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Das Appartement

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Geschrieben Oktober 01
  Kapitel 1


Es war Liebe auf den ersten Blick, doch das war bei DJ öfter so. Als DJ das
Appartement sah, wußte er, er würde es nehmen, auch wenn ihn die von der
Vermieterin, einer mittelalterlichen Dragonerin mit strengem Blick, in
unerbittlichem Ton entgegengeschmetterte Mietsumme wohl ruinieren und an
lebenslängliche Nebenjobs in verräucherten Cafeterias binden würde.
Doch er wußte auch, daß es die Mühe wert sein würde. Schon die Eingangstür,
schweres Mahagoniholz, breit,wie eine Autoeinfahrt, verzückte ihn. Der
Türrahmen war durch unbekannte, afrikanisch anmutende Schnitzereien
verziehrt,begeisterten ihn, in den Türflügeln in Augenhöhe sah er große
Fenster aus schwerem Kristallglas, die so geschickt geschliffen waren, daß
man zwar von innen die Außenwelt haarscharf erkannte, von draußen aber der
Innenwohnende nur als prismaverzerrte Fratze zu sehen war. Die Fassungen und
der Türknauf waren aus schwerem,dunkel angelaufenem Messing und die Form des
Griffs lud geradezu zum Zugreifen ein, rund und vom vielen Anfassen
spiegelglatt und golden.
DJ wußte sofort; auf dem verschnörkelten Messingschild würde sich sein Name
prächtig ausmachen. Nur der Klingelknopf war erstaunlich unscheinbar und
klein.
Also sagte er der Vermieterin spontan zu, noch bevor sie die Tür
aufgeschlossen hatte. Mit einem mißtrauischen Runzeln der Brauen drückte sie
ihm schweigend den Schlüsselbund in die Hand, drehte kurzerhand auf dem
Absatz um und ließ den verblüfften Neumieter stehen. Erst als die Wohnungstür
der Vermieterin unten im Erdgeschoß ins Schloß knallte, erwachte er aus
seiner Erstarrung über diese Unhöflichkeit. Er mußte jedoch lächeln,
eigentlich war es ihm gar nicht so unrecht, wer läßt sich schon gern beim
ersten Rendezvousz von Fremden beobachten? Und fast so kam ihm die
Erstbesichtigung der Wohnung auch vor, als würde man ein Date mit einer
Unbekannten haben, deren Stimme am Telefon so betörend klang, daß man mit
klopfendem Herzen ihr gegenübertritt und schwankt vor Neugier, ob sie
tatsächlich so schön, wie ihre Stimme sei oder ob sie wohlmöglich eine
ältere, dürre, brillentragende Frau sei,deren einziges weibliches Attribut
ihre Stimme ist.
Er wurde nicht enttäuscht. Als er wie in Trance und ohne um sich zu sehen auf
den Lichtschalter rechts von sich drückte, erstrahlte ein riesiger Korridor
im Licht eines Kronschalters, der ihn bis in die hintersten Ecken
erleuchtete. Er stand im breitesten Bereich des Korridors, der wie eine Diele
wirkte mit dem dunklen Parkett, bedeckt von einem schmalen dunkelgrünen
Teppich, der wie eine Brücke durch das ganze Appartement und bis zum letzten
Zimmer führte. In der Mitte unter dem Kronleuchter stand ein niedriger runder
Tisch bedeckt mit einem sibernem Tablett auf dem eine Karaffe mit goldbrauner
Flüssigkeit und zwei Kristallgläser standen.
Er fühlte sich eingeladen und goß sich einen ordentlichen Schluck ein und
ließ ihn sich die Kehle erwärmen ,dabei schritt er wie ein Schloßherr von
Zimmer zu Zimmer.
Zunächst trat er ins Wohnzimmer, ein hellgetäfelter Raum, mit weißen
Lederpolstern, Großbildschirm, einer Bar und großem Panoramafenster.
Das Schlafzimmer nebenan war eine Wucht! Ein großes , rundes, französisches
Bett mit schwarzer Satinwäsche, viele Kerzenständer mit roten Kerzen, ein
Spiegel über dem Bett und weißer, flauschiger Fußbodenbelag. Wow, dachte DJ,
genau das richtige für uns, Jessy wird staunen! Auf dem Weg ins Bad ging ihm
seine erste Begegnung mit Jessy durch den Kopf, er mußte lächeln doch dann
riß er den Mund auf,als er das Licht im Bad anschaltete. Er hatte immer von
einer Wirlpoolwanne geträumt, aber dann gleich eine runde mit einer
gefliesten Treppe und Armlehnen. Er träumte immer noch, anders konnte es doch
nicht sein? Aber langsam ging ihm der Grund für den Preis des Appartements
auf und schien ihm nun auch voll gerechtfertig. Als er schließlich in die
Küche kam, wunderte es ihn gar nicht, daß, als er den Kühlschrank öffnete,ihm
mehrere Champagnerflaschen entgegengrinsten und frisches Baquette, Käse und
Schinken zu finden waren. Er holte ein Messer aus dem breiten türkisfarbenen
Küchenschrank, setzte sich an den sechseckigen, schwarzweiß getäfelten
Küchentisch, schnitt sich Brot und Schinken ab, beides in unverschämt dicken
Scheiben, goß sich Champagner ein und freute sich über sein glückliches
Händchen bei Appartements und Frauen.
Ja, bei Jessy war es auch Liebe auf den ersten Blick gewesen. Er hatte sie
bei einer Lesung in der Volkshochschule über Computergraphik kennengelernt.
Sie saß eine Reihe schräg vor ihm, sodaß er genügend Zeit hatte, ihren
glatten, braunen Nachen zu bewundern, ebenso wie er ihre PC-Kenntnisse
bestaunte. Sie war immer zwei Schritte schneller als er. Einmal kam er gar
nicht mehr hinterher und fragte sie leise, was denn ein verdammter Pixel sei,
sie drehte sich um, lachte und es war um ihn geschehen. Dunkle, fast schwarze
Augen lächelten ihn über einer frechen Nase und himmlisch-verführerischen
Lippen und unter wilden Locken an. Noch am selben Tag verabredete er sich
für die nächste Woche beim Chinesen, den sie seitdem zu besonderen Anlässen
immer wieder aufsuchen. Das war nun über zwei Jahre her und er war immer
wieder verblüfft, wie sehr er diese Frau, ihre Schönheit, ihren Humor, ihre
Zärtlichkeit und Toleranz liebte.
Er lachte und blickte sich um, wo war hier das Telefon? Er mußte Jessy
unbedingt für diesen Abend zum Essen in sein neues Appartement einladen,
vielleicht könnte er dann gleich die Einladung mit der seit Wochen geplanten
Verlobung verbinden. Und wer weiß? Wenn Jessy dieses Wunderwerk der
Innenarchitektur sehen würde, wäre sie sicher nicht abgeneigt, bei ihm
einzuziehen? Das wäre phantastisch!

 
Kapitel 2
 
"But seriously" war der passende Moment für DJ, seinen Antrag zu stellen.
Welche Frau könnte bei Phil Collins softiger Stimme schon ein "Nein" über die
Lippen bringen? Er hatte sich mit dem selbstfabrizierten Abendbrot und dem
sehr geschmackvollen Tischdekoration aus roten Kerzen, ein paar Rosenblätter
auf der weißen Spitzendecke und kleinen Serviettenkranichen selbst
übertroffen. Das Chili con Carne, eine superscharfe Eigenkreation hatte zu
erhöhtem Champagnerdurst geführt und zu einer sehr erotischen Stimmung. Der
Erfolg war also vorprogrammiert und nach einer langen, umständlichen und
euphorischen Rede, einem silbernen Ring und einem langen Zungenkuß sagte
Jessy bezaubernd lächelnd "Ja". Auf seine Anfrage, ob sie nicht gleich
bleiben wolle, nickte sie, auf den Anhang "Für immer?" verstummte sie jedoch.
"Was ist?",fragte DJ und lachte unsicher, "Ich dachte, wir sind uns einig,
wir wollen doch zusammenbleiben,oder? Warum hättest Du sonst der Verlobung
zugestimmt?" Sich genau die Worte überlegend, denn sie wußte,wie leicht DJ
verletzbar war, antwortete sie:" Ich habe ja zu Dir gesagt und dazu, daß wir
für immer zusammenbleiben wollen, aber sofort zusammenziehen? Ich weiß nicht,
ich habe noch nie mit jemandem längere Zeit meine Wohnung geteilt, viel
weniger eine fremde."-"Fremde?"fragte DJ erstaunt und entrüstet. "Sie ist
keine Fremde! Sie gehört Deinem zukünftigen Ehemann und damit auch Dir und
sie ist doch wirklich wunderschön!" Er lachte und goß sich nach. Jessy
runzelte die Brauen."Das stimmt nicht, sie ist nicht meine und red nicht von
ihr als wär sie eine Frau, das klingt lächerlich. Es ist nur eine Wohnung und
sie ist riesengroß und sauteuer. Ich darf gar nicht dran denken sie
sauberzumachen, denn das dürfte ja dann zu meinen Pflichten gehören!" Ihre
Augen funkelten etwas erbost. "Hör mal," beschwichtigte sie DJ, der an diesem
Abend keinen Streit heraufbeschwören wollte, "Probier es doch erstmal für den
Rest der Woche und dann überleg es Dir in Ruhe, okay mein Schatz?" Jessys
Blick glättete sich, ein Lächeln spielte um ihren Mund und ein Kuß versöhnte
sie gänzlich. "Und jetzt" raunte DJ ihr ins Ohr, "wollen wir mal das
Schlafzimmer inspizieren, Du wirst begeistert sein!" - "Von wem, vom Zimmer
oder von Dir?" lachte Jessy spitzbübisch. "Warts ab!" grinste DJ und griff
nach der Champagnerflasche und zwei Gläsern, Jessy folgte ihm mit einer Kerze
nach.
 
Kapitel 3
 
DJ schnarchte bereits leise vor sich hin, ein Zeichen dafür, daß er erschöpft
aber auch sehr zufrieden war. Im Mondlicht sah er besonders gut aus. Jessy
nippte an ihrem Glas und betrachtete ihn, sein graumeliertes volles Haar, das
sonnengebräunte Gesicht mit den dichten schwarzen Brauen und dem zart
geschwungenen Mund gefielen ihr immer noch und immer wieder. Bei jedem
Atemzug hob und senkte sich sein breiter Brustkorb mit dem dichten Haarflaum,
den sie genau wie seinen festen, runden Po ganz besonders anziehen fand. Ein
sanfter Griff unter die Decke sagte ihr, daß sein kleiner Freund, der vor
einer Stunde noch hart und prall nach oben ragte und mit den feuchten Tropfen
der Erregung benetzt war, seine Schuldigkeit und zwar ganz hervorragend getan
hatte und nun klein und versteckt nach Ruhe verlangte. Durch das geöffnete
Fenster strahlte ein sehr heller und voller Mond ins Zimmer und das bedeutete
für sie, daß sie wohl fast die ganze Nacht nicht schlafen würde.
Sie wollte noch einen Schluck trinken, vielleicht würde sie das zum
Einschlummern bringen, doch die Flasche war leer. Also erhob sich Jessy, um
in der Küche den Kühlschrank zu besuchen. Sie schlüpfte in DJs Hausschuhe und
schlich leise zur Tür hinaus.
Im Dunkeln sah der Korridor jetzt noch größer aus und irgendwie beängstigend
fremd. Jessy tastete die Wand ab und traf auf den Lichtschalter. Sie knipste
an und stand in fahlem Halbdunkel. Zwar war der Kronleuchter in Gang
gekommen, allerdings flackerten nur vereinzelte Birnen wie erlöschende Kerzen
und warfen unruhige Schatten auf die Wände. `Na, toll!`dachte sie, `sauteuere
Ausstattung, aber an Kleinigkeiten wird gespart!`Sie tappte über den Korridor
in Richtung Küche, als sie plötzlich auf etwas knisternd-knackendes Weiches
trat.Erschrocken fuhr sie zurück. Im Flackerschein sah sie eine Papiertüte
dort liegen, sie konnte sich nicht erinnern, sie abends gesehen zu haben. Mit
zwei Fingern hob sie sie auf und schüttelte sie leise, es klapperte mit etwas
stumpfem Ton. `Was soll´s! Wird schon keine Leiche drin sein!`dachte sie
sarkastisch und drehte die Tüte um, heraus fiel ein in Zellstoff
eingewickelter Gegenstand von der Größe einer CD. Neugierig begann sie das
Ding auszupacken. Vielleicht ein weiteres Verlobungsgeschenk, als
Überraschungsgag von DJ gedacht, zuzutrauen wär es ihm. In ihrer Hand lag ein
Bilderrahmen. Sie drehte ihn um und erkannte im Flackerlicht, daß DJ und sie
auf dem Foto waren. Beide lächelten Arm in Arm vom Balkon ihres Hotelzimmers
in Afrika. Sie mußte schmunzeln,wie braun sie beide gewesen waren, doch dann
bemerkte sie, daß irgendwas an dem Bild nicht stimmte. Es war etwas mit ihrer
Halskette, die sie in Afrika auf einem Bazar gekauft hatten. Das war keine
Halskette. Jessy hob das Bild näher an die Augen und zuckte zusammen, anstatt
der Halskette zog sich ein messerscharfer Schnitt über ihren Photohals und
dieser wurde breiter und breiter, er klaffte auseinander und plötzlich ergoß
sich ein Strahl von rotem, heißem Blut mitten in ihr Gesicht. Jessy schrie
auf, ließ das Bild fallen und rannte zurück ins Schlafzimmer und sprang zu DJ
ins Bett. "DJ, wach auf!" rüttelte sie ihn zitternd, DJ schnarchte und drehte
sich schniefen auf die Seite mit dem Rücken zu ihr. Sie wollte ihn erneut
rütteln, doch im Mondlich fiel ihr Blick auf ihre Brust und - da war kein
Blut, sie fuhr mit der Hand über ihr Gesicht, es war glatt und trocken,
abgesehen von den Angstperlen auf ihrer Stirn. Was war los? Hatte sie
geträumt? War sie ohne es zu merken eingeschlafen und aus einem Alptraum
aufgeschreckt? Sie mußte es genau wissen oder sie würde nie mehr schlafen
können. Sie schlüpfte noch einmal in die Schuhe und öffnete leise die Tür,
der Korridor war dunkel, aber sie hatte das Licht bei ihrer Flucht nicht
ausgemacht. Sie fand wieder den Schalter und knipste an. Sofort erstrahlte
der Korridor im vollen Licht des Kronleuchters, sie kniff die Augen zu, so
blendete die unerwartete Helligkeit. Der Fußboden war leer.
 
Kapitel 4
 
Jessy starrte einige Zeit auf die Stelle, an der sie ein in Scherben
zerfallenes Bild und eine Blutlache erwartet hatte. Dann schüttelte sie den
Kopf, löschte das Licht ind schlich zurück zu DJ. Sie legte sich neben ihn,
schmiegte sich an seinen warmen Körper und legte ihre Hand um seinen festen
Bauch. DJ faßte im Schlaf nach ihr und schlief lautlos weiter. Eine Weile
ging ihr der Alptraum noch durch den Kopf, dann beschloß sie es mit Schlafen
zu versuchen. Doch Durst hatte sie immer noch, jetzt allerdings mehr nach
einem Schluck Milch. Noch einmal stand sie auf und ging hinaus. Das Licht im
Korridor war wieder so grell, daß sie für einen Moment die Augen schließen
mußte. Sie tapste über den grünen, weichen Teppich, diesmal barfuß und kam
zur Küchentür und öffnete. Sie griff zum Lichtschalter und tat einen Schritt
ins -Leere! Als sie knipste, sah sie das Mondlicht gleißend über sich und
unter sich einen gähnenden Abgrund, in dem ein Strudel aus blutroter
wabernder Flüssigkeit sich ihr entgegendrehte. Vor ihr war eine Landschaft
mit düsteren Hügeln, dunklen, weidenartigen Bäumen und Gräbern! Ein Friedhof
mitten in der Küche! `Das gibt es nicht!´schrie es in ihrem Kopf.`Ich spinne,
ich werde wahnsinnig!`Sie hielt sich krampfhaft an der Tür fest und starrte
wie gebannt auf die höchste Erhebung des von Nebelschwadern umzogenen
Friedhof. Dort stand ein gigantischer Grabstein in Form eines steinernen
Kreuzes auf dem nur ein Wort prangte:JESSY!
"Nein!" schrie sie und knallte die Tür zu. Um sie herum war alles still, sie
stand im hellen,friedlichen Korridor und von fern hörte man wieder DJs leises
Schnarchen. Hatte der einen Schlaf! `Ich spinne nicht!`,dachte sie, `das ist
wie vorhin, wenn ich jetzt nachsehe ist wieder alles okay.`Sie griff nach der
Türklinke und riß die Tür auf- tatsächlich, die Küche war wieder da. Aber sie
sah aus, als hätte sich Attila, der Hunne hier vergnügt, das Geschirr lag in
tausend Scherben auf dem Boden, alle Küchengeräte liefen auf Hochtouren mit
ohrenbetäubendem Lärm und aus dem Küchenschrank spähten die schärfsten und
längsten Messer nach ihr. Ehe sie die Tür zuschlagen konnte,flogen sie schon
im Blitzangriff auf sie zu. Sie warf die Tür zu und rannte los. Schnell genug
war sie jedoch nicht, auf der anderen Seite des Korridors blieben die Messer
mit pfeifendem Knall stecken. Jessy rannt zu DJ und prügelte verzweifelt euf
seine Schulter: "Wach auf , du Penner!Verdammt noch mal, wach endlich auf!"
DJ fuhr hoch wie von der Tarantel gestochen und starrte sie verstört an.
""Was ist los, brennts?" -"Ja, aber die Luft!"schrie Jessy und Tränen
stürzten aus ihren Augen."Das Haus, diese Wohnung ist gefährlich ,die spinnt,
die spukt!Die will mich töten!"
 
Kapitel 5
 
Sie verstummte und blickte DJ in die weitaufgrissenen Augen. ´Der glaubt mir
kein Wort!´, dachte sie. Also packte sie ihn beim Arm und zerrte ihn vom
Bett. "Komm! Los, komm mit! Sieh dir das Chaos in der Küche an und wenn dich
das nicht überzeugt, schaffen es vielleicht die Messer an, nein in der Wand!"
Sie ließ DJ keine Zeit, in seine Pantoffeln zu schlüpfen und stürmte, den
völlig verwirrten Mann hinter sich her ziehend vorwärts, stieß die
Schlafzimmertür auf, rannte durch den hellen Korridor und stoppte vor der
Küche. Dort schaute sie DJ triumphierend an und verkündete:"Na, wie gefällt
Dir die Besteckdekoration an der Wand?" und stieß mit dem Zeigefinger durch
die Luft auf die gegenüberliegende Wand zu. DJ folgte ihrem Fingerzeig,
schwieg, schaute eine Weile verständnislos und zuckte schließlich mit den
Schultern:" Was soll denn das Theater?" Sie wußte, noch bevor sie sich
umdrehte, was er meinte. Richtig! Die Wand war glatt und sauber und vorallem
leer! Kein einziges Messer war zu sehen. Nun ahnte sie auch, wie es in der
Küche aussehen würde, wie ein Foto aus dem Einrichtungskatalog, ganz sicher.
Während DJ langsam die Küchentür öffnete und eintrat, sah sie sich schon in
der nächsten Klappsmühle als Dauergast. Als DJ aus der strahlend sauberen
Küche zurückkam, blickte er sie ärgerlich an: "Hör mal, wenn Du keinen
Champagner verträgst, dann solltest Du nicht soviel trinken! Und beim
nächsten geistigen Aussetzer laß mich gefälligst schlafen!" Dann schlurfte er
ins Schlafzimmer zurück und sie brauchte gar nicht lange zu warten, da war
wieder ein leises und friedliches Schnarchen zu hören.
´Was ist nur mit mir los?´, fragte sich Jessy verzweifelt, ´das war doch kein
Traum,ich hab das doch alles gesehen!´
´Mike!´, durchfuhr es sie auf einmal. ´Ich werde Mike anrufen, schließlich
hat er Psychologie studiert. Er wird eine Antwort auf all diese
Merkwürdigkeiten finden!´Sie schaute auf ihre Uhr, es war dreiviertel zwei,
verdammt spät, aber Mike war ein Workaholic und saß sicher wieder über
irgendeinem dicken, alten Bibliothekswälzer. Während dieser Gedanken war sie
unbewußt bis zum Korridoreingang gekommen und hatte sich automatisch an den
kleinen Telefontisch gesetzt. ´Wie war nur Mikes Nummer? War die letzte Zahl
eine 8 oder eine 9?`Im nächsten Moment wurde ihr auch schon die Luft
abgedrückt! Sie griff im Selbsterhaltungsreflex an ihren Hals und
augenblicklich wurde ihr klar, daß sie versuchte sich von dem
Telefonhörerkabel zu befreien! Der Hörer flog bereits die zweite Runde um
ihren Kopf und zog die gerollte Plastikschlinge noch fester zu. Verzweifelt
krallte Jessy ihre Nägel in das Kabel und schlug nach dem auf sie
einhämmernden Hörer. Schließlich,als ihr bereits leicht das Bewußtsein
schwand, sprang sie mit letzter Kraft vom Stuhl hoch und riß dabei das
Telefon aus seinem Kabelanschluß. Kaum geschehen, fiel der Hörer knapp an
ihrem linken Ohr vorbei zu Boden und im nächsten Moment folgte mit lautem
Scheppern das Telefon samt Kabel nach.
Jessy kämpfte mit der Entscheidung, ob es besser wär, einen Schreianfall oder
einen Weinkrampf zu bekommen. Mit zitternden Knien schlich sie rückwärts ins
Wohnzimmer, das zerschlagene Telefon nicht aus den Augen lassend.
 
 
Kapitel 6
 
Am ganzen Leib von Angstkrämpfen geschüttelt, sank sie in die weichen, kühlen
Lederpolster und griff mit zitternder Hand nach der Fernbedienung, sie mußte
sich jetzt ablenken, sonst würde sie durchdrehen, kurz davor war sie, das
wußte sie. Der Großbildschirm leuchtete bläulich auf, dann kristallisierte
sich ein Bild heraus, die Spätnachrichten, Sportkommentare, Fußball. Jessy
schaltete sofort um, ein Frauengesicht von übernatürlicher Schönheit mit
langen,rötlichen Haare, grünen, funkelnden Augen und blutroten Lippen blickte
direkt in die Kamera und damit Jessy ins Gesicht. Ein Lächeln glitt über die
breiten, sinnlichen Lippen, die grünen Augen verengten sich zu schmalen
Schlitzen und die Frau begann zu sprechen:"Hallo, Jessy! Hast Du noch nicht
genug? Ich dachte, Blut, Friedhofsgeruch, fliegende Messer und Killertelefone
würden bei einer Schnepfe,wie Dir genügen.Bisher reichte es jedenfalls
immer!"
Jessy saß starr und steif auf dem Sofa, konnte sich nicht rühren und blickte
wie hypnotisiert auf den Bildschirm. "Weißt Du, daß hier ist mein Gebiet!
Alles, die Möbel, die Teppiche, die Türen, jedes technische Gerät, jede
Pflanze auf dem Fensterbrett, jedes Glas in der Bar, jeder Tropfen Wasser im
Bad, alles, alles bin ich!" - "Wer bist Du?" ,fragte Jessy monoton. "Jessy -
Schätzchen! Ich dachte, Du wüßtest das mittlerweile." Lachte die rothaarige
Frau spöttisch, dann funkelten ihre grünen Augen zornig auf und sie
schrie:"Ich bin das Appartement,Du Dummkopf! Und jetzt hör gut zu! Ich such
mir meine Mieter immer selbst aus, Männer, wie DJ sind genau richtig,
attraktive, gut gebaute mit hübschen Gesichtern, das mag ich und sie alle
möchten mich und DJ liebt mich auch schon. Aber ihre Weiber kann ich nicht
gebrauchen, verstehst Du? Also, entweder Du ziehst sofort aus oder das, was
Du bisher erlebt hast, war erst der Anfang und wird Dir bald vorkommen, wie
Urlaub in der Sesamstraße im Vergleich mit dem, was noch kommt, glaub mir,
ich habe viel Phantasie!" Mehr brauchte Jessy nicht zu hören, sie lief ins
Schlafzimmer und warf sich in Windeseile in Wäsche, Kleid und Sandaletten,
griff nach ihrer Handtasche und eilte zur Tür. Doch dann drehte sie sich um.
DJ lag auf dem Rücken. Jetzt schnarchte er nicht mehr, zufrieden und
entspannt lag er auf dem Seidenkissen. Sie kam auf Zehenspitzen zu ihm,
strich ihm ein letztes Mal durch das silbergraue Haar, küßte ihn auf die
sanften Lippen und ging lautlos zur Tür hinaus.
Seit fünf Monaten arbeitete Jessy nun bereits bei der Werbefirma in der
Innenstadt und entwarf die schrillsten und auch erfolgreichsten Web-Seiten
der Region. Sie hatte ihre Einraumwohnung gegen eine Mansardenwohnung im
Zentrum getauscht und genoß es, so oft sie wollte, ein Sonnenbad auf der
Dachterasse zu nehmen. Von hier oben hatte sie einen tollen Blick über die
Stadt. Auch DJs Haus konnte sie sehen. Wie sie erfahren hatte, lebte er
einsam und eigenbrötlerisch in seinem Appartement, hatte seine Arbeit
aufgegeben und versorgte sich durch Liferantendienste. Das letzte, was sie
von ihm gehört hatte, war, daß er vor 4 Wochen das letzte Mal das Haus
verlassen hatte!

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