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Vergiß New York nicht!

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Ich habe mir den Donnerstag frei genommen. Stundenlang saß ich vorm Fernseher. Ich habe eine Unmenge an Zigaretten weggeraucht. Ich habe voller Entsetzen und Begeisterung die Bilder vom 11. September 2001 angesehen. Auf mehreren Kanälen wurden Berichte und Dokumentationen gezeigt. Sie waren meist typisch amerikanisch gehalten. Ich meine damit, dass die Bilder gut ausgewählt wurden, um ihre Entrüstung der Welt zur Schau zu stellen. Verständnisfordernd, schockierend, erinnernd und auch irgendwie stilvoll. Als genau heute vor zwei Jahren das World Trade Center in sich zusammenbrach, das Pentagon in Flammen stand und das vierte Flugzeug auf den Feldern zerbrach, hatte die informierte Menschheit den Atem angehalten. Zwei Jahre danach erinnert sich ein jeder zurück. Man kann sich in unserer europäischen Welt davor gar nicht verschließen. Es ist für uns unvorstellbar, dass es Menschen auf diesem Planeten gibt, die davon absolut nichts mitbekommen haben. Ich habe damals nach der Arbeit den Fernseher eingeschalten und die ganze Nacht über habe ich den Videorecorder die Bilder aus dem fernen Westen aufnehmen lassen. Es war für mich das aller erste Mal, dass mich eine Katastrophe wirklich berührt hatte. Schon unzählige Male sah ich berichte von den unterschiedlichsten Katastrophen, von Kriegen und anderem Elend. Allerdings hatte es nie etwas in mir bewirkt. Doch dieser verteufelte 11. September im Jahre 2001 hinterlies tiefe Spuren in mir. Dieser Tag weckte in mir eine neue menschliche Seite, die ich zuvor nicht verspürte. Es war bereits kurz vor zwei Uhr morgens, als ich den damaligen Bürgermeister auf seinen Weg durch New York begleitete. Ein Kamerateam folgte ihm Schritt auf Tritt. Ich glaube, dass dieser für mich fremde Mann, maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sich eine neue Tür in mir öffnete. Seine väterliche Ausstrahlung, diese beschützende Macht, die von ihm ausging, auch seine Blicke und Gesten zogen mich in seinen Bann. Die Bilder der Toten, der Anblick vom Einsturz der Wolkenkratzer, die Flugzeuge auf ihren letzten Metern, die Asche auf den Gesichtern der Menschen, die Telefonmitschnitte der Opfer und noch so Allerlei mehr zeigten mir, wie kaputt doch unsere Welt ist. Wir leben in dieser krankhaften Welt, die durch den Terrorismus in Angst versetzt wird. Egal, aus welchen Gründen sich der Terror entwickelt, das kann und will ich nicht analysieren. Wie kaputt unsere Welt ist, wie kaputt wir alle hier sind, das erkenne ich aber auch daran, wenn ich an letzte Woche denke. Ich versuche mich zu erinnern, was mir letzte Woche noch wichtig war. Ich kam darauf, dass ich mir neue Klamotten gekauft hatte, und ich bald meine geänderte Hose abholen muss. Ich machte mir Gedanken, wo ich schwarze Vorhänge kaufen könnte und freute mich über schwarze Textilfarbe, die mir dieses Problem abnahmen. In der Arbeit gab es immer viel zu tun. Nach dem langen Sommer brauchte ich trotz meines Norwegenurlaubs schon wieder ein paar Tage frei. Ich überlegte mir, ob dies möglich wäre und wie ich meinen Chef und meine Arbeitskollegen dazu überreden könnte. Beinahe täglich musste ich in der letzten Woche daran denken, dass ich doch endlich mal mein Auto waschen müsste. Ich habe das bis heute nicht gemacht. Ich habe viele Stunden am Rechner gesessen. Ich habe an den Geschichten getippt, Bilder verarbeitet, an meiner Homepage gebastelt und nach Liedern für eine weitere Lesung gesucht. Ich habe in der letzten Woche sehr viel alltägliches getan, was mich wieder darauf zurück bringt, wie kaputt ich doch bin. Kaputt, wie alle anderen es anscheinend auch sind. In meinem Leben hat sich letztlich doch nichts geändert. Ich spüre keine Neuerungen durch den 11. September von vor zwei Jahren. Gravierenden Einfluss nahm dieser Tag nicht. Ich begegne Fremden nicht freundlicher, noch wurde ich misstrauischer. Nichts dergleichen. Ich blieb egoistisch wie eh und je und mache mir nur um mich und mein direktes Umfeld Gedanken. Wenn überhaupt. Es wirkt, als wäre das normal, weil es ein solch einfacher Weg ist. Diesen Weg beschreiten wohl alle Menschen, was es abermals leichter macht. Auch Psychologen leben so. Diese Psychologen bestätigen uns, dass wir damit den richtigen Weg eingeschlagen haben. Weiterleben, alles wie gehabt. Doch bitte, bitte nichts vergessen. Denn, es darf nicht in Vergessenheit geraten. Klugscheisser! Wie zum Henker soll denn so etwas in Vergessenheit geraten? Nachts um halb drei läuft der Fernseher immer noch und, wie vom Stein Davids getroffen, werfen mich die Bilder jenes Szenarios schlichtweg um. Es weckt wieder mein Verlangen nach einer Flucht aus diesem Leben. Meine Gedanken streifen ab und ich sehe mich in meinem friedfertigen Idyll in Norwegen wieder. Alleine, behütet vor den überflutenden Informationen, die ich leid bin zu hören. Ich halte dieser Wucht nicht mehr stand. All das macht mich krank. Sehnsucht nach Einsamkeit. Meine grauen Zellen warnen mich, ich verrenne mich in ein Selbstgeständnis. Doch überlistet die Muskelkraft den Verstand und ich tippe ab, was mich bewegt. Ich erkenne, wie kaputt ich wirklich bin. Ein gutes Stück kaputter, als ich diese Welt, in der wir leben, sehe.

Sehnsucht nach Freiheit. Sehnsucht nach Norwegen. Sehnsucht nach Ruhe. Sehnsucht nach einer Löschtaste meines Verlebens.


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