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Stephen King
Mr. Mercedes
Rezension © 2014 by Andreas Hesse
Stephen King: Mr. Mercedes


Verlag Heyne Verlag
Originaltitel: Mr. Mercedes
Originalverlag: Scribner
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 592 Seiten
ISBN: 978-3-453-26941-5
ca. € 22,99 [D] | € 23,70 [A] | CHF 32,90*
(* empf. VK-Preis)
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Kurzbeschreibung:

Ein Mercedes S 600 – »zwei Tonnen deutsche Ingenieurskunst« – rast in eine Menschenmenge. Es gibt viele Todesopfer, der Fahrer entkommt. Der Wagen wird später gefunden. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Clownsmaske, das Lenkrad ziert ein grinsender Smiley. Monate später meldet sich der Massenmörder und droht ein Inferno mit Tausenden Opfern an. Stephen King, der Meister des Schreckens, verschafft uns in Mr. Mercedes beunruhigende Einblicke in den Geist eines besessenen Mörders bar jeglichen Gewissens.

Eine wirtschaftlich geplagte Großstadt im Mittleren Westen der USA. In den frühen Morgenstunden haben sich auf dem Parkplatz vor der Stadthalle Hunderte verzweifelte Arbeitsuchende eingefunden. Jeder will der Erste sein, wenn die Jobbörse ihre Tore öffnet. Im Morgendunst blendet ein Autofahrer auf. Ohne Vorwarnung pflügt er mit einem gestohlenen Mercedes durch die wartende Menge, setzt zurück und nimmt erneut Anlauf. Es gibt viele Tote und Verletzte. Der Mörder entkommt. Noch Monate später quält den inzwischen pensionierten Detective Bill Hodges, dass er den Fall des Mercedes-Killers nicht aufklären konnte. Auf einmal bekommt er Post von jemand, der sich selbst der Tat bezichtigt und ein noch diabolischeres Verbrechen ankündigt. Hodges erwacht aus seiner Rentnerlethargie. Im Verein mit ein paar merkwürdigen Verbündeten setzt er alles daran, den geisteskranken Killer zu stoppen. Aber der ist seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus.


Meine Meinung:

Stephen King begibt sich in etwas ungewohnte Gefilde und macht dabei keine schlechtere Figur als die meisten seiner Mitstreiter.

Doch der Reihe nach. Wir befinden uns zusammen mit den beiden Hauptcharakteren inmitten der US-Amerikanischen Rezession der Jahre 2009 und 2010. Bill Hodges ist ein Excop mit einer Exfrau in einer stinklangweiligen Nachbarschaft die man scheinbar nur in einem Sarg oder durch die Flucht an Unis außerhalb des Bundesstaates verlassen kann.

Brady Hartsfield dagegen verkörpert den seit Thomas Harris bekannt gewordenen Begriff des Soziopathen. Er hasst seine Umgebung innerlich, ist aber nach außen hin zu jedem freundlich und zuvorkommend. Ein typischer Irrer, wie man es aus Filmen und anderen Büchern kennt. Er fühlt sich am Anfang der Geschichte so überlegen, dass er versucht, einen renomierten Polizeibeamten in den Suizid zu treiben.

Was folgt ist ein typischer Kingroman nur ohne Horror. King schafft es einen weitestgehend kontinuierlichen Spannungsbogen aufzubauen und die Geschwindigkeit von Kapitel zu Kapitel anzuheben. Natürlich kommt es zu der beworbenen Hetzjagd und zu dem einen oder anderen Schwenker. Doch am Ende des Tages wird eine Frage beantwortet werden müssen: Kann der übergewichtige Rentner den smarten Irren aufhalten, bevor dieser einen noch größeren Anschlag durchführen kann, oder nicht?

In meinen Augen funktionieren folgende Elemente in der Geschichte wunderbar: Zum einen kennen wir die echten Namen der Protagonisten sehr früh. Hodges aber ist bis fast zum Schluss im Unklaren, wer der Mercedes-Killer ist. Zusätzlich stellt King auch uns Leser eine Stufe über den Detective im Ruhestand. So zum Beispiel als er den Eiswagen kurz nach Beginn an seinem Fenster vorbeifahren lässt. Ebenjener Eiswagen ist zumindest auf dem US-Cover prominent vertreten.
Die gebundene Ausgabe von Sperling & Kupfer, Italien

Außerdem ist man Teil von mehreren Veränderungen innerhalb der Handlung. Die eigentliche Verbrecherjagd bildet den Rahmen für körperlichen wie geistigen Wandel bei mehreren Charakteren. Das, was King so speziell macht, fabriziert er hier ohne den übernatürlichen Zwang zur Wandlung.

Leider gibt es hier und da aber leichte Abzüge: King ist so sehr in der Welt gefangen, dass es scheinbar kaum einen normalen Menschen gibt, der für die Handlung wirklich wichtig ist. Die Verbindung, die ich normalerweise zu seinen Charakteren aufbaue, sind hier nur sehr beschwerlich vonstatten gegangen. Hodges durchlebt seine 'Reaktivierung' zu rasant, Hartfield dagegen wirkt wie ein zweifelhafter Versuch, Jamie Gumb und Hannibal Lecter aus 'Das Schweigen der Lämmer' zu vereinen. Ein guter Versuch, aber leider nicht ohne Fehl und Tadel.

Darüber hinaus begeht King ein paar Fehler, die erklären, warum Hollywood gern einen Film daraus machen würde. Momente, die mich an den Fähigkeiten der Polizei zweifeln lassen und daran, was Menschen überhaupt möglich ist.

Dennoch ein sehr guter Roman. King übertrifft den gängigen Thriller-Schriftsteller, weil er es schafft, seine Geschichte einigermaßen glaubhaft in unserer aktuellen Zeit spielen zu lassen. Die Depression der Wirtschaft überträgt sich bei ihm auch in die Köpfe ihrer Opfer, egal ob Täter, Opfer oder Gesetzeshüter.

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