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In der Nacht

©2004 by Stephan Möller (theMöllerman)

Es war bereits nach elf Uhr abends und Dirk konnte nur noch hoffen, dass seine Mutter schon schlief. Ansonsten gäbe es Ärger, und zwar so RICHTIG Ärger. Sie hatte ihm deutlich gesagt, dass er um halb elf wieder zu Hause sein sollte, oder er würde eine Woche lang Hausarrest haben, und jetzt war es schon 23:12 Uhr. Alles das war nur passiert, weil Manuell unbedingt die letzte Zugabe hören wollte (sie waren auf dem METALLICA-Konzert in Bremen gewesen, mit SLIPKNOT und den LOST PROPHETS als Vorbands).

Er trat ordentlich in die Pedale und wischte sich seine tiefschwarzgefärbten, jetzt verschwitzten Haare aus dem Gesicht. Sein Tacho zeigte 33 km/h an ... unglaublich, was man so alles schaffte, wenn man unter Zeitdruck stand. Sonst kam er MIT MÜHEN so GERADE auf 30 Kilometer die Stunde – er war - für sein Alter – starker Raucher – und nun waren’s auf einmal 33, und das, ohne sich wirklich stark anstrengen zu müssen. Gut: anstrengen tat er sich schon, aber er VERAUSGABTE sich nicht fast, wie es sonst immer bei 30 war.

 

Zwei Kilometer weiter sah er abermals auf die Uhr. Jetzt war es schon 23:16 Uhr. Meine Güte, er konnte WIRKLICH nur hoffen, dass seine Alte schon schlief, was jedoch (leider) nicht sehr wahrscheinlich war.

Es waren noch etwa sechs Kilometer bis zu ihm nach Hause ... das hieß ... nicht, wenn er eine Abkürzung durch die Gassen nahm. Sollte er? Er würde AUF JEDEN FALL fünf bis sechs Minuten schneller da sein, als wenn er durch die WESERSTRAßE fuhr ... WENN er ankommen sollte, und das war das Problem: in den Gassen trieben sich alle möglichen düsteren Gestalten herum, Drogendealer, Junkies, Prostituierte, Stricher, alles solche Typen, auf deren Bekanntschaften er ABSOLUT keinen Bock hatte.

Was sollte er also tun? Fuhr er die Gassen entlang? Er würde so auf jeden Fall schneller zu Hause sein ... allerdings: wozu? Zu spät war er auf jeden Fall, da machten DIE paar Minuten auch nichts mehr aus.

Ach, scheiß drauf!, dachte er und bog in den engen Durchgang zwischen den Häusern ein.

 

Er war etwa 2 Minuten gefahren, als er auf die ersten düsteren Typen traf.

Es waren zwei Penner, die in einer dunklen Ecke saßen und Schnaps in sich hinein kippten. Der eine war hochgewachsen und dürr, hatte einen längeren und weißeren Bart als der Weihnachtsmann (dessen Bart den des Penners allerdings in Sachen Sauberkeit um LÄNGEN schlug), und trug ausgebleichte Jeans, die vor Schmutz so steif waren, dass man sie hinstellen konnte; und einen Wollpullover mit einem großen Loch in der Mitte, wo eine Ratte ihren Kopf herausstreckte. Dirk fragte sich, ob der Obdachlose von seinem Mitbewohner wusste ... er kam zu dem Entschluss, dass es wohl so sein musste. Der andere der beiden war im Gegensatz zu seinem Kumpel sehr klein, dafür aber um so dicker. Er trug ebenfalls eine ehemals blaue Jeans, und ausserdem ein gelbes Regencape, welches er BESTIMMT nicht selbst gekauft hatte. Zu diesem Entschluss kam Dirk, weil sie so neu aussah, im Gegensatz zu den anderen Sachen der beiden war sie vollkommen heile, kaum dreckig und besaß immer noch seine ursprüngliche Farbe.

"Was starrste uns denn so an?", blöffte ihn der kleinere der beiden Typen an und nahm einen tiefen Schluck aus seiner Flasche Aldi-Korn.

Dirk beachtete ihn nicht weiter und fuhr an den beiden vorbei.

 

Nur ein paar 100 Meter weiter traf er dann auf sein Schicksal.

Es trat in Gestalt eines Heroinjunkies – eines ANGEBLICHEN Heroinjunkies – in sein Leben. Dirk sah ihn nicht, als er mit jetzt nur noch 20 km/h angerauscht kam, und er bemerkte ihn auch nicht, als er schon halb an ihm vorbei war. Doch dann sprang der Typ aus den Schatten hervor und schubste ihn um. Er landete auf dem Rücken und schlug mit dem Kopf in voller Fahrt an die Hauswand hinter ihm, behielt jedoch das Bewusstsein. Sein Fahrrad landete mit voller Wucht auf ihm, der Lenker bohrte sich in seine Magenkuhle und er musste sich sehr beherrschen, um nicht loszukotzen.

Der Typ, der ihn umgeschubst hatte, stellte sich vor ihm auf und grinste ihn an. Er trug zerrissene schwarze Jeans, eine ebenfalls kaputte grüne Bundeswehrjacke und weiß-rote Turnschuhe, von denen sich die Sohlen bereits verabschiedeten.

Er riss das Fahrrad von ihm herunter und warf es beiseite.

Hui, dachte sich Dirk, für einen Junkie auf Turkey hat der aber ganz schön Kraft!

"Na, du kleiner Hosenscheißer?", sagte der Typ und beugte sich zu Dirk herab.

Dirk konnte den fauligen Atem des Drogenabhängigen riechen, und ihm wurde schlecht. Der Typ roch aus dem Hals, als hätte er Kuhscheiße gegessen.

"Ich ... ich ... ich hab kein ... kein Geld bei mir!", stammelte Dirk ängstlich.

"Wer sagt, dass ich Geld von dir haben möchte?", fauchte der Typ ihn an und machte seine Hose auf.

 

Eine dreiviertel Stunde später kam Dirk nach Hause.

Seine Mutter saß – wie er vorhin befürchtet hatte – noch im Wohnzimmer und guckte Fernsehen. "WO ZUM TEUFEL KOMMST DU HER?", fragte sie ihren Sohn, als dieser ins Wohnzimmer trat. "Oh Gott ... ist dir was passiert?" Mit diesen Worten sprang sie auf und ging zu Dirk, der immer noch in der Tür zur Diele stand. Er war total blass im Gesicht und seine Klamotten waren verschmutzt. Er hatte überhaupt keinen Ausdruck im Gesicht, nur als sie die Worte "zum Teufel" gesagt hatte, hatte sie geglaubt, ein kleines Lächeln über seine Lippen huschen zu sehen.

"Ja.", sagte Dirk. "Ja, mir ist etwas passiert!"

"Oh mein Junge.", weinte sie und nahm ihn in den Arm. "Sag, was hat man dir angetan?"

Doch sie bekam keine Antwort – zumindest nicht mit Worten. Ihr Sohn schlug seine Zähne in ihr Wangenfleisch und riss einen großen Fetzen davon hinaus. Sie sah entgeistert zu, wie ihr Sohn kaute und danach ihre rechte Wange herunterschluckte. Sie wollte schreien, konnte aber nicht. Wieder biss Dirk zu, diesmal in den Hals seiner Mutter, und Blut spritzte aus deren Halsschlagader.

Sie bekam nicht mehr viel mit, nur noch den auffällig faulig riechenden Atem ihres Sohnes. Dann wurde es schwarz um sie herum.

 

ENDE

 

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