Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten, um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.
Header1.jpg

Die Autoren von BookOla.de erstellen Rezensionen von Romanen, Kurzgeschichten
und allem was von bekannten und unbekannten Autoren zu Papier gebracht wird.
Die Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links.
Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich
von Amazon eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht, aber dieser kleine
Betrag hilft mir, die Unkosten der Seite zu bestreiten.

und nun findet man auch unsere ersten Gehversuche auf Mastodon

Die Hexe vom Mathisbühl

© 2003 Rudolf Klopfer

 
Nun setzte die Dämmerung doch früher ein, als ich erwartet hatte. Ich war extra zeitig aufgebrochen um den Mathisbühl noch vor der Dunkelheit überquert zu haben. Normalerweise bin ich kein ängstlicher Mensch und mache mir auch nicht viel aus dem abergläubischen Geschwätz alter Frauen aber in diesem Fall war es anders. Schon öfters hatte ich gehört, dass es am Mathisbühl nachts nicht geheuer sei, Geschichten von Hexen und herumwandelnden Wesen, die schaurigsten Gestalten sollten sich des nachts dort zeigen. Kein normaler Mensch in der Gegend wagte es, die Anhöhe bei Dunkelheit zu überwinden und selbst die mutigsten taten es nur ungern.

Am frühen Abend hatte ich im "Löwen" zu Abend gegessen. Es war ein typischer Gasthof, wie man ihn im Schwarzwald öfters antrifft, die Einrichtung, der Kachelofen und die gemütlich tickende Uhr, nichts unterschied ihn von den anderen Herbergen der Umgebung. Schon des öfteren hatte ich hier verweilt, aber diesmal war es anders. Ich merkte es schon als ich die Stube betrat. An einem großen Tisch im hinteren Winkel saßen mehrere vornehme Männer.

Nachdem ich meinen Platz eingenommen hatte, ließ ich meinen Blick über sie schweifen. Bei dem einen handelte es sich wohl um einen Offizier des in der nähe stationierten Dragonerbataillion, neben ihm saß der örtliche Förster, ihm gegenüber der Pfarrer. Bei dem Mann, der mit dem Rücken zu mir saß, musste es sich zweifelsohne um den Amtmann handeln. Vor dem Tisch standen ein Bauer und seine Frau. Der Mann sprach aufgeregt, mit einer gewissen Verzweifelung, die Frau weinte und sah ziemlich niedergeschlagen aus.

Ich fragte den Wirt was der Grund für diese ungewöhnliche Versammelung sei. "Ach es ist einmal wieder ein Kind beim hirten der Kühe nahe des Mathisbühls verschwunden, schon das dritte diese Woche", sagte es, als ob es keine besondere Sache sei, "einige Leute meinen es lagern wieder einmal Zigeuner im Wald, andere behaupten, die Hexe hätte die Kinder geholt. Wie auch immer, die Hohen Herren in der Stadt hielten es für nötig, nach den Kindern suchen zu lassen und den verfluchten Zigeunergesindel das Handwerk zu legen, aber keine Sorge, so viele Reiter sind es auch wieder nicht, ich habe schon noch ein Zimmer für euch!" "Habt dank, Herr Wirt, aber ich will weiter, ich möchte noch vorm Morgengrauen noch in S. sein." Der Wirt zuckte nur mit den Schultern und ging in die Küche, mein Essen holen. Ich kannte den Löwenwirt als geschäftstüchtigen Mann, der sich so schnell durch nichts verschrecken ließ. Er hielt wie ich selbst nichts von Aberglauben und schenkte den Geistergesichten seiner Gäste keinen Glauben. Die andern Leute hatten unser Gespräch gehört und es schien, das der bloße Gedanke an eine nächtliche Überquerung des Mathisbühls ihnen einen Schauer über den Rücken jagte.

"Guter Herr, ich rate euch dringenst davon ab, eueren Weg bei Nacht fort zusetzen", sprach mich ein altes Weiblein an, das während meines Gespräches mit dem Wirt von seinem Platz an der Ofenbank aufgestanden und an den Tisch getreten war, "Wieso Mütterchen, ich fürchte mich nicht vor Zigeunern, ich bin solchen Halunken schon des öfteren begegnet und bin immer mit ihnen fertig geworden." " Nicht die Zigeuner haben die Kinder geholt, sondern die Hexe!", jemand wollte ihr ins Wort fallen, aber sie sprach entschieden weiter: "Drei Kinder braucht sie für ihren Zauber. Als ich noch klein war, so in dem Alter wie die verschwundenen Kinder, sind auch drei Kinder in der Gegend verschwunden! ’S war auch zur selben Zeit im August und bald sind überall die Kühe verendet. Die Leut erzählten sich, die Hex’ bräucht das Blut von drei Hirtenkindern." So ein Unsinn, das Hirtenmaidli vom Grisbauer ist wahrscheinlich weggelaufen, bei dem wäre ich auch nicht geblieben!" "Nein, ein kleines Mädchen läuft nicht weg", konterte die Alte auf den Einwand des Mannes, " die Hexe hat sie geholt. Herr ich sehe ich kann euch nicht davon abbringen, über den Mathisbühl zu gehen, aber so nehmt wenigstens dieses Messerchen an euch. Wenn die bösen Geister euch begegnen, zieht damit einen Kreis um euch und bekreuzigt euch dreimal, dann können sie Euch nichts tun."

Das Messerchen fühlte ich in meiner Rocktasche und betastete es mit den Fingern. Die Dunkelheit nahm immer mehr zu. Was war das? Stand da nicht eine dürre Gestalt? Nein, bloß ein herunter hängender Ast. Der Weg über den Mathisbühl führt nicht direkt über den Gipfel, sondern in einigem Abstand an selbigen vorbei. "Als ob es im Wald um diese Uhrzeit nicht schon unheimlich genug ist, da machen einem solche Geschichten nur unnötig Angst", murmelte ich um mir Mut zu machen. Mir fiel auf, dass es ungewöhnlich still war, keine Vögel, auch keine Fledermäuse waren zu sehen. Der Weg war noch relativ hell und ich versuchte nicht in den dunklen Wald rechts und links neben mir zu schauen. Doch was war das Weiße, was dort vorne flatterte? Raschelte es dort im Unterholz neben mir nicht? Alles nur Einbildung. Doch plötzlich ließ mich ein leises, dumpfes Trommeln zusammenzucken und mir beinahe einen Schrei entfahren. Aber so plötzlich wie es gekommen war, verschwand es nach einer kurzen Zeit wieder, stattdessen glaubte ich das leise Wimmern von Kindern vernehmen zu können. All diese Geräusche schienen von links, also aus Richtung des Gipfels zu kommen. Dann schien ein eigenartiges Rauschen die Luft zu erfüllen. Bildete ich es mir nur ein oder flackerte dort am Gipfel nicht auch ein Feuerchen? Der plötzliche Ruf eines Waldkauzes lies mich zusammenfahren und loslaufen. Ich rannte , rannte wie ein Wahnsinniger.

Ich weiß nicht, wie lange ich lief, ich hielt aber erst inne, als ich den Wald hinter mir hatte und im Tal vor mir das matte schimmern der Hausdächer wahrnahm und die Siluette des Kirchturms erblickte. "Gott sei dank, endlich in S.", jubelte ich innerlich. Ich legte mich in eine Wiese am Rande des Dorfes und schlief vor Erschöpfung sofort ein.

Die Sonne schien schon hell als ich aufwachte. Während ich mich streckte kamen musste ich an die Ereignisse der letzten Nacht denken und sie kamen mir nur wie ein schlechter Traum vor. Ich verfluchte das alte Weib, dass sie mir so eine Angst gemacht hatte und ich vor dem Ruf eines Kauzes geflohen war. Gegen die Mittagststunde hatte ich meine Geschäfte erledigt und machte mich auf den Rückweg. Wieder schritt ich über den Mathisbühl und dachte an mein feiges Verhalten als eine Gruppe Reiter an mir vorbei preschte und mich aus meinen Gedanken riss. Es waren einige Dragoner, die in Richtung S. ritten. Den weiteren legte ich schweigend zurück und wieder fiel mir auf, wie ruhig es hier am Mathisbühl war.

Als ich den Löwen erreichte war dort der gesamte Weiler versammelt, dazu die meisten Bauern der umliegenden Höfe und zahlreiche Dragoner, die scheinbar bereit waren, jeder Zeit los zu reiten. Die Frauen standen zusammen und trösteten einige weinende Frauen, die völlig aufgelöst waren. Die Männer schienen äußerst gereizt und waren mit Sensen und Knüppeln bewaffnet. Ich erkannte unter ihnen den Mann wider, der gestern dem alten Weib widersprochen hatte und frage ihn nach dem Grund des Versammelung.

" Man hat die verschwundenen Kinder am Mathisbühl gefunden. Alle hatten die Kehle durchschnitten. Der Amtmann hat angeordnet den Wald nach Zigeunern durchsuchen zulassen…" Ich wurde blass, mir vielen die Ereignisse der letzten Nacht ein. Ich merkte wie mein Gesprächspartner seltsam prüfend ansah. Da kam ein Junge gelaufen und rief: "Vater, kommt schnell die Kühe!" Erschrocken wie alle wandte ich mich zu ihm. Als ich mein Haupt wieder dem Bauern zuwenden wollte, war dieser verschwunden und statt seiner stand das alte Weib vor mir. Ich erschrak weil sie so plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht war. Sie sah mich mit einem eisigen Blick an und lächelte bösartig. Etwas schnürte meine Kehle zu und etwas bohrte sich glühend in meine Brust bohrte. Sofort griff ich in meine Rocktasche aber das kleine Messerchen war verschwunden. Ich sank zusammen. Ihr Blick war immer noch auf mich gerichtet während sie dumpf mit ihrem Stock auf den Boden trommelte…


Copyright 2022 by www.BookOla.de
Joomla templates by a4joomla