Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Um Ihnen eine angenehmere Erfahrung zu bieten, nutzen wir Cookies zum Speichern Ihrer Anmeldedaten, um für sichere Anmeldung zu sorgen, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben und um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist. Klicken Sie auf „Stimme zu und fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren.
Header6.jpg

Die Autoren von BookOla.de erstellen Rezensionen von Romanen, Kurzgeschichten
und allem was von bekannten und unbekannten Autoren zu Papier gebracht wird.
Die Links zu Amazon sind sogenannte Affiliate-Links.
Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich
von Amazon eine kleine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht, aber dieser kleine
Betrag hilft mir, die Unkosten der Seite zu bestreiten.

Mervyn Peake
Gormenghast 4
Titus erwacht
Rezension © 2011 by Martin Wagner für BookOla.de

gormenghast4

Originaltitel: Titus awakes
Übersetzung: Annette Charpentier
gebunden mit Schutzumschlag, 218 Seiten
ISBN: 978-3-608-93924-8
€ 17,95

Verlag: Klett Cotta
bestellen bei Amazon

Kurzbeschreibung:
Alles um ihn herum war ein Wunder. Die kleinen Bergblumen und die Geräusche des Wassers und der Vögel und der menschlichen Stimmen. Die freundliche Sonne über ihm erzeugte weniger Wärme als ein Gefühl der Erneuerung im Spiel des Lebens..

Meine Meinung:
Viele Künstler haben Werke aufgrund ihren viel zu frühen Todes unvollendet zurückgelassen. Unvollendete Werke sind gerade deshalb immer etwas besonderes. Einige Werke werden, aus den unterschiedlichsten Gründen, irgendwann von anderen Künstlern fortgesetzt, andere bleiben für immer unvollendet und gehen auf ewig in die Kunstgeschichte ein. Bei Mervyn Peakes Gormenghast-Reihe schien es viele Jahrzehnte so, als würde auch sie unvollendet bleiben.

2011 führte die Witwe Peakes, Maeve Gilmore, die Reihe schließlich doch noch fort, was aber erst beim Sichten ihres Nachlasses klar wurde. Ein Manuskript und ihre Erinnerungen dienten dabei als Basis, um die Geschichte des 77. Lord Groan fortzusetzen. Klett-Cotta und die Hobbit Presse, haben die Neuauflage der Gormenghast-Reihe zeitlich gut abgepasst und konnten den vierten und letzten Band, Titus Erwacht, in ihre Neuauflageplanungen miteinbeziehen, was natürlich keine so schlechte Idee war.

Während Titus im ersten und zweiten Band Gormenghast unsicher macht, Freunde und Familie kennenlernte und Feinde besiegte, ist er im dritten Band fernab des Schlosses unterwegs und macht neue Erfahrungen in einer technisch fortschrittlichen Welt. Hier kam es zum ersten Umbruch in der Geschichte. Aus einer fantastischen Welt wurde eine moderne Welt, die der unsrigen Welt der Nachkriegsjahre sehr ähnlich ist und die Geschichte, die im dritten Band erzählt wurde, beinhaltete viel Gesellschaftskritik. Dass auch dieser dritte Band bereits eine Sammlung verschiedener Manuskripte und Notizen war, mag für den Wandel ebenso ausschlaggebend gewesen sein, wie auch Peakes Erlebnisse im Krieg und erschreckenden Nachrichten im Anschluss daran. Der vierte Band basiert, wie bereits geschrieben, auf einem Manuskript Peakes und den Erinnerungen Maeve Gilmores und das merkt man sehr deutlich. Sprachliche Unterschiede fallen zwar in der Übersetzung nicht zu sehr auf, aber man spürt sie und
fragt sich, wie stark diese im englischen Original auffallen müssen. Aber nicht nur die Sprache ändert sich, auch die Geschichte nimmt starke autobiographische Züge an, Titus wird zu seinem Schöpfer und auch Maeve Gilmore schreibt sich selbst in den Roman hinein. Es darf vermutet werden, dass die leidende Ehefrau ihren Verlust mit dem Vollenden des Hauptwerkes ihres Mannes und dem Hineinschreiben autobiographischer Elemente überwinden wollte.

Titus jedenfalls muss immer wieder einsam seine Wege gehen. Kurze Phasen der Gemeinschaft, wie als Mitarbeiter in einem Krankenhaus, als Gast einer äußerst freundlichen Familie oder als Gefangener sind zwar keine unglücklichen Phasen, aber auch keine wirklich glücklichen Phasen, denn immer wieder schwelgt Titus in Erinnerungen und folgt über kurz oder lang seiner Ungeduld und seiner Wanderlust. Sein einziger treuer Begleiter ist dabei passenderweise natürlich kein Mensch, sondern ein Hund, mit dem er viele Abenteuer erlebt, bevor seine Reise schließlich endet.

Titus' Reise, die ja eine autobiographische Reise Peakes ist, verläuft aber chronologisch umgekehrt zu Peakes leben. Mit Tod, Krankheit und Kampf beginnt alles und es endet mit Frieden. Krankheitsjahre, Kriegsjahre und Vorkriegsjahre.

Interessant ist das Buch geschrieben, spannend zum Teil auch, aber das eigentliche Flair der Reihe existiert nicht mehr. Als Ehrerbietung Peakes ist das Buch gut geeignet, aber Titus' Geschichte bleibt dabei leider auf der Strecke. Das Gormenghast nur noch als Erinnerung auftaucht, hilft da auch nicht wirklich.

Fazit:
Gormenghast Band 4 – Titus Erwacht ist der schwächste Band über die Geschichte Titus Groans und doch sollte man dieses Buch gelesen haben, um mehr über den Autoren der Reihe zu erfahren. Titus wird in diesem Buch zu Mervyn Peake und der Leser kann dessen Leben in der Rückschau durch die Augen einen großartigen Protagonisten erleben. Ein würdiges Ende der Reihe kann zwar auch anders umgesetzt werden, aber Mervyn Peake wird auf jeden Fall geehrt.

Copyright 2021 by www.BookOla.de
Joomla templates by a4joomla