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DER ERBE DER NACHT

Das Leben des Drake-du-Kane

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Prolog

Die Finsternis…

Ja, ich bin die Finsternis. Meine Klingen bringen den Tod, meine Seele ist vereist, ich bin gnadenlos und unerbittlich.

Hasse mich! Liebe mich! Denn ich bin der Tod. Sieh in mein Antlitz, rieche meinen verführerischen Duft, koste mich aus, verschenke dein Leben...

Du bist mein, ganz allein...

Denn ich bin die Finsternis!!!

 

 

Das Tosen des Sturmes umhüllte den grasbedeckten Hügel auf dem sich die beiden Gestalten gegenüberstanden. Ein Gewitter drohte die Welt auseinander zu reißen, Blitze erhellten die schaurige Zeremonie die die Nacht in einen Mantel der Dunkelheit gekleidet hatte. Lediglich der blutrote Vollmond war am tosenden Firmament zu sehen und warf seinen blutigen Schein auf die beiden Kontrahenten. Zwei schwarze Klingen durchschnitten die Luft, gingen ins Leere. Gelbe Augen tanzten in der Finsternis, gebleckte Zähne grinsten. Die zwei brachten den Tod auf leisen Schwingen, und nun, nach 15 Jahren war es wieder so weit. Ein Treffen war unvermeidlich, das wussten sie beide. Der eine war des anderen Schmerz, Leid, Schicksal! Sie jagten einander seit fast einem Jahrhundert, sie waren des Kämpfens müde, doch würde sie nichts aufhalten bevor nicht einer den anderen besiegt hatte.

"Wie oft werde ich dich noch besiegen müssen, bevor du endlich akzeptierst dass du mich nicht vernichten kannst, Kane?" sprach einer der Vermummten mit grausamer dunkler Stimme.

Sein Gegenüber rührte sich nicht, sein Gesicht war eine Maske des Schmerzes während er die beiden schwarzen Klingen die er führte langsam senkte.

"Du hast mir alles genommen dass mir etwas bedeutete Asteroth, es gibt für mich kein anderes Ziel als dich zu vernichten. Und ich werde nicht ruhen bevor du tot vor mir liegst. Du und deine Brut und jeder der dein Erbe trägt!"

"Das schließt dich mit ein, Jäger!" Asteroth hob die Arme gen Himmel und brüllte seine Worte in die Nacht. "Du kannst mich nicht töten. Einst hattest du diese Gelegenheit und hast sie nicht genutzt. Nun ist es zu spät. ICH BIN UNSTERBLICH! ICH BIN EIN GOTT!"

Drake du Kane schüttelte den Kopf. "Du bist nichts weiter als ein größenwahnsinniger Irrer Asteroth. Viele wünschen dein Ende, doch du gehörst MIR!"

Drake griff an, seine Klingen wirbelten durch die Luft, schneller als ein menschliches Auge es hätte erfassen können. Doch Asteroth erwischten sie nicht.

"Was ist los mit dir Kane? Warum schließt du dich mir nicht endlich an? Wir können gemeinsam diese Welt beherrschen!"

"NIEMALS! Nie wirst du diese Welt beherrschen."

"Was ist. Denkst du an Sen Lar? Er war schwach und unwürdig, ich habe ihn wie eine Wanze zerquetscht!"

Drake lächelte. "Er starb wie er es immer wollte. Sein Leben war erfüllt und ich werde für ihn weiter streiten. Du hast nur nach seinem Willen gehandelt, und ich habe ihm versprochen dich zur Strecke zu bringen. Damit kriegst du mich nicht klein Asteroth. Du hast mir bereits alles genommen, mir bedeutet nichts mehr etwas!"

Asteroth lächelte. "Ach wirklich? Und was ist mit Myra?" Drake taumelte keuchend zurück, das traf ihn wie ein Stich direkt ins Herz. Verkrampft umklammerte er das Medaillon das an seinem Hals hing.

"Wage nicht ihren Namen in den Mund zu nehmen."

"Aha, da habe ich wohl eine Schwäche gefunden. Der große Drake du Kane ist also doch verwundbar. Sie diente mir, nicht dir, sie war mein!"

"Das war sie niemals. Du hast sie auf dem Gewissen du Monster. Sie hatte keine Chance, sie war unschuldig, du hast sie in eine Bestie verwandelt. Das verzeihe ich dir nie!"

"Alles was sie tat, tat sie aus freien Stücken. Sie erkannte wer der Stärkere von uns war, sie erkannte die Stärke der Finsternis, und es hat ihr gefallen. Auf Knien hat sie gebettelt das ich sie verwandeln würde..."

"DAS IST NICHT WAHR!" Auf einmal stürmte Drake auf sein Gegenüber los, geführt von unbändiger Wut und Verzweiflung. Wie konnte er nur so über die einzige Frau reden die ihm je etwas bedeutet hat? Er würde nicht zulassen dass er so über seine Geliebte redete. Die Klingen schlugen zu. Ein Kampf entbrannte, der Energien entfesselte die schon seit Jahrzehnten nicht mehr auf der Welt gesehen wurden, doch die Nacht war noch lange nicht vorbei...

Wie lange ist die Unendlichkeit?

Was bin ich? Was tue ich? Warum ich? Ich bin ein Wanderer zwischen den Welten, nicht tot, nicht lebendig. Ich bringe Tod und Verderben, ich bin des Teufels Herold. Mein Inneres schreit nach blutiger Vergeltung. All die Schmerzen, all das Leid, tief in mir brennt das ewige Feuer der Rache. Auf der Suche nach IHM ist meine einzige Erlösung der Tod. Und der wird mir verwehrt. Ich bin verdammt, in alle Ewigkeit verdammt. Doch ich lache. Denn ich bin der letzte, und ich werde siegreich sein!

Denn auch die Ewigkeit besteht aus Augenblicken - ich wünschte es wäre anders!

 

 

 

Kapitel 1 - Das Erbe

 

 

1.

"Du bist zu langsam. Streng dich an Norin, du musst schneller werden!"

Es war schon das dritte mal dass mich Sen Lar überrumpelt hatte. Ich biss mir auf die Lippen und verfluchte mich innerlich selbst dass ich mir vor meinem neuen Meister diese Blöße gab.

Taumelnd kam ich auf ihn zu, die beiden Schwerter zum Angriff erhoben und musterte meinen Gegner. Es war unglaublich dass dieser alte Mann so schnell sein konnte.

"Du musst dich konzentrieren. Deine neuen Kräfte sind dir noch fremd, dir fehlt noch das Wissen sie richtig zu nutzen. Los versuchen wir es noch einmal."

Ich holte tief Luft. Mein rechter Arm schmerzte. Obgleich es nur Holzschwerter waren, war der Treffer doch voller Wucht und unerwartet. Ich konnte ihn kaum mehr bewegen. Ich warf das eine Schwert achtlos in die Ecke und nahm das andere mit beiden Händen. Meine einzige Chance. Sen Lar kam auf mich zu, wir umkreisten uns lauernd. Jeder wartete auf den Angriff des anderen. Mir rann bereits der Schweiß von der Stirn, doch auch Sen Lar schien zu schwitzen. Der Kampf dauert nun schon über eine Stunde. Noch immer keine Reaktion von meinem Gegner. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus. Ich hob das Schwert und stürmte auf ihn zu. Ich versuchte eine Finte, links angetäuscht um ihn dann die Klinge vertikal über den Körper zu ziehen doch Sen Lar durchschaute meinen Trick. Er parierte meine Attacke drehte sich blitzschnell von mir weg und im nächsten Moment spürte ich seinen Schwertknauf in der linken Seite. Der Schlag war hart. Ich ging nach Luft ringend in die Knie.

"Sei nie leichtsinnig Norin. Wäre ich ein Gegner gewesen, wärst du jetzt tot. Du musst besser auf deine Deckung achten. Deine linke Seite war völlig ungedeckt. Du darfst dich nie überschätzen!"

"Und ihr Meister, dürft eueren Gegner nie unterschätzen" antwortete ich, packte seinen Fuß und zog. Der Angriff kam überraschend, Sen Lar fiel, die Klinge entglitt ihm. Ich fing sie ihm Fall mit meinem verletzen Arm auf. Ein grauenhafter Schmerz durchzog meinen Arm, doch ich durfte jetzt keine Schwäche zeigen. Ich setzte Sen Lar die Klinge an die Kehle. Er betrachtete mich überrascht. Dann glätteten sich seine Züge und er begann zu lachen.

"Ich bin beeindruckt. Du beginnst endlich zu lernen. In Ordnung, ich ergebe mich, du hast gewonnen. Der erste Kampf denn ich seit langem verloren habe." Er musterte mich anerkennend. Ich nahm das Schwert von seinem Hals. Ich gebe zu dass ich Stolz auf meinen Sieg war. Sen Lar sah mich fordernd an. "Was ist? Willst du einem alten Mann nicht auf die Beine helfen?" Ich sah ihn verwundert an, und musste plötzlich zu Lachen anfangen. Schließlich begann auch Sen Lar zu lachen. Ich reichte ihm meinen gesunden Arm und half ihm auf die Beine. Ein Fehler wie ich feststellen sollte, denn fünf Sekunden später flog ich quer durch den Raum. Wie schaffte er es nur immer wieder mich zu überlisten?

"Traue nie deinem Gegner. Du darfst nie Schwäche zeigen. Glaube mir. Wenn du Ihnen erst einmal gegenüberstehst geht es um Leben und Tot."

Ich stand auf, alles tat mir weh, ich fühlte mich schrecklich.

"Es sind nun annähernd 2 Monate vergangen seit ich dich in jener Nacht vor ihnen gerettet habe. Ich weiß nicht wie viel Zeit mir noch bleibt Norin, um dich auf Sie vorzubereiten. Doch du musst all das wissen was ich weiß. Ich bin alt, wer weiß wie lange ich noch zu Leben habe. Dann musst du meine Nachfolge antreten."

"Was redet Ihr da Meister, ihr werdet noch viele Schlachten schlagen."

Ich war erschüttert. So hatte ich meinen Meister noch nie reden hören. Was wollte er damit andeuten? Er konnte mich jetzt nicht alleine lassen. Jetzt wo ich langsam anfing zu verstehen was mit mir vorging.

Er schien meine Gedanken gelesen zu haben als er antwortete: "Oh mach dir keine Sorgen, noch ist es nicht soweit. Doch wir müssen auf alles vorbereitet sein. Sie sind überall, und sie jagen uns da wir mehr wissen als alle anderen. Weil wir zuviel über Sie wissen. Doch mach dir keine Sorgen Junge, so leicht kriegen Sie uns nicht."

Ich wusste wovon er redete. Nacht für Nacht träumte ich von Ihnen. Ich fand keine Ruhe, ich konnte nicht vor meiner eigenen Vergangenheit fliehen. Ich träumte von spitzen Zähnen und vor den gelben Augen. Oh diese Augen, diese grauenhaften gelben Augen, sie verfolgten mich Tag für Tag.

Ich hatte Angst. Schreckliche Angst. Angst genau so zu werden. Ihr Erbe war in mir. Ich fühlte es. Und es wurde von Tag zu Tag immer stärker. Die Veränderungen schreiten nun schneller voran. Ich erinnerte mich, wie alles begonnen hatte, kurz nachdem mich Sen Lar gerettet hatte:

Meine Pupillen trübten sich, ich konnte tagelang nicht sehen. Als ich schon dachte ich wäre erblindet war mein Augenlicht plötzlich wieder da. Mehr noch es war besser als je zuvor. Ich konnte mit einer Schärfe und Genauigkeit sehen die unglaublich war. Das Unfassbare war aber das ich selbst in der Dunkelheit sehen konnte. Sen Lar schien nicht überrascht, eher besorgt darüber zu sein. Ich wusste damals schon dass er mir etwas verheimlichte. Auch meine anderen Sinne hatten sich auf unglaubliche Weise verbessert. Ich hörte den kleinsten Laut, konnte jeden Duft sofort identifizieren egal wie Schwach er war. Immer wieder wurde ich von Krämpfen heimgesucht die so schlimm waren das ich dachte dies wäre das Ende. Ich fühlte mich elend wollte nur noch das alles vorbei ginge. In diesen Zeiten stand mir Sen Lar bei. Er half mir dies alles zu überstehen. Er gab mir die Kraft die ich brauchte. Ich war froh so einen Freund zu haben, auch wenn ich wusste dass er mir nicht die Wahrheit über jene Nacht erzählt hatte als er mich fand. Schließlich stellte ich weitere Veränderungen an mir fest. Meine Haut bleichte. Ja tatsächlich. Mittlerweile bin ich so bleich wie ein Leichentuch. Mir wurde oft kalt. Meine Hände waren immer kalt, ebenso wie der Rest meines Körpers, ich fühlte mich an wie eine Leiche. Und ich sah aus wie eine Leiche. Und ich sollte herausfinden dass dies gar nicht einmal so falsch war. Irgendwann schmerzte mich dass Sonnenlicht. Es blendete meine Augen und brannte auf meiner Haut wenn ich mich der Sonne ungeschützt aussetzte. Damals schon hatte ich es befürchtet doch ich wollte es nicht wahrhaben. Doch dann eines Tages hatte sich mein Kiefer verändert, plötzlich über Nacht und spürte es genau. Ich sah in den Spiegel. Ich hatte spitze Eckzähnen wie...wie Sie, doch am schlimmsten waren meine Augen.

Sie waren Gelb...

In jener Nacht war die Entscheidung gefallen. Sen Lar war mir eine Antwort schuldig. Was war in jener Nacht passiert? Ich wusste nur noch das ich wie immer nachts durch die Gassen von Ankohead wanderte, auf der Suche nach einer billigen Spelunke um mein letztes Geld mit Huren und Schnaps zu verprassen, als mich irgend etwas in einer dreckigen stinkenden Gasse angriff. Erst dachte ich es wäre ein Tier, weil es so schnell war, aber es schien ein Mensch zu sein. Ich konnte ihn in der Dunkelheit nicht richtig sehen aber es waren eindeutig menschliche Konturen. Mehr weiß ich aus jener Nacht nicht mehr. Ich wurde bewusstlos nachdem ich einen stechenden Schmerz am Hals verspürte. Als ich wieder erwachte fand ich mich auf einem Bündel Stroh in einem alten verfallenen Lagerhaus wieder. Über mir das Gesicht von Sen Lar. Er sagte er habe mich bewusstlos in der Gasse gefunden und hierher gebracht. Später erfuhr ich dass diese Lagerhalle sein Versteck war. Hier versteckte er sich vor Ihnen. Er sagte es wäre riskant gewesen mich hierher zu bringen da sie meine Fährte aufspüren konnten und mir vielleicht bis hier her folgen könnten. Doch er glaubte ich sei etwas Besonderes. Das könne er spüren und ich bräuchte seine Hilfe. Ich verstand damals kein Wort.

Ich fühlte mich todkrank, ich kotzte mir die ersten Tage die Seele aus dem Leib und siechte mehr tot als lebendig dahin. Sen Lar sagte später ich hätte für drei Tage im Delirium gelegen. Er hatte die Hoffnung schon aufgegeben. In dieser Zeit durchwanderte ich die schlimmsten Alpträume und Schreckensvisionen meines Lebens. An eines konnte ich mich noch erinnern was in jener Nacht geschah. Bevor ich das Bewusstsein verlor sah ich seine Augen. Ich werde diesen Anblick nie vergessen. Es waren gelb glühende Augen. Und sie zeigte kein Mitleid, nur Hass und Verderben. Sie schienen direkt aus der Hölle zu kommen, als wollten sie meine Seele verschlingen. Und ich sollte erfahren dass sie dies tatsächlich wollten. Schließlich pflegte mich Sen Lar gesund. In dieser Zeit begannen die Veränderungen. Gut zwei Wochen dauerte es bis sie abgeschlossen waren. Neben meinen körperlichen Veränderungen glaubte ich auch dass sich mein Geist veränderte. Eine zweite dunkle Persönlichkeit schlich sich in mein sonst so heiteres Gemüt. Erst dachte ich, ich würde verrückt werden, schizophren. Ich hörte Stimmen, mein Gemüt verdunkelte sich langsam, aber Sen Lar stand mir bei und gab mir Kraft meinen Geist zu bändigen. Doch in jener Nacht als ich diese Augen im Spiegel wieder sah, die SELBEN Augen von damals dachte ich das ich endgültig den Verstand verloren hätte.

Sen Lar stand hinter mir als ich mich im Spiegel betrachtete, auf seinem Gesicht lag Trauer. Er wusste das er es mir nicht länger verheimlichen konnte was in jener Nacht passiert war. Er sah mich an. "Wir müssen reden." sagte er schlicht und setzte sich auf einen alten ausgebrannten Sessel der in der Halle stand. Ich nahm neben ihm Platz. Was dann auf mich zukam, kann ich bis heute nicht ermessen. Er begann zu erzählen:

"Norin, weist du was Vampire sind?"

 

 

2.

 

Ein Gewitter zog auf. Ein Sturm tobte in jener Nacht vor beinahe zwei Monden. Die Straßen von Ankohead waren verlassen, die Bewohner suchten Schutz in ihren Häusern. Blitze zuckten am nächtlichen Firmament und das Grollen des Donners hallte durch die Straßen. Eine stille, heimliche Bedrohung lag über der Stadt, als sollte bald großes Unheil über sie hereinbrechen. Nur in einem alten verfallenen Lagerhaus brannte noch das einzelne flackernde Licht einer entzündeten Kerze. Zwei Gestalten saßen dort. Die eine alt und gebrechlich doch ungebeugt und von einer inneren Kraft umgeben. Die andere groß, jung doch auf eine seltsame Art und Weise der Welt entrückt. Totenbleich und mit seltsamen Augen. Wäre in jener Nacht ein nichts ahnender Bewohner an der Halle vorbeigekommen und hätte Ihn gesehen... und seine Augen... wäre vermutlich am nächsten Tag die ganze Stadt hinter ihm her gewesen, doch dank des Sturmes blieben sie unentdeckt.

"Vampire?"

Ich ließ das Wort durch meinen Kopf wandern. Ein ungutes Gefühl breitete sich in mir aus. Es war finster, nur der Schein einer Kerze tauchte die Halle in ein gespenstisches Zwielicht. Das Unwetter draußen dessen Blitze die Hallen grell erleuchteten unterstützte diese Unheimliche Atmosphäre noch zusätzlich. Ich wusste nicht was ich jetzt sagen oder denken sollte. Die direkte Konfrontation mit dem was ich längst befürchtet hatte traf mich dennoch wie ein Schlag. Ich hätte dieses Wort nie ausgesprochen, doch nun war es zu spät.

"Ganz Recht Norin. Egal was du bisher glaubtest zu wissen ist nun belanglos. Es gibt Sie dort draußen. Sie sind überall und allgegenwärtig. Was dich in jener Nacht anfiel war kein Tier, sondern ein leibhaftiger Vampir. Du hast seine Augen gesehen, nicht wahr?"

Ich fühlte mich als würde ich einen Abgrund hinabstürzten. Woher wusste er dass nur? Mein bestürztes Gesicht schien ihm Antwort genug zu sein. Diese Augen..., ich versuchte es zu vergessen, zu verdrängen, doch nun waren die Erinnerungen wieder da.

"Du wurdest gebissen Norin. Gebissen von einem Vampir. Und nun ist seine Essenz in dir."

"Was..." Ich schluckte, wagte den Satz nicht zu vollenden. "Was soll das heißen?"

"In jener Nacht streifte ich wie jede Nacht durch die Gassen der Großstadt um Sie zu finden."

Ich verstand nicht was er damit sagen wollte. Er wollte sie finden, wieso? Ich sah ihn fragend an, er schien zu wissen was ich fragen wollte ohne es auszusprechen.

"Ich bin ein Vampirjäger Norin. Der letzte. Früher gehörte ich zum Clan der C´ael Rohen, einer mächtigen Sippe von Vampirjäger. Damals waren wir viele, doch der Clan wurde einer nach dem anderen von Ihnen ausgelöscht oder zu ihresgleichen gemacht bis nur noch einer übrig war. Das bin ich. All meine Freunde und Mitgefährten sind schon seit Jahrzehnten tot, nur mich erwischten Sie noch nicht. Aber sie verfolgten mich. Ich bin ihnen ein Dorn im Auge. Sie wissen das ich der letzte bin, und der Mächtigste, denn keiner weiß so viel über Sie wie ich. Doch ich werde alt. Ich fürchtete schon mein Wissen ginge durch meinen Tod auf ewig verloren, doch das Schicksal schien es gut mit mir zu meinen als es meine Schritte in jener Nacht in die Gasse lenkte wo ich dich fand."

"Was wollt Ihr damit sagen? Was passierte in jener Nacht, was für eine Essenz?" Ich verstand damals gar nichts mehr. Ich fühlte mich als wäre ich in einem Alptraum gefangen aus dem ich krampfhaft versuchte zu erwachen, doch diese Gnade wurde mir nicht gewährt.

"Ich habe dich damals angelogen als ich dir sagte ich hätte dich bewusstlos in der Gasse gefunden. Tatsache ist das ich dich in den Fängen von Asteroth fand."

"Asteroth?" Diesen Namen brannte sich in mein Hirn ein. Schon als ich ihn das erste mal hörte wusste ich das er mit meinem Schicksal verbunden war. Erst mit seinem Tod würde ich Frieden finden, dies ist mir heute klar geworden.

Sen Lar fuhr mit seiner Erzählung fort: "Asteroth ist einer der Mächtigsten unter den Vampiren, ein so genannter Erzvampir. Von ihnen soll es nur 13 auf der ganzen Welt geben. Ihnen dienen wiederum 13 mal 13 hohe Vampire die wiederum über ihre Diener die minderen Vampire sowie über Untote und Geister regieren, doch dazu später.

Ich wusste dass dies meine Chance war. Schon lange war ich hinter Asteroth her. Ich sah dies als meine Chance ihn endgültig zu vernichten, doch ich war zu übermütig. Er war schneller. Ich konnte ihn verwunden doch er entkam und lies dich zurück. Das war vermutlich dein Glück. Ich konnte die Verwandlung unterbrechen bevor es zu spät war, doch deine Chancen standen schlecht. Ich brachte dich sofort in meinen Unterschlupf wo ich dich so gut versorgte wie es in meiner Macht stand und tatsächlich gelang es mir dich aus den eisigen Armen des Todes zu reisen." Sen Lar holte tief Luft. Ich war wie erstarrt. Ich konnte nicht fassen was er mir eben erzählt hatte. Meine Welt die bisher so einfach und unkompliziert war geriet ins wanken. Ich war doch nur ein einfacher Fischerjunge aus einem kleinen Nest in der Nähe von Caldäna der auf den Namen Norin Read hörte und der eines Tages ausbüxte um sein Glück in der großen Stadt zu suchen. So einfach war immer alles. Doch das schlimmste stand mir noch bevor.

Sen Lars Geschichte war noch nicht beendet:

"Das war noch nicht alles." Er sah mich lange und eindringlich an bevor er fort fuhr: "Dir sind sicher einige Veränderungen an dir Aufgefallen. Dein Aussehen, deine Sinne, vielleicht sogar deine innere Gefühlswelt haben sich verändert. Weißt du wieso?"

Ich wusste es. Ich wusste es schon bevor ich es von ihm erfuhr, doch ich wollte es nicht wahrhaben. Das waren Dinge die über die Vorstellungskraft eines einfachen Menschen wie ich einer war hinausgingen. Mein Blick war leer, keine Gefühle regten sich in mir als Sen Lar das Aussprach was ich mir nicht eingestehen wollte: "Du bist einer von ihnen Norin. In jener Nacht als Asteroth dich anfiel übertrug er sein unsterbliches Erbe auf dich und machte dich so zu einem von Ihnen."

Obwohl ich es längst wusste glaubte ich in einen tiefen endlosen Abgrund zu stürzten. Nichts war mehr so wie es einmal war, alles hatte sich verändert. Und dennoch war mir vieles unklar, denn vieles was ich aus Geschichten und Mythen von Vampiren zu wissen glaubte traf auf mich nicht zu, oder zumindest nur im beschränkten Maße. War das vielleicht doch alles nur Aberglaube? Doch mein Lehrer fuhr fort:

"Aber du bist anders als Sie. Als ich Asteroth stellte und er von dir abließ war sein Werk noch nicht vollendet, ich unterbrach die Verwandlung. Ich habe dich während du im Fieberwahn lagst lange untersucht und bin mir sicher das Asteroths Werk unvollständig ist. Du trägst nur einen Teil des dunklen Erbes in dir. Du bist einzigartig auf der Welt Norin, den du verkörperst beide Formen des Seins. Ein Teil deiner Menschlichkeit blieb erhalten, wäre dem nicht so wäre einer von uns jetzt sicher tot, denn Vampire kennen kein Mitleid und keine Furcht. Es wäre unweigerlich zum Kampf gekommen. Sie verkörpern das pure Böse. Sie sind Uralt und existieren nur um ihre eigene Macht und ihren Einfluss zu steigern und um Sklaven zu machen. Du hingegen scheinst deine menschliche Gefühle behalten zu haben, dennoch glaube ich das auch der vampirische Charakter zum Tragen kommen wird, ebenso wie die körperlichen Merkmale schon langsam hervortreten. Doch da das Ritual gestört wurde dauert die Verwandlung sehr lange. Ich kann nicht abschätzen wie sehr du dich verändern wirst, da es noch Wochen, Monate ja sogar Jahre dauern kann bis deine Verwandlung abgeschlossen ist. Doch ich denke den Großteil wirst du in Kürze überstanden haben."

Ich wusste immer noch nicht was ich denken fühlen oder sagen sollte. Ich spürte die Gegenwart dieses fremden Geistes. Der vampirische Teil könnte man sagen. Eine zweite Persönlichkeit, dunkel, gnadenlos und voller Hass, Sen Lar nannte es das Tier. Noch war es schwach doch wurde es immer stärker und drängender.

Auch spürte ich wie meine Sinne von Tag zu Tag schärfer wurden, meine körperliche Kraft, Belastbarkeit und Schnelligkeit stieg. Ich war so gut in Form wie nie zuvor. An mein Aussehen hatte ich mich langsam gewöhnt auch wenn ich mir vermutlich nie selbst in die Augen sehen kann ohne an jene Nacht erinnert zu werden. Doch etwas ganz anderes stieg in mir hoch. Vampire hatte ja nicht nur Stärken. Das Sonnenlicht mich nicht tötete wusste ich mittlerweile, auch wenn es auf der ungeschützten Haut schmerzte und zu Verbrennungen führte. Aber es gab ja noch mehr. Ich löcherte Sen Lar mit Fragen. Was war mit Tempeln, Göttersymbolen, Weihwasser, Silber, Knoblauch? Auf vieles wusste auch er keine Antwort. Das meiste würde ich wohl erst mit der Zeit herausfinden. Was ich bemerkte war, das ich keine Schatten mehr besaß und eines Tages als ich mein Aussehen im Spiegel betrachtete merkte ich wie es langsam blasser wurde. Mittlerweile ist es vollständig verschwunden und ich besitze auch kein Spiegelbild mehr. Ich musste nicht in Särgen schlafen (das tun sowieso die wenigsten Vampire meinte Sen Lar) und ich konnte mich auch nicht in Fledermäuse oder ähnliches verwandeln. Dinge wie fließende Gewässer, Heimaterde oder die Einladung um ein fremdes Heim betreten zu können tat Sen Lar mit einer ärgerlichen Grimasse ab. Nichts weiter als närrischer Aberglauben. Über Unsterblichkeit oder Unverwundbarkeit wusste ich nichts, doch zumindest letzteres musste ich schmerzhaft feststellen traf nicht zu. Es gab noch andere Dinge, wie etwa Eichenpflöcke. Von den Dingen die kein Aberglauben waren traf vieles auf mich nicht oder nur bedingt zu. Doch dies sollte ich erst später herausfinden.

Eine Sache jedoch ließ mir keine Ruhe und es war das erste wonach ich Sen Lar fragte:

"Was ist mit Blut?"

 

Ich sah den alten Mann erwartungsvoll an während draußen das Gewitter tobte. Er antwortete lange nicht auf meine Frage. Er saß einfach nur da und blickte ins Leere. Ich dachte zuerst er hätte mich gar nicht wahrgenommen, wollte die Frage schon erneut stellen, als er mich plötzlich ansah und sagte: "Ich weiß es nicht mein Junge. Bisher hast du keine Anzeichen von Blutdurst gezeigt, vielleicht bleibt dir diese schwerste aller Bürden erspart."

Er sollte sich täuschen. Zwei Wochen später begann es.

Zuerst war es nur ein unglaublicher Durst denn ich verspürte. Ich konnte trinken soviel ich wollte, er ging nicht vorbei. Der Durst wurde immer schlimmer und bald lag ich in Krämpfen und konnte mich kaum mehr bewegen, weißer Schaum floss mir aus den Mundwinkeln. Schließlich flößte mir Sen Lar ein rotes Gebräu ein. Ich konnte nicht sagen was es war aber es war köstlich. Gierig trank ich den ganzen Becher aus und merkte wie die Krämpfe nachließen und ich mich wieder rühren konnte. Sen Lar sah betrübt aus. Auf meine Frage was in dem Becher war antwortete er: "Ziegenblut".

Von da ab wusste ich dass dies alles kein böser Traum war, ich war tatsächlich ein Vampir, oder zumindest ein halber was schon schlimm genug war. Ich musste nicht so oft Blut zu mir nehmen wie normale Vampire und zum Glück blieb es mir auch erspart Menschenblut zu verwenden, doch erspart blieb es mir auch nicht. Dies war zum Glück die letzte Verwandlung, der Prozess war damit abgeschlossen. Ich wusste nun dass ich gegen fast all das verwundbar war, gegen das auch Vampire verwundbar waren, nur nicht so stark. Dafür aber teile ich noch einige menschliche Schwächen und verfüge bei weitem nicht über alle vampirischen Vorteile im gleichen Umfang wie Sie. Im ersten Monat meines "neuen Lebens" oder wie immer man es nennen will lernte ich den neuen Körper mit all seinen Eigenschaften kennen. Ich schaffte es die Stimmen zumindest soweit abzuschalten das ich wieder normal denken und handeln konnte, doch die dunkle Seele des Vampirs nagte weiter an mir. Ich machte mich mit meinen neuen Stärken und Schwächen vertraut. Die ganze Zeit verbrachte ich in Sen Lars Unterschlupf. Schließlich stellte er mich vor die Wahl. Er war Vampirjäger, und musste seiner Berufung nachgehen. Er glaubte dass ich ihm geschickt worden wäre, doch sollte ich selbst die Entscheidung treffen. Er fragte mich ob ich sein Schüler werden wollte. Er brauchte einen Nachfolger, es gab keine anderen Vampirjäger mehr und ich könnte durch meine Verwandlung viel tiefer in das Bewusstsein deren eindringen die wir jagten. Mit meinem einzigartigen Wissen könnte ich einer der mächtigsten Jäger aller Zeiten werden meinte Sen Lar. Für mich kam das alles zu schnell, doch was sollte ich den sonst tun? Bei ihm war ich am sichersten und ich verdankte ihm immerhin mein Leben - oder das was davon noch übrig war. Außerdem wollte ich Rache an dem üben der mich verwandelt hatte. So beschloss ich auf seinen Vorschlag einzugehen und mich von ihm unterrichten zu lassen.

Von diesem Moment war ich ein C´ael Rohen.

Schon am Tag darauf sollte das Training beginnen.

 

3.

 

"Verflucht!"

Wütend knallte Tarim o Kiel den Pokal auf die große Eichentafel. Dunkelrote Flüssigkeit schwappte über und tropfte auf den Tisch. Sagul war erschrocken ein Stück zurückgewichen. So wütend hatte er seinen Meister lange nicht mehr erlebt.

"Wie konnte das passieren? Der Fürst war ahnungslos. Wie konnte er uns auf die Schliche kommen? Das gefährdet die ganze Mission." Kochend vor Wut stapfte der alte Erzvampir in seinem Speisesaal auf und ab.

"Es war die Schuld seiner Leibgarde, mein Gebieter. Sie leisteten schlampige Arbeit als sie versuchten unser Vorgehen zu vertuschen."

"Die Leibgarde des Fürsten sagst du? Verdammt noch mal ich kann es nicht glauben. Ein halbes Vermögen habe ich ihnen gezahlt damit sie die Todesfälle vor dem Fürsten vertuschen. Es waren alles Bettler. Nie wäre ihr verschwinden jemanden aufgefallen, doch nun erwischt er uns in Flagranti. Wer war es?"

"Barim Herr."

"Zur Hölle, wie oft muss ich ihm noch sagen dass er besser aufpassen soll wenn er trinkt. So ein törichtes Verhalten kann ich nicht tolerieren. Lass ihn herbringen ich werde persönlich seine Bestrafung veranlassen."

"Und was ist mit der Leibgarde mein Gebieter?"

Tarim machte eine abfällige Geste. "Ach, beseitigt sie schnell und unauffällig. Werft sie den Ghulen zum Fraß vor. Sie haben ihren Meister kläglich enttäuscht." Tarim ging weiter auf und ab und versuchte zu überlegen was nun zu tun sei.

"Nur weil Barim dieser Sohn einer billigen Hafenhure nicht aufgepasst hat und diese verfluchten Leibgardisten besseres zu tun hatten, weiß der Fürst nun von unserer Existenz. Drei Monate konnten wir versteckt in Ankohead agieren, doch nun ist alles gefährdet."

"Lasst den Fürst doch einfach aus dem Weg räumen bevor er reden kann." schlug Sagul, der ernannte Berater des Erzvampirs vor.

"Wenn das so einfach wäre, glaubst du ich würde dann hier auf und abmarschieren und mir das Hirn zermartern? Der Fürst hat Freunde in der Stadt, sein Ableben würde unangenehme Fragen aufwerfen. Die ganze Stadt ist sowieso schon hellhörig seit der blutleere Bettler vor 10 Tagen im Hafenwasser treibend gefunden wurde. Unser Vorgehen wurde dadurch schon erschwert. Stirbt der Fürst können wir ein weiteres Vorgehen ganz vergessen und wir hätten gleich die halbe Stadt im Nacken."

"Dann macht ihn zu einem von uns, auf dass er uns dienen wird. So kann er zum Schein die Fassade aufrechterhalten." Sagul grinste dämonisch, doch Tarims Mine blieb ungerührt.

"Diesen verweichlichten Aristokraten? Wäre ein Wunder wenn er überhaupt die Verwandlung überstehen würde. Er ist ein verdammter Regent, die taugen nur zum reden und zu sonst nichts. Er wäre eine Schande für das ganze Vampirgeschlecht. Nein es muss eine andere Lösung geben. Ich bin nicht den ganzen Weg bis Ankohead gereist um nun wieder mit leeren Händen zurückzukehren. Ich will wissen wo der Blutstein ist."

"Aber Meister, wir haben die Stadt 3 Monde Stück für Stück abgesucht. Vielleicht ist der Stein gar nicht hier."

"NEINN!" Tarim o Kiel fuhr plötzlich Zorn entbrannt herum und fegte den noch halbgefüllten Pokal vom Tisch. Krachend polterte er auf den Fußboden und der rote Saft ergoss sich über die Fliesen. "Er ist hier. Ich habe das Necronomicon genau studiert. Dort wird genau diese Hafenstadt beschrieben, es kann nur Ankohead sein. Ich suche diesen Stein schon so lange. Das Necronomicon schreibt das der, der den Stein in Händen hält zu großer mächtiger, fast gottgleicher Macht gelangt, und der Stein ist hier, ich weiß das er hier ist." Tarim beruhigte sich langsam wieder.

"Keiner meiner 4 Geschwister war dem Stein je so nahe wie ich es jetzt bin. Ich werde ihn für mich beanspruchen." Tarim stieg in den klebenden roten Saft der noch immer am Boden klebte. Angewidert zog er den Fußweg und klatschte in die Hände. "Los schick jemanden der diese Schweinerei entfernt." Ein gerüsteter Soldat, der bisher wie gelähmt an der Tür Spalier stand verbeugte sich knapp und entfernte sich dann lautlos. Tarim wandte sich wieder Sagul zu.

"Ihr vergesst Asteroth Herr", sagte er zu Tarim, "er ist ebenfalls in der Stadt und sucht den Stein."

"Asteroth ist ein Narr. Er hat nur den Blutrausch im Kopf. Er wird es nie zu einem fähigen Anführer schaffen, egal wie groß seine Kräfte mittlerweile sind. Ihm fehlt das Wissen sie richtig einzusetzen. Besitze ich erst einmal den Stein werde ich ihm schon zeigen wo sein Platz in der Hierarchie ist. Doch vielleicht kann er uns nützlich sein was unser Problem mit dem Fürst betrifft."

Sagul grinste. "Ihr habt doch sicher schon einen Plan mein Gebieter?" Auch auf Tarim o Kiels Gesicht machte sich nun das gleiche Boshafte Grinsen breit als der Soldat wieder erschien und lautlos seinen Posten an der Tür wieder einnahm. Ihm folgte ein junges Dienstmädchen das sofort begann den etwas eigenartig riechenden Wein?! vom Boden zu wischen. Sagul betrachtete sie lüstern, sein Mundwinkel entblößte zwei spitze Zähne während die gelben Augen das Mädchen musterten. Als die Arbeit verrichtet war und sich die Dienstmagd anschickte den Saal zu verlassen hielt sie Sagul zurück und begann ihren Hals zu liebkosen. Das Mädchen blickte überrascht und verängstigt, doch wagte sie nicht sich zu widersetzen. Schließlich jedoch schloss sie genüsslich die Augen und zuckte nur ganz kurz als sich Saguls Zähne in ihren Hals bissen. Als er begann von ihr zu trinken stöhnte sie lustvoll. Tarim verfolgt die Szene unbekümmert, doch schließlich hob er die Hand. "HALT! Nicht hier im Speisesaal, er ist gerade erst frisch gewischt." Sagul lies von seinem Opfer ab das sich immer noch in wilder Ekstase in seinen Armen wand. Sein Mund war blutverschmiert. "Wie Ihr wünscht mein Gebieter."

"Warte", sagte Tarim als Sagul gerade den Raum verlassen wollte, "ich hörte das Sen Lar Asteroth hierher gefolgt wäre. Stimmt dass?"

Saguls Grinsen verschwand von seinem Gesicht. Er wies das Dienstmädchen an den Saal zu verlassen das langsam wieder zu sich kam und scheinbar nicht wusste was gerade passiert war. Wie in Trance verließ Sie den Speisesaal und rieb sich dabei den schmerzenden Hals. Sagul schien die Frage unangenehm zu sein. Er schwieg.

"Ich habe dich was gefragt, antworte mir gefälligst!" fuhr ihn der Erzvampir wütend an.

"Ja Meister, er ist hier. Asteroth hat seine Spuren nicht richtig verwischt. Vielleicht wollte er auch das ihn der letzte der C´ael Rohen findet. Aber keine Sorge er weiß nicht das wir ebenfalls hier sind."

"Wieso bist du dir da so sicher?" fragte ihn Tarim

"Er ist im Moment damit beschäftigt eines von Asteroths Opfern vor dem Unausweichlichem zu retten."

"Was?"

"Meine Späher berichteten das Sen Lar Asteroth dabei ertappte wie er gerade über einen jungen Stadtburschen herfiel, das dürfte vor etwa 4 Wochen gewesen sein, kurz nach unserem letzten Zusammentreffen. Der Junge schien noch am Leben zu sein, also dachte der alte Narr wohl das er ihn retten könne. Vermutlich ist der Knabe längst tot."

"Seit 4 Wochen weist du dass er hier ist und hieltest es nicht für nötig mir das zu berichten."

Tarim ballte die Fäuste. Sagul zuckte die Schultern "Was soll er uns schon anhaben. Er ist nur ein alter verrückter Mann, längst nicht mehr der mächtige Jäger, der er früher war." Plötzlich packte Tarim seinen Berater und schlug ihn so heftig gegen die Wand, dass die Marmorplatten Sprünge bekamen.

"Unwissender Wurm! Du hast ja keine Ahnung. Unterschätze nie einen C´ael Rohen! Er ist der letzte seiner Art, die letzte Gefahr die uns noch droht, und dennoch haben wir es nicht geschafft ihn zu beseitigen. Aber er hat schon einen meiner Brüder auf dem Gewissen, und bestimmt 2 Dutzend andere Vampire. Hast du das verstanden?"

"J...ja, ja mein Gebieter" röchelte Sagul. Tarim ließ ihn achtlos zu Boden fallen. Sagul massierte seinen Hals an dem sich rot die Abdrücke von Tarims prankengleicher Hand abzeichneten. Der Erzvampir war zwar klein aber stark wie 5 Ochsen.

"Und...und was soll ich tun?"

"Ich kann es mir jetzt nicht leisten mit ihm eine neue Fehde auszufechten, ich brauche meine Diener um nach dem Stein zu suchen. Aber vielleicht löst ja mein einfältiger Bruder das Problem. Er will sich sicher für die Schmach rächen die ihm Sen Lar in jener Nacht zugefügt hat. So lösen sich unsere Probleme ganz von selbst." Tarim o Kiel grinste. Mal wieder bewunderte er seine eigene Genialität. Er sah Sagul an der noch immer am Boden kauerte. "Los, versuch herauszufinden ob der Alte etwas plant und was mit diesem Jungen ist denn er mitgenommen hat."

"Aber was ist mit dem Fürst..."

"Schweig! Darum kümmere ich mich schon. Und nun hinfort mit dir, ich will alleine sein." Sagul machte sich zum zweiten Mal daran den Saal zu verlassen.

"Ach und Sagul..."

Er drehte sich herum "Ja Herr?"

"Vergiss nicht mir Barim hierher zubringen." Sagul nickte und entfernte sich. Tarim blickte ihm hinterher. Die Magd stand noch immer draußen wie Sagul ihr es befohlen hatte. Ihr Hals hatte aufgehört zu bluten, Sagul hatte die Wunde magisch verschlossen, doch sie rieb sich den schmerzenden Hals ohne zu wissen woher der Schmerz auf einmal kam. Sagul legte seinen Arm um ihre Taille und fuhr dort fort wo er gerade unterbrochen wurde. Das Stöhnen der Frau ging schon bald in ein schrilles Kreischen über. Tarim sah flüchtig wie die junge Frau leblos zusammenbrach und von zwei Dienern weggebracht wurde. Doch seine Gedanken drehten sich um den alten C´ael Rohen und inwieweit er seinen Plänen im Wege stand.

 

 

4.

 

Etwas flüsterte meinen Namen.

Es kam aus der Dunkelheit. Leise und wispernd drang der gespenstische Laut an meine Ohren. Ich blickte mich fragend um doch ich konnte nichts entdecken. Nicht als Dunkelheit. Eine weite schwarze Ebene ohne Substanz.

"Norin, Norin Read" Eine zweite Stimme und eine dritte. Sie wisperten meinen Namen von allen Seiten. Wer seid Ihr? Woher kennt ihr meinen Namen?

"Wir wissen alles über dich", flüsterten die Stimmen, "du trägst unser Erbe in dir. Bald wirst du zu uns gehören." Plötzlich erschienen überall um mich herum gelbe Augenpaare die mich gierig und verschlagen anstarrten. Was wollt Ihr? Panik machte sich in mir breit, ich begann zu schwitzen.

"Wir wollen dich" Ein leises grässliches Lachen ertönte von allen Seiten. Es wurde immer lauter und fordernder. Ich hielt mir die Ohren zu, konnte es nicht ertragen. Der Schweiß rann mir vom Gesicht, doch nein es war kein Schweiß...es war Blut! Nicht mein Blut. Als ich noch oben sah entdeckte ich über mir schwebend eine junge Frau. Ihre Kehle war durchschnitten, ebenso die Pulsadern. Aus diesen Stellen ihres Körpers tropfte unnachgiebig Blut auf mich, das mein Gesicht herunter floss, meine Lippen benetzte. Oh dieser verlockende Duft, dieser süße Geschmack. Ich leckte mir über die Lippen, meine Augen funkelten gierig. Oh diese Wonne die meinen Körper durchflutete. Ich öffnete den Mund, legte den Kopf in den Nacken und fing jeden Tropfen des nie versiegenden Blutstroms auf. Nie zuvor hatte ich so etwas Köstliches erfahren, nie zuvor hatte ich mich so gut gefühlt. Die Frau schwebte zu mir herab, mein Gesicht war schon vollkommen blutverschmiert. Ich grub mein Gesicht in die offene Kehle der toten Frau und zog ihren herrlichen Lebenssaft schnell und gierig aus ihrem Leib. Ich konnte nicht aufhören - wollte nicht aufhören. Ich wollte nur noch Blut, Gewalt, herrschen, versklaven, erniedrigen, verstümmeln und töten, töten, töten...

"Du bist einer von uns" wisperten die Stimmen.

Mit einem lauten Schrei erwachte ich schweißgebadet auf meinem Lager. Was für ein furchtbarer Traum. Immer derselbe Traum, Nacht für Nacht. Ich musste dagegen ankämpfen, koste es was es wolle. Ich konnte so nicht weiterleben. Ich musste die Ursache bekämpfen, die Angst vor mir selbst.

Langsam erhob ich mich von meinem Bett, streifte mir eine Decke um und trat ans Fenster. Es war noch mitten in der Nacht, draußen regnete es unaufhörlich. Die Strassen der Großstadt waren leergefegt, nur der ein oder andere streuende Straßenköter lief ab und zu vorbei. Die Welt um mich herum war kalt und erbarmungslos. Nur die Stärksten konnten in ihr Überleben. Das lernte ich schon in meinen jungen Jahren als ich auf der Straße bettelte oder die umherziehenden Passanten bestahl. Genug um am Leben zu bleiben. Nicht gerade das beste Leben, aber immerhin war es ein Leben, im Gegensatz zu dem was nun aus mir geworden war. Manchmal wünsche ich mich in mein Fischerdorf zurück. Nicht das mir meine Eltern oder Geschwister fehlen würden, die hatten sowieso nie etwas für mich übrig, aber immerhin wusste ich dort wohin ich gehörte. Vielleicht hätte ich nicht davonlaufen sollen. Wäre ich eben ein Fischer geworden, es gibt schlimmeres. Aber nun musste ich diese traurige Existenz fristen in der mir nur Sen Lar Trost spenden kann. Längst war er mehr als mein Lehrer, er war in der kurzen Zeit zu einem tiefen Freund für mich geworden, den besten den ich bisher hatte, vermutlich der einzig wirklich wahre Freund denn ich je hatte. Und der mir das Leben gerettet hatte, irgendwie zumindest. Ich war es ihm schuldig ein guter Schüler zu sein, der Beste den er je hatte.

Ich wandte mich vom Fenster ab. Mein verletzter Arm pochte noch immer von dem schweren Schlag denn ich mir heute im Training zuzog. Ich musste wieder an die Anfänge meiner Ausbildung denken. Damals nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte...

Rasch stellte Sen Lar meine Stärken und Schwächen fest, von denen ich selbst kaum etwas wusste. Da nun meine Verwandlung abgeschlossen war( so glaubten wir zumindest ) konnte er mich eingehender untersuchen. Zu seinem Bedauern hatte ich kaum etwas von dem magischen Erbe der Vampire geerbt. Je nach Art gab es Vampire die über mehr oder weniger mächtige Magie verfügten, ich zählte leider zu letzteren. Lediglich das Ritual der Selbstheilung das jedem Vampir in die "Wiege" gelegt wurde beherrschte ich. Ein Akt der Selbsterhaltung nannte es Sen Lar da der Vampir nicht durch normale Medizin geheilt werden konnte. Der Körper des Vampirs ist tot, und kann deshalb nicht behandelt werden. Totes Gewebe kann sich nicht mehr schließen, Verletzungen deshalb nicht mehr verheilen. Deshalb konnte jeder Vampir sich selbst heilen, durch ein kompliziertes magisches Ritual was eine menge Kraft erforderte und nur einmal am Tag anwendbar war. Durch langes Training beherrsche ich diese Fähigkeit mittlerweile einigermaßen, was mir im Kampf einen großen Vorteil bringen würde. Ansonsten hatte ich keine magische Begabung. Ich konnte mich nicht verwandeln oder in Nebel auflösen( was aber sowieso nur die mächtigeren Vampire vollbringen konnten) und leider konnte ich auch niemanden beherrschen oder beeinflussen, dafür war nicht genug vampirische Essenz in mir. Dafür aber glaubte Sen Lar dass ich das Zeug zu einem guten Kämpfer hatte, zumal ich durch meine Vampirkraft an Geschwindigkeit, Stärke und Widerstandsfähigkeit zugenommen hatte. Ich stellte fest das große Langschwerter und plumpe Rüstungen für mich ungeeignet waren, ebenso wie Beile oder andere schwere Waffen. Um meine größte Stärke im Kampf, meine Schnelligkeit perfekt ausnutzen zu können, verzichtete ich größtenteils auf störende Rüstungen und nahm für den Kampf normale handliche Schwerter. Da ich weder Rechts- noch Linkshänder war, sondern mit beiden Händen gleich geschickt war, konnte ich mich nicht für einen Waffenarm entscheiden. Also nahm ich einfach zwei Schwerter, und das war wohl genau das richtige, denn die beidhändige Kampftechnik war mir wie auf den Leib geschrieben. So trainierte ich mit Sen Lar Stunde für Stunde, jeden Tag bis zur Erschöpfung. Attacken, Paraden, Ausfälle, Finten und so weiter und so fort. Sen Lar war erfreut wie schnell ich Fortschritte machte. Dafür dass ich noch nie mit einem Schwert gekämpft hatte war ich unglaublich lernfähig. Das Talent muss mir angeboren sein. Ich frage mich nur ob es von meiner menschlichen oder meiner vampirischen Seite kam? Egal, wir trainierten weiter. Neben dem Kampf mit dem Schwert unterrichtete er mich auch im Umgang mit dem Messer, dem Dolch und natürlich dem Pflock. Ich lernte wie ich ihn anzusetzen hatte, damit er das Herz durchsticht und wie viel Kraft man in den Schlag mit dem Hammer legen sollte. Doch ich stellte fest dass ich durch meine Verwandlung genug Kraft besaß den Pflock auch ohne Hammer benutzen zu können.

Dazu kam dass typische Training um denn Körper fit zu halten, wie Laufen, Liegestützen, Klettern und der ganze Kram. Auch hier bemerkte man meine unglaubliche Konstitution. Es vergingen oft Stunden bis ich schlamp machte. Ich fing langsam an mich an meine neuen Fähigkeiten zu gewöhnen.

Des Weiteren unterrichtete mich Sen Lar im waffenlosen Kampf. Hier halfen mir meine Schnelligkeit und Stärke nicht viel da mir die richtigen Tricks fehlten. Ich war erstaunt was für eine gute Figur mein Meister trotz seines Alters im Ring machte. Immer wieder warf er mich auf die Matte. Doch auch hier war ich lernwillig und wurde von Tag zu Tag besser. Nach all diesen körperlichen Ertüchtigungen war aber das Wissen Sen Lars am wichtigsten. Jeden Tag in den Abendstunden erzählte er mir alles über die Vampire was ich wissen musste. Er begann bei ihrem Ursprung. Niemand wusste wie oder wodurch Vampire entstanden, Tatsache aber war, dass sie seit Tausenden von Jahren den Planeten bevölkerten. Vermutlich wurden sie von einem bösen Gott erschaffen der aber längst tot und vergessen war. Heute ist nichts mehr bekannt über lebende Vampirgötter. Wohl verehren noch viele alte Blutgötzen und glauben an deren Existenz, doch gab es schon seit Jahrhunderten keinen Beweis mehr für die Existenz irgendwelcher vampirischer Götter. Mein Meister erzählte mir von dem Necronomicon, dem Buch der Toten und Dämonen. Ich hörte Geschichten darüber, das es mit Blut geschrieben sei und in Menschenhaut gebunden. Darin befänden sich Beschwörungsformeln um Untote und Geister zu erwecken, weshalb jeder Schwarzmagier hinter dem Buch her sei. Ich wusste allerdings nicht dass dieses Buch tatsächlich existierte. Dem Clan der C´ael Rohen, der übrigens vor über 1000 Jahren von Selfter Kane gegründet wurde, dem ersten bekannten Vampirjäger, gelang es an das Buch zu gelangen und eine Abschrift über den Teil der Vampire zu erstellen bevor es ihnen von den Vampiren geraubt wurde. Doch die Abschrift konnte der Clan vor ihnen verbergen. Dort fanden die C´ael Rohen alles was sie wissen mussten um gegen sie effektiv vorzugehen. Stärken, Schwächen, Geschichte, Hierarchie, Aussehen, Verhalten, eben alles. Keiner wusste woher dieses Wissen stammte, doch es war echt und keine falsche Fährte, das fanden die C´ael Rohen in ihrer Jahrhunderte langen Jagd heraus, sehr zum Ärgernis der Gejagten.

Laut dem Buch schuf der finstere Gott dessen Name verschollen ist 13 Erzvampire. Sie waren die Mächtigsten und in der Hierarchie ganz oben. Keiner wusste allerdings ob sie alle gleich mächtig waren. Es waren Geschwister, alles Kinder desselben Vaters, doch ihre Fähigkeiten unterschieden sich. Der eine hatte große magische Kraft, der andere war ein guter Kämpfer, der nächste ein hervorragender Redner und Anführer der das Volk für sich gewinnen konnte. Keiner wusste ob es in den Reihen einen Obersten Erzvampir gab, jemand der die anderen führte. Die 13 Erzvampire erschufen wiederum 13x13 hohe Vampire, oder auch geborene Vampire genannt, da sie bereits mit dem dunklen Erbe geboren wurden. Diese Vampire sind unsterblich und auch nur schwer zu verwunden, aber sie können sich nicht auf natürliche Weise fortpflanzen. Deshalb wird es nie mehr als 13 mal 13 geborene Vampire geben können, früher oder später werden sie – hoffentlich - aussterben. Doch die Vampire hatten andere Möglichkeiten sich zu vermehren. Durch Biss konnten sie ein spezielles Sekret in den Körper ihres Opfers pumpen wodurch das Opfer ebenfalls ein Vampir wurde, ein so genannter minderer Vampir, ein Vampir durch Verwandlung. Er ist nicht unsterblich aber lebt trotzdem ungefähr 10 Menschenleben und ist ebenfalls nur schwer zu verletzen. Von ihnen bevölkern mehrere hunderte, wenn nicht gar Tausende die Welt. Die unterste Ebene in der Vampirgilde sind die Untoten die von den Vampiren zu neuem Leben erweckt werden und die ihnen dienen müssen, dazu zählen Zombies, Widergänger, Ghule, zum Teil auch Werwölfe, doch dies ist eine andere Geschichte. Den Untoten fehlt jeglicher Verstand, sie tun nur das was ihnen die Vampire befehlen.

Eines der größten Probleme bei der Vampirjagd ist das Erkennen der Beute wie sich Sen Lar immer gerne ausdrückte. Das Problem war das man einen Vampir nicht ohne weiteres erkannte, da sie sich benahmen und aussahen wie normale Menschen. Die bleiche Haut ließ sich mit ein paar Tinkturen schnell überdecken und auch die gelben Augen ließen sich verbergen. Außerdem verfügten viele Vampire über die Möglichkeit sich per Magie ein anderes Aussehen zu verschaffen. Sen Lars Geschichten entsetzen mich. Vampire waren überall. In jeder Stadt, in jedem Weiler konnten sie sein. Sie waren normale Bürger, Bettler, Krieger, gar Fürsten und Könige. Keiner durchschaute ihre Maskerade und wenn doch fand man seine Leiche bald darauf in einer stinkenden Gosse oder im Hafenbecken treibend. Sie bevorzugen Städte, aber auch in der Wildnis oder verlassen Stollen traf man welche an. Sie verteilten sie auf dem ganzen Kontinent, so dass sie alles überwachen konnten. Doch Vampire begingen oft kleine Fehler an denen man sie erkannte. Sie fielen normalen Leuten nicht auf, aber wenn man streng darauf achtete konnte man sie so entlarven. Vampire bewegten sich anders. Sie hatten ihre eigene Gangart, ein wenig als wären sie in Trance, und doch ganz leichtfüßig als berührten sie kaum den Boden. Ihre Bewegungen wirkten oft auch leicht abgehackt und mechanisch wenn sie länger kein Blut mehr zu sich genommen hatten. Vor allem aber waren es ihre Blicke. Konnte man die gelben Augen auch mit Illusionen verbergen, ihre Blicke verrieten sie. Wenn sie gierig die Hälse von Passanten anstarrten oder diese tiefgründige verschlagene Art wie sie ihre Umgebung mustern. Sen Lar viel es schwer mir das zu erklären. Er meinte ich müsse es selbst sehen, dann verstünde ich es. Doch ich verstand ihn bereits. Nie würde ich Asteroths Augen vergessen können.

Ein weiteres Indiz war auch der Geruch. Er war Schwach, normalen Leuten fiel er nicht auf. Eine Mischung aus ranzigem Blut, Erde und Schwefel. Alle Vampirjäger schulten von Anfang an ihren Geruchssinn um Sie sozusagen erschnüffeln zu können. Ich hatte sowieso einen verbesserten Geruchssinn, was natürlich ein großer Vorteil war. Die letzte Möglichkeit war eine direkte Berührung ihres Körpers. Vampirische Körper sind weicher als menschliche, fast schon wie weiche Daunenkissen. Nichts desto trotz sind sie zäh wie Leder. Und ihre Haut war so kalt wie die jedes Toten.

Nachdem ich nun wusste wer Sie waren, wie viele es gab, wer über sie herrschte, wo sie überall lebten und wie man sie ausfindig machen konnte lehrte mich Sen Lar wie man sie bekämpfen konnte und wie man sich vor ihnen schützte.

Das Problem bei der Vampirbekämpfung war, dass man nicht genau sagen konnte gegen was ein Vampir verwundbar war. Viele Mittel trafen nur auf manche zu. Eine mögliche Erklärung wäre das die Vampire von bestimmten Göttern verflucht wurden denen sie in ihrem sterblichen Leben gedient hatten. Bestimmte Mittel, die diesen Göttern heilig waren halfen dann gegen diese Vampire. Ein Vampir der von einem der Meeresgötter verflucht war, gegen den half fließendes Wasser oder Weihwasser, Knoblauch half bei Vampiren die von Göttern des Ackerbaus oder der Ernte verflucht wurden usw.

Natürlich war dies nur eine Theorie. Es war ein langwieriger Prozess herauszufinden welche Götter sich von dem zu jagenden Vampir abgewandt hatten, die Erfolgschancen waren aber durchaus gut. Natürlich konnte es auch einen anderen Grund haben. Tatsache war: bei den Erzvampiren war größtenteils unbekannt welche Stärken und Schwächen sie hatten, bei den hohen Vampiren variierten sie, bei den verwandelten minderen Vampiren waren die Stärken und Schwächen fast immer dieselben.

Sen Lar sagte mir alles was er darüber wusste, Wissen das der Clan über Jahrhunderte sammelte. Für diese Informationen ließen viele Jäger ihr Leben oder wurden selbst zu Vampiren gemacht. Dieses Wissen durfte nie in falsche Hände fallen, dies bläute mir mein Meister immer und immer wieder ein. Sonst wäre alles was die C´ael Rohen jemals geschaffen hatten, umsonst gewesen.

Mindere Vampire die durch Verwandlung entstanden hatten eine Lebensspanne von etwa 10 Generationen. Sie besaßen feinere Sinne, waren schneller, stärker und ausdauernder als normale Sterbliche. Manche von ihnen konnten sich verwandeln, aber nur wenn sie von einem besonders mächtigen hohen Vampir oder gar von einem Erzvampir gebissen wurden. In diesem Fall entweder in einen Nebel, oder ein kleines Tier, das von der bekannten Fledermaus über Ratten oder Schlangen alles sein konnte. Doch verwandlungsfähige mindere Vampire waren selten. Vampire mussten nicht Essen, waren immun gegen Kälte. Sie konnten sich beinahe lautlos bewegen und hatten die Gabe mit der Dunkelheit zu verschmelzen so dass Sie nur schwer gefunden werden konnten. Sie mussten einmal am Tag Blut zu sich nehmen, mindestens einen halben Liter. Ein Vampir konnte ohne Menschenblut überleben, doch war dies sehr schwer und auf Dauer hielten es die wenigsten durch (und da Vampire keinerlei Skrupel besaßen versuchte es auch niemand). Verwundbar waren sie gegen Sonnenlicht, Silber, Weihwasser, Göttersymbole, Wunder von Priestern, teilweise durch Magie - doch hier ist das Wissen noch sehr lückenhaft, Pflöcke aus Eiche oder Silber die das Herz durchbohren mussten. Knoblauch konnte sie verscheuchen. Sie konnten keine Tempel betreten, hatten keine Spiegelbilder und keinen Schatten. Auch heilige Stätten wie z.B. Friedhöfe sind ihnen trotz aller Geschichten zuwider, allerdings konnten sie von dort ihre Untoten Diener beschwören. Die einzige Möglichkeit einen Vampir mit herkömmlichen Waffen zu töten war ihm entweder den Kopf vom Rumpf zu trennen oder seinen Körper vollständig zu zerstückeln was bei der Geschwindigkeit und Kraft eines Vampirs aber sehr schwierig war. Um Vampire ihrer Untoten Lebenskraft zu berauben bedurfte es Waffen die entweder aus Silber oder magischen Metallen bestanden. Oder Waffen die von der richtigen Magie durchwoben waren (und das waren nicht alle magischen Waffen).

Hohe Vampire hatten dieselben Stärken, doch sie konnten sich auf jeden Fall verwandeln, besaßen mehr Immunitäten und brauchten weniger Blut. Doch vor allem hatten sie weniger Schwächen. Denn auf sie traf immer nur ein Teil der Schwächen zu, nie alles. Das einzige gegen das jeder Vampir verwundbar war (soweit bekannt) war das Sonnenlicht und der Eichenpflock. Selbst Tempel und Symbole halfen nicht immer, außer sie stammten von Göttern der Sonne oder des Lebens. Ansonsten lief es wieder darauf hinaus welcher Gott oder welche Götter sie verflucht hatten, soweit die Theorie des Clan stimmte. Von den 13x13 sollten nach Schätzungen noch etwa 3 bis 4 Dutzend existieren, der Rest fiel den C´ael Rohen oder etwas anderem zum Opfer.

Von den Erzvampiren wusste man leider so gut wie gar nichts. Von den 13 existierten mittlerweile noch 5. Die ersten 3 starben (oder wie immer man das bezeichnen sollte) bereits vor der Gründung des Clans. Keiner wusste wodurch, der Rest wurde von dem Clan aufgespürt und zerstört, bei zweien war sogar Sen Lar dabei. Gegen sie half Sonnenlicht, doch nur gegen einen der Pflock, der andere zog ihn einfach aus seinem Herz als wäre nichts gewesen. Dafür half gegen ihn Silber und Weihwasser, doch Sen Lar wusste nicht wie es bei den anderen war. Doch er kannte alle fünf noch existierenden:

Es gab Galselfantil, der Mordbrenner. Ein Hünenhafter barbarischer Erzvampir der versklavt und mordet wo es nur geht.

Urisan, über ihn war kaum etwas bekannt, nur das er des Öfteren auf einer Inselgruppe gesichtet wurde was ungewöhnlich war da Vampire Wassergegenden verabscheuten.

Morisia, die einzige noch lebende Erzvampirin. Sie galt als absolut krank und pervers. Man sagte sie sähe zu wie ihre Opfer langsam und qualvoll getötet wurden, entweder durch strecken, verstümmeln verbrennen oder anderen grausamen Methoden.

Tarim o Kiel, der Regent. Ein Meister der Verwandlung, der am liebsten in Rollen von Fürsten, Beratern oder anderen hohen Persönlichkeiten schlüpfte. Er war auch das Oberhaupt der so genannten Vampirgilde. Sie war ein Zusammenschluss des kompletten Vampirgeschlechts. Ein Rat, bestehend aus den mächtigsten und einflussreichsten Vampiren regierten sie, und Tarim o Kiel war ihr Anführer.

Der letzte war Asteroth, der Schatten, da er sich überall verstecken konnte und fast nie gesehen wurde. Es war mein Schöpfer, doch konnte mir mein Meister leider wenig über ihn sagen, da kaum etwas über ihn bekannt war. Es schien jedoch als hätte er in den letzten Jahrzehnten deutlich an Macht zugenommen. Sen Lar war überzeugt dass von ihm die größte Gefahr ausging. Und das obwohl, oder gerade weil er der unscheinbarste von allen war.

Wir redeten jeden Tag bis tief in die Nacht. Meine Fähigkeiten wurden von Tag zu Tag besser. Sen Lar lehrte mich neben dem Kampf auch andere wichtige Dinge wie Lesen, Schreiben, Etikette, Rechtskunde oder Staatskunde und andere Dinge die wichtig sein könnten. Schließlich musste man als Jäger oft Inkognito reisen und somit über eine breite Palette an Wissen verfügen. Aus meinem "früheren" Leben hatte ich noch Kenntnisse im verkleiden oder verstellen und auch im Schleichen oder Verstecken. Sen Lar war beeindruckt was aus mir geworden war, ein neuer ernst zunehmender Gegner der Vampire. Doch noch war meine Ausbildung nicht abgeschlossen. Mir fehlte es an Geduld, Einfühlungsvermögen und vor allem an Selbstbeherrschung. Meine Meister fürchtete mein "böses Ich", also meine vampirische Charakterseite, könnte überhand nehmen, mich verführen. Ich müsste mein Inneres ins Reine bringen. Eine Bemerkung für die ich nur ein gequältes Lachen übrig hatte. Wenn das so einfach wäre, dann hätte ich es schon längst getan. Ich konnte meine dunkle Seite verdrängen, bekämpfen... aber bezwingen würde ich sie wohl nie.

Der grelle Schein eines Blitzes ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Mein Arm hatte sich wieder beruhigt, doch würde ich damit wohl einige Tage nicht kämpfen können. Nichtsdestotrotz würde das Training Morgen weitergehen. Meine Ausbildung war fast abgeschlossen. Nach gerade einmal zwei Monden hatte ich erlernt wozu andere Jahre brauchten. Mein vampirisches Erbe war mir eine große Hilfe gewesen obwohl ich es jeden Tag verfluchte. Doch Sen Lar meinte dies wäre nicht alles. Ich hätte schon von Geburt an, also von meiner richtigen Geburt an, ein großes Potential in mir. Dies wäre vermutlich auch der Grund gewesen warum mich Asteroth auserwählt hatte, denn er spürte es auch. Eine große Zukunft sei mir in die Wiege gelegt worden. In einer Welt in der Helden rar geworden waren könnte ich vielleicht ein Neuanfang sein. Natürlich glaubte ich nicht an derlei Spinnereien, obwohl ich zugeben musste dass ich eine gewisse Verbundenheit verspürte mit dem Abenteurerleben. Mich konnte noch kein Ort lange halten, ich war immer auf der Durchreise, auf der Suche nach Erlebnissen, Gefahren und Abenteuern, wie in den klassischen Sagen und Liedern der Barden. Doch dies sind Jugendträume und mein Gemüt wurde in den letzten Wochen ernster und ruhiger. Ich hatte eine Mission. Ich wollte ein C´ael Rohen werden. Alles andere war erst einmal unwichtig.

Ich legte mich wieder ins Bett, doch ich schloss die ganze Nacht kein Auge. Der Traum saß mir noch zu tief in den Gliedern. Was wäre wenn er eines Tages Wirklichkeit werden würde? Könnte ich mich dagegen wehren, wollte ich mich überhaupt dagegen wehren? Ich wusste darauf keine Antwort, doch früher oder später würde ich mich damit auseinander setzen müssen.

 

 

5.

 

Asteroth gähnte. Amüsiert musterte er sein Gegenüber wie es aufgebracht im Raum auf und ab marschierte. Wie immer wenn er wütend war.

"Verdammt was hast du dir nur dabei Gedacht?" fuhr ihn Tarim o Kiel wütend an. Asteroth gab sich unbeeindruckt. Lässig lümmelte er sich in die bequeme Couch des großen Wohnzimmers von Fürst Menzhold III.

"Was soll ich mir schon dabei gedacht haben?" Asteroth blickte seinen Bruder herausfordernd an. Das machte Tarim nur noch wütender.

"Verflucht, tu nicht so als wäre nichts passiert, warum hast du den Jungen nicht getötet?"

"Das sagte ich dir schon dreimal. Sen Lar hatte mich verfolgt. Er war mir auf der Spur, sah seine große Chance mit mir abzurechnen. Er hatte mich überrascht."

Tarim o Kiel konnte sich ein spöttisches Grinsen nicht verkneifen. "Du lässt nach Bruder, ich dachte du hörst sonst jedes Geräusch und siehst alles?" Asteroth ging nicht auf o Kiels Spott ein, blieb stattdessen gelassen und zuckte nur mit den Schultern.

"Ich hatte nicht damit gerechnet dass er mich soweit verfolgt hatte. Ich dachte ich hätte ihn bereits in Talagos abgehängt. Ein Irrtum, man sollte den alten Spinner nicht unterschätzen."

"Aber wieso hasst du den Jungen nicht gleich getötet? Er trägt dein Erbe, wieso? Los, nun sag mir endlich was du für ein Spiel spielst?"

"Weil er etwas besonderes ist", platzte Asteroth heraus, der das Geschrei seines Bruders nicht mir aushielt. "Er trägt ein großes Potential in sich. Schon als ich ihn das erste mal in den Straßen sah wusste ich das dieser Knabe etwas besonderes ist. Ich wollte ihn zu meinem Schüler machen, zu meinem Gefährten. In ihm sah ich einen großen Kämpfer der Gilde. Deshalb übertrug ich ihm meine Stärke!"

"Doch nun hat Sen Lar den Burschen und bildet ihn aus. Scheinbar war die Verwandlung nicht vollständig, er verfügt immer noch über menschliche Gefühle. Und deshalb will er nun auch ein Vampirjäger werden." Tarims Stimme überschlug sich. "Weißt du überhaupt was du angerichtet hast. Ein Jäger mit unseren Stärken und der unseren Verstand teilt. Er kennt alle unsere Geheimnisse, unsere Schwächen. Jetzt wo wir die C´ael Rohen endlich so gut wie ausgelöscht hatten könnte dieser Norin Read alles zunichte machen."

"Beruhige dich o Kiel. Seine vampirische Seite bringt ihm nicht nur unser Wissen sondern auch unser Fühlen und unsere Bestimmung. Bald wird sie überhand nehmen und diese jämmerliche menschliche Seele verschlingen. Sen Lar wird denn Jungen nicht halten können. Er wird begreifen zu wem er gehört. Ich persönlich werde mich seiner Annehmen."

"Und wenn er sich weigert?"

Asteroths Gesicht zierte ein höllisches Grinsen. "Das wird er nicht, keine Sorge." Tarim konnte das nicht beruhigen. Sicher, der Junge wäre ein großer Gewinn für die Gilde, doch als Jäger stellte er ein unnötiges Risiko dar, und Tarim o Kiel war jemand der schon immer auf Nummer sicher ging und der keine Risiken mochte. Ganz im Gegensatz zu Asteroth. Er lag wieder ganz gelassen auf dem Sofa. Ihm schien diese Bedrohung zu gefallen. Es war wie eine Herausforderung für ihn..

Es klopfte an der Tür. Eine Wache des Fürsten von Ankohead trat ein. "Ich entschuldige die Störung, aber es scheint dringend zu sein." stotterte die Palastwache.

"Was ist denn schon wieder?" fuhr ihn Tarim o Kiel wütend an.

"Jemand wünscht euch zu sprechen Herr."

"Wer?"

"Ein gewisser Barim Sir, er sagte er wird erwartet."

"Los schick ihn hoch." Die Wache verneigte sich stumm und schloss die beiden Flügel der Tür hinter sich.

"Du scheinst ja in der Position des stellvertretenden Beraters voll und ganz aufzugehen." lächelte Asteroth amüsiert über die Gebaren seines Bruders.

"Menzhold ist ein Narr, aber ich brauche ihn."

"Wie ich hörte gab es da einen kleinen Zwischenfall mit Barim und dem Fürsten. Ist er deshalb hier?"

"Er hat die Strafe verdient. Wegen ihm weiß der Fürst nun von unserer Existenz. Es ist zu riskant die Suche jetzt noch fortzusetzen wo der Fürst versucht uns ausfindig zu machen."

Asteroth wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment öffnete sich die Tür und eine kleine drahtige Gestalt trat ein. Furcht lag in seinen Augen. Er ging direkt auf Tarim o Kiel zu, fiel vor ihm auf die Knie und senkte das Haupt.

"Vergebt mir großer Herrscher, ich habe Schande über euch und unser ganzes Geschlecht gebracht."

Tarim schüttelte den Kopf. "Oh Barim, du Narr. Weißt du eigentlich in was für Schwierigkeiten du mich gebracht hast? Wie soll ich das dem Fürsten jetzt erklären? Verdammt noch mal, glaubst du es war einfach den Posten des Beraters zu bekommen? Es hat mich wochenlange harte Arbeit gekostet bis ich das Vertrauen des Fürsten hatte. Hätte ich ihn unter einen Bann gestellt wäre er zu nichts anderem mehr zu gebrauchen gewesen und man hätte den Unterschied bemerkt. Also musste ich ihn selbst von meiner Loyalität überzeugen. Und jetzt wo ich sein Vertrauen hatte und wir uns praktisch unbekümmert durch die Straßen bewegen konnten passiert dass. Es war dass Paradies Barim das ich dir bot. Überall frisches Blut, und kaum Widerstand. Und du hasst dies alles zunichte gemacht durch deine Unachtsamkeit." Tarims Stimme wurde von Satz zu Satz immer lauter und bedrohlicher bis sie schließlich in einem Brüllen endete. Asteroth konnte über dieses Spektakel das ihm hier geboten wurde nur lächelnd den Kopf schütteln. Keine Beherrschung steckte in seinem Bruder, er war viel zu hitzköpfig. Es würde leichter werden als erwartet.

Barim sank inzwischen immer tiefer bis sein Gesicht schon fast den Marmorboden des Gemachs berührte.

"Verzeiht, ich werde es nie wieder tun." flüsterte er.

"Nein, das wirst du ganz sicher nicht." antwortete Tarim nun deutlich ruhiger. Er klatschte in die Hände worauf zwei Gardisten erschienen.

"Du weist was dich nun erwartet. Für dein Versagen gibt es nur eine Bestrafung." Die Gardisten packten Barim und zogen ihn hoch. Er sah seinen Meister mit vor Schrecken geweiteten Augen an. "Nein", flüsterte er, "NEIN! DAS KÖNNT IHR NICHT TUN! IHR BRAUCHT MICH! NEIIIIN!!!" Barim schrie und schlug um sich. Zwei weitere Gardisten waren nötig um ihn festzuhalten. Danach wurde er nach draußen auf den Hof gebracht. Tarim deutete nach oben auf die Schlossmauer des Fürstensitzes. Dort befand sich ein hölzernes Kreuz. Barim wurde nach oben geschafft, noch immer wehrte er sich verbissen. Tarim spazierte neben ihm gemächlich her und verfiel in einen gemütlichen Plauderton: "Weißt du Barim, das schönste an dieser Burg die so schön weit oben auf einem Hügel liegt ist die wundervolle Aussicht. Man kann über die Wälder, den Fluss bis hin zu den Bergen im Osten sehen." Sie hatten den Wehrgang der Ostmauer erreicht auf dem das Kreuz stand. Tarim wandte sich an die Gardisten und befahl barsch: "Los, hoch mit ihm!"

"NEIIIIIN!" Barims Augen traten aus den Höhlen, er spannte alle Muskeln an, doch es half alles nichts. Auch seine enorme Kraft war machtlos gegen vier muskulöse Söldner. Sie legten ihn ans Kreuz. Während sie ihn dort festhielten übernahm es Tarim o Kiel Höchstselbst die Hände und Füße mit starken Hanfstricken festzubinden. Und er überzeugte sich auch dass sie schön fest saßen. Danach ließen ihn die Gardisten los. Es war unglaublich was Barim für eine Ausdauer besaß. Er zappelte noch immer wie ein Berserker, doch die Stricke hielten, dafür hatte o Kiel gesorgt. Mit einer Kopfbewegung bedeutete er den Söldner das sie gehen sollten, was diese stumm befolgten. Tarim betrachtete Barim wie er dort am Kreuz hing, den Blick gen Osten auf das mystische Bergmassiv.

"Wunderschön nicht war. In einer so schönen sternenklaren Nacht gibt es nichts Schöneres als den Blick über das weite Land streifen zu lassen. Nur eines ist noch schöner." Tarim grinste ihn an. "Die wunderschönen Sonnenaufgänge. Wenn sich die gelbe Scheibe langsam über die Bergkuppen schiebt und das Land in seine herrliche Pracht taucht." Tarim atmete verzückt aus. "Ich hoffe du genießt es Barim."

Tarim stieg die Stufen zu Asteroth hinunter, der das ganze vom Burghof aus betrachtet hatte, während Barim ihm Verwünschungen hinterher brüllte. Doch die zwei hatten ihn schon vergessen als sie sich ins Wohnzimmer zurückbegaben.

 

6.

 

"Wie geht es deinem Arm?"

Sen Lar sah mich ernst an. Der Arm war angeschwollen, er fürchtete wohl mich ernsthaft verletzt zu haben.

"Besser, danke Meister." antwortete ich knapp. Die Schmerzen hatten tatsächlich nachgelassen aber dafür war er jetzt so gut wie taub. Es würde wohl einige Tage dauern bis ich wieder voll einsatzfähig war. Ich überlegte ob ich versuchen sollte mich selbst zu heilen, doch die Vampirmagie war gefährlich und ich noch zu unerfahren. Das Risiko wäre zu hoch, ich brauchte noch mehr Übung.

Passenderweise war heute eine gute Gelegenheit dazu, denn heute stand Meditationstraining an, Sen Lar war der Meinung dass es gerade bei mir sehr wichtig wäre meine mentalen Kräfte zu stärken. Mit überkreuzten Beinen saßen wir auf dem Boden eines alten verfallenen Schuppens der an der Lagerhalle angrenzte. Fahles Licht fiel durch die Ritzen im Holz herein und tauchte das Ganze in ein düsteres Zwielicht. Perfekt für die Meditation beschloss mein Meister.

"Konzentriere dich Norin. Du bist körperlich den meisten Kämpfern überlegen, auch mir. Doch dir fehlt die Kenntnis diese neuen Fähigkeiten richtig einzusetzen. Dein Wille ist stark, doch zersetzt von Zweifeln. Du musst mit dir selbst ins Reine kommen."

Ich senkte den Blick, schloss die Augen, doch es fiel mir schwer mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Stimmen in meinem Kopf nagten an meinem Verstand. "Es sind die Stimmen Meister. Sie wollen nicht verstummen."

"Es sind deine beiden Seelen die sich bekämpfen. Ein innerer Zwist der dir keine Ruhe gibt. Der Grund warum du keine Ruhe findest, ist weil du den falschen Weg gehst."

"Den falschen Weg? Was meint ihr damit?"

"Du versuchst die Stimmen zu bekämpfen, zu vernichten, doch so schadest du dir nur selbst. Nutze sie stattdessen, höre was sie zu sagen haben und mach dir ihr Wissen zu eigen."

"Aber eine Stimme ist falsch. Böse. Sie versucht mich zu verführen."

"Aber sie kann dir auch von Nutzen sein bei deiner Jagd. Du hasst einen Vorteil denn noch kein Jäger zuvor hatte. Du teilst ihr Wissen. Du weißt wie sie denken und fühlen. Zumindest ansatzweise. So kannst du sie leichter aufspüren und bekämpfen. Mit dieser Gabe wirst du vielleicht einmal der beste Jäger den die C´ael Rohen je hatten."

"Aber sie birgt auch eine Gefahr, oder?" Sen Lars Gesichtszüge wurden ernst. "Es gibt immer zwei Seiten. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Benutze die Stimmen, aber lass dich nicht von ihnen benutzen. Sie werden versuchen dich zu verwirren, deinen Verstand zu vernebeln, versuchen dich zu einem von Ihnen zu machen. Deshalb ist es wichtig dass du deinen Geist stärkst, um ihnen widerstehen zu können. Du darfst dein menschliches Ich, deine Gefühle und deine Sterblichkeit nicht verleugnen. Nehm dich in acht vor Hass, Eifersucht und Rache, diese Wege führen dich schnell auf den Pfad der Dunkelheit. Denke an meine Worte, vielleicht kannst du sie irgendwann gebrauchen."

Ich nickte stumm, dachte über das nach was mir mein Meister eben beigebracht hatte.

"Ich hatte wieder diesen Traum Meister."

"Er ist ein Zeichen. Es ist immer derselbe Traum nicht wahr?" Ich nickte. "Eine Warnung. Er zeigt eine mögliche Zukunft, dann wenn du dich denn Kreaturen der Hölle hingibst. Du musst verhindern dass es soweit kommt. Schließlich trägst du all mein Wissen. Es war ein riskanter Entschluss dir alles zu erzählen. Läufst du zu ihnen über wüssten sie alles was wir wissen. Und sollte es außer uns dort draußen noch andere Jäger geben die unbekannt sind, könnte es eine große Gefahr für sie bedeuten. Deshalb darf dein Wissen nie an sie fallen."

Ich schluckte. Daran hatte ich bisher nie gedacht, aber er hatte Recht. Würde ich den Vampiren alles sagen wäre dies das Ende der C´ael Rohen und seiner Nachfolger, und auch das Ende der Welt wie wir sie kannten. Ich versuchte mir vorzustellen wie es wäre sollte die Vampirgilde immer mehr an Macht gewinnen. Sie würden irgendwann über alles regieren. Ein Sklavendasein wäre die Folge. Ihnen ewig zu dienen, und die einzige Hoffnung in dieser Hölle wäre der Tot. Ich schüttelte diesen Gedanken ab. Nein, noch war es nicht soweit.

"Niemals werde ich ihnen dienen, das verspreche ich euch Meister."

"Ich hoffe dass man dir die Wahl lässt." Ich wusste was er meinte. Mir missfiel der Gedanke nicht Herr über mich selbst zu sein. Aber damit musste ich mich wohl abfinden, jedes Erbe hatte seinen Preis Die Welt der Sterblichen blieb mir fremd und unwirklich und zur Gilde gehörte ich auch nicht. Ich war ein Wanderer zwischen beiden Welten, gehörte nirgends dazu. Nur Sen Lar gab mir einen Platz an dem ich mich Zuhause fühlte und eine Aufgabe, einen Grund weiter zu existieren.

"Du bist stark Norin. Ich bin mir sicher dass du deiner Bestimmung folgen wirst. Du wirst dich richtig entscheiden, das weiß ich."

"Ja Meister. Es...es ist nur dass..."

"Was bedrückt dich Norin?"

Ich sah meinem Meister tief in die Augen, versuchte zu ergründen was in ihm vorging. "Ich habe Angst Meister. Angst davor mich falsch zu entscheiden, Angst vor mir selbst."

Sen Lar musterte mich lange und aufmerksam. "Mein Schüler, du darfst eines nie vergessen. Angst ist der Begleiter derer die große Taten vollbringen, aber..." er lächelte mich an, "nie deren Meister. Sei froh dass du dich fürchtest. Ein Zeichen dafür das noch gutes in dir steckt, den einem Vampir ist Furcht fremd, eben so wie Mitleid oder Vergebung." Sen Lars Züge schienen verbittert, als wäre er an schreckliche Dinge erinnert worden. "Oder Gnade" flüsterte er.

Mir wurde bewusst dass ich kaum etwas über meinen Meister wusste. Woher er kam, warum er zu einem Jäger wurde, was mit seiner Familie war. Doch ich merkte dass dies jetzt nicht der richtige Moment war ihn danach zu fragen. Ich verschob mein Vorhaben auf ein andermal. Stattdessen fuhren wir mit unserem Meditationstraining fort. Den ganzen Tag verbrachte ich damit mein inneres Selbst in Einklang zu bringen.

Ich glaubte am Abend fast dass ich die Fortschritte in mir spüren konnte. Diese Nacht war seit langer Zeit endlich ruhig und traumlos für mich.

Barim öffnete die Augen. Seine Gliedmassen hatten aufgehört zu schmerzen. Als er sie betrachtete stellte er fest dass sie blau angelaufen waren. Er konnte sie nicht bewegen. Taub, vielleicht schon abgestorben. Es machte keinen Unterschied mehr. Er wusste nicht mehr wie lange er hier hing. Es mussten schon mehrere Stunden sein, er hatte sein Zeitgefühl verloren. Irgendwann war ihm die Kraft ausgegangen und er hat seinen sowieso sinnlosen Kampf gegen das Kreuz an dem er hing aufgegeben. Er wurde immer schwächer. Er brauchte unbedingt Blut, er merkte wie seine Kräfte schwanden. Müdigkeit umfing ihn. Seine Gedanken verschwammen. Voller Entsetzen stellte er fest wie der Himmel immer heller wurde. Es konnte nicht mehr lange dauern. Eine Zeitlang hatte er gehofft Tarim würde vielleicht Nachsicht mit ihm üben, ihn nur ein wenig schmoren lassen um ihm eine Lektion zu erteilen, doch es schien sein bitterer Ernst zu sein. Barim wurde geblendet von den ersten gleißenden Sonnenstrahlen die über den Berg strahlten. Er glaubte sein Kopf würde explodieren so gleißend hell war das Licht. Seine Augen erblindeten auf der Stelle, seine Haut begann zu brennen. Barim öffnete seinen Mund zu einem letzten Schrei während er im Schein der Sonne langsam zu Asche zerfiel.

 

 
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