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Stephen King
Die Arena
Rezension © 2009 by Gerald Schnellbach für BookOla.de
die arena
Originaltitel: Under the Dome
Originalverlag: Scribner
Übersetzer: Wulf Bergner
Hardcover mit Schutzumschlag, 1280 Seiten
ISBN: 978-3-453-26628-5
€ 26,95 [D] | € 27,80 [A] | CHF 46,90
Verlag: Heyne

Kurzbeschreibung

An einem ganz normalen schönen Herbsttag wird die Stadt Chester’s Mill plötzlich auf unerklärliche Weise durch ein unsichtbares Kraftfeld vom Rest der Welt abgeriegelt. Flugzeuge zerschellen daran und fallen als brennende Trümmer vom Himmel, einem Gärtner wird beim Herabsausen "der Kuppel" die Hand abgehauen, Tiere werden zweigeteilt, Menschen, die gerade in Nachbarorten unterwegs sind, werden von ihren Familien getrennt, und Autos explodieren, wenn sie auf die mysteriöse Barriere prallen. Es ist allen ein Rätsel, worum es sich bei dieser unsichtbaren Wand handelt, wo sie herkommt und wann – falls überhaupt – sie wieder verschwindet. Es gibt kein Entrinnen – und je mehr die Vorräte zur Neige gehen, desto stärker tobt der bestialische Kampf ums Überleben in dieser unerwünschten Arena ...

Meine Meinung:

Von Stephen King ist man, was die Länge seiner Romane betrifft, ja einiges gewohnt. Fast könnte man meinen, unter einem „Endprodukt“ von 600-700 Seiten macht er sich erst gar nicht die Mühe, sich an seinen Schreibtisch zu setzen. Aber Romane mit einer Seitenanzahl im vierstelligen Bereich hat er dann doch schon länger nicht mehr geschrieben (Den Dark-Tower-Zyklus lasse ich hier mal außer acht.). Mit „Die Arena“ hat er nun wieder einmal ein Werk mit über 1000 Seiten (genau 1280 Seiten) abgeliefert.

Die Idee hierzu hatte King bereits 1978. In diesem Jahr fing er auch erstmals an, an dem Roman, der damals auch schon „Under the Dome“ hieß, zu arbeiten, brach dann aber nach etwas mehr als 70 Seiten ab. Das Manuskript ging im Laufe der Jahre verloren. 1983 befasste er sich erneut mit dem Grundthema und fing mit einer völlig veränderten Story von vorne an. Diesmal mit dem Arbeitstitel „The Cannibals“. Auch hier hat er abgebrochen, nach fast 500 Seiten (diese sind allerdings noch erhalten). Erst 2007 kam er wieder auf diese Idee zurück und fing wieder ganz von vorne an, eher basierend auf der Erinnerung an seinen Erstentwurf von 1978. Was dabei herauskam, ist der Roman „Die Arena“ (original „Under the Dome“). Die deutsche Übersetzung von Wulf Bergner erschien im November 2009 im Heyne-Verlag.

An einem schönen Herbsttag stülpt sich wie aus dem Nichts ein unsichtbares Kraftfeld, eine Art Kuppel, über die Kleinstadt Chester’s Mill und riegelt diese völlig von der Außenwelt ab. Auf sich allein gestellt kämpfen die rund 2000 Einwohner um ihr Leben. Anfangs noch etwas unbesorgt, wird ihre Lage mit der Zeit immer bedrohlicher. Daran ist nicht nur die zunehmende Luftverschmutzung schuld, sondern auch einige Personen, die versuchen, die Stadt an sich zu reißen. Allen voran der zweite Stadtverodnete „Big“ Jim Rennie Senior, unterstützt von seinem Sohn Jim Rennie Junior, dem ersten Stadtverodneten Andy Sanders und dem neuen Polizeichef Peter Randolph. Ihnen gegenüber stehen der Irakveteran Dale Barbara (Barbie), die Herausgeberin der örtlichen Zeitung Julia Shumway, der Arzthelfer Rusty Everett und der junge Joe McClatchey.

Jim Rennie Sr. hält dabei alle Fäden in der Hand. Vor allem, weil der zweite Stadtverordnete und der Polizeichef ihren Aufgaben nicht gewachsen sind. Hier rechnet King eindeutig mit der Regierung Bush und den Zuständen in Amerika ab (Er spricht offen von Amerika als dem Land der Demagogen). Es entsteht ein Schreckensregime, dessen Strukturen an die des Dritten Reichs erinnern (Rennie bezeichnet sich offen als Führer). Auch als sich von außen der Präsident einschaltet (Zitat Rennie: „Der mit dem Terroristennamen in der Mitte“), kümmert sie das wenig. Die Mannen um Barbara werden immer mehr in die Enge getrieben. Es gibt Verhaftungen, Brandanschläge, Vergewaltigungen und sogar Morde. Dies alles begangen von Personen, die unter religiösem Wahn meinen, alles nur zum Wohle der Stadt zu tun. Die Polizei wird immer mehr aufgestockt, aber nur mit Leuten, die Renie und Co. bedingungslos gehorchen. Alteingesessene Polizisten werden aus dem Dienst entlassen. Neben Parallelen zu Kings Romanen „The Stand“ und „Needful Things“ lassen sich hier auch Parallelen zu den Büchern „Der Herr der Fliegen“ und „Die Welle“ erkennen.

Die Arena“ ist ein hochpolitischer Roman. Polizeigewalt, Machtmissbrauch, religiöser Fanatismus sowie Umweltverschmutzung sind Themen, die dabei eine wichtige Rolle spielen. Nichtsdestotrotz ist es ein echter King. Allerdings einer, wie er ihn schon seit langem nicht mehr geschrieben hat. Wenn King in seinen letzten Büchern immer 300-400 Seiten Einleitung schrieb, um dem Leser die Personen näher zu bringen, kommt er hier ab der ersten Seite zur Sache. Das Buch hat trotz 1300 Seiten keine einzige, die langweilig ist. Ein Buch, bei dem man sich wünscht, man könnte schneller lesen, damit man weiß, wie es weitergeht. Ein Buch, das man am liebsten mit auf die Toilette nehmen möchte. Ein Buch, wie Stephen King im Nachwort selbst schreibt, bei dem das Gaspedal ständig durchgetreten bleibt.

Die Beschreibung der Personen bleibt dabei leider etwas auf der Strecke. Aber bei so vielen davon und dem Tempo der Handlung, kann man da nichts anderes erwarten. Sonst hätte das Buch sicher noch einmal 300 Seiten mehr. Während King in den letzten Jahren viel wert auf Sprache legte, steht hier die Handlung eindeutig im Vordergrund und zeigt einmal mehr, wie vielschichtig er als Erzähler ist.

Vor allem, wenn es sich um längere Werke von King handelt, erwarten hier viele ein neues „Es“ oder „The Stand“. Lest das Buch bitte nicht mit dieser Erwartungshaltung. Lest es einfach, damit es euch unterhält, und ihr werdet nicht enttäuscht. Denn es ist beste, spannendste Unterhaltung. Von der ersten bis zur letzten Seite.

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