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zusammen kunst

ZusammenKunst 2018
Im Haus der Generationen (HDG), Rheinberg
Samstag, 22.September

Nun jährte sie sich bereits zum 5. Mal, die ZusammenKunst. Jene wohlweislich aus zwei zusammengesetzten Worten betitelte Veranstaltung, die eine Kooperation der freien Literaturwebsite “Keinverlag“ und Künstlern aus Rheinberg (vornehmlich) und ganz Deutschland (eigentlich) darstellt.
Sie bietet Künstlern und Literaturschaffenden jeden Alters ein Forum, ihre Werke -zumeist in Verbindung mit anderen Künstlern- aus den stickigen Schreibstuben und schlecht belüfteten Probekellern hinauf auf die nach-drei-Seiten-offene Bühne zu bringen und dem geneigten Publikum kredenzen zu können. Offenheit und Neugier seitens des Auditoriums war hier einmal mehr von großer Wichtigkeit, da es an Vielfalt nicht mangelte. Vom Poetry-Slam über Lyrik, Rap, Stand-Up-Comedy und T(h)rash-Metal, bis hin zu Performance-Art, dadaistischen Experimentalklängen und Improvisationstheater war hier (wie eigentlich immer) so einiges geboten (worden).
Vor einem vielfältig gemischten Publikum (welches aus einer Melange aus Performern sowie zahl- und spendenfreudigen Zuschauern bestand) traten -nach einem bereits äußerst gegensätzlichen und deshalb umso interessanteren Vorprogramm aus Bassloops (NODJ/Rheinberg) und darauf folgenden Harfen/Klarinetten-Klängen (Sigune Schnabel/Düsseldorf & Marie Knaudt/Leipzig), sowie einer Begrüßung von “Keinverlag“-Jugendvertreterin Sunny Schwanbeck- eine Vielzahl von Künstlern in 4 Darbietungsblöcken auf.

In den Bühnen-Umbaupausen sorgte das sich bereits aufgelöste, jedoch für die ZusammenKunst jährlich re- formierende Improvisationstheater “Farbwerk“ für irrwitzige und höchst amüsante Akzente. Eine gelungene Idee, so die technischen Abläufe im Bühnenvordergrund zu überbrücken und zu überspielen.

“ Nie hat es einen blaueren Himmel gegeben “ lautete der erste vorgetragene Text von Keinverlag-Autor Jan Hemmerich, der von der Jugendtheater- und -gesangsgruppe“ Ten Sing“ -die Handlung seines interessant in verschiedene Zeit- und Gefühlsebenen verschachtelten Textes pantomimisch unterstreichend- begleitet wurde. Die Gruppe schafft es daraufhin noch eine gelungene Coverversion von Katy Perrys “Hot‘ N Cold“ auf die Bühne zu bringen.
Danach brachte ein Künstler- Duo -bestehend aus dem Duisburger Hip Hopper Ali Irter und Keinverlag-Autor I.J. Melodia (der hier zum ersten mal rappte!)- knackige Beats, unterstrichen mit geschliffenen Poetry-Wortsalven in den beiden Stücken “Mein Herz schlägt“ und “jetzt“ zu Gehör und damit auch erstmalig an diesem Abend die Publikumsfüße zum Wippen.
Daraufhin kehrte wieder etwas Ruhe auf der Bühne ein, als Sigune Schnabel die (wie sie bereits im Vorprogramm bewies) nicht nur ihre Harfe hervorragend zum Klingen bringen kann, sondern es als Keinverlags-Autorin in Begleitung vom virtuos mit den Fingern die Saiten seiner Gitarre anschlagenden James Partoir aus Marburg versteht, in “Saitenspünge“ ihre Welt in melancholischen Textbildern darzulegen.

Nach dem ersten 10minütigen Intermezzo brachte Stand-Up-Komödiantin Daniela Heuer aus Wuppertal -als Mitorganisatorin des Festivals von allen auch eindeutig “Mutti“ genannt- mit losem Mundwerk und äußerst schwarzhumorig ihre diesjährige Erfahrung bei einem proktologischen Eingriff zum besten, was das Publikum mit schallendem Gelächter und euphorischem Applaus quittierte.
“Schwarze-Schwanen-Poesie küsst Punk-Gitarre: Keinverlag-Autorin (und Moderatorin des Abends) Sunny Schwanbeck aus Meerbusch und der Rheinberger Musiker “Pümpel“ (Niels Conrad) vertonen in guter Tradition Sunnys Gedichte.“ So steht es im Programmheft. Und dass die beiden schon lange zusammenarbeiten war in jedem der vorgetragenen Texte, allen voran Sunnys Opus Magnum des Abends mit dem Titel “Eigentlich“ (gewidmet der verlorenen Liebe ihres Lebens) deutlich zu hören und vor allen Dingen (nach) zu fühlen. Dies war dann schon herausragend (wodurch hier keineswegs eine(r) der anderen Künstler(innen) diskreditiert werden soll).

Es folgte eine größere Pause von etwa 15 Minuten. Dann ging es mit einem der nächsten Highlights des Abends in Form der etablierten Keinverlags-Autorin Constanze Thum alias Judas (aka Fuchs) -die seit einiger Zeit in Norwegen lebt & wirkt und extra für die ZusammenKunst angereist war- weiter. Bei ihr treffen surreale Textbilder auf beißende Ironie. Sensationell. Neben dem “Fuchs auf der Rückbank“ war gerade der an zweiter Stelle vorgetragene Text dem Rezensenten sehr zusprechend. (Der dritte Text -dessen Titel ebenfalls nicht von Belang ist, wie der des zweiten- hat diesen dann aufgrund seiner (wenn auch ironischen?) misanthropischen Aussage etwas verstört, so das er sich im Nachgespräch mit der Künstlerin mit Lob etwas zurückhielt.)
Das Duo “Grapeyard“ -bestehend aus dem Ehepaar Sarah und Jan Schönmakers aus Oldenburg, die sich durch den Keinverlag vor ca. 10 Jahren kennen- und lieben lernten- stand als nächstes auf dem Programm und schaffte es erstmalig am Abend, einige Zuschauer mit ihrer Darbietung (einer guten Portion “D.A.F.“ und “Can“ beigemischten )Experimentalklängen und elegischer Lyrik zu irritieren und das Publikum zu spalten. Eine herausfordernde Darbietung, die den Verlauf und die Stimmung des Abends noch auf andere Weise konterkarieren sollte. Hierzu später mehr.
Dem Duo folgend kamen nochmal Judas und Mutti (der aufmerksame Leser erinnert sich) auf die Bühne. Sie gaben äußerst wortgewandt und mit Nachdruck einen Dialog zwischen “Reich und schön“ zum Besten, welcher äußerst gut beim Publikum ankam.
Mit “Auf Wiedersehen, Oma und Opa“ brachte der Theaterkünstler Simon Blaschko aus Warschau in textlicher Begleitung Sarah Schönmakers mit einer im Freien gelegenen Begräbnis-Performance eine weitere Kontoverse Darbietung des Abends dar, die stimmungstechnisch sowohl durch den wieder auffrischenden Regen, als auch die bereits eingetretene Dunkelheit noch unterstrichen wurde. Sie sollte Trauerbewältigung und künstlerisches Essay zugleich sein, rief dem entsprechend ein Konglomerat aus Gefühlen bei den Zuschauern hervor, welches nach der anschließenden 3. Pause auf der Bühne noch in Form einer Ausführung vertieft wurde.

Dies läutete denn auch den abschließenden Block dieses insgesamt über sechsstündigen Kulturabends ein.
“Wenn die Lerchen zwitschern“ - dieser Klangillusion konnte man sich durch die glasklare, zauberhafte Stimme von Katinka aus Rheinberg hingeben, die Gedichte der aus dem Vorprogramm bereits bekannten Keinverlag-Autorin Marie Knaudt zum Besten gab. Diese begleitete den Elfengesang mit Klavierspiel -nicht mehr mit der Klarinette- welches ihre instrumentale Vielseitigkeit offenbarte.
Katinka blieb den Zuschauern nach dieser Darbietung noch in gegensätzlicher Sangesform erhalten, welches wiederum ihre Vielfalt zur Geltung brachte. In Begleitung des durchdringenden Basses NOIDJ’s sowie des virtuosen Gitarrenspiels von Rheinbergs musikalischem Multitalent (sowie ZusammenKunst-Mitveranstalter) Renan Cengiz schmetterte sie -auch gesanglich von jenem unterstützt- mehrere Songs unterschiedlicher Genres Richtung Auditorium. Vom Funk, über Hip-Hop (dessen Rap die zweite große Stärke von Mitmusiker Renan alias Brudertaktiker darstellt) bis hin zu afrikanischen und experimentellen Anklängen war die Musikauswahl der drei Künstler abwechslungsreich und mitreißend, so dass hier noch mehr Füße zum mitwippen gebracht wurden.

Der euphorische Höhepunkt des Abends gebührte dann dem `Joint Venture‘ der Band “Scheuch wie Heu“ aus Haldern und Owald ( XXX ). Ein Mashup ihrer Songs “Der Mond ist so schön/Vorstadttraum“ sowie einer vermeintlichen Ode an Ich-heirate-eine-Familie-ZDF-Flaggschiff “Thekla Carola Wied“, welche er in Einklang mit der Band auf dem Keyboard begleitete, waren schon ein Knaller. Aber die, ja man möchte es eigentlich `Carambolage‘ nennen, mit dem bereits zuvor erwähnten Künstler Jan Schönmakers, der nun -konträr zu seinem knapp zwei Stunden zurückliegenden, eher avangardistisch zu nennenden Auftritt- zusammen mit “Scheuch wie Heu“ auf der Bühne zu den bereits zuvor ironisch von Renan angekündigten Stücken “ Stoppt den Sexismus, ihr Huren “ / “ Mein Pimmel ist zu klein/Mein Kokain ist weißer als dein Hochzeitskleid “ regelrecht eskalierte, suchte an diesem Abend wirklich ihresgleichen. Und mit dieser Provokant-Dadaismus- meets-Punk-Nummer sowie den darauffolgenden Darbietungen der Band, die am Abend zuvor noch auf der Hamburger Reeperbahn gejammt hatte und die auch nun diesen Saal letztendlich zum Klatschen und grölen brachte, fand der abwechslungsreiche Abend dann einen würdigen Abschluss.
Als Zugabe wurde es dann noch ein wenig sentimental. Als Danksagung für den im Hintergrund agierenden 1. Vorsitzenden des Keinverlags sowie Hauptorganisator der ZusammenKunst Andreas Hempler aus Wuppertal kamen alle 48 Künstler nochmals gemeinsam auf die Bühne, um das wochenlang im Stillen Kämmerlein auf Kölsch einstudierte Lieblingsstück besagten Organisators -BAP’s “Koot für Aach“- gemeinschaftlich zum Besten zu geben, was abschließend noch einmal für Gänsehaut unter allen Beteiligten sorgte.
Ein rundum gelungenes Festival. Von kleinen Abstrichen, wie z. B. dem maßlosen Einsatz der Kunstnebelmaschine, die zuzüglich der Luftverunreinigung geräuschvoll so manche ruhigere Darbietung zu sabotieren vermochte; das Gleiche gilt auch für das zu früh aufgebaute bzw. nicht gedämpfte Schlagzeug, welches so manchem Elfengesang ein unfreiwilliges Vibrato angedeihen ließ. Auch die oftmals etwas hakenden Technik, die einige Gitarrensoli akustisch verschluckte sowie die Ablauffolge zeigt sich dramaturgisch hi und da noch durchaus verbesserungswürdig. Aber dies alles ist “meckern auf hohem Niveau“.
Resümierend kann der gesamte Abend als sehr gelungen bezeichnet werden. In mühsamer Kleinarbeit über 50 Menschen jedweden Alters und verschiedenen Geschlechts unter einen Hut zu bekommen und ein über sechsstündiges, vielseitiges Programm zu stemmen kann nur gelobt werden. Den Organisatoren Andreas Hempler, Renan Cengiz, Daniela Heuer, Jan Hemmerich und I.J. Melodia und alle den vielen Helfern sollte mehr als nur Respekt gezollt werden. Allen Beteiligten merkte man an, dass sich jeder von ihnen hier als Teil einer großen (Künstler)familie fühlt und in solch einer Gemeinschaft spannende und großartige Dinge vollbracht werden können.

Es wäre wünschenswert, dass diese Kult-Veranstaltung mehr Aufmerksamkeit auf sich und Zuschauer an sich binden würde. Damit man noch viele Jahre in den Genuss solch einer vielfältigen und hochunterhaltsamen ZusammenKunst kommt. Man darf jedenfalls auf die kommenden Jahre gespannt sein.

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Stephan Heuer


www.zusammenkunst.de
www.keinverlag.de
Der Rezensent schreibt Filmrezensionen für www.filmola.de/author/stephan/

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