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Rolf Potthoff und Achim Nöllenheidt
Nylon, Pütts und Rock 'n Roll
Rezension © 2013 by Martin Wagner für BookOla.de
Rolf Potthoff und Achim Nöllenheidt: Nylon, Pütts und Rock 'n Roll
Rolf Potthoff (Hrsg.), Achim Nöllenheidt (Hrsg.)
Erinnerungen an die 50er Jahre im Ruhrgebiet
lieferbar, erschienen am 20.12.2012
266 Seiten, zahlr. Abb., 15,95 €
ISBN: 978-3-8375-0879-6
Umschlaggestaltung: Volker Pecher
Preis: 15,95€

Kurzbeschreibung
Die 50er. Ein Trümmer-Land steigt zum „Wirtschaftswunder“-Land auf. „Wohlstand für alle“ lautet das Motto, und als Deutschland Fußball-Weltmeister wird, heißt es: „Wir sind wieder wer!“
Auch im Ruhrgebiet blüht wieder Lebenslust auf. Ob Motorrad, Roller, „Isetta“, „Käfer“ oder „Kapitän“ – Hauptsache man ist mobil. Bella Italia lockt. Der Petticoat wippt durch die Straßen. Froh ist, wer schon ein Fernsehgerät hat. Bei „Frankenfeld“ ist die ganze Familie dabei. Romy Schneider bezaubert als „Sissi“ im Kino, James Dean ist der Held der „halbstarken“ Jugend. Als Hildegard Knef in „Die Sünderin“ nackte Haut aufblitzen lässt, ist der Skandal perfekt. Freddy Quinn und Caterina Valente wecken Reise- und Liebeslust und Elvis Presley wird mit Rock 'n' Roll „King“.
In diesem reich bebilderten Buch erzählen Frauen und Männer aus dem Ruhrgebiet nach einem Aufruf der WAZ aus ihren 50er Jahren: Spielen in Ruinen, karge Weihnachten, Kriegsheimkehrer aus Sibirien, die Zinkbadewanne, der Klüngelskerl mit Flöte und Pferd, Waschküche und Klo auf dem Hof, das Seifenkistenrennen, Sauerkrauträuber, die erste Liebe, Tanztee, Wünsche und Träume und Mädchen in Hosen, was Lehrern gar nicht gefiel. Mit mehr als 100 spannenden, anrührenden und ganz alltäglichen Geschichten ist dieses Buch eine unterhaltsame Reise ins Ruhrgebiet der 50er Jahre.

Meine Meinung:
Wer lauscht nicht gerne wie Eltern und Großeltern über ihre Jugend erzählen, insbesondere, wenn sie auch einige Details einfließen lassen, die zeigen, dass sie auch nicht immer brav waren? Oral History wird diese Form der Geschichtsforschung genannt und sie bietet, trotz der offensichtlichen Nachteile, wie den falschen Erinnerungen und des subjektiven Blickwinkels zurück auf die eigene Zeit, viele Möglichkeiten, wenn man viele Stimmen hört und deren Aussagen miteinander vergleicht.

Viele Stimmen sind dem Aufruf der WAZ gefolgt und haben über ihre 50er Jahre berichtet. In Nylon, Pütts und Rock 'n Roll - Erinnerungen an die 50er Jahre im Ruhrgebiet wurden die Stimmen und die Geschichten die erzählt wurden von Rolf Potthoff und Achim Nöllenheidt gesammelt und anschließend beim Klartext Verlag in Buchform veröffentlicht.

Passend zum Hintergrund der Entstehung begrüßen die beiden Herausgeber die Leser, erzählen die Geschichte der Entstehung des Buches und fassen die historisch wichtigen Ereignisse der 50er Jahre im Pott kurz zusammen, bevor die Erinnerer mit tollen Fotos aus der Zeit und Worten das Buch in eine Fundgrube an Erinnerungen verwandeln.
Zehn Themengebiete werden behandelt und jedes beinhaltet tolle Geschichte über eine Zeit, die zwar weit zurückliegt, die aber dennoch das heutige Deutschland prägte. Den Anfang macht die Kindheit, die damals offensichtlich durch das Spielen in Ruinen und mit der Suche nach Nahrung geprägt war, bevor die Zeiten allmählich besser wurden.
Die Jugend, das zweite Kapitel, bietet Geschichten über die ungehorsame Jugend, die ersten Liebe und geheime Treffpunkte mit moderner Musik.
Der Alltag wird im dritten Kapitel beschrieben und offenbart eine Zeit, die viel ruhiger und gemütlicher und vor allen Dingen mysteriöser war. Zinkbadewannen und Fernseher als Stichwort.
Im Viertel erzählt die Geschichten über das Leben im Pott und die besonderen Menschen, die vielen in Erinnerung geblieben sind.
Die Moral wird im fünften Kapitel beleuchtet und offenbart eine nicht ganz unschuldige Lebensweise, die aber dennoch im Vergleich zu heute als Nonnenhaft zu beschreiben ist, und macht auch deutlich, welche Rolle man je nach Geschlecht zu spielen hatte.
Mode und Musik, die nächsten beiden Kapitel, widmen sich den schönen Dingen der Zeit und einem Teil des Titels des Buches, Nylon und Rock 'n Roll.
Die Arbeitswelt in diesen Jahren ist alles andere als rosig und verlangt von allen, sowohl von Männern als auch von Frauen viel ab. Ob unter Tage und über Tage ist dabei egal, denn überall muss hart gearbeitet werden.
Auf Achse widmet sich dem Lieblingsgegenstand der Deutschen, dem Auto. Erste Fahrten, lange Fahrten und die neidischen Blicke der Nachbarn und Verwandten. Das alles beinhaltet dieses Kapitel.
Im letzten Kapitel, Stationen, werden einige Themen aus den vorangegangenen Kapitel vermischt und aufgezeigt, wie gut die Zeit doch war und wie viel sich damals verändert hat.
Im Anschluss an die letzten Geschichte, nennt die Chronik in kurzen Abrissen die wichtigsten Ereignisse der 50er Jahre im Pott, in Deutschland und in der Welt.
Ganz wissenschaftlich endet das Buch mit dem Autorenverzeichnis und dem Bildnachweis.

Wissenschaftlich zum Schluss und dazwischen viele tolle Geschichten, die mit vielen Anekdoten so erzählt werden, wie den Bewohnern des Potts der Mund gewachsen ist, so gehört sich das und nur so wirkt es wirklich authentisch. Selbstverständlich muss man bei all der Oral History vorsichtig sein, aber da sich einzelne Elemente in den Geschichten wiederholen, braucht man nicht groß in Geschichtsbüchern nachzuschauen, ob diese Geschichte den Tatsachen entsprechen. Mit diesem Wissen kann man dieses Buch getrost als Geschichtsbuch über die 50er Jahre im Ruhrgebiet heranziehen und vor allen Dingen, und darum ging es ja, in Erinnerungen schwelgen.

Fazit:
Nylon, Pütts und Rock 'n Roll - Erinnerungen an die 50er Jahre im Ruhrgebiet ist eine tolle Sammlung von Oral History über die 50er Jahre im Pott, die man auf so eine Art bisher noch nicht zur Verfügung hatte. Alle wichtigen Themen werden abgedeckt und tolle Fotos runden das ganze Buch perfekt ab. Ich freu mich, nach dem tollen Buch, auf die 60er Jahre.

448 Seiten € 9,99 [D]
Übersetzung: Uta Hege
Broschur
€ 9,99 [D], € 10,30 [A], sFr 13,90
ISBN-13: 9783548284620
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