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Es ist ein neuer in der Stadt

©2004 by Simon Kowal

 

 

1. Der verschwundene Bettler

"Meistens sind es Obdachlose denen du auf der Straße begegnest oder Insassen einer psychiatrischen Anstalt, Leute deren Personalien niemand kennt."

Kurt war groß und kräftig, ein Bär von einem Mann aber wenn er von ihnen sprach, sah man die Angst in seinen Augen, seiner Stimme allerdings war nichts anzumerken. Sie war dunkel und rau zu gleich.

"Sie sind Mitglieder der Meute, die es noch nicht einmal wissen. Unsereins brauch noch nicht einmal von ihnen gesehen zu werden. Es reicht, wenn wir nur nah genug an ihnen vorbeigehen und die Verwandlung geht ihren Lauf. Sie suchen sich einen einsamen Ort und haben nicht die geringste Ahnung wieso sie das tun. Sie leiden unter starken Schmerzen und Übelkeit, da die Organe und Knochen sich verändern oder neue hinzukommen. Das was nach der Verwandlung dann existiert hat nichts mehr mit einen Menschen gemein. Es ist ein Wesen, das keinem vorigen gleicht, weder im Erscheinen noch im Verhalten, was uns die Sache

natürlich immens erschwert. Sie sind nur noch für einen einzigen Zweck da, diejenigen denen

sie begegnet sind zu jagen, finden und zu töten."

Ich habe noch nie einen gesehen. Bis vor kurzem gab es mich aber auch noch nicht. Ich bin ein Protektor, ein Schützer der Königin. Es hat lange gedauert, bis man einen geeigneten Körper für mich gefunden hat, das Ergebnis ist eine Zwanzigjährige zerbrechliche Hülle. Die männliche Version eines Menschen. Wieso konnte ich nicht einen Körper wie Kurt bekommen. Verdammt, ich würde mich sehr viel sicherer fühlen. Kurt sagte, dass dieser Version des männlichen Körpers sehr anziehend auf Frauen wirken würde aber vielleicht will ich das ja gar nicht. Wir kommen aus einer Welt die so anders ist als diese hier, soviel schöner und prachtvoller, es gab alles in hülle und fülle. Die Frauen waren eben auch anders.

Eines Tages war alles vorbei.

Die Meute kam und überrannte uns vollständig. Wir waren ja auch nicht vorbereitet. Niemand wusste woher sie kamen oder was sie waren.

Wir hatten nur die eine Chance: Flucht. Doch auch hier waren sie schon, sie und ihr finsterer Herrscher, der Tausendjährige Geist.

Nun müssen wir im Untergrund leben, nichts ist von der einstigen Schönheit geblieben. Die Protektoren haben nicht mehr die Aufgabe des offenen Kampfes, wir sind nun da um Lockvogel zu spielen, die Attacken der Meute zu überleben und alles wissenswerte zu erfahren. Bisher haben wir nur das herausgefunden was Kurt mir sagte. Diese neue Art von Soldaten der Meute waren die schlimmsten. Sie konnten sich perfekt bei den Menschen eingliedern, da sie selbst nicht wissen, dass sie zur Meute gehören.

Heute waren Kurt und ich der Köder. Wir liefen durch die Innenstadt, immer und immer wieder, auf und ab.

"Du Kurt, sag mal, wie viele dieser Dinger gibt es eigentlich hier in dieser Stadt? Schätzungsweise."

Diese Stimme, selbst meine Stimme klang im Gegensatz zu seiner klein und schwach.

"Ich wünschte ich wüsste es. Ich würde sagen, mindestens ein paar Dutzend. Genau kann das niemand sagen. In dem letzten Monat hatte ich es mit drei zu tun."

"Und du hast es ohne Verletzungen überlebt?"

"Mehr mit Glück als verstand."

"Ja, aber wie..."

Kurt unterbrach mich forsch und schmerzhaft in dem er mir den Arm mit seiner rechten Hand quetschte.

"Wo ist er hin?"

"Wo ist wer hin?"

Aber dann sah ich was Kurt meinte. Einer von zwei Obdachlosen, die auf der anderen Seite der Straße saßen und ihr Abendessen erbettelten war fort. Eigentlich nichts ungewöhnliches, aber wenn man in einer Situation wie in der unseren steckte, hatte man für alles ein Auge.

Karl und ich gingen schnellen Schrittes über die Straße. Wir steuerten direkt auf den übriggebliebenen zu. Er sah uns an und glaubte wahrscheinlich, dass wir ihn etwas Geld geben würden, deshalb blieb er einfach sitzen.

Als wir ankamen kniete Kurt sich nieder und sah dem Mann in die Augen.

"Wo ist dein Freund hin?"

Der Mittelslose schien zu verstehen, dass er heute von uns kein Geld bekommen würde.

Seine Stimme klang sehr versoffen und respektlos.

"Was willst du? Lass mich in ruhe und verpiss dich."

Kurt wurde nicht etwa ungeduldig, nein er wiederholte die Frage aber nicht so wie vorher, sondern mit einem Zusatz, den die Menschen weder hören noch sehen können, fühlen können sie ihn aber um so besser. Dieser Zusatz, diese Gabe ist immer da. Sie sorgt dafür, dass die Menschen uns sehr schnell wieder vergessen. Wenn wir uns mit jemanden unterhalten, über Gott und die Welt, selbst wenn wir ihnen die Zukunft voraussagen, den nächster sechser im Lotto, sie würden uns und das Gespräch sofort nach unserem verschwinden wieder vergessen.

Wenn wir diese Gabe nun verstärken indem wir uns auf unseren Gegenüber konzentrieren, erfahren wir alles von ihm oder ihr. Genau das tat Kurt jetzt.

"Wo ist dein Freund hin?"

Der Mann wollte im ersten Augenblick noch rum Zänkern, lies es dann aber sein.

"Ihm wurde übel....er musste gehen und sich hinlegen....er ist jetzt sicherlich in der Hütte zwischen den Bäumen neben der Brücke...." Er deutete in eine Straße, die aus der Fußgängerzone hinaus führte.

Ich sah erst den Mann an und dann Kurt, der nun wieder aufstand.

"Was machen wir jetzt Kurt? Alles passt zusammen, nicht war? Er ist ein Soldat der Meute, hab ich recht?"

"Ich glaube schon. Wir werden den Mann suchen gehen. Die Verwandlung benötigt fast drei Tage, er wird also momentan nur ein kranker Penner mit Bauchschmerzen sein. Leichte Beute."

Er setzte sich in Bewegung und ich folgte ihm.

 

2. Die Hütte

Wir sahen die Hütte etwa eine halbe Stunde später. Wir standen auf der besagten Brücke und blickten hinunter in den Fluss mit seinem brackigen Wasser. Seine Ufer waren mit Gras bewachsen und streckenweise waren Bäume vorhanden, die hierhin gepflanzt wurden.

Zwischen einer Ansammlung von Bäumen sahen wir ganz leicht die Hütte. Ein kleines zusammengehämmertes Ding. Es sollte wohl als Behausung für den Winter dienen, der in großen Schritten nahte. Ein wolkenbedeckter Novemberhimmel kündigte Regen an, der auch prompt mit leichten Nieseln aufkam.

"Er wird wohl einen anderen Weg hierher genommen haben."

Kurt blickte nach unten während er sprach.

Ich tat es ihm gleich.

"Ja, er wird wohl kaum gesprungen sein. Das müssen mindestens neun oder zehn Meter sein, zuviel für einen Menschen. Richtig?"

Kurt grinste und sah mir in die Augen.

"Richtig. Für einen Menschen ist es viel zuviel."

Mit einem Satz sprangen wir über die Brüstung und landeten leicht in die Knie gegangen auf dem graßbewachsenen Boden, und gingen sofort auf die Hütte zu. Mittlerweile war es halb vier Uhr nachmittags, das Licht war also nicht mehr so gut. Dennoch erkannte Karl nach etwa zwanzig Schritte etwas auf dem Boden.

"Siehst du?"

Natürlich sah ich es.

"Ja." Erklärte ich. "Es ist frisches Blut, Gott sei dank nieselt es nur, sonst hätten wir es nicht gesehen. Meinst du es kommt von diesen Mann?"

"Da bin ich mir sicher." Er blickte nun zur Hütte, und beschleunigte seinen gang.

"Vielleicht hat er ja nur Nasenbluten, durch das eintreten der Verwandlung."

"Das müssen aber extrem starke Nasenbluten sein, hast die Menge Blut gesehen?"

Natürlich hatte ich das.

"Eventuell hat er sich verletzt als er hierher kam oder er wurde überfallen."

Ich lief jetzt schon hinter Kurt her, der immer schneller wurde.

"Diese Leute werden mit der Verwandlung ohne es zu bemerken sehr viel vorsichtiger und verflucht stark. Nein mein Freund, bei dem ist die Veränderung und schon sehr weit fortgeschritten."

"Das ist unmöglich, du sagtest, das die Verwandlung drei tage benötigt um abgeschlossen zu sein..." wir rannten jetzt schon "...wir haben also noch massig Zeit."

Kurt war bei der Tür angekommen und ohne zu halten rannte er einfach durch. Die behelfsmäßige Tür krachte lautstark zur Seite weg und wir standen nun im einzigen Raum, in dem es nach Exkrementen, billigen Fusel und nach noch etwas anderem stank. Diese andere Geruchsquelle sah ich nun.

Es war der andere Bettler. Ich sah es, obwohl sein Kopf samt Wirbelsäule fehlte und sein Brustkorb nach außen gedrückt worden war. Anscheinend fehlten alle Organe. Der Rest seines Körpers wurde achtlos in eine Ecke geworfen wie eine alte Plastiktüte.

Kurt blickte mich wieder an, dieses mal jedoch mit enorm viel Angst in den Augen.

"Unmöglich? Ja! Es sein denn wir haben es schon wieder mit einen anderen Ding zu tun."

 

3.Mal was neues

Beide blickten wir wie zwei gehetzte Tiere von einer Ecke der Hütte zur nächsten.

Menschen und ihre Waffen konnten uns nichts anhaben. Doch Wesen unserer Art und Soldaten der Meute waren durchaus in der Lage uns schwere und tödliche Verletzungen zuzufügen.

Wir taten also das, was wir immer bei drohender Gefahr taten. Wir ließen unsere Klingen, die durch eine spezielle Vorrichtung am Unterarm befestigt ist nach vorne schnellen. Die Klingen sind dreißig Zentimeter lang und wir haben oberhalb beider Arme jeweils eine dieser Waffen.

Sie wurden speziell für ihren träger erschaffen. Nur Waffen aus diesem Stahl können Soldaten der Meute verletzen und töten. Ich war froh diese Waffen zu haben, denn als ich von draußen dieses tiefe und laute Knurren hörte, wusste ich, dass ich sie brauchen würde.

Ich hatte recht.


Irgendetwas landete mit lauten Getöse auf dem Dach der Hütte und brachte diese fast zum einstürzen. Mir stockte der Atem, auch Kurt brachte kein Wort raus. Wir standen dort und blickten zur Decke. Staub rieselte uns ins Gesicht.

Draußen begann es jetzt stärker zu regnen und über uns bewegte sich das Ding, was der Bettler in Wirklichkeit war. Wir hörten wie es anfing Witterung aufzunehmen, es sog die Luft ein. Ein mal, zwei mal, drei mal.

Dann war es weg. Es war als hatte es nach so kurzer Zeit die Lust auf uns verloren, es sprang vom Dach und verschwand. Wir standen noch gute zwei Minuten an unseren Platz und blickte uns in die Augen, bis Kurt das Wort ergriff.

"Wir müssen jetzt nachsehen." Er ging zur Tür, die noch immer offen war und trat hinaus. Er blickte nach links, nach rechts und dann wieder in die Hütte zu mir.

"Es ist weg...verdammt, ich glaube es ist nach rechts Richtung Stadt gelaufen. Wir müssen hinter..." Das verfluchte Vieh sprang Kurt von links an und entriss ihn aus meinem Blickfeld.

Ich hörte Kurt schreien und das Ding heulen, wie es ein Wolf machen würde, wenn der Wolf fast zwei Meter groß wäre.

Ich stand da und zitterte. Das Kampfgetümmel ging weiter. Kurt schrie immer noch, bis ich ein reißendes Geräusch hörte. Dann war stille, aber nur kurz.

Jetzt war es kein Schreien mehr, es war nur noch ein Wimmern, teilweise rief Kurt auch nach mir, er rief nach Hilfe.

Ich ließ ihn noch ein wenig rufen, bis ich mich endlich zusammenreißen konnte um nach draußen zu gehen.

Ich hoffte Kurt wäre zwar verletzt, hätte aber auch dieses Ding erledigt, und der tote Körper würde neben Kurt liegen. Doch so war es leider nicht.

Kurt lag in einer Blutlache etwa zehn Meter von der Hütte entfernt, sein linker Arm sogar fünfzehn. Er wurde oberhalb des Ellenbogens abgerissen. Kurts Körper war übersät mit Kratz und Bisswunden, seine Kleidung nur noch teilweise vorhanden.

Ich ging auf ihn zu und rief nach ihn.

"Kurt, wo ist es hin? Ist es noch hier?"

Kurt antwortete nicht, er warf sich hin und her. Ich musste etwas machen, also ging ich zu ihn. Als ich ankam kniete ich mich neben Kurt.

"Kurt wo ist e...." Ich musste die Frage nicht beenden um eine Antwort zu bekommen.

Das Ding war hinter mir, es hatte sich herangeschlichen. Es knurrte leise, es war als konnte man unterschwellig ein Lachen vernehmen.

Meine Position war alles andere als vorteilhaft, kniend und mit dem Rücken zum Gegner. Ich habe an nichts bedacht, was mir beigebracht hatte. Mir war alles klar.

Das Ding hatte Kurt verletzt und am leben gelassen, damit er nach mir rufen konnte um mich herauszulocken. Jetzt hatte es was es wollte.

Ja, dieses hier war was neues, es konnte taktisch denken.
Ich hatte vielleicht noch eine Chance und wollte sie nutzen.
Ich schnellte auf meinen Knien herum und hob gleichzeitig meine Klingen.
Mein Körper konnte die Drehung noch vollenden, aber nicht mein Kopf. Er wurde schnell und ruckartig abgerissen. Ich spürte wie ein Teil meiner Wirbelsäule mit heraasgerissen wurde.

Mein Kopf kam auf dem nassen Boden auf und lag auf der Seite. Ich warf meinen letzten Blick auf das Wesen wie es mein sprudelndes Blut mit dem Maul auffing und zu trinken begann.

 

 

 

 

 

 

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