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Es ist schön in Friendly-Ville

© 2003 Payam

Norton Green fährt die Palmtreeroad hinab und lässt sich durch die offenen Fenster den warmen Wind ins Gesicht wehen. Ein schöner Samstag Nachmittag, denkt er bei sich, während er ein Lied von U2 mitsummt, dessen Text er nicht kennt. Keine Wolke am Himmel. Grenzenloses Blau. Die Luft erfüllt mit Rosenduft. In seinen Augenwinkeln rauschen die Gärten vorbei. Die frisch gestrichenen, weißen Gartenzäune verschmelzen zu unscharfen Streifen. Ein Rasenmäher ist von weitem zu hören. Er übertönt den tiefen Bass von Nortons neuem Pontiac und die sanfte Musik, die aus den Boxen entschlüpft. Ein kurzer Anflug von Wut überkommt ihn und verfliegt wieder, als wäre sie nie da gewesen.

Die gepflegten Gärten blühen in der Pracht der Farben. Rot, weiß und rosa sind diesen Sommer am meisten zu sehen. Die Rosenhecken sind zu penibel genauen Kugeln gestutzt, als ginge es um einen Wettbewerb.

Kinder spielen mit ihren Vätern auf dem Rasen Ball oder Fangen. Einige planschen mit ihren Eltern im Pool oder schauen den Erwachsenen beim Grillen zu. Ja, es riecht auch nach frischem gegrillten Fleisch. Herrlich. Norton läuft das Wasser im Munde zusammen. Auch er hat zwei süße kleine Kinder. Michael ist acht Jahre alt und Linda, die in ihrem neuen blauen Kleid so niedlich aussieht ist elf. Er liebt sie beide abgöttisch.

Norton setzt den Blinker und biegt nach rechts ab. Die Straße ist geschmückt mit Ahornbäumen, die den Spaziergängern kühlen Schatten spenden.

Wusch, wusch, wusch, tönt es in seinen Ohren, wenn er an den massigen Stämmen vorbeifährt. Er hält die linke Hand aus dem Fenster, um mehr dieser guten Luft ins Wageninnere zu leiten.

Ja, er mag dieses kleine Städtchen mit seinen achthundert Einwohnern. Man kennt sich. Alle sind eine Familie. Man grüßt sich.

»Hey, Martha«, strahlt Norton und hebt kurz seine Hand. Er fährt nicht schnell und schaut Martha in die Augen, als er sie passiert. Sie hat ein sexy Kleid an, das viel Bein zeigt, wie ihm auffällt.

Martha ihrerseits erwidert das Lächeln eher enthaltsam, hebt aber trotzdem flüchtig die Hand. Norton merkt, dass sie Mühe hat dem Blick standzuhalten. Ihre Augen richten sich eher auf seinen Kühlergrill und weiten sich. Dann war sie aus seinem Blickfeld verschwunden. Wahrscheinlich wird sie jetzt wieder ihre Marionettensammlung abstauben, denkt Norton.

Wieder setzt er den Blinker nach rechts und biegt in seine Zielstraße ein. Zweimal hebt er noch seine Hand um alte Bekannte zu grüßen. Auch sie zwingen sich zu einem fröhlichen Lächeln, bevor ihr Blick auf seinen Kühlergrill fällt. Ein Fetzen des Satzes: »Du hast dort –«, dringt durch seinen Gehörgang und geht unter in der Ferne.

»Ja, ja, ich weiß, verdammt«, zischt es aus zwischen seinen Zähnen. »Halt bloß die Klappe!« Es gelingt ihm trotzdem seinen Gesichtsausdruck zu wahren.

Endlich, denkt er, als er in Petes Tankstelle einbiegt. Norton dreht das Radio leise und fährt an den Zapfsäulen vorbei. Kein Betrieb heute. Die meisten verbringen ihren Tag wohl im Liegestuhl.

Als Norton an der spärlichen Waschstraße anhält, macht er den Wagen aus und steigt aus dem Fahrzeug. Nach wenigen Sekunden kommt Pete aus dem kleinen Kassenhäuschen und eilt herbei. Norton betrachtet abermals den blauen Himmel und lobt den Tag.

Pete benutzt seine Hand als Sonnenblende, als er auf Norton zugeht, der erwartungsvoll mit den Händen in den Hüften gestützt dasteht.

»Hey Pete«, sagt er.

Doch Pete erwidert den Gruß nicht. Er ist zu sehr abgelenkt vom Anblick des Kühlergrills.

»Herrgottverfluchmich! Was zum Teufel hast du denn umgefahren?«

Nortons Miene wird ernster. »Willst du mich nicht grüßen?«

Sofort nimmt Pete eine demütige Geste an und stammelt: »Tut mir Leid. Es ist nur –« Er bricht ab und ein unbehagliches Schweigen folgt. Die beiden Männer stehen sich gegenüber; der Eine kräftig, klein und auf den Boden schauend, der Andere groß, kräftig und mit einem abwegigen Blick. Der Große seufzt, als ob er dem Kleinen noch eine Chance geben will.

»Ich hab ein Reh angefahren«, sagte Norton schließlich und kann die Erleichterung in Petes Augen erkennen.

»Drüben auf der Landstraße, in der Nähe von dem alten Brunnen. War nichts mehr zu machen. Kam blitzschnell angelaufen und peng – zu spät. Ist allerdings noch in den Wald gehumpelt und dort höchstwahrscheinlich verreckt.«

Pete kniet sich vor den warmen Kühlergrill und der Geruch von modrigem Fleisch steigt ihm in die Nase, so dass sein Magen Purzelbäume schlägt. Es haben sich schon die ersten Fliegen versammelt. Sie kauern in den Rillen des Grills und saugen an den Fleischfetzen, die noch deutlich zu erkennen sind. Die Stoßstange hat ein leichte Beule und auch dort klebt überall Blut. Das meiste ist angetrocknet und fast schwarz.

Ein Schwindelgefühl überfällt Pete und er nimmt Abstand, während er sich gleichzeitig die Hand unter die Nase hält.

»Kannst du die Sauerei bitte wegmachen, Pete? Sei so gut!«

»Natürlich. Ich – ich hole nur den Hochdruckreiniger«, erwidert er, dreht sich um und schreitet zur Tat.

Während Pete sichtlich gequält mit Handschuhen, einem Schwamm und dem Hochdruckreiniger bewaffnet den Wagen säubert, steht Norton an der Wand des Kassenhäuschens und raucht eine Zigarette. Er hat die Augen geschlossen und genießt die Sonne, die seine Haut bräunt. Schön, denkt er.

Eine halbe Stunde später biegt er auf seine Hofeinfahrt ein. Auch sein Garten ist gepflegt. Seine Frau hat tolle Arbeit geleistet.

Er steigt aus und betrachtet den nun glänzenden schwarzen Lack des Wagens. Eine Runde um den Wagen, um festzustellen ob der gute alte Peter Stuart seine Sache auch fein gemacht hat. Ja, das hat er, stellt Norton fest und verzieht die Unterlippe zu einer Schaufel, während er zustimmend nickt.

Schließlich geht er zum Kofferraum und öffnet ihn mit der Fernbedienung des Schlüssels. Mit einem hörbaren Klicken fliegt er auf und Norton stellt sich finster dreinblickend davor.

»So, Michael. Komm da raus« sagt er mit einem gespielt pädagogischem Ton.

Michael reibt sich die Augen und wischt sich die restlichen Tränen weg. Er versucht aus dem geöffneten Kofferraum hinauszuklettern, doch als er sich mit seinem Arm abstützen will knickt dieser unter ihm ab. Ein Schluchzen entrinnt aus seiner Kehle.

»Komm ich helf dir, mein Kleiner.« Norton greift ihm unter die Achseln und hebt ihn vorsichtig auf die Asphalteinfahrt. »Tapferer Junge. Hast keinen Mucks von dir gegeben. Das ist sehr brav von dir.«

Michael torkelt einen Schritt nach hinten, bis er gegen den Kofferraum stößt. Wieder schluchzt er.

»Hör jetzt auf zu weinen. Es ist nun vorbei.«

Norton wartet geduldig bis sein Junge wieder anfängt ruhig zu atmen. Mr Brown, der Nachbar hat seine Heckenschere beiseite gelegt und schaut teils entsetzt, teils neugierig über den Gartenzaun. Norton hebt die Hand zum Gruß. Sichtlich irritiert tut es ihm Mr Brown gleich.

»Ganz schön heiß da drinnen, nicht wahr?«, fragt Norton, als er sich wieder seinem Sohn widmet.

»Ja, Dad«, antwortet Michael schüchtern und man merkt, dass er versucht die Balance in seiner Stimme zu wahren.

»Weißt du nun wie man sich bei Tisch benimmt? Nicht mehr mit dem Essen spielen. Das hast du doch verstanden, oder, Kleiner?«

»Ja, Dad.«

»Sehr schön. Das ist mein Junge.« Norton streichelt Michael durch sein völlig verschwitztes, braunes Haar.

»Dann öffne doch bitte die Garage für mich. Musst auch nur den Knopf drücken, weiter nichts.«

Michael gehorcht aufs Wort. Die Garage schwingt surrend auf und man kann den sorgfältig sortierten Werkzeugschrank erblicken. Nachdem Norton den Wagen in die Garage gefahren hat, betrachtet er den nicht unerheblichen Blutfleck in Höhe der Stoßstange an der Wand.

Norton schaltet das Licht an und schließt die Garagentür.

Verdammte Sauerei, denkt er.

Durch die Seitentür der Garage gelangt er ins Haus. Seine Laune hat sich gebessert und er fängt an zu summen.

»Hi, ich bin zuhause. Wo seid ihr?«

»Ihm Wohnzimmer«, tönt es aus dem Nachbarraum.

Linda, meine süßes Töchterchen.

Auf der Couch liegt Stella, seine Frau. Sie hat ihr linkes Bein auf die Armlehne gelegt. Es ist fast bis zum Oberschenkel bandagiert. Ein nasser Waschlappen liegt auf ihrer Stirn. Ihr Gesicht ist bleich und hat erregte rote Flecken. Ihr scheint es nicht besonders gut zu gehen.

»Geht es dir besser«, fragt Norton als er sich lächelnd neben sie setzt und zärtlich ihre Wange küsst.

»Ja«, antwortet Stella mit heiserer Stimme. »Aber vielleicht sollte ich doch besser zum Arzt gehen.«

»Aber warum, wenn es dir doch besser geht?« Norton legt die Stirn in Falten.

»Hi Daddy«, sagt eine entzückte fröhliche Stimme von rechts.

»Linda«, setzt Norton erfreut zurück, umarmt sie herzlichst und küsst ihre Nase. »Wie war deine Klassenarbeit?«

»Gut.« Linda wippt auf und ab, so dass ihre blonden Zöpfe, wie Flügel schlagen. »Ich war bestimmt die beste.«

»Das ist schön.« Norton dreht sich wieder zu Stella um.

»Hör zu«, sagt er. »Das mit dem Auto war vielleicht etwas hart, aber wie oft hab ich darum gebeten, Stella? Wie oft? Irgendwann musste es soweit kommen, nicht wahr?«

»Du hast recht. Es tut mir auch leid«, antwortet sie beklommen.

»Ich wusste du verstehst es, Schatz. Ruh dich aus. Ich werde dir noch eine Tablette holen.«

Norton deckt Stella mit einer dünnen Decke zu und geht in die Küche um ein Glas mit Wasser zu füllen. Als er das schmerzlindernde Mittel hinzugibt, fängt es an zu sprudeln. Norton mag das Geräusch. Er geht ins Wohnzimmer zurück und legt das Glas an Stellas Lippen, bis sie anfängt zu trinken. Sie seufzt. Bald wird es wirken. Ihr Bein wird wohl für immer gehandicapt sein. Eine wirkende Lektion.

Er setzt sich zufrieden in den Sessel und legt das Glas auf den Tisch vor ihm. So ein freier Tag ist schon ziemlich erholsam. Morgen muss er wieder ins Department. Schreibarbeiten erledigen. Dem Sheriff in den Arsch kriechen. Ziemlich unschön.

»Linda! Süße.«

»Ja?«

»Könntest du bitte die Schweinerei in der Garage wegwischen. Ich möchte nicht, dass es in der Wand vergammelt.«

Linda steht neben ihrem Vater und schweigt betroffen.

»Komm schon, Kleine. Tu mir den Gefallen.«

»Okay.«

Sie verschwindet und Michael wird vermutlich auf seinem Zimmer sein. Stella liegt ruhig auf der Couch und Norton genießt die Ruhe, das Wetter und den Geruch der Rosen. Es ist schön in Friendly-Ville.

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