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Stephen King
ES
Rezension © 2011 by Tiberius für BookOla.de
ES Neuübersetzung
Originaltitel: It
Übersetzung:
Alexandra von Reinhardt, Joachim Körber
Taschenbuch, 1.536 Seiten
ISBN: 978-3-453-43577-3
€ 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 18,90
Verlag: Heyne

Kurzbeschreibung

Die Handlung spielt in der fiktiven Kleinstadt Derry in Maine. Die sieben Hauptfiguren Bill Denbrough, Mike Hanlon, Ben Hanscom, Beverly Marsh, Stan Uris, Richie Tozier und Eddie Kaspbrak lernen sich 1958 mit etwa 11 Jahren kennen. Sie verbindet, dass jeder von ihnen ein „Handicap“ hat: Bill stottert, Mike ist schwarz, Ben ist übergewichtig, Beverly ist arm, Stan ist Jude, Richie ist vorlaut und Brillenträger und Eddie klein und kränklich. Sie nennen sich selbst „Der Club der Verlierer“. Sie schließen sich zusammen, da sie von den anderen Kindern nicht akzeptiert werden. Probleme bereitet ihnen vor allem Henry Bowers, ein 12-jähriger Junge, der gerne kleine Kinder verprügelt - doch in letzter Zeit verliert Henry langsam den Verstand, und es bleibt nicht mehr nur bei Prügeleien.

Gleichzeitig werden in der Stadt Kinder ermordet oder verschwinden. Eines der Opfer war Bills jüngerer Bruder Georgie. Entsetzt stellen die Kinder fest, dass in einem Zyklus von etwa 27 Jahren immer etwas Schlimmes in Derry passiert. Sie stellen sich dem Grauen und Es begegnet ihnen in der Kanalisation von Derry. Dort, so haben sie herausgefunden, hat Es seine Behausung. Und das Schlimmste ist, Es kann die Gestalt der größten Angst der Person, die Es gerade überfällt, annehmen. Meistens tritt Es aber in der Gestalt des Clowns Pennywise auf, weil diese anziehend auf Kinder wirkt.

In der Kanalisation verletzen sie Es, und verschwinden in dem schrecklichen Irrglauben, Es getötet zu haben. Sie schwören jedoch zurückzukommen, falls Es jemals wieder auftauchen sollte. Sie zerstreuen sich über die ganze Welt. Bill wird ein erfolgreicher Schriftsteller, Ben Architekt, Beverly Modedesignerin, Richie wird Radiomoderator, Stan Unternehmensberater und Eddie leitet ein erfolgreiches Chauffeur-Unternehmen. Sie alle haben ihre Kindheit größtenteils vergessen bzw. verdrängt, was auf die Begegnung mit Es zurückzuführen ist. Nur Mike, der in Derry geblieben ist, ist weitaus weniger erfolgreich als die anderen. Er ist Leiter der Stadtbibliothek und verfolgt die Spur, die Es durch die Stadtgeschichte zieht. Da er sich zudem wesentlich besser an die Ereignisse erinnert, wirkt er auch älter als die anderen.

1985 scheint Es wieder aufzutauchen, zuerst mit dem Mord an einem homosexuellen Mann. Doch dann beginnen auch wieder Kinder zu verschwinden. Mike ruft die Freunde an, damit sie Es endgültig besiegen können. Bis auf Stan erscheinen alle - er hatte sich nach Mikes Anruf in der Badewanne die Pulsadern aufgeschnitten. Zusammen suchen sie Es wieder auf, und diesmal besiegen sie Es endgültig. Nach Es' Ende tritt bei allen ein sehr rapides Vergessen hinsichtlich aller Ereignisse und Derry an sich ein, mit dem der Roman endet.

Meine Meinung:

Eine Anmerkung zuvorderst: Ich versuche, auf Wortwitze über den Titel zu verzichten.

Wie fange ich mit einem der längsten Werke Stephen Kings an? Worum geht es überhaupt und warum halte ich es für einen der besten Romane überhaupt.

Der Roman spielt in zwei Zeiten. In Gegenwart und Vergangenheit. King erzählt im fließenden Wechsel über sieben Freunde. Den unglaublichen Ereignissen im Sommer 1958. Dem Entstehen und Wachsen von Freundschaften und wie all dies nach vielen Jahren der Trennung wiederentstehen kann.

Alles, was King dazu benötigt ist ein Gegenpol. Ein Gegenpol zur liebevollen Freundschaft junger Menschen. Ein Wesen, das so unglaublich grausam ist, dass sein Schaffen von denen verdrängt wird, die nicht genügend Phantasie haben. Von den Erwachsenen.

Die Frage, die sich mir während des gesamten Romans stellt ist folgende: Wer dieser beiden Parteien wird eigentlich durch wen definiert? Wachsen uns die Freunde so sehr ans Herz, weil sie sich gegen den grausamen Clown erwehren müssen. Oder wird Pennywise erst deshalb so grausam, weil er auf so brutale Art und Weise versucht seine Feinde zu töten.

King gießt uns Wasser ein für ein großes Wechselbad der Gefühle. Wut, über die Ignoranz der Außenstehenden. Freude darüber, wie Menschen beinahe alles erreichen können, wenn sie zusammenhalten. Trauer über den Verlust liebgewonnener Charaktere. Hoffnung, wenn die erwachsenen Freunde wieder ein Puzzleteil zusammensetzen. Angst davor, dass Pennywise doch zu stark ist und sie sich nicht rechtzeitig erinnern, wie sie ES geschlagen haben. Liebe und das blinde Vertrauen der jungen und der älteren Freunde.

King schafft es, diese phantastische Geschichte glaubwürdig zu erzählen, allen Horror- oder anderen wirren Momenten zum Trotz. Er nimmt sich Zeit, Spannung wohl dosiert aufzubauen und diesen doppelten Höhepunkt vorzubereiten. Er erklärt das Elternhaus eines jeden wichtigeren Charakters im Detail. Ich vertraue ihm genauso blind, wie die Freunde einander untereinander. Ich vertraue ihm, dass er genau das richtige mit den Charakteren anstellt. Ja, auch in der gescholtenen Abschlussszene Beverlys. Viel kann man dazu schreiben, aus diesem Grunde nur kurz: Wer so behandelt wird. Sei es vom Vater, der sich sehr darüber Sorgen macht, dass sie die Jungen an sich ranlässt. Von Henrys Bande, bei denen sie sich sicher sein kann, dass sie genau das tun wollen. Von ihren wirklichen Freunden, die sie - auch wenn sie für die wirklichen Gefühle noch zu jung ist - aufrichtig liebt. Von Pennywise und der damit notwendigen starken Verbindung untereinander. Wer so etwas erlebt hat, dessen Reaktion verstehe ich. Doch trotz allem Vertrauen, kenne ich ihn schon zu gut, dass ich leider ebenso weiß, dass King grausam sein kann. So muss der Klub der Verlierer auch Verluste hinnehmen, denn nichts ist umsonst und es scheint beinahe, dass nur der überleben kann, der am ehesten seine eigene Kindheit wiedergewinnt. Seine eigene Unschuld und diesen kindlichen Mut, den die Erwachsene so leichtfertig Naivität nennen.

King deutet in einem anderen Roman an, dass Pennywise doch nicht tot sein könnte. Etwas könnte überlebt haben. Es wäre somit notwendig, dass sich die verbliebenden Freunde, nocheinmal treffen müssen. Dass sie ES erneut bekämpfen müssen. In Duddits erfahren wir, dass jemand mit Grafiti behauptet, Pennywise lebe noch. In Schlaflos deutet King an, dass Patrick Danville noch zwei Männer retten muss. Und als er in Der Turm (orig. The Dark Tower) den Revolvermann verlässt, hat er diese Aufgabe noch vor sich. Ich bin gespannt. Darauf, dass King uns erneut nach Derry mitnimmt. Darauf, dass wir Bill Denbrough und seine Freunde eventuell erneut wiedersehen dürfen.

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