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Jo Walton
Die Stunde der Rotkehlchen
Inspector Carmichael | Band 1
Rezension © 2018 by Martin Wagner für BookOla.de
die stunde der rotkehlchen
Inspector Carmichael | Band 1
Reihe: Kleine Veränderungen
Verlag: Golkonda Verlag
Publikationsjahr: 2017
Titelbild/Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München
Umfang: 289 Seiten
Bindung: Hardcover
ISBN-13: 978-3-946503-13-2
€ 19,90
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Kurzbeschreibung
1941 war Sir James Thirkie ein Held, der den »ehrenwerten Frieden« Englands mit Hitler aushandelte. Acht Jahre später wird er tot auf dem Landsitz von Lord und Lady Farthing aufgefunden, auf der blutroten Brust einen Davidstern aus gelbem Stoff , in dem ein Dolch steckt. Ein Schock für die einflussreiche Wochenendgesellschaft aus Freunden und politischen Weggefährten! Für Inspector Carmichael von Scotland Yard ist es nicht leicht, das Netz von Lügen, falschen Fährten und Heimlichkeiten zu durchschauen, in dem nichts so ist, wie es scheint, und eines nicht zum anderen passt. Aber auch er hat etwas zu verbergen. Die Ermittlungen in Adelskreisen und unter Politikern fordern ungewohnte Rücksichtnahme - und dann gibt es noch einen weiteren Toten … Die Stunde der Rotkehlchen verbindet einen alternativen Geschichtsverlauf im Stil von Robert Harris’ Vaterland mit der spielerischen Leichtigkeit eines Krimis von Agatha Christie, politische Brisanz mit souveränem Nervenkitzel.

 

Meine Meinung:

Als Geschichtslehrer beschäftigt man sich hin und wieder nicht mit historischen Fakten, sondern mit dem, was hätte sein können, wenn eine bestimmte Sache eingetreten oder eben nicht eingetreten wäre. Sobald man diese Frage beantwortet, begibt man sich auf das Feld der kontrafaktischen Geschichte. Das heißt nicht, dass man nicht mehr mit Quellen oder gar historisch arbeitet, es heißt schlicht, dass man die vorhandenen Daten nimmt und Hypothesen über einen alternativen Verlauf der Geschichte aufstellt. Am besten funktioniert so etwas in Büchern, aber auch Serien und Filme können eine solche Geschichte gut transportieren.

Jo Walton, die so ziemlich jeden wichtigen Preis der Sciencefiction- und Fantasy-Branche bereits gewonnen hat, hat sich für ihre Trilogie Kleine Veränderungen auch für kontrafaktische Geschichte entschieden und eine recht beliebte Epoche für ihren Krimi „Die Stunde der Rotkehlchen“ ausgesucht. Ihr Roman spielt im Jahr 1949 in einem England, welches 1941 einen Frieden mit Hitler geschlossen hat und damit den Lauf der Geschichte verändert hat. Während England sich mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt, hat Hitler ganz Europa erobert und kämpft im Osten gegen Russland einen erbarmungslosen Krieg.

Um den Krieg und um Deutschland geht es in dem Buch aber nur am Rande, der Fokus liegt auf zwei Erzählsträngen, die eine Geschichte aus zwei Blickwinkeln abwechselnd erzählen. Die Ich-Erzählerin, die quasi rückblickend über die Ereignisse berichtet, ist Lucy Kahn, die Tochter von Lord und Lady Farthing. Diese hat aus Liebe einen jüdischen Bankier geheiratet und damit nicht nur ihre Chance in Adelskreisen weiterhin anerkannt zu werden sondern auch beim normalen Volk verspielt. Auch ihre Eltern waren und sind alles andere als glücklich, war es doch ihr politischer Kreis, der den Frieden mit Hitler zustande gebracht hat. Genau die Mitglieder des sogenannten Farthing-Kreises und Lucy samt Ehemann treffen sich an einem Wochenende auf dem Landsitz der Farthings. Dort geschieht das undenkbare, der Held der Friedensverhandlung Sir James Thirkie, ein Stern am politischen Himmel, wird ermordet und eine gelber Judenstern findet sich an seiner Leiche. Kann Lucy ihren Mann beschützen und kommt sie dem wahren Täter auf die Spur?
Zu vieles deutet auf David Kahn, Lucys Gatten, hin und wäre der eingesetzte Inspector Peter Anthony Carmichael, die Hauptperson des zweiten Erzählstrangs, diesmal in der dritten Person, nicht neugierig und würde er Gerechtigkeit nicht als wichtigste Tugend ansehen, wäre der Fall wohl sehr schnell zu den Akten gelegt worden und David Kahn nach wenigen Stunden im Gefängnis gelandet. Durch Hartnäckigkeit arbeitet sich Inspector Carmichael aber durch das Netz aus Lügen und falschen Fährten und kommt den wahren Tätern auf die Spur.
Da sich alles in hohen politischen Kreisen abspielt und mehr auf dem Spiel steht, als es auf den ersten Blick scheint, ist das Ende lange offen, der Täter lange unbekannt und doch gibt es weitere Opfer dieser Scharade, eines davon ist das britische Volk.

Der erste Band der Reihe ist immer der, der am meisten leisten muss, um den Leser zu binden. Mich hat das Buch sofort gefesselt. Ich bin großer Fan der Bücher „Vaterland“ und „Das Orakel vom Berge“ und wollte das Buch in dem Moment lesen, in dem ich es gesehen hatte. Schreibstil, Spannungsbogen und der historische Hintergrund, konnten mich dann auch während der Lektüre davon überzeugen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Gerade der Wechsel zwischen der Ich-Erzählerin Lucy und den Beschreibungen Carmichaels und seinen Ermittlungen in der dritten Person sind wirklich gelungen und geben einem das Gefühl zwei Blickwinkel zu erleben. Dabei kann man jederzeit mit den beiden Erzählerfiguren und den Protagonisten mitfühlen beziehungsweise die Antagonisten hassen. Ich gebe ehrlich zu, dass ich am Ende des Buches total sauer auf die Antagonisten war und ich hoffe sehr, dass die nächsten zwei Bände diese Wut irgendwie lösen, wobei ich das Gefühl habe, dass dies wohl eher nicht passieren wird.

Fazit:

„Die Stunde der Rotkehlchen“ ist der perfekte Einstieg in das England, welches Frieden mit Hitler geschlossen hat. Zwei sich perfekt ergänzende Erzählstränge, viel Spannung, tolle Protagonisten und Antagonisten, Geheimnisse und sehr viel Fingerspitzengefühl, wenn es darum geht, den Leser wütend werden zu lassen. Jo Walton hat hier alles richtig gemacht und ich bin froh, dass just heute Band Zwei bei mir ankam. Wir haben da noch eine Rechnung offen!

448 Seiten € 9,99 [D]
Übersetzung: Uta Hege
Broschur
€ 9,99 [D], € 10,30 [A], sFr 13,90
ISBN-13: 9783548284620
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