Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten, um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.
Header4.jpg

Die Autoren von BookOla.de erstellen Rezensionen von Romanen, Kurzgeschichten
und allem was von bekannten und unbekannten Autoren zu Papier gebracht wird.
Die Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links.
Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich
von Amazon eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht, aber dieser kleine
Betrag hilft mir, die Unkosten der Seite zu bestreiten.

und nun findet man auch unsere ersten Gehversuche auf Mastodon

Der Chauffeur

© 2003 Birger Berbüsse

Robert war es unbegreiflich, wie er sich in diese Lage hatte bringen können.

Wie hatte er bloß nachts um drei Anhalter machen können? An einer einsamen Landstraße. Und dann noch in dieses unheimliche Auto zu steigen! Jetzt war es zu spät. Er saß auf dem Rücksitz und hatte die größte Angst seines Lebens.

Auf die Party war er eigentlich nur gegangen, weil er gehört hatte, daß Nicole auch da sein würde. Nicole, dieses wunderschöne Mädchen aus der 12. Nicole, in die er seit einem Jahr verknallt war. Nicole, die er auf dieser Party endlich hatte ansprechen wollen.

Aber sie war nicht da gewesen, als er um neun endlich eingetroffen war (wer später kommt, macht sich interessanter, hatte Robert gedacht). Und sie war auch später nicht gekommen. Also hatte Robert sich an die Theke gestellt und bis halb drei getrunken. Frustbewältigung. Als er dann endlich genug hatte und nach Hause wollte, hatte er leider feststellen müssen, daß sämtliche Leute aus seinem Heimatort schon weg gewesen waren. Das Geld fürs Taxi war auch alle (in mehrere Liter Bier umgewandelt). Blieb nur noch Laufen übrig. Robert hatte sich für die schlecht asphaltierte Landstraße durch den Wald entschieden. Nur noch nach Hause und diesen Abend vergessen.

Auf dem schmalen Fußweg, der zur Landstraße führte, kam er an einem alten und offensichtlich stockbesoffenen Mann vorbei, der an einem Laternenmast lehnte und sich gerade übergeben hatte.

"Ey, willsu auch zur Straße? Nimmse mich n Stück mit? Kannnich so gut laufen grat!"

"Ne, laß ma!", antwortete Robert. Der Abend war schon beschissen genug verlaufen, da wollte er nicht auch noch einen besoffenen Opa im Schlepptau haben. Um sein Gewissen zu beruhigen, spendierte er dem Alten eine Zigarette und machte sich auf den Weg.

Der Wald war stockfinster. Robert fürchtete permanent, über irgendein Hindernis zu stolpern und sich den Fuß zu brechen.

Er verfluchte sich, weil er solange auf der Party geblieben war. Er verfluchte sich, weil er sein Geld versoffen hatte. Er verfluchte Nicole, weil sie nicht gekommen war. Er verfluchte die Straße, und er verfluchte den Wald.

Dann wandte er sich zu Seite, fiel auf die Knie und kotze ungefähr zwei Liter Bier und eine Mini-Calzone aus. Er fluchte weiter.

Gerade als er wieder aufgestanden war, tauchte etwas die Straße vor ihm in ein schwaches Licht. Robert wandte sich um, und tatsächlich entdeckte er ein Scheinwerferpaar, daß sich rasch näherte. Robert hörte sofort auf zu fluchen, stellte sich an den Straßenrand und machte Anhalter. Nebenbei wischte er sich den Mund ab und klopfte den Dreck von seinen Knien, um einen zumindest etwas vertrauenswürdigen Eindruck zu machen.

Eigentlich stehen meine Chancen doch bei Null, dachte er. Wer nimmt schon nachts um drei mitten im tiefsten Wald Jemanden mit? Ich würde es nicht tun und der dahinten wohl auch nicht.

Aber der Wagen wurde tatsächlich langsamer und hielt neben ihm. Es war ein wahres Schlachtschiff. Robert konnte die Automarke im Dunkeln zwar nicht erkennen, aber er vermutete irgendeine Sonderedition von Mercedes oder Audi. Der Wagen kam ihm unglaublich lang vor und überdimensional breit. Er war komplett schwarz lackiert, die Scheiben waren getönt. Wie eine-

Limousine! Für Robert schien der Abend doch noch gut auszugehen. Da ahnte er allerdings auch noch nichts von den kommenden Ereignissen.

Als er gerade darüber grübelte, ob er nun vorne oder hinten einsteigen sollte, öffnete sich die hintere Tür und schwang auf. Robert stieg in den Wagen und wollte seinen Sitznachbarn begrüßen, musste aber feststellen, daß niemand hinten saß. Die einzige weitere Person im Wagen war der Fahrer. Aber wie hätte der von dort vorne die Tür öffnen sollen? Das kam Robert zwar seltsam vor, aber andererseits war es ja auch nicht wichtig. Er wollte nur schnellstmöglich nach Hause kommen.

Darum zog er die Tür zu:

"Also, das find ich wirklich nett von Ihnen, daß Sie angehalten haben! Würd bestimmt nicht jeder tun um diese Uhrzeit. Sie können mich dann im nächsten Ort rauslassen, direkt an der Kirche. Da fährt man dran vorbei."

"Mhm."

Der Wagen setzte sich in Bewegung und erreichte schnell ein hohes Tempo. Robert schaute sich das edle Wageninnere an: Ledersitze, Samt, Holzgriffe, viel Fußraum... Unglaublich!

"Sagen Sie mal: Ist das Ihr eigenes Auto? Wirklich edel. Respekt. Hat bestimmt ne schöne Stange gekostet, was?", fragte er seinen Fahrer.

"Mhm."

"Oh, also, ich wollte jetzt nicht unhöflich sein oder so! Sie brauchen mir ja nicht sagen, wie teuer er gewesen ist! Sorry, ja? Aber ist wirklich ein verdammt toller Schlitten. Hoffe, kann ich mir auch mal leisten."

"Mhm."

Irgendetwas stimmte nicht mit seinem Fahrer. War der Typ stumm? Schlecht gelaunt? Oder einfach generell nicht sehr gesprächig? Er hatte sich auch nicht ein einziges Mal zu ihm umgedreht. Und bei genauerem Hinsehen, sah der Mann auch nicht ganz normal aus.

Er wirkte – obwohl er saß – ziemlich groß, allerdings auch sehr dünn. Dünn? Wohl eher hager. Der schmächtige Körper des Fahrers vermochte es nicht, den Anzug auszufüllen, den er trug. Er hing ihm beinahe lose am Leibe und warf monströse Falten.

Robert rutschte unruhig auf seinem Sitz hin und her.

Die Hände des Fahrers waren so unglaublich dünn, daß sie im schummrigen Licht des Wageninnerns wie bloße Knochen wirkten. Oder waren es etwa tatsächlich-

Quatsch, das war ja das absolut Lächerlichste, was man sich vorstellen konnte. Hatte er denn wirklich so viel getrunken, daß er sich so einen Scheiß zusammen phantasierte? Robert musste zwar grinsen, ganz wohl war ihm trotzdem nicht bei der Sache.

Was er dann sah, ließ ihn schlucken. Er rieb sich die Augen, schüttelte den Kopf und sah noch einmal hin.

Der Kopf des Fahrers- er reflektierte ganz schwach das Licht der kleinen Lampe, die über dem Rückspiegel brannte. Weil er keine Haare hatte!

Na und, Millionen Männer kriegen eine Glatze.

Weil sein Kopf nicht von Haut überzogen war! Weil es ein Schädel war, der das Licht reflektierte! Weil Robert gerade Knochen anstarrte!

Unmöglich! Und doch betrachtete Robert, dem kotzübel wurde, jetzt noch einmal die Hände des Fahrers auf dem Lenkrad.

Es waren wirklich und wahrhaftig Knochen!

Daß sie seinen Heimatort schon längst durchfahren hatten, war Robert gar nicht bewusst. Er versuchte immer noch die Tatsache zu verarbeiten, daß er in einem Wagen saß, der von einem Skelett gesteuert wurde. Was ihm äußerst schwer fiel, da er eigentlich ein sehr rational denkender Mensch war.

Was aber sollte er hiervon halten? Robert überlegte, grübelte, fand aber keine Antwort. Außer, daß ihm alte Geschichten und Märchen wieder einfielen, in denen der Tod stets in Gestalt einen vermodernden Skelettes kam, in einen schwarzen Umhang gewandet, mit einer Sense in der Hand.

Dieses Skelett trug aber keinen Umhang! Aber sein Anzug ist schwarz.

Und wo ist dann bitte seine Sense? Nirgends eine zu sehen. Keine da.

Robert fiel plötzlich ein, daß er noch nicht nachgesehen hatte, was sich auf (oder vor) dem Beifahrersitz befand. Böses ahnend lehnte er sich nach vorn, drehte den Kopf und schaute nach.

Es war die größte Sense, die er jemals gesehen hatte. Robert pinkelte sich vor Angst in die Hosen.

Ein Skelett. In schwarzem Anzug. Mit einer Sense. Oh Gott, ja! Es war – es konnte nicht anders sein – sein Fahrer war der Tod! Gekommen um ihn zu holen, mit ihm geradewegs ins Jenseits zu fahren, sein junges Leben zu beenden-

Nein! Nicht sein Leben sollte in dieser Nacht enden. Robert fiel es wie Schuppen von den Augen: Der alte Mann, der besoffene Opa, für ihn war der Tod gekommen. Er sollte sterben. Und wenn Robert ihn nicht überholt hätte, wäre der Alte als erstes an der Straße gewesen und in den Wagen gestiegen.

"Hören Sie, ich, äh, oh Scheiße, also, das, also, ja, ich- ich bin nicht der, den Sie- ich war nur zufällig an der Straße und..."

Der Fahrer wandte sich um und Robert starrte in das höhnische Grinsen des Totenschädels, aus dessen Augen sich Würmer wanden.

Ohne noch groß nachzudenken, riß Robert die Tür auf und ließ sich aus dem Wagen fallen. Er landete seitlich auf dem Asphalt und ein stechender Schmerz durchfuhr seine rechte Schulter.

Egal, er mußte hier weg. Er mußte den Alten finden und zu dem Wagen führen und damit sein Leben retten.

Die Limousine kam zum Stehen. Robert rannte los, runter von der Straße, auf eine Wiese und in Wald. Im Hintergrund hörte er das Öffnen und Schließen der Wagentür. Dann wurde eine zweite Tür geöffnet- die Sense! Oh Scheiße, er holt die Sense, und er wird dich holen! Oh Gott, bitte nicht, das darf doch alles nicht wahr sein!

Robert beschleunigte und tauchte in die Dunkelheit des Waldes ein. Er sah die Hand vor Augen kaum, stolperte oft, aber hielt sich auf den Beinen. Hinter sich hörte er Schritte! Schritte, die näher kamen. Kurz schaute er sich um, aber konnte nichts erkennen.

Als er wieder nach vorne schaute, stand das Skelett mit seiner Sense direkt vor ihm.

In diesem Moment setzte Roberts Herz von einer Sekunde auf die andere aus, und er fiel tot zu Boden. In seiner Panik und in der fast perfekten Dunkelheit hatte er einen jungen Baum für seinen Verfolger gehalten. Diesen Schock hatte sein von Zigaretten und Alkohol geschwächtes Herz nicht verkraftet.

Eine dünne, hagere Gestalt, in der linken Hand eine Sense tragend, kam näher und betrachtete die Leiche. Dann packte sie sie am Knöchel und zog sie davon.

ENDE

Copyright 2022 by www.BookOla.de
Joomla templates by a4joomla