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Türen ins Nichts

 

© by Melanie Böcker

Wir alle haben eine Aufgabe, eine Lebensaufgabe... Aber was, wenn die Aufgabe darin besteht, das Leben zu verbergen...?

In diesem Leben war sie eine normale Frau, die ihrem Job nachging, pünktlich ihre Rechnungen bezahlte und niemals zu Spät kam. Wie gesagt, in diesem Leben...

"Argh! Fix! Was soll die Scheiße? Kann man sich auf niemanden mehr verlassen?" sie konnte ihren Chef im Nebenbüro fluchen hören und es kotzte sie an. Dieses ganze Leben kotzte sie an. Es war langweilig. Sicher, sie hatte eine Aufgabe, aber es war langweilig. Als sie noch zu Hause gewohnt hatte, da war die Welt noch in Ordnung gewesen. Sie hatte Spaß, aber jetzt, fehlte der Kick. Hinter jeder Tür verbarg sich etwas Neues, doch nie etwas Unbekanntes. Wie gerne würde sie von hier fort gehen, etwas neues erleben, oder vielleicht wieder nach Hause, doch sie hatte eine Aufgabe, und eine Bestimmung. Ihr Leben wurde von anderen verplant. "Natascha, was soll das hier?" er kam zu ihr herüber und knallte ihr einen dicken Stapel Endlospapier auf den Schreibtisch. Sie blätterte die ersten Seiten durch. Es war durchgehend nur ein einziger, etwa zwei Zentimeter dicker Strich zu sehen. Sie zog die Augenbrauen hoch. Das war die Statistik, die sie eben an ihren Chef gemailt hatte. Doch war der Maßstab viel kleiner gewesen. "Ich bringe es in Ordnung." sagte sie ruhig und zog den Stapel zu sich heran um ihn dann in den Papierkorb zu ihren Füßen zu donnern. "Das will ich hoffen. Morgen Früh will ich die Statistik auf meinem Schreibtisch haben!" damit dampfte er ab und ließ sie alleine. Sie hatte jetzt große Lust nach Hause zu gehen, sich in ihr Bett zu verkriechen und zu sterben, nach Hause zu gehen. "Nataschachen, was schaust du so traurig?" eine Kollegin stand in ihrer Tür. "Nichts, mir geht es heute nicht so gut." - nicht gut war leicht untertrieben, aber es interessierte die Kollegin nicht wirklich. "Hier habe ich deine Post von heute früh. Ich dachte mir, weil es nicht viel ist, warte ich bis die Mittagspost da ist, nur die kommt einfach nicht und ich bin schon auf dem Sprung nach Hause." sie legte ihr einige Akten auf den Tisch. "Bis morgen." Morgen? Vielleicht gibt es kein Morgen, kommt drauf an, was sich heute noch alles so ergibt. Als ihre Kollegin verschwunden war, stand sie auf, schloss die Tür und blätterte die Akten durch. Dann öffnete sie ein Email-Fenster auf ihrem PC und schrieb: "Nichts Neues - Alle Türen noch offen - Vögel singen. Nach dem sie die Mail versendet hatte, packte auch sie gegen Abend ihre Sachen zusammen und verließ das Büro in Richtung Aufzug. Sie sah in den noch offenen Büros die vollen Briefkästen. Sie wusste, es war Betriebsspionage, aber es war ihr Leben, und ein anderer bestimmte es. Sie betrat den Aufzug und drückte den Knopf in die Tiefgarage. Der Aufzug fuhr hinunter und auf dem Parkdeck öffnete sich wieder die Tür. Sie zögerte, dann drückte sie den Knopf zur untersten Etage, in der die Post abgefertigt wurde und das Archiv angelegt war. Sie kannte den Postverteiler ihrer Firma und er legte sehr viel wert auf Pünktlichkeit. Er würde es nie verzeihen, wenn einmal eine Postsendung auch nur fünf Minuten zu spät den Empfänger erreichte. Der Flur war leer. Es war nichts zu hören, weder die Postsortierer, wahrscheinlich waren sie schon nach Hause gegangen, noch die kleinen Lieferwägen die hier unten im Gewölbe zur Fortbewegung benutzt wurden. Sie begab sich in Richtung der Verteilerstelle. Das Licht dort brannte noch. Ihre Schuhe hallten auf dem Steinboden und den Wänden zurück. Sie hörte leichtes Stöhnen aus der Verteilerstelle. Sie blickte um die Ecke, in den Raum hinein und sah den Postmann auf seinem Stuhl sitzen. Ein kleines Rinnsal Blut lief aus seinem Mund. Als Natascha näher trat, sah sie, dass er blutete. Er starrte sie an und versuchte etwas zu sagen, doch sie brauchte es nicht zu hören, denn sie ahnte schmerzlich, wer das angerichtet hatte. Hinter ihr klapperten die Postkästen und vielen in einem lauten Gepolter zu Boden. Sie rannte auf den Flur und sah der Person nach, die flüchtete. Sie konnte noch deutlich die drei Zacken auf dem Rücken erkennen... Als sie sich wieder dem Postmann zuwenden wollte, war dieser bereits schon dahingeschieden. Wenigstens ging es schnell.

Sie saß in einer Kneipe, in der Nähe ihres Wohnblocks und unterhielt sich mit der Kellnerin. "Was denkst du wer es war?" fragte sie. "Ich kann es mir vorstellen, aber was soll ich tun? Zur Polizei gehen?" "Aber welchen Sinn hatte es. War Steve ein ranghöherer, oder wusste er etwa zu viel?" "Ich weiß nicht. Ich habe die obersten darüber informiert. vielleicht geben sie mir diese Aufgabe. Das wäre eine gelungene Abwechslung." "Von Chasey hab ich gehört, dass in ihrer Nachbarschaft so viele ermordet werden. Vielleicht hängt es ja miteinander zusammen." "Kann schon sein. Ich muss los, es ist schon verdammt spät." sie trank ihr Glas leer und verließ die Bar. Die Nacht war komisch, klar, warm, aber komisch. Es lag diese gewisse Würze von Tod in der Luft die einem eine Gänsehaut einjagt. Sie schlenderte in Richtung ihrer Wohnung. Dort angekommen sah sie eine Polizeistreife auf der Straße. Die Polizisten unterheilten sich aufgeregt mit Nataschas Nachbarin. Sie konnte bereits das gelbe Absperrband über ihrer Tür sehen. "Gibt es Probleme?" fragte sie als sie zu dem Polizisten stößt. "Wohnen sie hier?" "Ja?" "In ihre Wohnung ist eingebrochen worden, alles wurde kurz und klein geschlagen. Ihre Nachbarin hat uns freundlicherweise verständigt." Das konnte kein Zufall sein. Ein Einbruch, ein Mord und ihre Unterhaltung in der Kneipe, das konnte kein Zufall sein. "Haben Sie die Möglichkeit, heute Nacht irgend wo anders zu schlafen? Die Spurensicherung kommt erst morgen früh und es wäre hilfreich für uns, dass nichts verändert wird." Sie nickte, hinterließ ihre Personalien und begab sich zur nächsten Bushaltestelle. Sie hatte Glück, der letzte Bus kam angefahren.

Sie fuhr durch die halbe Stadt. Sie wollte bei einem alten Freund übernachten. Sie kannte ihn von zu Hause, er hatte ihr viel beigebracht, ihre Ausbildung gefördert. Sie stand vor dem Mehrfamilienhaus und klingelte. Es machte niemand auf. Sie klingelte erneut. Er war sonst immer in seiner Wohnung. Sie klingelt in der Nachbarwohnung. Die Tür wird geöffnet und sie betritt das Treppenhaus. Vor der Wohnungstür bleibt sie stehen und klingelt erneut. Aus der Nachbarwohnung erscheint ein alter, gebrechlicher Mann. "Der ist schon lange nicht mehr hier gewesen. Hab ihn seit dem Banküberfall gegenüber nicht mehr gesehen." Der Banküberfall war mindestens schon vier oder fünf Wochen her. Sie bedankte sich und verließ das Haus. Dann musste sie sich eine neue Bleibe für die Nacht suchen. sie hörte ein Rufen hinter sich und sah den alten Mann der auf die Straße sprang und ihr hinterher humpelte. Sie bleib stehen. "Sagen Sie, junge Frau, dürfte ich Ihren Namen erfahren?" "Ich heiße Natascha. Warum?" Er reichte ihr einen Briefumschlag "Er wusste, dass sie irgend wann hier auftauchen würden. Er hat mir das gegeben und gesagt, ich soll es Natascha geben." er lächelte "Das sind dann wohl Sie." Sie bedankte sich erneut und begab sich in den Untergrund. Vielleicht war noch eine U-Bahn unterwegs um sie zum Hotelplaza zu bringen. Sie setzte sich in die riesige halle und öffnete den Umschlag. Darin war ein Reisepass, ein Personalausweis und andere diverse Personalien. Und ein Brief:

Liebe Natascha,

Es ist etwas passiert, von dem ich denke, dass es einen neuen Krieg auslösen könnte. Die Stimmung zwischen den Welten ist angespannt. Ich bin in Gefahr. Ich habe dir eine neue Identität besorgt. Im Reisepass findest du eine Adresse, an die du dich wenden kannst. Wenn alles gut geht, dann treffen wir uns dort. Gehe nicht in deine Wohnung zurück, auch du bist in Gefahr. Viel Glück.

Collin

Für sie hörte es sich an, wie Monopoly. Geh ins Gefängnis, ziehe dabei nicht über Los und ziehe keine 4.000 Taler ein. Sie zerriss den Brief und teilte die einzelnen Schnipsel auf die umliegenden Mülleimer auf. Eine neue U-Bahn schob sich in den Bahnhof. Sie fuhr zum Flughafen. Sie konnte nirgends schlafen, auch in ihre Wohnung konnte sie nicht zurück. Ihr Ausweis war auf den Namen Cadhra ausgestellt und so wie es aussah, kam sie nun aus Rumänien. Welch eine Ironie. Die Adresse befand sich in Schottland. Sie war im Begriff zu türmen, das Land zu verlassen. Das Center konnte sie so nicht mehr finden, geschweige denn beschützen, doch wenn Collin von einem Krieg sprach, dann gab es keine Beschützer und keine Schwachen mehr, dann war die Welt am zerbrechen.

Die Adresse war eine Postfiliale mit Postfach. Natascha betrat die Filiale und fragte am Schalter: "Entschuldigung, hat hier ein Collin Baxter zufällig ein Schließfach?" Die Postangestellte sah sie prüfend an. "Sie sind....?" Natascha sah prüfend zurück und fügte der frage langsam hinzu: "... die Sekretärin?" Die Dame wusste wohl bescheid. Sie sagte, dass Collin wohl schon angekündigt habe, dass seine Sekretärin vorbeikommen und seine Post holen würde. Das Postfach war mehr als voll. Sie nahm die darin reingestopften Briefe, klemmte sie unter den Arm und wollte gehen. "Moment! Hier ist noch mehr!" Letztendlich verließ sie die Post mit einer Kiste voll Briefe, und wusste immer noch nicht weiter. Sie suchte sich ein Hotel, in dem sie sich einquartierte, leerte die Kiste aufs Bett und begann die Post durch zu wühlen. Wenn Collin wollte, dass sie seine Post bekommt, dann würde sie diese auch lesen. Es waren einige unwichtige Reklameschriften dabei, sowie diverse Rechnungen über Strom, Telefon etc. Sie beschloss, die darauf vermerkte Adresse am nächsten Tag aufzusuchen. Der Rest der Briefe war meist in Handschrift geschrieben, oder in Schriften, die sie nicht entziffern konnte. Sie wusste, dass er in einer Untergrundorganisation tätig war und hoffte so Informationen zu bekommen, über das Wie und Warum. Einige Dinge wurden ihr klarer, der Untergrund schien mehr zu wissen, als es manchen hohen Tieren lieb war. Dann stieß sie auf einen Umschlag, auf dem sie eindeutig Collins Schrift erkannte. Warum hatte er einen Brief an sich selbst verfasst? Sie öffnete ihn und las folgende Zeilen:

 

Hallo Liebste,

gut, dass du es bis hier her geschafft hast. Ich erwähne deinen Namen nicht, denn dieser Brief könnte in falsche Hände, und du in Gefahr geraten. Wir haben seit einiger Zeit einen Schläfer im Visier. Er ist nach irgend etwas auf der Suche, denken wir, und er schreckt nicht davor zurück über Leichen zu gehen. So dachten wir es erst. Doch wir haben rausgefunden, dass diejenigen, die er auf die andere Seite des Seins gebracht hat, alles wichtige Leute in unserem System waren. Die Schläfer verhalten sich ungewöhnlich ruhig. Vielleicht haben sie nur einen ihrer Killer vorausgeschickt, bevor der große Angriff kommt. Du wirst sicherlich einige Rechnungen in meiner Post gefunden haben. Die Empfängeranschrift gehört einem Freund, einem Menschen, dem du vertrauen kannst. Er weiß nicht wer du bist, ich habe ihm gesagt, du bist eine entfernte Verwandte und zu Semesterferien hier. Wenn du das hier liest, bin ich vielleicht schon nicht mehr am Leben, doch wenn ich es noch sein sollte, und mehr herausgefunden habe, dann werde ich zurück kommen. Gib mir vier Wochen Zeit und wenn du bis da hin noch kein Lebenszeichen hast, dann flüchte so weit du kannst, flüchte ins Center, wenn es sein muss, denn die Welt beginnt zu zerbrechen!

Liebe Grüße

Collin

Sie Zitterte, ihre Knie waren weich. Ins Center flüchten? Im Center war sie schon sehr lange nicht mehr gewesen und wenn Collin das sagte, dann war die Kacke mehr als nur am Dampfen. Sie zerriss die unwichtigsten Briefe und spülte sie die Toilette runter. Den Rest, von dem sich dachte, er könnte vielleicht noch nützlich sein, bündelte sie und versteckte es in ihrer Handtasche.

Am nächsten Morgen ging sie sich einige Kleider und einen Koffer kaufen. Es sollte so aussehen, als wäre sie wirklich auf Reisen, was sie ja eigentlich auch war. Sie fuhr mit dem Bus zu der von Collin angegebenen Adresse. Sie wusste nicht, was sie erwarten würde. In Ihrer Jackentasche spürte sie die Papiere, die Collin ihr gegeben hatte und umklammerte sie fest. "Du bist Cadhra." Sagte sie sich immer wieder selbst. "Du bist Cadhra, du bist gut, du bist hübsch, du bist Cadhra." Ein junger Mann, gerade mal in ihrem Alter, öffnete ihr die Tür. Er sieht ihre Koffer an, sieht ihr ins Gesicht, und plötzlich wurde er nervös. "Du bist Cadhra?" fragte er stammelnd. Sie nickte und er bat sie herein. "Ich bin Alex. Collin hat mir erzählt, dass du her kommen würdest. Er ist zur Zeit leider nicht da, er musste geschäftlich irgend wo hin fliegen. Aber ich denke, wir werden gut miteinander auskommen. Er sagte er würde bald zurück sein. Ich zeige dir am Besten gleich dein Zimmer." Er sprach so schnell, dass Cadhra (Natascha) ihn fast nicht verstand. Er war sehr nervös, was hatte Collin ihm erzählt? Aber was für eine Frage, so wie sie Collin kannte, hatte er ihm irgend etwas schweinisches aufgetischt und er war drauf rein gefallen. Sie stiegen die Treppe hinauf. Er zeigte auf die erste Tür auf der rechten Seite. "Hier ist das Bad, wenn du dich nachher etwas frisch machen möchtest." Er zeigte nach links "hier ist dein Zimmer, und das daneben, das ist meines. Ganz dort hinten," er zeigte auf das Ende des Flures, "Das dort ist Collins Zimmer." Er ließ sie alleine. Sie packte einige Sachen aus und legte sie in den Schrank. Unter den Shirts versteckte sie die Briefe, die sie bis jetzt in der Handtasche gehabt hatte. Sie nahm ein kleines Handtuch und ihren Kamm und ging ins Badezimmer. Sie legte die Hände aneinander und ließ Wasser hinein laufen. Dann drückte sie ihr Gesicht hinein. Das kühle Nass tat gut auf der Haut. Sie trocknete sich ab und betrachtete den verspiegelten Schrank über dem Waschbecken. Vielleicht war es Neugier oder vielleicht auch Vorahnung, als sie den Schrank öffnete. Darin standen etliche Medikamente. Einige kannte sie, denn sie wusste, dass Collin krank war, doch wiederum andere kannte sie nicht. Wo war sie hier nur gelandet? Als sie hinunter ging, hatte ihr Gastgeber bereits den Tisch gedeckt. "Du bist sicher hungrig. Wie lange ist man von Rumänien bis hier unterwegs?" Cadhra (Natascha) musste sich eingestehen, dass sie sich mit ihrer neunen Identität noch nicht wirklich befasst hatte. "Mir kam es vor, wie eine halbe Ewigkeit." Versuchte sie auszuweichen und lachte dabei. Sie setzte sich und sie aßen zusammen. Die anfängliche Schüchternheit legte sich bei Alex schnell und er begann sie auszufragen:

"Du und Collin, kennt ihr euch gut?"

"Relativ. Ich bin seine Cousine. Allerdings haben wir nie viel Kontakt gehabt. Erst die letzten Jahre hinweg."

"Er sagte, du hast Semesterferien. Was studierst du?"

"Alles. Mal dies mal das, aber das richtige war noch nicht dabei. Was machst du?"

"Ach, mal dies, mal das." Er grinste und Natascha musste unwillkürlich lachen.

"Wenn du willst, dann zeige ich dir nachher noch etwas die Gegend."

Nach dem Essen begaben sie sich vor die Tür. Alex deutete nach links. "Möchtest du eher die Stadt sehen, so wie ich euch Frauen kenne, eher das," er zeigte in die andere Richtung, "oder eher raus in die Natur?" Cadhra blickte in Richtung seiner Handbewegung. Sie konnte weite Wiese sehen, bis zu einer Art Wall. Es führte ein geteerter Weg dort hin und weit entfernt auch darüber. "Natur wäre mir recht." Alex war erstaunt, aber er nahm es sichtlich mit Freuden hin. Sie gingen den Weg entlang. Der Wall war selbst von Näherem nicht zu überschauen und Cadhra fragte sich, was dahinter sein mochte. Plötzlich lief Alex von Weg ab und steuerte über die Wiese auf den Wall zu. "Was denkst du, was dahinter ist?" rief er ihr zu. Sie vermutete eine Autobahn, oder ein Waldstück, und den Wall dafür zum Schutz, doch als sie oben waren, dröhnte es ihr in den Ohren. Es war ein guter Lärmbändiger, auf der anderen Seite hätte sie nie vermutet, dass nach etwa dreihundert Metern Stein und Moos die Erde wegbrach und es senkrecht in die Tiefe, ab ins Meer ging. Es war ein schöner Anblick, hier wehte auch etwas Wind und die Luft roch nach Salz. Vielleicht war es ihr zuvor auch nur nicht aufgefallen. Das Meer brach sich an den Klippen. Das Tosen und die weiße Gischt hatten etwas bezauberndes. Weiter draußen war das Meer ruhig, einige Boote waren zu sehen. Das Wasser schimmerte im Sonnenlicht leicht grünlich. Jetzt wurde ihr klar, warum Collin sich genau dieses Haus ausgesucht hatte. Es lag zentral, so dass man alles lebenswichtige erreicht, und doch abseits vom Leben, so dass niemand erahnen konnte, was er hier draußen zu suchen hatte, denn das Meer war die Verbindung zum Center. "Collin liebt das Meer. Er war oft hier draußen. Es liegt wohl in eurer Familie, dass ihr die Stadt meidet." Alex sah hinaus auf den Horizont. "Manchmal frage ich mich, was da draußen noch alles ist, wovon wir nichts wissen." Wie Recht er doch hatte. Wer wusste schon von dem Center. Er sah auf die Uhr und erschrak. "Mein Gott, wir sind schon fast zwei Stunden hier draußen! Wir müssen zurück, ich erwarte heute noch Besuch!" er hastete einige Schritte davon und drehte sich dann um. "Was ist?" "Wenn ich störe, dann bleibe ich lieber noch etwas hier..." sie dachte an Frauenbesuch und hatte keine Lust, das fünfte Rad zu sein. "Nein, nein," er lachte "Es sind nur ein paar Kumpels. Wir haben zusammen eine Band und wir proben ab und zu etwas." Sie folgte ihm zurück.

"So, eine Band? Welche Art von Musik macht ihr?"

"Es ist nichts besonderes. Wir spielen alles was uns gerade so in den Sinn kommt. Aber keine Angst, Wir haben im Keller einen Raum eingerichtet, den wir Schalldämpfend verkleidet haben. Collin hat sich immer aufgeregt, weil es ihm zu laut war."

Sie sahen das Haus von weitem und Cadhra konnte schon etwa vier oder fünf Männer ausmachen, die vor der Tür rumlungerten. Sie sahen abgerissen aus. Eine Mischung zwischen Punk, Rock und Metal. Es sah irgendwie ungewohnt aus. "Wir werden uns einige Zeit verziehen, also kannst du ungestört Fernsehen oder was du willst. Wenn du was brauchst, wir sind im Keller, immer dem Krach nach."

Sie verstand sich gut mit Alex, obwohl sie merkte, dass er ihr nicht ganz traute. Zwei Wochen waren vergangen, seit sie hier angekommen war. Die Hälfte der Frist war um, und sie merkte, wie die Welt um sie herum zerbrach. Jeder normale, unwissende Mensch, hätte es nicht vermutet, doch hier waren Kräfte am Werk, die zerstörerisch waren. Obwohl Alex es ihr verboten hatte, hatte sie sich in Collins Zimmer umgesehen, zu einer Zeit, in der die Band Musik machte. So war die Chance gering erwischt zu werden. Collin war ein Profi, er hatte nichts dass auf seine Untergrundaktivitäten hinweisen könnte. Verständlich, denn wenn eine unwissender Mensch wie Alex etwas erahnen oder sogar beweisen könnte, dann gnade uns Gott. Sie verbrachte viel Zeit an der Steilküste um vielleicht ein Zeichen zu erhalten. Doch das Center verhielt sich ruhig. Und ihre innere Unruhe wuchs. Zwei Wochen der Ungewissheit und sie hatte keine Ahnung was passiert war. Sie versuchte etwas über diesen Schläfer heraus zu finden, doch endete ihre Suche immer wieder in einer Sackgasse. Selbst auf irgend welchen Datenträgern, oder auf seinem PC fand sie nichts. Noch zwölf Tage.....

Alex saß alleine im Proberaum und stimmte etwas seine Gitarre. Cadhra kam herunter, denn er hatte die Tür offen gelassen und das was sie hörte, gefiel ihr. Es war das erste Mal, dass sie in diesem Haus im Keller stand. Es gab drei Türen. Eine führte in den Spielraum der Band, die anderen Beiden waren verschlossen. Eine davon ohne Klinke, ohne Griff, ohne Knauf. Es sah aus, wie eine riesige Metallplatte, an die Wand gelehnt. Cadhra betrat den Proberaum "Was ist hinter den anderen Türen?" sie sah sich um, während Alex ihr antwortete. "Heizung und Lagerraum." Murmelte er. "Collin hat an einer Tür kein Schloss, sie geht aber auch nicht auf. Er sagte ich soll die Finger davon lassen. Vielleicht macht er da was illegales, er verbringt viel Zeit hinter dieser Tür. Aber wenn es was verbotenes ist,. Dann will ich nichts damit zu tun haben, also frage ich nicht und sehe auch nicht nach. Und das solltest du auch nicht tun."

"Ich habt den Raum hier wirklich gut hinbekommen. Und man hört wirklich nicht viel von dem was ihr hier macht."

"Ja, hier unten kann dich niemand schreien hören." Er grinste diabolisch.

"Wie meinst du das?" sie sah ihn an, zeigte weder Furcht noch Wut, doch mit seinen Worten lief ihr ein Schauer über den Rücken und es machte sie wütend....

"Kann man dir überhaupt Angst machen?" er war enttäuscht.

"Nicht mit diesen Dingen. Aber glaube mir, ich habe vor vielem Angst." Sie setzte sich auf den Boden und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand. "Was machst du da?"

"Ich stimme die Gitarre etwas. Hat sie zwar nicht nötig, aber ich hatte gerade das Verlangen danach. Wir werden übermorgen eine kleine Party hier machen. Nur die Jungs und ich. Und du natürlich, wenn du möchtest."

"Nein Danke, das sind mir zu viele Männer auf einen Haufen. Ich werde mich etwas zurückziehen. Spazieren gehen vielleicht." Sie betrachtete durch die offene Tür den Flur. Auf der anderen Seite lachte in einer grotesken Fratze die Tür ohne Schloss. Ihre Gedanken kreisten. Die Mauer um die Tür herum war frischer als das Kellergewölbe selbst. Die Tür musste im Nachhinein eingesetzt worden sein., doch wie ließ sie sich öffnen?

Alex spielte sanft einige Lieder an, sie summte leise mit. Er bemerkte ihren gedankenverlorenen Blick. "Du willst wissen was dahinter ist?" fragte er mit einem scharfen Ton.

"Ja. Weißt du, wie man sie öffnet?"

"Nein, und ich will auch davon nichts wissen. Ich will da nicht reingezogen werden!"

"Warum sträubst du dich? Wie kommst du auf die Idee, dann Collin etwas illegales tun könnte?"

"Es ist vielleicht drei oder vier Wochen her, kurz bevor du aufgetaucht bist, da kamen Männer, Männer in schwarz und haben ihm ein Paket gebracht. Er ist mit dem Paket hinter dieser Tür verschwunden und dann meinte er, er müsste plötzlich weg und seit her ist er verschwunden. Ich finde es komisch, dass er nie anruft. Diese Männer, sie sahen bedrohlich aus, sie waren anders."

"Wie? Anders?"

"Anders, komisch. Sie sahen nicht echt aus....."

"Wir müssen die Tür öffnen. Vielleicht erklärt das sein Verschwinden. Er sagte, er wolle in vier Wochen wieder hier sein, doch daran glaube ich mittlerweile nicht mehr."

"Was hat er gesagt? Das hast du mir noch nicht erzählt!"

"Sorry, ich bin nicht sein Aufpasser, er ist nur mein Onkel!"

"Ich dachte, du bist seine Cousine?"

"Meine ich doch. Vielleicht gibt es in seinem Zimmer...."

"Du hast nichts verloren in seinem Zimmer!" er stand auf und beinahe wäre die Gitarre aus seiner Hand gefallen. "Warst du in seinem Zimmer? Du warst dort! Steckst du mit ihm unter einer Decke?"

Langsam verstrickte Cadhra sich in ein Netz voller Lügen und Alex wurde bewusst, dass er an der Nase herum geführt wird. Er misstraute ihr immer mehr. Noch sieben Tage....

Es regnete, und trotz, dass Alex ihr verboten hatte, in Collins Zimmer zu gehen, tat sie es wieder. Sie fand Hinweise auf ein Bankschließfach in der Stadt. Sie fälschte seine Unterschrift, und stellte sich eine Vollmacht aus. Sie wollte dass Alex sie in die Stadt fährt, doch der weigerte sich. Er sprach kaum mehr mit ihr und er wies sie ab wo er nur konnte. Entweder ahnte er etwas, oder er war einer der Feindlichen Seite. Letztendlich konnte sie ihn doch überreden sie zu fahren. Sie sagte, sie müsse etwas besorgen. Er setzte sie an einer Ecke in der Nähe der Bank ab und sie vereinbarten einen Treffpunkt. Cadhra lief erst zwischen den Häusern hindurch, bis sie Alex nicht mehr sehen konnte, dann schlug sie den Weg zur Bank ein. Sie wurde ohne Probleme zu den Schließfächern gebracht und alleine gelassen. Sie zog den Schlüssel aus ihrer Jackentasche und öffnete das Fach. Darin befand sich, wie sie es gehofft hatte, ein Brief, eine Chip-Karte, und einen Schlüssel mit einem Anhänger daran, der wie ein Stern geformt war. Er war gelb und wenn man drauf drückte, dann kam ein kleiner Lichtstrahl heraus. Weiter hatte Collin Dokumente über Wertpapiere im Bankfach gelagert, doch die interessierten sie nicht, sie hatte das, was sie zu finden gehofft hatte. Sie nahm die Sachen an sich und stellte das Fach wieder an seinen Platz. Sie verließ die Bank und wollte sich zum Vereinbarten Treffpunkt begeben, doch Alex stand vor der Bank. Er hat sich an seinen Wagen gelehnt und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Sein Gesicht verriet, dass er sehr wütend war. "Was hast du hier gemacht?" er fauchte sie an und sie wusste, dass ihre Ausrede mehr als nur gut sein musste, um ihn zu überzeugen. "Ich habe Geld von meinem Konto abgehoben." Sie ging auf die andere Seite des Wagens und stieg ein. Alex blieb noch einen Moment draußen stehen und sie wusste, dass er ihr nicht glaubte. Dann stieg er ein, legte die Hände ans Lenkrad, aber startete den Motor nicht. "Das ist nicht wahr. Du lügst mich an, du lügst mich an, seit du hier bist, lügst du mich an. Ich habe Kontakte in diese Bank und seit Collin weg ist, habe ich veranlasst, dass ich informiert werde, sobald sein Schleißfach angerührt wird. Eben hat mich eine Dame aus der Bank angerufen. Warum lügst du mich an?"

"Es muss so sein, du würdest es nicht verstehen. Ich möchte nur wissen, warum Collin so plötzlich weg ist."

"Genauso sagtest du, du wärst seine Cousine, dann behauptest du wieder, er wäre dein Onkel. Ich habe deinen Reisepass prüfen lassen, er ist nicht echt. Du bist nicht wirklich mit ihm verwandt, oder?"

"Ich darf dir darüber nichts sagen." Sie sah in Richtung Fußraum, spürte aber, dass er ihren Blick suchte.

"Hast du das gefunden, was du gesucht hast?"

"Hmmm." Sie nickte.

"Hat es was mit Drogen zu tun?"

Sie sah ihn erschrocken an. "Wie kommst du auf die Idee, dass es gerade Drogen sein sollen?"

"Nur so eine Ahnung. Es ist alles so komisch. Collin saß ständig in diesem Raum mit der Tür ohne Griff und er hat immer so geheimnisvoll getan...."

"Wenn du wüsstest, worum es geht, dann würdest du es verstehen."

"Erkläre es mir! Vertrau mir doch!"

"Nein! Ich darf nicht! Nicht solange es Collin mir nicht erlaubt, oder irgend wer anders, der damit zu tun hat!"

"Ich fahre nicht los, bevor du es mir nicht sagst."

Sie stieg wieder aus, es regnete in Strömen und der Wind der aufgekommen war, peitschte ihr ins Gesicht. Wenn Alex sie nicht fahren würde, würde sie zu Fuß gehen. Sie konnte es ihm nicht sagen, nicht jetzt. Noch war Zeit. Er stieg aus und rief ihr hinterher, doch sie reagierte nicht und lief durch die Stadt, weg von der Straße.

Der Regen wurde immer stärker. Sie konnte die andere Straßenseite nicht mehr erkennen. Sie hatte es bis zu einer Bushaltestelle geschafft, denn wenn sie weiterhin in diesem Regen weitergehen würde, dann wäre sie, zu Hause angekommen, mehr als Nass. Ein Auto hielt vor der Haltestelle, es war Alex. Er kurbelte etwas das Fenster herunter und hatte sofort eine Ladung Wasser im Gesicht. "Steig schon ein, du holst dir noch den Tod. Ich bin auch ruhig." Sie stieg ein und sie fuhren nach Hause. Dort schloss sie sich in ihr Zimmer ein und öffnete den Brief.

Hallo Liebste,

also nun bist du auf mein Bankfach gestoßen. Nun werde ich dir erzählen, was ich weiß. Diesen Brief habe ich verfasst, einen Tag bevor du hier angekommen bist. Ich muss weg, denn ich weiß zu viel und der Schläfer ist bereits auch hinter mir her. Ich werde mich verstecken, denn ich hoffe darauf, dass der Krieg verhindert werden kann. Sei dir bewusst, dass wenn du weiter liest, du ebenfalls in Gefahr sein wirst.....

Sie las dem Brief und sie konnte gar nicht begreifen, was Collin da erzählte, was er behauptete. Wenn es war sein sollte, dann war die Welt bereits dem Untergang geweiht. Den letzten Absatz schrieb er mit einer zitternden Schrift, so, als wäre er beinahe zu schwach, um es zu schreiben.

... Was Alex betrifft, sollest du dich verstecken müssen, sollte ein Schläfer bei euch auftauchen, dann nimm ihn mit dir. Erzähle ihm nur das nötigste. Alles zu verstehen, wird ihn wohl an den Rand seiner Selbst führen, doch er ist wichtig. Ich möchte ihn nicht verlieren. Lass ihn niemals aus deiner Nähe. Überlasse ihn weder dem Center, noch den Schläfern, du musst ihn mit deinem Leben verteidigen! Viel Glück.

Dein Collin

 

Dieser Brief las sich, als wäre er verzweifelt gewesen. Er sagte, dass die Welt kurz vor dem Krieg verrückt spielen würde. Sie sah aus dem Fenster und sah einen Roten, blutroten Himmel. Es regnete noch stärker, als wolle der Himmel die Erde ertränken. Und der Wind pfiff durch alle Ecken. Es waren noch vier tage, bis Collin zurück kommen wollte, doch langsam glaubte sie nicht mehr daran. Sie musste die Tür ohne Griff öffnen. Sie nahm die Chip-Karte und ging nach unten, in den Proberaum zu Alex. Sie war besorgt, wie würde er es aufnehmen?" Wie habt ihr euch kennen gelernt? Du und Collin?"

"Ich habe ihn auf der Straße gefunden. Er sah aus wie ein Penner, damals. Er wurde gerade von einem üblen Kerl verprügelt und ich kam nur so zufällig vorbei, doch der Kerl, ich habe bis da hin nichts gesagt und getan, eigentlich bin ich nur vorbeigelaufen, schreckte hoch, fauchte mich an und verschwand um die nächste Ecke. Collin meinte, ich wäre etwas besonderes. Wir haben uns angefreundet und irgendwann ist er einfach zu mir eingezogen."

"Kannst du dich erinnern, wie der Mann ausgesehen hat?"

"Nein, er trug ebenfalls abgerissene Klamotten, und hatte sich eine Kapuze so weit ins Gesicht gezogen, dass ich ihn nicht erkennen konnte. Warum?"

"Ich vermute etwas. Doch um es dir zu sagen, ist es noch zu früh. Willst du wissen, was hinter der Tür ohne Griff ist?"

Seine Miene verdunkelte sich. Was hab ich dir gesagt? Collins Sachen gehen dich nichts an!"

"Jetzt schon. Er hat einen Brief ins Bankfach gelegt, in dem er mir einiges erklärt hat. Und wenn das stimmt, dann sind du und ich in Gefahr! Ich werde es dir erklären, aber ich hoffe noch auf einige Antworten, die ich in Collins Raum dort unten vermute!"

Missmutig erhob sich Alex und folgte ihr zur Tür. "Und wie willst du sie auf bekommen?"

Sie winkte mit der Karte vor seinen Augen umher, legte diese an die Tür und zog sie in einem wahllosen Muster über das Metall. Das Schloss musste irgend wo versteckt sein. Als sie auf Höhe einer gewöhnlichen Türklinke war, piepte es zwei mal im Inneren der Tür. Die Karte musste entweder beschädigt oder ungültig sein, aber zumindest wusste sie schon einmal, wo sich das Schloss befand. Es half nichts, nicht einmal aufbrechen konnten sie diese Tür, also musste sie sie selbst öffnen. Sie legte ihre Hand auf die Stelle wo sich das Schloss befand und schloss die Augen.

"Was machst du da?" Alex sah sie mit großen Augen an und beobachtete, was sie tat. Das Metall um ihre Hand rötete sich leicht, dann sprang im Inneren der Tür das Schloss auf.

"Wie hast du das gemacht?"

"Alex, als erste Erklärung: Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Du hattest recht, mein Ausweiß ist gefälscht, aber auch Collin ist nicht der, für den du ihn hältst." Nun ließ sich die Tür aufschieben. Der Raum der sich dahinter befand, war mit einem Tisch und einem Stuhl versehen. Auf dem Tisch stand ein PC, recht alt, aber zu gebrauchen. Rund herum an den Wänden waren Regale mit Geräten angebracht. Einige sahen aus wie Funkgeräte, andere wie Messgeräte und wiederum andere ließen sich nicht identifizieren. Es befand sich noch eine verschlossene Tür im Raum, diesmal allerdings zwar ebenfalls wie die erste aus Metall, dafür aber mit einem Griff, und einem Zeichen drauf. Es war orange, mit einem schwarzen Symbol drauf, so wie die heutigen Warnhinweise auf Flaschen, oder Chemikalien, doch Alex kannte dieses Zeichen nicht. Während Cadhra auf dem Schreibtisch in den unzähligen Notizzetteln und Akten wühlte, betrachtete Alex weiter die andere Tür, dann sah er sie an. "Ich habe dich noch gar nicht gefragt, wie du wirklich heißt, wenn deine Papiere schon falsch sind."

"Sie sieht von dem Berg Papier zu ihm auf. "Kommt drauf an. Willst du meinen Bürgerlichen Namen, hier in dieser Welt wissen, oder willst du meinen richtigen, meinen Geburtsnamen wissen?"

"Deinen was? Was ist hier eigentlich los?" er fühlte sich von ihr verarscht. In dieser Welt? Gab es denn noch andere Welten?

"Ich weiß es nicht, was hier los ist. Was denkst du, warum ich hier drinnen rumwühle. Hilf mir lieber mal! Was tust du da eigentlich?"

"Ich sehe mir nur diese Tür an. Das Zeichen, ich habe es noch nie gesehen. Ich überlege gerade, was es bedeuten könnte."

Cadhra stand von dem Stuhl auf, auf dem sie gesessen hatte. Ihr Blick war an das Zeichen auf der Tür geheftet. Sie hatte es erst jetzt bemerkt, da Alex es erwähnte. Und wenn es das Bedeutete, was sie ahnte, wusste sie, warum ein Krieg nahe stand. Sie ging näher ran und strich mit den Fingerspitzen darüber, so als wolle sie es nicht glauben.

"Du scheinst es zu kennen. Was bedeutet es?"

"Nichts."

"Wie? Nichts?" er packte sie am Arm und riss sie zu sich herum "Ich hab deine Zicken langsam satt, sag mir endlich was hier gespielt wird!"

"Du tust mir weh! Ich sagte doch, es bedeutet Nichts. Es bedeutet, das nichts hinter dieser Tür ist."

"Das ist unmöglich! Es ist immer etwas hinter einer Tür, eine Mauer, ein Raum, ein Feld oder was weiß ich!"

"Es gibt Dinge, die das Wissen und Verstehen eurer Welt überschreiten. Ich sagte doch bereits, nichts ist so, wie es scheint." Sie sah ihn an und er ließ sie vor schreck los, denn einen Augenblick dachte er, dass sie ihm mit Katzenaugen ansah und sie Züngelte, wie eine Schlange. Er ließ einen leisen Schrei los und stolperte einige Schritte zurück. "Wer zum Teufel bist du? Was bist du?"

Wir sind die Wächter. Wir sorgen dafür, dass die Welt im Gleichgewicht bleibt. Wenn die Menschheit sich selbst vernichten will, bitte. Aber andere Völker, anders Leben, darf sich nicht in andere Angelegenheiten mischen. Wenn ich recht habe, und hinter dieser Tür das ist, was sie Symbolisiert, dann ist eine Spezies, genannt Schläfer hinter dieser Tür her. Schläfer sind Killer. Sie töten alles, was ihnen in den Weg kommt, und mit diesem da," sie zeigt auf die Tür "Haben sie die Herrschaft über alle Welten."

"Ja klar, und ich bin Joda."

"Wer weiß, wer weiß. Du hast Collin vor solch einem Schläfer gerettet. Ich bin mir sehr sicher. Doch wenn du sagst, du hast nichts zu seiner Rettung getan, dann musst du irgend etwas an dir haben, dass sie nicht mögen. Deswegen bist du für mich auch so wertvoll. Ich würde dir dies alles nicht erzählen, wenn ich nicht auf deine Hilfe angewiesen währe. Ich werde dir einige Dinge Zeigen, von denen du nicht einmal geträumt hast. Es wird für dich schwer werden, dies alles zu begreifen. Aber vertrau mir. Du schreitest in eine Neue Welt des Seins und ich kann dir diese Welt bieten."

"Schönes Märchen. Gehörst du zu den Guten, oder zu den Bösen?"

"Es ist kein Märchen!" sie fauchte und ihre Augen leuchteten wieder wie die einer Katze. "Gib mir die Statue, die hinter dir steht." Sie streckte die Hand aus und deutete auf eine billige Kopie der Freiheitsstatue. Er reichte sie ihr. "So, und nun komm näher." Die Tür war verschlossen. Cadhra öffnete sie genau so wie sie die Tür ohne Griff geöffnet hatte. Alex verstand die Welt nicht mehr. Wie konnte Nichts existieren, das war unlogisch. Was erzählte sie ihm da? Die Tür öffnete sich und er sah nur dunkel. Schwarz, wie eine Wand die am Türrahmen anfing. Er blinzelte, als wolle er versuchen, hinter dem schwarz etwas zu erkennen, so wie man in der Nacht die Augen zusammenkneift um in der Dunkelheit etwas sehen zu können.

"Oh," lachte sie "Du wirst nichts entdecken können. Wo nichts ist, kann man auch nichts sehen." Sie nahm die Statue und hielt sie dem Schwarz entgegen. Es tauchte ein, in die Materie des Dunklen und als sie es wieder herauszog, sah es aus wie abgeschnitten. Die Obere Hälfte, die in die Materie Getaucht war, war verschwunden. "Das Nichts ist hinterhältig, denn es nutzt alles was es bekommen kann um sich zu vergrößern."

"Aber, wo kommt das Nichts her? Und was macht es in meinem Haus?"

"Collin wird es wohl gefunden haben, als er diesen Raum gebaut hat. Wir müssen das Center darüber informieren, wenn sie es nicht sowieso schon wissen."

"Das Center?"

Sie schloss die Tür und entfernte das Zeichen auf der Tür. Sollte ein Schläfer hier vorbei kommen, musste der nicht sofort darauf aufmerksam gemacht werden. Sie verließ den Keller. "Wir werden einige Zeit weg sein. Pack alles ein, was nötig ist."

"Moment! Wer sagt, dass ich mit dir mitkomme?"

"Der Schläfer, der dich finden und töten wird, denn du weißt jetzt auch bescheid. Es muss alles in eine Tasche passen, denn wir werden nicht viel Platz haben."

"Also fahren wir nicht mit dem Auto?"

Sie lachte "Nein, wo denkst du hin? Dass wir irgendwo ein Haus haben auf dem Wasserversorgungsamt oder so was steht, und in Wirklichkeit wohnen im Hinterhof Aliens? Bestimmt nicht."

Sie liefen über die Wiese in Richtung der Klippen. Alex hatte einen Rucksack umgeschnallt, Sie eine große Tasche. Cadhra drehte sich immer wieder hektisch um. Sie vermutete, dass ein Schläfer in der Nähe war, doch durch den heftigen Schneesturm konnte sie nicht weit sehen. Erst hatte es Sinnflutartig geregnet, dann wurde es kalt und jetzt schneite es, mitten im Sommer. Sie stehen am Abgrund und blicken hinunter, dort wo sich das Meer mit den Felsen bricht.

"Und nun?" brüllt Alex durch den Sturm.

"Wir müssen dort runter! Weiter hinten hat es eine Art Abgang!"

Es ist nicht wirklich ein Weg, aber es gibt Halt. Die Felsen sind vereist. Etwa zwei Meter über den Wellen ist ein Einstieg in die Felswand. Er ist durch den Schnee fast nicht zu erkennen. Sie müssen über eine Böe Schnee klettern, um in das Innere zu gelangen. Ein schmaler Gang führt in das Felseninnere.

"Woher wusstest du...?" Alex klopfte sich den Schnee von der Jacke.

"ich war schon öfters hier draußen, außerdem kenne ich Collin und das Meer ist die einzigste Verbindung zum Center."

In den Felsen war eine Treppe geschlagen, sie begaben sich tiefer, bis sie dem Meeresspiegel sehen konnten, der in den Felsen hineinreichte und unruhig auf und ab schwappte.

"Und nun? Willst du schwimmen?"

"Pass auf, ich zeige dir etwas." Sie stellte sich an den Rand des Wasserbeckens und streckte eine Hand aus. Langsam erhob sich eine große Kugel aus dem Wasser. Es sah beinahe aus, wie ein rundes mini U-Boot. Cadhra wühlte in ihrer Jackentasche und zog den Schlüssen samt Anhänger, den aus der Bank, heraus.

"Zauberei, fortschrittliche Technik, aber trotzdem benutzt ihr noch Schlüssel?" Alex zog eine Augenbraue hoch und stemmte die Arme in die Hüfte. Cadhra entfernte den Schlüssel vom Anhänger, warf ihn in hohem Bogen hinter sich, wo er erst auf den Stein aufprallte und dann in einem leisen blubb ins Wasser eintaucht. Sie hält den Sternförmigen Anhänger hoch, um ihm Alex zu zeigen. "Ein Schlüssel wäre zu einfach, wer kommt schon auf die Idee, dass es der Anhänger ist?" Sie grinst verschmitzt. Sie drückt den Stern, und es schiebt sich and er Kapsel ein kleines Fach auf, in dem eine Kerbe, ähnlich einem Stern eingefasst ist. Sie drückt den Anhänger in die Kerbe und eine Tür klappt sich nach oben hin auf. Sie steigt ein und Alex folgt ihr. Es ist dunkel. "Licht." Sagt Cadhra und es wird hell in der Kapsel. An der Wand stehen drei Stühle, gerichtet auf ein Pult mit einer Glasscheibe darauf. Die Tür schließt sich hinter den Beiden. "Setz dich. Möchtest du etwas sehen, oder reicht dir das Licht hier drinnen?" Alex setzt sich verblüfft, schaut sich um und bringt kein Wort heraus. Er ist verblüfft über die Schönheit, die Komplexität dieses Bauwerkes. Cadhra setzt sich zu ihm und berührt das Pult mir den Fingern. Einige Lichter blinken auf und sie berührt einige davon. Ein Fenster öffnet sich und sie sehen die Felswand und das unruhige Wasser. Cadhra drückt weiter einige Lichtfelder und die Kapsel senkt sich langsam. Sie verlassen die Höhle, schweben langsam über den Meeresboden, bis sie tiefer sinken können, und das Wasser etwas dunkler wird. Fische schwimmen an ihnen vorbei. "Du willst mir jetzt doch nicht etwa sagen, dass dein Center unter Wasser liegt?" Alex krallte sich verzweifelt in seinen Sitz.

"Doch. Es ist die einzigste Möglichkeit nicht entdeckt zu werden, denn eure Technologie ist noch nicht so weit, dass ihr bis ganz nach unten könnt. Ihr würdet vom Druck zerquetscht werden. Und das ist unser Schutz."

"Und wir?"

"Uns wird nichts geschehen. Das ist beständiges Imodin. Sie klopft gegen das Metall. Es hält nahezu jedem Druck stand, ist Hitzebeständig bis knapp 2.300 Grad und so Kälteresistent, dass es eine Hand voll von unseren Vorfahren die Eiszeit hindurch in der Arktis am Leben erhalten konnte."

"Was heißt nahezu jedem Druck?"

"Es gibt Welten, da sind die Meere tiefer, ist die Luft dünner, ist der Druck größer als auf der Erde... Wie gesagt, wir sind die Wächter, wir wachen über alles."

"Ihr seid sozusagen Gott?"

"Nein, Gott ist allmächtig, Wenn wir Gott wären, bräuchten die Welten keine Wächter." Sie lachte. Langsam sanken sie immer tiefer. Die Kapsel bewegte sich lautlos. Das Pult piepste und ein kleines Licht blinkte.

"Was ist das?" fragte Alex heiser.

Jetzt sei doch nicht so schreckhaft. Dir kann nichts passieren, solange du in meiner Nähe bist."

"Das beruhigt mich ungemein," stöhnte er ironisch. "Was soll das also nun?"

"Hast du schon mal einen Hai gesehen, einen wirklich großen?"

Er schüttelte den Kopf und sie streckte die Hand aus und zeigte aus dem Fenster. Dort draußen schwamm ein Ungetier. Es war riesig. Alex schätzte etwas um die zehn bis zwölf Meter lang.

"Das ist eine Art von Hai. Diese Art ist noch unentdeckt, und lediglich mit dem Hai verwandt. Lebt nur in diesen Tiefen. Er ernährt sich von allem was sich hier hinunter verirrt. Außer uns, denn uns wird er in Ruhe lassen, er weiß, dass wir nicht schmecken."

"Gibt es noch mehr von diesen.. diesen... Dingern?"

"Oh, es gibt noch weitaus beeindruckenderes. Vielleicht sehen wir noch einige Riesenkraken oder einige Giolesen." Es war dunkel. Fast könnte man meinen, man fährt mit dem Auto durch die Nacht, stattdessen glitten sie durch die Dunkelheit der Tiefen. Ein Scheinwerfer brachte etwas Licht. Die Lebewesen, die sich ins Licht verirrten, waren unbeschreiblich. Manche durchsichtig, manche leuchteten. Kleine, blinde Fische mit langen Reißzähnen, große Quallen, fast so groß wie die Kapsel, die in ihrer Farbenvielfalt sich mit dem Boot messen wollten, dann wieder davon schwammen. Es war beeindruckend. Sie sanken immer tiefer, mal ging es eben gerade aus, dann kam wieder eine Spalte in die sie abtauchten. Sie waren gerade wieder dabei abzutauchen, da erschütterte plötzlich etwas die Kapsel. Ein großes, fast unendlich langes Schuppengebilde raste an ihrem Fenster vorbei. Durch den Sog, den das Tier erzeugte, wurden sie einige Male um sich selbst gedreht. "Was war das?" Alex hatte es sich mittlerweile bequem gemacht und die Aussicht genossen. Doch jetzt war er wieder angespannt. "Keine Angst, es war nur ein Wurm." Cadhra tippte wie wild auf dem Pult herum, um die Kapsel wieder in ihr Gleichgewicht zu bekommen. "Ein Wurm?" seine Stimme war heiser. "Dieses Ding war mindestens zwanzig Meter lang!"

"Einundzwanzigkommadrei um genau zu sein. Würmer sind hier in der Gegend selten. Vielleicht ist er auf der Flucht vor einer Krake."

"Zum Teufel! Welche Krake muss einen so großen Wurm fressen um satt zu werden? Und was muss ein Wurm dieser Größe fressen?"

"Die Würmer fressen Steine. Sie brechen sie aus den Felswänden mit ihren starken Kiefern heraus und zerkauen sie. Dabei filtern sie alle Nährstoffe die sich an den Felsen gehaftet haben und diejenigen, die darin sind. Das was sie Ausscheiden, wird irgendwann, vielleicht Jahre später als Sand an die Strände gespült."

"Du willst sagen, Sand ist Würmer-Kakke?"

Sie lächelte verlegen. "Schauen wir lieber, dass wir hier weg kommen. Wenn die Krake auftaucht will ich nicht hier sein. Wenn sie ihre Tinte versprüht um dem Wurm die Sicht zu nehmen, dann muss ich die Pampe später von der Kapsel runterwaschen." Sie änderten den Kurs.

"Wo kommt ihr her, dass ihr es nötig habt, euch zu verstecken?"

"Die Wächter sind ein uraltes Volk. Älter als du dir vorstellen kannst. Wir dachten, wir wären die Herrscher über die Welt. Wir führten einen erbitterten und blutigen Krieg mit anderen Völkern, bis unsere Welt komplett aus dem Gleichgewicht gebracht war. Und dass dies nicht in anderen Welten passiert, passen wir sozusagen auf sie auf. Und verstecken müssen wir uns deshalb, weil einige Völker für diese Erkenntnis noch nicht reif genug sind."

"Wie Star Wars." Flüstert er. "Aber woher wollt ihr das wissen? Habt ihr die Menschen überhaupt schon damit konfrontiert?"

"Oh ja, das haben wir. Es war eine Katastrophe. Wir haben unseren Stützpunkt, unsere Stadt im wahrsten Sinne des Wortes untergehen lassen. Nur eine Hand voll Menschen glaubt an uns und sind nach alten Überlieferungen noch auf der Suche nach uns. Auf der Suche nach Atlantis."

"Wie muss ich mir das vorstellen? Alle schwimmen mit einer Floss in der Gegend rum?"

"Nein, natürlich sind wir im Laufe der Jahre fortschrittlicher geworden, doch früher haben wir das so gemacht. Denn unser Planet bestand fast nur aus Wasser."

"Waterworld?"

"Es gibt auch einige Aussteiger unter uns. Diese versuchen die Menschheit langsam damit vertraut zu machen, was auf sie zukommen könnte. Star Wars, Waterworld, Terminator, Alien, alle diese Filme sind aus unserem Leben entstanden, von unseren Leuten gemacht worden."

"Dann bist du sozusagen eine Meerjungfau?"

"Im entferntesten Sinne, ja. Wir entsprechen allerdings nicht diesem blond, hübsch und naiv-Klischee. Wir haben nun einfach mal Flossen, die wir einsetzen können wenn wir es wollen, sonst haben wir Beine. Dass wir immer noch, oder besser wieder, unsere Kiemen besitzen ist das Werk der Genmanipulation. Als wir es lernten an Land zu überleben, bildeten sich unsere Kiemen wieder zurück. Um eine flexible, unabhängige Rasse zu erschaffen, haben unsere Obersten ein Projekt ins Leben gerufen, welches Experimente gemacht hat. Das Lungen-Kiemen-Syndrom ist nun seit ewigen Zeiten in unsere Gene verankert. Nicht jede DNS ist auch tadellos. So mussten beispielsweise einige nette Damen unserer Gattung in eine Geschlossene Anstalt gebracht werden, weil sie Seefahrern bei Griechenland den Kopf verdrehten und viele Schiffe zum Kentern brachten. Sie sind einfach durchgeknallt. Es machte ihnen Spaß diese Männer zu töten. Davor waren sie sehr erfolgreiche Musikerinnen und in unseren öden Gefilden sehr beliebt."

Von Weitem sahen sie erneut den Wurm, gefolgt von einer riesigen Krake. Alex betrachtete das Schauspiel. Sie waren Gott sei Dank weit weg, denn jetzt, da der Wurm aussah, als hätte er nur die Größe seines kleinen Fingers, war die Krake so groß wie seine Hand. Diese Größen waren beängstigend."

Nach weiteren drei Stunden fahrt, Sie waren beide sehr müden von den Anstrengungen, konnten sie ein kleines Licht sehen. "Bald sind wir da. Bald werden die ersten Giolesen auftauchen."

"Ich hoffe, dass die nicht genau so groß wie diese Krake oder der Wurm sind."

"Nein, keine Angst, vielleicht kommen diese Tiere dir auch etwas bekannt vor."

Sie näherten sich. Aus dem Licht wurde eine Kuppel auf einem Felsen sichtbar. Weit verstreut lagen alte Säulen, große viereckige Steine. Es sah aus, wie man Atlantis aus Beschreibungen kannte. An die Kuppel war ein recht modernes Röhrensystem angeschlossen. Dies schien der fortschrittliche Teil zu sein. Um die Kuppel tummelten sich Tiere, die Alex irgendwie bekannt vorkamen. Sie sahen aus wie kleine Dinosaurier mit langen Flossen."

"Da sind einige Giolesen. Sie tummeln sich um die Kuppel, weil das Licht Wärme abstrahlt."

"Dinosaurier haben hier überlebt?"

"Das sind keine Dinosaurier. Vielleicht, oder bestimmt stammen sie von ihnen ab, aber sie sind keine. Friedlich, gutmütig und ruhig. Man kann sogar mit ihnen schwimmen, ohne dass sie einem was tun."

"Wenn es keine Dinosaurier sind, dann weiß ich nicht was es sein sollen. Nichts, dass es an der Oberfläche gibt."

"Oh doch. Giolesen-Babys werden von unseren Kindern gerne als Haustiere gehalten, bis sie alt genug für die Freiheit sind. Es ist schon einige Zeit her, da gab es zwei dumme Kinder, die mit ihren Eltern Urlaub machten. Trotz dem Verbot ihrer Eltern nahmen sie heimlich das Baby mit. Wie es das Schicksal wollte, entwischte es ihnen in einen nahegelegenen See. Dort lebt es heute noch, weil wir es für wichtig halten. Es ist eine Weitere Vorbereitung auf eure Zukunft. Auch wenn ihr das arme Tier als Ungeheuer betrachtet. Es hat sich gut angepasst an das raue Klima und da es sich nicht oft sehen lässt, lebt heute noch die Legende von Loch Ness."

Sie gleiten in das Röhrensystem. Es war genau so gebaut wie die Höhle, in der sie die Kapsel gefunden haben. Sie wurden an eine Ladestation angeschlossen. Cadhra schaltet die Systeme ab, schloss das Fenster. "Licht aus." Befahl sie und das Licht wich für die Dunkelheit.

"Worauf warten wir? Können wir nicht aussteigen?" er flüsterte, weil er die Stille nicht durchbrechen wollte.

"Wir warten, bis die Kontrollen fertig sind. Jede Kapsel muss sich komplett ausschalten. Jegliche Energie muss unterbunden werden. Dann überprüft das Kontrollzentrum ob sich autorisierte Personen in der Kapsel befinden, oder ob es ungewünschte Eindringlinge sind. Ich habe dich unaufgefordert mitgenommen. Vielleicht bekommen wir etwas Schwierigkeiten, wenn du aber ruhig bist, mich reden lässt und bei mir bleibst, dann kann dir nichts passieren."

Die Tür öffnete sich nach oben und Licht strömte herein. Sie stand langsam auf, ging zur Tür und Alex folgte ihr. Sie betraten die oberste Ebene. Ihnen gegenüber stand ein alter Mann mit langen weißen Harr und einem ebenso langen weißen Bart. Hinter ihm trotzen wie einem Mauer zehn Männer mit Waffen, auf sie gerichtet.

"Armalis Zeles! Willkommen Kindchen!" begrüßte sie der Mann und schloss sie in die Arme. "Ich wusste dass du kommen würdest. Stelle mir den jungen Mann vor, der dich begleitet."

"Er ist ein sehr guter Freund von Collin Bexter. Er könnte uns hilfreich sein. Lasst es mich euch bei einer Tasse Punsch erzählen. Ist diese Förmlichkeit denn nötig?"

"Es muss sein. Es gibt viele Verräter in unseren Reihen."

Sie wanderten durch die großen Hallen von Atlantis. Fische und allerlei komischer Kreaturen schwammen um die Kuppeln herum und labten sich an dem Licht, dass sie abgaben. Die Hallen welche die Kuppeln schützten, beherbergten allerlei Kaufleute, Händler und Marktstände. Es sah beinahe so aus, wie ein riesiger Basar im Mittelalter. Die Leute die Alex sehen konnte, waren schlicht gekleidet. Nicht futuristisch, wie er es sich erahnt hatte. Sie brüllten und priesen ihre Waren an. Es herrschte ein reges Treiben. Dicht gefolgt von den zehn bewaffneten Männern drängten sie sich durch die Menge. Flüchten wäre ein leichtes für ihn gewesen, doch er vertraute seiner Gefährtin, wie sie nun auch immer heißen möge. Sie betraten eine art Kneipe und setzten sich an einen Tisch. Sie erzählte dem alten Mann, was sich zugetragen hatte und er erzählte ihr merkwürdige Worte in einer Sprache, die Alex noch nie gehört hatte. Plötzlich trat ein Mann an ihren Tisch und reichte dem alten Herren eine Botschaft. Er las die Zeilen und erhob sich. "Armalis, Kindchen, der hohe Rat möchte dich sprechen. Ohne ihn." Er blickte Alex etwas verachtend an, als wäre er ein Parasit.

"Er kommt mit!"

"Nein!"

"Warum nicht? Ihr sagtet, es gäbe viele Verräter unter uns. Wer sagt mir also, dass ich nicht um seine Sicherheit bangen muss, ehe ich zurück bin?"

"Na gut. Ich versuche den Rat zu überzeugen."

Nachdem sie die Kneipe verlassen hatten, begaben sie sich zu einer Art Aufzug. Ob sie nach unten oder nach oben fuhren, konnte Alex nicht ausmachen, doch als die Tür sich öffnete, sah er zuerst nur Dunkelheit und glaubte, es wäre eine weitere Tür die seine Freundin als "Nichts" bezeichnete. Doch dann erhellte sich der Saal etwas. Er konnte etwas entfernt dreizehn Kanzeln ausmachen. In jeder Kanzel saßen drei Wesen. Jedes sah anders aus und keines glich einem Menschen. Diejenige Kanzel, die im Zentrum des Saals war größer und prunkvoll. In ihr saß nur ein Wesen. Alleine zwei Kanzeln waren leer. Sie betraten eine Plattform die wie ein Podium gebildet war. Der alte Mann sprach: "Hoher Rat, hier haben wir die mächtige und tapfere Kriegerin Armalis Zeles. Sie hat mir berichtet, was unser Außenminister Collin Baxter bereits vermutet hatte..."

"Kriegerin..?" flüstert Alex.

"Sei still!" flüstert sie scharf zurück.

"Sie sind auf der Erde. Die Türen sind hier. Die Schläfer wissen bereits bescheid und versuchen diese zu finden..." der alte Mann verstummte, als das Wesen in der großen Kanzel die Hand erhob.

"Schweig, Fared von Balesien! Was du uns berichtest, wissen wir bereits. Der Grund warum wir euch herholen ließen ist mehr oder minder der junge Mann, den ihr in Begleitung habt. Wer ist er?" sprach das Wesen.

"Ältester," begann sie, "bitte versteht, er war ein getreuer Diener unseres Ministers. Ich war auf meiner Suche nach ihm auf seine Hilfe angewiesen. Da ich unseren Minister nicht finden konnte, und er mir einige Nachrichten zukommen lies, die eindeutige Befehle enthielten, dachte ich, es wäre das Beste ihn mitzunehmen. Er hat eine Gabe..."

"Was denkst du, kleine Armalis, wer du bist? Einfach einen Diener, einen Sklaven, einen Parasiten in unsere Reihen aufzunehmen!?"

"Nun hör mal du verkalktes Männchen, ich weiß zwar nicht, was hier abgeht, aber die Würde eines Menschen ist unerreichbar! Jeder ist einzigartig! Der Ausdruck Parasit ist eine Beleidigung!" Alex´s Stimme hallte von den Wänden wieder. Der alte Mann und seine Freundin sahen ihn entrüstet an. Ein Raunen ging durch die Kanzeln. Das Wesen in der großen Kanzel erhob sich. Es war größer als Alex es sich vorgestellt hatte. Es beugte sich weit nach vorne und sprach zu Armalis: "Ich sehe, du hast nicht nur einen Parasiten eingeschleppt, sondern einen Verräter! Einen Mensch, des Lebens alleine nicht würdig! Auf fremde Hilfe angewiesen! Schande über dich!" als es das Wort Mensch aussprach wurde der Saal erneut von einem Raunen durchzogen.

"Wenn ihr mich ausreden lassen würdet, dann wüsstet ihr jetzt, aus welchem Grund ich ihn hier her mitgenommen habe!"

"Schweig!" das Wesen brüllte das Wort und die Wände erzitterten. "Sei froh, dass du nicht verstoßen wirst! In der jetzigen Situation können wir nichts anders tun als ihn als Kriegsgefangenen zu betrachten. Die Zeit für eine Behandlung können wir uns zur Zeit nicht erlauben!"

"Kriegsgefangener? Befinden wir uns denn im Krieg? Ich denke nicht! Hätten wir sonst die Stadttore passieren können?"

"Er bleibt hier!"

"Nein! Er kommt mit mir!" Die Wände zitterten. "Das Gesetz erlaubt uns einen Prozess und so lange ist es ihm freigestellt zu gehen!"

Das Wesen beugte sich noch einmal hinunter, mit einem mitleid erfüllten Blick und sprach ruhig: "Und wer soll deiner Meinung nach für seine und unsere Sicherheit sorgen? Du etwa?"

"Ja, warum nicht, Ältester?"

Schallendes Gelächter durchzog den Saal. "Du, eine kleine Kriegerin, eine Drohne unseres Volkes willst einen Menschen bändigen? Durchfährt dich nicht die Angst, er könnte dich zerfleischen wenn du schläfst, oder umgarnen mit seinem Charm? Und überhaupt, wo willst du ihn beherbergen?"

"Lasst dies meine Sorge sein."

Die Wesen in den Kanzeln steckten die Köpfe zusammen und letztendlich erhoben alle gesammelt die Hand. Armalis grinste ein wenig. Sie wusste, was es bedeutete.

"Nun gut. Er steht ab nun unter deiner Obhut. Sollte uns irgend etwas zu Ohren kommen, wir der gefangen genommen und du, so wahr es der Rat will, in die Gefilden von Golachg geschickt." Einige zuckten dabei zusammen. Auch Armalis wurde es etwas flau im Magen bei dem Gedanken den Rest ihres Lebens in Golachg verbringen zu müssen, doch sie hatte Vertrauen in Alex.

Sie saßen in einem kleinen Apartment zu Tisch. Armalis hatte etwas zubereitet. Es schmeckte nicht wirklich, doch sie versprach den nächsten Tag etwas einkaufen zu gehen, um nach menschlichem Geschmack zu kochen. Sie hatte eine kleine Schlafstätte für sich hergerichtet. Alex sollte in ihrem Bett schlafen. Durch ein Fenster konnten sie weitere Fische sehen. Als nun nur noch eine Kerze brannte, betrachtete Alex die Kreaturen die im Dunkeln an der Scheibe vorbeihuschten. "Kannst du mir einiges erklären? Oder darfst du einem Kriegsgefangenen keine Informationen geben?"

"Dir wäre es lieber gewesen, ich hätte dich zurück gelassen?"

"Ja."

"Dann wärst du jetzt bereits tot. Die Gabe die du hast, sie macht dich zu einem Feind der Schläfer."

"Aber auch nicht gerade zu euren Freunden?"

"Leider." Sie blickte in den Schein der Kerze. "Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein wirklicher Name ist Armalis Zeles. Es ist mein wirklicher, mein einzigster Name. Ich bin die Tochter eines Verräters. Der Rat hat mir einige Prüfungen auferlegt, um in meinem Volk wieder die nötige Achtung zu erlangen, die meine Familie benötigt. Doch es ist schwer."

"Warum waren zwei der Kanzeln leer?"

"Wie dir vielleicht aufgefallen ist, saßen in jeder Kanzel die Vertreter eines anderen Volkes. Wir haben uns die klügsten Vertreter anderen Welten herbeigerufen um uns bei unseren Entscheidungen behilflich zu sein. Vor vielen tausend Jahren war nur eine Kanzel frei. Denn die Schläfer hatten auch einen Sitz in unserer Mitte, bis sie sich von uns abwandten. Sie sahen nur noch den Wert und die Macht der Türen und strebten die alleinige Herrschaft an. Doch plötzlich verschwanen die Türen. Sie wurden nicht wieder in unsere Gemeinschaft aufgenommen. Sie verschwanden in ihre Welt zurück. Seit Monaten berichten Unsere Leute auf der Erde und in anderen Welten davon, dass die Türen wieder auftauchen und die Schläfer wollen erneut den Krieg über die Macht."

"Für wen ist die letzte Kanzel gedacht?"

"Wir haben die Rückkehr der Türen nicht so früh erwartet. Wir dachten, dass die Menschheit bereits so weit wäre uns zu folgen, darum ließen wir ihnen einen Platz einrichten. Leider wird er leer bleiben. Fared war mein Lehrmeister und das was er mir erzählt hat, lässt meine Hoffnung verblassen. Es wird auf einen Krieg hinauslaufen und in diesem Krieg wird die Menschheit den kürzeren ziehen. Denn auf der Erde sind mehr als das hundertfache an Türen bekannt als auf allen anderen Welten zusammen."

"Warum bin ich ein Parasit?"

"Eben darum. Ihr seid geistig nicht ausgereift. Ihr habt bis jetzt nur als unsere Wirte gedient, ohne euch wehren zu können. Missverständnisse haben dazu geführt, dass die alte Generation ein falsches Bild von den Menschen hat. Sie werden als blutrünstige Monster, als Beschwörer des Verbotenen verschrieen. Der Sage nach soll es einmal einen Krieger gegeben haben, der habe sich einen Menschen zur Frau genommen und ihre Kinder waren schreckliche Kreaturen. Es heißt sogar, dass die Schläfer so entstanden. Doch weiß das niemand so genau. Seither werden die Menschen als Verführer verschrienen. Sie machen unsere Sinne willenlos und benutzen uns führ ihre Zwecke. So steht es geschrieben. Doch die alte Generation, die dies alles zu Papier brachte, kennt die Menschen nicht, da sie noch nie die Oberfläche gesehen haben und noch nie Kontakt hatten."

Alex lächelte: "So? Vernebele ich denn auch deine Sinne?" Er sah sie mit tiefem Blick an, als wolle er mit ihr spielen.

"Tu das nicht. Du könntest noch mehr Schwierigkeiten bekommen, als du ohnehin schon hast. Deine Gefangenschaft ist aufgeschoben, aber noch längst nicht abgewehrt. Es wird einen Prozess geben. Ich hoffe, dass der Rat verstehen wird, welchen Wert du für uns hast. Das können wir als Druckmittel benutzen. Vielleicht hilft es." Sie pustet die Kerze aus "Deck dich zu, es wird kalt werden. Hier unten ist es immer kalt."

Er wurde erst wach, als er hörte wie die Tür sich schloss. Verschlafen blickte er Armalis an. Sie war bereits auf dem Markt gewesen und hatte eingekauft. Sie stellte die Tüte auf den Tisch der an ein Fenster gelehnt war. Sie packt die Sachen aus. Alex steht auf, kommt zum Tisch und sieht Armalis zu. "Was ist das alles?"

"Das hier," sie deutet auf einige Früchte die aussehen wie Kartoffeln "das sind Chiwis. Süß und sehr Nahrhaft. Der Rest ist für eine Art Auflauf gedacht. Ich habe noch versucht einen Ersatz für Nudeln zu finden, habe aber keine bekommen. Fisch könnte ich dir noch anbieten, den müssten wir uns allerdings selbst fangen."

"Selbst fangen? Herr Gott wie denn? Sollen wir ne Angel zum Fenster raushalten?"

Sie drehte sich um, sah ihn an und ihr stieg die Röte ins Gesicht. "Ich werde dir zeigen, wie wir hier Fische fangen, dich solltest du dir vielleicht vorher noch etwas anziehen. Ich habe dir etwas passendes dort drüben hingelegt. Damit fällst du nicht so auf."

"Ich bin nun mal ein Verführer." Grinst er. In diesem Moment klopft es und der alte Mann betritt den Raum. Armalis lässt einen kurzen schrei los und hüpft vor Alex um seine Blöße zu bedecken.

"Allmächtiger! Hat er dich etwa schon verzaubert?"

"Fared, Meister, lasst es mich erklären!"

"Fort von ihr!" er fuchtelte mit einem Stab vor Alex´s Gesicht herum.

"Er hat mir nichts getan! So glaubt mir doch, Meister!"

"Du hast mir von seiner Gabe erzählt. Wer weiß, vielleicht beherrscht er noch andere Zauber." Dabei musterte er den immer noch nackten Alex. Armelis drückte ihm die Kleider in die Hand. Geh ins Badezimmer und beeil dich. Wir haben heute viel vor!"

"Ich werde ein Auge auf euch haben, und denke daran, nicht nur ich beobachte euch, der Rat tut es auch. Sie haben noch keinen Termin für eine Verhandlung angesetzt, das heißt sie warten darauf, dass er einen entscheidenden Fehler begeht."

"Meister, ich habe Vertrauen zu ihm. Habe ich euch mit meiner Menschenkenntnis einmal enttäuscht? ‚Ihr wisst, dass ich keinem Menschen glaube, doch Collin hatte Respekt vor ihm. Hätte Alex den Schläfer nicht verjagt, dann wäre er jetzt in ihrer Gewalt. Und ihr wisst selbst, dass ein Schläfer vor nichts zurückschreckt, außer vor Begnadeten. Ich kann nicht von euch verlangen, dass ihr mir helft seine Gabe zu formen, aber ich kann euch bitten, mich zu verstehen, mir zu vertrauen, uns zu vertrauen."

"Du scheinst sehr entschlossen zu sein, kleine Armalis. Aber ich warne dich! Bitte mich nie um Hilfe! Du weißt, es ist verboten ohne Erlaubnis des Rates jemandem seine Gabe zu lehren!"

Mittlerweile war Alex fertig angekleidet wieder zurückgekehrt. Er hatte das Gespräch gut hören können, obwohl er sich in einem anderen Raum aufhielt. Die beiden unterhielten sich mit gehobener Stimme und gereiztem Ton.

"Jawohl, Meister." Sagte sie etwas launisch.

"Dieses >Jawohl, Meister< , das gewöhne dir wieder ab, du freche Göhre! Du weißt was passiert, wenn du gegen das Gesetz verstößt! Ihn," er zeigte auf Alex. "ihn stecken sie in die Kammer, und dich schicken sie in die Gefilde von Golachg! Und dort wird dir niemand mehr helfen können! Von dort ist noch niemand zurückgekehrt!" mit diesen Worten verließ er das Apartment.

"Es tut mir leid, wenn ich dir so viel Ärger mache." Alex kam näher und betrachtete mit einem sanften Blick Armalis, der Tränen der Wut im Gesicht standen.

"Das tust du nicht, ich mache mir die Probleme selbst. Aber ich kenne Fared. Er wird uns versuchen zu helfen, ohne das Gesetz brechen zu müssen. Er hat eine strenge Hand, das ist alles."

"Warst du schon in vielen Welten?"

"In einigen. Man lebt nie in der Welt, in der man von seinem Meister unterrichtet wird, und meist wird man auch in einer anderen geboren. Je nachdem welchen Rang man zu seiner Prüfung erhält, wird man vom obersten Rat entweder in einer Welt angesiedelt, oder in mehreren eingesetzt. So wie ich, ich bin eine Wanderin, doch von allen Welten kenne ich die der Menschen am Besten."

"Zeigst du mir deine Welt?"

"Ich zeige dir etwas viel besseres, ich zeige dir das alte Atlantis, so wie es früher war." Sie warf sich ihren Umhang über die Schultern und betrachtete Alex. "Ich muss mich schon selbst loben, ich habe dir wirklich passende Kleidung ausgesucht. Niemand wird einen Unterschied merken, solange du dich nicht als Mensch zu erkennen gibst."

"Und wenn doch?"

"Dann haben wir ein weiteres Problem. Lass mich einfach reden. Solange du nichts sagst, fällt auch nichts auf. Wir werden als erstes zu einem Seelenredner gehen. Ich kenne ihn gut und er ist mir noch etwas schuldig." Sie kramte allerlei Sachen in einer Tasche und hängte sie sich um.

"Seelenredner?"

"Die Menschen haben Fähigkeiten, wie sie in deinen kühnsten Träumen nicht existieren. Sie schlummern in eurem Kopf und ihr seid nicht fähig sie zu benutzen. Ein Seelenredner ist jemand, der unsere Verstummten die Gabe des Sprechens zurückgibt. Und ich denke, dir kann er auch helfen."

"Aber ich kann doch sprechen."

"du verstehst nicht, was ich meine, vertrau mir und ich werde es dir zeigen."

Sie verließen das Apartment und drängten sich durch die Menge. Sie verließen die Ebene mit der Kuppel und gelangten in ein dunkles Viertel. Hier sahen die Wesen weitaus bedrohlicher aus. Armalis hatte mit ihrem Umhang ihr Gesicht verhüllt. Sie liefen schnellen Schritts durch die engen Gassen und machten an einer Tür aus Gusseisen halt. Armalis öffnete sie und das Innere des Raums erschien wie eine Schmiede. Es war heiß und stickig. Kaum hatten sie den Raum betreten und die Tür hinter sich geschlossen, da trat eine zwergenatige Kreatur an sie heran. Armalis gab ihm ein Zeichen und er führte sie durch einige dreckige Hinterzimmer in einen kühlen Raum mit einem Schreibtisch und einer Theke. Es sah beinahe so aus wie eine alte Apotheke. Der Zwerg ließ sie alleine und so standen sie einige Zeit, bevor ein hagerer unscheinbarer Mann den Raum betrat.

"Wer hat euch hereingelassen? Bauernvolk, verschwindet. Hier gibt es nichts, das ihr euch stehlen könntet!" er hatte die Stimme eines alten Mannes. Die Brille auf seiner Nase rutschte immer wieder nach unten, so dass er sie mit dem Finger wieder nach oben schieben musste.

"Wir stehlen nichts, wir wollen etwas kaufen." Armalis´ Stimme klang dumpf durch den Stoff ihres Umhangs.

"Ich sage es noch einmal: verschwindet! Ich verkaufe nichts, ich bin ein alter Mann, der seinen Lebensabend genießt!"

"Nun gut." Sprach Armalis. Sie schob den Umhang aus ihrem Gesicht und hob die Kapuze vom Kopf. Alex erschrak als er ihr Gesicht sah. Sie hatte eine bläuliche Haut, rotunterlaufene, grünblitzende Augen. Über ihre Lippen blitzen zwei scharfe Zähne, fast so wie die eines Vampires. "Wenn du uns nichts verkaufen willst, dann holen wir es uns eben ohne zu bezahlen." Mit diesen Worten ging sie auf den Mann zu. Dieser erschrak ebenfalls, denn er erkannte das Gesicht, dass ihm gegenüber war.

"Armalis, teuerste! Ich ahnte nicht, dass ihr es seid!" er kreischte wie ein kleines Kind.

"Schweig! Du hast etwas, dass ich möchte. Ich werde dir dafür Geld geben, doch wenn du dich weigerst, töte ich dich!"

"Was wollt ihr?" er sah verängstigt zu Alex hinüber, als wolle er Hilfe suchen.

"Ich will den Chip!"

"Welchen Chip?"

Sie packte ihn am Kragen und zog ihn ein kleines Stück in die Höhe. "Du weißt was ich meine!"

"Ach der Chip, ich habe ihn noch, aber ich kann dir nicht versprechen, dass er noch funktioniert. Er ist schon Jahre nicht mehr benutzt worden. Wofür braucht ihr...."

"Wo ist er?" sie ließ ihn los und er taumelte an eine Wand, hob dort ein Bild herunter. Dahinter war ein Holraum, in dem lag eine Schatulle. Er nahm sie heraus und stellte sie auf die Theke, öffnete sie, nahm eine rundes, münzenähnliches Plättchen heraus und reichte es ihr. Sie nahm es, steckte es unter ihren Umhang, zog in der gleichen Bewegung einen Beutel hervor. Der Mann zuckte zusammen.

"Was ist? Hast du Angst? Ich sagte doch, ich bezahle dich. Habe ich mein Wort schon einmal gebrochen?"

"Nein."

"Also. Wie viel?"

"Oh, es hat für mich keinen Wert..."

"Wie viel, alter Mann! Ich will nicht in deiner Schuld stehen, wenn wir uns das nächste Mal begegnen!"

"Einhundert."

Sie ließ einige Geldstücke auf den Tisch klimpern und am Gesichtsausdruck des Mannes konnte Alex erkennen, dass es mehr als einhundert-irgendwas waren. Armalis setzte sich wieder die Kapuze auf, verhüllte ihr Gesicht und verließ mit ihm die Schmiede. Draußen angekommen wartete bereits ein Pack Bettler auf sie. Es war nicht unbemerkt geblieben, dass sich Leute aus der höheren Schicht hier her verirrt hatten. Armalis packte Alex an der Hand und rannte los. Sie rannten gemeinsam die Engen Gassen entlang, bogen mal hier, mal da ein und als sie die Bettler abgeschüttelt hatten, blieb Armalis stehen und sah zurück. Sie atmeten beide schwer und Armalis begann zu lachen. Angesichts ihres Aussehens eben kam es Alex recht grotesk und fremd vor. Sie führte ihn zu einem Haus, dass etwas heller und freundlicher aussah. Vor der Tür und in den Fenstern saßen Frauen, aller Herkunft, aller Rassen. Sie betraten das Haus und Alex wurde sofort von den Frauen umgarnt. Armalis nahm ihn erneut bei der Hand und zog ihn von den Profitwitternden Frauen fort. "Die sind nichts für dich. Bringen mehr Krankheit und Schande über dich, als Lust." Sie passierten eine Theke neben der eine Treppe nach unten führte. Armalis sprach Worte in dieser Sprache, die sie schon mir Fared gesprochen hatte, ließ ein Geldstück auf die Theke fallen und betrat die Treppe die nach unten führte. "Daran musst du dich gewöhnen. Hier geht keine Treppe nach oben, so wie in deiner Welt, hier geht alles nach unten."

Die Treppe führte in einen langen Gang. Auch hier standen einige Frauen herum und unterhielten sich. Armalis öffnete eine Tür zu einem kleinen Zimmer und schloss sie wieder hinter ihnen.

"Setz dich." flüsterte sie.

"Das ist jetzt nicht das wofür ich es halte?" flüsterte er zurück.

"Frauen für Geld sind die geächtetsten und doch edelsten Wesen in unserer Welt. Hier sind wir sicher, weil uns hier niemand suchen wird."

Sie legte ihren Umhang ab und betrachtete die kleine Scheibe in ihrer Hand. "Ein Wunderwerk der Technik. Vermächtnis einer anderen Welt, die nicht mehr existiert." Alex hatte sich bereits auf dem Bett niedergelassen. Es war das einzigste, was dieses Zimmer zu bieten hatte. Ein Bett, ein kleines Waschbecken und einen Spiegel, der mit vielen kleinen Rissen übersäht war. Sie kam näher, ließ sich auf die Knie fallen und rutschte erneut ein Stück näher.

"Ist das dein richtiges Gesicht?" er starrte sie an, denn das Blau war nicht gewichen, lediglich die Augen waren nicht mehr so stark unterlaufen. Er hatte gehofft, dass ihr menschliches Gesicht wieder zum Vorschein kommen würde. Diesmal erschrak sie, stürzte auf und sah in den Spiegel.

"Sehe ich so hässlich aus?"

"Deine menschliche Gestalt hat mir besser gefallen. Kannst du dich nicht wieder zurück verwandeln?"

"So ist das also." Sie blickte bedrübt zu boden und sank wieder vor ihm nieder. "Nein, das geht nicht. Ich habe immer die Gestalt, die mein Gegenüber wahrnimmt, die sich in sein Gedächtnis prägt."

"Du warst vorhin sehr bedrohlich."

"Fürchtest du dich vor mir?"

"Ein wenig." Er strich ihr über das lange Haar. Es erstaunte ihn, denn es fühlte sich wirklich wie echtes Haar an.

"Sind es die Zähne? Ich kann sie auch verstecken." Sie öffnete den Mund und wie, als könnte sie ihre Zähne bewegen klappten die beiden Reißzähne an den Gaumen. "Zieht chöner auz, aber ich rede dadurch etwaz komiz."

Alex musste sich ein Lachen verkneifen und plötzlich, als sie ihre Zähne wieder ausklappte und ihre Augen verrieten, dass es so viel angenehmer für sie war, da sah sie irgendwie... hübsch aus. Sie nahm erneut die Scheibe zur Hand. Dann löste sie die obersten Schnüre an seinem Hemd.

"Hoppla. Wer ist hier von uns beiden der Verführer." Er flüsterte immer noch, doch konnte man trotzdem in seinem leisen Ton etwas anrüchiges hören. "Was tust du mit mir?"

"Vertraust du mir?" fragte sie leise und blickte dabei in seine Augen.

"Wird es weh tun?"

"Ja, aber wir haben Zeit. Du wirst dich erst benommen fühlen aber das vergeht schnell wieder."

Es herrschte Ruhe.

"Also? Vertraust du mir?"

Er nickte nur und sie legte mit einer Hand die Scheibe auf seine Brust und mit der anderen Hand umfasste sie sein Genick und küsste ihn sanft. Dabei drückte sie die Scheibe fest an seine Brust. Er spürte ihre blauen Lippen, und den höllischen Schmerz in seiner Brust, den Schmerz, ihre blauen Lippen, den Schmerz, den Schmerz, ihre Lippen....

Dunkelheit.

Er erwachte. Sie saß in einer Ecke und beobachtete ihn. Benommen richtete er sich auf, fasste sich an die Brust und ertastete einen Verband.

"Es hat etwas geblutet. Tut es noch weh?"

Er versuchte zu antworten, doch seine Stimme versagte. Er hustete stark und antwortete dann: "Es fühlt sich fremd an. Aber es tut nicht mehr so sehr weh."

"Gut. Wie fühlst du dich? Bist du bereit für die erste Lektion?"

"Mir ist schlecht."

"Das ist normal. Der Körper wehrt sich erst, doch wenn du lernst damit um zu gehen, wird sich der Körper allmählich dran gewöhnen."

"Was tust du mit mir?" er fasste sich an den Kopf und taumelte leicht, als er versuchte aufzustehen. Sie erhob sich aus ihrer Ecke und versuchte ihn zu stützen.

"Ich zeige dir meine Welt. Du bist jetzt ein Teil von uns." Sie zog ihren Kragen etwas weg und er konnte sehen, dass auch sie eine solche Scheibe auf der Brust hatte. "Wir denken auch mit dem Herzen. Auch wenn das die Menschen nicht verstehen. Aber wenn du mit deinem Herzen denkst, dann wirst du neue Dinge erleben."

"Und wie sehen die aus?"

"Du hast die Leute draußen auf den Marktstraßen und in den Bettlergassen gesehen. Dieses laute Treiben ist nicht überall so. Die Gelehrten, die Gebildeten, haben ihre eigene Sprache. Wenn du in deiner Welt da draußen bist, ist es manchmal sehr ruhig. So ruhig, dass man sich einsam fühlt, obwohl das Leben um dich herum tobt. Verstehst du?"

"Nein." Er schüttelt den Kopf. Er fühlte sich nicht wohl. Hatte Kopf-, Halsschmerzen.

"Kannst du mich hören?"

"Sicher kann ich das. Was soll das?"

"Nein, sieh mich an. Kannst du mich hören?"

Er blickte ich ihre Augen, in ihr Gesicht. Ihre Lippen bewegten sich nicht, doch er kann sie hören.

"Das ist meine Welt, wir denken mit dem Herzen. Doch hüten wir dies als Geheimnis. Du darfst es niemandem sagen. Die, die es hören, werden es wissen, und der Rest wird ahnungslos bleiben. Anfangs wird es dir noch schwer fallen Gedanken und gesagte Gedanken zu kontrollieren, aber du wirst es lernen. Wollen wir nun gehen?"

"Wohin?"

"Ruhig, ruhig. Wir können uns ab jetzt auch denkend unterhalten. Um dich nicht in Sprachnöte zu bringen, werden wir einfach sagen, dass du erstumt bist. Solange kein Wort über deine Lippen kommt, wird niemand merken, dass du ein Mensch bist." Sie ließ ihn langsam los und trat einen Schritt bei Seite. "Nun, bist du bereit, deinen ersten Fisch in meiner Welt zu fangen?"

"Ja."

Sie verließen das Freudenhaus, durch die engen Gassen. Armalis hatte wieder ihr Gesicht verhüllt. Sie stiegen auf, in die Ebene der Kuppel. Hier herrschte wieder fröhliches Markttreiben und nun fielen Alex auch mehr Wesen auf, die das Aussehen von Armalis hatten. Er erinnerte sich an den Kuss und wunderte sich, wie sie ihn küssen konnte, ohne ihn mit ihren spitzen Zähnen zu verletzen. Das Ende der Ebene war bereits in sich. Der letzte Stand auf der Marktebene war ein Fischstand. Armalis steuerte darauf zu und unterhielt sich kurz mit dem Verkäufer und reichte ihm einige Münzen. Dabei deutete sie einige Male auf Alex. Dann kam sie zu ihm zurück und sie gingen durch eine Tür. Als diese sich hinter ihr schloss, wurde etwas Wasser, etwa bis zu den Knien eingelassen.

"Ich werde keine Luft bekommen, wir werden erdrückt werden!"

"Nein, wirst du nicht. Wir werden gleich ein Gerät bekommen..."

Plötzlich war ein leises piepsen zu hören und ein kleines Fach in der Wand öffnete sich. Darin lagen zwei Mundstücke.

"Na bitte." Sie drehte beide Mundstücke in den Händen und reichte dann eines an Alex. "Man kann nie vorsichtig genug sein. Dieses hier ist für dich. Das andere ist eine spezielle Anfertigung wegen meiner Zähne. Du setzt es nachher ein und drückst an beiden Seiten das Stück zusammen und es entfaltet sich eine Art Aura um dich, die den Druck abhält. Technik aus einer vergangenen Welt." Sie beginnt ihren Mantel abzulegen, zieht ihre Stiefel aus und schnürt ihr Hemd auf.

"Was tust du?" Alex wurde sichtlich nervös.

"Willst du dass deine Kleider nass werden? Die Aura schützt dich vor dem Wasserdruck, aber nicht vor der Nässe." Sie lachte leise und ihr Lächeln machte Alex wahnsinnig.

"Wir werden da nicht nackt rausgehen, oder?"

"Nein, die Unterwäsche kannst du anlassen, wenn du willst." Sie blickte tief und verführerisch in seine Augen. "Du trägst doch noch was drunter, oder?"

Er schüttelte langsam den Kopf.

"Dann zieh wenigstens dein Hemd aus. Du bekommst dann später meinen Umhang, damit du nicht frierst."

"Dann sieht man aber diese Scheibe an meiner Brust und du sagtest doch, dass es ein Geheimnis..."

"Diesen Knopf hat fast jeder. Denn er hat nie die selbe Wirkung. Blinde können sehen, gelähmte laufen oder was auch immer."

Er zog sein Hemd aus und zeigte seinen Oberkörper der recht kräftig und etwas muskulös war. Er sah gar nicht mal so schlecht aus, für einen Menschen. So standen sie sich gegenüber, der Mensch, der aus seiner Welt gerissen wurde, sanft, stark und kräftig, und die Wächterin mit ihrer Haut, die blau schimmerte, den bläulich glitzernden Haaren und den grünen Elfen-Augen. Zwei Welten prallten aufeinander. Nun stieg das Wasser langsam und Armalis löste ihren Blick von Alex.

"Schnell, gib mir deine Sachen." Er gab sie ihr und sie packte sie mit den ihren in ein Schubfach, dass sich darauf verschloss um wasserdicht zu sein. Das Wasser stand bereits bis zur Hüfte.

"Irgendwie habe ich Angst, dass das nicht funktioniert."

"Probier es aus!" Sie nahm das Stück in den Mund und drückte die Seiten zusammen. Dann sank auf die Knie und tauchte ihr Gesicht unter Wasser um es ihm zu demonstrieren. Er machte es ihr nach, und tatsächlich, er konnte damit atmen.

"Wie lange bekommen wir damit Luft?"

"Es gibt keine Begrenzung. Das Gerät filtert den Sauerstoff aus dem Wasser. Sobald diese Kammer hier voll ist, öffnet sich die Schleuse."

Sie verließen das Center. Armalis schwamm voraus und Alex folgte ihr. Sie entfernten sich schnell. Es schwammen viel kleine Fische um sie herum. Eine Giolese schwamm an ihnen vorbei und Armalis hakte sich an einer ihrer Flossen ein.

"Komm schon, so geht es schneller!"

Die Giolese nahm sie ein Stück weit mit und Alex hatte erneut Zeit Armalis zu betrachten.

"Wo ist deine Flosse von der du gesprochen hast?"

"Ich habe dir schon einmal gesagt, ich bin so, wie du mich sehen willst. Und gib zu, du stehst nicht auf Flossen sondern eher auf Beine." Sie zwinkerte ihn an und er war wieder dem Wahnsinn nahe. Seine Gefühle spielten einen üblen streich mit ihm.

"Hier müssen wir lang!" sie ließ die Flosse der Giolese los, tätschelte ihr den Rücken und ließ sich von der Sogwelle noch ein Stück mitreißen. "Wir sind da, dort unten ist es. Das alte Atlantis."

Durch Fische hindurch und durch die Dunkelheit konnte Alex nichts erkennen. "Wo?"

Armalis griff einen Fisch und drückte ihn an sich. Plötzlich erstrahlte er hell wie ein Scheinwerfer und leuchtete ihnen den Weg. Sie fing noch einen und reichte ihn Alex. "Hier, du musst ihn nur etwas drücken, und er leuchtet. Du tust ihm nicht weh."

Sie erreichten einen Abhang und als sie an der Kante angekommen waren und hinübersehen konnten, erstreckte sich die wahre Pracht des alten Atlantis. Die Ruinen waren noch gut besucht von vielen Fischen und Seeschlangen. Es war eine atemberaubende Kulisse.

"Hier haben unsere Vorfahren gelebt, doch als die Menschen unserer Existenz sicher waren und die Macht selbst beherrschen wollten, ließen unsere Vorfahren Atlantis untergehen."

"Es ist wunderschön."

Sie durchquerten die Ruinen, dort wo einst Straßen waren und Alex glaubte noch Leben zu sehen. Es war so real man konnte es beinahe spüren wie es damals wohl gewesen sein mochte.

"Nun gut," unterbrach Armalis seine Gedanken. "Wir sind aber hier, um uns ein Mittagessen zu besorgen, also sputen wir uns bevor der Abend kommt. Ich kenne ein kleines Nest von Fischen, wenn wir uns geschickt anstellen können wir vielleicht ein paar Jungtiere erbeuten."

Armalis zeigte Alex ihre Welt, ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart. Die Zukunft hing vielleicht von ihm selbst ab.

Als sie gegen Mittag zum Apartment zurückkehrten wartete Fared bereits auf sie. Armalis begann den Fisch zuzubereiten während Alex sich etwas ausruhte und durch das Fenster die Fische betrachtete, die zahlreich vorbei schwommen. Fared stand neben Armalis, redete mit ihr und beäugte nebenbei den Eindringling.

"Meister, ihr müsst euch keine Gedanken machen. Vielleicht ist er im Krieg recht hilfreich für uns."

"Ich habe noch einmal mit dem hohen Rat gesprochen. Der Älteste will eine Verurteilung des Menschen. Außerdem will er dich verstoßen. Wie kannst du da an den Krieg denken? Du wirst ihn nicht kämpfen!"

"Meister, wie ich euch kenne, habt ihr noch einen Trumpf im Ärmel. Ihr ward genau so angetan von seiner Gabe wie ich. Warum ignoriert das der Rat?"

"Der Rat denkt, dass es eine Ausrede, eine Vortäuschung von euch beiden ist, um den jungen Menschen am Leben zu halten."

"Die Möglichkeit ihn zu testen haben wir schließlich nicht."

"Nein, deswegen will ich uns etwas Zeit schaffen. Dein Freund würde eine Verurteilung als Fremder erhalten. Wenn wir seine Gene allerdings verändern würden, dann wäre er einer von uns und er würde nach unseren Gesetzen behandelt, das heißt, er hat das Recht auf Exil."

"Und wo soll er dieses Exil antreten? Auf der Erde? Dort ist er nicht mehr sicher. Außerdem, sollte es einen Krieg geben und wir würden ihn verlieren, dann würde auch unser Exil uns keinen Schutz bieten, denn die Schläfer werden alles vernichten was unser war...."

"Da hast du wohl Recht. Doch was ist wenn wir den Krieg verhindern könnten?"

"Wie soll das von statten gehen?"

"Der Rat erzählte mir von einer neuen Methode. Ursache des Krieges sind alleine die Türen, wenn allerdings die Türen verbannt werden würden, dann gäbe es nichts worum es sich zu Kämpfen lohnt."

Sie richtete den Tisch und sie setzten sich und aßen, so wie eine normale Familie. Die Stille aß mit und Alex konnte die Spannungen zwischen Armalis und Fared spüren.

"Ging es vorhin um mich?" Alex sah Armalis fragend an.

"Sei still." Ermahnte sie ihn, doch Fared hatte es bemerkt. Als Meister beherrschte er ebenfalls die Kunst des Denkens.

"Warum?" Alex ließ sich nicht abschütteln. Doch bevor Armalis antworten konnte, erhob sich Fared, packte Alex, drückte ihn auf den Tisch und riss ihm sein Hemd auf. Die Schnittstelle der Scheibe war noch deutlich zu sehen.

"Du hast bereits mehr von mir gelernt, als mir lieb ist. Du weißt, was du damit anrichtest, aus ihm einen von uns zu machen?" er ließ Alex los.

"Meister, es war euer Vorschlag."

Er lachte und strich über ihr blaues Haar.

"Sind denn bereits Türen hier m Center aufgetaucht?" Armalis´ Stimme klingt besorgt.

"Nun ja, es gibt eine. Sie befindet sich an einer der Anlegestationen. Das ungewöhnliche daran ist allerdings, wenn der Durchgang zu einem Anlegenden Schiff geöffnet wird, kann man zwar in die Kapsel hinein, doch wenn man wieder hinaus möchte, blickt man in das Nichts. Es ist uns ein Rätsel, wie die Tür nur von einer Seite zu begehen ist."

"Ist jemand zu Schaden gekommen?" Alex versucht sich in das Gespräch einzumischen.

"Nein, Gott sei Dank nicht."

"Fared, denkt ihr das selbe, wie ich es erahne?"

"Ja, Kind, doch beweisen können wir es nicht."

"Ihr dachtet es als unser Exil, nicht wahr?"

"Worum geht es? Ich versteh nichts mehr!" Alex sah verzweifelt von Armalis zu Fared und wieder zurück.

"Wir haben schon seit längerem die Theorie, dass die Türen ins Nichts in die Gefilde von Golachg enden. Die Gefilde sind eine Welt, aus der es kein Entkommen gibt. Man wird dort entweder ins Exil geschickt, oder verstoßen. Nachdem die Türen verschwunden waren, wurden sehr wenige von uns nach Golachg geschickt. Daher haben wir angenommen, dass die Türen etwas mit den Gefilden zu tun haben. Gerüchte aus dem Untergrund besagen, dass es einen Aufstand unter den Verstoßenen gegeben haben muss und deswegen die Türen wieder aufgetaucht sind. Die Verstoßenen wissen, dass die einzigste Verbindung von unserer Welt in die Gefilde mit den Türen zusammenhängt. Vielleicht haben sie mit der besonderen Tür bei den Docks versucht einen Weg zurück zu finden."

"Also befindet sich hinter den Türen nicht wirklich Nichts? Das Nichts existiert also nicht?" Alex sah Fared verwundert an.

"Nichts existiert nicht." Fared betonte dieses nicht, denn das Nichts war ein elementarer Begriff und wenn es nicht existieren würde, gäbe es diese Bezeichnung auch nicht.

"Was sagen unsere Spione?" Armalis räumt den Tisch ab.

"Die berichten, dass die Schläfer in Aufruhr sind. Die wissen scheinbar mehr als wir."

"Gehen wir mal davon aus, dass diese komischen Türen wirklich in den Gefilden enden. Welchen nutzen hätten die Gefilde für die Schläfer, dass sie diese Türen besitzen wollen?" Alex lehnte sich zurück.

"Ganz einfach, wenn sie im Besitz der Türen wären, könnten sie uns alle nach Golachg schicken und wir würden nie wieder zurück kommen können." Fareds Blick ist gespenstisch.

"Also müssen wir nach Gollachg und herausfinden, wie man den Türen wieder entfliehen kann um sie Wertlos zu machen." Armalis packt einige Sachen zusammen in einem Beutel. "Würde vorschlagen, wir benutzen die Tür an den Docks."

Sie standen an der Anlegestelle. Hier begann auch für Armalis eine fremde Welt. Die Hoffnung auf Rettung der Welt war in ihr entbrannt. Alex stand neben ihr, auch er war recht angespannt. Der Blick in die Kapsel die sich an dem Dock befand war frei, doch sie wussten, wenn sie die Kapsel betreten und sich umdrehen würden, dann wäre da Nichts.

"Seid ihr euch sicher?" Fared legte die Hand auf Armalis Schulter. Beide nickten stumm. Fared schloss seine Schülerin noch einmal in die Arme. Er hoffte, dass sie sich wiedersehen würden, doch sicher war er nicht. Armalis und Fared betraten die Kapsel. Die Tür war nun ein schwarzes Feld. Armalis hob die Hand zum Gruß und schritt durch die Tür. Alex folgte ihr. Auf der anderen Seite der Tür hatte Fared ebenfalls die Hand zum Gruß erhoben, obwohl er wusste, dass Armalis es nicht mehr gesehen hatte.

Die Tür war verschwunden. Vor ihnen lag eine Moorlandschaft. Weiter hinten schien ein Wald zu beginnen. Es war heiß und stickig. Die bläulichen Haare klebten an Armalis´ Gesicht und Hals. Ihre Lippen waren trocken. "Mach meine Schritte nach. Eine falsche Bewegung und du versinkst im Morast." Sie ging voraus, setzte einen Fuß nach dem anderen. Das Moor blubberte und dampfte. Vereinzelt tänzelten Nebelschwaden um die abgestorbenen Baumkronen und um die übrig gebliebenen Wurzeln. Sie hüpfte von Wurzel zu Wurzel. Über Erdhaufen bedeckt mit Moos und kläglichem Gras. Nach etwa siebenhundert Metern erreichten sie festen Boden. Hier wurden die Bäume dichter und gesünder. "Weißt du wo wir hin müssen?" Alex klopft sich den Dreck von der Hose. Seine Schuhe würden noch etwas trocknen müssen, bevor der Schlamm abfallen würde.

"Sicher weiß ich wo wir hin gehen müssen. Ich war schon oft hier." Sie sah ihn ironisch an und lief ein paar Schritte über das herabgefallene Laub des letzten Herbstes. "Nun komm schon. Wir werden schon jemanden finden, und wenn nicht, werden sie vielleicht uns finden." Alex lief ihr hinterher. "Mir kommt alles so bekannt vor. So als wäre ich schon einmal hier gewesen." Er blickte hinauf zu den Baumwipfeln.

Nach zwei Tagen Fußmarsch durch den Wald erreichten sie eine Anhöhe. Von hier aus ging es beinahe senkrecht in die Tiefe. Doch hatten die Bäume es irgend wie geschafft sich an der Wand festzuklammern. So dass sie nicht einen einzigen Sonnenstrahl durch das Blätterdach ließen. "Riechst du das?" fragte Alex.

"Nein, was?"

"Es riecht nach Essen. Nach Fleisch. Gekocht, mit Kartoffeln, oder Brot oder so was."

"Das bildest du dir doch wohl nur ein. Du hast Hunger und dein Geist spielt dir einen Streich." Sie beginnen den Abstieg. Vereinzelt gibt es kleine Felsen die hervorstehen, teilweise einen kleinen Pfad. Nach einer viertel Stunde hatten sie den Boden erreicht. Leise war Gesang und Gelächter zu hören.

"Du, ich glaube da ist doch etwas."

"Sag ich doch!"

"Duck dich. Nicht dass es eine Horde Banditen ist. Solange sie uns nicht gesehen haben können wir uns noch unbemerkt entfernen." Sie schlichen sich bis kurz vor das Lager heran. Sie sahen Familien, die um ein Feuer saßen und eine Mahlzeit zu sich nahmen. Es standen kleinere Häuser aus Holz und Stroh herum.

"Denkst du, sie gehören zu den Guten?"

"Ich weiß nicht. Es sieht nicht so aus als wären sie...."

Beide wurden von hinten gepackt, zu Boden gedrückt und gefesselt.

"Na was haben wir denn da? Zwei Spione! Bringt sie ins Lager!" damit wurden sie hochgerissen und in Richtung Feuer geschleppt. Die Leute hielten inne und sahen die Eindringlinge neugierig an. Ein großer Mann mit breitem Kreuz erhob sich. "Wer seid ihr?"

"Hagart, wir haben dort hinten gefunden. Sie haben das Lager beobachtet. Vielleicht sind es Spione." Die Stimme die sei zu Boden gerissen hatte war voller Verachtung.

"Schweig!" brüllte der große Mann zurück. "Wer seid ihr? Und wo kommt ihr her?"

"Mein Name ist Armalis und das ist mein Gefährte Alex. Wir kommen aus der Welt der Menschen durch die Tür bei der Kuppel der Wächter."

"Oooh. Und was habt ihr verbrochen dass man euch in die Gefilde von Golachg schickt? Diebstahl? Mord?" er sah Armalis durchdringend an, "Ehebruch?"

"Nein Sir, wir wurden hier her ins Exil geschickt."

Schallendes Gelächter ertönte den Wald. Die Wesen verschiedenster Herkunft um sie herum lachten. Nur der große Mann nicht. "Ruhe!" und es ward still. "Ins Exil, so, so. Wir sind alle hier her ins Exil geschickt worden. Ich zum Beispiel, habe einem Bettler die Zunge heraus gerissen, weil er mich um Zaster anbettelte. Er wollte nicht von mir ablassen, da habe ich ihn zum Schweigen gebracht. Der hohe Rat hat mich zu zehn Zeiten in Golachg verurteilt und mich hier her ins Exil geschickt. Ich lebe hier bereits sein über fünfzig. Denn es gibt kein Zurück. Oder Oleg hier," er zeigte auf einen Mann ähnlich einem Schlangenwesen. "er war Arzt und hat versucht Heilmittel gegen tödliche Krankheiten zu gewinnen. Als ein Kind von seinen Experimenten trank, mutierte es. Der Rat zwang ihn, das gleiche zu trinken. Darum sieht er heute so aus. Darauf hin schickten sie ihn ins Exil. Oder Zabra, sie wurde von ihrem Mann missbraucht und da ihr niemand helfen wollte, hat sie sich selbst befreit. Das Urteil: lebenslängliches Exil. Quoi schenkte einem Menschen unsere Gabe, auch für ihn gibt es kein Zurück. Also sagt mir nicht, ihr habet nichts getan!"

"Nun gut. Ja, ich habe die Ehe gebrochen. Und er, mein Liebhaber wurde mit mir verurteilt." Das war gelogen, aber sie gab Alex einen langen Kuss, denn sie wollte schließlich nicht auffliegen.

"Das ist ungewöhnlich, aber gut. Seid willkommen im Dorf der Verstoßenen und Geächteten. Esst und trinkt mit uns."

Wochen gingen ins Land. Sie wurden in die Gemeinschaft aufgenommen und gut behandelt. Sie bekamen ein eigenes Zelt, kamen sich näher, ein Mensch und eine Wächterin. Doch nie wurden die Türen angesprochen. Sie bekamen auch keine Antworten auf die Fragen die sie über die Türen stellten. Je länger sie in Golachg verweilten um so wohler fühlten sie sich hier. Ein junges Pärchen, weit weg von ihrer Heimat.

Eines Abends trat der große Mann, Hagart an sie heran und nahm sie beiseite. "Ihr Beiden stellt viele Fragen über die Türen. Warum ist euch das so wichtig?"

"Wir haben gehört, bevor wir verbannt wurden, dass es angeblich auch einen Weg zurück geben würde, doch davon wohl nur wenige wüssten."

"Nun, es ist so, dass wir nach diesem Weg suchen. Wir haben Experimente mit Türen gemacht."

"Als wir aber hier her kamen, war die Tür verschwunden. Wie könnt ihr Experimente machen, ohne Türen?" Alex stellte die Frage, bevor Armalis es konnte.

"Oh, ihr könnt sie nicht sehen, aber sie sind da. Wir sind nahe dran, den entscheidenden Durchbruch zu haben."

"Und warum wollt ihr hier wieder weg? Ihr habt hier eure eigene kleine Welt, niemand stört euch." Alex übernahm die initiative. Er schien sehr interessiert zu sein. In letzter Zeit hatte er viel gelernt.

"Diese Welt ist schön und gut. Ich denke nicht, dass der hohe Rat weiß, was sich auf der anderen Seite der Türen befindet. Ansonsten würden sie uns wohl nicht hier her schicken. Es könnte schlimmer sein. Im Grunde genommen ist das hier ein kleines Paradies. Wegen ihr wollen wir hier nicht fort."

"Was ist es dann?"

"Die Schläfer haben den Weg hier her gefunden. Und sie können auch wieder zurück. Sie haben bereits mehrere Dörfer geplündert und alles vernichtet. Sie sind die Bedrohung vor der wir flüchten wollen."

"Die Schläfer?" fällt jetzt Armalis ein. "Die Schläfer haben den Weg bereits hier her gefunden?"

"Ja, erstaunt dich das?"

"Die Welt da draußen ist am zerbrechen. Die Schatten wollen den Krieg wegen der Türen, weil sie uns verbannen wollen. Aber wenn sie bereits hier sind. Haben wir den Krieg bereits verloren." Sie blickt betroffen zu Boden.

"Seid ihr gewandt in der Kunst der Technik? Vielleicht könnt ihr uns ja weiterhelfen. Wir sind um jede Hilfe dankbar."

"Wenn das möglich wäre?"

Hagart führte sie in sein Haus, schob einen kleinen Tisch beiseite und öffnete eine Klappe im Boden. Armalis und Alex folgten ihm. "Hier, wir haben eine der Türen in einen Rahmen gefasst, damit man sie leichter erkennen kann."

An eine Wand gelehnt stand ein Tisch mit allerlei Geräten drauf. "Die haben wir den Schläfern geklaut. Wir dachten, wenn wir ihre Geräte haben, dann könnten wir auch ihre Methode herausfinden. Aber noch sind wir nicht hinter das Geheimnis gekommen."

"Sag mir was du schon weißt und ausprobiert hast. Ich werde mir Gedanken darüber machen und vielleicht kommen wir ja dahinter."

Armalis wollte das Experiment weiterführen und ließ die Tür aus dem Moor herbeibringen. Sie saßen Tagelang über Dokumenten und Papieren die Hagart mühsam angefertigt hatte. Armalis saß auch Nächte lang alleine vor der Tür und erhoffte sich eine Antwort. Und plötzlich, eines Nachts bei Kerzenschein, kam ihr die Idee, sie polte einige Felder und schaltete einige Apparate um. Dann schrieb sie eine Nachricht, die sie durch die Tür schickte:

Lieber Meister Fared,

dies ist ein Versuch. Wir sind hier sehr freundlich aufgenommen worden, Es geht uns gut. Golachg ist nicht das, was man uns versuchte weis zu machen. Es ist lediglich eine andere Welt, weder die Hölle noch sonst etwas ähnliches. Der oberste hier, Hagart, hat mir seine Unterlagen zur Verfügung gestellt und wir tauschen unser Wissen. Die Schatten haben bereits den Weg hierher gefunden. Sie kennen den Weg zurück. Also wird der erste Angriff nicht mehr lange fern sein, sodenn er nicht schon erfolgt ist. Ich hoffe ihr bekommt diese Nachricht und findet einen Weg mir zu antworten. Denn dann ist es geschafft.

In Liebe eure Schülerin Armalis

Sie wartete drei Tage. Dann erhielt sie eine Antwort. Sie kam plötzlich und unerwartet. Es war ebenfalls Nachts. Es war ein kleines Paket mit einer Schriftrolle darin. Und die Antwort war gezeichnet von Fared. Armalis verließ den Keller und ging in ihr Zelt zu Alex, da rüttelte sie ihn wach. "Komm, ich muss dir etwas Zeigen! Es funktioniert!" Sie verließ das Zelt. Er nahm eine Fackel mit und folgte ihr. Gemeinsam stiegen sie in den Keller zurück. "Was funktioniert?" Alex wirkte recht verschlafen. "Ich habe eine Nachricht durch die Tür an Meister Fared geschrieben und durch die Tür geschickt. Er hat mir geantwortet, sieh hier!" sie zeigt ihm die Schriftrolle und plötzlich fühlt er sich hellwach. "Zeig her!" er riss ihr die Rolle aus der Hand und überflog die ersten Zeilen. "Hast du ihm gesagt, wie es funktioniert?" "Nein. Ich wollte es erst testen. Ich werde ihm meine Notizen schicken. Hilf mir, sie zusammenzulegen und zu verschnüren. Wenn Fared die Daten erst einmal hat, kann er mit unseren Mitteln viele Türen manipulieren und die Schläfer haben keinen Grund mehr gegen uns Krieg zu führen." Sie drehte sich um und stapelte ihre Notizen übereinander. Alex ließ die Rolle auf den Steinboden fallen und hielt die Fackel daran. Die Rolle ging in Flammen auf. "Was tust du da?" Armalis kreischte ihn an.

"Denkst du, wir werden Tatenlos zusehen wie ihr versucht euch in unserer Hand zu winden? Wir haben schon längst die Macht über alles, nur ihr versucht noch kläglich uns Wiederstand zu leisten..."

"Aber Alex, was....?"

"Das mit dieser Gabe die ich angeblich haben soll, musste ich dir ja nicht weiter auf die Nase binden. Auf diese Idee bist du selbst gekommen und ich habe mitgespielt. Was denkst du, warum der Schläfer von deinem Freund Collin abgelassen hat? Weil ich es ihm befohlen habe! Aber nicht, weil ich diese, wie du es nennst, Gabe habe, sondern weil ich sein Befehlshaber bin."

"Du gehörst zu ihnen?" ihr standen Tränen der Wut in den Augen.

"Alle waren so auf dich fixiert, dass sie es nicht bemerkten, wer vor ihnen steht. Und als du mir eure Gene verpflanzt hattest musste ich auch nicht mehr vor deinem Meister Angst haben. Er alleine hätte mich erkennen können. Aber auch hier hast du mir fleißig geholfen. Wir werden euch vernichten und ihr könnt euch nicht wehren."

"Und was ist mit uns? War das gespielt?"

"Du weißt, es ist für euch Wächter verboten euch in Leben anderer Welten einzumischen! Und sein wir mal ehrlich, dein Vater war ein Verräter, warum sollte die Tochter es anders tun?!"

"Und was ist... mit unserem Kind?"

"Was?" er erschrak und sein Blick verriet, dass er damit nicht gerechnet hatte.

"Ich erwarte ein Kind von dir! Dachtest du, dass Mensch und Wächter nicht...."

"Ich bin kein Mensch!" brüllte er sie an. "Ich bin ein Schatten!"

"Ich werde Hagart sagen dass du einer der Schatten bist! Er wird dich töten lassen!"

"Nun, warum sollte er dir glauben? Du hast seine Notizen verbrannt," mit diesen Worten hielt er die Fackeln auf den Tisch und das Papier ging in flammen auf. Armalis kreischte. "Du hast die Geräte zerstört und alles in Brand gesteckt!"

"Das wird er nicht glauben!"

"Oh doch, weil wem sollte er mehr glauben? Mir oder einer Ehebrecherin? Das heißt, wenn du das hier überlebst." Er ließ die Fackel auf alles sinken das brennbar war und im nu stand der kleine Kellerraum komplett in Flammen. Mit der Fackel hielt er Armalis in Schach, bis er den Ausgang erreicht hatte. Dann ließ er die Fackel nach unten fallen und schloss die Klappe über dem Keller. Stellte den Tisch darauf und legte sich wieder schlafen.

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