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Rosie

© 2003 Schorsch Herzmann
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"Unseren Garten. In Hispwich." Schläfrig. Betäubt.

"Und was kannst du noch sehen. Ist jemand bei dir?" Säusel, säusel.

"Ja. Mein Bruder. Josy." In der Zimmerecke zuckt ihre Mutter unmerklich zusammen und bewegt sich leicht auf dem Sessel, in dem sie Platz genommen hat. Ihr Kleid raschelt leise am Leder.

"Was macht ihr?" fragt Doktor Chero leise aber eindringlich.

"Wir spielen Fußball. Er steht im Tor und ich schieße." Ein Lächeln zuckt über ihre blassen Wangen, dann ist es wieder fort. "Das Tor ist eigentlich kein Tor. Es sind zwei Bäume und eine Schnur."

"Was passiert jetzt?" Chero beugt sich leicht vor und sieht gebannt auf die geschlossenen Lider des Mädchens.

"Ich schieße aber der Ball geht weit vorbei."

"Was tut dein Bruder, Josy?"

"Er lacht." Ihre Gesichtszüge sind erstarrt. Der Doktor bohrt tiefer.

"Was machst du?"

Sie ringt mit sich, dann: "Ich geb ihm einen Klaps."

"Du schlägst ihn?"

"Nein. Anders." Ihre Stimme sinkt auf ein Flüstern herab. "Mit meinen Augen."

"Wie machst du das?"

"Ich weiß nicht."

Der Doktor wirft der Mutter einen vielsagenden Blick zu und schüttelt den Kopf. Sie zuckt wieder zusammen, diesmal bemerkt auch der Doktor diese Gefühlsregung.

"Was macht dein Bruder?"

"Er...er fällt hin."

"Und dann?"

"Er steht auf."

"Was passiert dann, Rose?"

Eine einzige Träne kullert ihre Wange hinab. Sie schluchzt leise.

"Er kommt auf mich zu. Er will mich zurück schlagen."

"Auch mit den Augen, Rose?"

"Nein. Anders."

"Mit den Händen?"

"Ja." Rose zittert leicht auf dem Sofa.

"Was passiert jetzt?" Er bohrt.

"Ich hab Angst."

"Läufst du weg?" Bohr!

"Nein. Das brauche ich nicht."

"Was tust du dann? Lässt du dich schlagen?"

"Nein. Ich schlag ihn ein wenig fester als eben."

"Wieder mit den Augen?"

"Ja."

"Wie reagiert er?" Bohr.

"Er fällt." Sie schluchzt wieder und eine zweite Träne gesellt sich zu der Ersten.

"Jetzt liegt er auf dem Boden. Was machst du?"

"Ich...ich schlage ihn wieder." Nur noch ein Stimmchen.

"Obwohl er auf dem Boden liegt?" Bohr!

"Ich kann nicht anders. Es ist zu stark."

"Was ist zu stark, Rosie?"

Sie runzelt die Stirn. "Ich weiß nicht."

"Du weißt es nicht?"

"Nein." Chero sieht resigniert auf seinen Notizblock, dann wieder auf ihre geschlossenen Augen.

"Was macht dein Bruder?"

"Er schreit."

"Und was machst du?"

"Ich weiß es nicht."

"Du weißt nicht, was du tust?"

"Nein." Mit diesem Wort auf den Lippen öffnet sie die Augen und das Inferno bricht aus. Doktor Chero kippt in seinem Stuhl nach hinten und fällt auf den Rücken. Er wird von einer unsichtbaren Hand gepackt und an die Wand gezogen, wo er benommen liegen bleibt. Von fern hört Rose die Schreie ihrer Mutter, die aus ihrem Sessel aufgeprungen ist, um sie zu beruhigen. Rose richtet sich auf und sieht ihre Mutter an. Sie wird nach Hinten geschleudert und prallt gegen die hohe Fensterscheibe. Das Glas zerbricht und ihre Mutter kann sich gerade noch an einem Bein des Bürotisches festhalten, um nicht sechzig Stockwerke in die Tiefe zu fallen. Sie schreit ununterbrochen. Die Sekretärin des Doktors kommt zur Tür herien gespurtet und als sie das Mädchen ansieht, reisst eine unsichtbare Hand ihren Kopf vom Rumpf und schleudert ihn zurück in ihr Büro, wo er mit glotzenden Augen liegen bleibt. Der Doktor schreit und Rose sieht ihn an. Er rast vom Boden zur Decke und prallt dort gegen den Putz, der sich in Bröckchen löst und zum Teppich niederrieselt. Der Sog des Windes, der zum zerbrochenen Fenster hineinweht, wirbelt Papier und Akten auf. Rose konzentriert sich kurz auf einen Lampenständer und das blanke Stahlgehäuse fliegt zur Zimmerdecke empor und zerteilt Doktor Cheros Körper in zwei Hälften. Immer noch röchelnd nach Luft holend, fallen beide Teile auf den Fußboden und der Teppich saugt sich mit dunkelrotem Blut voll. Der Schreibtisch hebt sich empor und wird von der Hand zum Fenster gerissen. Roses Mutter schreit immer noch und klammert sich, von Panik ergriffen, am Tischbein fest. Der Tisch zerschlägt die letzte intakte Fensterscheibe und wird hinaus getragen. Roses Mutter wird brüllend mit in die Tiefe gerissen.

Langsam kommt Rose wieder zu sich. Sie liegt auf dem Sofa. Das erste, das sie bemerkt, ist die Kälte. Es zieht fürchterlich in Doktor Cheros Praxis. Dann sieht sie, was geschehen ist, und beginnt leise zu wimmern.

 
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