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Rebellion im Dreimannzelt

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Ein leichtes Nebelband bedeckte noch die Wiese, als Norb erwachte. Eine LkW-Kolonne durchbrach seinen Kopf. Zu viel geraucht, zu viel Alkohol und zu wenig Schlaf ermöglichte die freie Durchfahrt. Das Brummen war mörderisch und Norb ließ seinen schweren Kopf wieder zurück auf die Luftmatratze sinken. Langsam, sehr langsam und bedächtig, das mußte sein. Er schlief wieder ein. In der Nacht zuvor hatten seine Freunde und er eine berauschende Party zelebriert. Es war nicht mehr die Zeit der Punks, nicht mehr die, der Heavy Metal Freaks und schon gar nicht mehr das Discojahrzehnt. Nein, Norb und seine Freunde verschrieben sich dem Hip Hop voll und ganz. Snakeboards waren mittlerweile auch nicht mehr cool. Pet, ein junges Mädchen aus der Nachbarschaft, feierte in jenem Sommer ihren Geburtstag, was ein ausreichender Anlaß war, um mitzufeiern. Pet wurde 16 Jahre alt. Ihr Onkel bot ihr an, sein Grundstück am Ferredeenersee für die große Party zu benutzen. Die Jugendlichen ließen sich da nicht zweimal bitten und eroberten bereits am Vortag das abgelegene Gelände. All ihre Freunde kannten diesen märchengleichen Platz, trafen sie sich doch hier bereits seit Jahren, um im Sommer zu baden oder im Winter, um hinter dem Puck herzujagen. Pet, Norb und ihre Freunde lebten elf S-Bahn-Stationen von der City entfernt, in einem kleineren Örtchen namens Ferredeen. Ferredeen ist ein langweiliges Nest, daß nur ein einziges Mal in den Schlagzeilen der Landespresse auftauchte, als ein gekidnappter Schulbus an der hiesigen Tankstelle von Mister Bernard hielt, um zu tanken. Ein geisteskranker Mann hatte sich damals mit vierzehn Schulkindern zehn Kilometer später in die Luft gesprengt. Das lag jedoch mittlerweile mehr als 14 Jahre zurück, und Pet wußte von diesem Ereignis nichts. Die Bewohner von Ferredeen verlernten mit dem Verschwinden der Journalisten darüber zu sprechen. An Pets sechzehnten Geburtstag dröhnten die kleinen Lautsprecher der Anlage, während sie, Norb und die anderen die Zelte aufbauten, die Getränke mit Schubkarren herantransportierten und Kevins Clique auf den Luftmatratzen draußen auf dem See herumtollten. Kevin war Pets jüngerer Bruder. Er war 15 Jahre alt, und kam aus der ersten Ehe ihres jetzigen Vaters mit in die Familie. Kevin verkörperte das negativste Vorurteil eines Einzelkindes, wie es besser nicht sein konnte. Auch Pet mochte ihn nicht. Es entstand in kürzester Zeit eine kleines Zeltlager. Von der Ferne war es nett anzusehen. Im Hintergrund, der ruhige Ferredeenersee, die blauen, grünen und silbernen Dreiecke auf der saftig grünen Wiese, linksseitig begrenzt vom Waldrand und von der Rechten von dem verlassenen Haus, des alten Dr. Kulovsneski. Das steinerne Haus war bereits zur Jahrhundertwende von betuchteren Großstädtern errichtet worden. Nach dem zweiten Weltkrieg verbrachte Dr. Kulovsneski hier seinen Lebensabend. Seither verfällt das Gemäuer immer mehr. Schwere Holzplatten versperren jeglichen Zutritt. Pets Onkel hatte sie vor etwas mehr als zehn Jahren angebracht, damit nicht eines der Kinder auf dumme Gedanken kommt. Doch nahmen sie nichts vom Charme des Anwesens, denn der Efeu ließ einem die Platten längst nicht mehr erkennen. Norb kannte viele Gruselgeschichten, die sich um das Steinhaus drehten, doch wurde an solch alte Kamellen nicht gedacht. Es war eine Party angesagt. Man mußte sich nicht aus dem Haus schleichen, um in die Stadt zu fahren. Es war endlich eine Party direkt in ihrer Nähe. Als sich die Schatten der Bäume über die Zelte legten, tummelten sich bereits alle um das Lagerfeuer. Pets Onkel wollte sich nicht von den Jugendlichen trennen. Er hatte so ein mulmiges Gefühl. Doch Pets Tante drängte ihren Mann dazu, die Kids in Ruhe zu lassen und erinnerte ihn an seine eigene Jugend. Pets Onkel gab urplötzlich bereitwillig nach, als seine Frau ihm unmißverständlich klar machte, daß die Wohnung in dieser Nacht ganz allein ihnen beiden gehören würde. Endlich war Pet unbeaufsichtigt. Endlich. Endlich konnten die Zigaretten hervorgeholt werden und Kevins Clique schleppte die ersten beiden Kästen Bier vom Seeufer hoch zu den Zelten. Laute, betrunkene Kids, das Lagerfeuer, Hip Hop aus den kratzigen Boxen und die ersten sexuellen Erfahrungen. Es war eine Nacht, wie es sich alle wünschten. Doch bereits gegen 1 Uhr früh sollte diese "Idylle" ein jähes Ende nehmen. Die hohen Tannen beugten sich der Kraft des Windes und nur wenige Augenblicke darauf wurde der Sternenhimmel über ihren Köpfen, wie eine kleine graue Maus von einer Schlange, von schweren Gewitterwolken verschlungen. Donner über Donner kam das Unheil schnell näher und nur die Wenigsten fanden Platz in den Zelten, da bereits zwei der Zelte vom Sturm davon gerissen waren. Es ergoß sich ein wahrer Wasserfall über dem See. Als das Lagerfeuer erlosch saß die Mehrzahl der Partygäste bereits auf ihren Fahrrädern und Rollern, und verließen diesen unangenehmen Ort. Nun waren Pet und Norb mit drei weiteren Kids alleine. Sie kauerten in dem größten Zelt zusammen. Pet ließ sich nicht beirren, schließlich war ihr Schwarm Timmy noch da. Sie kuschelte sich an ihn, um sich zu wärmen. Sarah und Josch lagen bereits seit den Nachmittagsstunden engumschlungen in einer Ecke des Zeltes. Es schien, als hätten sich nicht bemerkt, was Draußen los war. Die schweren Regentropfen hämmerten gegen die Plane. So verging eine halbe Stunde. In seinem Kopf spielten sich Szenen von Kriegsfilmen ab. Er liebte Kriegsfilme. Norb war süchtig nach Kriegsfilmen. Er selbst schob stets vor, daß es doch meist Anti-Kriegs-Filme waren, die er sich verinnerlichte, um nicht Ärger mit seinen Eltern zu bekommen. Norb wurde es zu dumm, den beiden Pärchen zuzusehen. Er kroch aus dem blauen Zelt, um kurz darauf in dem benachbarten unterzukommen. Der schwere Sturm war vorbei, doch der Regen ließ nicht davon ab, die Wiese zu ertränken. Norb fand einen trockenen Schlafsack, rollte ihn aus und aus dessen Inneren rollte eine Flasche billiger Rotwein. Norb verkroch sich in den Schlafsack, griff nach seinem Schweizer Taschenmesser und öffnete die Flasche. Er hatte einige Mühe mit dem Korken fertig zu werden, schließlich machte er dies zum ersten Mal. Endlich war dieses Hindernis überschritten und er nahm einen kräftigen Schluck. Mehr als ein Viertel des Inhalts beim Ersten, und dann war die Flasche bereits zur Hälfte leer, als er nach dem zweiten Schluck absaß. Er kümmerte sich nicht mehr um Regeln. Norb zündete sich im Zelt eine Marlboro an und legte sich genüßlich nach hinten. Wenig später schloß er die Augen und fuhr auf einem Kettenkarussell ins Land der Träume. Es sollte ein unruhiger Schlaf werden. Norb träumte sich nur wenige Stunden seiner Erinnerung zurück an den Anblick des hübschen blonden Mädchens. Er wußte nicht, wie sie hieß, oder wo sie wohnte, wie alt sie war, oder was man eben noch über ein Mädchen wissen mußte, bevor man sich in sie verlieben sollte. Doch leider war er nachmittags zu schüchtern, um sie anzusprechen. Jedoch nicht jetzt, auf seiner wilden Fahrt auf dem Kettenkarussell. Hier spielten sie vergnügt im kühlen Wasser des Sees und seine Augen ließen nicht von dem göttlichen Anblick ihres Bikinioberteils ab. Sie lächelte ihn an, küßte ihn und das junge Pärchen kuschelte am wärmenden Lagerfeuer. Bis plötzlich die romantische Ruhe von einem lauten Schlag zerrissen wurde. Eine der schweren Holzplatten katapultierte sich auf den kahlen Boden des ehemaligen Gemüsebeets vor Dr. Kulovsneskis Haus. Ein schneller Schatten, ein Mensch, ein Tier oder was auch immer sprang aus der Öffnung ins Freie. Das hübsche Mädchen, Pet und ihre Freunde rannten vor Angst um ihr Leben. Doch sollte die verzweifelte Flucht nur von kurzer Dauer sein. Das Wesen aus dem Steinhaus war zu schnell. Viel zu schnell. Es spielte mit den Kids wie sie es früher selbst auf dem Schulhof taten, Fangen. Doch bei diesem Spiel gab es keinen wechselnden Jäger. Der Reihe nach fing jedes der Kinder zu brennen an. Eine kurze heiße Flamme und schon fiel der brennende Körper in sich zusammen. Schreie, Panik und aufblitzende Flammen erfüllten die Nacht. Norb wurde an den Füßen gepackt. Zwei starke Hände umklammerten seine abwehrenden Beine und zogen ihn über die nasse Wiese. Sein Strampeln wurde von der Kraft der gegnerischen Arme mit Leichtigkeit zum Stillstand gebracht. Sein jugendlicher Körper wurde jetzt ständig um die eigene Achse seines Widersachers gewirbelt, bis er sich übergab und im kalten Naß zu sich kam. Schweißgebadet erwachte Norb ein zweites Mal. Es war bereits sehr heiß in dem Zelt und die Sonnenstrahlen töteten auf einen Schlag mehr Gehirnzellen, als dies zuvor der Alkohol tat. Norb stand auf der Wiese, Stille. Niemand war zu sehen. Norb drehte sich zu dem blauen Zelt, um nach Pet und ihren Freunden zu sehen. Er öffnete mit seinem linken Handrücken den aufgeheizten Eingang. In dem Zelt lagen vier verkohlte Leichen.


 

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