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Stephen King
Love

Rezension © 2008 by Pennywize_666
(Forenmitglied auf www.stephen-king.de)

love
Originaltitel »Lisey's Story«
Hardcover Heyne Verlag, 22,95 Euro
700 Seiten
Übersetzung von Wulf Bergner

Am 20. Oktober 2006 erschien das fünfzigste Buch von Stephen King in der Hardcover-Ausgabe. Für die Übersetzung von „Lisey’s Story“, so der amerikanische Originaltitel, zeichnete sich Wulf Bergner aus. Leider wurde es wieder vom Heyne-Verlag veröffentlicht, der den deutschen Titel in ein Wort mit vier Buchstaben reduzierte.


Inhalt:

Lisey ist seit zwei Jahren Witwe. Seit ihr Mann Scott, ein berühmter Schriftsteller, starb, hat Lisey ihr Leben erstaunlich gut alleine gemeistert. Zumindest zwei Jahre lang. Nun jedoch zeigen sich die ersten Schatten, die rasch anwachsen, und sie zwingen Lisey zur Verarbeitung ihrer Trauer und der Aufarbeitung ihrer Ehe und Liebe zu Scott. Zum einen ist Liseys älteste Schwester, die mittlerweile sechzigjährige Amanda, ein Sorgenkind. Immer häufiger verletzt sie sich selbst, und als sie schließlich in einen katatonischen Zustand verfällt, muss Lisey sich schließlich um einen Betreuungsplatz für Amanda kümmern. Eine Angelegenheit, um die Scott sich, wie Lisey erstaunt feststellt, zu seinen Lebzeiten noch umfassend gekümmert hatte.
Liseys größeres Problem sind jedoch die Leute, die Scotts Nachlass unbedingt haben wollen, in der Hoffnung, dass sich darunter Schätze wie unveröffentlichte Manuskripte befinden. Dafür, dass Lisey in den letzten zwei Jahren seit dem Tod ihres Mannes sein Büro nicht gesichtet oder auch nur aufgeräumt hat, haben diese Personen wenig Verständnis. Vor allem nicht der Wahnsinnige Zack McCool, der scheinbar in Zusammenarbeit mit einem Professor der Universität Pittsburgh auf Liseys Fersen bleibt und schließlich sogar ihr Leben bedroht, was sich nicht als leere Warnung herausstellt.
Doch obwohl Scott bereits seit zwei Jahren tot ist, ist er es, der Lisey durch diese schwierige Zeit begleitet; und die Zeit vor und während ihrer gemeinsamen Ehe ist es auch, die Lisey noch einmal ganz bewusst durchleben muss, um an ihr Ziel zu kommen.

Eigene Meinung:


„In Stephen Kings vielleicht dichtestem und persönlichsten Roman geht es um die Geheimsprache der Liebe und die Allgegenwart des Wahnsinns“, so verrät es der Klappentext. Vor allem diese Worte und Stephen Kings Nachwort, in dem er feststellt: Scott sei nicht er und Lisey nicht seine Frau Tabitha und mit Sicherheit auch eine große Portion Neid auf Seiten der Kritiker sind es, die diese dazu ermutigten, diese Behauptungen zum Aufhänger ihrer Kritiken an „Love“ zu nehmen. Es steht ohne Zweifel da, dass der Roman stark autobiografisch ist, gerade deshalb weil etwas Anderes behauptet wird. Aber so viele Details sind authentisch, so auch die Bedrohung Tabithas im Jahre 1991 durch einen Einbrecher und Fan ihres Mannes. Die Tatsache, dass Tabitha einige Schwestern hat wie Lisey im Roman auch und zuletzt sind es die fiktionalen Elemente und das Wunschdenken Kings (etwa der Erhalt des Pulitzer-Preises, wie ihn die Romanfigur Scott bekommen hat) zuzuschreiben.
Leider übersehen diese Kritiker aber die zahlreichen nicht-authentischen Elemente des Buches genau so wie die Passagen aus der Fantastie. Das Attentat auf die Figur Scott ist sicherlich weder realen King-Erlebnissen noch seinem Wunschdenken zuzuordnen. Als krönenden Abschluss schreibt King in seinem Nachwort nicht, dass es keinerlei autobiografische Züge im Buch gebe. Er verneint lediglich eine Gleichsetzung der Buchfiguren mit den real existenten Personen, George W. Bush vielleicht als Einzigen ausgenommen. Korrekt muss es heißen, dass die Gleichsetzung der familiären Buchcharaktere zu den realen Personen der Familie King und ihrer nahen Verwandtschaft nicht möglich ist. Dennoch ist vieles in diesem Buch durchaus real, wenn vielleicht auch nicht autobiografisch. King zitiert zahlreiche Autoren, wie er es in vielen seiner Bücher zuvor schon getan hat, auch kommen in altbekannter Manier bekannte Filmpassagen und Textausschnitte aus Liedern vor.

Neben den Zitaten bekannter und weniger bekannter Persönlichkeiten findet man in diesem Roman viele typische Merkmale von Kings Schreibstil: Die Geschichte in diesem Roman spielt wieder in Maine, also im Hinterhof von Kings Anwesen. Einmal mehr begleitet der Leser im Grunde durchschnittliche Menschen auf einem durchschnittlichen und realen Weg in eine dunkler werdende und unwirtlichere Zukunft. Kings Stil ist zumeist gewohnt knapp und plastisch angelegt, was ihn allerdings nicht davon abhält, jemanden über einige Buchseiten, ja ganze Kapitel, hinweg zum Beispiel nur ein Mittagessen vorzubereiten lassen, oder einen Brief zu suchen lassen. Das ist ein Kritikpunkt am Buch, den man nicht von der Hand weisen kann, das man aber von Kings letzten Werken schon kennt und zum Teil auch lieben gelernt hat: Es hat deutlich spürbare Längen, die das Lesen nicht ausschließlich zum Vergnügen werden lassen. Oft werden lange Passagen meist wieder veressert, indem King sehr bewusst mit verschiedenen Zeiten arbeitet, trotzdem ziehen sich Passagen in der ersten Hälfte des Buches teilweise wie zähes Leder und nicht immer nutzt es dazu die Charaktere besser kennen zu lernen.
Ein weiterer Kritikpunkt kommt der Spielerei Kings zu Neuem in „Love“ zu. Er übertrifft sich selbst, wenn er eine Masse neuer Wortschöpfungen erfindet, die zum größten Teil gut ins Deutsche übersetzt wurden, oder wenn er die verschiedensten Dialekte im Buch einarbeitet. Trotzdem sind diese Stellen, die das gesamte Buch durchziehen, mitunter sehr anstrengend für den Leser, weil sie in so überladender Fülle vorkommen.


Fazit:


Unabhängig von irgendwelchen biografischen Details ist dieses Buch genau das, was sein amerikanischer Originaltitel, aber auch die deutsche Übersetzung, versprechen: Es ist „Lisey’s Story“, die uns King hier erzählt. Aber zugleich ist es auch eine Geschichte, die vordergründig von der Kraft der Liebe - von „Love“ - erzählt. Somit haben die Leute beim Heyne-Verlag mit dem deutschen Titel (im Vierbuchstaben-Look) dieses Mal nicht so sehr daneben gegriffen.
Es ist ein verschickter gefühlvoller Roman, aber auch ein mythisches Werk, genauso mythisch wie der Pool, den King in diesem Werk beschreibt, der Pool in der übersinnlichen Welt des Boo’ya Mond. Entgegen vieler Kritiken ist eines sicher: Stephen King hat es mit diesem Buch einmal öfters umgeschnallt.

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