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Die Schwingen des Schicksals

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 "Manchmal, manchmal, da fühle ich mich alleine..." sagte sie, als sie vor dem kleinen Lagerfeuer saßen.

"Warum? weil du nicht mehr in deiner Heimat lebst?" fragte er und hielt einen kleinen Ast mit Fleisch darauf über die Flammen.

"Nein, das ist es nicht. Ich vermisse niemanden aus dem Dorf, in dem man mich verbrennen wollte, ich habe keine Familie, niemanden mehr..." sie blickte zu Boden, dabei fiel ihr das lange Haar ins Gesicht.

"Es ist das, was man Liebe nennt, dass du vermisst?" fragte er weiter und stopfte sich das Fleisch samt Ast ins Maul.

"Conar? Warum gibt es keine Männer, die solch Geschöpfe sind, wie ich? Fragte sie und blickte weit hinauf, in seine großen, dunklen, beruhigenden Augen.

Zwischen seinen gewaltigen Zähnen zerbrach der Ast wie ein Streichholz, er leckte sich die riesige Pranke und blickte zurück, in ihre kleinen Augen, die noch einen Hauch von Menschlichkeit in sich bargen. Diese Augen, die ihn vor vielen Monaten am Wegrand angestarrt hatten, und fragen wollten: Träume ich, oder bist du Wirklichkeit? In diese Augen, in die er sich verliebt hatte, die er küssen wollte, weil sie so schön waren. Denn das Wesen, dass zu diesen sagenhaften Augen gehörte, war eine wunderhübsche, zierliche Elfe, aber er nur ein gewaltiger, alter, hässlicher Drache.

"Die Legende sagt, meine Liebe, dass es sie einmal gegeben hat, die Zauberer, die zu den graziösen Elfen gehörten. Doch ich habe schon sehr lange nicht mehr gehört, dass sie gesehen wurden." Er brach einen neuen Ast von einem Baum und steckte ein neues Stück Fleisch darauf.

"Vielleicht verstecken sie sich nur.... Vielleicht mussten sie das gleiche traurige Schicksal erleiden, wie ich es musste?"

"Meine Liebe, Kleines, das denke ich nicht. So wie Frau und Mann unterschiedlich sind, so ist auch die Entstehung von Elfe und Zauberer eine Andere. Und nicht jeder Zauberer ist wirklich auch einer. Das ist ein Märchen, dass die Menschen ihren Kindern erzählen, damit sie Angst vor ihnen bekommen. Aber glaube mir, ich hörte schon von vielen Zauberern, aber so gut wie keiner beherrschte die Kunst der Magie." Das Fleisch war durch die enorme Hitze des Feuers bereits durchgebraten. Er hielt ihr den Ast hin. Sie nahm schnell das Fleisch von der Spitze und warf es von einer Hand in die andere um sich nicht zu verbrennen. Conar betrachtete den leeren Ast, als wüsste er nicht recht, was er jetzt damit anfangen sollte. Kurzer Hand schob er ihn ins ein Maul und kaute genüsslich darauf herum.

"Und wie entstehen Zauberer?" sie ließ das Stück Fleisch auf eine Tierhaut fallen, streckte ihre feuerroten Hände Conar entgegen und sah ihn mit einem antwortsuchenden Blick an. Der riesige Drache bückte sich herunter zu ihr und pustete über die Hände. Es war kühl und angenehm. Das Feuer eines Drachen war heiß, doch sein Atem war so kühl, wie ein lauer Herbstwind.

"Das kann ich dir auch nicht sagen. Uns Drachen ist es nur vorbestimmt Elfen zu erschaffen, aber keine Zauberer." Aber ich kenne jemanden, den wir fragen könnten." Er blickte flehend auf das Fleisch, das immer noch auf der Tierhaut auf dem Boden lag.

"Deinen Hunger kann man wohl auch niemals stillen..." sie lächelte, nahm das Fleisch und biss zwei mal ab. Dann reichte sie es Conar. Dieser verschlang es in einem Happs, er machte sich nicht einmal die Mühe es zu kauen.

Sie gingen über eine endlose Wiese. Weit und breit keine Menschenseele. Denn diese waren in diesem Tal nicht willkommen. Sie fürchteten sich, vor dem, was hinter den Bergen sich befand. Doch war dieses "Dahinter" das Paradies für die Geschöpfe, die dort lebten. Es waren hauptsächlich Drachen, einige Elfen, so wie sie eine war, hatte sie ebenfalls schon kennen gelernt. Sie hatte von Zwergen und Einhörnern gehört, aber noch nie welche gesehen. Doch als Conar ihr erzählte, dass es so etwas wie Harpyien geben sollte, stockte ihr der Atem. Harpyien, das waren Monster, hauptsächlich weiblich. Man sagt, wenn ein junges Mädchen sich unverheiratet einem Mann hingibt, käme eine Harpyie und würde ihr die Augen aushacken, damit jeder ihr unsittliches Verhalten sehen konnte. Am liebsten würden sie uneheliche Kinder fressen und die Männer die dem Alkohol verfallen sind, sollen ihre willenlose Sklaven sein. Und eine solche war in der Lage einen Zauberer zu erschaffen? Unmöglich. In ihren Gedanken versunken war sie stehen geblieben. Sie blickte Conar an und ließ sich rücklings ins Gras fallen: "Ich kann nicht mehr laufen. Ist es noch weit?"

"Wir müssen bis in die Sümpfe, Kleines." Damit deutete er auf den Horizont, an dem sich endloses Grün erstreckte. Sie schnaufte tief und blickte zum Himmel. "Also gut, spring auf...." sie kletterte auf seinen Rücken und er breitete seine gewaltigen Schwingen aus und erhob sich in die Lüfte.

"Iihh, wie kann man in so einem Matsch nur leben?" fragte sie und zog einen Fuß nach dem anderen, Schritt für Schritt, aus dem klebrigen Morast. Bis sie ausrutschte und der Länge nach in eine Pfütze klatschte. "Muss das denn sein? Müssen wir hier wirklich durch?" sie rappelte sich auf die Knie und versuchte sich den Schlamm aus dem Gesicht zu wischen.

"Du hattest doch das Verlangen einen Zauberer zu finden, also beschwer dich nicht." Antwortete er launisch, denn er hatte ebenfalls sichtlich Probleme durch den Morast zu waten. Sie kletterte auf seinen Schwanz und ließ sich tragen. Sie hatte keine Lust und Kraft mehr um durch den tiefen Schlamm zu rutschen. "Und außerdem," prustete sie, "außerdem, woher willst du denn wissen, wo wir diese Harpyie finden werden?"

"Nicht wir werden sie finden, sondern sie uns. Da ist ein Unterschied, Kleines. Sie wird uns finden, wenn sie es will."

"Das ist ja doof. Woher soll sie denn wissen, dass wir etwas von ihr wollen?" sie kletterte wieder von Conars Schwanz und rannte mit Mühe an ihm vorbei, um sich vor ihm aufzubauen und von unten herauf in die Augen zu schauen.

"Was denkst du, warum eine Harpyie so junges, hübsches und saftiges Fleisch wie dich findet?" schmunzelte er.

"Ich finde das nicht komisch. Du machst mir Angst. Warum wird sie uns finden?" dabei drehte sie sich nach vorne um weiter zu laufen. Aber dazu kam sie nicht, Sie stand Auge in Auge mit der Harpyie, die einen gurgelnden Laut ausstieß und krächzte: "Ich werde dich finden um dich zu fressen!" Einen Moment lang war still, und sie starrte nur in die weit aufgerissenen Augen der Harpyie. Sie war der Ohnmacht nahe.

"Harpyie, erschreck sie nicht so!" lachte Conar. Die Harpyie erhob sich mühelos aus dem Morast und flog gewandt zu Comars Kopf um ihn eine leichten Kuss auf die Schnauze zu geben. "Willkommen in meiner Heimat, Conar" sagte sie mit der süßen Stimme eines Kindes. Die kleine Elfe war verwirrt. Sie stand gerade dem Tod gegenüber, und Conar lachte nur darüber. Innerlich tobte sie vor Wut. Die Harpyie, so hässlich und "kantig" wie sie noch nie ein Wesen gesehen hatte, in einem solchen Dreck von Sumpf. Selbst sie war als Hexe nicht so hässlich gewesen. Sie hatte sich diese Wesen immer anders vorgestellt, wahrscheinlich, weil ihre Eltern ihr die Märchen immer erzählt hatten. Diese wahren wirklich Märchen, denn jeder Mann würde bei dem Anblick dieser Geschöpfe schwach werden. Sie war zwar nicht das Monster wie sie immer beschrieben wurde, doch ausgesprochen unansehnlich. Aber vielleicht war es auch gut, dass die Menschen sie als Monster in ihren Gedanken trugen, denn dann machten sie sich nicht weiter Gedanken darüber.

"Harpyie, wir möchten an deiner Weißheit teilhaben." sülzte Conar "Nicht wahr, Kleines?" Die Harpyie schnellte zurück auf den Boden und umflog sie. "So, du möchtest also einen Zauberer für dich. Reicht dir Conar nicht als Gefährte?"

"Doch, schon, aber..." stammelte sie.

"Ich kann euch sagen, wie ihr zu eurem Zauberer kommt, aber dazu müssen wir erst jemanden finden, der es auch wert ist, ein Zauberer zu sein. Und ich weiß auch schon, wo wir dafür hin müssen."

"Hauptsache wir kommen aus diesem stinkenden Sumpf raus." Sie kletterte auf Conars Rücken und sie flogen durch den Nebel davon. Die Harpyie folgte ihnen.

Die Harpyie führte sie in einen Wald. Einen dunklen Wald. Obwohl die Sonne durch die Baumkronen schien, war es dunkel, als wäre es Nacht. Doch nicht nur das war anders, als in anderen Wäldern. Die Bäume, die Blätter, das Gras... alles schien in einen dunklen Blau-Ton zu schimmern. Das wenige Gras, das auf dem Waldboden wuchs, glitzerte wie Eisblumen. Es roch wie nach einem warmen Sommerregen. Sie hörten Tierstimmen, die so unwirklich klangen und doch so vertraut. Sie machte sich Gedanken darüber, wer... oder besser was in diesem Wald wohl wohnen mochte. Aber hier zu leben war auf jeden Fall besser als in diesem Moor, wie es die Harpyie tat. Als hätte diese ihre Gedanken gelesen sah sie mit einem bösen Blick zu ihr hinüber. Es war kühl, und sie fror. Als sie Rast gemacht hatten, wollte sie ein Feuer machen, um sich etwas aufzuwärmen. Doch plötzlich wurde es so kalt, dass der Funke ihres Feuersteins förmlich einfror.

"Oh, kleines, närrisches Elflein." Sprach die Harpyie. "Du dachtest doch nicht wirklich, dass es dir gestattet ist, hier ein Feuer zu machen? Der Wald wird es zu verhindern wissen um seine Bewohner zu schützen. Denn ohne ihn würden sie nicht überleben können. In keinem anderen Wald auf der ganzen einsamen Welt. Denn wenn er abbrennen würde, wäre er der letzte gewesen, der die wunderschönsten Geschöpfe von allen beherbergt."

"Schönere als du auf jeden Fall." dachte sie, wollte die Harpyie aber nicht beleidigen.

"Damals, als wir noch jung waren, da waren wir oft hier, nicht wahr, Harpyie?" sprach Conar in einem etwas abwesenden Ton.

"oh, ja. Wir hatten viel Spaß. So behütet wie wir Beide, sind sehr wenige aufgewachsen." Lächelte sie.

"Denkst du, es gibt ihn noch, den kleinen Teich auf der Lichtung?" fragte sie eifernd wie ein Kind und erhob sich um davon zu fliegen.

Conar sah sie an und flüsterte: "Wundere dich nicht, kleines. Dieser Ort weckt wieder Lebensgefühl in ihr."

"Kennt ihr euch schon lange."

"Eine halbe Ewigkeit bereits."

Sie überlegte wie lange eine halbe Ewigkeit wohl sein mochte. "Wie lange ist das?" fragte sie.

"Kleines, ich bin 375 Jahre alt. Und als ich zur Welt kam, wohnte sie mit ihrer Familie bereits in diesem Wald."

Dafür, dass sie vielleicht schon beinahe 400 Jahre alt war, sah sie noch viel schöner aus, als ohnehin schon. Sie fragte sich, wie sie wohl aussehen würde, sollt sie so alt werden. Sie sah Conar fragend an.

"Das liegt allerdings nur daran, dass sie fast ihr ganzes bisheriges Leben in diesen Wäldern verbracht hat. Was hier wohnt und lebt, wird nicht älter. Es bleibt für ewig jung. Die Bäume hier sind Tausende von Jahren alt und sie überragen mich. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass sonst nie ein Baum größer ist als ich? Und sie behüten ihr Geheimnis der Jugend gut, sehr gut."

Sie erreichten eine kleine Lichtung mit einem Teich. Die Harpyie stand bereits bis zu den Knien im glasklaren Wasser, pudelnass. Sie kam ans Ufer gewatet. Conar senkte seinen Kopf und nahm einen kräftigen Schluck aus dem See. Das Wasser tropfte von seinem Kinnfell und er schloss die Augen und genoss den Geschmack des klaren Wassers. Dann sah er auf und sprach: "Da ist sie, Kleines. Da ist sie, deine Antwort."

Sie sah auf das andere Ufer und auch die Harpyie drehte sich um. Auf der anderen Seite des Teichs stand ein Pferd, ein weißes Pferd. Wunderschön und makellos. Es trank ebenfalls von dem Wasser und zeigte keine Scheu. Als sie genau hinsah bemerkte sie das Horn, welches das Pferd auf seiner Stirn trug. Das Einhorn war das genaue Gegenteil der Harpyie. Sie spürte das Verlangen, das Einhorn zu berühren. Aber wie konnte ihr ein Einhorn sagen, wo sie einen Zauberer finden würde? Die Harpyie erhob sich und flog langsam auf das Einhorn zu, welches zu ihnen ans andere Ufer gelaufen kam.

"Was müssen wir tun?" fragte Conar.

"Ich werde sie nach eurem Begehren fragen." Sagte die Harpyie, streichelte dem Einhorn über die Nüstern und flüsterte zu ihm. Das Einhorn schnaubte und rollte mit den Augen. Es trat unruhig von einem Bein auf das andere. Es sah die Elfe an und kam näher. "Komm mit mir, Elfe. Ich möchte die etwas zeigen." sprach es, ohne die anderen zu beachten. Sie schwang sich auf seinen Rücken und das Einhorn galoppierte los. Es verließ den Wald.

Conar sah die Harpyie verwundert an. "Hast du schon einmal ein Einhorn diesen Wald verlassen sehen?" fragte er verwundert.

"Es ist eine Zeit angebrochen, in der nichts mehr so ist, wie es einmal war. Warum hast du sie überhaupt zu mir gebracht? Du wirst sie verlieren, ist dir das klar? Sie wird einen Zauberer finden, mit ihm glücklich werden und dich vergessen. Hörst du? Sie wird vergessen, dass es überhaupt Drachen gibt. Sie werden von hier fortgehen und du wirst wieder alleine sein! Wie lange hast du jemanden gesucht, den du zu deinem Gefährten machen konntest... wie lange?" sie schrie beinahe hysterisch.

"Sie möchte ganz einfach jemanden ihresgleichen bei sich haben... Ich wollte nur, dass sie glücklich ist." flüsterte Conar etwas verstohlen vor sich hin.

"Aber warum lässt du es zu, dass sie dich vergessen wird? Warum?" Sie fürchtete die Antwort, die sie bereits in Conars Augen sehen konnte. Und verfluchte den Tag, an dem sie als Harpyie das Licht der Welt erblickte und nicht als Drache....

"...weil.... weil ich sie liebe. Ich wusste das schon, als ich sie damals den Weg entlang kommen sah. In Lumpen gehüllt, das erschreckende, grausame Gesicht einer Hexe und doch das Herz einer Elfe. Selbst da liebte ich sie schon. Deswegen habe ich sie zu dem gemacht, was sie jetzt ist. Aber vielleicht erwidert sie meine Liebe nicht. Also warum sollte ich sie an mich fesseln? Erst wenn sie glücklich ist, dann bin ich es auch." Ihm standen Tränen in den Augen, dicke, schwere Tränen.

"Dann können wir nur hoffen, dass das Einhorn das Richtige tut und ihr das zeigt, was sie sucht." auch sie hatte Tränen in den Augen, denn sie liebte Conar. Sie wusste schon immer, dass ein Drache und eine Harpyie niemals eine gemeinsame Zukunft haben würden. Aber diese Elfe war dabei ihm das Herz zu brechen. Und das stimmte sie traurig, tieftraurig. Ihre Tränen fielen zu Boden und vermengten sich mit dem blauen, weichen Moos des Waldes, welches bereits von Conars Tränen tropisch feucht wirkte. Conar setzte sich und nahm eine Kralle Moos um sich damit die Augen und die Schnauze abzuwischen. Als er aber dieses Moos mit seinen und der Harpyie den vereinigten Tränen an seinen Augen spürte, geschah etwas mit ihm.....

Das Einhorn und die Elfe erklommen eine steinige Ebene. Sie passierten Bauten von wohl willkürlich aufeinander gestellten Steinen und Ruinen, die so schienen als wären sie einst Häuser gewesen. Sie hielten an einer Reihe von Steinen, die im Kreis errichtet worden waren. Auf dem Boden in diesem Kreis waren seltsame Gebilde in den zu Stein gewordenen Lehm geritzt. Sie erkannte einige Sternbilder darin und wiederum einiges kam ihr völlig fremd vor.

"Hier lebten die Zauberer, die du suchst, früher. Sie lebten zusammen, in Einklang mit den Elfen. Bis sie eines Tages verschwanden. Die Elfen lebten weiter, meist zusammen in Begleitung ihrer Erschaffer, den Drachen. Doch Zauberer, gibt es seit langen Zeiten nicht mehr."

"Wo sind sie hin gegangen?" fragte sie traurig.

"Du verstehst mich nicht, Elfe. Sie sind nicht fort gegangen, sie sind verschwunden... Es gibt keine Zauberer mehr." das Einhorn konnte sichtlich die Enttäuschung im Gesicht der Elfe sehen. "Doch sag mir, wozu brauchst du einen Zauberer?"

"Ich hörte, dass sie.... nun ja.... das Gegenstück zu uns Elfen sein sollen."

"Daraus schließe ich, dass du nicht glücklich bist?"

"Doch, das bin ich... aber..."

"Aber? Du stellst deinen Erschaffer in den Schatten, nur weil du etwas begehrst, das du nicht kennst?"

Plötzlich wurde ihr klar, was sie gerade im Begriff war zu tun. Sie erinnerte sich daran, was sie gefühlt hatte, als sie Conar zum ersten Mal gesehen hatte, als er sie erschuf. Angst und Hass. Aber er hatte ihr diese Gefühle genommen und war all die Jahre ein guter Gefährte gewesen. Wollte sie denn überhaupt etwas anderes? Wollte sie ihr jetziges Leben gegen etwas unbekanntes eintauschen? Niemand in ihrem ganzen Leben hatte sie je so respektiert wie Conar. Er war für sie Vater, Bruder und Mann gewesen. Sie hatten vieles miteinander erlebt, gutes, wie schlechtes. Wollte sie diesen Freund verlieren, den sie über alles.... liebte.....? Ihr wurde schwindelig vor lauter denken.

"Oberhalb dieser Ruinen gibt es einen Tempel, der beinahe vollständig erhalten ist. Nutze dies als zu Hause und baue diese Stadt wieder auf. Der Zauberer, den du so begehrst, wird dir dabei helfen. Und vielleicht, vielleicht schafft ihr es eines Tages, aus diese trostlose Ebene wieder ein blühendes Reich zu schaffen, in dem Zauberer und Elfen wieder in Einklang leben." Sprach das Einhorn und lief langsam davon.

"Ich habe nachgedacht....ich verzichte darauf. Meine Freunde, der Drache und die Harpyie sind mir wichtiger..." rief sie ihm hinterher.

Es drehte sich noch einmal um und der Wind spielte mit seiner Mähne. "Du hast die Schwingen des Schicksals herausgefordert, es hat dich hier her geführt. Wer sagt, dass du dich um entscheiden, und zurück kannst?" mit diesen Worten verschwand es im Nebel, der langsam über die Ebene kroch. Plötzlich stand sie wieder vor dem Nichts. Sie war wieder alleine, so wie sie es war, bevor sie Conar begegnete. Und das stimmte sie traurig. Sie sah in den Nebel in die Richtung in welcher der Wald liegen musste, in dem sie ihn zurück gelassen hatte. "Ich liebe dich Conar. Es tut mir leid, dass ich das nicht schon früher erkannt habe." Flüsterte sie in den Wind. Dann verließ sie die heilige Stätte und begab sich zu dem Tempel von dem das Einhorn gesprochen hatte. Sie spürte die Energie, die von dem gewaltigen Bauwerk ausging. Sie wanderte durch die Hallen auf der Suche nach etwas, dass ihr halt geben würde und Kraft, die Zeit zu überstehen. Durch die winzigen Fenster fiel wenig Licht. Es war still. Kein Vogel sang. Alles war so trostlos und dunkel. Alles was man vernehmen konnte waren ihre Schritte auf dem kalten Steinboden. Das Pfeifen des Windes war verstummt. Nun gut, wenn das ihr Schicksal war, dann musste sie es mit Würde tragen. Sie zündete einige Kerzen an, die sie in einer Truhe in der Eingangshalle gefunden hatte und erhellte damit den Raum. Das Chaos dass sich ihr bot, war unbeschreiblich. Wer auch immer zu letzt noch hier gewohnt haben mag, er musste diesen Tempel in Eile verlassen haben. Bei diesem Anblick konnte sie sich nicht mehr zusammenreißen. Sie sank auf die Knie und brach in Tränen aus. Sie sprang auf und rannte in Richtung des großen Tores, durch das sie gekommen war. Sie wollte raus. Ihr Schicksal war nur sie alleine. Wenn sie gehen wollte, dann würde sie auch gehen. Irgendwie würde sie Conar und die Harpyie schon finden. Sie stemmte die Arme nach vorne und stieß im Laufen das Tor auf. Als das grelle Sonnenlicht ihr ins Gesicht schien blieb sie stehen um zu warten dass sie etwas mehr sehen würde. Eben, als sie den Tempel betrat, hing noch dichter Nebel über der Ebene, doch jetzt, dort wo der Nebel sich bereits auflöste, schien die Sonne kräftig und warm auf die Erde. Langsam ging sie wieder voran. Ihr war, als würde sie aus dem Nebel, der sich noch ins Tal erstreckte Stimmen hören, bekannte Stimmen. Nun konnte sie auch schon Umrisse erkennen...aber das konnte nicht sein... aus dem Nebel trat die Harpyie hervor, mit ihr eine Gestalt, in etwa ihrer Größe. Aber wo war Conar? Sie erkannte in der Gestalt einen Mann. Seine Gesichtszüge ähnelten wie verzaubert denen Conars.

"Nun Kleines, jetzt hast du deinen Zauberer...." flüsterte der Mann und es war... Conars Stimme....

Auf der Wiese vor dem Tempel standen sich zwei Wesen gegenüber, halb Mensch, halb Märchengestalt. Die Sonne schien auf sie herunter und zeichnete zwei Schatten ins Gras. Den einer Elfe und den eines Drachen.......

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