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1,80

© 2007 Torsten Hefenbrock

Oh, Mann, hätten die mich bloß behalten, dachte Dennis und nahm noch einen Schluck Whisky aus dem Glas vor ihm auf dem Tresen. Der Barkeeper huschte hin und her, putzte Gläser, füllte andere mit Bier und anderen alkoholhaltigen Flüssigkeiten und bediente seine Gäste. Dumme Sache.

Dennis, der ausrangierte Wissenschaftler, nahm noch einen Schluck. Seine Brille glänzte im dämmrigen Kneipenlicht. Seine Augen lagen im Schatten seiner Stirn. Seine Wangen sahen aus, als hätte sie jemand von innen ausgehöhlt. Größer, ja. Viel größer.

Gekrümmt stützte er sich mit überkreuzten Armen auf das Holz und blickte stier in den Spiegel hinter den vielen Schnapsflaschen. Er leckte sich abwesend über die Lippen. Sein Bein zappelte nervös auf und ab. Ich werde es euch zeigen, dachte er. Ganz klar, keine Frage.

„Wollen Sie noch etwas?“, fragte ihn der Barkeeper und sah ihn geduldig an.

„Ich hab noch“, antwortete Dennis und nahm sein Glas, um es ihm zu beweisen.

Bist du blind?, fragte er sich und nahm noch einen Schluck.

Seine Haare waren zu einem Mittelscheitel gekämmt, seine Hände zitterten wie die eines Junkies, der einen Schuss benötigt. Was mach ich hier überhaupt? Warum bin ich hier?

Aus irgendeinem Grund wusste er es nicht mehr. Sein Kopf fühlte sich so schwer an, als hätte jemand Gewichte an seine Ohren getackert.

Du wartest auf ihn, schon vergessen?

Ach ja, stimmt.

Als hätte sein Gedanke einen unsichtbaren Anziehungsstrahl ausgesendet, kam ein, in einen Mantel eingehüllter, Mann zur Tür herein. Der Fernseher flackerte eine Sekunde und übertrug dann weiter das Fußballspiel aus Japan. Der Mann hängte seinen Mantel an die Garderobe und zog seinen Hut aus. Seine Augen waren verdeckt von schwarzen Brillengläsern.

Ein Uhr nachts und der trägt ’ne Sonnenbrille. Sunnyboy. Dennis musste unwillkürlich grinsen. Einfach zuuuu witzig.

Er schniefte und trank den letzten Rest Whisky aus.

„Wollen Sie jetzt noch was?“, fragte ihn der Barkeeper.

Verdammt, Mann! „Ja“, antwortete Dennis ruhig, griff in seine Hosentasche und kramte eine Schachtel Zigaretten heraus.

Der Sonnenbrillenmann kam zu ihm herüber und setzte sich neben ihm auf einen Hocker. Er legte seinen Hut vor sich auf den Tresen und hob den Zeigefinger, um dem Typ hinter dem Tresen zu zeigen, dass er gerne etwas bestellen möchte.

In perfektem Deutsch sagte der Mann: „Ich bin der Amerikaner.“

„Sie sind der amerikanische Mittelsmann“, stellte Dennis fest und grinste. „Ganz schön seriöses Auftreten, echt.“

„Ich bin vierundfünfzig Jahre alt, ich halte nichts von einem Showauftritt, Mister Kramer. Oder muss ich Herr Kramer sagen?“

„Sie können ruhig Mister sagen.“

„Also?“, fragte er Dennis. „Was haben Sie anzubieten?“

„Ich habe mit meinen Forschungen einen Riesenfortschritt gemacht. Nein, umgekehrt. Ich habe einen Riesenfortschritt mit meinen Forschungen gemacht.“ Plötzlich war er aufgeregt, er konnte es nicht erwarten, diesem mysteriösen Amerikaner alles über seine Arbeit zu erzählen. „Die Gene und die DNA, die Sie mir übermittelt haben, haben mir geholfen, das Urzeitgeschöpf zu rekonstruieren. Ich habe den Kopf, den Oberkörper und die Beine, aber mein Labor ist viel zu klein. Sie müssten mir ein größeres zur Verfügung stellen.“

„Größer?“

„Ja, es muss mindestens vierzig Meter hoch sein, sonst kann ich ihn nicht aufstellen und ich vermute, Sie können sich vorstellen, wie schwer es ist, so ein Ding im Liegen zu rekonstruieren.“

„Vierzig Meter?“

„Ja.“

Es war so still in der Kneipe, vor einer halben Stunde hatte sich noch jeder mit dem Gegenüber unterhalten und jetzt? Jetzt war es fast totenstill. Die Jukebox spielte Jeff Buckleys New Year’s Prayer, aber leise und es waren keine Stimmen zu hören. Die Kneipe war leer. Keine Menschen um ihn herum, kein Barkeeper, der ihn wieder fragen würde, ob er noch etwas wolle. Dennis sah sich etwas verwirrt um. Er war schon oft in leeren Kneipen gesessen, seit er arbeitslos wurde, aber so leer war bisher noch keine.

„Wie groß sind Sie?“, fragte der Amerikaner.

„Ich?“

Er nickte.

„Ich bin eins achtzig. Ungefähr.“

„Eins achtzig? Nicht sehr groß. Es ist schwer in dieser Welt zu Recht zu kommen, wenn man über drei Meter groß ist.“

„Kann ich mir vorstellen, für Dinosaurier müssten wir wie Ameisen wirken.“

Der Barkeeper kam zum Amerikaner.

Wo kommt der jetzt plötzlich her?, fragte Dennis sich Stirn runzelnd.

„Ich bekomme ein Bier“, sagte der Mittelsmann und lächelte dem Mann hinter dem Tresen zu. „Mann muss etwas dafür tun, wenn man bekommen möchte, was man will.“

„Ja, das ist richtig.“

„Dinosaurier sind Vergangenheit. Wir sollten uns um die Zukunft kümmern.“

„Vielleicht ist es hilfreich, etwas über die Vergangenheit zu wissen, wenn wir uns um die Zukunft kümmern“, sagte Dennis.

„Gute Antwort.“

„Ja, so sind wir Wissenschaftler.“

„Ehemalige Wissenschaftler“, verbesserte der Amerikaner ihn.

„Stimmt auch wieder.“

Der Keeper brachte das Bier und stellte es auf einem Pappdeckel vor den Amerikaner.

„Ich dachte wir wären hier, um über das Projekt zu sprechen“, erwähnte Dennis fast beiläufig.

„Ah, richtig, das Projekt. Äh, wollen Sie auch etwas trinken?“

„Ein Bier.“ Von Whisky hab ich definitiv genug, dachte er und kratzte sich am Nacken.

„Wissen Sie, wenn man bekommen will, was man eben will, muss man Opfer bringen.“

Was hat der bloß für ein Problem?, fragte Dennis sich und nahm sein Bier entgegen, das unheimlich schnell fertig war. Der Schaum hatte noch nicht einmal begonnen, sich zu zersetzen.

„Ja, da stimme ich Ihnen durchaus zu.“

„Eins achtzig.“

„So groß bin ich.“

„Hmm“, gab der Amerikaner nachdenklich von sich. „Gut, gut.“

Für Dennis war es die letzte Möglichkeit als Wissenschaftler Geld zu verdienen, nachdem ihn sein Chef Pinkett, wegen einer zerstörten Zellenkapsel herausgeschmissen hatte. Seine letzte Möglichkeit und seine neuen Bosse schickten ihm so einen verrückten Vollidioten.

Echt klasse.

 

Sie hatten ihm angeboten, zwanzigtausend Euro zu bezahlen, wenn er es hinbekam, mit den von ihnen zur Verfügung gestellten Gerätschaften, durch die übrige DNA ein Urzeitgeschöpf wiederherzustellen. Die Geräte waren erste Klasse und solche hatte Dennis noch nie gesehen, er hatte sogar die Bedienungsanleitung lesen müssen, aber er wollte sich mit ihnen in Verbindung setzen, um ihnen mitzuteilen, dass er ein größeres Laboratorium benötigte, da das Geschöpf zu groß war. Nun war er an diesen Typen geraten.

 

„Ein Meter achtzig groß, siebenunddreißig Jahre alt, nicht verheiratet und keine Kinder. Wollen Sie noch…“ mein Schwanzmaß?, wollte er fragen, aber er konnte sich noch rechtzeitig zurückhalten. „…mein Gewicht wissen?“

„Gerne.“

„Zweiundneunzig Kilo.“

„Ah, gut.“

„Was ist gut?“, fragte Dennis aufbrausend.

„Bleiben Sie ruhig.“

„Was wollen Sie eigentlich mit diesem Gespräch erreichen?“

Die Jukebox verstummte. In dieser Stille hätte man eine Mücke furzen hören können.

„Ich will etwas über Sie erfahren“, antwortete der Amerikaner. „Ich muss doch wissen, mit wem ich agiere.“

„Ja, aber Sie sind nur der Mittelsmann.“

„Falsch“, sagte der Amerikaner und sah ihn ernst an. „Ich bin nicht nur der Mittelsmann. Ich bin … mehr.“

„Mehr?“

„Ja, mehr.“

„Was meinen Sie damit?“

„Ich bin einfach mehr, seien Sie nicht so neugierig, das bringt Sie nur früher ins Grab.“

Das bringt Sie nur früher ins Grab.

Scheiße, dachte Dennis. Was meint er damit?

„Ich habe einfach ein Platzproblem, ich würde mich freuen, wenn Sie das Ihren Vorgesetzten mitteilen würden. Ich muss dann mal los. Die Arbeit ruft.“

„Die Arbeit ist beendet.“

„Beendet?“, fragte Dennis verwirrt. Jetzt hatte er nicht mehr das Verlangen, zu gehen.

„Ja, Sie sind zu kleinen. Sie sagten, das Ding wäre dreißig Meter groß, wie will ein eins achtzig kleiner Mann wie Sie am Kopf arbeiten?“

„Ich verstehe nicht.“

„Ja, dachte ich. Sie sind zu klein, um so was zu verstehen.“

„Zu klein?“

„Ja. Wissen Sie, mein Gehirn ist über meinen ganzen Körper verteilt. Sogar in meinem kleinen Zeh steckt ein Stück Hirn. Aber bei Ihnen steckt es nur im Kopf. Wie soll ein Mann, der nur Hirn im Kopf hat, so was verstehen?“

Dennis musste lächeln.

„Finden Sie das witzig?“

„Ein bisschen.“

„Na ja, wenn Sie meinen, dass es witzig ist, am Arsch ein Auge zu haben, dann lachen Sie, aber wenn nicht, setzen Sie sich wieder hin und hören mir zu, bevor ich mein Auge anfurzen muss. Meine Fürze stinken zurzeit so fürchterlich.“

Das bringt Sie früher ins Grab.

Aus irgendeinem Grund wollte Dennis nun doch nicht gehen. Er wollte sich hinsetzen und dem Mann zuhören, der ihm dieses alberne Zeug von Augen am Arsch und Hirn im Zeh erzählte. Der Fernseher, der das Spiel übertrug, ging aus. Wie von Geisterhand.

„Was reden Sie?“, fragte er.

„Ich rede über mein Gehirn im Vergleich zu Ihrem Gehirn.“

„Soll das heißen, ich wäre zu dumm für diese Sache?“

„Im Prinzip.“

„Sie sind nicht viel größer als ich.“

„Oh, doch! Kleiner, kleiner Mann“, sagte der Amerikaner. „Ich bin drei Meter zwanzig groß. Letzten Mittwoch gemessen.“

Dennis ging zurück zu seinem Platz und setzte sich wieder auf den Hocker. Erwartungsvoll sah er den Mann mit der Sonnenbrille an.

„Vor drei Jahren wurde ich operiert“, erzählte dieser. „Ich hatte mir eine Kugel am linken Bein eingefangen, kein Problem, nicht so schlimm. Na ja, die Ärzte nahmen sie heraus, aber die Krankenkasse wollte nicht zahlen, weil ich ihnen nichts von meinem, sie nannten es Tumor, erzählt hatte. Schweine, als ob ich in mein Bein schauen könnte. Ts.“ Er lächelte zum ersten Mal. Seine Zähne sahen aus, als hätte er jahrelang starke Zigaretten geraucht, aber seit sie am Tresen saßen, hatte er sich keine einzige angezündet. „Dann wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und kam nach Hause. Ich stand vor dem Spiegel und sah mir die Naht an meinem Bein an. Rosa Fleisch quoll heraus. Es sah ekelerregend aus. Am nächsten Morgen erwachte ich und stellte fest, dass mein Hinterteil höllisch brennt. Als hätte ich einen schlimmen Ausschlag. Ich sah in den Spiegel und konnte die rote Stelle sehen. Es sah aus wie eine Muschi, die sich auf meiner Arschbacke bildet. So eine teuflische Scheiße. Aber es war keine Muschi. Zwei Tage später befand sich an dieser Stelle ein Auge. Ein lebendes Auge. Auf meinem verfickten Arsch! Okay, ich ging nicht zu irgendeinem Quacksalber, der sowieso keine Ahnung gehabt hätte, ich nahm ein Messer. Ich dachte, ich hätte Schreie gehört, als ich es tat. Blut spritzte literweise. Zuerst vermutete ich, ich würde verbluten, aber so kam es nicht. Das Stück, das ich mir herausgeschnitten hatte, war nicht dunkelrot, wie normales Fleisch, sondern rosagräulich. Gehirnmasse und obendrauf, wie eine Kirsche auf der Sahne, das Auge. Das Stück steckt immer noch in meiner Gefriertruhe. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass mich das Auge anstarrt wenn ich den Kühlschrank aufmache. Drei Tage später war alles verheilt und ein neues Auge gewachsen. Ich schrie, wehrte mich, dabei musste ich mich doch gar nicht wehren. Es ist gut, nicht schlecht.“

„Sie sind verrückt“, sagte Dennis und sah ihn mit einem angeekelten Blick an. „Sie sind wirklich verrückt. Ich gehe. Sagen Sie ihrem Boss oder sonst wem, ich möchte mit jemand anderem sprechen, wenn Sie wirklich wollen, dass das Projekt zu Ende gebracht wird.“

„Okay, bis dann“, antwortete der Amerikaner lächelnd in sarkastischem Tonfall.

Dennis stand auf, ließ sein halbvolles Bier auf dem Tresen stehen, ging zur Tür hinüber, schnappte sich seinen an der Garderobe hängenden Mantel und warf ihn sich über die Schultern. Er drückte den Türgriff runter und zog, aber die Tür ließ sich nicht öffnen.

„Verdammte Scheiße“, fluchte er und sah sich um. Niemand. Kein Mensch saß in dieser Kneipe. Nicht einmal der Barkeeper war irgendwo zu sehen. Keine Kellnerinnen oder Gäste. Niemand. „Was soll denn das?“ Er zog ein zweites Mal. Wieder nichts. „Scheiße.“

 

„Setzen Sie sich doch wieder hin und trinken Sie ihr Bier leer“, sagte der Amerikaner und sah Dennis grinsend an.

Er hat alles unter Kontrolle, dachte Dennis. Das bringt Sie früher ins Grab.

Er wollte sich nicht hinsetzen, wollte nicht mit diesem Kerl sprechen, wollte nicht weiter seiner schizophrenen Geschichte zuhören und wollte nicht mehr in dieser Kneipe bleiben, aber er wollte sein Bier leer trinken. Sein Mund fühlte sich trocken und verklebt an.

Dennis kam herüber und setzte sich wieder auf seinen Platz neben dem Amerikaner. Sein Bier stand halbvoll vor ihm. Er nahm es und trank.

„Drei Wochen später hatte ich wieder so ein schlimmes Jucken. Glauben Sie mir, es war wirklich unangenehm“, erzählte der Mittelsmann weiter. „Direkt links unter dem Schwanz am Oberschenkel. Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, sah es aus wie ein äußerlicher Tumor oder eben wie eine verstümmelte Version einer Vagina. Diesmal war es kein Auge. Diesmal bildete sich dort ein Mund. Ich dachte mir, von welcher Freakshow bin ich Teil geworden? Gewissermaßen dauerte es zweieinhalb Jahre, bis ich darauf kam, dass ich bei einer Ausgrabung in Kairo dabei war und von einem wespenartigen Ding gestochen wurde. Das Miststück kam aus der Höhle, die die Archäologen geöffnet hatten. Irgend so ein Pharaonengrab, diese Arschöologen!“

Dennis musste unweigerlich grinsen. Er fand die ganze Situation gewissermaßen komisch, aber größtenteils nur unheimlich. Sein amerikanischer Mittelsmann erzählte ihm etwas über dritte Augen und zweite Münder und Dennis konnte nicht einmal durch die Tür nach draußen gehen.

Wollen die mich jetzt alle verarschen?, dachte er. Wer hat diese verdammte Tür abgeschlossen? Wo sind alle? Barkeeper, bitte noch ein Bier.

Aber da war keiner, der ihm eines hätte bringen können.

„Ich entwickelte einen gewissen Hunger“, erzählte der Amerikaner weiter. „Hunger auf Menschenfleisch, wie sich im Nachhinein herausgestellt hatte. Meine Frau schnitt sich beim Gurkenschneiden. Ich konnte das Blut riechen, verdammte Scheiße. Ich konnte es riechen. Außer Kontrolle geraten, durch die plötzliche Lust fiel ich über sie her. Ich fand es auf einer eigenartigen Ebene richtig erotisch, sie so roh und blutig in der Küche zu zerfleischen. Ich fand es nicht erotisch, weil sie eine Frau war, sondern des Fleisches wegen.“

„Sie sind verrückt“, warf Dennis ein. Das bringt Sie früher ins Grab. Hab ich das nicht schon mal irgendwo gehört?

„Oh, Sie wiederholen sich“, warf der Amerikaner ein und sah ihn lächelnd an. „Ich befriedige mich nur, mehr nicht. Jeder will doch seinen gewissen Anteil an Befriedigung, nicht wahr, Dennis?“

„Ich denke schon“, antwortete er und warf immer wieder einen Blick zur verschlossenen Tür. Toilette! Geh! Deine letzte Möglichkeit! Geh! „Ich glaube, ich muss mal dringend Wasser ablassen.“ Dennis grinste hinterlistig.

„Machen Sie, machen Sie“, sagte der Mittelsmann freundlich.

 

Scheiße!, fluchte er und sah sich panisch in dem kleinen Raum um, der in zwei Kabinen und einen kleinen Raum für Pissoirs und Waschbecken aufgeteilt war. Keine Fenster! Wo sind die Scheißdinger geblieben!

Das nächste Mal suchst du dir wieder die Kneipe aus.

Wenn es ein nächstes Mal gibt.

Ich würde dann deine Stammkneipe bevorzugen, die haben immerhin Fenster.

Scheiße.

Geh pinkeln und dann gesell dich wieder zu unserm guten Freund.

 

Schwitzend kam Dennis die Treppen hoch, die zu den Toiletten runter führte.

„Halten Sie mich für blöd?“, fragte der amerikanische Mittelsmann und starrte Dennis mit ernsten Augen, aber mit einem Lächeln auf den Lippen an. „Glauben Sie mir, alles ist gut durchdacht und ich kann sagen, dass ich auf mich stolz bin.“

„Gut gemacht, Chef“, sagte Dennis und lächelte gespielt.

„Zurück zur Geschichte, würde ich sagen“, begann der Ami, als Dennis sich auf den Hocker zurücksetzte. „Der Mund war nicht nutzlos. Er redete. Redet.“

„Ach, seien Sie doch still!“, rief Dennis aus. „Sie reden nur Scheiße. Scheiße, Scheiße, Scheiße. Alles was ich höre ist Scheiße. Ich höre nichts anderes als Scheiße.“

Das bringt Sie früher ins Grab.

Bestellt dir telefonisch schon mal einen Sarg, gab Dennis’ Vernunft von sich.

Ich fand es erotisch.

Es hat ihn angeturnt, ihn richtig angemacht, seine Frau zu schlachten und zu fressen, verdammt, wie tief steckst du wohl in der Scheiße.

„Und jetzt?“, fragte der Ami und sah Dennis verwundert und fasziniert an.

„Jetzt hole ich jemand der mir diese Scheißtür aufmacht, verstanden? Wenn nicht, werde ich sie eintreten!“

„Die DNA die ich Ihnen gegeben habe“, gab der Ami von sich und nahm einen Schluck von seinem nun nur noch ein Viertel gefüllten Bier, „ist von mir. Die Geräte, die Sie benutzen, um etwas zu rekonstruieren, das sich in mir befindet, habe ich entworfen. Der Mund gab mir die Informationen, ich zeichnete die Pläne, ließ die Maschinen bauen und Sie rekonstruieren weiter!“

„Die Gene können gar nicht von Ihnen stammen!“, erklärte Dennis lächelnd. „Jetzt sind Sie ins Fettnäpfchen getreten. Das Ding ist dreißig bis vierzig Meter groß. Sie sind … eins neunzig, vielleicht eins fünfundneunzig, nicht mehr.“ Dennis lachte.

„Wissen Sie, Angst zu riechen erregt mich wahnsinnig.“ Der Mann in Schwarz stand auf und wuchs. Seine Arme wurden länger, als würden sie aus seinem Körper herauswachsen. Seine Beine genauso. Sein Kopf nahm eine kobraschlangenartige Form an. Seine Schultern wurden breiter, seine Hüfte dünner. Es wirkte fast albern, aber in diesem Moment wirkte er furchteinflößend. Diese Kreatur starrte ihn an. Dennis konnte das Verlangen in ihren schwarzen Augen sehen. Die Sonnenbrille lag auf dem Boden, ein Glas war herausgefallen und lag daneben. „Das macht mich richtig geil!“

Das Monster beugte sich über Dennis und saugende, schlürfende Geräusche waren zu hören. Es wuchs und wuchs und wuchs.

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