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Eden

© 2005 by Stephan Pamp

Der fadenscheinige Vorhang vor dem Fenster hält das Licht nicht wirklich draußen, und es sticht mir in die Augen, selbst, wenn ich sie geschlossen halte. Mein erster Blick an diesem Morgen fällt auf die halb leere Flasche Johnny, die neben meinem durchgelegenen Bett steht und ich spiele mit dem Gedanken, diesen ekelhaften Geschmack in meinem Mund mit einem kräftigen Schluck hinunter zu spülen. Das Einzige, was mich davon abhält, sind die bohrenden Schmerzen in meinem Kopf, als ich mich erheben will. Während ich mich vorsichtig wieder ins Kissen sinken lasse, bemerke ich eine Bewegung an meiner Seite. Neben mir liegt eine Brünette, die sich genüsslich unter dem dünnen Laken räkelt. Ich betrachte sie eine Weile, ihre vollen Brüste, die roten Äderchen, die sich unter ihrem Gesicht abzeichnen, und denke mir, dass sie gestern abend in der Hotelbar irgendwie besser ausgesehen hat, frischer, nicht so verbraucht. Lag wahrscheinlich an dem düsteren Licht.

Während ich mich zu ihr rüberbeuge, um sie wachzurütteln, fällt mir der saure Geruch auf, nach Schweiß und anderen Ausdünstungen. Als sie den Eindruck auf mich erweckt, im Aufwachen begriffen zu sein, greife ich zum Nachttisch, schüttle eine Davidoff aus ihrer Packung, zünde sie an und sehe dem Rauch zu, der von dem sich träge drehendem Deckenventilator im Raum verteilt wird.

"Morgen," sagt sie mit einem süffisanten Lächeln, "ich bekomm` noch`n Fuffie von dir, Süßer.". Also wühle ich mich aus dem zerschlissenen Laken und hole meinen Geldbeutel aus imitiertem Leder aus meiner Diesel-Jeans. Als ich ihn öffne, lächelt mich das Gesicht meiner Ex von dem Foto an, das wir damals auf dem Jahrmarkt geschossen haben. Wie lange ist das her? Zwei Jahre? Drei? Wen interessiert es? Ich fische ein paar Scheine heraus und werfe sie der Nutte hin. Wie hieß sie noch gleich? ´Nenn mich René`. Der Name ist wahrscheinlich genau so echt wie ihre Titten.

"Da hast du. Wie sieht`s aus mit Frühstück?"

"Ach ne, lass man gut sein. Ich muss erst mal nach Hause und mich frisch machen." Schneller, als ich `Mach`s gut` sagen kann, hat sie sich in ihre Klamotten geschmissen und ist verschwunden. Ich stehe mitten im Zimmer und starre die Tür an, während ich überlege, was ich jetzt machen soll. Schließlich siegen die Ansprüche meiner Nase, der die Ausdünstungen meines Körpers nicht so recht zu gefallen scheinen und ich gehe duschen. Während ich mir unter der Brause einen runterhole, denke ich, dass das hier eigentlich besser ist als der Sex letzte Nacht. Mehr Spaß macht es auf alle Fälle. Anschließend schlüpfe ich in meine Feinripp-Schiesser und nehme doch noch einen tiefen Schluck aus der Pulle, lege mich ein wenig hin und rauche noch eine. Vorhin musste ich erst mal auf die billigen Stickereien auf dem Handtuch schauen, um überhaupt zu wissen, wie das Loch überhaupt heißt, in dem ich hier abgestiegen bin. Soweit ist es schon. Ich habe erst vorgestern eingecheckt, aber ich fühle mich, als wäre ich schon eine halbe Ewigkeit hier. Aber warum auch nicht? Ist doch immer die gleiche Kaschemme, immer die gleichen Leute. Was macht schon der Name aus, oder das es nicht immer der selbe Ort ist? Egal, wo ich hinkomme, es erwartet mich schon, lauert. Aber wenigstens ist es vertraut, irgendwie tröstlich.

Ich spüle drei Aspirin mit einem weiteren Schluck Johnny runter, draußen rumpelt ein Zug vorbei und ich fühle mich eigentlich ganz gut, wenn man einmal von den Kopfschmerzen absieht. Ich geh ins Bad, pinkeln, rasieren, Zähne putzen, das allmorgendliche Ritual. In der Glotze, deren Stromkreislauf ich mit einem Stück Alupapier überbrückt habe, um die Gebühren zu sparen, laufen die Nachrichten. Das gleiche wie immer. Steuererhöhungen, Gemetzel im Irak, Krieg in einem Land, dessen Namen ich nicht mal aussprechen kann, und irgendein besoffener Promi, der seiner sechzehnjährigen Freundin während einer Party in den Ausschnitt gekotzt hat. Danach kommt Homeshopping.

"Kauft die unglaubliche Dampfente", schreit mich da so ein Typ in einem grellgelben Dreiteiler an. "Alles blitzeblank ohne scharfe Reinigungsmittel. Sie werden sie liiieeeben!!!" Schon klar.

Inzwischen bin ich trocken, darum ziehe ich mir meine Jeans an, dann mein weißes BOSS- Hemd aus dem Sonderverkauf und binde mir die dunkelrote Seidenkrawatte um, die ich bei Ebay im Dreierpack von einem Typen gekauft habe, der sich ´El Bronco` genannt hat. Die Haare noch schnell gekämmt, grinse ich mein Spiegelbild an. Eigentlich nicht schlecht. Aber auch nicht besonders toll.

Zwischen dem Überstreifen meiner schwarzen Baumwoll-Halbstrümpfe und den braunen Wildlederschuhen von Camel rauche ich noch eine Zigarette. Ein Frühstück wäre jetzt echt nicht schlecht. Ein Kaffee und ein paar frische Brötchen. Oder vielleicht Toast. Egal. Irgendwas.

Ein Gedanke geht mir durch den Kopf, ´Gott, was, zum Teufel, mach`ich eigentlich hier?`, aber schon ist er wieder weg und ich greife meinen Musterkoffer und gehe zur Tür. Ich muss heute noch meinen Zug erwischen.

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