freunde, meine toten Freunde. Also hat es mich auch erwischt. Ich muss tot sein.", stammelt er leise vor sich hin. Ein krankes verrücktes Lachen entströmt seinem Mund.

"Was ist mit ihm?", fragt Alex teilnahmslos.

"Keine Ahnung. Seht, da kommt der Notarzt.", antwortet Marten voller Angst.

Der Notarzt Wagen prescht mit Blaulicht und Sirene über den Parkplatz direkt auf die Freunde zu. Mit quietschenden Reifen hält er 3 Meter vor ihnen.

Die Notärzte steigen aus, verbinden Tim die Kopfwunde und fahren ihn ins städtische Krankenhaus.

Am nächsten Tag wollen die Freunde Tim im Krankenhaus besuchen. Der Chefarzt empfängt sie und führt sie in sein Büro. "Was ist mir Tim, wie geht’s ihm?", fragt Eike.

"Hmm…nicht gut."

"Was heißt nicht gut? Sagen sie schon.", fragt Marten mit unruhigem Ton.

"Was genau ist gestern passiert?", fragt der Arzt die Vier.

"Nun, wir haben etwas getrunken und waren auf dem Weg zu unserer Schule um da ein bisschen zu sitzen und zu reden. Aber bevor wir dort ankamen verlor Tim das Gleichgewicht und ist umgefallen. Er hat sich nicht mehr gerührt. Daraufhin haben wir den Notarzt mit dem Handy alarmiert, der dann auch knapp 10 Minuten später eintraf. Den Rest wissen sie ja.", schildert Alex.

"Ich fürchte ihr Freund hat einen starken psychischen Schaden erlitten. Irgendetwas Grauenhaftes muss ihm zugestoßen sein. Er sagt immer, dass er tot wäre und dass sie alle verfolgt wurden. Das der Schulhof das Tal des Grauens ist, und das er seine einzige Liebe dort verloren hat. Können sie damit vielleicht etwas anfangen?"

"Nein, dazu weiß ich nichts.", antwortet Alex ruhig. "Ihr vielleicht?"

Alle schütteln den Kopf. Marten legt seine Hände auf Julias Schultern und drückt sie sanft auf einen Stuhl.

"Oh mein Gott, was hat das alles zu bedeuten?", fragt Julia panisch mit Tränen in den Augen. "Wird er wieder gesund werden?"

"Ich fürchte da besteht wenig Hoffnung. Ihr Freund ist verrückt geworden…Tut mir Leid."

"Nein, das kann nicht wahr sein. NEEEIIIN!"

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