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Zwei alte Männer

  
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Ich habe in letzter Zeit nicht viel schönes gesehen. Die Welt hat sich verändert, nichts ist mehr so wie es einmal war. Nichts wird billiger und noch weniger wird dir geschenkt. Nur, was sollen wir uns beschweren? Wir können froh sein, dass wir noch am Leben sind, denn das Leben ist schwer geworden. Doch gestern, gestern traf ich einen kleinen Lichtblick. Ich spazierte so im Park entlang, über die grüne, herrlich nach Frühling duftende Wiese. Sie müssen wissen, ich laufe gerne über die Wiese. Alle tun das. So alt und gebrechlich wie ich es bin, aber wenn ich über die Wiese laufe, dann fühle ich mich wieder jung. Manchmal setze ich mich auch auf dem Spielplatz in den Sandkasten. Es will zwar kein Kind mit mir spielen, im Gegenteil, sie rennen angewidert davon, aber das macht mir nichts aus. Ich bleibe sitzen, wühle etwas im Sand und dann gehe ich wieder zurück auf die Wiese. Die Schaukel und die Rutsche lasse ich aus, weil ich ein alter Mann bin und nicht mehr so toben kann wie ich gerne möchte. Ich gehe auch hin und wieder zu dem kleinen Teich im Park. Dort sind immer viel Enten und Vögel und die Leute füttern sie mit altem Brot. Ich denke mir immer, wie sich die Leute das nur leisten können ihr teures Brot zu verschenken. Sie könnten es besser mir geben, denn ich habe immer Hunger. Das Leben ist hart geworden. Danach gehe ich meistens wieder nach Hause, denn ich möchte nicht in diesem Park sein, wenn es dunkel ist. Die Straßen sind gefährlich wenn es Nacht ist...

Aber ich wollte Ihnen ja von meiner Begegnung erzählen. Ich ging also wieder über die Wiese, so wie jeden Tag. Ich sah eine Katze, die an mir vorbei ging, mich anfauchte und die Nackenhaare aufstellte. Ich dachte bei mir, dass es eigentlich an der Zeit wäre.... nein, das muss ich anders ausdrücken.... ich dachte, dass es eigentlich ein schöner Tag zum sterben wäre. Wissen sie, ich bin schon sehr alt. Habe ich das schon erwähnt? Und ich bin auch etwas vergesslich, muss ich zu geben. Das Leben ist hart geworden. Als ich so diesen Gedanken hatte, wendete sich die Katze von mir ab. Blödes Vieh. Ich fühlte mich schon recht schlapp, also suchte ich mir eine freie Bank aus. Sie war rot, und stach sich mit dem Grün der Wiese. Ich setzte mich ganz an die äußerste Kante, dass wenn sich jemand zu mir setzen wollte, auch Platz hatte. Eigentlich tat ich es um in den Abfalleimer schauen zu können, der neben der Bank aufgestellt war. Denn es setzte sich nie jemand zu mir, niemals. Die meisten Leute reagierten wie die Kinder aus dem Sandkasten. Vielleicht war ich ihnen zu hässlich. Viele Frauen kreischten auch leise, wenn sie mich sahen und zogen ihre tobenden Kinder von mir weg. Früher, früher als ich noch jung war, da liefen mir die Frauen hinterher. Weil sie mich alle umbringen wollten... aber das machte nichts, denn damals beachteten sie mich wenigstens noch. Ich saß also auf der Bank und starrte in den Mülleimer. Darin lag ein angebissener Cheeseburger an dem sich bereits die Ameisen vergriffen. Wie die Leute heutzutage so etwas noch wegschmeißen können, dabei ist alles doch so teuer, und das Leben so hart geworden. Ich schnippte das Brötchen darauf weg und zog mir den Käse herunter. Er war sogar noch warm. Er roch fabelhaft und ich hätte ihn am liebsten sofort verputzt, da hörte ich eine altbekannte Stimme: "Junger Mann, wären Sie vielleicht so freundlich und würden mir ein Stück ihres fabelhaften Käses abgeben. Ich habe bereits seit Tagen nichts gegessen."

Ich sah von meinem Stück Käse auf und erblickte meinen alten Freund Ernesto. Ernesto war vor langen Jahren mit einem Schiff hier her in die Stadt gekommen. Seitdem wohnte er auf der anderen Seite des Parks. Ich hatte ihn schon sehr lange nicht mehr gesehen. So lange, dass ich dachte, er wäre bereits... na ja Sie wissen schon. Doch er war pudelmunter... na ja, abgesehen davon, dass er um einiges älter war als ich und auch an ihm die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen war. "Natürlich, setz dich zu mir. Für einen Freund habe ich immer noch etwas übrig." rief ich ihm zu und er setzte sich zu mir. "Mmmmh. Ein echter Leckerbissen. Es ist eine Schande, dass die Leute alles wegwerfen. In Indien, in Indien da werfen die Leute nichts weg. Dort ist es schwer solch fabelhafte Mahlzeiten zu bekommen." sprach er mit vollem Mund.

"Du warst in Indien?" fragte ich erstaunt.

"Ja, mich hatte die Reiselust gepackt und da bin ich eines Morgens auf ein Schiff gegangen. Ich dachte mir, egal wo es mich hinführt. Und so bin ich in Indien gelandet. Aber man vermisst doch das zu Hause und so bin ich wieder zurück gekommen."

"Und deine Frau und deine Kinder?"

"Da gab es diesen Unfall, im letzten Winter," er sprach bedrückt und mit belegter Stimme "Ich sagte noch, Kinder, sagte ich... Kinder spielt nicht auf der Straße, es ist gefährlich. Und dann ist es passiert. Sie sind überfahren worden. Der Autofahrer hat nicht einmal angehalten. Er hat sie einfach überfahren."

"Das tut mir leid."

"Sarah, meine Frau, sie hat es nie richtig überwunden. Und vor drei Monaten da ist sie.... sie ist...." nun sah es wirklich so aus, als würde er die Ohren hängen lassen und seine Nase fing an zu laufen. "Weißt du, ich weiß dass ich alt bin, und dass es mit mir auch bald zu Ende gehen wird. Aber ich dachte niemals, dass ich sie verlieren würde. Ich war mir fast sicher, dass sie ewig leben würde... Aber nun..."

Ich leckte mir die Finger, nach dem letzten Bissen Käse. Wir waren beide ruhig und sahen den Leuten nach, die an uns vorüber gingen.

"Hast du eine Bleibe?" fragte ich Ernesto. Er schüttelte langsam den Kopf. Und ich dachte vor wenigen Augenblicken noch, dass ich sterben müsste, aber dieser Mann stellte noch weniger als ein Häufchen Elend dar. "Meine Nachbarn sind letzte Woche ausgezogen und ihre Wohnung ist noch frei," sagte ich. "Wenn du möchtest brechen wir die Wand durch, vergrößern meine Bude und du bleibst bei mir. Wir zusammen, wir zwei alte Herren."

"Ich weiß nicht. Wir, in unserem Alter? Sollten wir uns noch so viel Arbeit machen?"

"Warum nicht? Man lebt nur einmal. Und wenn der ganze Schuppen zusammenbricht hatten wir wenigstens noch etwas Spass." Man sah ihm an, dass er etwas lächeln wollte. Aber er kam mit mir mit. An dem Teich vorbei, an dem Die Leute immer noch die Enten fütterten und über die grüne Wiese, die mittlerweile von der Mittagssonne aufgewärmt war. Bis wir vor meiner Wohnung standen. "Na ja, es ist nicht mehr das, was es früher mal war. Es hat schon bessere Tage gesehen. Aber besser dieses Loch, als gar kein Loch." versuchte ich mich zu rechtfertigen. Ich verschwand in dem kleinen Erdloch und er folgte mir. "Du hast verdammt recht. Das Leben ist hart geworden für uns Mäuse."

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