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Stephen King
ES


Rezension von Michael Matzer für buchwurm.info

Lasset die Kinderlein siegen

Kinder retten die Welt – und Kings Kinder retten ihn. Daher auch seine Widmung an sie, die ihn "lehrten, frei zu sein". Derrys Kinder retten nicht nur Derry, sondern die innere Welt jedes einzelnen, der dieses Buch liest. Wird der Leser dadurch gleichzeitig freier? Vielleicht verlieren sich ein paar Ängste auf dem Weg.

Warum ausgerechnet Kinder? Sie kommen in Kings Romanen und Erzählungen – z.B. in "Stand by me/Die Leiche" - häufig vor. Kindliche Vorstellungswelten und Phantasiebilder sind noch elementar und weitgehend ungetrübt bzw. überformt von der rationalen, auf logische Zusammenhänge ausgerichteten Denkweise, die die Erwachsenen als Schild gegen ihre Urängste übernehmen (ganz abgesehen davon, dass sie in der Schule dazu gezwungen werden). Bei Kindern entscheidet oft allein der Glaube über Dichtung oder Wahrheit. Es gibt das Ungeheuer im dunklen Keller (oder unterm Bett), weil sie noch an kinderfressende Ungeheuer glauben. Kinder sind deshalb eher in der Lage, das Irreale zu akzeptieren – Erwachsene werden darüber wahnsinnig. Deshalb sind es die Kinder, die ES sich als Opfer aussucht, weil ES von ihren Ängsten und Alpträumen lebt; aber es können auch nur Kinder sein, die ES schließlich besiegen.

Handlung

Die Geschichte spielt in Derry, einer fiktiven großen Kleinstadt im US-Bundesstaat Maine. In Bangor/Maine lebt bekanntlich King himself. Die Story beginnt rückblickend im Jahr Oktober 1957, als Bill Denbroughs kleiner Bruder George brutal getötet wird – Täter unbekannt. Bis zum Sommer 58 verschwinden weitere kleine Kinder, deren Leichen schrecklich zugerichtet aufgefunden werden.

In diesem Sommer bildet sich der "Club der Verlierer": sieben Kinder zwischen 10 und 11 Jahren, mit Bill als ihrem Anführer. Sie haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind der gnadenlosen Verfolgung durch eine Bande älterer Kinder ausgesetzt, und sie haben alle etwas Unbeschreibliches, Alptraumhaftes erlebt. ES hat sich den "Verlierern" in unterschiedlichsten Gestalten gezeigt, aber sein "allgemeines" Kostüm ist das eines Clowns (den Tim Curry im Film exzellent spielt) mit orangefarbenen Pompons und einem blutigrot geschminkten Mund, der ab und zu spitze Zähne offenbart.

Seltsame und entsetzliche Geschehnisse überzeugen die Kinder bald davon, dass sie nicht zufällig zusammengefunden haben. Sie wurden vielmehr mit Bedacht auserwählt, denn sie haben eine Pflicht zu erfüllen, eine schreckliche Pflicht: Sie müssen ES töten. In den Abwasserkanälen unter Derry kommt es zur (ersten) entscheidenden Auseinandersetzung.

Die zweite Handlungsebene setzt 27 Jahre später ein. Auslöser ist diesmal der Mord an einem Homosexuellen, dem im Verlauf des Frühjahrs 1985 weitere (Kinder-) Morde folgen. Schließlich greift Mike, einer der Original-Sieben, zum Telefonhörer. Er ist in Derry geblieben und hat auf SEIN Wiedererscheinen gewartet. Einem Schwur zufolge, den die Kinder vor 27 Jahren mit Blut besiegelt hatten, müssen sie alle nach Derry zurückkehren, wenn ES noch lebt.

Alle bis auf Stan folgen Mikes Ruf, obwohl sie inzwischen ihre Kindheit in Derry fast völlig vergessen haben. Nicht so Stan: In einem Anfall grenzenloser Panik begeht er Selbstmord. Die anderen machen in Derry eine Reise in die Vergangenheit. Die Parallelen zu damals sind unheimlich und furchterregend. ES hat sie zurückgerufen, um sich zu rächen. Werden die Erwachsenen noch einmal wie die Kinder von damals sein können, um heldenhaft zu vollbringen, was damals nicht gelang: ES endgültig zu vernichten?

King entrollt diese Geschehnisse in stetigen Sprüngen zwischen 1958 und 1985, so, wie sich allmählich die Erinnerungslücken der Erwachsenen schließen. Eingestreut sind Ereignisse aus der Geschichte Derrys, wie sie Mike, der Bibliothekar, in Erfahrung gebracht hat. Diese Seiten verhelfen dem Leser und der Spannungskurve zu dringend benötigten Verschnaufpausen.

Die letzte Episode hätte sich King aber besser gespart, denn die Glaubensbereitschaft des Lesers wird hier doch etwas überstrapaziert.

Fazit

Dies ist nicht nur einer besten und bekanntesten Horrorromane, sondern natürlich auch ein Generationenporträt. Die Elvis-Presley-Ära wird der Reagan- und New Wave-Ära gegenübergestellt. King ist in beiden praktisch zu Hause und weiß sie auch auf den Punkt zu bringen.

Es, pardon: "ES" ist aber auch ein Science-Fiction-Roman. ES stammt ja keineswegs von der Erde, sondern wie die Monster in "Desperation", "Regulator" und "Tommyknockers" aus dem entferntesten Weltraum. (Armes Derry, das hat es nicht verdient, dass sich die Alien ausgerechnet im friedlichen Maine breitmachen!) An einer Stelle des Kampfes der Erwachsenen fühlt sich einer der Helden in das schwarze Vakuum hineingezogen, aus dem ES stammt - Der Special Effect der Zeitreise lässt sich vom Autor ganz einfach, aber unauffällig durch das Hin- und Herschalten zwischen den beiden Zeitebenen erzielen.

Noch ein Wort zur 1. deutschen Übersetzung: Es sollte sich herumgesprochen haben, dass man Gallonen, Fahrenheit und Fuß durchaus ins metrische System übertragen kann – unter einem 80 Grad Fahrenheit heißen Tag kann ich mir einfach nichts vorstellen. Diese Fehler wurden in der Überarbeitung durch Joachim Körber ausgemerzt.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors

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