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Stephen King
Glas – Der Dunkle Turm IV


Rezension von Bernd Krosta für www.buchrezicenter.de

 

Die Saga um Roland, den Revolvermann, hat endlich ihre Fortsetzung gefunden. Diese ist fast so lang wie die drei ersten Teile zusammen und bietet zudem Lesespaß für viele Stunden. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Im Gegensatz zu einer oft gehörten Meinung kann ich mich nicht erinnern, mal einen wahrhaft schlechten King-Roman gelesen zu haben. Okay, es gibt natürlich Bücher, die einen vom Thema her mehr interessieren, und man findet sie einfach BESSER als andere Romane. Aber Kings Schreibstil mit seiner oft übergenauen Zeichnung der einzelnen Personen, bis hin zu kleinsten Nebenrollen, seiner Akribie in der Ausarbeitung des Handlungsrahmens, zusammen mit der ausführlichsten Beschreibung von (...) kleinsten Nebensächlichkeiten am Wegesrand, machen seine Romane (...) immer wieder lesenswert. "Glas" nun war seit langer Zeit mal wieder ein Buch, das ich fast in einem Rutsch (vielleicht ein bisschen übertrieben bei 900 Seiten) mit Begeisterung gelesen habe.

Die Handlung beginnt dort, wo sie im dritten Teil, "Tot", endete - in Blaine, dem Mono, einer Art Superlokomotive, die exakt der Bahn aus Charlie Tschuff-Tschuff gleicht (dies ist ein Kinderbuch, das von Beryl Evans geschrieben wurde und dem einen oder anderen bestimmt bekannt sein dürfte). Blaine ist ein intelligenter Computer, der mit dem Ka-tet um ihr Leben spielt. Das Ka-tet ist die Gemeinschaft aus Roland von Gilead, dem letzten Revolvermann; Jake Chambers, einem elfjährigen Jungen aus den siebziger Jahren; Eddie Dean, einem ehemaligen Heroinsüchtigen aus den achtziger Jahren dieses Jahrhunderts, und Susanna Dean, einer an den Rollstuhl gefesselten jungen Bürgerrechtlerin aus den frühen Sechzigern, die zudem noch schizophren war. Alle drei Mitglieder neben Roland stammen also aus verschiedenen Epochen New Yorks in diesem Jahrhundert (wenn auch nicht unbedingt aus dem gleichen Universum). Nicht zu vergessen ist dabei der Bumbler Oy, ein halbintelligentes Tier, das nicht gerade der unwichtigste Bestandteil der Gruppe ist.

Wie das bei einem Mehrteiler so ist: Ohne Kenntnis der Vorgeschichte bleibt es schwierig, einzusteigen. Ich kann deshalb nur empfehlen, den bisher erschienen Teil des Zyklus um Roland nachzulesen. Nur noch soviel: Roland stammt aus einer Art Paralleluniversum (ist aber nicht unbedingt bewiesen, Zeit und Raum verschwimmen hier sowieso); dort ist die uns bekannte Zivilisation schon lange untergegangen, und nur noch technische Überreste zeugen von ihr. Roland ist seit Jahrhunderten auf dem Weg zum dunklen Turm. Dessen Definition bleibt ein bisschen verschwommen; für mich ist er der Kernpunkt zwischen allen Paralleluniversen, in unterschiedlicher Form überall existent, der Knoten, das Zentrum, das im Moment oder seit Äonen zu verfallen scheint, wodurch sich die einzelnen Welten auflösen und auch die Trennlinien zwischen den verschiedenen Welten zersetzen. Roland trifft immer wieder auf sogenannte Schwachstellen, die die Realität, die von ihnen befallene Umgebung, auflösen.

Aber zurück zur Handlung. Blaine, die Intelligenz im Computer, ist ziemlich (oder auch komplett) verrückt. Er hat es sich zum Ziel gemacht, sich (also die Lok) an der Endhaltestelle in Topeka umzubringen - mit vollem Karacho in die Bremsblöcke. Davon wären natürlich auch die Mitreisenden, nämlich Robert und seine Freunde, betroffen. Zum Glück hat Blaine jedoch ein Faible für Rätsel, und so wird halt gerätselt. Sollte Blaine eines der von der Gemeinschaft gestellten Rätsel nicht lösen können, würde er seine Absicht aufgeben - soweit man einem verrückten Computer trauen kann.

Ich verrate wohl nicht zuviel, ich sage ja auch nicht wie, aber es gelingt der Gemeinschaft selbstverständlich, aus Blaine zu entkommen. Danach gelangen sie in eine Welt, die uns - aus einem anderen King-Roman - seltsam vertraut erscheint: "Das letzte Gefecht". Die Welt, wo durch Captain Tripps, eine Superseuche, die meisten Menschen getötet wurden, aber eine kleine aufrechte Gruppe im letzten Gefecht gegen das Böse in Person von Flagg antritt.

Und hier erzählt Roland seinen Weggefährten seine Geschichte, die Geschichte um seine erste Liebe sowie den Anfang vom Ende der Welt der Revolvermänner, von Mittwelt. Dieser Abschnitt nimmt den größten Teil des Romans ein. Es ist eine Mischung aus Western, tragischer Liebesgeschichte, Fantasystory mit Magie und Zauberern und Endzeitgeschichte. King bedient sich fleißig in verschiedenen Genres, klaut ein bisschen bei "Der Herr der Ringe", verwendet etwas Artus-Saga oder auch die Charly Tschuff-Tschuff Geschichte von Beryl Evans. Aber King verwebt alles perfekt in sein eigenes Universum; es ist eher so, als ob man gute Bekannte trifft, die man sich gern in Erinnerung ruft. Zudem hat sich King ja auch aus dem eigenen Fundus bedient, und es sollte mich nicht wundern, wenn uns in Zukunft noch mehr Gestalten oder Gegenden irgendwie bekannt vorkommen sollten.

Ich denke nicht, dass es hier darum ging, dass King einfach der Stoff ausging und er sich aus altem Gut oder der Phantasie anderer bedienen musste. Die Geschichte um Roland ist für ihn eine Art Zentralwerk, ein Schnittpunkt, wo viele Geschichten zusammenfließen; und wie ich schon sagte, wenn dies so perfekt wie in diesem Buch abläuft, wird durch die alten Bekannten nur neue Spannung erzeugt - King at his best. (...)


Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

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